zur Landkreiskarte            ausführl.Beschreibung         Kirchen in der Gemeinde Weichs

Pfarrkirche St.Martin in WEICHS


 
85258 Weichs, Freiherrnstraße 19
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Weichs wurde erstmals in einer Urkunde vom 16.Mai 807 erwähnt, als die Edle Deotpurc de Wihse (=Weichs) mit Zustimmung ihres Gemahls Onno in Gegenwart des Bischofs Otto von Freising ihren Besitz zu Weichs dem Dom zu Freising schenkte.

Die Pfarrei Weichs zählt zu den ältesten Pfarreien des Landkreises Dachau. Aber ausdrücklich als Pfarrsitz genannt wird sie erst im Jahre 1266. Die Konradinische Matrikel von 1315 erwähnt Weichs mit den zwei Filialkirchen.

Der heutige Kirchenbau enthält im Chor, der außen durch Stützpfeiler verstärkt ist und im Untergeschoss des Turmes noch gotische Bauteile.

Das Langhaus stammt aus barocker Zeit (um 1720) und wurde 1874 verlängert.

Außen am Turm ist an der Ostseite ein Tonrelief aus dem 15.Jh (siehe Bild rechts) eingemauert. Es stellt Christus nach der Auferstehung dar, der dem Betrachter seine Kreuzigungs-Wunden zeigt.

Auferstandener Christus

Der Turm an der Südseite wurde 1874 auf 36 Meter erhöht und mit einem Spitzhelm über vier Giebeln ausgestattet (zunächst aus Schiefer, ab 1974 aus Kupfer). Die vier Bronzeglocken stammen aus dem Jahr 1977.

Die letzte Renovierung fand in den Jahren 1971-1973 statt.

Die Pfarrei Weichs bildet seit 1.März 2013 mit den benachbarten Pfarreien Vierkirchen und Petershausen einen Pfarrverband mit über 8000 Gläubigen.

Innenausstattung

Im Kircheninneren überraschen die feinen Stuckarbeiten, die von Benedikt Heiß aus Dachau im Jahr 1720 gestaltet wurden. Sie umrahmen mit Blütengirlanden, Akanthusranken und Fruchtschnüren die 16 Fresken an den Decken des Altarraums und des Kirchenschiffs. Die Gemälde befassen sich überwiegend mit dem Leben des Kirchenpatrons St.Martin.

Die prächtigen, rot und grau marmorierten Altäre mit säulengestützten Aufbauten stammen aus der Zeit um 1720. Der Hochaltar ist dem hl.Martin, die Seitenaltäre sind dem hl.Johannes d.Täufer und dem hl.Sebastian geweiht.

Viele Heiligenfiguren und Heiligenbilder zieren die Kirche. Darunter Bildnisse der Heiligen Maria, Josef, Leonhard, Barbara, Ursula und -eine Besonderheit- Oswald.


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Die drei Wappen der Freiherren v.Tannberg am Chorbogen zwischen Altarraum und Kirchenschiff weisen darauf hin, dass die Hofmarksherren von Weichs Förderer der Kirche waren. Auch die in den Wänden eingelassenen Grabplatten, deren älteste für den 1513 verstorbenen Andreas von Weichs gefertigt wurde, zeugen von deren Bedeutung für das Gotteshaus. Das ehem. Schloss direkt neben der Kirche wurde 1854 in ein Kloster umgewandelt. Die Armen Schulschwestern unterhalten dort eine Realschule.



7-Klöster-Weg

Weichs ist auch eine der Stationen des 7-Klöster-Wegs, eines Radwegs, der die Standorte von sieben bestehenden oder ehemaligen Klöstern im Dachauer- und Wittelsbacher Land miteinander verbindet. Entlang der Radltour werden der historische Hintergrund, der Bezug zur Kunstgeschichte und zum Geistlichen Leben an jedem Klosterstandort ansprechend dargestellt. An vielen Klosterstandorten befinden sich heute noch neben geistlichen Einrichtungen Bildungshäuser, Orte sozialer Integration oder Museen.
Die Klöster sollen durch diesen Radweg wieder ins Bewusstsein gerufen und als Schatz des Dachauer Landes erfahrbar werden. Die Tour führt zu zahlreichen Wirtshäusern, Klostergaststätten, Cafes und Biergärten.
Die sieben Klöster sind:
1. Schönbrunn (Gem.Röhrmoos). Bestehendes Kloster der Assoziation der Diener und Dienerinnen der Göttlichen Vorsehung"
    im ehem. Schloss Schönbrunn. Große Behindertenanstalt.   ... mehr über Kloster Schönbrunn...
2. Weichs. Seit 1854 bestehender Schulorden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau
    im ehem. Schloss der Reichsfreiherren.
3. Indersdorf. Ehem. Augustinerkloster von 1126-1783. ... mehr über Kloster Indersdorf...
4. Petersberg (Gem.Erdweg). Ehem. Kloster von 1104-1123.   ... mehr über den Petersberg...
5. Altomünster. Birgittenkloster seit 1496, vorher Benediktinerinnenkloster, um 760 Eremitenzelle von St.Alto  ... mehr darüber...
6. Maria Birnbaum (Gem.Sielenbach). Deutscher Orden. Wallfahrtskirche erbaut 1659. ... mehr über Maria Birnbaum...
7. Taxa (Gem.Odelzhausen). Ehem. Kloster der Augustiner-Barfüßer von 1654-1802. ... mehr über Kloster Taxa...

Der Radweg ist rd. 100 km lang. Er ist in beide Richtungen mit dem 7-Kloster-Logo beschildert und kann so von jedem Kloster aus begonnen werden.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Benefizium 1490 Matrikel 1524 Visitation 1560
Visitation 1584 Umbau 1720 Matrikel 1738 Verlängerung 1874 Beschreibung 1884
Ausstattung: Choraltar Chorbogen Deckenbilder-1-
  Deckenbilder-2- Figuren im Altarraum Figuren im Langhaus Epitaphe innen Epitaphe außen
  Heiliges Grab
  Krippe Mater dolorosa
  Pfarrhaus Sakristei Seitenaltäre
  Turm Zelebrationsaltar  

Geschichte des Ortes

Die Ortschaft Weichs wurde erstmals in einer Urkunde vom 16.Mai 807 erwähnt, als die Edle Deotpurc de Wihse (=Weichs) mit Zustimmung ihres Gemahls Onno in Gegenwart des Bischofs Otto von Freising ihren Besitz zu Weichs, sowohl den ererbten als den selbst erworbenen, dem Marien- und St.Korbinians-Gotteshause zu Freising schenkte, um durch Mariens Fürbitte Verzeihung ihrer Sünden zu erlangen. Die Begründung muss aber nicht bedeuten, dass sich Deotpurc besonders viel zu Schulden hätte kommen lassen. Diese Art Schuldbekenntnisse waren notwendig, um der Schenkung Rechtssicherheit zu geben. Denn die weltliche Obrigkeit war nicht begeistert, dass die Kirche durch diese Schenkungen immer mächtiger wurde. Deshalb regelten sie im damals geltenden Gesetz, dem Lex Baiuvariorum, dass einer sein Vermögen nur dann der Kirche überschreiben dürfe, wenn dies "zur Erlösung seiner Seele" geschehe (und nachdem mit den Söhnen geteilt worden ist). Da war das allgemein gehaltene Eingeständnis von Fehlern, die eine Erlösung notwendig machten, recht hilfreich.


Apian-Karte aus dem Jahr 1568
Im Jahr 1568 veröffentlichte der Kartograph Philipp Apian 24 Landtafeln, die zusammen eine Landkarte (im Maßstab 1:144.000) des noch mittelalterlichen Bayern bildeten. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.
In der Karte und in der begleitenden Landesbeschreibung sind nur die bedeutenden Orte mit Gebäuden dargestellt. Es sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der betreffenden Schlösser und Burgen. Zudem ist die Bedeutung berücksichtigt: je wichtiger das Schloss oder der Schlossherr, desto größer die Zeichnung. Die Burg in Weichs ist viel größer abgebildet, als es ihrer territorialen Bedeutung entsprach. Das lag an den Besitzern, den Herren von Weichs, die um 1100 die Burg erbaut hatten und die im 14. u. 15.Jh auf ihrem politischen Zenit standen. Sie hatten das Amt des Landpflegers in Friedberg, Dachau und Traunstein inne. Jörg von Weichs war sogar Rat und Marschall des Herzogs Ludwig X. in Landshut.
Das von Apian gezeichnete Schloss Weichs am Ufer der Glonn besteht aus zwei Giebelgebäuden, die durch einen Verbindungstrakt zusammengeschlossen waren. Es hatte steile Dächer und Mauern mit Zinnen. Apian beschreibt es als "arx permagna".

 

Geschichte der Pfarrei und Kirche


Erste Kirche

Auch die Pfarrei Weichs wurde vermutlich schon vor dem Jahr 800 (Chr.Schlick spricht von 730) gegründet; sie zählt zu den ältesten Pfarreien des Landkreises Dachau. Der Patron St.Martin weist auf die fränkische Herrschaft in Bayern hin, denn dieser Heilige war auch Patron der Franken. Damals wurden in unserer Umgebung viele Kirchen St.Martin geweiht.
Weichs dürfte eine der Missionskirchen gewesen sein, von denen sich der christliche Glaube die Glonn entlang ausbreitete hat. Wie wenig der neue Glaube noch theologisch untermauert und mehr formelhaft geprägt war, zeigt eine Predigt im Rahmen einer Tauffeier aus dem Jahr 805, die in Freising niedergeschrieben wurde. Die "Exhortatio ad plebem christianam" (Mahnung an das christliche Volk) forderte die Gemeinde und besonders die Taufpaten auf, das Glaubensbekenntnis und Herrengebet (Vaterunser) zu lernen und die Kinder darin zu unterrichten. Das Glaubenswissen bestand damals aus wenigen Formeln, die aber mit großem Nachdruck gefordert und für deren Unterweisung die Laien hauptverantwortlich gemacht wurden.
Wenn Sie die Predigt lesen möchten, klicken Sie hier...

Erstmals ausdrücklich als Pfarrsitz genannt wird Weichs aber erst 1266, in einer Urkunde vom 12.Juni, in der ein Pfarrer Conradus von Weichs als Zeuge aufgeführt ist.
Eine Aufstellung aller bisheriger Pfarrer von Weichs finden Sie hier...


Beschreibung von 1315
Die Konradinische Matrikel von 1315 erwähnt Weichs mit zwei nicht näher bezeichneten Filialkirchen. Damals gehörte Weichs zu Niederbayern (von 1255-1506).
Während die ersten Kirchen wohl aus Holz gebaut wurden, dürfte der Bau um 1300 schon eine Steinkirche gewesen sein.

Der heutige Kirchenbau -aus gotischen und barocken Teilen- wurde jedenfalls später errichtet. Vielleicht kurz vor 1490, als der Freisinger Domherr Wolfgang v.Weichs das Frühmess-Benefizium zu Weichs stiftete. Jedenfalls berichtet der Weichser Ortschronist Johann Holdenried in seiner "Ortschronik von Weichs" von 1885, um 1470/90 sei die bisher aus dem Chorraum bestehende Kirche um ein Langhaus erweitert worden. Vielleicht ist damals aber auch die gesamte Kirche neu errichtet worden. Denn auch der außen durch Stützpfeiler verstärkte Chor ist eindeutig der gotischen Zeit zuzuordnen. Daneben stammt auch das Untergeschoss des Turmes, der damals hundert Fuß (rd.30 m) hoch gewesen sein soll, noch aus dieser Epoche. Überliefert ist auch, dass damals neue Glocken beschafft wurden.


Im Jahr 1411 war der Name Weichs in Freising in aller Munde. Nach dem Tod des Bischofs Bertholds versuchte das Domkapitel durch rasche Neuwahl eines neuen Bischofs der päpstlichen Entschei-dung über den neuen Bischof, die in der Regel mehr europapolitisch als regionalpolitisch motiviert war, zuvorzukommen und so den Freisinger Bischof wieder einmal selbst zu bestimmen. Die Wahl fiel auf den Domherrn Degenhard von Weichs, der seit 1379 dem Kapitel angehörte. Degenhard war Schulmeister und Kastner (Finanzchef) des häufig abwesenden Bischofs Berthold, dazu Propst von Moosburg und auch Domherr in Augsburg, also eine einflussreiche Persönlichkeit. Doch Degenhard fand nicht die Bestätigung des in Bayern anerkannten Papstes Johannes XXIII, der den bisherigen Bischof von Gurk in Österreich bevorzugte. Papst Johannes XXIII. war einer von zwei Gegenpäpsten des offiziellen Papstes Gregor XII. Ein Versuch des Domkapitels, den Papst zugunsten von Degenhard zu Weichs umzustimmen, scheiterte zwar, verzögerte aber auch den Antritt des vom Papst ernannten Bischofs Konrad V., der 1412, ohne Freising erreicht zu haben, in Krain einem Raubmord zum Opfer fiel.

Weihnachtstaler 2006


Benefizium 1490

Das Frühmess-Benefizium wurde wie erwähnt um 1490 vom Abt von Weihenstephan, Wolfgang Freiherrn von und zu Weichs (gestorben 1495) gegründet und im Jahr 1490 confirmiert, d.h. bischöflich genehmigt. 1866 besserte H.Willibald Baustädter das Benefizium auf. Das Besetzungsrecht für den aus den Erträgen bezahlten Benefiziaten lag viele Jahrhunderte bei den Freiherren von Weichs, später beim Erzbischof. Der Benefiziat hatte wöchentlich 3 Messen zu lesen und in Kirche und Schule auszuhelfen. Seit 1880 hat man die Zahl der Messen auf eine in der Woche reduziert. Das Vermögen des Benefiziums bestand aus einem massiv gebauten Benefiziatenhaus (ehemaliges Schloss) mit Obst- und Gemüsegarten und rd. 3 Tagwerk (1 ha) Grund, sowie aus einem Geldbetrag, der 1880 rd. 2570 Mark betrug. Die Erträge beliefen sich 1880 auf ca. 1000 Mark jährlich. Von 1490 bis 1830 gab es einen eigenen Benefiziumsaltar, der unter dem Chorbogen stand und so das Kirchenschiff vom Chorraum abgrenzte. Weil er auch die Sicht auf den Hochaltar beeinträchtigte, wurde er abgetragen.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 nennt fünf Filialkirchen: "S.Stefani in Auffhausen, S.Catharinae in Eglesriedt, S.Andreae in Ackerstorff, S.Georgii in Eberspach und S.Georgii in Holtzhausen." Damals hatte die Pfarrei 450 "Communicantes", d.h. Erwachsene und Jugendliche, die zur Kommunion gehen konnten. Sie war ungefähr so groß wie Dachau St.Jakob, aber erheblich kleiner als die Nachbarpfarrei Vierkirchen (800 Communicantes). Pfarrherr war 1524 Degenhard von Weichs der Jüngere, ein wichtiger Mann in der Diözese: Er war seit 1491 Domherr, seit 1516 Domdechant in Freising und zugleich Pfarrer von Bergkirchen und Dekan des Dekanats Freising. Er starb 1539. Kein Wunder, dass er daneben die Seelsorge in Weichs nicht selbst durchführen konnte. Diese Aufgabe nahm der "Volkspfarrer" Christophorus Guettjar wahr, berichtet die Matrikel. Das Einkommen aus der Pfarrei erhielt Guettjar, der aber dem offiziellen Pfarrherrn Degenhard einen Absent von 60 Gulden zahlen musste.Daneben war noch ein Cooperator (Kaplan) tätig, der neben freier Unterkunft und Verpflegung vom Pfarrer ein Salär von 6 Pfund dl. erhielt. Dazu kamen noch eigene Einkünfte in Form von Messgebühren aus den Filialkirchen.
Am Marienaltar bestand das erwähnte Benefizium (Stiftung), zu dem Johann Joseph Wiguläus Freiherr von und zu Weichs im Jahr 1490 eine immerwährende Messe gestiftet hatte. Die Matrikel schließt mit der Bemerkung, das Wirtschaftsgebäude bräuchte dringend ein neues Dach.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1655

Im Bericht über die Pfarrei Weichs heißt es, die Pfarrei umfasse 350 Communicanten, alle gut katholisch, keiner suspekt. Sie beichteten 2mal im Jahr. Opfergaben und Zehent würden bereitwillig gegeben. Der bauliche Zustand von Kirche, Pfarrhaus und Mesnerhaus war gut; die Kirche sei "mit aller zier wol versehen" und mit einem Sakramentshaus ausgestattet, heißt es. Der Pfarrer/Vicar in Weichs hieß damals Andreas Sunderreiter. Er war gut katholisch geblieben und konnte auf die Fragen der Visitatoren zur Glaubenslehre und zur kirchlichen Praxis ausgezeichnet Auskunft geben. Seine Einnahmen lagen bei 200 Gulden, davon musste er aber dem offiziellen Inhaber der Pfarrei, dem Freisinger Domherrn Rudolf von Hohenneckh, 50 Gulden als Absenzgeld zahlen. Der Weichser Pfarrer hatte eine Lebensgefährtin und zwei Kinder. Er pflege im Übrigen einen ehrbaren Lebenswandel, meint der Visitator und schreibt:"Pfarrer ist kain sauffer, spiler noch rumorer". Auch der Kaplan, der Gselbriester Erasmus Oswald, der spätere Pfarrer seiner Heimatpfarrei Weichs, war in Glaubenssachen über alle Zweifel erhaben. Er hatte eine Köchin, aber kein Kind.

Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 (in heutigem Deutsch) lesen möchten, klicken Sie hier...


Pfarrvisitationsbericht von 1584
Aus dem Jahr 1584 ist noch der Bericht über eine weitere Pfarrvisitation erhalten. Damals war Erasmus Oswaldus Pfarrer von Weichs. Er sei Anno 1551 zum Priester geweiht und von Freising ordiniert worden. Der Pfarrer verrichte allen Gottesdienst fleißig, dabei sei kein Mangel, hieß es. Daneben versah der "Frühmesser" Thomas Froschmair, der seit sechs Jahren Priester war, die Seelsorge. In der Pfarrei gab es keine Rebellanten oder Häretiker, also keine Protestanten. Das gemeine Volk verbleibe beim Gottesdienst und den angestellten Prozessionen. Die Pfarrei zählte im Jahr 1584 "bei 400 Kommunikanten". Zur Pfarrei gehörten immer noch die fünf Filialen: Aufhausen, Eberspach, Eglersried, Ackersdorf und Edenholzhausen. Die Orte lägen im Umkreis von 1/4 Meile Weges vom Pfarrer entfernt, wird behauptet. Das stimmt jedenfalls bei Gundackersdorf u. Eglersried nicht. Erstaunlich ist auch, dass behauptet wird, ein Benefizium sei nicht vorhanden. Der Schreiber wird wohl das Benefizium zu den gestifteten Jahrtagen gerechnet haben, von denen "etliche" vorhanden seien. Es würden alle Gottesdienste der Stiftungen verrichtet. Ferner gebe es einen gestifteten wöchentlichen Umgang. Die Fasttage würden fleißig geboten und auch gehalten. Zum Zölibat schreibt der Visitator: "Der Pfarrer hat keine Konkubine mehr. Sie ist nicht mehr bei ihm, sondern in Egenhofen beim Bruder des Pfarrers. Vor zwei Monaten ist sie noch bei ihm gewesen. Das jüngste Kind ist 14 Jahre alt. Der Frühmesser hat nie eine Konkubine gehabt". Man darf davon ausgehen, dass die Lebensgefährtin des Pfarrers, die wohl auch den Haushalt des Pfarrers führte, kurz nach der Visitation wieder aus Egenburg zurückkam.
Wenn Sie ganzen Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...


Umbau 1720 - 1727
In der Zeit um 1720 wurde -wie bei so vielen anderen Kirchen der Region- auch in Weichs das alte Kirchenschiff abgebrochen und -etwas größer- neu errichtet. Einer der Finanziers war Anton Max Emanuel Josef Freiherr von Tannberg, dessen Wappen über dem Chorbogen angebracht ist. Er starb zwar schon Ende 1720, doch auch seine Witwe war spendabel. Treibende Kraft hinter dieser Baumaßnahme aber war der neue Pfarrer Dr.Martin Schubin, ein -so Heinrich Fitger- unruhiger Geist, der es verstand die Gläubigen zu begeistern.
Allerdings scheint er hochfahrend gewesen zu sein, wie bischöflicher Verweis wegen eines Disputs mit der herrschaftlichen Köchin während der hl.Messe und mehrere Beleidigungs-klagen nahelegen. Der Innenausbau begann 1721 mit dem Stuck und den Kirchenstühlen. 1722 kamen die Seitenaltäre dazu, die aus einem Vermächtnis des vorigen Pfarrers Staudinger bezahlt wurden. Für den neuen Choraltar und die weitere Ausstattung gewährten die Filialkirchen ein Darlehen von 460 Gulden und später ein weiteres von 200 Gulden. Nach dem Kirchenumbau wurden 1727 das Pfarrhaus verlängert und viele andere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt (Kosten 1.332 Gulden). Dass Dr.Schubin dafür keine obrigkeitliche Genehmigung eingeholt hatte, versteht sich fast von selbst.

Ansicht um 1700


Schmidt'sche Matrikel von 1738/40
In den Jahren 1738/40 erstellte der Kanonikus Schmidt eine weitere Matrikel ( Schmidt'sche Matrikel) über die Kirchen des Bistums. Bis zu diesem Jahr war die Zahl der Communicantes trotz der beiden Kriege (Dreißigjähriger Krieg 1618-1648 und Spanischer Erbfolgekrieg 1704- 1714) auf 600 angewachsen. Die Kirche wird als erneuerter und formschöner Bau beschrieben. Sie hatte damals vier Altäre. Der Hochaltar war dem hl.Martin geweiht. Dazu kam ein Bruderschaftsaltar zu Ehren der Dreieinigkeit und des St.Johannes Baptist ["Altare ss. Trinitatis et s.Joann.Baptistae"]. Die weiteren Altäre hatten den hl.Sebastian und die Muttergottes als Patrone. Der Marienaltar war der schon 1524 erwähnte Benefiziumsaltar. Das Benefizium bestand aus vier Gütern in "Giesenbach, Norbach und Puech (Allertshauser Pfarr)" und erbrachte einen jährlichen Ertrag von 200 florenos (Goldmünzen im Wert von entspr. Gulden). Dafür wurden wöchentlich sechs Messen gelesen. Der Benefiziat, der aus dem Benefizium bezahlt wurde, wohnte in einer eigenen "Hofstatt". Der Benefiziat im Jahre 1740 hieß übrigens Johannes Bapt. Empel. Das Pfarrhaus sei ein neuer Bau, heißt es im Bericht, der auch die Wohnung für den Cooperator beinhalte. Auch die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude zeigten keinerlei Schäden. Das Kirchweihfest in Weichs werde am Sonntag nach dem Indersdorfer Markttag gefeiert. Die Matrikel erwähnt noch ausdrücklich, dass in der Kirche ein Taufstein und die hl.Öle vorhanden seien. Im Turm hingen drei Glocken und im Friedhof stehe ein Beinhaus, in das die Schädel der nach einigen Jahren exhumierten Verstorbenen gebracht wurden. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Hofmarksherr von Weichs, Baron von Stromern. Das Vermögen des Gotteshauses betrage 2100 Gulden. Das war zwanzig Jahre nach dem Neubau eine hohe Summe.

Pfarreibesetzungen

Im Jahr 1822 gab es nach dem Tod von Pfarrer Josef Huber Probleme mit der Neubestellung des Nachfolgers. Vorgesehen war Mathias Lunzner aus Marxheim im Rezartkreise. Sein Name stand schon im kgl.bayer.Intelligenzblatt. Doch "am 19. Juni haben", so die Zeitung, "Seine Majestät der König den Pfarrer zu Marxheim, Priester Mathias Lunzner, von dem Antritte der Pfarrey zu Weichs, Landgerichts Dachau, dispensirt, und diese Pfarrey zu Weichs, dem bisherigen Pfarrer zu Handzell, Landgerichts Aichach, dem Priester Caspar Metz, verliehen."

1866 wurde die Pfarrei nach der Resignation von Pfarrer Baudstätter im Intelligenzblatt für eine Neubesetzung ausgeschrieben. Vom neuen Pfarrer wurden für den Pfarrbauernhof 4000 Gulden Ablöse gefordert. Der Text lautete:
  Die Erledigung der katholischen Pfarrei Weichs, k.Bezirkamts Dachau betr.
Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern
Durch Resignation des bisherigen Besitzers wird die katholische Pfarrei Weichs in Erledigung kommen. Dieselbe liegt in der Erzdiözese München-Freising, im Dekanate Sittenbach und im k.Bezirksamte Dachau. Sie zählt bei 6 Stunden im Umfange 892 Seelen, 4 Filialen, 1 Benefizium und 2 Volksschulen, dann eine Präparandinenschule der armen Schulschwestern und wird vom Pfarrer und einem Hilfspriester pastorirt.
Die Einkünfte dieser Pfarrei betragen:
I.   Aus dem Ertrage aus Grundstücken  
  126 fl. 
  5 kr.   
II.  Aus Rechten    
1889 fl. 
 -- kr.  
III. Aus den Einnahmen von besonders bezahlten
     Dienstesverrichtungen:
 
       1) Bezüge von gestifteten Gottesdiensten  
    50 fl.
 35 kr.  
       2) an Stolgebühren
 113 fl
 43 kr.  
IV. Aus herkömmlichen Gaben
 14 fl.
   6 kr.  
V.  Besondere Nebenbezüge zur Sustentation der
     Hilfsgeistlichkeit
 18 fl.
 40 1/2 kr.  
in Summa
2212 fl.
 9 1/2 kr.  
Die Lasten bestehen:
 
I.  Wegen der Staatszwecke
121 fl.
 41 3/4 kr.  
II. Wegen des Diözesan-Verbandes
  4 fl.
 27 1/2 kr.  
III.Wegen der besonderen Zwecke und Verhältnisse
355 fl.
 41 1/2 kr.  
in Summa
 481 fl.
 50 3/4 kr.  

wonach sich ein fassionsmäßiger Reinertrag von                    1730 fl. 18 3/4 kr. ergibt.

Hierauf ruht seit dem Jahre 1853 für 43jährige Annuitäten ein Baukapital von 2000 fl., dessen Rest im Jahre 1860 um 300 fl. für Ankauf eines Ackers zum Pfarrwiddum erhöht wurde.
Die bei der Pfarrei befindliche Oekonomie besteht in:
a) Gebäude und Garten 02 Tgw. 41 Dez.  
b) Feldgründe 49 Tgw.   1 Dez.  
c) Wiesen 24 Tgw. 38 Dez.  
d) Waldung 11 Tgw. 18 Dez.  
in Summa:
86 Tgw. 98 Dez.  

Zur Führung derselben werden 4 männliche und 4 weibliche Dienstboten, dann 4 Pferde, 2 Ochsen, 12 Kühe und zum Uebernahmskapitale beiläufig 4000 fl. erfordert.
Bewerber um diese Pfarrei haben ihre vorschriftsmäßig belegten Gesuche binnen 4 Wochen bei derjenigen k.Kreisregierung, Kammer des Innern, zu übergeben, in deren Bezirk sie ihren Wohnsitz haben.
München den 10.Dezember 1866
Königliche Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern, Freiherr zu Zu-Rhein, Präsident.


Bruderschaften
Bruderschaften sind kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung allen Personen oder nur verschiedenen Personenkreisen (Zunftbruderschaften) offenstehen. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum). Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache (wied z.B. die Verehrung des eucharistischen Sakraments). Marianische Bruderschaften beziehen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder treten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf. Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen (Marianische Kongregation, Dritter Orden, Missionsverein, Kolpinsverein) eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung. 

Auch in Weichs gab es -insbesondere im 17. und 18.Jh.-  Bruderschaften. In seinem Aufsatz "Kirchliche Vereinigungen" hat Heinrich Fitger über vier Bruderschaften bzw. Vereine in der Weichser Pfarrei berichtet:

a) Dreifaltigkeitsbruderschaft
Die "Bruderschaft zur Ehre der allerheiligsten Dreifaltigkeit in der Pfarrkirche zu Weichs", wurde wohl im Winter 1722/23 auf Initiative von Pfarrer Dr. Martin Schubin gegründet, am 12.März 1723 vom Freisinger Bischof Joh. Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck und am 26.November des gleichen Jahres von Papst Innozenz XIII. genehmigt.
Erstes Mitglied war der Schulleiter Josef Schräffel. Die Bruderschaft wuchs sehr schnell. Bis zum Ende des ersten Jahres traten 650 Männer und Frauen aus Weichs, aber auch aus umliegenden und weit entfernt liegenden Orten dieser Gebetsvereingung bei. Nach fünf Jahren war der Mitgliederstand bei 1439 angekommen. Man vermutet, dass der große Zulauf dem charismatischen Pfarrer Schubin zuzurechnen war, denn nach dessen Tod gingen die Beitrittszahlen auffällig zurück. Die Dreifaltigkeitsbruderschaft bestand wohl bis in die 1980er Jahren. Das letzte Mitglied war 1957 aufgenommen worden. Am Dreifaltigkeitssonntag wurden sogar bis 1980 alljährlich kleine Prozessionen abgehalten. Dies beschreibt auch Kanonikus Schmidt in seiner Matrikel von 1738: "Seit 26.Nov.1722 gibt es eine Bruderschaft vom der heiligsten Dreifaltigkeit, deren Hauptfest am Dreifaltigkeitssonntag mit Procession im Freien, Predigt und am Schlusse mit der Abbetung des englischen Rosenkranzes gefeiert wird".
Die Dreifaltigkeitsbruderschaften hatten ihren Ursprung im Orden der Trinitarier, die von Johannes von Matha (1160-1213) und Felix von Valois (1127-1212) nach einer göttlichen Offenbarung zur Loskaufung gefangener Christen aus sarazenischer Gefangenschaft gegründet worden war. Die Trinitarier förderten die Gründung der Dreifaltigkeitsbruderschaften.

b) Bruderschaft der "Vier Scapuliere"
Diese Bruderschaft wurde in Weichs im Jahre 1889 gegründet und umfasste wohl rd. 250 Personen. Sie war eher eine Schwesternschaft, weil die meisten Mitglieder weiblich waren. Wie lange sie bestanden hat, ist nicht bekannt.
Das Skapulier war ursprünglich ein Bußkleid aus haarigem Stoff, das über der Schulter getragen wurde. Es sollte beständig zur Buße auffordern und an das Beispiel Mariens erinnern, Vertrauen einflößen und die Bruderschaftsmitglieder ermuntern, als ihre Kinder auf Erden zu wandeln. Die Mitglieder der Scapulierbruderschaft trugen kleine Skapuliere, die aus zwei durch Schnüre verbundenen Vierecken bestanden. Jeweils ein Viereck auf der Brust und eins auf dem Rücken. Die tatsächliche Größe der Vierecke variierte zwischen 5 und 10 cm. Meistens sind auf den Skapulieren kleine Bilder von Maria und dem Herzen Jesu angebracht. 
In Weichs gab es verschiedenfarbige Skapuliere wie z.B. das braune Skapulier vom Berge Karmel, das schwarze Skapulier der Serviten, das weiße Skapulier der Trinitarier, das blaue Skapulier von der Unbefleckten Empfängnis oder das rote Passionsskapulier. Mitglieder der "Vier Scapuliere" trugen wahrscheinlich vier dieser Tücher.

c ) Kindheit-Jesu-Verein
Dieser Verein ist aus dem Jahr 1868 bekannt. Der Verein widmete sich nach seinen Regeln dem Heil der ausgesetzten und verlassenen Kinder in den Ländern der Heiden. Jedes Mitglied musste einen Monatsbeitrag von 1 Kreuzer zahlen und täglich ein Ave Maria beten mit dem Zusatz: "Heilige Jungfrau Maria, bitte für uns und die armen Heidenkinder !".
Wie lange es den Verein in Weichs gab, ist nicht bekannt.

d) Verein des Gebetsapostolats
Dieser Verein war durch Pfarrer Böckl eingeführt und bischöflich am 23.5.1870 genehmigt worden. Die Mitgliederliste wies 392 Namen von Männern und Frauen allen Alters und Standes auf, schreibt Heinrich Fitger.
Das Gebetsapostolat ist eine Vereinigung von Gläubigen mit dem Ziel, das persönliche Gebet mit dem Gebet und dem Auftrag der ganzen Kirche mittels der Gebetsanliegen des Heiligen Vaters zu verbinden. Das Gebetsapostolat ist den Jesuiten anvertraut und noch heute in mehr als 70 Ländern der Welt verbreitet.


Weihnachtstaler 2006
Verlängerung der Kirche 1874
Im Jahr 1874 wurden das Kirchenschiff um zwei auf nunmehr fünf Joche verlängert (+35 Fuß) und der Turm mit einer neuen Spitze (65 Fuß hohe Pyramide) versehen. Bei dieser Gelegenheit sollen auch die barocken Deckengemälde übermalt worden sein, die 1922 wieder freigelegt wurden. Dabei war schon 1820 festgestellt worden, der Dachstuhl des Turmes und der Glockenstuhl seien weitgehend verfault. Als dann auch noch die Zahl der Gläubigen immer mehr zunahm (für 474 Seelen gab es 144 Plätze) wuchs die Bereitschaft zu einer großen Lösung mit Umbau des Turmes und der Kirche, der einschließlich der neuen Glocken 13.300 Gulden (=23.000 Mark) kostete. Die alten, drei ausgeschlagenen Glocken hatten ein Gesamtgewicht von 13 Ztr., die vier neuen 47 Ztr. Die Glockenweihe am 15.Okt.1874 nahm Erzbischof Gregorius vor. "Die ganze Pfarrgemeinde war am kommenden Sonntag (d.h. am So nach dem 15.Okt. also am 21.10.) tief ergriffen, als es den herrlichen Ton im reinsten Es-moll-Akkorde zum ersten Mal hörte".


Beschreibung 1884
Kirche und Pfarrei Weichs sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: " Die Pfarrei hat 1044 Seelen in 166 Häusern. Davon wohnen 474 Gläubige (in 73 Häusern) in der Ortschaft Weichs selbst, die Übrigen in Edenholzhausen 37 (5), Erlbach 29 (4), Erlhausen 40 (5), Frenking 48 (7), Aufhausen 140 (25), Ebersbach 63 (13), Eglersried 25 (5), Gundackersdorf 70 (10) sowie in 8 weiteren Weilern und Einöden. Der Umfang der Pfarrei beträgt 18 km. Die Wege sind großentheils beschwerlich, besonders bei nasser Witterung." Im Pfarrbezirk leben 50 Protestanten, die nach Kemoden eingepfarrt sind. In Weichs bestehen 2 Schulen. In der 1880 erbauten Knabenschule unterrichtet der einzige Lehrer 67 Werktags- und 23 Feiertagsschülern, in der Mädchenschule lehren zwei Schulschwestern 73 Werktags- und 34 Feiertagsschülerinnen.
Pfarrei
: "Weichs ist eine Wechselpfarrei (= das Präsentationsrecht wechselte nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München). Die Kirchenrechnung weist bei 4798 Mark Einnahmen und 737 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 4061 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 85 Tagwerk (= 28 ha) der Bonität 10. Das Pfarrhaus ist alt, hinlänglich geräumig, gut erhalten, passend und trocken. Ökonomie-gebäude: Der Stadel ist alt, mit Strohdach gedeckt und gut erhalten, die Stallungen seit 1853 neu und gewölbt. Für den Hilfspriester gibt es eine Wohnung im oberen Stockwerk des neuen Pferdestalles; die Stelle ist aber seit 14 Jahren nicht mehr besetzt. Die Matrikelbücher beginnen 1669.
Pfarrkirche: Erbauungsjahr unbekannt, erweitert und restaurirt 1875 und 1879. Baustyl:Presbyterium ursprünglich gothisch, jetzt sammt Schiff Frührenaissance. Hinlänglich geräumig. Spitzthurm (bis 1875 Sattelthurm) mit 4 neuen Glocken, gegossen 1875 von Eduard Becker in Ingolstadt. Sie tragen die Inschriften: a) Hl.Martinus beschütze die Pfarrei Weichs und segne meine Schaffer Georg und Therese Baustädter" b) "Herz Jesu, Erbarmung für uns und alle Menschen" c) "Herz Mariä sei unsere Zuflucht jetzt und allezeit!" d) Hl.Joseph, bitte für die Sterbenden !". 3 Altäre (der Benefiziumsaltar war 1830 abgebaut worden); Orgel mit 16 Registern. In bzw. an der Kirche befinden sich Grabsteine der Pfarrer Balthasar Paur +1624, Sigmund Faber +1722, Johann Jobst +1745. In der Vorhalle ein kaum mehr leserlicher Stein mit der Jahreszahl 1494. Cemeterium (=Friedhof) ohne Kapelle; früher Gruft der Freiherrn von Weichs. Stiftungen: 31 Jahrtage, 13 Jahrmessen, 8 Quatembermessen und 4 Quatemberämter (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) . Seit 26.Nov.1722 gibt es eine Bruderschaft vom der heiligsten Dreifaltigkeit, deren Hauptfest am Dreifaltigkeitssonntag mit Procession im Freien, Predigt und am Schlusse mit der Abbetung des englischen Rosenkranzes gefeiert wird. Den Meßnerdienst versieht ein Meßnergehilfe, den Cantordienst der Lehrer. Kirchenvermögen: 92.700 Mark".


Bei der Renovierung 1950 hat Pfarrer Josef Niederhuber viele Veränderung des vorherigen Jahrhunderts wieder rückgängig gemacht. Der Kirchenraum wurde heller und freundlicher gestaltet, die farbigen Fenster entfernt, die barocken Deckengemälde freigelegt.

Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.
1458: 33 Häuser
1524: Pfarrei mit 450 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1560: Pfarrei mit 350 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1584: Pfarrei mit 400 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1738
: Pfarrei mit 600 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1852: Ortschaft Weichs mit 50 Familien und 212 Einwohnern
1867: Gemeinde mit 546 Einwohnern, 173 Gebäuden
      Ortschaft mit 355 Einwohnern in 111 Geb. (dazu Aufhausen 131 Einw., davon 9 Protestanten, 47 Gebäuden, Erlbach 23/5,          Erlhausen 37/10)
1874: Pfarrei mit 1044 Gläubigen in 166 Häusern.
      Ortschaft Weichs mit 474 Gläubigen in 73 Häusern
1933: Gemeinde mit  806 Einwohnern
1939: Gemeinde mit  765 Einwohnern

 

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben der Pfarrei Weichs berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte von Fahnenweihen, Primizfeiern sowie Verabschiedung, Neuinstallation und Beerdigungen von Pfarrern. Wenn Sie an den Berichten des Amperboten interessiert sind, klicken Sie hier...



B
aubeschreibung der Kirche

Die Kirche in Weichs ist eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt. Die gotischen Teile sind noch in dem wenig eingezogenen, fünfseitig geschlossenen Chor, der außen durch Stützpfeiler verstärkt ist, und im Untergeschoss des Turmes zu finden.
Das heutige Kirchenschiff stammt aus barocker Zeit (um 1720) und wurde 1874 um zwei. auf nunmehr fünf Joche verlängert. Dabei wurden auch die barocken Deckengemälde übermalt.
Der Turm soll um 1497 schon 100 Fuß (rd. 30 m) hoch gewesen sein. Im Kupferstich von Michael Wening 1701 hat er ein Satteldach. Seine heutige Gestalt erhielt er 1874; damals wurde er erhöht und mit einem Spitzhelm (zunächst aus Schiefer, ab 1974 aus Kupfer) über vier Giebeln ausgestattet. Er ist jetzt 36 m hoch. 2007 schlug der Blitz in den Turm (mehr darüber...).

Die alten Glocken (darunter auch die Marienglocke) mussten im Jahr 1942 bis auf eine zum Einschmelzen abgeliefert werden; die älteste aus dem Jahr 1640 blieb erhalten und wurde nach dem Krieg nach Ebersbach abgegeben. Im Frühjahr 1949 hat man aus Dortmund vier neue Stahl-Glocken angeschafft, die aber nur 30 Jahre in Weichs läuteten. 1977 wurden sie nach Ecuador (an den Dom von Quito und an eine Dorfkirche) verschenkt. An ihrer Stelle wurden vier neue Bronzeglocken von der Fa. Perner aus Passau gekauft. Die schwerste und mit 152 cm größte ist dem Namens-Patron St. Martin geweiht. Auf ihr sind ein Relief mit der "Mantelteilung" und eine Inschrift "St.Martin - wir vertrauen auf Deine Fürsprache" angebracht.
Wenn Sie das Glockengeläute hören möchten, klicken Sie hier...


Schmerzensmann am Turm
In einer Nische an der Turmostseite steht ein Tonrelief des Schmerzensmannes, des auferstandenen Christus, der auf seine Kreuzeswunden hinweist. An den Händen und Füßen sind die Nagelwunden zu erkennen. Mit der linken Hand weist er auf die Seitenwunde, die ihm als Nachweis für den Tod zugefügt worden war. Die Beine sind etwas zu kurz geraten.
Über die Herkunft der 72 cm hohen Figur ist nichts bekannt. Man geht davon aus, dass sie aus dem 15.Jh stammt, als der Chorraum errichtet wurde.
Leider hat man bei der letzten Renovierung der Außenfassade die halbe Hand der Figur mit überweißelt; ein wenig sensibler Umgang mit der alten Figur.
An der Ostseite des Turms ist noch ein Relikt aus barocker Zeit zu sehen: Das Steinrelief von Gottvater mit der Weltkugel in der linken Hand; die rechte Hand hat er zum westlichen Segensgestus (drei ausgestreckte Finger) geformt. Umkränzt wird das Relief von einem Dreieck, das früher wohl ein Tympanon gewesen ist. Die Figur ist schon stark verwittert.


Gottvaterrelief

Epitaphe außen
In die Außenwände der Kirche und des Turmes sind viele Epitaphe eingelassen, die zumeist an verstorbene Pfarrer, aber auch an Schwestern des nahen Klosters erinnern.

Epitaphe an der Außenwand
Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten.

Hier stelle ich zehn der Epitaphe an der Außenwand vor:

um 1600
1788
1801
1806
1837
1843
1884
1885
1999

Auf dem Epitaph aus Kalksandstein kniet Freifrau Katharina von Weichs, geborene von Peffenhausen, seit 1572/73 Ehefrau des Freiherrn Wolf Joachim von Weichs, vor einem Kruzifix. Um ihre gefalteten Hände ist ein Rosenkranz gewickelt. Neben Katharina das Wappen der Peffenhausener. Im Hintergrund eine Kirche mit Sattelturm (wie in Weichs bis 1874) und zwei weitere Gebäude. Unter dem Kreuz ein Totenschädel mit Oberschenkelknochen als Memento-mori-Symbol.
(Chornordseite; Größe 69 x 43 cm, ).

Diagonal gestelltes Epitaph aus Solnhofener Stein für Pfarrer Franz Xaver Lachermayr
(Sakristei-Südwand; Größe 29 x 29 cm).

Epitaph für Pfarrer Valentin Anton Vollert, gestorben am 14.Mai 1801. Ganz oben ein Kelch mit Hostie, auf der das Jesusmonogramm IHS mit Strahlenkranz zu sehen ist. Ganz unten ein Totenschädel mit Birett (Turm-Südseite; Größe 91 x 54 cm).

Epitaph für Pfarrer Alois Graß. Text: "Am 2.Oktober 1806 starb der Hochwürdige Hochgelehrte Herr Alois Graß, durch 18 Jahre Pfarrer in Hilgertshausen und 5 Jahre 3 Monate Pfarrer in Weichs im 53ten Jahre seines Alters. Er ruhe in Frieden." (Turm-Südseite; Größe 91 x 55 cm).

Epitaph für Georg Erhard. Text: " Hier ruhet der wohlgeborne Herr Georg Erhard, herrschaftlicher Revjerjäger & Bezirksgeometer in Weichs. geboren im Jahre 1788, gestorben am 25. Januar 1837. R.I.P"
(Chornordseite; Größe 39 x 38 cm).

Epitaph für einen Priester (Kelch mit Hostie). Der Stein befindet sich schon in einem schlechten Zustand und beginnt unten abzubröckeln. Leider konnte ich mit bloßem Auge den Text nicht entziffern. Mit geeigneten techn. Maßnahmen wäre dies wohl noch möglich.

Epitaph aus Solnhofener Stein für Pfarrer Matthäus Vierthaler.
Text: " Hier liegt begraben Sr. Hochwürden Herr Math.Vierthaler, Benefiziat v. Weichs geboren den 23ten Febr. 1775, gestorben den 26ten Dez. 1843. R.I.P" (Turm-Südseite; Größe 43 x 43 cm).

Text: "Im frommen Andenken an die ehrwürdige Maria Sindolina(?) Brettmeister, Schulschwester in Hienheim, geb. zu Gundackersdorf am 10.Juni 1843, gest. zu Hienheim am 19. Februar 1884.

Text: "Ruhestätte der ehrwürdigen Schulschwester Maria Adaucta Brettmeister von Gundackersdorf gestorben in Giebing am 10.März 1885, 29(?) Jahre alt. R.I.P"

Eines der vier Epitaphe aus dem 20.Jh mit Namen der verstorbenen Armen Schulschwestern .

Priesterkreuze
Vor den Epitaphen stehen an der Südseite des Kirchenschiffs neun bunt bemalte schmiedeeiserne Kreuze, die an die letzten Priester der Pfarrei sowie an eine Klosterschwester (frühere Mesnerin) erinnern. Die im Jahr 2011/12 renovierten Kreuze - in unterschiedlichen Formen und Gestaltungen- sind eine besondere Zierde der Kirche. Bei Sonnenschein werfen sie ihre Schattenbilder an die Kirchenmauer. Eine solche Reihe gibt es im Landkreis Dachau kein zweites Mal.

1. Kreuz2.Kreuz3.Kreuz für Schwester Maria Landoine Mair4.Kreuz5.Kreuz6.Kreuz für Pfr. NiederhuberKreuz für Pfr.Wilh. Gerner Kreuz für Hochw.Kanzleirat Josef GroßKreuz für Pfr. Alfons Kuhnigk
Priesterkreuze - zur Vergrößerung klicken Sie auf die Kreuze

Die beiden türförmigen Bögen an der Nordseite des Chores sind noch Zeugen der inzwischen abgetragenen Begräbnisstätte der Freiherrn von Weichs, die 1874 errichtet worden war.

Die doppelstöckige Sakristei mit abgeschlepptem Pultdach wurde im 19.Jh an der Südseite des Kirchenschiffs unmittelbar westlich des Turms angebaut.


Ochsenaugenfenster
An der Westfront ist das hohe doppeltürige Vorhaus angefügt, das im unteren Bereich durch sog. Ochsenaugenfenster erhellt wird.
An der Südmauer des Kirchenschiffs ist ein großes Kruzifix mit lebensgroßem Corpus Jesu angebracht. Es handelt sich um ein sog. Missionskreuz aus der Zeit um 1920. Das Kruzifix erinnert an eine der Volksmissionen, die in der Pfarrei durchgeführt wurden.

Kruzifix an der Außenwand

Die letzten großen Renovierungen fanden in den Jahren 1874, 1950 und 1971-1973 statt. Im Jahr 2005 wurde das Kirchengebäude außen geweißelt.


Innenausstattung


A
ltarraum

Der 2-jochige, stark eingezogene Altarraum mit 5/8-Schluss ist von einem spätgotischen Gewölbe mit Stichkappen über den Fenstern überdeckt. Die Gewölberippen wurden schon in der Barockzeit  abgeschlagen.


Stuckaturen im Altarraum

Die Stuckaturen aus dem Jahr 1721 nach Art der Wessobrunner Schule sind rosa, gelb und grün hinterlegt. Die Rahmen der Deckengemälde sind mit stuckierten Blütengirlanden, Akanthusranken, Muscheln und Fruchtschnüren umgeben. Hier ist der Rokokostil schon zu erspüren. Wessobrunn war Mittelpunkt der besten Stuckatoren im damaligen Europa.
Wahrscheinlich sind die Stukkaturen von Benedikt Heiß aus Dachau gestaltet worden. Er verwendete fast immer gegenläufige Ranken, die sich an den Enden einmal überlappen und Blüten bilden. Besonders prägnant sind auch die Putten über Muschelverzierungen an den Gewölbekonsolen (Bild rechts).


Gewölbekonsole
Im Gewölbe zwischen den Stichkappen sind in Medaillons mit Stuckrahmen die vier Kirchenlehrer umgeben von Engeln dargestellt.   Akanthus- Ornamente aus Stuck verzieren die Medaillons.
  
Medaillons mit Kirchenlehrern
Bei den Kirchenlehrern handelt es sich um Augustinus mit glühendem Herzen, Papst Gregor mit dem Choralbuch der gregorianischen Gesänge, Ambrosius mit Bischofsstab und Hieronymus mit Totenkopf.

Die Stukkaturen um die Chorfenster wurden vom Stockhoder (Stukkateur) Augustin Pältl aus Bergkirchen aufgebracht.
Die Fenster waren bis zur Umgestaltung von 1950 noch bemalt.
Bis 1974 befanden sich im Altarraum noch zwei Beichtstühle beiderseits des Hochaltars. Sie wurden bei der damaligen Restaurierung entfernt. Auch eine Empore wurde abgebaut.



D
eckengemälde im Altarraum

Die Deckengemälde im Chor sind von kräftigen, mit Blatt und Blumenornamenten besetzten Stuckrahmen eingefasst. Sie befassen sich mit der Martinslegende. Die Bilder wurden um 1720 gemalt, bei der Verlängerung 1874 dick überstrichen und im Jahr 1950 unter Pfarrer Niederhuber von den Restauratoren Prof. Blatner und Wimmer wieder freigelegt. Darunter hat natürlich die Qualität gelitten. 1974 wurden die Fresken deshalb retuschiert. Hauptbilder sind:
 
     
Mantelspende
die Mantelspende (St. Martin zu Pferd überreicht vor dem Hintergrund einer Waldlichtung die Hälfte des Mantels dem neben ihm stehenden halbnackten Bettler)  
Legende:
Als Martin noch Soldat war, begegnete ihm vor den Toren von Amiens ein nur notdürftig gekleideter Bettler.
Martin teilte mit dem Schwert seinen Mantel und schenkte eine Hälfte dem Bettler.
In der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte.
 

Ablehnung
des Bischofsamts
Martin verweigert die Annahme der Bischofswürde
Unter einer Kirchenkuppel steht St. Martin rechts, noch in eine Mönchskutte gekleidet, das Haupt von einem
Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes umgeben. Er wird vom Volk gedrängt das Bischofsamt
anzunehmen. Ein Kleriker zieht ihn am Arm und weist in Richtung des bischöflichen Throns auf der linken Seite.
Dort hält ein Diakon die bischöflichen Insignien bereit. Ein weiterer Bischof wartet im Hintergrund um St.Martin zu weihen.
Legende
: Martin weigerte sich zunächst das Bischofsamt von Tour anzunehmen. Erst aufgrund der Bitte des Volkes ließ er sich umstimmen.  

 

Versuchung
Versuchung des hl.Martin durch den Teufel  
Das unmittelbar am Chorbogen anschließende Gemälde zeigt den hl. Martin in Reisekleidung mit Rucksack und Stab, wie er dem gehörnten und geschwänzten Teufel ein Kreuzzeichen  entgegensetzt.

Legende
: Auf der Reise zu seinen Eltern in Pavia erschien der Teufel und drohte, er werde ihm überall, wohin er auch gehe, übel mitspielen. St. Martin antwortete: Der Herr ist mein Beistand, ich fürchte nicht der Menschen Anschläge wider mich.


In den Gewölbezwickeln sind 6 Medaillons angebracht, die auf die Tugenden des Kirchenpatrons hinweisen:

1. Fliegender Adler mit der Inschrift "ALTA PETIT" (er sucht die Höhe)
    Der Adler, der sich zur Sonne emporschwingt, ist hier Sinnbild für die Hinwendung zu Gott und das
    Zurücklassen alles Irdischen.


Fliegender Adler

2. Vulkan mit der Inschrift "Ex petris excutit ignem" (aus Felsen schleudert er Feuer)

Vulkan

Der feuerspeiende Vulkan ist Sinnbild für die Liebe zu Gott, die so groß ist, dass der Mensch sie nicht verbergen kann.

3. Gans als Wächter mit der Inschrift "Semper vigilans" (immer wachsam)
    Gänse waren schon zu römischen Zeiten Sinnbild der Wachsamkeit, weil sie die Stadt Rom durch ihr
    Schnattern vor heimlich eindringenden Galliern gewarnt hatten. Auch Martin war, als er vor der
    Bischofswürde in eine Höhle floh, von Gänsen verraten worden.

Gans

4. Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blut nährt, mit der Inschrift "SUAVITER DISPENDET" (süß teilt er aus)


Pelikan

Hinweis: Im Mittelalter war das Aussehen des Pelikans in unseren Breiten nicht bekannt. In alten Büchern (Bestiarium, Physiologus) wird berichtet, dass der Pelikan seine Brust aufreißt, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer. Ein Fronleichnamsgebet von Thomas v.Aquin (1225-1275) lautet: Laß Jesu Herr und Heiland, teurer Pelikan, von deinem Blut mich Sünder Reinigung empfahn". Die ersten künstlerischen Darstellungen des Pelikan wurden schon im 3.Jh. nachgewiesen. Wissenschaftlich ist dieser Bericht vom Pelikan heute überholt. Die Fabel entstand wohl, weil die Art und Weise, wie der Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert, indem er dabei den Schnabel auf die Brust stemmt, um die Fische einfacher auswürgen zu können und dabei seine weißen Federn mit dem Fischblut rötet, falsch gedeutet wurde.
5. Geöffneter Granatapfel, der seine Kerne ausstreut mit der Inschrift "QUOD HABEO LARGITOR" (was ich habe, schenke ich)
Der Granatapfel (lat. granatus=gekörnt), der sich von selbst öffnet, und zahlreiche Samen und Kerne verstreut, ist Sinnbild für die Freigebigkeit. Schon im Alten Testament war er Zeichen göttlichen Segens. In christlicher Zeit wurde er zum Symbol für die Kirche. Dabei stellen die Samen die Fülle der Mysterien und die große Anzahl der für den Glauben gestorbenen Märtyrer dar.


Granatapfel

6. Schwalbe, die einen Halm zum Nest bringt, mit der Inschrift "PROFERT LUMEN CAECIS" (sie bringt den Blinden Licht

Schwalbe
Die Schwalbe, die ihre Jungen, wenn sie zu erblinden drohen, durch das Kraut Chelidonia heilt, ist Sinnbild für St.Martin, der seinen Schülern durch seine Lehre die Augen öffnet.

Der Maler der Deckenfresken im Altarraum und im Kirchenschiff ist nicht bekannt. Kunstexperten vermuten den Maler aus dem Umkreis der Münchner Hofkunst, vor allem aus der Nachfolge des berühmten Joh.Andreas Wolff (1652-1716), der das Altarbild Indersdorf in Indersdorf geschaffen hat. In Frage kämen Joh.Eustachius Kendlbacher (1660–1725) und Benedikt Albrecht (um 1655–1730), die beide die Klosterkirche Gars am Inn ausgemalt haben oder Melchior Steidl (1657-1727), einem Schüler von Wolff. Andere Experten favorisieren Thaddäus Kärpf aus Kranzberg. Am wahrscheinlichsten dürfte nach Ansicht der Verfasser des Corpus der barocken Deckenmalerei (siehe Quellen) wegen der Ähnlichkeit der Fresken mit der Ainhofener Kirche der Maler Benedikt Dersch, (1686-1757) sein.


Choraltar

Der prächtige, rot und grau marmorierte Hochaltar mit säulengestütztem Aufbau (beiderseits je eine glatte und 2 gedrehte Säulen) stammt aus der Zeit um 1727, als die Kirche barockisiert wurde. Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb sind Säulenretabel eine beliebte Bauform.
Der Altar in Weichs wurde vom Dachauer Kunstschreiner Nikolaus Prugger (1684-1769) für 205 Gulden gefertigt. Der Künstler schuf auch Altäre in Giebing, Kreuzholzhausen, Puchschlagen, Etzenhausen, Sulzrain und Rudelzhofen. Mehr über Nikolaus Prugger finden Sie hier...
Den früheren, erst 15 Jahre alten Hochaltar verkaufte der damalige Pfarrer Dr.Schubin -ohne oberhirtliche Genehmigung, wie vermerkt wird- an die Kirche in Pischelsdorf; inzwischen steht das Retabel im Heimatmuseum von Pfaffenhofen/Ilm.


Auf dem Gebälk über dem Altarblatt sitzen Girlanden tragende Engel zwischen Flammenvasen. Sie umrahmen das Altaraufsatzbild mit dem Thema "Maria als das apokalyptische Weib". Maria schwebt auf Wolken, gestützt von Putten.

Apokalyptisches Weib
Ihr Haupt wird von 12 Sternen umkränzt. Ihr Fuß steht auf einer Mondsichel, die zugleich eine Schlange niederdrückt. Die Schlange windet sich um die blaue Erdkugel und hält einen Apfel im Maul.
 
Hinweis: Die Darstellung zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ["Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange"] und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt. Die Mondsichel und die zwölf Sterne erinnern an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen. Die Sterne sind Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeit als Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.

Mittelpunkt des Altars ist ein großes Ölgemälde. Der Kirchenpatron "St. Martin predigt, während die Zuhörer Werke der Nächstenliebe verrichten".
St.Martin predigt
Links im Vordergrund pflegt eine Frau einen Kranken, im Hintergrund wird die Mantelspende dargestellt. Zu Füßen des Heiligen steht eine Gans.

Der vergoldete Tabernakel aus dem Jahr 1920 ist mit glatten und gedrehten Säulen mit verkröpftem Gebälk geschmückt. Das Relief auf der zwei-flügeligen Rundbogentür ist perspektivisch gestaltet. An der Seite befinden sich Nischen.Auf die Innenseiten der Türen sind Anbetungsengel gemalt.

Tabernakel

Auf dem Tabernakel ist zwischen Voluten ein Pelikan zu sehen, der seine Jungen füttert.
Hinweis: Früher dachte man, dass der Pelikan seine Brust aufreißt, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer.



Bild hinter
dem Altar

Hinter dem Altar ist ein großes Bild aufbewahrt, von dem noch nicht klar ist, was es darstellt. Zwei Menschen gehen einen Fluss entlang, der sich zwischen mächtigen Felsen hindurchzwängt. Im Hintergrund ist ein Ort mit einer doppeltürmigen Kirche (Indersdorf ?) zu sehen. Über den Wanderern halten Engel einen Lorbeerkranz.
Das Bild dürfte schon Anfang des 17. Jh, also vor dem Dreißigjährigen Krieg gemalt worden sein.
  Hinweis: Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern.


Taufbecken

Der einen Meter hohe Taufstein ist aus weißem Marmor gearbeitet. Er stammt aus der 1.Hälfte des 20.Jh. Etwa 200 Jahre älter ist der Deckel des Taufbeckens, auf dem eine Figurengruppe die Taufe Jesu darstellt. Johannes der Täufer gießt Wasser über das Haupt von Jesus, der mit dem linken Fuß im Wasser steht und sich mit dem rechten Knie auf einen Stein stützt. Hinter den beiden Figuren erhebt sich eine Palme.

Taufsteinfiguren
Zwischen den Palmwedeln schwebt die Heilig-Geist-Taufe. Über allem thront Gottvater auf einer Wolke.
Die Figurengruppe könnte vom Dachauer Bildhauer Franz de Paula Arnoldt (1724-1788) stammen, vermutet der Bergkirchner Architekt Max Gruber.
Die Figuren von Jesus und Gottvater mussten nach einem Diebstahl durch Kopien ersetzt werden. Original ist nur Johannes.



Figuren im Altarraum

An der Chornordseite steht auf einem Sockel eine Muttergottesfigur im gotischen Stil (sog. Weichen Stil ) mit dem Jesuskind auf dem Arm. Die Gesichter der beiden Figuren scheinen aus dem Leben gegriffen zu sein. Das ganz natürlich und keineswegs hoheitsvoll wirkende Jesuskind (mit kugeligem Bauch, Fettpölsterchen an den Armen und interessanter Frisur) hält einen Apfel in der Hand. Es ist eine Nachbildung der berühmten gotischen Muttergottes von Altenmarkt im Pongau/Salzburger Land. Wann die Weichser Madonna geschnitzt wurde, ist mir nicht bekannt. Im Marienmonat Mai wird die Figur auf dem Hochaltar aufgestellt.
Merkmale der Gotik sind die Form der Krone, der seitliche Schleier und vor allem die S-Krümmung des Körpers, die mit dem Fachausdruck "Gotischer Schwung" bezeichnet wird. Seit dem 13. Jh. sind bei vielen gotischen Figuren die waagerechten Achsen (Becken, Schultern) gleichsinnig verschoben. Der Kopf ist der erhöhten Schulter zugeneigt. So ergibt sich eine S-Krümmung, die die steigende Körperbewegung im Sinne des gotischen, auf die Vertikale gerichteten Willens betont. Der reiche Faltenwurf ist so gestaltet, dass er auf das Jesuskind zuläuft.


Muttergottes
von Altenmarkt

Die Altenmarkter Madonna (Madonna von der Tanne) ist neben der ähnlich gestalteten Madonna von Krumau eine der berühmtesten "Schönen Madonnen" Europas. Ein unbekannt gebliebener böhmischer Künstler schuf die 88 Zentimeter große Statue im ausgehenden 14 Jahrhundert aus kalkigem Pläner Sandstein. Die kostbare Madonna wurde im Jahre 1393 von Pfarrer Richer von Ettling nach Altenmarkt im Salzburger Pongau gebracht. Der Priester war zugleich ein hoher Verwaltungsbeamter am Hofe des Salzburger Erzbischofs Pilgrim II.

Gegenüber steht der hl. Sebastian, an den Marterbaum gefesselt und von Pfeilen durchbohrt. (18.Jh)


St.Sebastian

Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

Sakristei
Die Sakristei ist doppelstöckig. Im unteren Teil stehen sehr schöne Schränke aus Zirbelholz. Sie wurden um das Jahr 1930 im neubarocken Stil angefertigt.

Sakristeischränke
Am oberen Rand des Aufsatzes ist eine Umschrift angebracht: "Patronus Ecclesiae St.Martinus - Nomen RDD Episcopi: Reinhard". Diese Inschrift dient fremden Priestern, die aushilfsweise die Messe lesen, zur Orientierung. Die Namen des Patrons und des jeweiligen Bischofs sind Bestandteil des Hochgebets nach der hl.Wandlung.

Reliquien-Behälter
Im Obergeschoss sind alte barocke Reliquienbehälter aufbewahrt, die angesichts der vielen Wurmlöcher im Rahmen noch der Renovierung bedürfen. Die Behälter sind den beiden Bauernheiligen Wendelin und Isidor gewidmet. Ihre Bilder sind in der Mitte angebracht. Um sie herum sind die Reliquien, mit (Halb)Edelsteinen, ornamentalem Schmuck aus Silberblech sowie Filigranarbeiten aus Gold- und Silberfäden eingenäht. Auf kleinen Pergamentstreifen (Cedulae) sind die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen, verzeichnet (bei Wendelin: Agatha, Desiderius, Meritus, Prudentius, Renatus, Pius, bei Isidor: Ornuta, Longinos, Cölöstinä, Coronata, Honorius, Agnes ).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich um Knochenfunde aus den Katakomben handelt, die von nicht identifizierten Christen stammten und die auf die neuen Namen getauft wurden.
Mehr über Katakombenheilige erfahren Sie hier.....

Reliquien-Behälter

Zelebrationsaltar

Das Antependium des Zelebrationsaltars ist mit großen sechseckigen Mustern verziert. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.

Zelebrationsaltar
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar.Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier
  konnte jeder beliebige Tisch dienen.Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel ) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar.


Chorbogen
Am Chorbogen zwischen Altarraum und Kirchenschiff befindet sich das Wappen des zur Zeit des Kirchen-baus, im Jahr 1720 gestorbenen Anton Max Emanuel Josef Freiherrn von Tannberg zwischen denen seiner beiden Gemahlinnen Maria Cleopha Margareta Freiin von Höhenkirchen (links) und Amadea Antonia Adelheid Freiin von Royer, der Tochter des damaligen Hofmarksherren von Jetzendorf.


Wappen am Chorbogen

Dazu einen historischen Hinweis: Weichs war eine Hofmark, aber seit 1458 geteilt in 1/3-Weichs und 2/3-Weichs, die meist verschiedenen Besitzern gehörten. Die Kirche gehörte zu 2/3-Weichs, das 1668-1720 die Freiherren von Tannberg besaßen. Vom Schloss führte ein bedeckter Gang in die Kirche, der um 1800 abgebrochen wurde.

St.Maria

Am Chorbogen sind zwei Wandnischen eingelassen, in denen links eine Figur der
hl. Maria
aus dem Beginn des 17. Jh, mit Krone auf dem Haupt und dem Schwert (der Schmerzen) in der Hand auf einem hohen marmorierten Sockel (mit Marienmonogramm) steht.
Auf der rechten Seite eine Figur des hl. Josef mit Jesuskind auf dem Arm. Die Figur wurde im 20.Jh geschnitzt, jedoch im Stil des 18.Jh. Auf dem prächtigen Sockel ein Josephsmonogramm.


St.Josef
Hinweis: Josef war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.

Früherer Benefiziumsaltar
Direkt unter dem Chorbogen soll -wie oben erwähnt- seit 1490 ein der "Allerseligsten Jungfrau Maria" geweihter Benefiziumsaltar (Frühmessaltar) gestanden haben, der um das Jahr 1830 "auf bischöflichen Befehl weggeschafft " (= abgetragen) wurde, um die Sichtverhältnisse vom Kirchenschiff zum Hochaltar zu verbessern. Der frühere Benefiziat Bernhard Freitag schrieb, dass 1801 der Sebastiansaltar (rechter Seitenaltar) als Frühmessaltar benutzt wurde. Da dieser aber von Pfr.Graß benötigt worden sei, habe er, Freitag, um 1803, mit Billigung des Hofmarksherrn einen neuen Frühmessaltar errichtet, unter Wiederverwendung von Teilen des alten und eines aus der Schlosskapelle entnommenen tragbaren Altars. Pfarrer Lechner wollte den Altar schon 1808 wieder beseitigen lassen, doch noch 1830 soll er -dem Einsturz nahe- in der Kirche gestanden haben.


Kirchenschiff bzw. Langhaus

Das fünfachsige Kirchenschiff besitzt eine barocke, durch Stuckrahmenfelder gegliederte Flachdecke. Die Gemälde waren 1874 mit weißer Farbe übertüncht worden und mussten bei der Renovierung 1950 von Prof. Blatner und Restaurator Wimmer mühsam wieder freigelegt werden. Die rundbogigen Fenster sind mit Antikglas bestückt.

Deckengemälde im Langhaus

Das schlicht gestaltete große Deckengemälde aus der Zeit um 1720 zeigt die 12 Apostel und St.Paulus mit ihren Attributen die die Hl.Dreifaltig-keit verehren. Zu diesem Bild existiert ein Entwurf des berühmten Malers Johann Degler (1667-1729) aus München; dass auch das Gemälde von ihm stammt, wird von Kunsthistorikern aber wegen der mangelnden Qualität ausgeschlossen.

Deckengemälde - 12 Apostel
Degler hatte übrigens 1717 auch die Entwürfe für die Deckenmalerei in Straßbach geliefert und 1719 in Indersdorf die Kanzeltür bemalt.
In der Bildmitte ist das Dreifaltigkeitssymbol zu sehen, umgeben von den auf Wolken thronenden 12 Aposteln und dem hl. Paulus.

Dargestellt sind
- auf der Ostseite (im Bild unten):  der Jakobus der Ältere (mit Pilgerstab), Paulus (mit Buch und Schwert), Petrus (mit
  Schlüssel), Johannes (mit Schreibfeder, Buch und Adler), Andreas (mit Balkenkreuz), Thomas (mit Lanze),

- auf der Westseite (im Bild auf den Kopf stehend): Matthäus ( mit Buch und Schreibfeder), Matthias (mit Hellebarde),
   Philippus
(mit dem Kreuzstab), Judas Thaddäus (mit Keule), Jakobus der Jüngere (mit Walkerstange), Simon (mit Säge) und
  Bartholomäus (mit Messer). St.
Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde nachträglich verliehen.

In zwei Kartuschen östlich und westlich vom Hauptgemälde sind zu sehen:
- ein Vogel auf einem Baumstumpf mit der Inschrift "PULCHRA ET CANORA" (schön und wohlklingend)
- und ein Regenbogen mit der Inschrift "SPECIE EXHILARAT" (durch den Anblick heitert er auf)
 

An den Ecken des großen Deckengemäldes sind 6 Medaillons (Tondi) mit Szenen aus dem Leben des hl. Martin angebracht:


Tochter Arborius

1. Übergabe der Tochter des Arborius
Ein vornehm gekleidetes Mädchen betritt durch einen Torbogen den Raum, in dem Martin in Bischofsornat mit einem Geistlichen wartet.
Legende: Martin hatte das Mädchen, die Tochter des Präfekten Arborius von einem Fieber geheilt. Der Vater brachte sie darauf zu Martin, damit der sie zu ewiger Jungfräulichkeit weihe.


Teufelsaustreibg.

2. Martin als Teufelsaustreiber        
Martin segnet zwei Besessene, die von drei Männern mühsam gebändigt werden. Aus dem Mund der Besessenen flieht der böse Geist in Form von kleinen schwarzen Teufelsgestalten.
Legende: St. Martin hat beim Knecht des Prokonsuls Tetradius und beim Koch eines anderen Herrn den bösen Geist ausgetrieben. Beide Legenden werden im Bild zusammengefasst.


Totenerweckung 1
3. Heilung/Erweckung eines Kindes                         
Vor Bischof Martin hebt seine Hand segnend über das vor ihm liegende tote, jedenfalls am Arm verstümmelte Kind und heilt es /erweckt es zum Leben.
Daneben die Kindesmutter.
Legende: Als Martin in Chartres predigte, kam eine Mutter mit ihrem toten Sohn und bat Martin, ihm ihren einzigen Sohn wiederzugeben. Auf das Gebet Martins wurde der Tote lebendig.


Totenerweckung 2
4. Totenerweckung eines Kathechumenen           
In einer Säulenhalle segnet Martin -von trauernden Menschen umgeben- im Bischofsornat einen Toten, der sich von seinem Bett erhebt. Ein Ministrant hält den Bischofsstab.


Engel

5. Erscheinung der Engel
Martin, wieder in bischöflicher Tracht, steht vor zwei Engeln.
Legende: Martin soll sich mehrmals lange mit Engeln unterhalten haben.


Baumfällen
6. Martin lässt einen heiligen Baum der Heiden fällen
Martin steht in Bischofstracht unter einem soeben von einem Bauern gefällten heiligen Baum (Eiche oder Föhre), der sich anschickt, auf den Heiligen zu fallen und macht ein Kreuzeszeichen. Im Hintergrund betrachten zwei weitere Personen die Szene.
Legende: Martin ließ einen den Heiden heiligen Baum fällen. Zum Zeichen der Überlegenheit des christlichen Glaubens stellte er sich in die vermutete Fallrichtung und zwang den Baum durch das Kreuzzeichen in die entgegengesetzte Richtung. 

Seitenaltäre

Die relativ schmalen, aber sehr hohen Seitenaltäre wurden 1722/23 von Schreiner Martin Schwarzenbacher und Maler Hans Georg Hörmann (der auch die Kanzel gefasst hat) aus Dachau erstellt. Sie haben glatte und gedrehte Säulen. Die Auszugsbilder sind mit einem Herz im Strahlenkranz gekrönt.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar zeigt in seinem 1710/20 entstandenen Bild die Taufe Jesu durch Johannes Bapt.

Im Auszug wird die hl. Ursula auf einem Leinwandbild dargestellt.
Hinweis: Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia,Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu werden.
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St.Ursula
Einen Höhepunkt erlebte der Ursula-Kult im 15.Jh., gefördert besonders durch den Orden der Zisterzienser. Christopher Kolumbus hat 1493 bei der Entdeckung Amerika 11 Inseln in der Karibik in Anlehnung an die Ursula-Legende "Jungfraueninseln", benannt.
Johannes gießt aus einer Muschelschale das Taufwasser über das Haupt Jesu, der am Rand des Jordan kniet. In der anderen Hand hält Johannes den Kreuzstab. Um ihn ist ein Textband mit den Worten Ecce Agnus Dei geschlungen.

Taufe Jesu
Zu Füßen des Johannes ist ein Lamm zu sehen. Zwischen Schleier haltenden Engeln schwebt die Heilig-Geist-Taube auf Jesus herab. Über einem Wolkenband hält Gottvater seine Hand segnend über die Szene.
Das Bild ist auch eine vertikale Dreifaltigkeitsdarstellung.

Der linke Seitenaltar war der Altar der 1723 gegründeten Dreifaltigkeitsbruderschaft von Weichs.


Rechter Seitenaltar

Im Altarauszug die hl. Barbara mit Märtyrerpalmzweig, Schwert und Turm; darüber ein Engel mit Kelch und Hostie. Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrer über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".

St.Barbara
Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie
  geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Vor dem Tod bat Barbara Gott, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. Der Kelch, den der Engel über sie hält, versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Sebastian geweiht. Mittelpunkt ist ein großes Gemälde, das die Befreiung des hl. Sebastian nach seinem Martyrium durch die hl. Irene zeigt.

St.Sebastian
Hinweis: Sebastian wurde wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er starb aber nicht, sondern wurde von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus nach dem Abzug der Soldaten vom Baum befreit und gesund gepflegt. Die Darstellung der Befreiung durch Irene ist sehr selten.


Kanzel


Kanzel

Die prächtige Kanzel an der Südwand des Langhauses  stammt aus dem Jahr 1724/25 und wurde von der Werkstatt Hans Georg Hörmanns für ca. 100 Gulden gefasst. Ein Malergeselle war 11 Wochen tätig; während dieser Zeit wohnte er (in Vollpension) beim "Wirdt zu Weix" Joseph Wallner. Der beklagte sich, weil der Künstler die Rechnung nicht rechtzeitig beglich.
Der Kanzelkorb ist mit reichem Akanthus- und Muschelwerkdekor verziert. Dazwischen sind drei Bilder angebracht, die
- "den guten Hirten" (Text: Nicht allein vom Brote, sondern vom Worte Gottes lebt der Mensch)
- den "Reichen Jüngling"(Text: Halte die Gebote) u.
- das "Gleichnis vom Sämann" (Text: Der Same ist das Wort Gottes) darstellen.

Kanzelkorb
Auf der Unterseite des Schalldeckels der Kanzel eine Heilig-Geist-Taube, an der Spitze ein flammendes Herz. 
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
 

Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.

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Kanzelkreuz u. Mater Dolorosa

Gegenüber der Kanzel ist das große Kanzelkreuz aus dem 16.Jh mit einem lebensgroßen Korpus an der Wand angebracht.
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber

Kanzelkreuz
an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Unter dem Kreuz steht eine -1950 neu gefasste-  schmerzhafte Muttergottes (Mater dolorosa) aus dem 17. Jh. In ihrer Brust steckt ein Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium(Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel erinnert: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".  


Mater dolorosa


Kirchenbänke

Acht der 16 Kirchenbankreihen sind schon über 180 Jahre alt. Sie sind an den alten Eichenwangen mit der Akanthusblatt -Dekoration zu erkennen Das Muster der Wangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, in der Marktkirche von Indersdorf, in Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen und Westerndorf verwendet. Bei der Aufstellung der Stühle in der Weichser Kirche um 1721 beteiligte sich auch das Spital, das für jeden der 11 von ihm belegten Plätze 50 Kreuzer zahlte. 
Wenn Sie auch schön geschnitzte Stuhlwangen anderer Kirchen im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier...


Kirchenbänke
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die
Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle
an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

Kreuzwegstationsbilder

Die Kreuzwegstationen sind Leinwandbilder, die 1947 von Josef Albrecht gemalt wurden. Der Künstler hat auch die Deckengemälde in Asbach und Gundackersdorf geschaffen. Die Rahmen sind im Stile des 18.Jh vergoldet und versilbert.
Die früheren Kreuzwegbilder hatten aufwändige Rahmen im Kunst-Stil des Historismus, wie auf alten Aufnahmen zu sehen ist.


Kreuzwegbild

Zum 6.Stationsbild (Veronika reicht Jesus das Schweißtuch dar):
Das Nach der Legende erhielt Veronika von Jesus auf ihre Bitte ein Tuch mit seinem wahren Abbild als Andenken, nachdem er sie von Blutfluss geheilt hatte. Zunächst gab es in der Veronika-Legende noch keinen Zusammenhang zur Kreuztragung; auf Veronikabildern aus der Zeit vor 1400 ist das Bild von Jesus deshalb
  ohne Dornenkrone wiedergegeben. Erst nach 1400 wurde das Veronika-Motiv mit der Passion in Verbindung gebracht. Der Name Veronika geht wahrscheinlich auf das lateinische"vera icon" = wahres Bild (Jesu) zurück.



Figuren an den Seitenwänden



St.Leonhard

der hl. Leonhard (Anfang 16.Jh) in Mönchsgewand und mit Buch und Viehketten in den Händen. Die Figur wurde von der Pfarrei Weichs durch Vermittlung des Kunstmalers Wimmer im 20.Jh. erworben.
Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete.
In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.
 
Muttergottesfigur
eine Muttergottesfigur, die 1951 von Bildhauer Fuchs geschnitzt wurde



Auferstandener

Jesus als Auferstandener (halbfigurig) im Stil der 2.Hälfte des 18. Jh mit Kreuz und Wundmalen im vollen Strahlenkranz (Aureole).
Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.
 

rechts:

hl. Martin (um 1480/89), der mit seinem Schwert den Mantel teilt.
    Zu seinen Füßen die kleine Figur eines Bettlers mit  einer Krücke in der Hand. 


St.Martin


 eine Figur des hl. Oswald (Ende 15.Jh.) mit Königskrone und einem Raben, der in seinem Schnabel einen Ring
     bringt. Die Statue könnte in der gotischen Kirche auf einem der Altäre gestanden haben.
     Bildnisse des hl.Oswald sind in unserer Gegend selten. Die Figur in Weichs ist die einzige Darstellung
     in den Kirchen des Landkreises Dachau. Möglicherweise hängt die Verehrung dieses Heiligen mit dem
     Sohn des Ritters Paul von Weichs, Oßwald von Weichs zusammen, der bei der Teilung der Hofmark im
     Jahr 1458 ein Drittel der Herrschaft erbte.


St.Oswald

 

Hinweis: St. Oswald (604-642) -nicht zu verwechseln mit dem in Dänemark geborenen Bischof Oswald- war König von Northumbria in England. Er führte mit Hilfe von Mönchen das Christentum ein. Die Legende berichtet dass bei seiner Krönung das Chrisamöl fehlte; da ein brachte Rabe das Öl in kostbarem Gefäß herbei. Als Oswald die Tochter eines heidnischen Nachbarkönigs gegen dessen Willen heiraten wollte, überbrachte ein anderer Rabe heimlich Brief und Ring zur Angebeteten. In den Alpenländern gilt Oswald als Nothelfer und gehört zu den "Wetterherren": je nach Wind an seinem Jahrestag (5.August) richten sich Ernte und Aussaat.

Die Figuren der Heiligen Martin und Oswald könnten nach Christian Schlick früher auf den gotischen Altären gestanden haben, bis sie bei der Barockisierung der Kirche um 1720 an die Kirchenwand verlegt wurden.

  das Gemälde einer Schmerzhaften Muttergottes (mater dolorosa) in barockem Rahmen mit Flechtband und     Zöpfen. Das um das Jahr 1800 mit Öl auf Leinwand gemalte Bild zeigt die Nachbildung der sog.     Herzogspitalmutter. Die in einen roten Mantel gekleidete Maria hält in den über der Brust gekreuzten Händen ein     Tränentuch. In der Brust steckt ein langes Schwert.
Hinweis: Die originale Herzogspitalmutter ist eine von Tobias Pader 1651 geschaffene Holzstatue der Schmerzhaf-ten Muttergottes, die am 21. 1. 1690 "höchstlebendig die Augen bewegt" haben soll. Das Wunder war von einem Kind beobachtet worden und erhielt umgehend die kirchliche Bestätigung des Bischofs von Freising Joseph Clemens

 
Herzogspital-
mutter

von Bayern (1685–1694). Die Figur wurde zum Ziel der wichtigsten Marienwallfahrt in der Münchner Region. In nur fünf Jahren wurden in der Spitalkirche 56.000 Messen gelesen und nicht weniger als 400 Wundertaten gezählt. Kurfürst Maximilian III. Joseph ließ sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen. Die Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitalkirche in der gleichnamigen Straße in München verehrt.


Opferstock

Die Empore ist auf zwei gedrechselte, weiß lackierte  Säulen gestützt,  in denen die alten Opferstöcke untergebracht sind. Eine solche Konstruktion ist im Landkreis nur noch von Unterweikertshofen bekannt.
Opferstock

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..  



O
rgel
Die heutige Orgel stammt aus dem Jahr 1922. Sie wurde von der Firma Steinmeyer aus Öttingen als "opus 1320" mit 2 Manualen und 21 Registern erbaut. Um 1970 bauten Michael Stöberl aus München und F. Wappmanns-berger aus Prien das Werk um. Sie hat nun 20 Register.
Der Mittelteil der Orgelanlage befindet sich in einem dreiteiligen, neubarocken Gehäuse mit geschwungenen Giebeln, das entweder noch aus dem Jahr 1874 oder -wahrscheinlicher- auch aus dem Jahr 1922 stammt.
Die Orgel mit elektrischer Kegellade hat folgende Disposition (nach Brenninger -Stand 1975-):
 

Orgel

Orgelspieltisch

I. Manual (C-g'''):  Principal 8', Gemshorn 8', Octav 4', Rohrgedeckt 4', Hohlflöte 2', Mixtur 4-5fach 1 1/3',
                         Sesquialtera 2fach 2 2/3 +1 3/5,
II. Manual: (C-g''') Salicional 8',Gemshorn 8', Weitpr 4', Querflöte 4', Octav 2', Spitzqu 1 1/3', Scharf 3f, 1'
                         Oboe 8'
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16',PrB 8', Pommer 8', Choralflöte 4', Hintersatz 4fach 2 2/3'
Koppeln:              II-I, I-P, II-P

Die beiden früheren Orgeln wurden an andere Kirchen verkauft: im Jahr 1856 an die Kirche in Günzenhausen und 1923 die von vom Orgelbauer Georg Beer aus Erling bei Andechs im Jahr 1856 erbaute Orgel mit 2 Manualen und 14 Registern an die Pfarrkirche St.Joachim in München-Neuaubing.
  Allgemeines zur Orgel.
Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore.
Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (= weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten.
Allerdings stand das Bistum Freising schon im 9.Jh wegen seines Orgelbaues in hohem Ansehen. Papst Johannes VIII. (872-882) hatte sich 873 brieflich an den Freisinger Bischof Anno gewandt und ihn gebeten, er möge ihm ein gutes Instrument und einen Mann schicken, der die Orgel spielen und die Kunst der Musik zu lehren verstünde. Wo diese Orgeln in Freising standen (Kloster, Bischofshaus oder Kirche) ist nicht bekannt. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Sie soll, so die Liturgiekonstitution des II.Vatik.Konzils, "den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar steigern und die Herzen mächtig zu Gott und den Himmel emporheben".
Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.
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Ganzjahres-Krippe

Unter der Empore sind in einer Vitrine figürliche Szenen aus dem Leben Jesu nach Art einer Krippe dargestellt.

Ganzjahres-Krippe
Die Szenen orientieren sich am Kirchenjahr. An Weih-nachten ist es natürlich eine Krippe. Im Bild können Sie die Darstellung der Adventszeit sehen. Wenn Sie sich auch für andere Krippen interessieren, klicken Sie hier..



H
eiliges Grab

Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist vor dem Hochaltar ein eindrucksvolles Heiliges Grab aufgebaut, mit großartigen Kulissen und vielen Lichtern. Der Brauch des "Hl.Grabes" und des sog. "Graberlschauns" stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens.

Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und Nachbildungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenrefor-mation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die Gläubigen das Heilsgeschehen eindrucksvoll veranschaulichte. Spectacula sacra waren in der ganzen
Barockzeit ein beliebtes Mittel der Glaubensverkündigung. Die Kulissen heiligen Gräber wurden im Laufe der Zeit immer größer.

Heiliges Grab
Es entstanden fantastische Scheinarchitekturen mit biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsen-grotten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab.
In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteifer-ten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung. Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65)
  kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte. Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthistorischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitag Abend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen.

Inzwischen gibt es im Landkreis Dachau wieder mehrere Kirchen, in denen ein Hl.Grab errichtet wird. Im Jahr 2007 waren dies neben Hirtlbach noch Altomünster, Dachau-Mariä-Himmelfahrt, Dachau-Heilig-Kreuz, Dachau-St.Jakob, Ebertshausen, Kloster Indersdorf, Langenpettenbach, Weichs und Riedenzhofen. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...



Epitaphe innen

Im Kirchenschiff sind mehrere Grabsteine derer von und zu Weichs seit dem 16. Jh. angebracht.

1513

- die kunstvoll gemeißelte ehem. Tumba-Deckplatte aus Rotmarmor mit gotischen Verzierungen für Andreas von Weichs und seine Gemahlin Ursula Ebran (beide gest.1513).
(Chornordwand; Maße: 154 x 90 cm)
Der Stein ist von einer Umschrift an den Rändern umgeben. Im oberen Teil sind Lurche und Frösche abgebildet. Auf den heraldischen Verzierungen über den beiden Wappen der Toten ein Affe mit einem Spiegel. Es ist das Symbol für Eitelkeit und Laster. Auf einem Epitaph soll dieses Symbol auf die Vergänglichkeit der Sinneslust und Eitelkeit hinweisen.
1576

- ebenfalls an der Chornordwand das Epitaph für den herzoglichen Pfleger Joachim von und zu Weichs (gest. 6.1.1576) und seine Gemahlin Amalie (gest. 18.7.1576) mit dem Relief der Verstorbenen, die vor dem Kruzifix knien. Der Helm von Joachim liegt als Zeichen für den Tod am Boden vor ihm. Am Fuß des Kreuzes der Totenschädel Adams. Im Hintergrund wohl die Stadt Jerusalem mit mehreren Kirchen und dem Berg Golgatha mit den drei leeren Kreuzen.
Inschrift: "Anno Domini 1576 den 6.January starb der Edl und vest Joachim von und zu Weichs und Pfelger zu Wolffertshausen seines alters ... dem Gott gnad". Anno Domini 1576 den 18.July starb die Edl und Tugenthafft Fraw Amalia von und zu Weichs eine Geborne Ebranin von Wildenberg... jres Alters, der Gott gnadt. (Chornordwand; Maße: 140 x 58 cm)

1595
Epitaph aus Rotmarmor für Erasmus Oßwald (Pfarrer in Weichs von 1582-1595)
(Chornordwand; Maße: 65 x 43 cm)

1615
Dazu noch das oben halbrunde Epitaph für Johannes Adler. Auf dem Grabstein wird der Pfarrer vor dem Kreuz kniend abgebildet. Unter dem Kreuz sind ein Kelch (als Zeichen für den Priesterstatus) und ein Totenkopf zu sehen. Nach der Kleidung des Priesters dürfte der Stein aus dem frühen 17.Jh (1615 ?) stammen. (Chorbogen Maße: 78 x 47 cm)
1617
Epitaph aus Kalksandstein für mehrere Hans Wolf von Weichs und seine beiden Gemahlinnen. Es sind aber nur die Sterbedaten für Anna Maria Weichs angegeben. Im unteren Teil des Steines ist in der Mitte das Weichser Wappen zu sehen, begleitet von zwei weiteren Wappen der Frauen (links das Hundt'sche Wappen mit den zwei Flügeln). Darüber heraldische Verzierungen, auf denen ein Affe mit einem Spiegel sitzt, dem Symbol für die Eitelkeit und Vergänglichkeit der Schönheit.
Text: "Anno 16.. den .. Monathstag Ist in Gott Verschiden der Wolledle u. gestreng Herr Hanß wolf von und zue weichs der Jünger.
Anno 1617 an hl. (?) Matheus Apostelstag die Wolledle Fraw Anna Maria von weichs geborne Hundin zue Lautterbach
Anno 16.. den .. Monathstag die wolledle Fraw Maria Salomo von Weichs geborne von högnenberg beede seine Frawen Ehegemahel deren aller Seelen der Allmechtigem froliche auferstehung verleichen welle. Ammen"
1677

Der Grabstein aus Solnhofener Stein für Pfarrer Johann Baptist Carl mit dem Wappen des Verstorbenen im oberen Teil. Um das Wappen herum sind Vanitasmotive zu sehen, die auf den Tod hindeuten: Links oben Pickel und Schaufel, die Werkzeuge für das Ausheben eines Grabes, rechts oben ein Oberschenkelknochen, das Zeichen für die erloschene Kraft der Lenden, links unten ein Kerzenleuchter mit abgebrochener Kerze, Zeichen für das erloschene Leben und rechts unten eine Sanduhr für das Ende der Lebenszeit. (Chorbogen; Maße: 133 x 86 cm)
Der Text auf dem Epitaph lautet:
 

" Anno 1677, den 10.Marty starb der Hoch Ehrwürdig Edl und Hochgelerte Herr Joan. Bapt.Carl, AA.Doctor, deß Bäbstlichen Stuels zu Rom PROTON.APOSTOL. Römisch Kayserlich Mayestatt Pfalz- und Hoffgrave, Seines Alters 59.Jahr 15. Tag in die 34 Jahr gewester Pfarrer und Dechant Zu Weichs. Deme Gott eine fröliche Auferstehung verleichen wolle. Amen."

1672

Am einfachen Grabstein für Pfarrer Matthäus Carl Erlens mit großen Buchstaben und Ziffern ist im unteren Bereich ein Kelch mit Hostie als Zeichen für das Priesteramt des Toten eingraviert.
Erlens starb am 27. April 1672 nach 18jähriger Tätigkeit in Weichs.
1680
Aus Solnhofener Stein für Pfarrer Johann Georg Waiznpeckh, gestorben am 3.5.1680. Er wird als Doctor, Decan und Pfarrer von Weichs bezeichnet.
Im unteren Teil des Steins ein prächtiges Wappen, das u.a. einen Steinbock zeigt.
(Chorbogensüd; Maße:102 x 59 cm)
1720
Der Grabstein aus Solnhofener Stein für Anton Max Emanuel Joseph Freiherr von Tannberg (1664-1720) mit dem Text:
"Allhie ruhet der Hoch: und Wohlgeborne Herr Herr Anton Maximilian Joseph Freiherr von Tannberg Herr der 2/3 tl zu Weichs auf Aurolthmünster, der Churfürstl: Durchl:in Bayrn H.Camerer, seine Alters im 57.Jahr gestorben  den 5.Dez. 1720 der Letzte des Namens und Stammes denne und allen seiner Hochen Familie Gott gnedig seye. Amen"
 
Interessant ist das Wappen im oberen Teil des Epitaphs: Es ist umgestürzt dargestellt, als Zeichen dafür, dass das Geschlecht nunmehr ausgestorben ist (Langhaus-Nordwand Maße: 139 x 92 cm)
1720
Ein Totenschädel mit gekreuzten Oberschenkelknochen ziert das kleine Epitaph
für Antonius Maximilian Freyherr von Tannberg Chornordwand; Maße: 39 x 33 cm).
Gekreuzte Oberschenkelknochen unter einem Totenschädel versinnbildlichen die abgestorbene Kraft der Lenden und den entschwundenen Geist (Memento-mori-Symbol).
1720
Der Gedenkstein für den Dekan Andreas Staudinger von Schwarzach aus dem Jahr 1720, der im 78.Lebensjahr starb. Besonders prächtig ist das Wappen des Verstorbenen im unteren Teil des Steins dargestellt. (Chorbogensüd Maße: 94 x 61 cm)
Pfarrer Staudinger war bei seinem Tode schon 24 Jahre blind. Mit seinem nicht geringen Vermögen finanzierte er die beiden Seitenaltäre in Weichs und bedachte zudem viele Orden mit Zuwendungen.
1720
Auch der Stein aus Rotmarmor ist dem am 30.Juli 1720 verstorbenen Dekan Andreas Staudinger gewidmet. (Chornordwand Maße: 39 x 33 cm)
1759
Epitaph aus Solnhofener Stein für Pfarrer Johann Baptist Empl, geb. 1679, Pfarrer seit 1724, gestorben 1759 (Chorbogensüd; Maße:62 x 42 cm)
1800
Auch auf dem Grabstein für Leonhard Blab ist ein Kelch abgebildet. Der Verstorbene war Chorherr in Indersdorf und bei der Aufhebung des Klosters Indersdorf gezwungen worden, das Kloster zu verlassen (Chorbogensüd; Maße:64 x 33 cm).
Text: "Hier ruht der Hochwürdige Herr Leonhard Blab, gewest regulierter Chorherr in Indersdorf, nachhin Pfarrer in Aspach und starb als Beneficiat alhier im 72. Jahrs Altar den 9.Oct. 1800. Gottes Friede über Ihm."
1826
Die Gedenkplatte aus Solnhofener Stein für den Beneficiaten Anton Asam, der im Alter von 50 Jahren verstarb (Chorbogennord Maße: 78 x 47 cm)
1868
An der Rückwand die Grabplatten der Stifter des Klosters Weichs und der Mädchenschule Georg und Willibald Baustädter.
Das neugotische Epitaph aus grauem Sandstein für Pfarrer Willibald Baustädter, einem Gönner der Pfarrei, früher Gymnasialprofessor in Amberg, ist im Mittelteil mit Goldbronze gestrichen. Eine Signatur unten rechts lautet: "Einsele in Freysing" (Westwand; Maße: 182 x 67 cm).
Früher gab es wohl noch Epitaphe für Jörg von Weichs, gest. 1560
und Wolf Joachim von Weichs, gest.1617
 
  An der Südmauer sind viele Priestergräber mit schönen schmiedeeisernen Grabkreuzen
aus neuerer Zeit angelegt.
  

Pfarrhaus

Das Pfarrhaus liegt westlich der Kirche, an der gegenüberliegenden Straßenseite. Es ist ein moderner Neubau. Das Baujahr ist mir nicht bekannt.
Doch Kirchenrechnungen besagen, dass 1727, kurz nach dem Kirchenumbau, der Pfarrhof erneuert worden ist. Dabei wurden das Pfarrhaus verlängert und viele andere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt (Kosten 1.332 Gulden).


Pfarrhaus
1766 brannte der Pfarrstadel ab. Von 1866 ist bekannt, dass der Pfarrbauernhof Gründe von 17 ha Feldern, 8 ha Wiesen und 4 ha Wald besaß, in den Ställen 4 Pferde, 2 Ochsen und 12 Kühen standen und der Pfarrer von vier Knechten und vier Mägden unterstützt wurde. Der heutige Grundbesitz beläuft sich noch immer auf 85 Tagwerk (28 ha).

1887 wurde nach dem Tod von Pfarrer Böckl das Inventar des Pfarrhofs (Einrichtung, Vieh und landwirtschaftliche Geräte) versteigert. Über die Versteigerungsbekanntmachung des Auktionators erfahren wir den Besitz von Pfarrer Böckl in seiner Eigenschaft als Landwirt. Die Anzeige können Sie hier lesen ....

Wenn Sie auch andere, insbesondere ältere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

Hans Schertl


Quellen:
Königlich-bayerisches Intelligenzblatt für den Isarkreis, 1822 (neuer Pfarrer Lunzner)
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852 (Statistik)
J. G. Weiß, Der Verein der heiligen Kindheit mit Berichten über seine Wirksamkeit bis zum Jahre 1851, 1852 (Bruderschaften)
Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern von 1866, S. 2261 (Erledigung der Pfarrei)
Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
Versteigerungsbekanntmachung für das Inventar des Pfarrhofs - Amperbote vom 17.8.1887
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nrn. 253, 850, 1055, 1105, 1115, 1126, 1136)
Max Gruber, Die Dachauer Bildhauerfamilie Arnoldt, Amperland 1965 (Bildhauer Franz Arnoldt)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Missionszeit, Bischofswahl 1411,Exhortatio)
Gemeinde Weichs, So wars bei uns, 1989 (Pfarrgrund S.55)
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1990
Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Andreas Toscano del Banner: Kunst u. Kulturführer Region München. (W. Ludwig Verlag 1992)
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Michael Andras Schmid, Das Werk des Dachauer Stuckateurs Benedikt Heiß im Amperland, Amperlandheft 3/2000
Barbara Deger, St.Martin - Patron der Pfarrkirche Weichs 2001
Informationsmaterial der Pfarrei Weichs 2002
Mesner Heilander, 2002
Dachauer Nachrichten, 28.7.2003, 12.11.2004
Christian Schlick, Die Pfarrkirche St.Martin in Weichs, 2006 (Weihnachtstaler, 730, Turm100Fuß, BenefAltar)
Heinrich Fitger, Der Schmerzensmann von St.Martin, Historische Blätter Weichs, 2007
Heinrich und Margarethe Schmidt, die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 2007 (Pelikan)
Heinrich Fitger, Weichs, 2007 (Epitaph KathvWeichs)
Heimatbuch 1200 Jahre Weichs, 2007
Heinrich Fitger, Kirchliche Vereinigungen in Weichs, Historische Blätter Weichs,
Walter Pötzl, Bruderschaften, veröffentlicht im Historischen Lexikon Bayerns, 2013
Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetzt Hochaltar)
Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
Münchner Kirchenzeitung vom 25.3.2015 (Historik Hl.Grab)

107 Bilder: Hans Schertl (106), Hubert Eberl (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

23.3.2015

Exhortatio ad plebem christianam
(Predigt zu einer Tauffeier in Freising im Jahr 805)

"Hört, liebe Söhne, die Glaubensregel (= Glaubensbekenntnis), die ihr im Herzen behalten müsst, da ihr den christlichen Namen empfangen habt. Sie ist das Kennzeichen eueren christlichen Glaubens, vom Herrn eingegeben und von den Aposteln aufgestellt. Der Worte sind es nur wenige, aber sie umfassen große Geheimnisse. Der Heilige Geist hat nämlich den heiligen Aposteln als Lehrer der Kirche diese Worte in solcher Kürze diktiert, damit alle Christen verstehen und im Gedächtnis behalten können, was sie glauben und jederzeit bekennen müssen Denn wie wollte sich einer einen Christen nennen, der die wenigen Worte des Glaubensbekenntnisses, durch die er gerettet werden soll, und das Herrengebet, das der Herr selbst geboten hat, nicht lernen und im Gedächtnis behalten wollte? Oder wie in möchte jemand für einen anderen den Glauben verbürgen und versprechen, der diesen Glauben gar nicht kennt? Darum müsst ihr Kenntnis haben, meine Kinder. Denn solange einer von euch seinem Kind, das er aus der Taufe gehoben hat, dieses Glaubensbekenntnis nicht verständlich gelehrt hat, bleibt er an seinem Glaubensversprechen schuldig. Und wer es versäumt hat, sein Kind zu unterrichten, muss am Tag des Gerichtes Rechenschaft darüber ablegen. Nun also soll jeder, der ein Christ sein will, das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn möglichst rasch lernen, und jene, die er aus der Taufe hebt, darin unterrichten, damit er nicht vor dem Gericht Christi dafür zu Rechenschaft gezogen werden muss; denn das ist Gottes Gebot, das ist unser Heil und das ist unseres Herren Auftrag; sonst können wir für unsere Sünden nicht Vergebung erlangen."

 

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