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Wallfahrtskirche Maria Birnbaum in SIELENBACH


Adresse: 86577 Sielenbach Maria-Birnbaum-Straße 51
Lage der Kirche auf der Landkarte...  


Kurzbeschreibung

Sielenbach liegt im Landkreis Aichach, im Wittelsbacher Land. Kirchenrechtlich gehört es aber zum Dekanat Indersdorf. Deshalb habe ich die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum in diese Seite mit aufgenommen.

Die den Sieben Schmerzen Mariens gewidmete Wallfahrtskirche Maria Birnbaum liegt im Südteil von Sielenbach im Ecknachtal.   Die außergewöhnliche Architektur des Baus fasziniert Besucher und Kunstexperten.
Die Kirche besteht aus sechs ineinander gehenden unterschiedlich großen ovalen Räumen. Sie sind von Kuppeln überwölbt, die zusammen mit den Türmen die Dachsilhouette prägen und der Kirche ein Aussehen geben, wie wir sie aus Osteuropa oder von den alten byzantinischen Bauten kennen. Diese Architektur ist in unserer Gegend einzigartig. Maria Birnbaum ist die erste Kuppelkirche nördlich der Alpen.

Maria Birnbaum war ein bekannter Marienwallfahrtsort. Auch heute noch zieht es viele Wallfahrer an. Gnadenbild ist die Schnitzfigur einer wundertätigen Pieta, die um 1600 geschnitzt, im 30jährigen Krieg von den Schweden verstümmelt und danach in der Höhlung eines Birnbaums aufgestellt worden ist.

1659 wurden die ersten Wunder gemeldet. Ab 1661 errichtete der Leiter der im nahen Blumenthal angesiedelten Deutsch-Ordens-Ritter, Philipp Jakob von Kaltenthal, um den Birnbaum herum die heutige Wallfahrtskirche.


Gnadenbild

Am 14.Oktober 1668 wurde die Kirche vom Freisinger Weihbischof Kaspar Kühner feierlich eingeweiht.
Zwar waren wegen der mangelhaften Statik der Hauptkuppel immer wieder größere Renovierungen nötig; doch die Kirche überstand in der Bausubstanz alle Kriege und Brandgefahren. Lediglich die übrigen Kuppeln hat man nach einem Sturm von 1794 etwas niedriger (ohne Laternen) wieder aufgebaut.


Inneneinrichtung

Im Inneren bilden die nach dem Grundriss so klar unterschiedenen Räume einen harmonisch wirkenden Gesamtraum. Das hohe Langhaus ist achteckig. Auf seine Kuppel ist der sog. Apostelturm gesetzt, eine Rotunde mit Brüstung, von der die Figuren von 12 Aposteln herabblicken. Im Osten des Langhauses schließt sich der Altarraum an, mit zwei Ausbuchtungen links und rechts sowie der niedrig eingewölbten Sakristei hinter dem Choraltar.

Die Kirche besitzt 5 Altäre, von denen drei aus der Erbauungszeit stammen. Auf dem Choraltar steht das Gnadenbild, darüber das Altarblatt mit einem Bild der Kreuzabnahme Christi. Assistenzfiguren sind Petrus und Paulus. Hinter dem Hochaltar ist noch der knorrige Stamm des 1671 abgestorbenen Birnbaums zu sehen.
Im Langhaus stehen vier Seitenaltäre. Die Altarblätter der beiden vorderen Altäre haben die "Stigmatisierung des hl.Franziskus" und die "Rast der Hl.Familie auf der Flucht nach Ägypten" zum Thema. Die beiden hinteren Seitenaltäre, die erst 1817 aus der Kirche von Thierhaupten hierher kamen, sind der hl.Barbara und dem hl.Georg geweiht.

Als Schauseite dient die hohe Westwand. Vier große Figuren umgeben eine Nische inmitten der Wand, in die die Orgel mit halbkreisförmiger Empore eingebaut ist. In dieser Nische stand fast 200 Jahre lang der abgestorbene Birnbaum mit der Gnadenfigur. Während dieser Zeit war auch der Hochaltar an der Westseite um diesen Birnbaum herum aufgestellt.

Viele Votivbilder zieren in mehreren Gruppen die Wände der Kirche. Zwar wurden die wertvollsten Votivbilder aus Sicherheitsgründen ausgelagert, doch vermitteln die noch vorhandenen einen guten Einblick in die Nöte der Menschen und das große Vertrauen, das die Bevölkerung der Muttergottes entgegenbrachte.

FensterRechter vorderer SeitenaltarAufsatzbild-Mariä HeimsuchungRechter vorderer SeitenaltarStuckSkelettreliquieFensterStuckStuckGnadenfigurAltarblattSt.PetrusSt.PaulusWappenAltaraufsatzIHS-GlorioleReliquienschreinReliquienschreinReliquienschreinReliquiarTabernakelOratoriengitterFahneEwig Licht AmpelLinker vorderer SeitenaltarRechter vorderer SeitenaltarAltarblatt-Flucht nach ÄgyptenSt.AntoniusSt.NikolausElisabeth-Bild   ApostelleuchterApostelleuchterSt. NotburgaApostelleuchterSt.SebastianKreuzigungsgruppe
Vergrößerung von 26 Details (Altäre, Stuck) per Mouseklick

Gottesdienste werden täglich gefeiert. Die aktuelle Gottesdienstordnung finden Sie hier...
Patrozinium ist am Fest "Sieben Schmerzen Mariens", am 15.September.
Die Kirche ist während des Tages offen. Führungen finden vom Mai bis Oktober jeden 1. Sonntag im Monat (15.00 Uhr), sowie nach Vereinbarung statt.



7-Klöster-Weg

Maria Birnbaum ist auch eine der Stationen des 7-Klöster-Wegs, eines Radwegs, der die Standorte von sieben bestehenden oder ehemaligen Klöstern im Dachauer- und Wittelsbacher Land miteinander verbindet. Entlang der Radltour werden der historische Hintergrund, der Bezug zur Kunstgeschichte und zum Geistlichen Leben an jedem Klosterstandort ansprechend dargestellt. An vielen Klosterstandorten befinden sich heute noch neben geistlichen Einrichtungen Bildungshäuser, Orte sozialer Integration oder Museen.
Die Klöster sollen durch diesen Radweg wieder ins Bewusstsein gerufen und als Schatz des Dachauer Landes erfahrbar werden. Die Tour führt zu zahlreichen Wirtshäusern, Klostergaststätten, Cafes und Biergärten.
Die sieben Klöster sind:
1. Schönbrunn (Gem.Röhrmoos). Bestehendes Kloster der Assoziation der Diener und Dienerinnen der Göttlichen Vorsehung"
    im ehem. Schloss Schönbrunn. Große Behindertenanstalt.   ... mehr über Kloster Schönbrunn...
2. Weichs. Bestehender Schulorden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau im ehem. Schloss der Reichsfreiherren.
3. Indersdorf. Ehem. Augustinerkloster von 1126-1783. ... mehr über Kloster Indersdorf...
4. Petersberg (Gem.Erdweg). Ehem. Kloster von 1104-1123.   ... mehr über den Petersberg...
5. Altomünster. Birgittenkloster seit 1496, vorher Benediktinerinnenkloster, um 760 Eremitenzelle von St.Alto  ... mehr darüber...
6. Maria Birnbaum (Gem.Sielenbach). Deutscher Orden. Wallfahrtskirche erbaut 1659. ... mehr über Maria Birnbaum...
7. Taxa (Gem.Odelzhausen). Ehem. Kloster der Augustiner-Barfüßer von 1654-1802. ... mehr über Kloster Taxa...

Der Radweg ist rd. 100 km lang. Er ist in beide Richtungen mit dem 7-Kloster-Logo beschildert und kann so von jedem Kloster aus begonnen werden.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Wallfahrt Bau der Kirche Geistliche Betreuung Bruderschaft
  Matrikel von 1738 Abrisspläne 1803  
Ausstattung: Apostelleuchter Apostelturm Baubeschreibung Baustil Beichtstuhl
  Birnbaum Chorglocken Choraltar Epitaphe Ewig-Licht-Lampe
  Fenster Fahnen Figuren Gnadenbild
  Kapelle Kirchenbänke Kirchenraum Kreuzweg Krippe

 

Marienbildnis Oratoriengitter Orgel Opferstock Reliquien
  Renovierungen Sakristei Stuckierung Seitenaltäre Tabernakel
  Türme Vorhalle Votivbilder Westwand Zelebrationsaltar
      Gottesdienstordnung

Geschichte der Kirche und der Wallfahrt

Wallfahrt
In der Nähe der heutigen Kirche stand im Mittelalter die Burg Stunzberg, ein Adelssitz derer von Weychs, die in der Renaissancezeit zu einem stattlichen Schloss umgebaut worden war (siehe Bild rechts). Um 1600 stellten die Bewohner des Schlosses in einem nahe gelegenen Weinberg (!) ein kleines, wenige Jahre zuvor geschnitztes Vesperbild, auch Pietá genannt, in einen Eichbaum ("an dem Spitz deß also genannten Weinbergs auf der Höhe gen der Ecknach Brugg Auf einer Aichenen Säulen eingefaßt"); es diente der "persönlichen Andacht". 1632, im 30jährigen Krieg, fielen die Schweden in Bayern ein, zerstörten das Schloss Stunzberg, zündeten das Marterl im Weinberg an und warfen das Vesperbild in das Jochmoos. Dort fand "geraume Zeit später" Johann Vogl, der Dorfhirte von Sielenbach, die halb verbrannte und vermoderte Figur und stellte sie gesäubert und ergänzt in den ausgebrannten Stamm eines Birnbaums an der Straße. Zunächst wurde die Figur aber noch nicht besonders verehrt. Berichte sprechen davon, dass Rossknechte manchmal die Figur herausgenommen haben, wenn sie sich selbst in der wohl großen Baumhöhlung vor Regen schützen wollten.


Schloss Stunzberg

Vergrößerung bei Mouseklick


Bretterhäuschen
1659 wurde die erste Wunderheilung bekannt: Frau Anna Burger aus Meran in Südtirol litt an "Hysterie", ihr Sohn an "einem großen Leibschaden". Sie waren schon zu den "vornehmen Wallfahrten", nach Andechs, Mariazell, Ettal und Klosterlechfeld gepilgert, ohne geheilt zu werden. Da erschien der Frau im Traum das kleine Vesperbild und forderte sie auf, das "monstruosa imago" im Baierland zu suchen. Für die Heilung genügte also nicht der Traum; notwendig war die körperliche Begegnung. Frau Burger zog über die Alpen und fand das Vesperbild nach langer Irrfahrt hier in Maria Birnbaum. Von Stund an war sie mitsamt ihrem Sohn geheilt. Als ein zweiter Fall, die Heilung der taubstummen Maria Schnader aus Ziemetshausen bekannt wurde, setzte eine rege Wallfahrt zu "Unserer Lieben Fraw im Pürnbaum" ein. Um den Birnbaum herum wurde ein provisorisches Bretterhäuschen errichtet (siehe Bild links). Die Legende ist auch im 1855 erschienenen Buch " Beitrag zu Deutschen Mythologie " enthalten. Wenn Sie sie im Originaltext lesen möchten, klicken Sie hier...

Neubau der Kirche
Der Grund, auf dem der Birnbaum stand, gehörte dem Deuten Orden, genauer gesagt, der Deutschordens-Kommende (= Ordensniederlassung) Blumenthal, nur wenige Kilometer nördlich von Sielenbach. Deren Leiter (= Komtur) Philipp Jakob von Kaltenthal unterstützte die Wallfahrt. Es gelang ihm, gegen erheblichen Widerstand sowohl des Deutschen Ordens als auch des Freisinger Ordinariats den Bau einer stattlichen Wallfahrtskirche (""ansehnlich große kirche") für 2000 Gläubige über dem Gnadenbild durchzusetzen.

Die Kosten des Baus trugen die Deutschordenskommende Blumenthal und der Komtur persönlich. Das Bistum steuerte nichts bei. Letztendlich war der Bau aber nur möglich, weil viele Leute unentgeltlich halfen und Material schenkten oder billiger abgaben. Ein Teil der Steine kam von der Ruine des Schlosses Stunzberg.
Aber eine Wallfahrt war in der damaligen Zeit auch eine einträgliche Einrichtung. Bald schon amortisierten sich die Baukosten durch die Spenden der Wallfahrer. Allerdings gab es sofort Streit um das Geld, denn das bischöfliche Ordinariat in Freising beanspruchte die Spenden für sich. Es kam zu gerichtlichen Auseinandersetzungen in deren Verlauf die neue Wallfahrtskirche sogar einmal mit einem Interdikt belegt wurde. Dies bedeutete, dass hier keine Messen mehr gefeiert werden durften (und wohl auch der Wallfahrtsbetrieb eingestellt war).

Im April 1661 begann man mit dem Bau. Er wurde schnell hochgezogen, weil der Wallfahrtsbetrieb nicht lange beeinträchtigt werden sollte. Bereits im November waren die Außenmauern bis zu den Abschlussbögen der Fenster gediehen. Im folgenden Jahr wurden die eigentlichen Maurerarbeiten beendet und die Seitentürme begonnen. 1663 errichtete der Augsburger M. Gabriel Schwarz den den großartigen Dachstuhl. Gleichzeitig wurde der Grundstein für den Ostturm gelegt. Am 8. Oktober 1663 gewährte Papst Alexander VII. einen vollkommenen Ablass für den Besuch der Kirche am Patroziniumsfest. Dies förderte die Wallfahrt erheblich. 1664 hat man die 12 lebensgroßen Apostelfiguren in der Rotunde aufgestellt; zugleich hat der Wessobrunner Matth. Schmutzer die Kirche mit Stuck ausgestattet. 1668 war die Kirche fertig; am 14.Oktober weihte der Freisinger Weihbischof Kaspar Kühner die Kirche ein.
Aber noch die nächsten vier Jahre hat man an der Fertigstellung des Ostturms gearbeitet. 1675 kam der Hochaltar in die Kirche, das Hochaltarbild 1678. Im gleichen Jahr hat man die Kanzel eingebaut. Schon 1689 traten an der Kuppel und an den Stuckaturen die ersten Bauschäden auf.

Baumeister war der Münchner Konstantin Pader (1598-1681). Er ist im Dachauer Land vor allem als Bildhauer bekannt, hat aber neben Maria Birnbaum auch eine Reihe von Pfarr- und Klosterkirchen als Baumeister errichtet. Der Bauplan war zu Beginn noch nicht ausgereift. Zunächst war nur ein Turm vorgesehen. Die beiden anderen wurden erst später während der Bauarbeiten hinzugefügt. 1662 die beiden Seitentürme, 1663 der Ostturm. Der halbkreisförmige Westanbau kam erst 1665 dazu.
Der eigentliche Planer aber war Philipp Jakob von Kaltenthal, der durch viele Länder gereist war und in dieser Wallfahrtskirche seine architektonischen Träume verwirklichte.

Verlegung der Altäre 1685-1867

Zunächst waren die Altäre wie heute nach Osten ausgerichtet, d.h., der Hochaltar stand im Altarraum, die Seitenaltäre im Langhaus. 1685 hat man dann die Altäre nach Westen verlegt. Der Hochaltar kam an die hohe Westwand, wo er den dort stehenden Birnbaum überwölbte. Auch die Seitenaltäre wurden in diesen Tausch einbezogen. Eigentlicher Grund war wohl der Birnbaum, den man in den Hochaltar einbauen wollte. Der war aber im Westen der Kirche im wahrsten Sinne des Wortes "verwurzelt", obwohl er zu dieser Zeit schon abgestorben war.
Doch es gibt auch eine Legende dazu, die der Historiker Panzer in seinem Buch "Bayerische Sagen und Bräuche" erzählt: Danach wollte die Muttergottesfigur nicht nach Westen (gegen den Untergang) schauen, sondern nach Osten gegen den Aufgang. "Sie verschwand nachts aus dem Chore und stand am Tage am Westende des Schiffes an der Stelle des Birnbaums. Als sich dieses wiederholte, erkannt man ihren Willen und versetzte den Altar aus dem Chore dahin, das Altarbild gegen Osten gerichtet.".
Allerdings hat man im Jahr 1867 bei der Rückführung der Altäre in den heutigen Zustand auf Betreiben des Benefiziaten diese Legende mit keiner Silbe erwähnt, "obwohl sie dem volkfrommen Konservatismus" dieser Zeit entsprochen hätte.

Geistliche Betreuung

Schon 1662 konnte ein eigens angestellter Wallfahrtspriester über einem Tragaltar Messen in der noch unvollendeten Kirche lesen. Der Papst (Alexander VII.) gewährte am 8.Okt.1963 einen Ablass für das Fest Mariä Himmelfahrt, der 1675 auf das Fest des hl.Georg erweitert wurde. Das sorgte für ein weiteres Anwachsen der Wallfahrt. Von 1670 bis 1803 hatten die Deutschordens-Priester die Seelsorge inne. Elf Jahre nach dem Bau der Kirche errichtete der Deutschordenskomtur Freiherr Niclas von Sparr ein Benefiziatenhaus für einen Priester, der von der Commende Blumenthal ein jährliches Einkommen bezog. Wegen der großen Zahl der Wallfahrer hat man später sogar noch einen zweiten Priester als Kaplan angestellt. Aus dem Jahr 1670 ist der Name des Wallfahrtspriesters bekannt; es war der Deutschordenspriester Joh.Moses Stoß, der die Kirche noch von Blumenthal aus betreute, d.h. die Entfernung von 2 mal 4 km täglich zu Pferde zurücklegte.

1867 (bis 1984) übernahmen die Kapuziner die Betreuung der Wallfahrer. Dazu wurde das Benefiziatenhauses abgebrochen und an dessen Stelle ein Kapuzinerhospiz für zwei Patres und 2 Fratres errichtet. Das Benefizium ging auf die Kapuziner über.
Mesner war damals war ein Kapuzinerbruder, Organist der Lehrer von Sielenbach.
Seit 1999 liegt die seelsorgerische Betreuung wieder beim Deutschen Orden. Der richtete hier 2001 in Birnbaum das Noviziat der Deutschen Provinz seines Ordens ein, was die Bedeutung von Maria Birnbaum als geistliches Zentrum unterstreicht.

Bruderschaft
1685 wurde die Bruderschaft zu den sieben Schmerzen Mariens gegründet, zwar ohne bischöfliche Genehmigung aber doch mit oberhirtlichem Wissen. Sie wurde 200 Jahre später (mit oberhirtlichem Konsens vom 18.Mai 1867) der "Erzbruderschaft Mariä Himmelfahrt zum Troste der armen Seelen" in Rom einverleibt (aggregiert). Das Hauptfest der Bruderschaft ist an Mariä Himmelfahrt, dem 15.August. Aus dem Jahr 1874 wird berichtet, dass zu diesem Fest Frühamt, Hochamt, Predigt und Prozession abgehalten wurden. Am Ostermontag hat man der verstorbenen Mitglieder gedacht. Mit der Bruderschaft vereinigt waren zwei Messbündnisse, der sog. Toten- und der blaue Bund. Der Bruderschaft gehören noch heute etwa 1000-2000 Mitglieder an.

Schmidt'sche Matrikel von 1738/40
In den Jahren 1738/40hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien des Bistums Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Wallfahrtskirche kurz beschrieben. Zur "Ecclesia Bmae Virginis, bey dem Biernbaumb nuncupata", bemerkt er, die Kirche sei sehr groß. Errichtet habe sie im Jahr 1661 der berühmte Herr Philippus Jacobus Baron von Kaltenthall, Mitglied des Deutschen Ordens und Komtur in Plumenthall. Die Kirche besitze fünf Altäre:

Der Hochaltar sei der Schmerzhaften Muttergottes geweiht, deren Statue in einem Birnbaum aufbewahrt und in diesem öffentlich verehrt werde. Es sei berühmt durch Wunder und viele Wohltaten. In diesem Altar werde auch das Allerheiligste aufbewahrt. Die Seitenaltäre seien der Heiligen Familie, der Märtyrerin und Jungfrau Barbara, dem Gekreuzigten Christus und dem Martyrer Georg gewidmet. Gottesdienste würden hier vom Benefiziaten und dessen Kaplan täglich gehalten; besonders an den Marienfesten und an Samstagen. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach dem Fest des hl.Gallus (16.Oktober). Das Vorschlagsrecht für die Berufung des Benefiziaten habe der Deutschordens-Komtur von "Plumenthall". Der aktuelle Benefiziat sei Paulus Alipius Markel, der 1694 die Priesterweihe empfangen habe. Der Kaplan Vitus Schoenauer sei erst seit 1737 hier. Die Wallfahrtskirche habe keinen Friedhof; in der Sakristei befänden sich schöne Messgewänder. Im Turm hingen drei geweihte Glocken.

Abrisspläne 1803
Im 18.Jh ging die Wallfahrt in Maria Birnbaum -wie auch andernorts- stark zurück. Bei der Säkularisation 1803 wurde die Kirche als entbehrlich eingestuft und sollte abgerissen werden. Das -wohl nie förmlich gestiftete- Benefizium wurde aufgehoben. Der letzte Benefiziat erhielt eine Pension. Nur weil die Bauern der Umgebung die Baulast übernahmen, konnte das Gotteshaus weiter bestehen bleiben. Später kaufte die Gemeinde Sielenbach die Kirche. Doch auch sie entwickelte 1865 angesichts der umfangreichen Bauschäden, die in den vergangenen 50 Jahren entstanden waren, Abrisspläne. Wieder retteten Bauern die Wallfahrtskirche. Sie gründeten zwei Baufonds (Stiftungen), deren Vermögen bei 2840 Mark (Asum'scher Fond) und 504 M (Böhm'sche Fond) lag. Diese als blauer Bund bekannte Gemeinschaft besteht immer noch fort; ihre 30 Mitglieder tragen zu besonderen Anlässen blaue Mäntel. Die Baupflicht obliegt aber nicht mehr diesem Bund; sie lag jedenfalls 1874 schon wieder bei der Kirche.

Renovierungen
1689      Die Statik des Baus war von Anfang an teilweise mangelhaft. Schon ein Jahr nach der Einweihung musste die Kuppel
            über dem Kirchenschiff wegen Baufälligkeit ausgebessert werden.
1671      Die erste Renovierung war schon 10 Jahre nach der Erbauung notwendig.
1794      beschädigte ein Gewittersturm die Dächer und der Apostelturm brannte sogar aus. Bei der Reparatur hat man drei
            Turmzwiebeln ohne sog. Laternen erneuert und ihnen ihr heutiges Aussehen gegeben.
1893-96 (dunkle Ausmalung, goldener Stuck)
1936-38 (neue Dacheindeckung, ursprüngliche Farbigkeit wieder hergestellt,
1972-80 (Neufundamentierung, Ringanker aus Stahlbeton, Dacheindeckung, Orgelempore)
2009-10 (Dachstuhl, Fassade) Das Dachwerk der Kuppel hatte sich wegen weit zurückreichender Konstruktionsmängel gesenkt und drohte einzustürzen.

Baubeschreibung
Die Kirche liegt im Ecknachtal, südlich von Sielenbach (Lkr.Aichach), an der Straße nach Adelzhausen.

Baustil

Ihre Architektur ist einzigartig in unserer Gegend. Sie erinnert durch die drei Türme und durch mehrere Kuppel-Überdeckungen an Kirchenbauten, wie wir sie vor allem in Osteuropa im orthodoxen Raum finden.
Doch tatsächlich entspricht die Kirche einem Phantasieentwurf des weit gereisten Bauherrn, der sich lange Zeit in Rom aufgehalten und dort das von ihm selbst genannte Vorbild für seine Bauidee kennengelernt hatte: die Kuppelrotunde des Pantheons, das seinerzeit eine der bedeutendsten Marienkirchen der Ewigen Stadt war. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen ein Hobbyarchitekt seine Pläne durchsetzen konnte. Einen Teil verdankt das Erscheinungsbild aber auch statischen Problemen; denn die beiden Türme in Norden und Süden mussten ganz ungeplant errichtet werden, um die große Kuppel des Langhauses zu stützen. Früher besaßen die Kuppeln ebenfalls Laternen, sodass es dem Betrachter vorkommen musste, als habe die Kirche sechs Türme.
Maria Birnbaum ist der erste größere barocke Zentralbau in Bayern.

Zitate
Der Baustil wird in mehreren Publikationen als außergewöhnlich hervorgehoben:
- Das Münchner Kirchenradio verkündete: "Ein Stück Orient zwischen oberbayerischen Wiesen und Felder ... eine Besonderheit
  unter Bayerns Gotteshäusern".
- Wikipedia erinnert es an byzantinische Bauten, bei denen auch italienische Einflüsse eine große Rolle spielen.
- auf der Internetseite des Deutschen Ordens ist zu lesen: "Maria Birnbaum ist die Stein gewordene Vision eines Einzelnen -
  zur Ehre der Gottesmutter Maria.
- Der Münchner Kunsthistoriker Hans Karlinger bezeichnet die Kirche als "wunderbaren, mirakulösen Heilthumsraum".
- Der von Schnell/Steiner herausgegebene Kirchenführer schreibt: " Der Außenbau wirkt wie ein fremdländisches
  slawisches Formenkonglomerat ... er ist eines der phantasiereichsten Gebäude der neuzeitlichen europäischen Architektur
  und Zimmermannskunst".
- 'Museum With No Frontiers' urteilt: "Eine phantastische turmreiche Außengestaltung steht mit einer komplexen Dreiergruppe
  von Rundräumen in Verbindung, wobei Reminiszenzen an das antik-römische Pantheon eine sinnfällige Rolle spielen.
- Und Wallfahrtsseelsorger Pater Jörg Weinbach sagt: "Maria Birnbaum ist eine Tankstelle der Seele".

Kirchenraum
Die Kirche besteht aus mehreren ineinander gehenden Räumen. Der Grundriss ist eine Aneinanderreihung von verschiedenen Rundformen (Kreis, Ovale, Dreipässe). Zentraler Punkt der Kirche ist die Hauptkuppel aus Ziegelsteinen, die den größten Teil des Langhauses überdeckt.
Maria Birnbaum ist der ersten große barocke Zentralbau Bayerns; ein Menschenalter vor den Bauten Joh.Michael Fischers in und Bergkirchen (1733), Sigmertshausen (1755) und Altomünster (1766). Das Langhaus mit achteckigem Grundriss erinnert an die frühen Taufkirchen, die ebenfalls achteckig waren. Auch Taufbecken haben oft eine achteckige Form; die Zahl "8" hat als Hintergrund die sieben Schöpfungstage und als achten Tag den Tag der Taufe als "Neuschöpfung durch Jesus Christus".
Dieses achteckige (oktogonale) Langhaus wird von einer großen Rotunde überkuppelt, über die Licht in die Mitte des Raums geleitet wird. Im Osten schließt sich der Altarraum an, hinter dem die Sakristei -ebenfalls mit ovalem Grundriss- angebaut ist. Im Westen beschließt eine prächtige Schauwand die Kirche. In einer Nische dieser Wand stand in den ersten zwei Jahrhunderten nach der Erbauung der Birnbaum mit dem Gnadenbild vor einem großen Fenster, damit die Wallfahrer ihn schon von außen sehen konnten. Lange Zeit befand sich dort im Westen auch der Hochaltar. Eine solche Anlage hatte Seltenheitswert in Bayern.

Die Wände der Kirche sind durch flache Pilaster gegliedert und durch Stuck von Matthias Schmutzer aus Wessobrunn verziert. Diese Gestaltung verrät nach Ansicht des Kunsthistorikers Bernhard Schütz die Handschrift des Baumeisters Konstantin Pader, der die Bauidee von Kaltenthal in heimischer Formensprache ausführte und sie so gleichsam ins Bayerische übersetzte.

Türme und Kuppeln




Die Kirche besitzt trotz der insgesamt 10 mit Holzschindeln gedeckten Kuppeln und Dächer nur drei Türme. Geplant war sogar nur ein einziger Turm. Die beiden anderen Türme in Norden und Süden mussten errichtet werden, um die Kuppel der großen Rotunde zu stützen. Im Bild links sind die zusätzlichen Türme außen, die Kuppel dazwischen zu sehen. Trotz der beiden stützenden Türme ist die große Kuppel ein fragiles Bauwerk geblieben. Vor wenigen Jahren hatte sich die Kuppel wieder abgesenkt und drohte einzustürzen. 2011 hat man sie renoviert.

Wie ein Türmchen sieht auch der außen angebaute und überkuppelte Aufgang zur Kanzelauf der Südseite aus. Es reicht aber nur bis zur halben Traufhöhe und ist als einziger mit Kupfer gedeckt (Bild rechts). Die dazugehörende Kanzel war 1678/79 vom Kistler Johann Wiedemann aus St.Leonhard eingebaut und gut 200 Jahre später, 1895 wieder entfernt worden.



Die Kuppeln hatten zunächst sog. Laternen, waren also höher angesetzt als heute (im Bild rechts: die zweite Laterne von links und die rechte Laterne). Als 1794 das Dach durch einen schlimmen Sturm beschädigt worden war, hatte man bei der Reparatur die Laternen entfernt.            
Die Türme sind im unteren Bereich quadratisch, im oberen Bereich achteckig. Besonders schön ist der Ostturm gestaltet mit einer begehbaren Brüstung am Übergang vom Viereck zum Achteck. Hier befindet sich auch eine alte Turmuhr der Fa. J.Neher und Söhne aus München.
Hinter den 24 größeren und kleineren Schalllöchern hängen derzeit fünf Glocken, die 1949 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossen wurden. Die früheren Glocken mussten im Krieg zum Einschmelzen abgeliefert werden; Glocken zu Kanonen.
  Frühere Glocken:
1874 waren vier Glocken vorhanden: Die drei Kleineren davon waren von Paul Kopp im Jahr 1682 gegossen worden ("Paulus Kopp goss mich in Mynchen MDCLXXXII"). Sie trugen die weiteren Aufschriften "Jesu, Nazarene, Rex Judaeorum, miserere nobis", "Jesus.Maria.Joseph.Joachim.Anna" und "A fulgure et tempestate libera nos Domine Jesu Christe". Auf der größten Glocke war zu lesen: "Gegossen von Andreas Schmidt in Augsburg für die Wallfahrtskirche Sielenbach - Gestiftet von Matthias Asum, Bauer in Lichtenberg"
Eine Übersicht über die ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...

Neben dem Altarraum stehen an der Südseite zwei eingeschossige Anbauten. Der östliche beherbergt die 1734 errichtete Sakristei, im westlichen sind Abstellräume eingerichtet.

Zur Unterstützung der Wallfahrt errichtete man eine Klostergaststätte und einen Kloster.


I
nneneinrichtung

Stuckierung

Die Wände der Kirche sind vertikal durch flache Pilaster mit Kompositkapitellen auf hohen Sockeln und horizontal durch ein ringsum verlaufendes verkröpftes Gesims gegliedert. Überdeckt wird sie durch ein Tonnengewölbe mit Stichkappen. Die Deckenfläche ist durch geometrische Felderteilung und radial ausstrahlende Rippen gegliedert.

Viele Fenster und die Rotunde in der Mitte der Kirche lassen viel Licht in den Raum und machen ihn heller, als man von außen vermutet.

 Der 1664 aufgebrachte graue Stuck stammt aus der Hand von Matthias II Schmutzer (1634-1686) aus Wessobrunn. Man glaubt, dass auch der Baumeister Constantin Pader seine Ideen mit eingebracht hat, denn in Maria Birnbaum sind die typischen Wessobrunner Stuckformen (Verzierung der Fensterlaibungen, eingerollte Schneckenformen, Muscheln) mit Elementen der Münchner Stucktradition (geometrische Felderungen, Lorbeerbündel, Engelshermen, Lambraquins) vereinigt. Schmutzer hat viele Einzelmotive mit festen Modellformen gegossen; sie sehen deshalb gleich aus. Stuck besteht aus Gips.
Eine Zeit lang bot der Innenraum einen völlig anderen Anblick: 1896 hatte man die Kirche dunkel ausgemalt und den Stuck vergoldet. Das wurde 1936 wieder rückgängig gemacht.


Choraltar

Der Hochaltar dürfte vom Baumeister Konstantin Pader -er war auch ein exzellenter Bildhauer- entworfen worden sein. Er ist -wie viele Altäre seiner Zeit- schwarz-golden gefasst (bemalt) und dunkelrot marmoriert. Die Fassung stammt von Christoph Schweigsteiger. Der sieben Meter breite und raumhohe Altar stammt aus der Erbauungszeit (1674/75).

Zunächst stand der Choraltar -wie heute- an der Ostseite der Kirche, doch 1685 versetzte man ihn an die Westseite. Dort befand sich -vor einem großen Fenster- der schon im Jahr 1671 abgestorbene Birnbaum. Um den herum hat man den Altar aufgestellt, mit dem Gnadenbild im Mittelpunkt. An diesem für einen Hauptaltar ungewöhnlichen Ort blieb er 180 Jahre lang. 1867 kam der Altar mit Baum und Gnadenfigur wieder in den Osten, wo er bis heute steht.

Mit dem ungewöhnlichen Westaltar beschäftigt sich auch eine Beschreibung aus dem Jahr 1855:
  "Mariabirnbaum heißt ein weiler mit einer walfahrtskirche in der pfarrei Sielenbach in Oberbayern. die kirche wurde in den jahren 1161 bis 1165 (muss richtig heißen: 1661 bis 1665) von dem komthur des deutschen ordens, Jakob von Kaltenthal, aus steinen des in der nähe als ruine noch sichtbaren schlosses Sturzberg erbaut. (topographisches etc. lexicon von Eisenmann etc., 1832, II, 28). Auf der stelle, wo jetzt der frauenaltar in der kirche steht, wurde "unsere liebe Frau unterm birnbaum" verehrt. dieser altar steht nicht, wie es gewöhnlich ist, in oder nächst dem gegen sonnenaufgang gerichteten chor, sondern am äußersten westlichen ende des kirchenschiffes und zwar so, daß die rückwand des altares mit der abbildung der h.Maria unter einem fruchttragenden birnbaum gegen aufgang gewendet ist. diese abweichende stellung des altares hat folgenden grund. als die kirche erbaut war, errichtete man den frauenaltar in dem chor; aber die h.Maria wollte gegen aufgang nicht gegen untergang schauen und ihren altar auf der stelle haben, wo sie vor erbauung der kirche unter dem birnbaum verehrt worden war. sie verschwand nachts aus dem chore und stand am tage am westende des schiffes auf der stelle des birnbaumes. als dieses wiederholte, erkannte man ihren willen und versetzte den altar aus dem chore dahin, das altarbild gegen aufgang gerichtet. "

Altaraufsatz

Der prächtige Altaraufsatz wird von Sprenggiebeln eingerahmt, auf denen große Engel mit Siegespalmzweigen und -kränzen lagern.

Zwischen Säulchen (exakten Verkleinerungen der unteren Säulen) befindet sich in einer rundbogigen Nische ein Relief von Gottvater im Strahlenkranz. Darüber die Heilig-Geist-Taube. Zusammen mit Jesus im Altarblatt (Kreuzabnahme) ist es eine vertikale Darstellung der Dreifaltigkeit. 11 Engel und Cheruben umgeben Gottvater.
Überdeckt wird der Altaraufsatz von einem Segmentgiebel. Auf ihm sitzen -wie auf dem Sprenggiebel- zwei Engel mit Palmzweig und Lorbeerkranz. Darüber eine große Plakette mit den Buchstaben IHS und drei Nägeln. Die Plakette ist von einem Ring aus Feuerzungen umgeben.
  Hinweis: IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden
Wappen
Unter dem Altaraufsatz ist - in der zurückgesetzten Mittelnische- das Deutschordens-Wappen mit Heraldik-Zusätzen zu sehen. Es besteht aus vergoldetem Holz und trägt die Inschrift:
"Philipp Heinrich von Andlau des Hl.Röm.Reches deutschen Ordens Ritter /
Obrister zu Fues und Comentur zu Blumenthal hat diesen Altar /
fassen lassen Anno 1683".

Altarblatt
Zwischen den Säulen hängt das große, rundbogige Altarblatt mit einem Ölgemälde des Augsburger Malers Johann Hehrl aus dem Jahr 1678. Hehrl erhielt dafür 120 Gulden. Das mit Ölfarbe auf Leinwand gemalte Bild zeigt -in lebhafter Darstellung- die Abnahme Jesu vom Kreuz. Zwei Männer, die hinter dem Kreuz auf Leitern stehen, beugen sich weit über die Kreuzesbalken und lassen den Leib Jesu vorsichtig hinab zu zwei weiter unten stehenden Helfern.
Maria, Johannes und weitere Personen beobachten mit schmerzvollem Gesichtsausdruck die Szene. Das Bildthema ist im Zusammenhang mit der Gnadenfigur zu sehen: Die Pietá zeigt die der Kreuzabnahme unmittelbar folgende Szene, auch wenn sie biblisch nicht belegt ist. Beide Darstellungen sind in Maria Birnbaum untereinander zu sehen.

Birnbaum
Der Rest des Birnbaums ist an der Rückseite des Altars zu besichtigen. Durch eine Aussparung unter dem Altarblatt sieht man von vorne die Gnadenfigur in der Baumhöhle stehen. Ein reicher ornamentaler Schmuck umgibt den Höhlungsrand.


Bis 1866 stand der Birnbaumstamm an seinem natürlichen Platz an der Westseite der Kirche (er war ja mit der Wallfahrtskirche überbaut worden). Ein großes Fenster gab schon von außen den Blick auf den Birnbaum frei.

 

Pietá
Das Ende des 16.Jh. geschnitzte und polychrom (mehrfarbig) gefasste Gnadenbild stand von 1683 an zusammen mit zwei abgesägten Birnenästen in einem Kasten auf einem Seitenaltar. Der Kasten war mit Laub und Birnen verziert. Ende des 18.Jh hat man die Figur der besseren Sicht wegen in eine Mauernische gestellt, kurze Zeit später, im Jahr 1817 auf den Seitenaltar in der rechten östlichen Konche. Seit 1866 ziert die Figur zusammen mit dem Birnbaum den Hochaltar.

Die trauernde Maria hält ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn auf ihrem Schoß. Die Hände und Füße der Figur waren durch die Schweden 1632 verstümmelt worden und mussten später wieder ergänzt werden. Seit 1931 befindet sich übrigens eine Kopie des Gnadenbildes aus Maria Birnbaum im Bayer. Nationalmuseum in München. Die Kopie wurde aus dem alten Birnbaum von 1670 geschnitzt.

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Assistenzfiguren
An den Seiten des Choraltars stehen auf auskragenden Postamenten mit Akanthusmotiven Figuren der Apostel Petrus und Paulus. Sie sind mit polychrom (mehrfarbig) gefasst (=bemalt). Beide halten ein Buch in der Hand; dies weist sie als Verkünder des Evangeliums aus. Die Figuren stehen seit 1938 wieder auf den Konsolen. Petrus zeigt dem Betrachter die beiden Himmelsschlüssel (einen versilberten und einen vergoldeten).
Paulus, mit langem Vollbart, stützt sich auf ein langes Schwert.
Die Figuren wurde um 1670/80 geschnitzt. Der Bildhauer ist nicht bekannt.
  Hinweise: Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Er verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach der Legende starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Gemeinsamer Gdenktag: 29.Juni


Die Stipes, der Altarblock wurde 1895 mit schwarz gefasstem Holz neu verkleidet. Unter der Mensa, der Altartisch-Platte, liegt seit 1897 in einem Neo-Renaissance-Schrein aus getriebenem und vergoldetem Messing (von dem Gürtler Schweizer aus Landshut) eine Skelettreliquie der hl.Liberata.
Sie ist ein Geschenk des Salesianerinnenklosters Zangberg bei Mühldorf. Bei der hl.Liberata handelt es sich um eine sog. Katakombenheilige. Die Gewänder sind in Klosterarbeit erstellt und z.T. in Sprengtechnik (Reliefstickerei) gefasst.

 

Reliquienschreine

In die Predella sind vier Reliquienkästchen aus der Zeit um 1900 eingebaut. Der vergoldete Schnitzrahmen ist mit Akanthusmotiven und angedeutetem Bandlwerk geschmückt. Die Reliquien sind in reicher Klosterarbeit auf rotem Samt eingearbeitet. In der Mitte der Kästchen befindet sich jeweils ein Wachsmedaillon. Darum herum sind Knochensplitter befestigt, mit den Namen der Heiligen auf den Cedulae, den kleinen Pergamentstreifen. Die Wachsmedaillons dürften aus den Resten von Osterkerzen hergestellt worden sein.

Oben links: Im Medaillon ein Heiliger mit dem Jesuskind auf dem Arm. Es könnte sich um S.Josef oder um St.Antonius handeln.
Reliquien von "S.Pauline, S.Benedicti Mart.".
  Oben rechts: "S.Iscanlae.Mart., S.Coelesti. Mart., S.Claudi Mart.
Unten links ist ein Mönch zu sehen. Die Texte auf den Cedulae lauten: "S.Claudii.Mart., S.Clementii M., S.Christini M., S.Pacifica mart."   Unten rechts ist im Medaillon ein Priester mit Birett und Palme zu sehen. Die Namen der Heiligen lauten: "S.Benedicti M(artyrer), S.Alberti M., S.Francisc (?)".

 

Tabernakel

Der Tabernakel stammt noch aus der Zeit um 1675. Er ist aus Holz, dunkelbraun gefasst und vergoldet. Zwei Säulchen umgeben die Türe und stützen einen Sprenggiebel mit Akanthusschmuck. Die Türe ist mit einem schönem Eisengitter verziert, mit dem IHS-Zeichen im Strahlenkranz in der Mitte.

Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter
  wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrungder Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


Oratoriengitter
Die beiden mit vergoldeten Blattornamenten (Akanthus) reich verzierten Oratoriengitter in den seitlichen Konchen sind aus Holz geschnitzt und vergoldet. Sie stammen aus der Zeit um 1700 und gehören zur Erstausstattung der Kirche. Die Kirchenstühle dahinter dürften aus dem 19.Jh.stammen


Fahnen und Tragestangen

Mit einer Wallfahrt verbunden sind natürlich Fahnen und Tragestangen, mit denen die Wallfahrer in die Kirche kamen.
Auf der linken Seite neben dem Hochaltar steht eine 250 Jahre alte Fahne (120 x 85 cm). Mit Ölfarbe wurde ein Bild aufgemalt, das Maria zeigt, die mit ihrem Mantel das Blut Christi auffängt und es zur Linderung der Schmerzen der Armen Seelen in das Fegefeuer gießt.

Vier Tragestangen, die den Unterbau für den Himmel bilden, sind vergoldet, mit profilierten Schaftringen, deren oberer Teil mit Trauben und Ähren, Palmetten und Pinienzapfen verziert ist. Die Frucht der Pinie gilt als Zeichen der Auferstehung und der Unsterblichkeit. Das Symbol stammt aus den Kulten Ägyptens (Isis) und Griechenlands (Kybele). Die Christen übernahmen das Symbol und deuteten die Pinie als den Baum des Lebens. Um 1900/10.
Auf einer weiteren Fahne ist ein Bild von Maria gestickt.


Sakristei

Hinter dem Hochaltar führt eine Türe in die Sakristei. Diese Türe ist mit barocken Schmiedeeisen-Beschlägen geziert, die noch aus der Erbauungszeit stammen.

In der von einem sternförmigen Kreuzgratgewölbe überdeckten Sakristei steht eine Schrankeinrichtung aus dem 19. und 20. Jh.

An der Wand hängt ein 230 x 150 cm großes Gemälde, das den Tod der hl.Monika zeigt. Maler war um 1715 Johann Eustachius Kendlbacher (sign), der von 1660-1725 gelebt hat. Doch das Bild dürfte erst später nach Maria Birnbaum gekommen sein. Es hing früher in der Münchner Augustinerkirche, die um 1803 säkularisiert wurde.



Chorglocken
Am Zugang zur Sakristei hängen die Chorglocken, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes geben. Es handelt sich um zwei übereinander hängende Glocken, die mit einem reich verzierten Zugband zum Klingen gebracht werden. Die Glocken dürften aus dem 19.Jh. stammen.
Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor bzw. Altarraum betreten.


Kapelle oberhalb der Sakristei

im Obergeschoss der Sakristei sind ein Altar und mehrere Schnitzfiguren und die Kreuzwegbilder untergebracht.
- der Altar aus dem Jahr 1890 besitzt ein scheibenförmiges Retabel (Durchm. 1,50m ). Darauf 6 Tondi mit Szenen
  aus dem Leben Jesu. In der Mitte ein Maria-Immaculata-Figur mit geflammtem Strahlenkranz und vier Engeln (1740)
- eine Pieta aus der 2.Hälfte des 16.Jh.
- eine hl.Elisabeth um 1880
- ein unbekannter Heiliger um 1880
- St.Franziskus aus der 2.Hälfte des 18.Jh.
- die 14 Kreuzwegstationen sind Öldrucke auf Leinwand mit den Maßen 70 x 47 cm aus der Zeit um 1880/90.
  

Kreuzweg

In der Kirche gibt es heute keine Kreuzwegbilder mehr. Der Kreuzweg wurde an der Südseite der Kirche vor einer Hecke an der Umfassungsmauer angebracht. Die Bilder selbst sind aus Holz geschnitzt. Die Reliefs sind bemalt.

Kreuzwegbilder in den Kirchen gibt es erst seit 1730-1760. Vorher waren die Stationen immer im Freien angebracht; so wohl auch in Maria Birnbaum in den ersten Jahrzehnten nach der Erbauung.

Hinweis: Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises
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Ewig-Licht-Ampel

Am Chorbogen hängt eine wunderbar verzierte Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1680/1700. Sie besteht aus getriebenem Messing und ist teils versilbert und vergoldet. Die Ampel wird aus Akanthusornamenten gebildet. Siel hängt an einem weit auskragenden schmiedeeisenem und ebenfalls teilweise vergoldetem Träger.
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist im Stil den übrigen Altären angepasst. Er wurde Ende des 20.Jh. aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so;
  zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Fenster

Viele Fenster mit barocken Ovalformen und -einen Stock höher- zusätzlich Ochsenaugenfenster ("oeil de boeuf") lassen viel Licht in den Kirchenraum, insbesondere in den Zentralraum. Das nebenstehende Bild (bei Klick vergrößert) zeigt deutlich, wie an einem Tag mit schönem Wetter die Strahlen der Sonne den Raum mitgestalten.

 

Langhaus/Kirchenschiff

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.


Seitenaltäre

In der Kirche stehen vier Seitenaltäre, jeweils an den abgeschrägten Seiten des Kirchenschiffs. Die beiden vorderen Seitenaltäre wurden zur gleichen Zeit erstellt wie der Hochaltar, die beiden hinteren Altäre kamen erst 1817 aus Thierhaupten nach Maria Birnbaum.
 
Hinten links
Vorne links
 
Vorne rechts
Hinten rechts

                           Vordere Seitenaltäre

Gemeinsames
Die beiden vorderen Seitenaltäre hatten auch den Umzug in den Westteil des Kirchenschiffs 1685 mitmachen müssen. Sie sind, wie der Hochaltar, schwarz gefasst und rot marmoriert. Ihre 3,60 m breite und 7 bis 8 m hohe Retabeln werden jeweils von vier gewundenen Säulen gestützt, die mit Weinlaub umrankt und durch Cheruben (= Engelsköpfe mit Flügeln) geschmückt sind. Die Altäre standen bis 1867 an der Westseite der Kirche, dort wo heute die hinteren Seitenaltäre ihren Platz haben.
Die vorderen Seitenaltäre sind architektonisch ähnlich gebaut, aber nicht gleich. Sie unterscheiden sich im Sockel der Säulen, im seitlichen Schmuck, im Gebälk und im Altaraufsatz. Die vier Gemälde (2 Altarblätter, 2 Auszugsgemälde) hat Ludwig Schnitzelbaumer 1895 im Nazarenerstil geschaffen.

Linker vorderer Seitenaltar

Die Sockel der Säulen am linken vorderen Seitenaltar sind mit einer Vielzahl kleiner Cheruben geschmückt. Seitlich der gewendelten Doppelsäulen runden zwei vergoldete Fruchtgehänge den Altar in der Horizontalen ab. Das Gebälk ist mit einem Segmentbogen überspannt. Unter dem Bogen ist das Wappen von Adam Maximilian von Ow, Statthalter der Ballei Franken, Komtur in Ellingen und Würzburg angebracht.


Ganz oben auf dem Altaraufsatz ist eine Figur des hl.Nikolaus im Bischofsornat angebracht. Er hält in der einen Hand ein offenes Buch (Bibel), in der anderen den langen Bischofsstab.
Hinweis: Nikolaus ist eine historische Person. Er war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1.Konzil von Nicäa teil. Verschiedene Legenden machten ihn zum Patron der Seeleute und der Kinder. Gedenktag: 6.Dezember
Altaraufsatz

Auf dem Bogen des Altaraufsatzes lagern zwei Engel neben den Ziervasen und weisen den Betrachter auf das runde Aufsatzgemälde (Öl auf Leinwand) hin.
Darin hat der Maler Ludwig Schnitzelbaumer die hl. Elisabeth von Thüringen dargestellt.
Die gekrönte, aber in einfaches Gewand gekleidete Heilige gießt aus einem Krug Wein in die Schale einer armen Frau. Im Hintergrund sind die Hände des stigmatisierten St.Franziskus von Assisi zu sehen.

Hinweis: Elisabeth ist eine historische Person. Sie wurde am 7.7. 1207 in Ungarn geboren, im Alter von 4 Jahren mit Hermann von Thüringen verlobt und -nachdem Hermann 1216 starb- im Alter von 14 Jahren mit dessen Bruder, Landgraf Ludwig IV. verheiratet. Elisabeth war tief beeindruckt von Franz von Assisi, der zur selben Zeit wie sie lebte. Sein Ideal befreiender Besitzlosigkeit übte großen Einfluss auf die Heilige aus. Sie besuchte Armenviertel, verteilte Essen an Bedürftige und gründete ein Spital.
  Nach dem Tod ihres Mannes auf dem 5.Kreuzzug wurde sie von der Verwandtschaft vertrieben, mit der Begründung, sie verschwende öffentliche Gelder für Almosen. Viele Legenden handeln davon, dass Kontrolleure statt der erwarteten Almosen auf wundersame Weise etwas völlig anderes vorfanden: den Gekreuzigten statt eines Aussätzigen im Krankenbett oder Rosen statt Brote im Korb. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden. Die letzten Jahre ihres 24 jährigen Lebens arbeitete sie als Pflegerin im selbst gegründeten Spital in Marburg. Sie starb 1231. Wallfahrten zu Elisabeths Grab gehörten zu den berühmtesten des Mittelalters.
Elisabeth hatte einen besonderen Bezug zum Deutschen Orden. Denn ihr Mann war Deutschordens-Mitglied. Und dieser Orden kümmerte sich nach dem Tod um die Elisabeth-Verehrung und ließ ab 1235 die ihr geweihte Kirche -als ersten gotischen Bau- in Deutschland errichten. Gedenktag: 17.November
Altarblatt
Auf dem großen Altarblatt ist die Stigmatisierung des hl.Franziskus von Assisi dargestellt. Franziskus im Ordenshabit mit Rosenkranz kniet auf einem Felsvorsprung und breitet überrascht die Arme aus. Denn oben im Himmel erscheinen in einem Strahlenkranz die Wundmale Christi, die durchbohrten Hände und Füße sowie das Herz, von Dornen umkränzt. Auch die Hände von Franziskus weisen schon die Wundmale auf.

Im unteren Teil des Bildes ist ein Mitbruder zu sehen, der soeben auf den Felsen geklettert kommt und mit seiner linken Hand auf das Wunder hinweist. Die rechte Hand hält er sich vor seine Augen zum Schutz vor der Helligkeit, die von der Himmelserscheinung ausgeht. Zu Füßen des Franziskus liegt ein Totenschädel als Hinweis darauf, dass der Heilige bald sterben wird. Im Hintergrund sind hohe Berge des Apennin zu sehen; davor im Tal die kleine Kapelle von Portiunkula.
Franziskus und sein Mitbruder sind in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.
Das Gemälde in Maria Birnbaum wurde 1895 (von Ludwig Schnitzelbaumer) geschaffen. Vor 1895 befand sich an dieser Stelle ein Bild mit dem Thema "Flucht nach Ägypten", das heute verschollen ist.
  Hinweis: Als Giovanni Bernardone um das Jahr 1200 geboren, führte der Heilige, Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, ein sorgloses Leben und erhielt wegen seiner Vorliebe für das französische Leben den Spitznamen Francesco. Als Kriegsgefangener bekehrte er sich und pflegte Leprakranke. Er entsagte allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, der sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmete. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Alle waren ihm Schwester und Bruder, auch Sonne, Mond und Tod, wie es sein "Sonnengesang" ausdrückt und wie es die verschiedenen Legenden von der "Vogelpredigt" zeigen. Er zog als Wanderprediger durch Dalmatien, Frankreich und Spanien. Später nahm er am 5. Kreuzzug (1219) teil und predigte in Ägypten. Kurz vor seinem Tod 1226 erhielt er die Wundmale (Stigmata).Gedenktag: 4. Oktober

 

Rechter vorderer Seitenaltar

Die Sockel der Säulen am rechten vorderen Seitenaltar sind mit je einem Cheruben verziert. Sie sind niedriger als am linken Altar. Dadurch sind die mit Weinlaub verzierten Wendelsäulen eine halbe Drehung höher. Neben den Doppelsäulen eine knorpelwerkartige Schnitzerei. Die Säulen tragen ein verkröpftes Gebälk mit vier Cheruben. Darunter ein Wappen des Johann Wilhelm Zocha zu Wald und Lauffenburg (1627-1694), des Landkomturs der Ballei Franken in Ellingen. Auf dem Gebälk ein Sprenggiebel mit zwei Engeln.
Gekrönt wird der Altar mit einer Figur des hl.Antonius von Padua. Der in ein vergoldetes Franziskanergewand gekleidete Heilige trägt das Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hält er eine Lilie.
Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit.In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.
  Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte, als ihm das Jesuskind auf der Bibel erschien. Gedenktag: 13.Juni
Altaraufsatz
Das Auszugsgemälde (Öl auf Leinwand) ist von reicher Ornamenten-Schnitzerei eingerahmt.Es zeigt Mutter Anna, die ihre Tochter Maria im Lesen unterrichtet. Anna ist als verheiratete Frau mit Schleier zu sehen. Sie weist mit ihrer Hand auf ein geöffnetes Buch. Maria wird als frommes Kind mit gefalteten Händen dargestellt.


Hinweis: Das Thema der Unterweisung Mariens in der Kunst des Lesens ist seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.
Altarblatt
Das Altarblatt hat die "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" zum Inhalt. Vor dem Hintergrund einer Palmenlandschaft, zweier Pyramiden und sogar der Sphinx sitzt die Heilige Familie auf einer Steinstufe. Josef hält das Kind in seinen Armen und betrachtet es liebevoll. Maria sitzt daneben. Ihr ist die Erschöpfung anzusehen. In ihrer Hand hält sie eine Trinkschale. Der aufgeschirrte Esel wartet hinter ihnen.
Hinweis: Die Flucht nach Ägypten ist in der Bibel genannt: In Matthäus 2,13-16 heißt es: Kaum waren die Magier aufgebrochen, seht, da erscheint ein Engel dem Josef im Traum und sagt: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir etwas anderes sage. Denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten." Da stand Josef auf, nahm noch in der Nacht das Kind und dessen Mutter, und sie flohen nach Ägypten. Dort blieben sie bis zum Tod des Herodes".


Hintere Seitenaltäre

Gemeinsames

Die hinteren Seitenaltäre im Westteil des Oktogons sind etwas einfacher gestaltet. Sie standen von 1817 bis 1867, bis zum großen Altartausch, im Osten der Kirche. Doch dort befanden sie sich nicht so lange wie die vorderen Altäre, denn sie kamen erst 1817 nach Maria Birnbaum als man sie aus der abgebrochenen Kirche von Thierhaupten erworben hat. Die hinteren Seitenaltäre waren auch schon im 17.Jh. erbaut worden. Die beiden hinteren Seitenaltäre sind sich ähnlicher als die vorderen; das liegt daran, dass der linke Altar im Jahr 1867 bei der Erneuerung an den rechten Altar angeglichen wurde.
Sie sind beide etwas kleiner als die vorderen Altäre und besitzen nur zwei statt vier Säulen.
Die 2,60 m breiten und 7 m hohen Altäre bestehen aus Holz, schwarz gefasst, mit vergoldetem Schnitzdekor verziert. Die Stipes, die Altartische, sind aus Holz gearbeitet, mit marmorierten Füllungen und akanthusförmigen Ornamenten.

In der Predella sind vergitterte Nischen mit Akanthusaufsatz eingebaut. Die glatten Säulen sind marmoriert und mit einem Cherub verziert. Sie tragen ein verkröpftes Gebälk mit Segmentbogengiebel. Auf dem Auszügen sitzen Engel auf nach vorne gerichteten Voluten. Die Giebel der Altaraufsätze sind architektonisch die kleinen Brüder der Retabelgiebel. Die Altarblätter (Ölfarbe auf Leinwanduntergrund) sind rd. 200 Jahre älter als die der vorderen Seitenaltäre. Sie stammen aus der Zeit um 1700.



Linker hinterer Seitenaltar
Altaraufsatz
Das Aufsatzbild wurde erst im 20.Jh. gemalt. Es zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel.Die jugendlich wirkende Muttergottes wird von fünf Engeln und zwei Putten in den Himmel hinaufgetragen.
Altarblatt
Das Altarblatt des linken hinteren Seitenaltars zeigt die heilige Barbara. Die Heilige steht in einer gebirgigen Gegend vor einem hohen Turm. Ihre stattliche Figur ist in ein rotes Kleid und in einen goldbraunen Mantel mit blauer Schärpe gekleidet. Ihr Haupt ziert eine Krone. In der rechten Hand hält sie einen Kelch mit Hostie, die linke Hand stützt ein geöffnetes Buch.
Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von seinem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern.
  Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit.Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Gedenktag: 4.Dezember
Predella
In der Predellanische steht in der vergitterten Nische eine 70cm große Figur des Auferstandenen. Christus ist mir einem roten Mantel gekleidet und hält die Siegesfahne in der Hand.
Die Rechte hat er segnend erhoben.Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik.
 

Rechter hinterer Seitenaltar

Von 1817 bis 1862 befand sich auf dem rechten Altar die Gnadenfigur, die dann anschließend fünf Jahre lang im Birnbaum an der Westseite stand, bevor alle fünf Altäre die West- gegen die Ostseite getauscht haben. Allerdings war der damalige rechte Seitenaltar nicht mit unserem heutigen Altar identisch; man hat ihn 1867 völlig neu gebaut und dabei stilistisch an den linken Altar angepasst.

Altaraufsatz
Das Aufsatzbild zeigt den Besuch Marias bei ihrer Base Elisabeth und zwar die Begrüßung der beiden Verwandten. Elisabeth trägt als verheirtatete Frau im Gegensatz zu Maria ein Kopftuch.
Lukas beschreibt die Szene zu Beginn seines Evangeliums im Kapitel 1 in den Versen 39 bis 45.
Altarblatt
 

Das Altarblatt des rechten hinteren Seitenaltars zeigt St.Georg im Kampf gegen den Drachen.
Der Heilige reitet, in das Gewand eines römischen Soldaten gekleidet, auf seinem Schimmel gegen den Drachen an und stößt ihm die Lanze ins geöffnete Maul.

Im Hintergrund kniet eine junge Frau am Ortsrand und hofft händeringend, dass Georg mit seinem beherzten Angriff Erfolg hat. Die Frau ist die Königstochter von Silena, die als Opfer für den Drachen vorgesehen war. Zu Füßen des Drachens liegt ein menschlicher Schädel, der auf die Menschenopfer hindeutet, die dem Drachen zum Fraß vorgeworfen werden mussten.
  Hinweis: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen (=das Böse) tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer zum Fressen vorwerfen mussten. Als keine Tiere mehr aufzutreiben waren, wurden die Söhne und Töchter geopfert. Eines Tages traf das Los die Königstochter (die als Verkörperung der Kirche gelten kann). Nach einem Herz zerreißendem Abschied von den Eltern ging sie an den See vor der Stadt. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte und verendete.
Predella
In der Predellanische steht in einem Schrein ein 60 cm hohes Altarkreuz aus dem Anfang des 18.Jh.
Der Schrein ist von hochbarocken Verzierungen, vor allem Akanthusmotiven, umgeben.




K
irchenbänke


Die 13 Kirchenbänke sind noch nicht alt. Aber die Wangen haben barocke Formen und sind mit Akanthusmotiven verziert.
 

Hinweis: Die äußere Form dieser Kirchenstuhlwangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet.

  Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


StuckierungStuckierunghinterer linker SeitenaltarAltarblatt-St.BarbaraAltaraufsatz-Mariä Himmelfahrthinterer linker SeitenaltarFensterFensterFensterApostelkreuzhinterer linker SeitenaltarPredella-Auferstandenerrechter hinterer SeitenaltarAltarblatt-St. GeorgAltaraufsatz - Mariä HeimsuchungKirchenbank-WangenVotivbilderOrgelApostel ThomasNepomukSt.LeonhardBeichtstuhlEpitaphGanzjahreskrippeStuckierungEwigLichtAmpel
Vergrößerung von 17 Details (Altäre, Stuck,Orgel, Bänke, Epitaph, Votivbilder) per Mouseklick


Apostelkreuze

Zur Stuckverzierung der Kirche gehören die Apostelkreuze (ohne die üblichen Apostelleuchter) an der Wand.

Sie sind, wie der übrige Stuck, in dunkelgrauer Farbe gehalten. Ein Kranz aus Akanthusmotiven, garniert mit zwei Cheruben, umgibt das Kreuz, das aus vier Lilienblüten gebildet wird. Wahrscheinlich waren in der Kreuzesmitte die Apostelleuchter angebracht.
Hinweis: Die Apostelkreuze und -leuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 


B
ruder-Konrad-Figur

In der südlichen Mittelkonche steht eine 1,20 Meter große Bruder-Konrad-Figur, die vom akademischen Bildhauer Paul Scheurle im Jahr 1948 geschnitzt wurde. Er ist mit einer Vielzahl von Rosenkränzen, wohl Gaben von Wallfahrern behängt.
Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen.



O
pferstock

An der Außenwand stehen hohe Opferstöcke. Sie bestehen aus einem teilweise ausgehöhlten Holzstock und sind voll von einem Metallmantel umgeben. Im unteren Bereich sind sie mit massiven Schlössern gesichert. Ein Metallbogen über dem Einwurfschlitz verhindert das Fischen nach Geld mittels langer Drähte.

Hinweis:Auch in den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



Marienbildnis

In der südwestlichen Konche/Exedra hängt in einem reich verzierten Rokokorahmen das große Gemälde einer Maria Immaculata, eine Kopie des Gnadenbildes im alten Freisinger Gymnasium. Es ist ein Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund) mit den Maßen 220 x 160 cm. Das Bild wurde Ende des 18.Jh. gemalt.
Die Mutter Gottes ist wie eine Fürstin ihrer Zeit gekleidet, in reich bestickte Gewänder gehüllt, mit einer Mütze auf dem Haupt. Blau, Rot und Gold sind die vorherrschenden Farben. In ihrer Hand hält sie ein kostbares Zepter, das in einem Lilienstrauß endet. Maria steht auf einem Halbmond und einer großen goldenen Kugel, die die Erde darstellt, um die sich eine Schlange mit Apfel im Maul geschlungen hat. Ihr Haupt ist von einem Kranz aus 12 Sternen umgeben.
  Hinweis: Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Die Mondsichel erinnert an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen. Die zwölf Sterne um das Haupt Mariens sind Hinweis auf die zwölf Stämme Israels.




Votivbilder

Viele Votivtafeln geben Auskunft von Gebetserhörungen und Hilfe die hier erfahren wurden. Sie zieren in mehreren Gruppen die Wände der Kirche. Zwar wurden die wertvollsten Votivbilder aus Sicherheitsgründen ausgelagert, doch vermitteln die noch vorhandenen einen guten Einblick in die Nöte der Menschen und das große Vertrauen, das die Bevölkerung der Muttergottes entgegenbrachte.
Meist handelt es sich um einfache bäuerliche Malerei, die neben ihrer religiösen Aussage oftmals interessante ikonologische Erkenntnisse über die Tracht der Menschen oder die damalige Architektur der Gebäude vermitteln.
Neben dem Eingang hängt das größte Votivbild, das mit 125 x 98 cm schon fast das Ausmaß eines Altarblatts hat.
Eines der aktuellsten Bilder, das einerseits die ungebrochene Vertrauen zu Maria zeigt, andererseits den Besucher wegen der Aktualität betroffen macht, ist ein Gedenkbild an einen 2011 in Afghanistan gefallenen Bundeswehrsoldaten.

 

Apostelturm

Im Apostelturm, der sein Vorbild im römischen Pantheon hat, stehen zwischen einer weiß angestrichenen Wandverkleidung und einer Holzbalustrade (beides aus Holz) fast lebensgroße Figuren von Aposteln. Die Apostel stehen in der Ikonologie für den Himmel, die Form des Pantheon für Maria. Die Figuren stammen aus der Werkstatt von Lorenz Luidl aus Landsberg (1645 bis 1719), dessen Werke auch in Bergkirchen zu sehen sind.
Luidl hat die Apostel aber nicht für Maria Birnbaum geschnitzt, sondern für die Kirche in Eresing bei Landsberg. Von dort erwarb sie 1862 der Benefiziat
Karl Reindl für den Preis von 225 Gulden. Sie waren Ersatz für die beim Gewittersturm von 1794 vernichteten ersten Figuren aus dem Jahr 1664.Im Apostelturm stehen aber nur zwölf der dreizehn Apostelfiguren.
  Die Statue von Thomas und von Christus selbst sind oben an der Westwand angebracht.
Hinweis: Die Zahl der 13 Apostel rührt daher, dass Paulus im Jahr 250 von einem Konzil zum Apostel h.c. ernannt wurde. Judas Ischariot war durch seinen Verrat zwar aus dem Kreis der Apostel ausgeschieden, doch nach Christi Himmelfahrt hat man an seiner Stelle den Matthias gewählt. Paulus ist deshalb der 13.Apostel

 


Westwand mit Orgel

Die hohe Westwand ist als Schauwand gestaltet. Sie besitzt einen rundbogigen Abschluss nach oben. Zwei Pilaster tragen ein Gebälk mit doppelten überfangenden Bogen, ein architektonisches Motiv, das in der italienischen Dekorations- und Baukunst verbreitet war. Die gesamte Wand ist mit geschmackvollem Stuck in grauem Farbton überzogen.
Zwischen den Pilastern steht seit 1980 in einer Nische die Orgel. Das 1977 von Günther Ismayr, Bernried, erstellte Instrument besitzt zwei Manuale und 15 Register. Auch früher gab es schon eine Orgel. Aus der Zeit um 1870 ist bekannt, dass die Orgel damals 9 Register hatte. Bis 1893 waren die Musikemporen in Nischen der beiden Seitentürme (über und gegenüber dem Eingang) untergebracht; bei der Restaurierung 1893 hat man die Nischen zugemauert.
   
In der Nische der heutigen Orgel befand sich übrigens früher der Birnbaum mit dem Gnadenbild. Sie war damals sogar verglast, damit die Besucher das Ziel ihrer Wallfahrt schon von außen sehen konnten.
Unterhalb der Orgel wurde bei der vorletzten Renovierung eine halbkreisförmige Empore mit vorgeblendeter Balustrade angebracht, auf der der Orgelspieltisch steht.
An der Westwand stehen vier große Figuren auf Sockeln. Sie sind aus Holz geschnitzt und polychrom gefasst. Die beiden oberen Figuren sind noch Bestandteil des Apostelzyklus' im Apostelturm, zu dem ja 13 Apostel und Christus gehören. Da im Apostelturm nur 12 Figuren Platz haben, sind die 13.Figur (Apostel Thomas mit einer Lanze) und die 14.Figur (Christus) an die Westwand verlegt worden.

Neben der Empore stehen barocke Figuren aus der Zeit um 1750:
der hl. Leonhard (nördl.), im Abtsgewand, mit Abtsstab und Ketten in den Händen sowie
Johann Nepomuk (südl), in ein priesterliches Gewand gekleidet (Rochett, Mozetta, Birett) und einem Kreuz in der Hand. Sie sind polychrom (mehrfarbig) gefasst.

  Hinweise: Leonhard lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. Gedenktag: 6.November
Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet worden.

  Beichtstuhl
Im untersten Teil der Westwand, also unter der Empore, befand sich früher ein Umgang. In ihm sind heute Beichtstühle eingebaut.
Sie sind blaugrau marmoriert und mit vergoldeten Leisten verziert. Darüber sind zwei 40 cm große Cheruben angebracht, die aus der Zeit um 1750/60 stammen.
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

 

Epitaphe

  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
 
1672

Gedenktafel für den Deutschordenskomtur Freiherr Niclas von Spar. Er war der Erbauer des Priesterhauses (1673). Platte aus Eichenholz, polychrom gefasst, Größe 176 x 43 cm

 
1672

Gedenktafel für Joh.Ludwig von Roggenbach, den Miterbauer des Priesterhauses . Er war der Finanzchef und bewilligte die Gelder für die Erbauung des Priesterhauses 1673.
Platte aus Eichenholz, polychrom gefasst, Größe 176 x 43
cm

1682
Epitaph für Pfarrer Johannes Moyses Stoss, gest. 4.4.1682, mit Brustbild, Platte aus Solnhofener Stein, Größe 33 x 33 cm. Am östlichen Torbogen
Text auf dem Stein: ""Hic Jacet ADM Rdus Nobilis et Clarissimus Dominus Ioannes Moyses Stoss SS. Theologiae et SS. Canonum Ltus Inclyti Ordinis Teutonici Praesbyter, Nec Non Beneficiatus Ad Benedicta Beata Mariae Virginis Pyrum Prope Sielenbach Natus Anno Post Partum Virgineum Supra Denat Anno MDCLXXXII IV. Aprilis.
Sta Viator Ante Ova Miaces Cadaver Si Sapis Hic Vive Deo Moberem Undo Et Memento Quia Haec Ovae Aestimamus Omnia Non Esse Nisi Somnia, Credes In Ultimo Vitae Momento Mors Te Ticit Ne Tangete Ite Obstupesce Sequeris".
1699
Epitaph für Jacob Philipp von Kaltenthal, gest. 1669, Platte aus Solnhofener Stein mit Farbresten
Größe 186 x 79 cm.
Das Epitaph für Philipp Jakob von Kaltenthal enthält vier Wappen: die von Kalthenthal, Stain, Hohenegg und Bubenhofen. Dazu ein Kreuz (in hoc signo vinces) und die Schrift: "Hic jacet Pulvis, Cinis et Nihil, Hujus Sanctae Ecclesiae Fundator" (auf deutsch: Hier liegt der Staub, die Asche und das Nichts des Gründers dieser Kirche). Diese Inschrift wurde vom Grab des heiligmäßigen Kapuzinerkardinals Antonio Barberini in Rom (S.Maria della Concezione) übernommen. Daneben in einem Tresor die Grabbeigaben.
1702

Epitaph für Pfarrer Hector Seeger, gest. 5.12.1702, Platte aus hellem Kalkstein,
Größe 113 x 83 cm.
Text auf dem Stein:
"Quod Sibi Quisque Serit Piaesentis Tempore Vitae Hoc Sibi Messis Erit Cum Dicentite Ventie - Anno MDCCII Die V Decmb. Obyt in Dno Adm Rnd Religiosus ac Doctiss Dominus M.Hector Seeger, Inclyti Ord. Teut Presbyter ac Beneficiatus in Sielenbach Aetatis LCII Annorum Requiescat in Pace"

1705
Epitaph für unbekannten Pfarrer, gest. 9.10.1705 im Alter von 56 Jahren, Platte aus Sandstein,
Größe 115 x 58
1743
Epitaph für Pfarrer Vitus Schönauer, gest. 1743, Platte aus Solnhofener Stein,
Größe 40 x 40 cm.
Text auf dem Stein: "Hic Iacet Adm Rnd Dominus Vitus Schönauer, Capellan Loci Ecclesiae Benefactor Requiescat In Pace"
1783
Epitaph für Pfarrer Josephus Bauer (?), gest. 1783, Platte aus Solnhofener Stein,
Größe 33 x 33 cm.
Text auf dem Stein: ADM REV. ET DOCTISS D. JOSEPHUS BAUER .... OB APR 1783 RIP"
1788
Epitaph für Ludovic von Epting, gest. 1788, Platte aus Solnhofener Stein,
Größe 33 x 33 cm.
Text auf dem Stein: " ... Ludovic Von Epting Raths gepietend.... Francken u. Comenth zu Phlomenthal Tor"


Krippe

Im hinteren Bereich der Kirche, in der Nordwest-Konche steht in einem Glasschrein eine Ganzjahreskrippe. Sie wird seit 26 Jahren von Jakob Arzberger aus Sielenbach gestaltet.
Acht bis zehn Szenen aus dem Leben Jesu werden alljährlich dargestellt: Herbergssuche - Geburt Jesu - Besuch der Weisen aus dem Morgenland- Jesus in Nazareth - Auferstehung (Ostern) - Sendung des hl.Geistes (Pfingsten) - Hochzeit zu Kanaan - Errettung Petri aus dem See Genezareth - Bergpredigt - Barmherzigen Samariter.

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 Portal

Über der Eingangstür der Kirche ist ein Stein mit folgender Texteingravierung angebracht: "Teütschen Ordenß Ritter Raths Gebittigern Der Valley Francken und Commenthne
Zu Blumenthal (Philipp Jakob von Kaltenthal, Teutscher Ordensritter, Rathgebittiger der Balley Franken und Kommenthur zu Blumenthal 1662)". Es ist die Gedenktafel für Philipp Jacob von Kaltenthal aus Anlass der Fertigstellung des Neubaus 1662.

Türen

Die Eingangsvorhallen haben doppelflügelige Türen aus Eichenholz, mit reich ornamentierten Schmiedeeisenbeschlägen aus der Erbauungszeit.

 

 Tafelbilder in der Vorhalle

                               
Im nördlichen Vorhaus hängen zwei 140 x 300 cm große Tafelbilder (Ölfarbe auf versteifter Leinwand) mit gemalten Texten, die in barocker bayerischer Sprache die Entstehungsgeschichte der Wallfahrt erzählen (1687).

Westseite

Der Text unter dem rundbogigen Bild lautet (die Nummern im Text -abgekürzt "N.") weisen auf die entsprechend nummerierten Bilddetails hin):

"Anfang Und Ursprung deß Wundertettig Vesper Bildt im Birnbaum negst Siellebach in Obern Bayrlandt

 

Erstlich ist dis gnadenreiche Vesperbildt anfenglich an dem Spiz deß also genandten Weinbergs auf der Höche geg der Ecknach Brügg auf einer Aichenen säule (N.1) eingefalt der alten ausag nach gestandten, Alwo es von dem wolEdlen Herrn Georg Sigmundt von Weix auf Stunzberg Pfleger Zu Weilheim, und desen auch Wol Edlen frauen frauen Maria geborne wotschnin Seel.gedechtüs. Zum öftern besuecht, oder sonst von dem schloß Stunzberg (N.2), mit andechtig gebett verehrt wordten, in dem beriebten und eingefallenen Feindts Zeiten Hernach ist obgdachte saul von den schwedtisch bildtstirmern yber ein Haufen gerisen und daß Hl.gnadenbildt in einer des negstan dem berg stosenten grosen graben Jochmas benamblet geworfen, und versencket wordten (N.3),

Johann Vogl findet die Gnadenfigur

in dem war das Hl.Mariabildt ein geraume Zeit unwisent dergangen Nachberschaft in vergesnheit verbliben biß entlich dem Erbaren Johann Vogl in dem dorf Siellebach bestelter Hietter etlichmal in schlaf scheinbarlich vorkomen, er werdte solches in dem Jochmoh in einem graben findten und an ein gewißes orth bring nach lang und fleisig nach suech ist daß Hl.bildtnüs ganz entferbt und ungstaldt erfundten (N.4), von ihme Hieter adechtig gegriest und weillen ein bessers verhandten in einen alt Hol ausgebrandten Pirnbaum neben den Vorbey gehündterthes und fartweg an den Jachmos, einfeldtig aufbehalten wordten, weilen aber daß Hl.bildt sehr Verbroch alt und ungestalt also ist es auch in schlechten ehrn gehalten wordten, denen muettwillig Rosbueben damallen, wan etwan Reg weter eingefahlen hat diß Hh. bildtnüß dem bauim weich miesen, damit sie sich vor dem Reg verberg kundten, wei noch ieziger Zeit lebente bekenen, es ist auch sogahr underweillen in dem vorbeyfliesenten bach die Eckna genandt negst der Mihl gefundten wordten.
Man würdt auch bericht daß ein voribergehünder ainfeldiger Baursman (N.5) sein schwangers Weib ernstlich ermandt ihr angesicht Von dem Hl.bildtnis abzuewendten, damit sie nit etwan einige Misgeburdt herfür bring möge, Es hat aber der Allerhöchste gott die Uhnehr seiner Ehrdverthesten Muetter nit lenger dulten könen, dahero durch vilfeltige denen mensch er Zeigte gnadt und guettadt dise Hl.bildtnüs in Hechsten ehr gebracht wie vlgt.(N.6), Anna Bürgerin von Maron aüß dem ötschlandt ein sehr betriebtes Weib ist von einem abscheichlich gessenst erschrei... und in Siben Jährige betriebtnüs und anfechtung also gerath, daß sie Anna wiewol vihl berüembte Walfarten mit andchat besuecht ni(n)rgendt völlige Hilf und erledigung ihrer versuechung gefundten, in diser Höchster noth ist entlich gemeldter Anna Anno 1659 zu Maron in dem schlaff die schmerzhafte Muetter in gestaldt eines alt verworfnen Vesperbildt perschönlich vorkommen sprechent gehe hin in daß Bayrlandt und sueche ......dise bildnus in einem ausgebrendten Hollen Pirnbaum an einem berg alda würdt dem lanwirige betriebtnüs ein endt und seines Kindts Zuestandt baldt ein aufgang gemacht werden sheinem miltreich und Barmherzig Raths gehörcht Anna gar gern, kombt nacher Ingolstatt und in daß dorf Siellbach ohn einer wegweiser über all nachfragent den Heilig ihr von gott vorgezeigten alten Vesperbildt alwo sie dan Zu dem alt Hol aufgebrandten Pirnbaum kommen und mit grosen freidten daß lang gesuechts gnadten bildt antroffen ihr erhes Wordt wahr, O du hl.Jungfrau und Muetter gottes findte ich dich da ? Hilf ain armen betriebten Weib, verd.. meine sünd samb den Kindt so 10.Jahr alt war welches ein grosen leibschaden gehabt ihr andechtiges gebet, hengt ein weis. leibath, samb ein auf Weiser wolle gemachte Kranz an dem Baum Kombt Ao 1661 den 26. decembris beteirt geg meniglich deß nit allein ihr sonder auch Ihren Kindt Johannes genedige Hilf von der schmerzhaften Muetter auß dem Pirnbaum sei geleistet wordten. Welches dan daß erste WunderZeich mehr, und ein Ursach daß daß Heilige wunderthettige Bildnüs in grösere ehr komen und daß Baurn Höfen mit Bretter von dem daselbst Hiethenden Hirten ist eingemacht wordten".

Auf dem rechten (westlichen) Ölgemälde ist das frühere Schloss Stunzberg abgebildet. Es war ein stattlicher Bau mit vier Türmen und rings von einem Graben umgeben. Links ist das Marterl im Weinberg zu sehen. Der Name Stunzberg kam vom Geschlecht der Stumphsperch, von denen erstmals 1280 eine Urkunde berichtet. Als das Geschlecht ausstarb, kam die Burg an die Herren von Weichs, die hier bis zum 30jährigen Krieg herrschten. Jetzt zeigt der Hügel, auf dem es stand, keine Spur einer früheren Besiedlung mehr. Aber bei Grabungen wurde ein Siegel gefunden, das das Wappen der Stunzberg, ein Winkelbalken mit der Umschrift "vilhalm marscalc" enthält.
Unterhalb des Schlosses ist noch der frühere Wallfahrtsbetrieb abgebildet. Der Birnbaum mit Höhle, darin die Gnadenfigur, davor eine Balkenkonstruktion. Links ein Zimmerer, der aus Baustämmen die Balken schnitzt. Rechts nähert sich ein Paar mit Wanderstöcken (ein Mann, der seiner schwangeren Frau einen Besuch beim Gnadenbild verbieten will), Vor dem Konstrukt kniet eine Frau mit zwei Kindern und fleht Maria um Hilfe an; dabei soll es sich der Beschreibung nach um die Personen der ersten Wunders handeln: um Frau Anna aus Meran in Südtirol und ihren Sohn (Söhnen).

Ostseite

Der Text unter dem Bild lautet:
"Weillen sich auch der Zuelaüft, die andacht, das opfer, die von gott und Maria erzeigte gndtadten gemert Also ist entlich mit verwilligung des Hochlöbl: Teitschn Ritter ordten von Ihro Hochwürdten und gnaden Herrn Philib Jacob von Kaldtenthal der Balley Franckh Raths gebiettiger und Commenthur Zu Plummethal Hochseel: andenchens ein Recht ansechliches gottshaus unser lieben frauen Zum Pirnbaum genandt, mit grosen unkosten erbaut wordten. Wo dann durch die andacht der Nothleidenten noch vilfeltige grose gndtadten Zum öftern erhalten werdten, unter welch auch bilig neben andern Zu Zehln ist. Wie volgt N.7. Maria Magdalena schnaderin von Zemertshausen gebirtig welche nach Zeignüs Herrn Johan Martin debers, vowesenter aber vogten Zu Inning vierthalb Jahr stumb gewesen hat nach verichten und gelegten opfer auf dem Altar alsobalt anfang Zu röden, iezt hab ichs unnserlieben Frauen schon aufgeopfert. Zum Zeich der erlangten gnaden sicht man iezt daß stume glöglein in der Kirch hang welche demnoch Jehrlich wie heur 1687. in fest des Hl.Apostel Jacobi geschieht Zu danksagung unser lieben frauen gottshaus Zubesuecht und ein Hl. danckmeß lesen lasen, ist also wahr worden was lucas II.Vers sagt, der stumb hat geredt und daß Volk verwundert sich"

Das linke (östliche) Gemälde zeigt die Wallfahrtskirche im Zustand des Jahres 1687. Damals hatten die Kuppeln noch Laternen. Darüber ist in den Himmel das Gnadenbild gemalt. Links um die Kirche das 1685 errichtete Priesterhaus. Vor dem Eingang debattiert eine Frau mit zwei Klerikern. Eine weitere Frau und ein Mann mit Krücken nähern sich der Kirche.
Unten rechts (siehe Bild rechts) kniet der Deutschordenskomtur mit einem Rosenkranz um die Finger; hinter ihm ein ebenfalls Rosenkranz betender junger Mann.

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Panzer, Bayerische Sagen und Bräuche, Bd II, S. 14, 1855 (Legende)
Anton Mayer, Die Sage von Maria-Birnbaum bei Sielenbach, ZBLG, 13/S.272, 1942 (Legende)
Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Zeitschrift Maria heute, Nr.357, März 2000 (Ablass 1663)
MUSEUM WITH NO FRONTIERS, www.museumwnf.org, 2011 (Zitate)
Internetseite des Deutschen Ordens (http://www.deutscher-orden.de/konvente_birnbaum_kirche.htm), 2011 (Zitate)
Instandsetzungsmaßnahme Wallfahrtskirche Maria Birnbaum in Sielenbach (www.walter-landherr.bw-testserver.de/82/)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Osterfahne)
Münchner Merkur v. 26.9.2014, Bayernteil (Blauer Bund)

98 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau u.Umgebung - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

28.9.2014

Legende von der Marienstatue im Birnbaum
Auszug aus: Friedrich Panzer, Beitrag zu Deutschen Mythologie, 1855