zur Landkreiskarte             ausführliche Beschreibg        Kirchen in der Marktgem.Indersdorf


Wallfahrtskirche St. Maria in AINHOFEN



85229 Markt Indersdorf, Bürgermeister-Hefele-Straße 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Eine Kirche St. Maria in Ainhofen wurde erstmals 1229 erwähnt. Von dieser spätromanischen Kirche sind heute noch die unteren Partien von Langhaus, Chor und dem quadratischen Turm erhalten. Um 1300 wurde die Kirche vergrößert, 1682-87 nochmals verlängert und erhöht. Um 1717 erhielt sie die barocke Form und die barocke Ausstattung, die heute noch zu sehen ist. Der barocke Helm stammt aus dem Jahr 1764.
Ainhofen ist seit über 500 Jahren Wallfahrtsort. Höhepunkt der Marienwallfahrt war um das Jahr 1700. Im Jahr 1519 soll sich ein Wunder ereignet haben (siehe Bericht unten), das den Wallfahrtsbetrieb erheblich verstärkte.
Ziel der Wallfahrt, die auch heute noch in bescheidenem Ausmaß fortbesteht, ist die  romanische Figur einer stillenden Madonna aus Lindenholz. Sie wurde um 1130 geschnitzt und ist damit die älteste Marienfigur im mitteleuropäischen Raum. Über mehrere Jahrhunderte stand die Skulptur in der Klosterkirche Indersdorf, bevor sie um 1500 nach Ainhofen kam.

Die wohl aus Lindenholz geschnitzte Figur ist 39 cm hoch und besitzt noch ihre originale Bemalung. Von der Barockzeit bis 1942 war sie mit einem Stoffmantel bekleidet. Die mit einem goldenen Stirnreif gekrönte Muttergottes nährt das Jesuskind an ihrer Brust ("Maria lactans''). Dieser Bildtypus war im 12.Jh in unserer Gegend noch unbekannt; die Madonna von Ainhofen war ein Unikat.
"Klein an Materi, Form und Gestalt aber groß an Tugenden und Wunderwirkungen" wurde sie im 17.Jh genannt.

Gnadenbild

Innenausstattung

Die Deckenfresken von Benedikt Dersch zeigen im Altarraum den Besuch Marias bei ihrer Base Elisabeth, im Kirchenschiff eine selten dargestellte Szene aus der Bibel: "Esther vor Artaxerxes".

Der prächtige Hochaltar mit seinen sechs gewendelten Säulen stammt aus dem Jahre 1732. Mittelpunkt ist die schon erwähnte mittelalterliche Muttergottesfigur in einem neobarocken Schrein, die von Skulpturen der beiden Assistenzheiligen Barbara (mit Schwert und Kelch) und Dorothea (Korb mit Blumen und Äpfeln) sowie 22 (!) Engeln und Putten umgeben wird. Der vergoldete Tabernakel fügt sich in das prächtige Gesamtbild des Altars ein

Die Seitenaltäre aus dem Jahr 1719 sind den Heiligen Petrus (links) und Paulus (rechts) geweiht. In den Altarauszugsbildern sind die in Bayern sehr beliebten Heiligen Sebastian (Pestpatron) und Leonhard (Viehpatron) zu sehen.

An den Wänden von Altarraum und Kirchenschiff sind neben der etwas versteckten Rokokokanzel Reliquienbehälter in schönen, silbergetriebenen Rahmen, Heiligenfiguren sowie ein Fresko mit einer Kreuzigungsszene angebracht.

Besonders eindrucksvoll sind die Votivtafeln, die unter der Empore hängen. Sie danken der Muttergottes für ihre Hilfe bei Gefahren für Mensch und Tier. Weitere Bilder hängen an den Wänden des Kirchenschiffs und des Altarraums. Darunter sind die besonders schön gestalteten Votivbilder der Gemeinde Indersdorf aus den Jahren um 1800 und der Gemeinde Langenpettenbach von 1945. Beide Bilder wurden zum Dank für die Errettung aus Kriegsgefahr gestiftet.

AuferstandenerChorgestühl Kanzel HochaltarSt. PaulusSt. SebastianDeckengemälde im ChorHeilig-Geist-LochDeckengemälde im KirchenschiffReliquienbehälter
Details (Hochaltar, Figuren, Seitenaltäre, Deckengemälde) per Mouseklick

Derzeit ist das Kirchenschiff wegen Renovierungsarbeiten eingerüstet.
Das Gerüst wird wohl noch das ganze Jahr 2013 in der Kirche stehen.
Die Renovierungsarbeiten sollen spätestens 2019, am 500.Jahrtag der Wallfahrt, beendet sein.
Die voraussichtlichen Kosten der Renovierung betragen 745.000 Euro;
davon hat die Kirchenstiftung 105.000 € aus eigenen Mitteln zu leisten.
Folgende Maßnahmen sind vorgesehen: Ersetzen fehlender Stuckaturen, Reinigung und Retuschieren der Deckenbilder, danach Renovierung der Altäre.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Kirche  Wallfahrt  Matrikel 1524  Visitation 1560  30jähriger Krieg
   Umbau 1682  Matrikel 1738  Beschreibung 1880     Patronat
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Auferstandener  Baubeschreibung  Choraltar
   Chorbogen  Chorgestühl  Deckenfresken-1  Deckenfresken-2  Empore
    Kanzel  Kirchenbänke  Kreuzigungsgruppe  Kreuzweg  Opferstock
   Reliquien  Seitenaltäre  Tabernakel  Vorhaus  Votivbilder

Die Ortschaft Ainhofen soll im 8.Jh von Bischof Ruprecht von Salzburg gegründet worden sein. Im Jahr 837 wurde es (als "Eiinhofa") erstmals in einer Urkunde genannt. Zur damaligen Zeit muss Ainhofen schon bedeutend gewesen sein. Denn hier wurde ein überörtlicher Gerichtstag ("publica placita") unter Beteiligung der Grafen Liutpald oder Ratolt abgehalten.


Geschichte der Kirche

Eine Kirche St. Maria in Ainhofen wurde erstmals 1229 als zu Indersdorf gehörend erwähnt. 1221 hatte Bischof Gerold von Freising die Pfarrei Glonn in das Kloster Indersdorf inkorporiert, "in Anbetracht der geringen Einkünfte des Klosters und der weitgerühmten umfangreichen Gastfreundschaft der Mönche". Ob Ainhofen damals Teil der Pfarrei Glonn war, ist nicht sicher, doch es galt Jahrhunderte lang als Filialkirche von Glonn. Nach der Chronik des Klosters Indersdorf, die der Chorherr Penzl um 1745 geschrieben hat, soll Ainhofen gegen Schwabhausen eingetauscht worden sein. Die Überlieferung (auch Anton Mayer 1880) spricht sogar von einer Pfarrei Ainhofen vor 1229.
Auch im Saalbuch des Stifts Indersdorf von 1493 ist die Kirche von Ainhofen als Teil des Klosters beschrieben: "Die kirchen oder capell unser lieben frawen daselben zu gehörg zu unnserer pfarr. glanerdorff unnser eingeleibts aigen migt allen zehenten. klain und groß. pfärrlichen rechten, kirchträchten, besingen wir durch unser conventt. herren oder laybriester. deshaben wir vollen gewalt."

Von der 1229 bestehenden spätromanischen Kirche sind heute noch die unteren Wandpartien von Kirchenschiff, Chor und dem quadratischen Turm erhalten.
Gegen 1300 wurde die Kirche vergrößert; dabei wurde an Stelle der romanischen Apsis ein geringfügig eingezogener, dreiseitigschließender, gotischer Chor mit abgetreppten Strebepfeilern errichtet.


Wallfahrt
Um 1500 soll die kleine Figur der stillenden Muttergottes von Indersdorf nach Ainhofen gekommen sein. Bald danach dürfte deren Verehrung begonnen haben. Eine richtige Wallfahrt entstand aber erst 1519, als sich die Kunde von einem Wunder in Ainhofen verbreitete.

Wallfahrergruppe aus Langenpettenbach

Von Indersdorf kräftig gefördert, wuchs der Wallfahrtsbetrieb bis zum 30jährligen Krieg allmählich zur mittleren Größe heran und erreichte seinen Höhepunkt um das Jahr 1700, als jährlich 200 bis 300 Messen gefeiert wurden. 1682 war dem starken Pilgerstrom durch eine Verlängerung des Kirchenschiffs Rechnung getragen worden. Über das Wunder berichtet vor allem die Penzl-Chronik von 1745, die auf eine Erzählung im "Marianischen Atlaß" des Wilhelm Gumppenberg (1673) zurückgreift. Danach wollte der auch in der Chronik erwähnte Hilfspfarrer Vitus die Gnadenfigur zu einem Restaurator bringen und in dessen Werkstatt renovieren lassen. Doch die kleine Figur ließ sich zwar noch aus der Kirche, nicht aber über den Friedhof hinaus tragen. Die Träger seien von einer unsichtbaren Kraft zurückgehalten worden.

Unter den Zuschauern war auch ein Weltpriester, der in Ainhofen eine Messe zelebrieren wollte. Als alle Mühen und Versuche, das Bildnis fort zu bewegen, fehlschlugen, sagte dieser: "Ich erinnere mich, immer gehört zu haben, dass die Frauen, wenn man sie an der Brust berührt, hochspringen und so von ihrem Ort wegbewegt werden können. Dabei zog er ein Messer heraus und begann in die Brust der Figur zu stechen. In dem selben Augenblick zog sich ein Schleier über seine Augen und er erblindete. Pfarrer Vitus und die übrigen Umstehenden waren zutiefst erschrocken. Sie trugen das Bildnis unverzüglich wieder in die Kirche auf den Altar zurück. Die Nachricht von diesem Geschehen breitete sich schnell aus und ließ die Wallfahrt zur allerseligsten Jungfrau Maria weiter anschwellen.

Nach anderer Überlieferung hat sich das Wunder vor einer Prozession ereignet, bei der das Gnadenbild mitgetragen werden sollte, sich aber nicht aus dem Friedhof hinausbringen ließ. Diese Sage geht gnädiger aus: Der Priester habe, nachdem er die Freveltat bereut hatte, sein Augenlicht wieder erhalten.
Eine dritte Legende berichtet, das Gnadenbild habe auf einem Pferdefuhrwerk in die Klosterkirche von Indersdorf gebracht werden sollen. Auf der ersten Anhöhe aber sei der Wagen stehen geblieben und habe sich nicht mehr bewegen lassen.

Allen Legenden gemeinsam ist die Aussage, dass Wallfahrtsort und Wallfahrtsbild zusammengehören und nicht getrennt werden dürfen. Historische Grundlage für die Legenden könnte die Abneigung des Hilfspriesters Vitus gegen die Darstellung der nackten Brust Mariens sein, die wohl auch von den Gläubigen dieser Zeit als anstößig empfunden wurde.
Nach Dr.Morsch wollte Vitus möglicherweise die Madonna so umgestalten lassen, dass das Kind nur zur Mutter aufschaut und nicht gestillt wird. Er könnte einen Bildhauer gesucht, aber niemand gefunden haben, der Hand an eine bereits als Gnadenbild verehrte Figur legen mochte. Daraufhin hat der Hilfsgeistliche wohl selbst zum Messer gegriffen und die Brust entfernt. Spätere Generationen konnten sich die abgearbeitete Brust nicht mehr anders als durch die erwähnte Legende erklären. Dafür spricht auch, dass die Geschichte erst 1673 im "Marianischen Atlaß" niedergeschrieben worden ist. Die Handlung des Hilfsgeistlichen wurde von den Menschen wohl als Frevel angesehen; da durfte eine angemessene Strafe nicht fehlen.
Der Marianische Atlaß hat die Verstümmelung des Gnadenbildes mit den Bilderstürmen während der Anfangszeit der Reformation in Verbindung gebracht. Damals waren einzelne protestantische Ideen auch in später katholisch gebliebenen Kreisen verbreitet. Da könnte es Bestrebungen gegeben haben, das Gnadenbild, das von manchen Wallfahrern sicher auch als Kultbild verehrt worden war, aus theologischen Gründen vom Altar zu entfernen.
Die Bilderstürmer wurden im katholischen Bayern schwer bestraft. Möglicherweise hat der Verfasser des Marianische Atlaß, ein Jesuit, die Reaktion des Gnadenbildes, den Priester mit Blindheit zu strafen, als himmlische Bestätigung der strengen Strafen gesehen.



Matrikel 1524

Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel von1524 gehörte die Kirche zur Klosterpfarrei Indersdorf; allerdings wird sie dort als Filialkirche von Langenpettenbach bezeichnet ("B.Virginis in Änhofen"), das innerhalb der dem Kloster inkorporierten Kirchen eine Sonderstellung einnahm. Damals übte der Provisor Johannes Schmid die Seelsorge aus.
Ab 1864 wurde Langenpettenbach offiziell eine eigene Pfarrei, zu der damals wie heute auch Ainhofen zählte.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Filialkirche "Ainhoven" heißt es, dass sie in das Kloster Indersdorf inkorporiert sei und auch von dort versehen werde. Die eigenen Einkünfte der Kirche betrügen 1 Gulden und 4 Schilling sowie 16 Pfund Wachs. Die Kirchenrechnung erstelle der Pfleger zu Massenhausen. Dafür erhalte er 40 Kreuzer, der Pfarrer, der Amtmann und die beiden Kirchenverwalter, die dem Pfleger zur Seite stünden, jeweils 15 Kreuzer. Der Mönch, der die Seelsorge übernommen habe, erhalte aus einem Gütl zusätzlich 60 Pfennig. Des weiteren wird darauf hingewiesen, dass das Gotteshaus in gutem baulichen Zustand sei ("das gotshauß ist bei guetem paw"). Im Inneren befänden sich 3 Altäre, ein Sakramentshaus (Tabernakel) und alle "Khirchenzier". An liturgischen Geräten seien vorhanden: drei Kelche mit Corporale, 3 Messbücher, ein Liturgiebuch, ein zerrissenes Psalmenbuch und acht Messgewänder, allerdings von schlechter Qualität ("8 schlecht ornät"). Auch an Altartüchern und Fahnen sei kein Mangel. Das Sacramentshaus sei nicht gut abgeschlossen und beleuchtet. Das Taufwasser befinde sich in einem Krug ("in aim kriegl"). Der Pfarrer sei beliebt ("Pfarrer beschwert niemandt") und dem katholischen Glauben treu ergeben. Er halte jeden dritten Sonntag eine Singmesse. Die Gläubigen beichteten zweimal im Jahr. Die Kreuzgänge würden fleißig gehalten. Als "vleissig" wird auch der Mesner bezeichnet.


Dreißigjähriger Krieg
Bis 2006 glaubte man, im 30jährigen Krieg sei Ainhofen wegen der großen Wälder in der Umgebung von den Schweden nicht entdeckt worden und habe deshalb im Gegensatz zu den Dörfern im Glonntal keinen Schaden genommen.
Doch nun hat der Heimatforscher Otto Hefele festgestellt, dass nach dem Schwedeneinfall 1632 in Ainhofen die meisten Bauernhöfe zerstört waren und nur noch wenige Bewohner hier lebten. Dies berichtet ein am 5.8.1636 aufgestelltes Verzeichnis mit dem Titel "Verzeichnus, wer noch in Ainhofen ist bey Hauß unnd waß Sie anpaut (ausgesät) haben", das derzeit im Hauptstaatsarchiv Münchenaufbewahrt ist. Im Krieg wird sicher auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen worden sein, auch wenn deren Schäden nicht aufgezeichnet sind.


Auszug aus einer Landkarte vom Jahr 1655


Umbau 1682
In den Jahren 1682-88 wurde wegen des verstärkten Wallfahrerstroms das Langhaus der Kirche durch den Sielenbacher Maurermeister Hans Schneider um 18 Schuh (= 5,20 Meter) verlängert. Außerdem hat man den Chor erhöht und neu eingewölbt, weil er -wie es hieß- "mit dem ybrigen Theill der Khirchen gar khein Porportion hat". Auch die Ausstattung war ziemlich marode. Man hat deshalb den Choraltar abgetragen und die Gnadenfigur in einer Nische hinter dem Hochaltar untergebracht.

1717 -1732 hat man unter dem Chorherrn Dominkus Haller die Kirche durch Vergrößern der Fenster, Einziehen einer Langhausdecke und Stuckierung im barocken Stil völlig verändert und mit Altären und Figuren neu ausgestattet. Der Hochaltar, der schon beim Umbau 1682/88 entfernt worden war, wurde 1732 durch das heutige prächtige Retabel ersetzt. In der Zwischenzeit von fast 50 Jahren stand die Gnadenfigur in einer Nische an der Rückwand des Chores.

Schmidt'sche Matrikel von 1738
DieSchmidt'sche Matrikelvon 1738/40 schreibt, die große Kirche der Seligen Jungfrau Maria in "Ainhoffen" habe drei Altäre. Der Choraltar mit der Gnadenfigur sei der Gottesmutter, die Seitenaltäre der hl.Anna und dem hl.Korbinian geweiht. Das Kirchweihfest wurde am Sonntag vor Mariä Geburt (8.Sept.). Um die Kirche herum lag der Friedhof mit Beinhaus. Im Turm hingen drei geweihte Glocken. Das Vermögen verwalteten der Prior von Indersdorf und der Landrichter von Massenhausen.


Umbau des Turms
Der aus früherer Zeit stammende Sattelturm erhielt 1764 seinen jetzigen, ausgesprochen barocken Helm. Diese Arbeiten wurden von Maurermeister Balthasar Mich. Zimmerer aus Hilgertshausen und Kupferschmied J.G. Sepp ausgeführt. In den Archiven ist vermerkt, dass ein Glockengießer namens Hans (von Rosen ?) im Jahr 1506 eine Glocke für Ainhofen gegossen hat. Weitere Glocken wurden 1720 in München gekauft. Alle diese Glocken mussten 1942 zum Einschmelzen abgeliefert werden.

 

Ansicht 1796


Statistik
In den statistischen Jahrbüchern wird Ainhofen wie folgt beschrieben:
1831: "Ainhofen, Kirchdorf und Filial von Langenpettenbach, im Landgericht Dachau, mit 27 Häusern und 150 Einwohnern,
          2 3/4 Stunden von Schwabhausen" (= nächste Poststation)
1852: In "Ainhofen leben 131 Familien und 673 Seelen"
1868: "Ainhofen, Dorf, Pfarrei Langenpettenbach, 148 Einwohner, 44 Gebäude (mit Scheunen), 1 Kirche"
1874: "172 Seelen in 30 Häusern"


Beschreibung 1880
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1880 ist im Kapitel über die Pfarrei Langenpettenbach auch die Filialkirche St.Maria in Ainhofen enthalten. Im Dorf selbst wohnten 172 Seelen (in 30 Häusern). Über die Kirche schreibt er: "An der Straße nach Jetzendorf gelegen. Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1875. Styllos, Flachdecke von Holz, Presbyterium gewölbt. Geräumigkeit zureichend für die ganze Pfarr(!)gemeinde. Baupflicht der Staat. Kuppelthurm mit 3 Glocken. 3 Altäre, Orgel mit 4 Registern. Gottesdienste jeden 3.Sonntag und an den Marienfesten. Stiftungen 2 Jahrtage, 4 Jahrmessen. Meßner ein Ortsangehöriger, Cantor der Lehrer von Langenpettenbach. Kirchenvermögen: 11.800 Mark".

Die letzten Renovierungen fanden 1860 (Dachstuhl), 1875, 1942/43, 1965-1970 (außen) und 1979 (innen) statt. Die aktuelle Renovierung begann 2011.



Baubeschreibung

Die Kirche liegt am südlichen Dorfrand inmitten eines ummauerten Friedhofs. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.
Der zweiachsige Chor ist gegenüber dem Kirchenschiff etwas eingezogen. Er wird außen durch zwei abgetreppte Strebepfeiler gestützt. Am Chorschluss, an der Ostseite, befindet sich eine kleine Türe mit darüber liegendem hochovalen Fenster.
Das Kirchenschiff besitzt drei Achsen. Ovale Fenster erhellen den Kirchenraum. Nördlich angebaut ist ein Pultdach-gedeckter Raum, durch den die Kanzeltreppe verläuft.
Der gelb gestrichene Glockenturm ist durch weiße Lisenen in vier ungleich hohe Stockwerke gegliedert. Der fast 250jährige Turmhelm mit den integrierten Ziffernblättern der Uhr gilt manchen Kunstexperten als "ideale Zuordnung von Architektur und Landschaft". Er gleicht den Turmhelmen, die um das Jahr 1700 die Türme der Klosterkirche Indersdorf zierten; zu besichtigen auf der Zeichnung von Michael Wening (siehe hier...).

Vergrößerung per Mouseklick
Die drei Glocken sind neueren Datum. Zwei wurden 1948 von Karl Czudnochowsky aus Erding, die dritte 1928 von Rudolf Oberascher aus München gegossen. Die noch 1880 vorhandenen 3 Glocken (zwei von Hubinger/Mch 1872 u. 1859 sowie eine bedeutend ältere) mussten während der beiden Weltkriege zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden jedenfalls zwei Glocken eingeschmolzen. Das Bild links (von Otto Hefele), das am 10. Februar 1942 aufgenommen worden ist, zeigt die vom Turm abgenommenen Glocken, die zur Ablieferung auf einen Schlitten geladen sind.
An der Ostseite des Turmes ist ein großes Kreuz aus dem 19.Jh. mit halbrunder Überdachung befestigt (restauriert 2006). Ein Korpus im herkömmlichen Sinn fehlt; an seiner Stelle sind nur die durchbohrten Hände und Füße sowie ein strahlenumkränztes Herz angebracht. Inhalt der Darstellung sind die fünf Kreuzeswunden Christi.

Die Sakristei ist an der südlichen Nahtstelle zwischen Kirchenschiff und Chor angebaut.
Der Eingang liegt an der Westseite; er ist durch ein Vorhaus mit einem nördlichen und einem südlichen Zugang vor den Unbilden der Witterung geschützt.

Inneneinrichtung


A
ltarraum

Der nur 5,25 m hohe Altarraum ist lang gestreckt und gegenüber dem Kirchenschiff leicht eingezogen. Er wird von 6 Fenstern in der barocken Form einer Ellipse erhellt (um die Fenster ein profilierter Stuckrahmen).
Die Decke besitzt ein durch viele Stichkappen durchschnittenes Tonnengewölbe mit reichen Stuckarbeiten (1687).


D
eckenfresko im Altarraum

Das Deckenfresko im Altarraum entstand (wie auch das Gemälde im Kirchenschiff) im Jahr 1717 und wird dem Maler Benedikt Dersch (*1686 in Wolfratshausen, +1757 in Freising) zugeschrieben. Das Fresko ist eine Kopie des Altarbildes in der Kirche Mariä Heimsuchung in Rohrdorf, das Johann Degler 1713 gemalt hatte. Ainhofen ist somit neben Straßbach und Weichs die dritte Kirche im Landkreis, für die der Münchner Hofmaler Johann Degler (1669-1729) den Entwurf geliefert hat. Vom Maler Benedikt Dersch stammt übrigens auch das Altarblatt in der Kirche St.Stephanus in Steinkirchen bei Dachau.
Deckenfresko im Altarraum
Das 3,20 m x 2,20 m große Gemälde ist mit einem ovalen Stuckrahmen aus Trauben-, Blatt- und Blumenmotiven umgeben. Thema des Deckenfreskos ist die Heimsuchung Mariens, der Besuch von Maria bei ihrer Base Elisabeth, wie er bei Lukas, Kap.1, Vers 39-56 beschrieben wird. Das Bild wurde in Blickrichtung des Pfarrers gemalt. Vor einem Säulenportal empfangen Elisabeth, ihr Mann Zacharias und eine Magd auf einer Treppe Maria, die von Josef begleitet wird. Im Hintergrund ein Bergmassiv. Über dieser Szene schweben Engel auf Gewölk. Zwei Putten halten einen Lilienkranz über Marias Haupt als Zeichen der Jungfräulichkeit. Darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..)


Hochaltar / Choraltar

Den prächtigen Hochaltar ließ Pfarrvikar Anton Zunhamer im Jahre 1732 um den Betrag von 546 Gulden errichten. Er ersetzte damit einen früheren Altar, der schon 1688 aus der Kirche entfernt worden war. In den 46 "altarlosen" Jahren stand die Gnadenfigur in einer Nische am Chorschluss. Der heute noch bestenden Altar von 1732 übertrifft nach Aussage von Dr.Morsch "die übliche Qualität in Landkirchen bei weitem und ist den besten Retabeln der Klosterkirche in Indersdorf ebenbürtig".

Altaraufsatz auf dem Hochaltar

Im Aufsatz des Hochaltars thront Gottvater als große Figur auf Wolken, umgeben von vielen Engeln.
Vor ihm schwebt die Heilig-Geist-Taube, neben ihm die mit einem Kreuz geschmückte Weltkugel (Schöpfer der Welt). Zusammen mit dem Jesuskind auf dem Arm der Muttergottes ergibt dies eine vertikale Darstellung der Hl.Dreifaltigkeit. An der Spitze des Retabels sitzt ein Strahlenkranz mit Marienmonogramm.
Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4), kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.

Das heutige Altarretabel aus der Zeit des späten Régence hat eine Breite von 3,40 Metern und ist raumhoch. Die Namen der Handwerker von 1732 sind nicht überliefert.
Die Stipes, der Altarblock, ist mit einer marmorierten Holzverkleidung (Antependium) aus der Zeit um 1875 umgeben. Sechs gewendelte Säulen und zwei Pilaster mit jeweils korinthischen Kapitellen tragen ein verkröpftes Gebälk mit aufgesetzter Bandlwerk- und Blattornamentik. Die Säulen sind im und gegen den Uhrzeigersinn gedreht und sollen an die Säulen im Tempel Salomons erinnern.
Im Mittelteil öffnen Putten einen roten Vorhang, der den Blick auf das Gnadenbild freigibt. Der Vorhang wird nach den Regeln der Typologie (Gegenüberstellung von Personen und Geschehen aus dem Alten und Neuen Testament) mit dem Bundeszelt Moses oder dem purpurroten Vorhang vor dem Allerheiligsten im jüdischen Tempel gleichgesetzt. Dort trennt der Vorhang den Raum, den der normale Mensch betreten kann, ab. Beim Kreuzestod Christi zerriss dieser Vorhang in zwei Teile und eröffnete so den Zugang zum himmlischen Heiligtum. Hier in Ainhofen halten die Putten den geteilten Vorhang auf und ermöglichen den Blick auf das christliche Allerheiligste, den Tabernakel und die Gnadenfigur.

Das hinter dem Altar liegende ovale Fenster besitzt eine gelbe Verglasung; das goldgelb gefärbte Licht wird durch einen geschlossenen Schacht gezielt nach vorne geleitet und gibt dem Altar und vor allem der Gnadenfigur einen magischen, fast übersinnlichen Glanz. Nach dem Kunsthistoriker Dr.Morsch ist das gelbgetönte Glas ein bewusst gewähltes römisches Motiv (z.B. aus dem Petersdom), dessen Verwirklichung in Ainhofen die Verbundenheit mit dem Papsttum augenfällig machen soll.

Gnadenfigur

Das Altarretabel ist prächtiger Rahmen für das Gnadenbild, die romanische Figur der Gnaden-Madonna. Auf den ersten Blick wirkt die Arbeit eher grob und handwerksmäßig. Erst bei längerem und genauerem Betrachten erschließt sich etwas von dem inneren Adel dieser ergreifenden Skulptur."Klein an Materi, Form und Gestalt - aber groß an Tugenden und Wunderwirkungen" wurde sie im 17.Jh genannt. Der Historiker und Theologe Dr.Dieter Morsch hat sich bei der Erforschung und Beschreibung dieser Figur (siehe Quellen) große Verdienste erworben.

Geschichte der Figur

Die um 1130 entstandene 39 cm hohe Figur ist das älteste Marien-Gnadenbild in Bayern, nach Dr. Morsch sogar im mitteleuropäischen Raum. Ihr Aussehen ist archaisch und kultbildhaft.
Dem Stil nach zu urteilen, wird die Figur wohl im Süden Deutschlands entstanden sein. Dafür spricht, dass dieser Grundtypus der Maria Lactans hier öfter vorkommt. Allerdings weist die Darstellung in Ainhofen eine Besonderheit auf: Maria hält das Kind nur mit einer Hand; in der anderen hielt sie einen Zweig oder ein Szepter (heute kein Attribut mehr).

Mehrere Indizien sprechen für das hohe Alter:
- Die Figur besitzt im Wesentlichen noch ihre originale Bemalung. Die dabei verwendeten Farben und die Maltechnik
  verweisen auf das 12.Jh. Die romanische Fassung unter der spätgotischen und der barocken wurde durch Polarisationslicht-
  mikroskopie entdeckt. Sie zeigte Maria in einer roten Paenula (Obergewand) und einer blauen Krone. Das Untergewand des Kindes
  war schwarzbraun.
- Die Madonna wurde aus Weidenholz geschnitzt (zwei Dübel bestehen aus Holunder) und ist nicht ausgehöhlt (weil aus Kernholz).
  Weidenholz war im süddeutschen Raum bis in das 13.Jh. hinein ein häufig genutzter Werkstoff für Holzskulpturen. Viele
  Schnitzereien aus romanischer Zeit bestehen aus Weidenholz.
- Beim Schnitzen der Figur wurden Flacheisen benutzt. Auch dies deutet auf eine frühe Entstehungszeit hin; denn Hohleisen mit
  gewölbter
Schneide wurden erst im 13.Jh. verwendet. Deshalb fehlt bei romanischen Figuren tiefe rundliche Formen.

Über mehrere Jahrhunderte stand die Madonna in der Klosterkirche von Indersdorf. Möglicherweise hat sie der ersten Propst des Klosters im Jahr 1126 als Erstausstattung des Klosters mitgebracht, als die ersten Mönche von Marbach im Elsass nach Indersdorf zogen. In der Indersdorfer Chronik von Georgius Penzl (um 1745) wird die Figur als Domina Fundatrix, als Frau Gründerin bezeichnet. Dass an dieser Stelle in der Chronik eine Madonna aus der Zeit des Übergangs von der Gotik zum Barock abgebildet ist, ist nicht verwunderlich, weil diese neue (viel größere) Figur, schon 200 Jahre zuvor die Stelle des alten Gnadenbildes eingenommen hatte. Dass eine Statue aus der Zeit um 1500 nicht die bei der Gründung des Klosters um 1126 vorhandene Figur der Domina Fundatrix gewesen sein konnte, war sicher auch den Mönchen des 18.Jh bekannt. Aber die originale Frau Gründerin war um 1500 bei dem erwähnten Austausch in die Filialkirche von Ainhofen gestellt worden, weil sich damals die Mönche und die Gläubigen mit der etwas starren Formen der Romanik, dem Bildthema der stillenden Muttergottes und der geringen Höhe der Figur in der nunmehr viel größeren gotischen Klosterkirche nicht mehr identifizieren konnten.

Stillende Madonna
Das Besondere an der Figur ist nicht nur das Alter, sondern auch das Bildthema. Es handelt sich um eine stillende Muttergottes (griech.Galaktotrophousa, lat.Maria Lactans). Dieser Bildtypus war damals, um 1126, in der Ostkirche und in Rom beliebt, in Bayern aber nahezu unbekannt. Die Muttergottesfigur von Indersdorf/Ainhofen war somit in unserer Gegend ein Unikat.
Die Bildidee ist älter als das Christentum. Sie wurde in Ägypten entwickelt, als Darstellung der Göttin Isis, die den Horus nährt. Über die Kopten und die Griechen kam diese Art der Mariendarstellung in den Kreis der Westkirche. Christlich abgeleitet wird der Typus "Stillende Madonna" aus dem Lukasevangelium (Kap.12,Vers 27): "Selig der Schoß, der dich getragen und die Brust, die dich genährt hat". Da Maria im Mittelalter vor allem Sinnbild für die Kirche Jesu Christi auf Erden war, zeigt die Figur dem geschulten Betrachter, dass das Heilsgeschehen und die Kirche eng zusammengehören: Wie die Muttergottes mit der Milch Christus nährt, so nährt gleichsam die Mutter Kirche mit den Sakramenten und den Gnadengaben die Gläubigen.
Die große theologische Aussage der stillenden Madonna ist aber die Darstellung der menschlichen Natur Christi, die Inkarnation Gottes aus dem Fleisch der Maria, neben der göttlichen Natur. Das Christuskind ist Gott, der die menschliche Natur gleichsam mit der Muttermilch einsaugt.

Warum wurde im mittelalterlichen Indersdorf eine so seltene Maria Lactans-Figur verehrt ?
Bis 1119 war Otto IV. wegen seiner Beteiligung an der Gefangennahme des Papstes und der Plünderung des Petersdoms gebannt. Die Gründung des Kloster war eine Wiedergutmachung, die ihm der nächste Papst (Calixtus II.) für das Lösen des Banns auferlegte. Dazu gehörte natürlich auch die Unterstützung der päpstlichen Partei im Investiturstreit mit dem Kaiser und die Förderung der kirchlichen Reformbewegung (deshalb die Besetzung mit dem reformierten Augustinerorden). Noch ein weiteres Zeichen der Unterordnung unter den Papst dürfte das Nebenpatronat des hl.Petrus sein. Der Papst war bestrebt, den Angriff auf den Vorgänger Paschalis II. nicht nur als schändliche Tat gegen das Papsttum, sondern auch als Sünde wider den hl. Petrus selbst darzustellen. Das erforderte eine Entschuldigung beim Heiligen selbst, nicht nur bei dessen päpstlichen Nachfolger.

Dies könnte der Grund dafür gewesen sein, dass man eine fremdartige Muttergottesfigur aufstellte, die einen starken Bezug zu Rom hatte, wo der Typus der Maria lactans schon seit dem 4.Jh bekannt und beliebt war. Damals hatte man auch in Indersdorf noch kein Problem mit der Darstellung der entblößten Brust; das änderte sich erst um 1500, als die Figur nach Ainhofen kam, wo der dortige Vikar die Muttergottes umschnitzen lassen wollte (siehe auch Wallfahrtslegende). Später, in der Barockzeit, hat man das Problem durch eine üppige Bekleidung der Figur gelöst, die erst bei der Renovierung 1942/43 wieder entfernt wurde.


Beschreibung der Figur

In einem teilvergoldeten weißen Schrein aus neobarocker Zeit sitzt Maria sitzt auf einer niedrigen Bank. Früher dürften eine Rückenlehne und Armlehnen die Figur gestützt haben; übermalte Bohrlöcher für Dübel sprechen dafür. Auch eine Bodenplatte wird wohl vorhanden gewesen sein. Lange Zeit dachte man, die Figur sei 1942, als die Bekleidung abgenommen worden ist, neu bemalt worden. Doch die heutige Fassung (=Bemalung) stammt tatsächlich noch aus der Barockzeit.
Die Beine der Gottesmutter stehen eng zusammen, sodass für das Kind nur ein geringer Sitzplatz bleibt. Ihre Schultern sind schmal; die Arme am Körper angelegt. Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper zu groß. Die Pupillen der Augen sind aufgemalt; allerdings sehr unterschiedlich gestaltet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass man das rechte Auge später restauriert hat. Die bloße Brust wurde im späten Mittelalter aus Prüderie, vielleicht auch aus theologischen Gründen, abgeschnitzt.
Das Haupt Mariens ist -für Maria-Lactans-Darstellungen ungewöhnlich- mit einer Krone geziert. Auf dem Bild rechts umgibt ein später hinzugefügter, vergoldeter Reif mit Edelsteinen die Krone, die mit nach oben gebogenen Zacken versehen ist (siehe Bild oben).
Das offene Haar mit den Haarsträhnen ist mit einem Schleier bedeckt, der nur noch zum Teil original erhalten ist. Die erst in gotischer Zeit aus einer Kopfbedeckung umgearbeiteten offenen Haare weisen Maria als Jungfrau aus. Dies war theologisch wichtig, weil nur die Geburt Jesu aus einer Jungfrau sicherstellt, dass Jesus nicht der Erbschuld unterliegt.

Die rechte Hand Mariens ist eine Ergänzung. Die Fingerhaltung lässt darauf schließen, dass sie ein Zepter gehalten hat (wie auf Bildern der Barockzeit zu sehen) oder einen Zweig mit langblättrigen Seitentrieben, den Reis Jesse (Jes 11).
Maria ist mit zwei Gewändern gekleidet, mit einem Untergewand (mit sieben Falten) und einem rund geschnittenen Obergewand.

Das barfüßige Jesuskind hat linkes Bein angewinkelt und das rechte Knie erhoben. Es legt seinen Kopf nach hinten, um an der linken Brustseite der Mutter Milch zu saugen. Die linke Hand schiebt die Brust zum Mund; das Kind macht einen geradezu hungrigen Eindruck. Bekleidet ist das Jesuskind mit einem Hemd mit langen, engen Ärmeln, die bis zum Handgelenk reichen.

Die Madonnenfigur wirkt unnahbar und streng, wie viele Skulpturen der frühen Romanik. Die Mutter zeigt keine Beteiligung am Stillvorgang; sie wendet sich nicht dem Kind zu und bleibt kultbildhaft erstarrt. Jesus hat einen kugelrunden Kopf mit etwas hervorquellenden Augäpfeln, was der Betrachter aber nicht zu sehen bekommt.

Mit diesem Bildwerk sollte nicht die Realität abgebildet werden, sondern die Grundidee der Gottesmutterschaft Mariens. Im Mittelpunkt steht also Jesus und die Aussage, dass der Mensch gewordene Gottessohn zwei Naturen besitzt. Und die menschliche Natur kommt aus Maria; das Jesuskind saugt sie gewissermaßen mit der Muttermilch ein.
Aber an der originalen Bekleidung, die wie eine Priesterkasel wirkt, ist schon erkennbar, dass Marias Rolle nicht in der reinen Mutterschaft endet. Im 12.Jh, als die Ainhofener Figur entstand, wurde vor allem von Ordenstheologen wie Bernhard v.Clairvaux die Aussage propagiert, dass Maria die Mit-Erlöserin darstellt und über die Gleichsetzung von Maria und Ecclesia das Erlösungswerk auch von der Kirche wahrgenommen und verwaltet wird.

Barocke Bekleidung

In der Barockzeit entsprach eine Maria lactans mit nackter Brust nicht mehr dem sittlichen Empfinden der Gesellschaft. Deshalb und wohl auch, weil die bloße Figur den Eindruck des Ärmlichen erweckte, bekleidete man ab dem späten 17.Jh (bis 1940) die Figuren mit kostbaren, prunkvollen Gewändern und setzte ihnen Kronen auf.
Das nebenstehende Bild links, das die Ainhofener Madonna in einem Votivbild von 1796 zeigt, vermittelt einen guten Eindruck; es entspricht aber nicht ganz der Realität, weil es das Muster und die Stickereien des tatsächlichen Gewandes sowie die Höhendimensionen nicht richtig wiedergibt. Das festlichen Untergewand (siehe unten rechts) war im Verhältnis zum Gesicht der Figur noch viel länger. Deshalb stellte man die Figur auf einen sehr hohen Sockel, der großenteils unter dem Kleid verschwand.
Das Kleid Mariens besaß oben drei Öffnungen: für die beiden Köpfe und für die rechte Hand Mariens mit dem Zepter. Unter dem Kopf des Kindes wurde auf den Mantel ein Kinderkleidchen gehängt; das Kind selbst war unter dem Gewand Mariens verborgen. Über die Reifkrone Mariens wurden ein langer roter Schleier gelegt und eine damals aktuelle Bügelkrone oder (zumindest für eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Anlass) eine Stoffkrone mit Golddraht und Glassteinen darüber gestülpt (siehe unten).

Wegen des langen Kleides konnte man glauben, eine stehende Madonna vor sich zu haben. Die Figur bot nun ein Bild, wie wir es aus der Gnadenkapelle in Altötting oder vom Hochaltar in Sigmertshausen kennen.
Durch die Bekleidung war auch die frühere Aussage des Kunstwerks zur menschlichen Natur Christi entfallen. Die Figurengruppe diente -ganz im Sinne der Gegenreformation- als Element der zeitgenössischen Marienverehrung: Maria als Gnadenvermittlerin und als mächtige Fürbitterin bei ihrem Sohn. An dem auf Volutenbeinen stehenden Sockel wurde eine große Mondsichel aus Metall befestigt; dies sollte auf Maria als apokalyptische Frau aus der Geheimen Offenbarung hinweisen (Ap 12,1), "den Mond zu Ihren Füßen". Dass sich unter der Kleidung eine Maria lactans befand wussten nur die Eingeweihten.
1745 schrieb der Chronist Penzl: "In der Kirche von Ainhofen wird ein sehr altes Standbild der allerseligsten Jungfrau Maria verehrt, das von ungeschickter Hand aus Holz geschnitzt ist. Mit der linken Hand hält sie das göttliche Kind, das aus der jungfräulichen Mutterbrust Milch saugt, was man aber, da sie bekleidet ist, nicht sieht, sondern vorher wissen muss".
     



Engel um die Muttergottesfigur

An und auf der Altarretabel tummeln sich 22 (!) Engel und Putten. Sie sitzen auf den Giebeln, assistieren Gottvater im Auszug, ziehen den roten Vorhang auseinander, verehren die Muttergottes und fungieren als Anbetungsengel neben dem Tabernakel.
  Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel.Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.

Tabernakel
Auch der vergoldete Tabernakel ist in seiner Ausgestaltung dem prächtigen Altar angepasst. Der aus Holz gefertigte und voll vergoldete Tabernakel besitzt zwei Stockwerke:
Im unteren Teil wird hinter einer mit Kelch und Hostie verzierten Türe das Allerheiligste aufbewahrt. Auf der Türe Reliefs von Kelch und Hostie. Der obere Teil ist eine offene Nische, die innen von kleinen Wendelsäulchen, außen von Kerzen umrahmt wird. Dahinter ist ein dornenumkränztes Herz Jesu als Relief zu sehen; aus der Aorta schlagen Flammen. Hier ist der Platz für das Altarkreuz oder für die Aussetzungsmonstranz.

  
          von vorne                von der Seite

Dieser obere Teil besitzt einen Aufsatz in Form eines Rundbaues mit Kuppel und offener Laterne, die Licht von oben hereinlässt (der Kuppelbau gilt in der Ikonographie als Symbol für die Kirche). An seiner Hinterseite ein kleines Ölbild auf Metall mit dem Thema "Himmelfahrt Mariens". Steht man vor dem Tabernakel, fällt der Blick durch die Öffnung der Laterne genau auf den zum Himmel getragenen Leib Mariens auf dem Gemälde. Oberster Abschluss des Tabernakels ist das Auge Gottes in einer Wolkengloriole.

In den Seiten- und Obernischen des Tabernakels stehen kleine Heiligenfiguren, darunter die vier Evangelisten Johannes (mit Attribut Adler), Lukas (mit geflügeltem Stier), Matthäus (mit geflügeltem Kind) u. Markus (mit geflügeltem Löwen).
    

Außerdem finden sich dort Skulpturen des hl. Johannes Nepomuk (im Chorhemd, Mozetta mit Birett und Handkreuz) sowie des hl. Kajetan von Thiene, eines italienischen Heiligen, der 1524 den Orden der Theatiner gründete (siehe Theatinerkirche St. Kajetan in München).

Nach Dr.Morsch ist der Tabernakel als Aufbewahrungsort der Eucharistie das eigentliche Zentrum des Altars. Das zeige schon die vollständige Vergoldung an; die Altaraufbauten (Retabel) seien dagegen nur marmoriert. Räumlich werde das Gnadenbild (Bildpräsenz) mit der Eucharistie (Realpräsenz) in Bezug gebracht. Durch den prächtigen Tabernakel soll die der Muttergottes entgegengebrachte Verehrung der Wallfahrer auf Christus umgelenkt werden.

  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


Assistenzfiguren
Neben dem Tabernakel stehen außerhalb der Säulen die Figuren der Nebenpatrone der Kirche, der Heiligen Barbara und Dorothea, die Nebenpatrone der Kirche. Links steht St.Barbara, rechts Dorothea. Beide blicken nach innen. Bis 1942 waren sie seitenverkehrt aufgestellt und blickten jeweils nach außen zu den Betrachtern.

St.Barbara
  ist mit Krone, Schwert und Kelch dargestellt.
St.Barbara
Hinweis: Die Heilige ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst. Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Die Abbildung der hl.Barbara nur mit Kelch ist bei uns erst seit dem 15.Jh. üblich (vorher immer mit Turm).
St.Dorothea mit einer Krone auf dem Haupt, hält in ihrem Arm einen Korb mit Blumen und Äpfeln und in der Hand ein Schwert.
  Hinweis: Dorothea, Tochter eines römischen Senators lebte um das Jahr 300. Weil sie nicht die Frau eines heidnischen Richters werden wollte, wurde sie mit vielen Martern gequält und schließlich enthauptet. Der Korb mit Blumen und Äpfeln geht auf eine Legende zurück: Als Dorothea vor ihrem Tod sagte, sie freue sich darauf, im Paradies Rosen und Apfel brechen zu können, rief ihr der Schreiber Theophilus höhnisch zu, sie solle ihm doch welche schicken. Bei ihrer Enthauptung erschien ein goldlockiger Knabe in sternbesticktem Kleidchen mit einem Korb voller Rosen und Äpfeln bei Theophilus und wurde vor dessen Augen entrückt.
St.Dorothea




Reliquiare

An den Wänden des Altarraums hängen vier barocke Reliquienbehälter. Sie haben eine angedeutete Pyramidenform.

Die Rahmen bestehen aus versilbertem Messing mit getriebenen Verzierungen. "Getrieben" bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. In den Behältern sind Reliquien aufbewahrt, die mit Gold- und Silberdrähten, schimmernden Perlen oder Halbedelstei-nen, Seide, Brokat und Samt und Wachs befestigt sind.
Im mittleren Teil sind Wachsmedaillen mit Darstellungen der Muttergottes, des hl.Augustinus und der hl.Elisabeth zu sehen. Ganz oben weisen Cedulae, kleine Zettelchen aus Pergament, auf die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen, hin.
Namen auf den Cedulae:
1.Reliquiar: oben:  "S.Cosmi M; S.Elisabeth; S.Inocenty M; S.Bonifaci M; S.Honori M;
unten: "S.Bonifacii ; S.Fortunati".
2.Reliquiar: oben:  "S.Catharina; S.Alepa..; S.Fausti M; S.Erculani M;
unten: "S.Bona M; S.Augustinus"; S.Bonus M."
3.Reliquiar: oben:  "S.Evebus; S.Anna; S.Jucundini; S.Inocentius M; S.Simplicianus M.;
unten: "S.Juliani M; S.Vigilantia";
4.Reliquiar: oben:  "S.Castus M; S.Joachim; S.Medestina; S.Severiani M; S.Tranquiliani;
unten: "S.Castus M; S.Severins";

 


Chorgestühl

Unter den Reliquiaren ist auf beiden Seiten das Chorgestühl aus Eichenholz zu bewundern, das mit einem Akanthusmustergeschmückt ist. Dieses Muster ist auch an den Wangen der Kirchenbänke zu finden. Hier am Chorgestühl sind aber auch die Vorderseiten verziert (1720).
 
Über dem Chorgestühl auf der linken Seite ist an der Wand ein 180 x 115 cm großes Ölgemälde (auf Leinwand) im Stuckrahmen angebracht. Es zeigt Maria unter dem leeren Kreuz. In ihrer Brust steckt das Schwert der Schmerzen, das auf in Liebe getragenes Leid deutet. Im Hintergrund eine Berglandschaft in Gewitterstimmung. Über den Wolken ein Blick in den Himmel, der eine Vielzahl von Engeln und Putten freigibt (um 1700).
Vom Chor führt ein Portal mit gotischem Spitzbogen in das Untergeschoss des Turmes. Die Türe besteht aus Weichholz mit alten Eisenbeschlägen aus dem 16.Jh. (Kastenschloss). Auch die gegenüber liegende Sakristeitüre hat einen wunderschönen Türbeschlag (siehe Bild).


A
uferstandener

Über der Sakristeitüre steht auf einem Sockel die Figur des auferstandenen Christus (Salvator mundi), der segnend mit den fünf Wundmalen dargestellt ist (18.Jh). Um sein Haupt strahlt der nur für göttliche Personen reservierte dreistrahlige Heiligenschein (Nimbus).




Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen (Salvator Mundi) entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland.Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.
Salvator  Mundi



Chorbogen

In der Leibung des halbkreisförmigen Chorbogens sind zwei Medaillons mit einem dornenumwundenen Herzen (Jesu) mit Kreuz und einem von Rosen bekränzten Herzen (Mariens) mit Schwert angebracht. Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.

 


Kirchenschiff / Langhaus

Das 5,55 m hohe Kirchenschiff besitzt eine Flachdecke, die, ebenso wie das Gewölbe im Chor, mit reichen Stuckarbeiten in den Farben Weiß, Grün und Rosa geschmückt ist.
In der Nähe des Chorbogens befindet sich das von Stuck umrahmte Heilig-Geist-Loch. Die Abdeckbretter sind mit einer Taube als dem Symbol des hl. Geistes geschmückt. Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22).
Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam(so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).



Deckenfresko im Kirchenschiff

Auch das 4,80 x 3,70 m große Deckenfresko im Kirchenschiff entstand 1717 durch Benedikt Dersch. Dafür spricht die Signatur "B.D", die auf dem Hundehalsband im Fresko zu lesen ist. Leider zieht sich quer durch das Bild ein Riss. Das Gemälde im Stuckrahmen zeigt eine selten dargestellte Szene aus der Bibel: "Esther vor Artaxerxes" (Esth 5,1-3; 7,2-6). In der Babylonischen Gefangenschaft wendete die Jüdin Esther eine Judenverfolgung ab. Sie war über einen Schönheitswettbewerb Gemahlin des Perserkönigs Artaxerxes (Ahasver oder Ahaschwerosch) geworden.
Die im Fresko dargestellte Szene einer Audienz Esthers beim König ist übrigens nicht in der hebräischen, sondern erst in der jüngeren, griechischen Fassung des Buches Esther enthalten.
Im Bild sitzt inmitten prächtiger Palastarchitektur mit Säulen und Portalen König Artaxerxes auf einem Thron, mit Turban und Mantel bekleidet. Auf den Stufen vor dem Thron kniet Esther mit Gefolge, die Hände zu Artaxerxes ausgestreckt. Im Hintergrund Krieger, im Vordergrund ein Knabe mit dem schon erwähnten Hund. Hinter dem König Wappenschilder. Aus dem Mund von Artaxerxes kommen als Schriftstrahl die Worte "QUID VIS TIBI FIERI" (Was du dir auch wünschst).
Esther als Fürbitterin und Retterin ihres Volkes wird als Vorläuferin für Maria gesehen, die durch ihre Fürbitte bei Gott die Gläubigen rettet.

An die Außenwände in der Nähe der Empore sind vier weitere Fresken in Stuckkartuschen gemalt, von denen aber zwei übertüncht wurden. Die anderen beiden zeigen Embleme, die sich auf Maria beziehen.
Auf der Nordseite (links) ein Sonnenaufgang über einem Dorf. Darüber ein Spruchband mit dem Text "EN SPES DOMIBUS MARIA ORA PRO N." (Hoffnung den Häusern. Maria, bitt für uns).
Auf der Südseite wird ein Brunnen mit drei Schalen und ein Spruchband mit dem Text "MEA GLORIA SPARGI EST" gezeigt. Die aufgehende Sonne und der Brunnen wurden häufig als Sinnbilder für Maria verwendet.

Über der Empore leere Kartuschen mit den Umschriften "AD VOS QUIA PLENA....VENIO" und "ME SINE CESSAT OPUS"



Kanzel

Am Chorbogen -etwas versteckt hinter dem linken Seitenaltar- ist die barocke Kanzel an der Nordwand angebracht, die 1720 für 50 Gulden erstellt worden war. Hier musste sich der Prediger weit vorbeugen, um Sichtkontakt zu allen Zuhörern knüpfen zu können. Die farblich den Seitenaltären angepasste Kanzel entwickelt trotz der vielen barocken Zierelemente keine eigenständige Kontur. An der Unterseite des Schalldeckels das Ölbild einer Hl.Geist-Taube. Auf dem Schalldeckel ein Lamm.
Hinweis: In altchristlicher Zeit wurde die Predigt -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist.
Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.

 


Seitenaltäre

Die 2,30 m hohen Seitenaltäre aus dem Jahr 1719/20 sind in Längsrichtung an den Wänden des Kirchenschiffs aufgestellt, um in der relativ schmalen Kirche den Blick auf den Hochaltar mit dem Gnadenbild nicht zu beeinträchtigen. Auch sie sind mit einem Säulenretabel ausgestattet (jeweils 2 glatte und 2 gedrehte Säulen) und haben über dem Gesims hohe Altaraufsätze.
Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass im Jahr 1719 die damals neuen Altäre der hl. Anna und dem hl. Nikolaus geweiht und deren Bilder Inhalt der Altarblätter waren; 20 Jahre später, 1739, war einer der Altäre umgewidmet: statt St.Nikolaus war nun St.Korbinian der Patron. 1942 hat man die heute noch vorhandenen barocke Figuren der Heiligen Petrus und Paulus aufgestellt.

Rechter Seitenaltar

Auszugsbild
Im Auszugsbild der hl. Sebastian mit Märtyrerpalme und Pfeil in der Hand. Sebastian war  im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.
Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

Retabel

Der rechte Seitenaltar ist jetzt dem hl. Paulus geweiht. Mittelpunkt ist die Statue dieses Heiligen mit Buch und Schwert in der Hand vor einem mit Blumen bemalten hellblauen Hintergrund. Die wohl schon um das Jahr 1620 geschnitzte Statue stand bis 1943 am Chorbogen, wie alte Fotos belegen. Das Buch unter dem Arm von Paulus weist auf den großen Verkünder des Evangeliums hin, das Schwert auf den (legendenhaften) Märtyrertod in Rom unter Kaiser Nero.

Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Im Jahr 258, noch zur Zeit der Christenverfolgung, verlieh ihm die Urkirche die Apostelwürde.
Predella
 

In der Predella steht links die Figur des Heilands, die mit "Ecce homo" gut umschrieben wäre. Man sieht den gegeißelten Jesus, mit gebundenen Händen, in einen weiten Mantel gehüllt -aber ohne Dornenkrone auf dem Haupt (18.Jh)

 
Auf der rechten Seite in der Predella ist eine Marienfigur (Mater dolorosa mit einem großen Schwert in der Brust) zu sehen, wie sie üblicherweise unter dem Kruzifix im Kirchenschiff steht (18.Jh). Dieses Schwert erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen"

 

Linker Seitenaltar

Aufsatzbild
Im Auszug des Altars ein Ölbild des hl.Leonhard mit Vollbart, im Ordensgewand, in der rechten Hand den Abtsstab, über dem linken Arm die Viehketten. Das Leinwandbild stammt aus der Zeit um 1900. Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Abt in Frankreich.
Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten deutete.
Retabel

Mittelpunkt des linken Seitenaltars  ist eine Petrusfigur mit einem versilberten und einem vergoldeten Himmelsschlüssel in der Hand (um 1620). Auch sie stand bis 1943 am Chorbogen. Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf der Stirn und mit Bart dargestellt.

 

sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, hat den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
In der Predella ein Muttergottesbild. Es handelt sich um eine Kopie des Maria-Hilf-Bildes aus Passau. Maria hält auf dem rechten Arm das Jesuskind, das sich an den Hals Mariens schmiegt. Das 36 x 29 cm große Ölbild auf Leinwand wurde in der 2.Hälfte des 18.Jh gemalt. Mehr über die Maria-Hilf-Bilder im Landkreis Dachau finden Sie hier ...



V
otivbilder

In der Kirche hängen unter der Empore viele Votivbilder für die Errettung von Mensch und Tier aus Gefahrensituationen. Ein Teil der Gebetserhörungen ist in Mirakelbüchern aufgezeichnet. Weitere Bilder hängen an den Wänden des Kirchenschiffs und des Altarraums. Die wertvollsten Bilder befinden sich im Museum.
Das älteste Bild in Ainhofen war um 1650 für ein "Knäbel mit einem Brichl oder Leibschaden" gestiftet worden. Weitere Votivbilder beziehen sich auf Reitunfälle, Unglücksfälle mit Pferden, verschiedene Krankenheilungen sowie Abwendungen von Nöten und Gefahren im Spanischen Erbfolgekrieg (1704) und in den Franzosenkriegen der Jahre 1796 und 1800.

Darunter sind die Votivbilder der Gemeinde Indersdorf aus der Zeit um 1800 und der Gemeinde Langenpettenbach von 1945. Beide Bilder wurden zum Dank für die Errettung aus Kriegsgefahr gestiftet.
Das Votivbild der Gemeinde Indersdorf im Altarraum zwischen der Sakristeitüre und dem rechten Seitenaltar erinnert an die Franzosenkriege Ende des 18.Jh, als die Revolutionstruppen den Angriff der deutschen Fürsten zurückschlugen und im Gegenzug Deutschland besetzten und plünderten. Das 99 x 71 cm große Ölbild (auf Leinwanduntergrund) zeigt in klassizistischem Rahmen eine Wallfahrergruppe vor der Kirche von Ainhofen. Der Text unter dem Bild lautet:
"In Kriegesnoth, als der Franken Heer im Jahr 1796 und 1800 in Deutschland und auch in unser libes Bairen hereinbrach, und schreken und Verderben Verbreitete, gelobte die Gemeinde zu Inderstorf einen Bittgang nach Ainhofen, gelobte Besserung der Herzen und blieb auf Fürbitte der Mutter des Herrn Mariä von den größten Kriegsübeln befreyt, zur Linken und zur Rechten fiel schwer auf jedes Ort die Plage des Krieges; Inderstorf sah 1796 keine Franken, 1800 ward es von Kriegesplagen gegen andere Orthschaften nur leicht berührt."
An den beiden unteren Ecken ist in kleinerer Schrift ein Gebet im Stil der damaligen Zeit angefügt:
  "Er kann dich nicht verlassen, willst du die Sünde haßen, und über alles lieben ihn, er nimmt dir allen Jammer hin. Dann fleht für dich so mütterlich, die Muter unsers Herren, den du wirst sie zu ehren, so leben sündenrein wie sie und unerhört bleibst du dann nie".
Seit 200 Jahren pilgern die Indersdorfer alljährlich nach Ainhofen zum Dank an die Bewahrung der Ortschaft in diesem Krieg.

Das Votivbild der Gemeinde Langenpettenbach wurde zum Dank für die Bewahrung ihrer Ortschaft im Zweiten Weltkrieg und beim Einmarsch der Amerikaner im Jahr 1945 gestiftet. Der Maler des Bildes im geschnitzten Rahmen war Jos.Albrecht (sign).
Das 113 x 91 cm große Ölbild (auf Leinwand) zeigt eine größere Anzahl von Personen, die wohl einen Querschnitt der Bevölkerung Langenpettenbachs darstellen soll, um einen Altar versammelt. Der obere Teil des Altars ist hinter einer Wolke versteckt, aus der heraus das Gnadenbild aus Ainhofen erscheint. Im Hintergrund Ansichten der Ortschaften Langenpettenbach und Ainhofen.
Der Text unter dem Bild lautet: Die Pfarrgemeinde Langenpettenbach hat während der Kriegsjahre 1939-1945 und besonders am Ende des Krieges in den letzten Apriltagen 1945 beim Einmarsch der Amerikaner Gottes gnädigen Schutz erfahren und hat zum Danke am 14.des Rosenkranzmonats 1945 mit den bereits heimgekehrten Kriegern eine feierliche Wallfahrt nach Ainhofen ausgeführt und der Gnaden-mutter von Ainhofen zum immerwährenden dankbaren Gedenken dieses Votivbild gestiftet.
Der Maler Josef Albrecht aus München war übrigens auch
in Gundackersdorf (Deckengemälde), Eglersried (Kreuzwegbilder),
Asbach bei Petershausen (Deckengemälde), und in Weichs
(Kreuzwegbilder) künstlerisch tätig.


Kreuzigungsgruppe

Vor dem Brunnenbild hängt ein großes Kruzifix aus dem Jahr 1718 mit einem aus vielen Wunden blutenden Corpus.

Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.
Unter dem Kreuz die Figur der Mater dolorosa. Maria steht händeringend unter dem Kreuz (Anfang 18.Jh). Ihre Brust ist mit einem Schwert durchbohrt. Dieses Schwert erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Auf eine Holztafel wurde der Text des Ablass-Schreibens von Papst Benedikt XIII. aus dem Jahr 1724 gemalt.

KirchenbänkeEmporenbilder Emporenbilder Kreuzwegbilder Mater dolorosa Votivbild der Pfarrei Indersdorf Kruzifix Engelskonzert Deckengemälde im Langhaus Beinhaus AuferstandenerChorgestühlKirchenbänkeOrgelKanzelVotivbilderSeitenaltarVotivbild der Gemeinde Langenpettenbach
 16 Details (Hochaltar, Figuren, Seitenaltäre, Deckengemälde, Bilder, Bänke) per Mouseklick
Apostelleuchter
Die kunstvollen Apostelleuchter an der Wand dürften aus dem Jahr 1717 stammen. Sie bestehen aus Schmiedeeisen in Durchstecktechnik. Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene

himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 

Kirchenbänke
Die Kirchenbänke im Langhaus (12 Doppelreihen) haben kunstvoll geschnitzten Kirchenstuhlwangen aus Eichenholz. Das Muster  entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 zunächst in
Ainhofen und dann auch in Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf, Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet.
Mehr über die Kirchenbänke auf der Empore..hier..
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

K
reuzwegstationen

Die 1878 von Michael Trettenbach gestifteten Kreuzwegbilder wurden vor einigen Jahren entfernt und durch die Metallplatten des früheren Kreuzwegs, der von 1727 an über 280 Jahre lang bis zum Jahr 2004 auf dem Fußweg von Gundackersdorf nach Ainhofen führte, ersetzt. Ein solcher, über mehrere Kilometer führender Kreuzweg war einmalig im Dachauer Land. Er wurde, wie der Indersdorfer Mönch Penzl Mitte des 18.Jh schrieb, im Jahr 1729 in Form von 15 Standsäulen aus Holz errichtet. Der Heimatforscher Otto Hefele nimmt an, dass der Kreuzweg wegen des Vikars aus dem Kloster Indersdorf geschaffen wurde, der mehrmals wöchentlich diese Strecke zu Fuß
zurücklegen musste. 1855 wurden die Holzsäulen erneuert und in einer "Entfernung von jeweils 130 Schritten" aufgestellt. Die Bildnischen waren mit "hübsch gemalten Stationsvorstellungen versehen", wie es hieß. 1883 wurden Steinsäulen aufgestellt mit Bildern des Malers Schalger aus Indersdorf. 1936 mussten auch sie restauriert werden. 1968 standen die Kreuzwegstationen der
Flurbereinigung im Wege. Deshalb wurden sie an die Teerstraße verlegt. Neue Bilder wurden vom 75jährigen Kunstmaler Kröninger aus München-Trudering geschaffen. Doch kurz darauf beschädigten Vandalen diese Bilder, die schließlich herausgenommen und in die Kirche von Ainhofen gebracht wurden. Dort sind sie als Kreuzwegstationen noch heute zu sehen. Der Vandalismus ging weiter, auch die Ersatzbilder, Fotografien aus Papier hinter Glas, wurden zerstört und die Metallkreuze auf den Stationen abgeschlagen. 2004 wurden die inzwischen "blinden" Steinsäulen von der Straße entfernt und im Friedhof von Ainhofen wieder aufgestellt.
Im Jahr 2005 erhielten sie neue Kreuze und Reliefbilder aus Bronze, die in Italien hergestellt wurden und die die italienische Darstellung des Kreuzwegs wiedergeben. Dort beginnt der Kreuzweg im ersten Stationsbild mit dem Abendmahl und endet mit der Auferstehung im 14.Stationsbild. Dafür fehlen die beiden ersten Bilder des dreimaligen Zusammenbrechens Jesu unter dem Kreuz (das sind in Deutschland dritte, siebte und neunte Station).

 

An der Rückwand des Kirchenschiffs ist ein großes Messingkreuz ohne Corpus an der Wand befestigt. Es handelt sich um das ehem. Turmkreuz, das bis zur Renovierung von 2006 die Haube krönte.


O pferstock

In der Nähe des Eingangs steht der 63 cm hohe, blau bemalte Opferstock mit 3 Schließgurten und einer Verkleidung aus Blech. Er stammt aus dem 17. oder 18. Jh.

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



Empore

Die stützenlose Empore wurde im 19.Jh auf ihre heutigen Ausmaße erweitert. Ursprünglich reichte sie nur bis zur ersten Fensterachse. Die Emporenbrüstung ist mit Gemälden von Josef Albrecht, München (sign), aus dem Jahr 1941 geschmückt. Josef Albrecht ist auch Maler des Votivbildes aus Langenpettenbach.
In der Mitte der Brüstung ist ein Engelskonzert für Maria zu sehen.
Maria hält ein Spruchband mit dem
Text "Ave Maria" in der Hand. Links u. rechts spielen Engel mit Trommel und Geige. Auf beiden Außenseiten der Empore sind Bilder mit Blumen und Schriftbändern gemalt.
Die Texte auf den Schriftbändern lauten (nach dem Psalm 150):
"Laudate dominum in sono tubae - laudate eum in psalterio et cithara"
"Laudate eum in tympano et choro, laudate eum in cordis et organo".
  deutsch: Lobet den HERRN mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen! Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

 

Orgel

Die Orgel mit 5 Registern (Kegellage mit pneumatischer Traktur) stammt aus der Zeit um 1905 (andere Quelle: 1910) und wurde von Willibald Siemann aus München erbaut. Sie ist in einem neubarocken Gehäuse mit einteiligem Prospekt untergebracht.
Der Spieltisch steht frei.  Siemann zählte seinerzeit zu den ersten Adressen im bayerischen Orgelbau.
Die Siemannorgel ersetzte damals ein Werk, das der Orgelbauer Anton Schin aus Neuburg/Donau im Jahr 1846 in die Kirche eingebaut hatte.
  Allgemeines zur Orgel.
Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für dashöfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel,in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Derzeit (2012) ist geplant, die Empore wieder auf den barocken Zustand, also vor der Erweiterung im 19.Jh. zurückzusetzen. Zudem soll die Orgel verkauft und eine neue Truhenorgel im Altarraum aufgestellt werden. Das Baureferat der Erzdiözese begründet diese Maßnahme mit der statischen Gefährdung der stützenlosen Empore. Durch diese Maßnahme werde das ikonographische Programm im Innenraum wieder ablesbar, sodass die Kirche von der Eingangsseite her stimmig wahrnehmbar werde. Die Kirchenverwaltung und viele Gläubige sind gegen diese Maßnahmen, die mit 31.000 Euro (Empore) und 15.000 Euro (Orgel) veranschlagt sind.


Kirchenbänke auf der Empore

Die sechs grob behauenen Kirchenbänken auf der tiefen Empore sind noch recht ursprünglich; man glaubt, dass sie noch aus dem 16.Jh stammen. In sie sind viele Namen eingekratzt oder eingeschnitzt, darunter mehrfach der Name "Paulus Phöchtl", der im Übrigen auch an den Bänken von Gundackersdorf zu lesen ist.
An den Bänken auf der Empore in Ainhofen sind auch Namensschilder angebracht, die früher den Bewohnern eines Hofes oder den Mitgliedern einer Familie einen festen Platz sicherten. Diese festen Plätze in der Kirchenbank waren in der Regel an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl. Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Odelzhausen, Altomünster, Dachau, Eglersried, Einsbach-Hl.Blut, Langenpettenbach, Puchschlagen, Asbach und in der Taxakapelle erhalten.


V
orhaus

Leider nur noch Geschichte ist der kleine, der bis 2005 in einer Nische des Vorhauses seinen Platz gefunden hatte und an das Beinhaus erinnerte, das früher wohl an der Stelle des Vorbaus stand.
Die Nische wurde nunmehr in eine Mariengrotte verwandelt, mit der Kopie des Gnadenbildes als Mittelpunkt und einem einfachen Gitter davor. An der Seite steht ein Lichterbaum für Opferkerzen.


Der kleine Karner war noch durch ein wunderbares, schmiedeeisernes Gitter (mit Akanthusrankenmuster in Durchstecktechnik) aus der Zeit um 1720 gesichert. In ihm waren noch einige Totenschädel aufbewahrt, auf die die Namen der Verstorbenen gemalt war. Auf dem Gitter hielten zwei Engel ein Spruchband zu beiden Seiten eines Kelches. Der Text lautete, einem Kirchenlied entsprechend: "Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn". Auch an die Wand war ein Spruch gemalt: "Hin geht die Zeit, her kommt der Tod, Mensch tue recht und fürchte Gott"
Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. ein meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte mandie Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Ainhofen erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.
Im Vorhaus stand früher eine Büste des Wohltäters von Ainhofen, Matthias Trettenbacher, dem Stifter des Kreuzwegs von 1878 (und dem Großonkel des Indersdorfer Priors Sutor).
Diese Büste ist nunmehr in der Kirche untergebracht.


Monstranz


Bei besonderen Anlässen und Gottesdiensten findet die Monstranz Verwendung. Sie ist aus Messing getrieben und gegossen. Sie ist 70 cm hoch. Über einem ovalen Fuß erhebt sich ein Schaft mit Palmetten. Ein Strahlenkranz und ein mit Steinen besetzter Kranz aus Ähren und Weintrauben umgeben das vierpassförmige Schaugefäß, in dem die geweihte Hostie Aufnahme findet. Die Monstranz wurde um 1900 erstellt.

Wenn Sie die Internetseite des Pfarrverbands Indersdorf besuchten möchen, klicken Sie hier...
Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...


Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Pleickhard/Stumpf, Bayern ein geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches 1852 (Statistik)
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 11/12, 1958 (Gerichtstag 850)
Max Gruber, Die Wallfahrtskirche in Ainhofen, Amperland 1965/1
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Die Kistlerfamilie Prugger in Dachau, Amperland 1975/1
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Klaus Kiermeier, Dachauer Land, Die Landschaft in den Jahreszeiten, 1982
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Dr.Georg Brenninger, Aus der Kirchengeschichte von Ainhofen, Amperland 1995/1
Otto Hefele, Leere Nische, die vom Leiden Christi erzählen soll, Dachauer SZ vom 30.1.2002
Dachauer Kurier vom Juli 2003
Peter Dorner, Indersdorfer Chronik-aus der Reihe Publikationen der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim, 2003
Madonna, das Bild der Gottesmutter, Ausstellungskatalog Freising, 2003
Hans Kornprobst, Die inkorporierten Pfarreien und Kirchen des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf, Amperland 2004/2
Otto Hefele, Geschichtliches über Ainhofen, 2005
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
Max Gruber, Burgen und Schlösser in Deutschland und deutschsprachigen Ländern und Regionen (www.burgeninventar.de)
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Dachauer Nachrichten vom 13.10.2008 (Studie zur Figur), 15./16.10.2011 (Renovierung), 4.9.2013 (Renovierung)
Dr. Dieter Gerhard Morsch, Das Gnadenbild und die Marienwallfahrt von Ainhofen, Amperland 2009/03 (Legende, Altar, Figur)
Dr. Dieter Gerhard Morsch, Das Gnadenbild von Ainhofen, Amperland 2012/04 (technol.Untersuchung)
Dachauer SZ vom 28.12.2011 (Emporenrückbau), 9.6.2012 (Renovierung)
Dr. Dieter Morsch, Die Kirchen im Pfarrverband Indersdorf 2014 (Figur in der Nische, Nebenpatrone)

68 Bilder: Otto Hefele (1), Hans Schertl (66)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

6.7.2014