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Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in JARZT

zur Kirchentür  zur Turmansicht von Westen bitte klicken 
 
Adresse: 85777 Fahrenzhausen, Kirchberg 12
Lage der Kirche auf der Landkarte ...



Kurzbeschreibung

Jarzt liegt zwischen Fahrenzhausen und Allershausen im Landkreis Freising. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt gehörte bis zum Jahr 1924 und seit 2012 wieder zum Dekanat Dachau.

Eine Kirche in Jarzt wird erstmals in der Konradinischen Matrikel aus dem Jahr 1315 (mit vier Filialkirchen) erwähnt.

Der heutige Kirchenbau stammt überwiegend aus der Zeit um 1700, als das Kirchenschiff unter Belassung des gotischen Altarraums und des Turmes neu gebaut und im Laufe der nächsten Jahre barock ausgestattet wurde.

Der quadratische Turm steht auf der Nordseite; mit seinen vierfach abgestuften Stützpfeilern sieht er recht urtümlich aus.
Im Jahr 1929 wurde das Kirchenschiff um knapp 10 Meter auf insgesamt über 34 Meter verlängert.

Innenausstattung
Der tiefe Altarraum ist sehr stark eingezogen und von einem
Tonnengewölbe überdeckt. Das Gewölbe stützt sich auf Pilaster mit korinthischen Kapitellen, die ein breites umlaufendes Gesims bilden. Dieses Gesims erstreckt sich in einfacherer Form auch um das gesamte Kirchenschiff. Das Deckenbild im Chor zeigt den Besuch von Maria bei ihrer Cousine Elisabeth (Mariä Heimsuchung). Das Hauptgemälde im Kirchenschiff stellt die Aufnahme Mariens in den Himmel dar. In kleineren Gemälde sind die Filialkirchen der Pfarrei Jarzt und deren Patrone zu sehen. Die Deckenbilder wurden erst 1947 von Heinrich Bickel gemalt.

Durchgänge für die Wallfahrer15 Silberreliefs mit RosenkranzgeheimnissenSeitenaltarbild Heilige FamilieSeitenaltarbild Maria mit ihrer Mutter Anna und Vater JoachimGnadenbild der Madona mit Kind - zur Vergrößerung  bitte klickenzur Vergrößerung des Chorbildes bitte klickenMarienfigur im AltarauszugAltarauszug- PietaPredellabild: Anbetung der HirtenFigur des hl. Johannes des TäufersFigur des hl. FranziskusDurchgänge für die Wallfahrer15 Silberreliefs mit Rosenkranzgeheimnissen15 Silberreliefs mit RosenkranzgeheimnissenGottvaterfigur im AltaraufsatzSt.Sebastian  St. Barbara    klicken=vergrößernPredellabild: Heilige 3 KönigeOratorium und StichkappenAlter Tabernakel -  Bild per Mouseklickzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung des KanzelkreuzesSt.AgathaSt.Annazur Beschreibung des Deckengemäldes im AltarraumHochaltarbildSt.FlorianRaphaelKanzelSt.MichaelDeckengemälde: HimmelfahrtEngelzur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung des rechten SeitenaltarsZelebrationsaltarTabernakelJoachim
per Mouseklick zu den jeweiligen Beschreibungen

Der prächtige, barocke Hochaltar aus dem Jahr 1723 füllt den Altarraum in voller Breite aus. Das Altarblatt zeigt den Abschied Jesu von seiner Mutter vor seinem Gang nach Jerusalem. Es wurde vom italienischen Maler Antonio Zanchi geschaffen.
Assistenzfiguren (1730) sind St.Josef (mit dem Jesuskind auf dem Arm) und St.Nepomuk mit Kruzifix in der Hand.

Die Seitenaltäre sind der Muttergottes (links) und dem Geißelheiland (rechts) geweiht, deren Figuren in den Mittelnischen stehen. Assistenzfiguren sind:
St.Leopold (in kostbarem Gewand mit Herzogskrone)
St.Theresia v.Avila, St.Rasso (in Ritterrüstung) und Maria Magdalena.

Auch an den Wänden des Altarraums und des Kirchenschiffs stehen außergewöhnlich viele weitere Heiligenfiguren.
- Erzengel Michael mit weit ausgebreiteten Flügeln, der eine Lanze in das Maul eines geflügelten Drachens stößt (1730),
- Erzengel Raphael ist in ein Pilgergewand gekleidet und hält unter seinem linken Arm einen großen Fisch (1730),
- St.Agatha mit einem Tablett, auf dem ihre beiden abgeschnittenen Brüste liegen (1730),
- St.Florian, mit Federbusch auf dem Helm, schüttet aus einem Holzschaff Wasser auf ein lichterloh brennendes Haus (1700)
- Täufergruppe mit Jesus, der von Joh.Baptist getauft wird (1730),
- St.Sebastian ist, von Pfeilen durchbohrt, an einen Marterbaum gefesselt,
- St. Anna, im traditionellen grünen Gewand mit dem Kopftuch der älteren, verheirateten Frau (18.Jh)
- St.Joachim mit Schäferschaufel (18.Jh),
- Guter Hirte mit Lamm um die Schultern (18.Jh)
- St.Franz Xaver mit einem Stab in der Hand (18.Jh),
- St.Antonius v.Padua mit Jesuskind auf dem Arm (18.Jh),
- Maria Immaculata, die auf einer Weltkugel steht, um die sich die Schlange mit dem Apfel im Maul gewunden hat (1730),
- Christusfigur auf einem Wolkensockel (1929),
- Pieta (Vesperbild) über der Tafel mit den Namen der Gefallenen und Vermissten in beiden Weltkriegen (18.Jh),
- Bruder Konrad, der einem bettelndem Kind ein Brot reicht (20.Jh).

12 Epitaphe erinnern an Adelige des Ortes und an Geistliche der Pfarrei.

Ab 1.November 1990 bildete die Pfarrei Jarzt mit der Pfarrei Giebing und der Kuratie Weng den Pfarrverband Jarzt-Fahrenzhausen.
Seit 1. Okt. 2012 wurde der Pfarrverband um die Pfarrei Haimhausen erweitert (Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen).
Den Kirchenzettel mit der Gottesdienstordnung finden Sie hier...

Chronologische Übersicht

«— 1000 Erste Erwähnung der Ortschaft   «— 1894 Renovierung der Altäre und Bilder durch Maler Fr.Welker
«— 1315 Erste Erwähnung der Pfarrei  
«— 1648 Beschädigung der Kirche im 30jährigen Krieg   1902 Renovierung
«— 1700 Neubau des Kirchenschiffs «— 1922 Orgel von Leopold Nenninger
«— 1708 Weihe der Kirche durch Bischof Eckher v.Kapfing «— 1929 Verlängerung des Kirchenschiffs um 9,5 Meter
«— 18.Jh. Holzkruzifix auf der südl.Außenseite «— Neufassung der Seitenaltäre
«— 1723 Neuer Choraltar mit Altarblatt von Zanchi «— Neue Kirchenbänke
«— 1725 neue Kanzel aus Holz «— Neue Apostelleuchter
«— 1730 viele neue Figuren «— Neue Christusfigur über dem Eingang
«—   Täufergruppe «— Opferstock aus Schmiedeeisen
«— neue Seitenaltäre «— neue Beichtstühle
«— 1766 Unwetter beschädigt Turm «— neue Empore
«— 1799 Pfarrhofbrand; Vernichtung aller Bücher      
«— 1805 neues Pfarrhaus erbaut «— 1947 Ausmalung der Kirche durch Heinr.Bickel
«— 1844 Schlimmer Hagelschlag (Anlass für Westerndorf-Bittgang)
«— 1854 Aufbau der 1799 abgebrannten Stallungen «— 1970 Neuer Zelebrations(Volks)altar,
«— 1867 3 neue Glocken vom Gießer Bachmair «— Tabernakel für rechten Seitenaltar
«— 1868 Auspfarrung von Pelka nach Hohenkammer   1975 Große Renovierung (Sanierung d.Grundmauern)
«— 1872 Kreuzwegbilder v. Schnitzenbaumer «— 1979 Neue Orgel von Anton Staller
«— 1887 Umbau der Kirche. Ausmalung durch Gebr.Kraft      
«— neue Turmuhr von Uhrmacher Hemberger      

 


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen

Geschichte:  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  Visitation 1584  Neubau 1700
 Matrikel 1738  Pfarrhofbrand 1799  Beschreibg 1820 Pfarrerwechsel 1821  Beschreibg 1874
   Umbau 1890   Umbau 1929  Pfarrerliste    Berichte aus Pfarrleben
Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung   Beichtstuhl  Choraltar
 Deckenfresken-1  Deckenfresken-2  Empore  Epitaphe  Figuren im Chor
 Figuren im Schiff  Grundstein  Kanzel  Kirchenschiff  Kirchenbänke
   Kreuzweg  Kreuzigungsgruppe  Krippe  Orgel  Opferstock 
 Seitenaltäre  Tabernakel  Turm  Vortragekreuze  Vesperbild
   Zelebrationsaltar        

Das Dorf Jarzt, nördlich von Fahrenzhausen gelegen, wurde um das Jahr 1000 erstmals im Zusammenhang mit dem Ortsadel der "Edlen von Jorze" erwähnt. Steinzeitliche Funde und Relikte aus der Römerzeit weisen aber auf eine schon frühe Besiedelung der Gegend hin. Zum Namen 'Jarzt' schreibt Ernst Schwarz im Jahr 1970: 09)
  "Für die Entwicklung von dj zu j gibt es einen Beleg im Ortsnamen Jarzt (Freising), 1138-47 Jorze, Gorzi (MB IX 402; FT 1746a) 15) , 1403 Jarcz, mittelhochdeutsch: jäts, der von (Historiker) Schnetz mit ausführlicher Begründung zu lateinisch divortium = "Wegscheide" gestellt wird..."

Jarzt gehörte von 1499 bis 1803 zusammen mit 16 weiteren Dörfern zur geschlossenen Hofmark Massenhausen, die vom Freisinger Hochstift als Hofmarksherrn verwaltet wurde. Zwei dieser Dörfer, Jarzt und Appercha gehörten staatsrechtlich zum Landgericht Kranzberg und damit zum Herzogtum Bayern, die übrigen zum Hochstift Freising.
In der Zeit der bayerischen Teilung (von 1255 bis 1505 mit einigen Unterbrechungen) gehörte Jarzt zu Niederbayern.
In Jarzt stand früher ein Schloss, eine vierseitig geschlossene Anlage, die im 17./18.Jh. erbaut/umgebaut worden ist. Aus dem ehem. Schloss ist heute ein Bauernhof geworden (Schlossstraße 2). 31)

1818 wurde Jarzt eine Gemeinde, zu der auch die Orte Appercha, Bärnau und Höchenberg gehörten. 38)

Geschichte der Kirche

Konradinische Matrikel 1315 04)
Die Pfarrkirche Jarzt wird -wie so viele Kirchen in der Erzdiözese Freising- erstmals in der Konradinischen Matrikel aus dem Jahr 1315 mit vier Filialkirchen erwähnt: "Jortz soluit VII Pfund (zahlt 7 Pfund Silberpfennig) habet IIII filias: Warnoltzhausen, Westerndorf, Perchach et Lauterbach cum sepulturis". Damals gehörte Jarzt zum Dekanat Bergkirchen bei Dachau. Das bedeutet zunächst zwar nur, dass der Bergkirchener Pfarrer Dekan war, aber es zeigt auch die schon frühe Beziehung von Jarzt zum Dachauer Land auf. Denn zu diesem Dekanat gehörten auch die Pfarreien Hohenkammer, Kollbach, Vierkirchen, Röhrmoos, Ampermoching, Dachau, Mitterndorf, Kreuzholzhausen, Rumeltshausen und Hebertshausen (nicht aber Haimhausen).
Bis 1924 war die Pfarrei Jarzt Teil des Dekanats Dachau. Dann wurde es dem neu gebildeten Dekanat Weihenstephan, das den westlichen Teil des Landkreises Freising umfasst, zugeordnet. Seit 2012 gehört Jarzt -als Teil des Pfarrverbands Fahrenzhausen-Haimhausen, wieder zum Dekanat Dachau.

Dass Jarzt überhaupt Pfarrei geworden war, dürfte mit dem Adelsgeschlecht der Herren von Jorze zusammenhängen, das in Urkunden als freigebig bezeichnet wird und das vielleicht einen Teil zur Finanzierung beigetragen hat.

1461 wird die Kirche in Jarzt erstmals als Marienkirche beschrieben.


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
04)
Auch in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524, die erstmals alle Kirchenpatrone der Diözese Freising aufführt, ist von einer Kirche in Gartz zu Ehren der "Jungfrau Maria" die Rede. Der Anlaut "J" wurde im Mittelhochdeutschen häuft mit "G" wiedergegeben. Vier Filialkirchen und die Kapelle in Pelka gehörten zur Pfarrei ("Gartz.. habet quatour filiales ecclesias, videlicet s.Petri in Westerndorff, s.Martini in Varnzhausen, s.Joannes Baptistae in Hochperchach cum sepulturis, et s.Stephani in Lautterbach sine sepultura, ac unam capellam s.Georgii in Belcka").
Die Pfarrei war offziell dem Johannes Mentzinger übertragen. Der wohnte aber in einem anderen Ort und hatte die Seelsorge dem von ihm bezahlten Hilfspriester (Vikar) Sebastian Westermair überlassen; gegen eine hoffentlich angemessene Entlohnung. Diese Arbeitsteilung war schon mehrere Jahrhunderte alt und hatte früher wegen allzu niedriger Bezahlung der Vikare zur bitteren Armut des einfachen Klerus geführt. Erst ein Beschluss der bayerischen Provinzialsynode von 1418, die Vikare müssten ein anständiges Einkommen erhalten, hat die Ungleichheit im Einkommen etwas abgemildert. Mehrfachbesetzungen, d.h. die Übertragung mehrerer Pfarreien an einen Pfarrherrn (Pfründehäufungen), waren 1524 noch die Regel. Ein Vikar durfte aber seit 1418 nur noch eine Pfarrei seelsorgerisch betreuen; auch das war bis dahin wegen des Hungerlohns der Vikare möglich. Vikar Westermair in Jarzt wurde 1524 durch einen Cooperator unterstützt, den er auch mitverpflegte ("cui dat tabulam") und dem er 24 Gulden Jahresgehalt zahlte
11).
Die Pfarrei Jarzt hatte 315 Communikantes, d.h. Gläubige mit Erstkommunion
40) . Das erscheint wenig, aber auch Dachau hatte damals nur 450 Communicantes (Petershausen 270; Vierkirchen 800; Haimhausen 270; Kollbach 200 und Hohenkammer 450). Dass für so wenige Gläubige zwei Priester zur Verfügung standen, hat sicher damit zu tun, dass der Pfarrer den Bauernhof zu bearbeiten hatte. Das Pfarrhaus und die landwirtschaftlichen Gebäude waren vor nicht allzu langer Zeit durch Pfarrer Mentzinger restauriert worden. Die Einkünfte aus dem großen Zehent betrugen 90 Gulden, aus dem kleinen Zehent 2 Gulden, die Gesamteinkünfte des Pfarrer rd. 100 Gulden im Jahr.

Visitationsbericht von 1560 16)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Jarzt heißt es,die Pfarrei umfasse 380 Communicanten, alle gut katholisch; nur bei der Bezahlung des kleinen Zehents seien sie "saumselig". Die Einnahmen des Pfarrers liegen bei 200 Gulden.
Die Kirche habe 3 Altäre, ein wohl verschlossenes und beleuchtetes Sakramentshäuschen, einen Taufstein und "sonst alle khirchenzier". Sonst kain mangl, heißt es im Bericht. In der Pfarrkirche wurden wöchentlich (wohl einmal) und jeden 2.Sonntag Messen gelesen. Der Pfarrer/Vicar in Jartz hieß Georgius Hirschpeckh. Er war der Sohn des Oberrother Pfarrers Melchior Hirschpeckh. Der Jarzter Pfarrer hatte zwar eine Köchin, aber "kain kind". Er und sein Geselbriester (Kaplan) waren nicht nur gut katholisch geblieben, sondern wurden auch eines ehrbaren Lebenswandels gerühmt.
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 (in heutigem Deutsch) lesen möchten, klicken Sie hier...


Visitation 1584
Eine Generation später, im Jahr 1584, wurde schon wieder eine Visitation gehalten. Diesmal war der Herzog allein der Initiator. Er ließ insbesondere die Einhaltung des Zölibats kontrollieren. Leider war der Lebenswandel der Jarzter Kleriker nicht mehr so ehrbar wie 1560. Wenn Sie diesen Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...

Kirche im 30jährigen Krieg

alte Kirche um 1643

In einer Zeichnung des "Veltvermessers und Mathematicus Volkhmair" aus dem Jahr 1643, mitten im Dreißigjährigen Krieg (1618-48), der bei uns in Bayern von 1632 bis 1648 gewütet hat, ist die Pfarrkirche als einfaches Gotteshaus mit gotischem Sattelturm an der Ostseite der Kirche dargestellt. Dass es sich dabei um ein tatsächliches Abbild der Kirche handelt, ist eher unwahrscheinlich.
Der um 1643 bestehende Bau wird wohl nach 1315 errichtet worden sein. Sie sei kurz vor Ende des 30jährigen Krieges, 1648, zusammen mit dem Dorf zerstört worden, heißt es.
12)
1667 war die Kirche jedenfalls in einem sehr schlechte baulichen Zustand, dass man "für den einfahl" fürchtete, d.h. den Zusammensturz befürchtete. Dies weist ein Gutachten des Fahrenzhausener Maurermeisters Melchior Kainz aus. Die alte Kirche hatte nicht einmal Fundamente. Eine Reparatur lohnte sich offensichtlich nicht mehr; vielleicht wollte man auch ein größeres Kirchenschiff haben.
Möglicherweise hängt eine Kerzenstiftung im Jahr 1642 mit dem Krieg zusammen. Im Mirakelbuch des Wallfahrtsorts Unsere Liebe Frau in Taxa 18)
ist vermerkt, dass die Pfarrei Jarzt am 2.Mai 1642 aus nicht bekanntem Anlass eine 3 1/2 pfündige Kerze stiftete, die sie im folgenden Jahr auf 5 Pfund und 1644 auf 9 Pfund verstärken ließ.

Neubau 1700

Das führte zu dem Langhausneubau des Jahres 1700, der heute noch steht. Chor und Turm habe man belassen, schreibt Pfarrer Froschmayr im Herbst 1700 an den Bischof. Doch dies passt mit der Kirchenzeichnung von Volkhmair nicht zusammen. Da der Turm jetzt im Norden des Chores steht, müsste entweder der Chor oder der Turm zwischen 1643 und 1700 neu errichtet worden sein. Dies ist wenig wahrscheinlich; die Volkhmair-Zeichnung dürfte die Kirche von 1643 nicht korrekt abbilden.
Ungewöhnlich an dieser Kirche war der Chor, der im Verhältnis zum gediegenen Kirchenschiff unverhältnismäßig hoch und lang war (siehe Bild rechts). Die Verhältnismäßigkeit wurde erst 1929 durch die Verlängerung des Kirchenschiffs wieder hergestellt.

Es scheint damals -50 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg- noch große Not geherrscht zu haben. Denn als das Langhaus 1929 erweitert wurde, hat man festgestellt, dass die Mauern des Baues von 1700 "aus lauter zerbrochenen und zerbröckelten Steinen aufgebaut" waren, wie Georg Völkl in seiner Pfarrbeschreibung anmerkte. Die Zerstörungen des Orts und der Kirche in den letzten Kriegsjahren waren noch lange spürbar. Jedenfalls ist alten Verzeichnissen zu entnehmen,


Kirche von 1700-1929
dass noch 1666 in Jarzt und den umliegenden Ortschaften viele Höfe verödet lägen; bei vielen Anwesen heiße es "dass weder Haus noch Stadel stehet und seit erstem Feindfall sich ödt befindet". Unter diesen Umständen ist der Kirchenneubau um 1700 auch als finanzieller Kraftakt zu bewerten.

Außerdem fehlte in Jarzt ein freizügiger Stifter; die Kosten musste die Pfarrei selbst tragen. "Mit Hilfe der Kirchen(vermögen) von Appercha, Großeisenbach und Gesseltshausen, Eigenmitteln und Hand- und Spanndiensten wurde im Jahr 1700 die alte Kirche mit Ausnahme von Turm und Altarraum zu poden gelegt und wieder aufgebaut", schreibt Pfarrer Anton Mayer im Jahr 2008.

Am 4.September 1708 wurde die Kirche vom 57. Fürstbischof Johann Franz v.Eckher von Kapfing geweiht. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. 20) Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz Eckher nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.

Schon seit Oktober 1700 waren wieder Gottesdienste abgehalten worden; der Fußboden wurde aber erst 1720/21 gelegt.

Schmidt'sche Matrikel 1738/40 04)
Der Freisinger Kanonikus Schmidt hat in den Jahren 1738-40 eine nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel (= Verzeichnis) erstellt. Darin sind auch kurze Beschreibungen der Pfarrei und der Kirche von Jarzt enthalten. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) wechselte damals monatlich zwischen dem bayerischen Fürstenhof und dem Freisinger Bistum (=Monatspfarrei; 26))
Der Pfarrer hieß Thomas Schuechbaur; er war 1723 eingesetzt worden. Die Zahl der Gläubigen hatte sich in den vergangenen 200 Jahren trotz der Gräuel des 30jährigen Krieges mit 586 fast verdoppelt. Der Pfarrhof und die landwirtschaftlichen Gebäude waren neu und in gutem Zustand. Die Wohnung des Cooperators (Kaplans) lag früher beim Kornspeicher; jetzt (1740) wohnte auch er im Pfarrhaus. Die Pfarrei hatte damals fünf Filialen, nämlich "Farenzhausen, Lautterbach, Westerndorff, Apercha und Pelkha" sowie die neue Kapelle in "Unterpruckh" (= der Vorgängerbau der heutigen Annakirche).
Die Pfarrkirche beschreibt Schmidt als feinen Bau, der drei Altäre habe. Der Hochaltar war der heute noch bestehende Marienaltar (Mariä Himmelfahrt). Ihn ihm war ein Kreuzpartikel "bestattet" (d.h. eingemauert). Die Seitenaltäre waren der Schmerzhaften Muttergottes sowie den Heiligen Sebastian und Leonhard geweiht. Gottesdienste fanden hier in Jarzt an zwei Sonntagen, in Fahrenzhausen am dritten Sonntag statt. Das Kirchweihfest wurde am zweiten Sonntag nach Mariä Geburt (8.Sept.) gefeiert. Besonders erwähnt werden das Vorhandensein von Taufstein und Heiligen Ölen. In der Sakristei wurden Messgewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Massenhausen. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Pfarr-Gottshauses mechte sich gegen 600 fl. (=Gulden) diser Zeit belauffen". Das war für eine so große Kirche kein besonders hoher Betrag. Doch der Kirchenbau 40 Jahre vorher und die nachfolgende Ausstattung haben sicher viel Geld gekostet.

Im Jahr 1766 (andere Quelle: 1762)beschädigte ein Unwetter den Turm. Pfarrer Joh.Kaspar Paur schrieb, ein "Donnerstrahl sei in die Pfarrturmkuppel, welche schon alt und schadhaft gewesen sei, gefahren und habe die Helmstangen gänzlich zerschmettert. Bei der Reparatur der Kuppel wurde dann auch der "ziemlich verfaulte" Glockenstuhl mit repariert.

Pfarrhofbrand 1799
Am 17.August 1799 hat eine Feuersbrunst den Pfarrhof in Jarzt in Schutt und Asche gelegt. Fast alle Archivalien, Stiftungsbücher, Matrikel und sonstige Schriftstücke verbrannten. Dies verursachte einen großen Schaden für die Heimatforschung. Der Pfarrer hat aus dem Gedächtnis und wohl durch Befragung der Bürger die Vorkommnisse der letzten Jahre nachgetragen. Bezeichnend ist aber der erste aktuelle Eintrag ins Sterbebuch, nach dem der Schusterveit von Jarzt beim Anblick des brennenden Pfarrhofs vom Schlag getroffen starb.

 

Beschreibung 1820  34), 35)
Der bischöfliche Registrator Martin von Deutinger erstellte im Jahr 1820 eine "Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate". Sie enthält auch einen Kurzbeschreibung der einzelnen Pfarreien.
Grundlage dafür waren die 1817 von jedem Pfarrer nach einem vorgegebenen Muster eingereichten Pfarrbeschreibungen.
Die Tabellarische Beschreibung blieb bis zum Werk von Anton Mayer und Georg Westermayer 06) die ausführlichste Darstellung.
Sie wurde von der bischöflichen General-Vicariats-Kanzley ohne Namensnennung von Deutinger herausgegeben.

Die Pfarrei Jarzt wird darin (S.114) wie folgt beschrieben:
  "Jarzt, Säcul.Pf. ( Monats-)Pfarrei 26)   mit 1 Cooperator für Abercha, Westerndorf, Lauterbach u. Pelka. Pfarrkirche Gottesdienste: 2 Sonntage nacheinander, dann an den Festtagen des Herrn, Uns.Frau und der Apostel; Patron Mariä Himmelfahrt; Kw (=Kirchweihfest) 2.Sonntag nach Mariä Geburt (= nach 8.9.).
Lauterbach Gottesdienst Oster- und Pfingstmonat, Patron hl.Stephanus; Kw Sonntag nach Laurentius (10.8.)
Unterbruck Patron hl.Anna; Kw Sonntag nach Jakobi (25.8.)
Fahrenzhausen Gottesdienst durch den H.Pfarrer jeden 3.Sonntag; Patron hl.Vitus; Kw Sonntag nach Martini
Abercha Gottesdienst jeden 3.Sonntag (abwechselnd mit Westerndorf) und am Feste des hl.Joh.Bapt.; Patron hl.Silvester; Kw Sonntag nach Maria Himmelfahrt.
Westerndorf Gottesdienst 2 Sonntage nacheinander, an den Festen des Herrn, Uns.Frau (=Marienfeste) und am Feste des hl.Joh.Bapt.; Patron hl.Peter und Paul, Kw. Rosenkranzfest
Seelenzahl:
Pfarrei Jarzt:
600 Gläubige in
94
 Häusern
Ort Jarzt:
86 Gläubige in
10
 Häusern
Dorf Lauterbach:  
  65 Gläubige in
 12
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 3/4 Std
Weiler Pelka :   
  9 Gläubige in
 2
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1 1/2 Std
Weiler Unterbruck:
44 Gläubige in
3
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/4 Std
Dorf Fahrenzhausen
128 Gläubige in
21
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/4 Std
Dorf Appercha
128 Gläubige in
20
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/4 Std
Dorf Westerndorf
68 Gläubige in
8
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 3/4 Std
Dorf Oberndorf
72 Gläubige in
12
 Haus, Entfernung von der Pfarrk: 3/4, der Filialkirche: 1/4 Std


Pfarrerwechsel 1821 03)
Eine Kurzbeschreibung liefert die Ausschreibung der Pfarrei nach dem Tode von Pfarrer Joh. Michael Miller im Königlich-Bayerischen Intelligenzblatt für den Isarkreis vom März 1821. Die Ausschreibung im Amtsblatt ist auf das Besetzungsrecht des Königs zurückzuführen, das er seit 1803 besaß. Der Text lautet:
  (Die Erledigung der Pfarrey Jarzt betreffend.)
Im Namen Seiner Majestät des Königs.
Durch den Tod des letzten Besitzers, ist die Pfarrey Jarzt erlediget.
Dieselbe lieg in der Diöcese Freysing, im Decanate Dachau, und im Königl. Landgerichte Freysing, und zählt in einem Umkreise, von ungefähr zwey Stunden, eine Bevölkerung von 612 Seelen, welche von dem Pfarrer und einem Cooperator pastorirt werden, in welchem sich auch fünf Filialen und eine Schule befinden.
Das jährliche Einkommen ist auf 1739 fl. 50 kr.; Die Ausgaben hingegen, einschließig des Gehaltes und der Verpflegung des Cooperators, auf 534 fl. 57 kr. angegeben.
München den 2. März 1821 - Königlich-Baierische Regierung des Isarkreises - Kammer des Innern - v.Widder, Präsident


Bittgang nach Westerndorf
Am 25. Juni zog ein Hagelunwetter über das Gebiet des östlichen Landkreises, zerstörte alle Feldfrüchte und brachte die damals noch vorherrschend bäuerlichen Familien in große Not. Die Gläubigen gelobten einen alljährlichen Bittgang zu den Wetterheiligen Johannes und Paulus nach Westerndorf, um gegen ein weiteres Unwetter geschützt zu sein. In der Kirche von Westerndorf sind die beiden Heiligen auf einem Gemälde im Altaraufsatz des linken Seitenaltars dargestellt. ..mehr zu den Wetterpatronen Johannes und Paulus .....


Neue Grenzen 1868
Im Jahr 1868 wurde die Ortschaft Pelka mit dem kleinen Georgskircherl von der Pfarrei Jarzt in die Pfarrei Hohenkammer umgepfarrt. Dafür kam die Bärnau, in der die "Gräflich von Butlerische Ziegelei" angesiedelt war, von Giebing zur Pfarrei Jarzt. Dies war die letzte Änderung der Pfarreigrenzen. Historiker Georg Völkl schreibt dazu:
              "Ursprünglich kam Bärnau nach Giebing, da einst der Zieglermeister sich in schlechten Verhältnissen befand,
               so daß weder der Pfarrer von Jarzt noch der von Giebing von ihm etwas wissen wollten".

Statistik                           

Pfarrei   33)
Früher Wechselpfarrei zwischen Kloster Weihen-stephan und Seiner königl. Majestät v.Bayern
1524: Pfarrei mit
315 Communikantes
1560: Pfarrei mit 380 Communikantes
1584: Pfarrei mit 400 Communikantes
1738: Pfarrei mit 586
Gläubigen 04)
1821: Pfarrei mit 612 Gläubigen
1823: Pfarrei mit 645 Gläubigen
1824
: Pfarrei mit 654 Gläubigen
1825
: Pfarrei mit 649 Gläubigen
1826:
Pfarrei mit 658 Gläubigen

1828
: Pfarrei mit 650 Gläubigen
1830: Pfarrei mit 635 Gläubigen
1832: Pfarrei mit 651 Gläubigen
1834:
Pfarrei mit 657 Gläubigen
1835: Pfarrei mit 663 Gläubigen
1836: Pfarrei mit 652 Gläubigen
1838: Pfarrei mit 665 Gläubigen
1840: Pfarrei mit 684 Gläubigen
1842: Pfarrei mit 702 Gläubigen
1845: Pfarrei mit 711 Gläubigen
1848: Pfarrei mit 688 Gläubigen
1850: Pfarrei mit 744 Gläubigen
1852: Pfarrei mit 699 Gläubigen
1855: Pfarrei mit 688 Gläubigen
1860: Pfarrei mit 695 Gläubigen
1865: Pfarrei mit 676 Gläubigen
1868: Pfarrei mit 715 Gläubigen
32)
1870
: Pfarrei mit 737 Gläubigen
1872:
Pfarrei mit 776 Gläubigen
1874:
Pfarrei mit 772 Gläubigen
06)
1875
: Pfarrei mit 766 Gläubigen
1970: Pfarrei mit 1426 Gläubigen
1991: Pfarrei mit 1206 Gläubigen
2010: Pfarrei mit 1323 Gläubigen

 

Ortschaft

1820:
68 Einwohner in 10 Häusern
1867:
Ortschaft Jarzt, Pfarrdorf, Dekanat Dachau,
         128 Einw., 56 Gebäude, 1 Kirche, Schloß" 05)
1876: Ortschaft Jarzt 133 Einw. 07)


Gemeinde


1852: Gemeinde mit 274 Einw., 59 Familien 39)
1867:
"Jarzt, Gemeinde 293 Einw., 112 Gebäude (G) in 3 Orten:
         Appercha, Dorf, Pfarrei Jarzt, 153 E., 51 Gebäude, Kirche,
         Höchenberg (Hechenberg), Einöde, Pfarrei Hohenbercha,
         12 Einw/5 Gebäude,
         Jarzt, Pfarrdorf, Dekanat Dachau, 128 Einw/56 Gebäude,
         1 Kirche, Schloß"  
05)     
1876: Gemeinde mit 279 Einw.; davon 259 Katholiken,
         20 Protestanten, 109 Gebäude, 119 Pferde,
         432 Rindviecher, 197 Schafe, 124 Schweine.
         Ortschaft Jarzt 133 Einw; Apercha 134 Einw.,
         Lauterbach 70 Einw., Kleineisenbach 25 Einw., 
         Kleinnöbach 29 Einw., Unterbruck 67 Einw.,
         Weng 81 Einw., Höchenberg 12 Einw. 07)
      
1925: Gemeinde mit 312 Einwohnern
1933: Gemeinde mit 275 Einwohnern
30)    
1939: Gemeinde mit 269 Einwohnern
30)



Beschreibung 1874
Kirche und Pfarrei Jarzt sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten. Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.
Über die Pfarrei Jarzt schreibt er, sie habe 772 Seelen in 110 Häusern. Davon lebten aber nur 126 Gläubige (in 18 Häusern) in Jarzt selbst, 9 (1) in Bärnau, 79 (12) in Lauterbach, 89 (11) in Unterbruck, 137 (20) in Appercha, 160 (28) in Fahrenzhausen, 83 (8) in Westerndorf und 89 (12) in Oberndorf. Kurz vorher (1868) hatte die Pfarrei den Weiler Pelka verloren. Von Lauterbach gehörten 2 Häuser zur Pfarrei Hohenkammer und 1 Haus nach Giebing. In Appercha (damalige Schreibweise: Apercha) lebten damals 11 Protestanten, so wird eigens vermerkt. Der Umfang der Pfarrei betrage 1 1/2 Stunden.
  " Der Pfarrer wohnt mit dem Cooperator für Westerndorf, Apercha und Lauterbach in einem 1805 erbauten Pfarrhaus, auf einem Hügel 100 Schritte von der Kirche entfernt. Für die Entlohnung galt die sog. "Spaltzettel"-Regelung ( freie Wohnung und Verpflegung, ein bestimmtes Wochengeld (Salär) und ein gewisser Anteil an den Stolgebühren). Auch die Ökonomiegebäude wurden nach dem Brand von 1799 um das Jahr 1805, die Stallungen jedoch erst 1854 neu gebaut. Das Widdum, der Pfarr-Bauernhof umfasst einen Grundbesitz von 91 Tagwerk (30 ha) der Bonität 10.
Über die Kirche schreibt Mayer: "Baustil des 17.Jahrhunderts. Einschiffig. Geräumigkeit genügend. 4seitiger Kuppel-Thurm mit einer sogenannten Laterne. 3 Glocken vom Jahr 1867 (Bachmair in Erding). 3 Altäre. Orgel mit 8 Registern. Gottesdienste an allen Sonn- und Festtagen. Der Cooperator leistet Aushilfe nach Giebing (2mal) und Haimhausen (3mal). Kreuzgänge: Felderumgang, wobei in Apercha das Hochamt celebrirt wird. Am 26.Juni nach Westerndorf wegen früher erlittenen Hagelschlags, am Fronleichnamssonntag nachmittags nach Fahrenzhausen mit Vesper. Meßner: Ein Gütler, Cantor: der Lehrer. Nach der Kirchenrechnung ergibt sich ein Reinertrag von 1809 Gulden (Einnahmen 2225 - Ausgaben 416). Kirchenvermögen 1870: rd. 9000 Gulden."


Umbau 1890

Um 1890 gab es größere Umbaumaßnahmen. 1887 wurde die Kirche von den Gebr.Kraft aus Freising ausgemalt. Dazu kamen 12 Apostelleuchter. Auch eine neue Turmuhr wurde für 750 Mark angeschafft, die von Uhrmacher H.Hemberger aus Erling bei Andechs angefertigt worden war. 1894 renovierte der Maler und Vergolder H.Franz Welker aus München die drei Altäre der Pfarrkirche sowie die Bilder der Heiligen, die Leuchter und Tafeln.

Umbau 1929
Im Jahr 1928/29 wurden das Kirchenschiff um 9 1/2  Meter auf insgesamt über 34 1/2 Meter verlängert und die Doppelempore auf eine einfache Empore zurückgebaut. Bis dahin lag der Eingang auf der Westseite, mit einem kleinen Portikus vor Unwettern geschützt, wie auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist. Durch den Umbau rückte er auf die Südseite, behielt aber seinen Abstand zum Chor bei. Der Anbau ist somit der Teil der Kirche, der heute links vom Eingang liegt.


Kirche 1904
(vor der Verlängerung 1929)

Renovierungen sind aus den Jahren 1890/94, 1902, 1929 und 1975 bekannt.


Eine Liste der Pfarrer von Jarzt seit 1354 finden Sie hier...


Aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Glockenweihen, Primizen, oder Priesterjubiläen beschrieben, wie hier auf der Seite für Jarzt. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...

 

Baubeschreibung

Die Kirche Maria Himmelfahrt in Jarzt hat wie die meisten Kirchen in unserer Gegend einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für die christliche Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. 27) Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet, als eine runde, kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte, zumal es bis ins 16.Jh. keine Kirchenbänke gab.

Die Kirche besitzt im Chor drei Achsen und im Langhaus sieben Achsen mit zwölf barocken Ovalfenstern.
Das Dach ist im Westen abgewalmt. Die Eingänge liegen auf der Nord- und der Südseite vor der Verlängerung.
Die Sakristei ist an der Südseite des Altarraums angebaut.


Turm
Der quadratische Turm steht auf der Nordseite; mit seinen vierfach abgestuften Stützpfeilern sieht er recht urtümlich aus. Die Turmfassade ist durch Blendbögen in vier Geschosse gegliedert. Unter dem Turmhelm mit aufgesetzter Laterne sind acht rundbogige Schallfenster. Das Kirchturmdach aus Schiefer mit dem aufgesetzten Kreuz stammt aus dem Jahr 1892.


Turm mit Stützpfeilern
Die drei Glocken sind jüngeren Datums:
Die ersten beiden aus dem Jahr 1948 stammen aus der Glockengießerei Chudnochowsky aus Erding.
- Eine ist der Muttergottesgottes geweiht. Unter dem Madonnenrelief steht der Text: "Königin des Friedens, bitte für uns".
- Die andere Glocke wird von ein Relief des hl.Andreas geschmückt.
- Die dritte Glocke stammt aus der Gießerei Bachmair, dem Vorgänger von Chudnochowsky, und wurde 1867 (mit zwei weiteren Glocken, die später für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden) gegossen.

An der südlichen Außenwand hängt zwischen dem Eingang und der Sakristei ein großes Holzkruzifix aus dem 18.Jh unter einem halbrunden Metalldach. Der Korpus ist trotz des Daches von der Witterung schon sehr stark mitgenommen.

Außenkruzifix
Hinweis: Ein Kruzifix (crux= Kreuz, fixum= angeheftet) ist die Darstellung des am Kreuz hängenden Christus.
In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus (Körper) des Gekreuzigten angebracht, weil die Kreuzigung als eine schändliche und würdelose Art der Hinrichtung galt (wie vor kurzem bei uns der Galgen). Auch in der jüdischen Tradition war nach dem Alten Testament (Buch Dtn 21,22) jeder Gekreuzigte (ans Holz Gehängte) ein "von Gott Verfluchter". Ab dem 4.Jh wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden oder toten Gekreuzigten, und damit die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

An der Außenseite der Kirche sind mehrere Epitaphe (Grabplatten) in die Wand eingelassen.

Epitaph 1867

Ein Epitaph in der Größe 54 x 54 cm erinnert an den früheren Pfarrer Michael Heinrich Fumy (1797-1867), der 1822 zum Priester geweiht wurde und an seiner letzten Wirkungsstätte in Jarzt nach 19jähriger Tätigkeit als Pfarrer am 9.Febr.1867 starb. Bevor er nach Jarzt kam, war er Pfarrer oder Kooperator in Giebing. Der Text auf der Steinplatte lautet: "Rev.Dom. Michael Heinrich Fumy, parochus de Jarzt, natus 28.Aug.1797, prespyter 23.Juli 1822, exit hanc parochiam per 18 annos obiit in Domino 9.Febr.1867.
An den Pfarrer Fumy erinnert noch ein Grabkreuz an der Kirchenmauer. Auf der hochovalen Schrifttafel unter dem Kruzifix ist zu lesen: "Hier ruht der Hochw. Herr Pfarrer Michael Fumy. Gestorben den 9.Februar 1867 nach 19jähr.Wirken allhier".


Grabkreuz 1867


Epitaph 1820

Epitaph aus Kalkstein (65 x 59 cm) für Pfarrer Joh. Mich. Miller gest. 1820
Text auf dem Stein:
"Denkmal ..... Liebe dem Titl. Hochw. Wohlgeborhrnen Herrn Johann Michael Miller
eifrigster Pfarrer und Seelsorger allhier: ...
Im Königlich-Bayerischen Regierungsblatt von 1814 (S.823) wird Pfarrer Müller aus Jarzt lobend erwähnt, weil er für die Wiederbewaffnung Bayerns 6 Gulden gestiftet hat. 01)


Epitaph 1856

Epitaph aus Kalksandstein für den Landwirt Anton Kistler
Text auf dem Stein:
" Zum Andenken dem ehrengeachteten Anton Kistler, Hagenbauer in Jarzt,
gestorben den 25.Dezember 1856 im 12.Jahre seines Alters, dem fromen Gebete empfelen dem Verstorbenen die 9 hinterlassenen Kinder".

Epitaph 1848
Epitaph aus Kalksandstein (72 x 59 cm) für Pfarrer Rup. Weber C.S.B. , der 27 Jahre Pfarrer in Jarzt war
-"nat. 18.Aug. 1778
- preb. 30 Maji 1801 - paroch. loci per 27 annos - cap.....
-denat: 21.Julji 1848".

Innenausstattung

Innenmaße:
Länge: Langhaus/Kirchenschiff: 22.75 m; Chor/Altarraum: 10, 45 m (gesamt innen 33,20 m, außen 34,50 m)
Breite: Langhaus/Kirchenschiff:   8,95 m; Chor/Altarraum: 5,35 m
Höhe:  Langhaus/Kirchenschiff:   8,24 m; Chor/Altarraum: 7,82 m

Altarraum

Der gegenüber dem Kirchenschiff um zwei Stufen erhöhte Altarraum ist sehr stark eingezogen. Er schließt halbrund und wird von einem Tonnen-gewölbe überdeckt. Das Gewölbe stützt sich auf Pilaster mit korinthischen Kapitellen. Darüber verläuft ein umlaufendes, verkröpftes Gesims. Schon diese architektonischen Elemente bilden einen prächtigen Wandschmuck.

Altarraum 2013

Der Altarraum ist mit 7,82 m fast ebenso hoch wie das Kirchenschiff (8,24 m), wenn man die beiden Stufen (30 cm) berücksichtigt. Er ist aber in der Breite (5,34 m) gegenüber dem Kirchenschiff (7,82) stark eingezogen.

Deckengemälde im Altarraum

Das Deckengemälde im Altarraum wurde erst 1947 von Heinrich Bickel (1897-1965), einem Freskenmaler aus Grainau, geschaffen (Signatur: invenit ex pinxit Bückel 47). Im oval geschweiften Rahmen zeigt es -noch ganz in der Formensprache des Barock- den Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth (Mariä Heimsuchung). Im Garten vor dem Haus (im barocken Stil) empfängt Elisabeth mit offenen Armen Maria. Im Hintergrund wartet Josef, der Begleiter Marias, einen Wanderhut auf dem Kopf und auf seinen Stock gestützt, die Begrüßungszeremonie ab. Am Horizont sind die Häuser der "Stadt im Gebirge von Juda" zu sehen, von der der Evangelist spricht (Lk.. 1,39). Das Gemälde wurde nicht in der Freskotechnik, sondern als "al Secco-Malerei" (auf trockenem Putz) ausgeführt. Er verwendete sog. keimische Mineralfarben, die mit Quark und Käse angerührt werden.

Mariä Heimsuchung
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung wurde Elisabeth offenbar, dass Maria die Mutter des Gottessohnes werden würde, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..).


Hochaltar / Choraltar

Der dekorative barocke Hochaltar nimmt fast die gesamte Breite des Chors ein.

 

Choraltar >>>>


Es handelt sich dabei um ein Säulenretabel (Altaraufbau hinter dem Altartisch) aus marmoriertem Holz mit wuchtigem Aufsatz. Im Altartisch ruhen Reliquien der Heiligen Alexander, Felix und Korbinian.
Die Säulen stützen ein wuchtiges Gebälk (mit Wappenkartusche), auf dem ein großer Aufsatz thront.

Im Hochaltaraufsatz befindet sich zwischen Vasen und nach vorne gerichteten Voluten ein Bild des Empfangs Marias im Himmel durch die Hl.Dreifaltigkeit. Das Bild vermittelt nicht die Innigkeit, die sonst oft ähnlichen Darstellungen zu Eigen ist.
Der (unbekannte) Künstler lässt auch die Zielgerichtetheit auf das Thema vermissen. Er stellt Jesus zwar mit ausgebreiteten Armen dar, der vor seiner auf Wolken knienden Mutter steht; es fehlt aber die zu erwartende Wiedersehensfreude.

Aufnahme in den Himmel
Gottvater wird, dem Stil der Zeit entsprechend, als alter Mann gezeigt. Dass er aber von Maria keine Notiz nimmt und nur interessiert auf die vor ihm liegende Erdkugel schaut, ist etwas befremdlich. Im Hintergrund schauen einige Engel auch mit besorgter Miene auf die Szene.
Altarblatt
Zwischen den beiden glatten Säulen und den vier Pilastern ist das Altargemälde von Antonio Zanchi aus dem Jahr 1723 (sign.) angebracht. Es zeigt den Abschied Jesu von seiner Mutter vor dem Gang nach Jerusalem, wo ihn die Kreuzigung erwartete. Maria und Jesus stehen sich im Bildvordergrund gegenüber. Jesus schmiegt seinen Kopf an die Brust Mariens; sein linker Arm umfasst ihre Schulter. Maria hat beide Arme um Jesus gelegt.

Abschied Marias v. Jesus
Im Hintergrund warten links einige Frauen (wahr-scheinlich Maria und Martha, die Schwestern des Lazarus), während rechts die Apostel hinter einer Säule am Boden sitzen. Im oberen Bildteil schweben acht Engel und Putten auf Wolken und beobachten die Szene. Der Abschied Jesu von seiner Mutter ist in der Bibel nicht enthalten.
Das Thema wird lediglich in den Apokryphen
erwähnt und dort zeitlich nach der Erweckung des Lazarus und vor dem Einzug in Jerusalem auf der Eselin angesie-delt. In religiösen Schriften der Gotik wurde mit zunehmender Marienverehrung darauf Bezug
genommen und das Motiv in der Bildenden Kunst seit dem 15.Jh dargestellt. Auch Albrecht Dürer hat ein entsprechendes Bild gemalt.
Der Maler Antonio Zanchi lebte von 1631 bis 1722 in Venedig und erlangte dort einige Berühmtheit. Gemälde von ihm sind nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern auch in vielen anderen Städten Europas zu finden. So stammen z.B. Bilder in der Münchner Residenz und in der Theatinerkirche von ihm. Wie das Bild Abschied Jesu in die Pfarrkirche von Jarzt kam, ist nicht bekannt.
Im Jahr 1919 wurde das Bild vom Münchner Maler Anton Baur restauriert. Über diese Arbeit hat der Künstler einen Bericht in der Monatszeitschrift "Die Christliche Kunst" (Ausgabe Juni 1924)
10) geschrieben. Darin schildert er nicht nur den Zustand des Gemäldes vor der Restaurierung, sondern zeigt auch die damals zur Verfügung stehenden Techniken der Restauratoren auf. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...
Wahrscheinlich wurde das Bild von den Edlen F.X. Ignaz und Helena von Wilhelm gestiftet, deren Wappen in einer prächtigen Rocaillekartusche mit der Jahreszahl 1723 (Aufstellungsjahr des Altars) zu finden sind.


Wappen der Stifter

Vielleicht stifteten die Wilhelms, die im Schloss Suresnes in München wohnten und in Jarzt einen Ganzhof (Harrerhof) als Landsitz hatten, auch den ganzen Altar.


St.Josef
Assistenzfiguren am Hochaltar sind die Heiligen Josef und Nepomuk. Die um 1730 geschnitzten Figuren stehen auf Postamenten unter vergoldeten Muschelkalotten. Josef präsentiert das Jesuskind dem Betrachter. Nepomuk, mit Birett, Rochett und Mozetta bekleidet, hat die Augen auf ein Kruzifix in seiner Hand gerichtet. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch, ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen Wort für "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Birett ist eine quadratisch geformte Mütze mit vier Stegen (Kardinäle nur drei Stege), das außerhalb des Gottesdienstes den Kopf der Priester bedeckt.

Johannes Nepomuk

 

 

 

Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs David, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. In der Kunst der früheren Jahrhunderte wurde Josef bewusst als alter Mann dargestellt, um dem biblischen Bericht von der Ziehvaterschaft mehr Glaubwürdigkeit zu geben. Dr.Johannes Eck, der katholische Gegenspieler von Luther, erregte sich im 16.Jh.darüber, dass man Josef "beim Breikochen" abgebildet hat, um ihn als harmlosen Greis darzustellen. 41)
Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai
Am Sockel der Säulen, zu Füßen der Assistenzfiguren, sitzen auf der Predella zwei verspielte Engel und lassen ihre Füße baumeln. Andächtiger sind naturgemäß die beiden Anbetungsengel (aus dem Jahr 1730) um den Tabernakel herum gestaltet. Sie weisen mit ihren Händen zum Tabernakel und auf die darin aufbewahrten Hostien hin. Diese beiden Engel gehörten zur Kirche in Lauterbach, wo sie ihren Platz auf den Blendwänden neben dem Choraltar hatten. Sie wurden erst von Pfarrer Bauer nach Jarzt verbracht. 24)
Die Engelsfiguren stellen nicht nur eine Verzierung dar; sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei Engeln (Cherubim) eingerahmt; sie mussten aus Gold bestehen (Ex, 37,7-9).

Engel
Der Tabernakel aus marmoriertem Holz und einigen Vergoldungen stammt aus der neugotischen Zeit am Ende des 19.Jh. Er besitzt ein abgeflachtes Kuppeldach mit einer Standfläche für ein schön verziertes Kruzifix.

Tabernakel
Die Tabernakeltüre ist von Pilastern und Voluten eingerahmt und mit neugotischen Ornamentranken auf blauem Grund verziert.
  Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
In der Osterzeit steht auf dem Tabernakel die Figur des auferstandenen Christus, des Salvators Mundi. Er steht sehr entspannt vor dem Hintergrund seines offenen roten Mantels, nur mit einem Lendentuch bekleidet und hebt seine Rechte segnend. In der linken Hand hält er die Siegesfahne. Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik. 27)
  Der Figurentypus des Salvator Mundi/Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärmde-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

Auferstandener

 

Figuren an den Seitenwänden im Chorraum

An den Seitenwänden des schmalen Altarraums stehen vier weitere Heiligenfiguren auf Postamenten, von denen drei wohl aus derselben Werkstatt stammen dürften. Sie sind mit Lüsterfarbe (Farbharz aus Agavengewächsen) gefasst.


St.Michael

Links: der Erzengel Michael (1730) mit weit ausgebreiteten Flügeln, in ein Soldatengewand gekleidet und mit einem Helm mit Federbusch auf dem Kopf. Mit seinen Händen stößt er eine Lanze in das Maul eines geflügelten Drachens mit schlangenförmigem Schwanz.
Gegenüber von Michael steht eine Figur des Erzengels Raphael (1730). Er ist in ein Pilgergewand gekleidet und hält unter seinem linken Arm einen großen Fisch.


St.Raphael
Die Darstellung des Erzengels Michael erinnert an die Offenbarung des Johannes, in der es heißt:
"Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Auch der Drache und seine Engel kämpften; aber sie siegten nicht, und es wurde für sie kein Platz mehr gefunden im Himmel." (Off.12,7). Die Schnitzfigur in Jarzt hat Pfarrer Michael Fumy (1848-1867) aus Giebing mitgebracht, als er von dort nach Jarzt versetzt worden ist.
 

Hinweise: Der Erzengel Michael war nach der Überlieferung häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden. Er stürzte schon vor Beginn der Schöpfung den Luzifer, trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1. Mose 3, 23-24), zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle, um sie und ihren Sohn vor dem Verdursten zu retten (1. Mose 16, 7-12). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18, 1-16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1. Mose 22, 11-18), rang mit Jakob (1. Mose 32, 24-29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14, 19-22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3, 25-26) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte.

Die Figur des Erzengels Raphael (Name bedeutet im Hebräischen: Heiler mit Gottes Hilfe ) ist eng mit der Geschichte des Tobias verbunden, dem er Schutz und Medizin bei einer Reise gab. Er half ihm auch, den Fisch zu finden mit dessen Galle der Vater des Tobias von den weißen Flecken auf seinen Augen geheilt wurde. Raphael wurde im Mittelalter zum Inbegriff des Schutzengels, oftmals mit den sechs Flügeln der Seraphen. In der Kunst wird er häufig mit Reiseutensilien und einem Fisch dargestellt.


- St. Agatha (1730) hält in ihrer linken Hand ein Tablett, auf dem ihre beiden abgeschnittenen Brüste liegen.
  Hinweis: Agatha ist eine legendäre Person. Sie soll im 3.Jh einen Heiratsantrag des Statthalters Quintianus zurückgewiesen haben, weil sie Christin war und bleiben wollte. Der Abgewiesene ließ sie verhaften und martern: Er ließ ihr die Brüste mit Fackeln brennen, mit Zangen Stücke abreißen und schließlich abschneiden; danach wurde Agatha auf spitze Scherben und glühende Kohlen gelegt. Als am ersten Jahrestag ihres Todes ihre Geburtsstadt Catania auf Sizilien bei einem Ausbruch des Ätna von Lava bedroht wurde, zogen die Christen mit dem Schleier der Heiligen dem Lavastrom entgegen, der daraufhin zum Stillstand kam. Das machte die Heilige zur Patronin gegen Feuersbrünste. Sie gilt auch als Helferin bei Brusterkrankungen, Viehseuchen und Erdbeben. Der Schleier der heiligen Agatha wird, wie einige andere Reliquien, im Dom von Catania aufbewahrt.
Früher gab es "Agathenkerzen", die vor Feuer schützen sollten. In der Kunst wird St.Agatha (jedoch erst seit dem 14.Jh) meist mit einem Teller, auf dem abgeschnittene Brüste liegen, dargestellt. Festtag: 5.Februar

St. Agatha


-die Figur des St.Florian aus der Zeit um 1700, in römischer Soldatenrüstung, auf dem Haupt einen Helm mit Federbuschen. Mit der rechten Hand schüttet er aus einem Holzschaff Wasser auf ein lichterloh brennendes Haus zu seinen Füßen. In der linken Hand hält er eine Standarte.

St.Florian
Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 als Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet. Der Federbusch auf dem Helm, auch Plumage (=Gefieder) genannt, diente nicht nur der Zier, sondern sollte den Träger auch größer und damit furchterregender erscheinen lassen.
Die Nische an der Chornordwand birgt eine Täufergruppe (um 1730). Auf einem Holzaufsatz stehen die Figuren von Jesus und Johannes dem Täufer. Johannes hebt seine rechte Hand im Segensgestus mit drei ausgestreckten Fingern über den vor ihm knienden Jesus. In der Linken hält er eine große muschelförmige Taufschale.

Täufergruppe
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt, so wie hier in Jarzt; das geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.
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Um das Jahr 2000 ist die Figur des hl.Sebastian von einer längeren Restauration zurückgekehrt. Der Heilige ist, von Pfeilen durchbohrt, an einen Marterbaum gefesselt. Die Skulptur passt wegen ihrer geringeren Größe nicht zu den übrigen Figuren im Altarraum. Sie gehört eigentlich zur Fahrenzhauser Kirche und stand früher dort in der Nische unter dem Vorhaus. Grund für die Aufstellung in Jarzt war der bessere Schutz vor Witterungseinflüssen.
Hinweis. Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruder-schaften verehrt.

St.Sebastian


Vortragekreuze

An der nördlichen Chorwand, neben der Tür zum Turm, hängt noch ein großes Vortragekreuz aus dem 20.Jh. Es ist im Stil des 18.Jh gearbeitet. Bemerkenswert ist die Haltung der Finger des Gekreuzigten.
Auf der anderen Seite des Altars steht ein weiteres Vortragekreuz in (neu?)barockem Stil in einem Ständer.

Vortragekreuz
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen voran getragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.




Vortragekreuz



Zelebrationsaltar

Unter dem Chorbogen steht der Zelebrationsaltar (Volksaltar) aus marmoriertem Holz. In gleicher Farbe und gleichem Stil ist auch der Ambo gefertigt. Eucharistiefeier.

Zelebrationsaltar
Der Altar wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 28)


Kirchenschiff / Langhaus

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.

Die Langhausdecke besteht aus einem gedrückten Tonnengewölbe mit gewölbten Enden (sog.Muldengewölbe). Die Gewölbekonstruktion besteht aus Holz. Die Wände des Kirchenschiffs sind durch flache Wandvorlagen nicht ganz so prächtig wie im Altarraum gegliedert.

Deckengemälde


Signatur d.Malers
Auch die Deckengemälde im Langhaus wurden erst 1947 von Heinrich Bickel, geschaffen. Die al-Secco-Malereien bestehen aus dem Hauptgemälde im Deckenspiegel, einem kleineren Bild über der Empore und weiteren Gemälden (teils monochrom = einfarbig), die die Filialkirchen und deren Patrone darstellen. In einer Schriftkartusche vorne links steht der Text: "In drangvoller Zeit 1947. Königin des Friedens, bitt für uns."

Früher war die Jarzter Kirche mit Fresken vom Freisinger Maler Kromer (andere Quelle: Gebrüder Kraft - 1887) ausgemalt. Diese Fresken wurden beim Umbau von 1929 zerstört, weil sie, so Georg Völkl, "keinen Anspruch auf höhere Kunst erhoben" haben. Sie seien lediglich geeignet gewesen, "die Kirche farbig zu beleben und inhaltlich zu erbauen". Ihre Vernichtung sei kein Schaden gewesen. "Bei der Neueinwölbung konnten sie daher ohne Schaden vernichtet werden".

Das Hauptgemälde im Stuckrahmen zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel (Assumptio). Die Muttergottes, in das traditionelle rot-blaue Gewand gekleidet, schwebt auf Wolken zum Himmel hinauf, begleitet von mehreren Putten, die Rosen nach unten streuen. Die Rose als Königin der Blumen ist Sinnbild für die Himmelskönigin Maria. Auf der Erde umringen 11 Apostel und eine Frau überrascht den leeren Steinsarkophag, über dessen Rand das Leichentuch hängt.

Deckengemälde
Mariä Himmelfahrt

Nach der Legende soll der Apostel Thomas als einziger der Apostel bei der Himmelfahrt Marias nicht zugegen gewesen sein. Im oberen Bildteil lagern, umringt von einigen großen Engeln, Gottvater und Christus auf Wolken; vor ihnen schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Hinter Christus ragt das Kreuz auf; das Haupt von Gottvater ist mit dem nur ihm vorbehaltenen dreieckigen Heiligenschein (Nimbus) umgeben. Die Heilig-Geist-Taube sendet Gnadenstrahlen zu Maria.

Am Deckenrand über den Gesimsen sind um das gesamte Kirchenschiff herum die vier Filialkirchen und deren Patrone zu sehen. Die Kirchen sind in roter monochromer Malerei  ausgestaltet und entsprechen dem Zustand aus dem Jahr 1947. Jeweils links von der Kirche (also gegen den Uhrzeigersinn) ist hinter und neben Steinbrüstungen mit Vasenschmuck der jeweilige Patron der Kirche mit einer Szene aus seinem Leben dargestellt.


St.Stephanus
Im Ostteil der Langhausdecke, über dem Chorbogen, ist die Kirche von Lauterbach inmitten einer romantischen Umgebung zu sehen. Links davon, an der Nordseite, wird St.Stephanus, der Patron der Kirche,  von Schergen mit riesengroßen Brocken gesteinigt. Stephanus kniet am Boden und breitet die Hände zum Gebet aus.

St.Stephanus
Lauterbach
  Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in der Apostelgeschichte 7, 2-53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.


SS. Petrus u. Paulus
An der Nordseite (links) ist das Bild der Kirche von Westerndorf angebracht. Sie ist von Häusern des Dorfes umgeben. In einer Kartusche über dem Bild sind die Worte "Ave Maria" zu lesen. Vor dem Bild der Kirche sitzen zwei Frauen (vom Kirchenchor ?) und halten große Notenblätter in der Hand, auf denen der Beginn des Glorias ("Gloria in excelsis deo") angedeutet ist.

SS. Peter u.Paul
Westerndorf

 

 

 

 

Die Patrone der Kirche sind Petrus und Paulus. Sie sind in wallenden Gewändern mit buschigen
Bärten dargestellt. Paulus stützt sich auf sein Schwert und hält, seinem ausgestreckten Arm nach zu schließen, eine Predigt. Petrus streckt dem Betrachter sein Attribut, die Himmelsschlüssel entgegen und holt sich noch Rat aus der Bibel.
Hinweis: Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Saulus verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Die Legende erzählt, Paulus sei unter Kaiser Nero zum Tode verurteilt worden. Weil er das römische Bürgerrecht besaß habe man ihn nicht gekreuzigt, sondern enthauptet. Wahrscheinlich ist er aber eines natürlichen Todes gestorben. Paulus wurde im Jahr 258 durch die Urkirche die Apostelwürde ehrenhalber verliehen. 2006 hat man in der Kirche St.Paul vor den Mauern sein Grab gefunden.
Petrus: Der Fischer Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach der Himmelfahrt Jesu hatte Petrus zusammen mit Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt. Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, wirkte dort als Leiter der Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod indem er auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero umgekehrt ans Kreuz geschlagen wurde. Die Petrusbriefe im Neuen Testament dürften nicht von Petrus stammen. Petrus schließt in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor auf. Diese himmlische Rolle macht ihn zum "Wetterheiligen". Der Himmelsschlüssel in seiner Hand, erinnert an die Aussage Jesu "Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben".


Im Westen der Langhausdecke, dem Bild der Lauterbacher Kirche gegenüber, ist das Bild der Kirche von Appercha angebracht. Über dem Kirchengebäude hat der Maler -in ein Gewölk gehüllt- den hl.Johannes Baptist mit Fahne und Lamm gemalt. Es es der alte Patron der Kirche in der ersten Hälfte ihres Bestehens. Seit mind.1679 ist der Papst Silvester Patron der Kirche. Er ist hier in Jarzt in einem Gemälde dargestellt. Silvester ist päpstliche Gewänder gekleidet mit der Tiara (Papstkrone) auf dem Haupt. Er segnet einen vor ihm knienden Bittsteller, während ein Diener hinter ihm das Papstkreuz hält. Die drei Querbalken dieses Kreuzes symbolisieren vermutlich die drei Reiche, über die der Papst Schlüsselgewalt hat: die Kirche, die Welt und den Himmel.


St.Silvester

 

Hinweis: Silvester war der erste Papst, der nach der Verfolgung zum Papst gewählt wurde. Seine Verehrung als Heiliger beruht auf einer Reihe von Irrtümern und Legenden. Die Behauptung, er habe Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft, ist historisch nicht haltbar, ebenso wenig wie die Geschichte von der Konstantinischen Schenkung, die sich als Fälschung herausstellte. Silvester hat während seiner Amtszeit bei wichtigen Glaubensentscheidung nicht mitgewirkt Er nahm weder an der Reichssynode in Arles (gegen Donatisten) teil noch am 1. Konzil von Nicäa, wo es um die Wesensart Christi und die Auseinandersetzung mit den Arianern ging. Den Synodalen von Arles schrieb er, er könne die Apostelgräber in Rom nicht im Stich lassen. Wahrscheinlich wollte er sich nicht den Vorwürfen stellen, er sei während der diokletianischen Verfolgung vorübergehend vom Glauben abgefallen.


St.Silvester
Appercha

 



St.Vitus
An der Südseite der Langhausdecke ist das Bild der Kirche von Fahrenzhausen zu sehen. Vor dem Bild sind wieder zwei Chormitglieder dargestellt, eine Sängerin und eine Paukenspielerin. Patron der Kirche ist der hl. Vitus. Er kniet mit erhobenen Händen in einem großen Kessel, unter dem ein Henkersknecht Feuer entfacht hat. Ein Putto mit einer blauen Blume im Haar schwebt über der Szene und hält schon den Märtyrerpalmzweig in der Hand. Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrers über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo. 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".

St.Vitus
Fahrenzhausen

Hinweis: Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als der Vater ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete, wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisenplatten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen. Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. Vitus ist einer der 14 Nothelfer und Patron für 30 Krankheiten. Bekannt ist der Veitstanz, Chorea, eine Nervenkrankheit mit ungewollten, spastischen Bewegungen des gesamten Körpers, die sich willentlich nicht unterdrücken lassen und durch eine organische Schädigung im Zentralnervensystem bedingt sind. Er ist auch Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den Ölkessel als großen Nachttopf deutete.
Über der Empore ein Fresko, das St.Anna, Maria und Jesus zeigt, also eine gemalte "Anna selbdritt" darstellt. St. Anna mit dem Kopftuch der verheirateten Frau hält in der Hand einen Spinnrocken als Zeichen der fleißigen Hausfrau.


St.Anna mit Spinnrocken

Maria sitzt zu ihren Füßen und hat ein Buch aufgeschlagen. Dahinter springt der kindliche Jesus herum, haucht (einer Legende entsprechend) den von ihm aus Ton geformten Taubenfiguren Leben ein und lässt sie fliegen.
  Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter.


Seitenaltäre

Die Seitenaltäre aus der Zeit um 1730 (Künstler nicht bekannt) sind im Stil einfacher gestaltet als der Hochaltar (säulenlose Altaraufbauten). Sie besitzen jeweils eine größere Mittelnische und auf der zum Innenraum weisenden Seite eine kleinere Nische. Die trapezförmigen Altaraufsätze sind von jeweils zwei kleinen, verspielten Engeln und einem Putto auf der oben abschließenden Volute umgeben. Jeder der Engel ist in einer anderen Haltung dargestellt. Auch sonst sind die Aufbauten der beiden Seitenaltäre zwar im Stil gleich, aber in den Details sehr unterschiedlich: Vergleichen Sie die Form und die Verzierung der Nischen, das Gebälk unter dem Altaraufsatz, die Predella und die Größe der Volutenringe ganz oben. Beide Seitenaltäre wurden 1929 neu gefasst.
In den Altartischen (Mensen) ruhen Reliquien (Gebeine) der Heiligen Maximus, Viktor und Klemens. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um sog. Katakombenheilige.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist jetzt ein Muttergottesaltar.
Auf dem durch die Mittelnische durchbrochenen Gebälk sitzen zwei Englein. Sie umgeben zusammen mit dem Puttenkopf, der vom dem Segmentgiebel mit Voluten herabschaut, den Altaraufsatz. Dort ist in einem vergoldeten Strahlenkranz dem ein rotes Herz, aus dem Flammen der Liebe schlagen, plastisch dargestellt. Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi.

Herz mit Flammen

Diese Darstellung war im 18.Jh sehr beliebt und wurde in unseren Kirchen insbesondere durch die Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII. im Jahr 1765 gefördert.
Dass hier auf diesem Altar das Herz Jesu, auf dem rechten Altar das Herz Mariens angebracht ist, könnte darauf hinweisen, dass zur Zeit der Entstehung der Altäre der Marienaltar auf der rechten Seit lag.

Mittelnische
Der Altar ist der Mater dolorosa (schmerzhaften Muttergottes) geweiht. Ihre Figur steht in der mit Blattmotiven umrahmten Mittelnische. Maria ist in das traditionelle blau-rot-goldene Gewand gekleidet, ihr Haupt von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes umgeben. Ihre Hände sind vor einem Schwert gefaltet, das in ihrer Brust steckt.

 
Mater dolorosa

Dieses Schwert erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli). Im Barock kam noch das Gold dazu.

Assistenzfiguren


hl.Leopold

In der Innennische des linken Seitenaltars mit Muschelkalotte steht die Figur des hl. Leopold, in kostbarem Gewand und mit einer Herzogskrone auf dem Haupt. Diese Figur soll unter Pfarrer Schwarzmann (1721-1723), dem Andechser Kanoniker, in die Kirche gekommen sein.

Die andere Assistenzfigur am linken Seitenaltar ist eine Figur der hl. Theresia von Avila.
Die Fingerhaltung der linken Hand lässt darauf schließen, dass ihr der Künstler ein Attribut, wahrscheinlich ein Kruzifix, mitgegeben hatte, das heute nicht mehr vorhanden ist.


Theresia v.Avila
         

Leopold (1073-1136) war Markgraf von Österreich. Von seinen 17 Kindern wurden zwei Bischöfe. Leopold hielt sich weitgehend aus den großen politischen Auseinandersetzungen heraus, befriedete und erweiterte sein Territorium nicht zuletzt durch eine wohl durchdachte Heiratspolitik (Tu felix austria nube). Im Investiturstreit stellte er sich gegen den Kaiser auf die Seite des Papstes und unterstellte diesem das Stift in Melk. Er gründete viele Klöster und gilt vielfach als der Begründer der Größe Österreichs. Leopold starb nach einem Jagdunfall; er wurde in seiner Stiftung Klosterneuburg beigesetzt.

Theresia (1515-1582) war Klosterfrau bei den Karmelitinnen und erlebte eine Reihe von Visionen. Sie setzte als Äbtissin gegen viele Anfeindungen eine Reformation des Ordens durch und gründete die "unbeschuhten Karmelitinnen" mit strenger Klosterzucht. Ihre Schriften bezeugen Teresa als Mystikerin von einer nie zuvor oder danach erreichten Tiefe des Erlebens. "Das große Buch von der Erbarmungen Gottes", "Der Weg zur Vollkommenheit", "Die Seelenburg", ihre Autobiografie und mehr als 400 erhaltene Briefe begründen das ihr zugemessene Prädikat der Kirchenlehrerin.


Eine Besonderheit ist in der Predella des linken Seitenaltars zu sehen. Dort ist ein Gemälde auf Holzuntergrund angebracht. Es zeigt einen Priester, der vor einem Kruzifix kniet und die Worte: "Amor meus cruzifixus est" (meine Liebe gehört dem Gekreuzigten) zu Christus am Kreuz spricht.

Predellabild
Von dort kommen die Worte "Pro te et pro toto mundo" (für dich und die ganze Welt) zurück. Um deutlich zu machen, dass die Worte vom Gekreuzigten kommen, wurden sie in Spiegelschrift von rechts nach links geschrieben.
Am Fuße des Kreuzes ist ein Totenschädel mit gekreuzten Oberschenkelknochen zu erkennen. Der Schädel stellt die Gebeine von Adam, dem ersten Menschen dar.
Hinweis: Nach den apokryphen Schriften sollen durch das Erdbeben, das beim Tode Christi einsetzte, die Gebeine des "alten Adam" am Fuße des Kreuzes Christi zutage getreten sein. Der Schädel Adams findet sich deshalb in der christlichen Kunst häufig am Fuße von Kruzifixen. Die Apokryphen berichten weiter, dass schon Noah durch seinen Sohn Sem und seinen Enkel Melchisedek die Gebeine Adams aus der Bestattungshöhle hatte holen und zum Mittelpunkt der Welt, nach Golgatha, bringen lassen, um sie dort erneut zu begraben. Dabei soll sich die Erde von selbst in Form eines Kreuzes geöffnet haben. Nach der Typologie, der Lehre der Gegenüberstellung des NT (Antitypus) und des AT (Typus), bedeutet die Darstellung der Gebeine Adams unterhalb des Kreuzes auch die Überwindung des Alten Bundes durch den Neuen Bund.

 

Rechter Seitenaltar

Auch am rechten Seitenaltar sitzen auf dem Gebälk zwei Englein. Sie umgeben -zusammen mit dem Puttenkopf auf dem Segmentgiebel- den Altaraufsatz. In ihm ist das Herz Mariens im vergoldeten Strahlenkranz plastisch dargestellt.

Herz Mariens
Das Herz ist mit einer Krone und einem Kranz aus Rosen (Rosen=Marienblume) geschmückt. Das Herz Mariens ist Pendant für das Herz Jesu und gilt als Zeichen für die mütterliche Liebe.

Mittelnische
In der Mittelnische des rechten Seitenaltars steht die Figur von Jesus an der Geißelsäule. Der mit einem Lendentuch (Perizoma) bekleidete Jesus ist mit Armfesseln an eine barock geformte Marmorsäule gekettet und blutet aus den Geißelwunden.

Geißelheiland
Die Figur aus der Mitte des 18.Jh. hat Glasaugen und trug früher eine Perücke.
 
Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In unsere Gegend gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. (Haimhausen-Schlosskapelle 1660). Eine große Verbreitung haben diese Darstellungen noch 100 Jahre später nach dem Wunder in der Wies (1738) erfahren. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen in unserer Gegend wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Jarzt.

Assistenzfiguren

St.Rasso
Assistenzfiguren am rechten Seitenaltar sind die Heiligen Rasso (in Ritterrüstung) und Maria Magdalena. Die Figur des hl. Rasso dürfte von Pfarrer Schwarzmann (1722-23) beschafft worden sein. Rasso hatte Reliquien aus dem Heiligen Land mitgebracht, die jetzt im Kloster Andechs liegen. Pfarrer Schwarzmann hatte als Andechser Kanoniker einen besonderen Bezug zu diesem Heiligen. Die Figur von Maria Magdalena hatte -der Haltung ihrer Finger nach zu schließen- früher Attribute in den Händen, die heute fehlen.

Magdalena


 

Hinweise: Rasso (900-954), nach der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter und berühmter Feldherr. Er unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien mit und ließ hierfür in Wörth (dem heutigen Grafrath) ein Benediktiner-kloster bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt. Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden im Kloster Andechs am Ammersee gezeigt. Die Wallfahrt in den nach Rasso umbenannten Ort Grafrath - Graf von Rathenburg - hatte im Mittelalter großen Zulauf. Fest: 19.Juni

Die immergrünen Blätter des Palmzweigs in der Hand von Rasso symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit.

Maria Magdalena
ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh.20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person.
Predella

In die Predella ist seit 1970 ein Tabernakel eingebaut; er stammt aus Privatbesitz. Die hölzerne Tabernakeltüre ist mit Säulchen und dazwischen einem von der Dornenkrone umwundenen Herzen Jesu bemalt.


Tabernakel



Kirchenbänke


Die Kirchenbänke mit ihren glatten, geschwungenen Wangen stammen aus dem Jahr 1929. Im vorderen Teil des Kirchenschiffs (vor den Kirchentüren) sind sie geteilt und durch den Mittelgang zu erreichen; im hinteren Drittel (vorwiegend Männerbereich) sind sie durchgehend und werden von zwei Seitengängen eingefasst.

An Fronleichnam sind an den Bänken die neu renovierten Prozessionslaternen befestigt, die bei der Prozession mitgetragen werden. Im restlichen Jahr sind sie neben der Orgel auf der Empore verstaut.

Prozessions-laterne


per Mouseklick zu den jeweiligen BeschreibungenKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderBeichtstuhlKanzelFranz XaverGuter HirteVesperbildBeichtstuhlSt. AntoniusEpitaph 1618Epitaph für den Jarzter Freiherrn <b>Joseph Marquard von Speidl</b> aus dem Jahr 1781Maria ImmaculataKanzelkreuzSt.KonradOrgel, Ende 18.Jhzur Beschreibung der Deckenfresken

Kanzel

Die fast schmucklose Kanzel stammt ebenfalls aus der Zeit um 1725. Sie besteht aus dunkel gemasertem Holz. Die Kanzeltreppe und der Kanzelkorb besitzen Felderungen und balusterartige (=kleinen Säulchen ähnliche) Pilaster.
Im Schalldeckel ist auf der Unter-seite ein Stern als Intarsienarbeit (=Einlegearbeit) zu sehen.

Kanzel
Oben abgeschlossen wird die Kanzel durch vier geschwungene Bögen.
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.


Kreuzigungsgruppe

Gegenüber der Kanzel hängt ein großes Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz. Der Corpus Jesu ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Die Adern schimmern blau unter der Haut hindurch. Jesus hat sein dornengekröntes Haupt im Tode nach rechts geneigt; es ist von dem nur göttlichen Personen vorbehaltenen dreistrahligen Heiligenschein umgeben. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft Blut. Das um die Hüften geschlungene Lendentuch, in der Kunst auch Perizoma genannt, ist vergoldet Zwei Englein neben dem Kruzifix weisen auf den Gekreuzigten hin.

Kanzelkreuz
Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt, daher heißt die Gestaltungsweise "Dreinageltypus". Das Kruzifix in Jarzt ist als eindeutig barockes Kunstwerk (ca.1730) eine Ausnahme. Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Mater dolorosa

Unter dem Kruzifix steht eine Schmerzhafte Muttergottes (Mater dolorosa). Maria ist, wie die Figur am Seitenaltar, in ein rotes Kleid und einen außen goldenen, innen blauen Mantel gekleidet. In ihrer Brust steckt das Schwert der Schmerzen, das auf in Liebe getragenes Leid deutet. Sie hat ihre Arme über der Brust gekreuzt.

 

Apostelleuchter


Apostelleuchter
Die Apostelleuchter stammen aus dem Jahr 1929, als die Innenausstattung der Kirche erneuert wurde. Sie bestehen aus einer Schmiedeeisenspirale und einem rot gefassten Metallkreuz an der Wand.
Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. 

 

Kreuzweg-Stationsbilder

Die ovalen Kreuzwegstationsbilder in (neu)barockem Stil sind von einem schmalen vergoldeten und einem breiten weißen Rahmen umgeben. Die Bilder sind mit einem kleinen, volutengeschmückten Aufsatz versehen, auf dem die jeweilige Stationsnummer verzeichnet ist.
Allerdings sind bei einigen Bildern die Rahmen verwechselt, d.h., Stationsnummer und Bild stimmen nicht überein.
Der Name des Malers ist nicht überliefert. Vielleicht sind es noch die Kreuzwegbilder, die der Münchner Historienmaler Ludwig Schnitzenbaumer im Jahr 1872 für den Betrag von 420 (460) Gulden geschaffen hat.

Die Kreuzwegbilder sind nach der gleichen Vorlage gemalt wie die Bilder in den Kirchen von Jedenhofen, Arzbach, Vierkirchen und im Freisinger Dom. Sie gleichen sich hinsichtlich der Szenerie sowie der Anzahl der Personen, deren Positionierung im Bild sowie der Gestik und Mimik.

Unterschiede bestehen nur in der Wahl der Hintergründe, in den Farben der Gewänder und natürlich in der Form des Rahmens. Der Kreuzweg im Freisinger Dom hat exakt den gleichen hochovalen Rahmen mit Aufsatz wie Jarzt.


Hinweis: Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen.
Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten.
Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnten der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.
1. Station
Jesus wird von Pilatus verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene hilft Jesus d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet die
weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird vom
Kreuz abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

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Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

An den Langhauswänden stehen noch sieben weitere Figuren auf Postamenten:


St.Joachim
An der Südseite (rechts), zwischen dem rechten Seitenaltar und der Kanzel, steht die Figur der Großmutter Jesu, St. Anna. Sie ist in das für Anna traditionelle grüne Gewand gekleidet, mit dem Kopftuch der älteren, verheirateten Frau. Das Alter der Figur ist nicht bekannt, doch spricht die barocke Gestaltung für das 18.Jh.
Gegenüber der Annafigur steht an der Nordseite eine große Figur des hl. Joachim. Er ist in ein grünes Untergewand und einen weiten gold-roten Mantel gekleidet. Attribute, wie die Schäfer-schaufel oder zwei Täubchen, fehlen. Die Figur dürfte vom selben Künstler stammen, der auch die Annafigur geschnitzt hat.

St.Anna

Hinweis: Der Name "Anna" wird in der Bibel überhaupt nicht erwähnt. Nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts war sie die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna (1. Samuel 1-2) soll sie erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihr Kind Maria geboren haben. Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt. Joachim soll Ehemann der hl.Anna und damit Vater Marias gewesen sein. In der Bibel findet er keine Erwähnung. In den Apokryphen insbesondere im Protoevangelium des Jakobus wird er als gottesfürchtiger, vermögender, in Jerusalem ansässiger Viehzüchter und Herdenbesitzer beschrieben. Nachdem ein Priester im Tempel das Opfer Joachims (zwei Täubchen) wegen dessen Kinderlosigkeit zurückgewiesen hatte, suchte Joachim mit seinen Herden die Einsamkeit und betete zu Gott. Ein Engel prophezeite ihm daraufhin die Geburt Marias und trug ihm auf, zur Goldenen Pforte des Tempels zu gehen, wo er Anna treffen werde. Die Begegnung der Eheleute an der Goldenen Pforte wurde im Mittelalter als Symbol für das Freisein Marias von der Erbsünde (Conceptio Immaculata) wiedergegeben.

Vor der Kanzel, an der Mitte der Südwand, steht die Figur des Guten Hirten aus dem 18.Jh. Er hat sich ein Lamm um die Schulter gelegt. Sein Gewand und sein Hut mit breiter Krempe sind vergoldet. Die Figur ist nicht aus Holz geschnitzt, sondern besteht aus Terracotta (=bei niedriger Temperatur gebrannter Ton).
  Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt. .18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an (hier in Jarzt neben) der Kanzel.

Guter Hirte
In der Nähe des Südeingangs steht die Schnitzfigur des hl. Franz Xaver aus der 1.Hälfte des 18.Jh. mit einem Stab in der Hand und einem an den Gürtel gebundenen Rosenkranz. Den Kopf umgibt ein strahlenförmiger Heiligenschein (Nimbus) Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Er war im 16.Jh als Asienmissionar tätig. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten (u.a. Japan und China). Am Pilgerstab ist ein Nodus, eine Verdickung in Form einer Kugel, zu sehen. Dieser Nodus stammt aus vorchristlicher Zeit und hatte ursprünglich eine unheilabwendende (apotropäische) Bedeutung. Sie ist auch am Bischofsstab und am Schaft von Kelchen und Monstranzen zu finden.

Franz Xaver
  Hinweis: Der Nimbus oder Heiligenschein ist normalerweise eine kreisförmige Fläche um das Haupt
göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus allein. Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben. Die Unterschiede in Farbe (gold, grün, rot) oder Form (radförmig, strahlenförmig, reifenförmig, diskusförmig, dreieckig, viereckig) haben in der Regel keine besondere Bedeutung. Allerdings ist der dreieckige Nimbus Gottvater vorbehalten; einen viereckigen Nimbus tragen nur (damals) lebende Personen. In späterer Zeit wurde der Nimbus auch als übernatürliches Leuchten im Hintergrund der herauszuhebenden Person dargestellt. In der Barockzeit verbreitete sich die Form eines Strahlenkranzes. Christus war ein dreistrahliger Nimbus (als Zeichen der Zugehörigkeit zur Dreifaltigkeit) vorbehalten. Seit dem 16.Jh. kann der Heiligenschein auch fehlen (zunehmender Naturalismus). In Jarzt fehlt bei erstaunlich vielen Heiligenfiguren ein Nimbus.

St.Antonius
Auf der Nordseite steht hinten eine Figur von St. Antonius als Gegenstück zur Figur von Franz Xaver auf der gegenüber liegenden Wandseite. Beide Figuren sind ähnlich gestaltet und dürften vom selben Künstler stammen. Antonius hält auf seinem Arm das Jesuskind. Auch diese Figur ist großenteils vergoldet, lediglich das Gesicht und das Jesuskind sind als Inkarnat(=fleischfarbig) gefasst.
  Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

Maria
Immaculata

In der Nähe des Kanzelkreuzes ist die Figur einer Maria Immaculata, der "unbefleckten Jungfrau Maria" (1730) angebracht. Maria, mit offenem Haar, hält in ihrer Hand eine Lilie als Zeichen der Keuschheit. Sie steht auf einer großen blauen Weltkugel, um die sich eine Viper, eine Giftschlange mit einem Apfel im Maul windet. Maria zertritt mit ihrem rechten Fuß den Kopf der Schlange, der linke Fuß steht auf einer silbernen Mondsichel.
Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt.
Die Mondsichel erinnert an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb.12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen.
Immaculata-Madonnen sollen auch an die unbefleckte Empfängnis Mariens erinnern. Papst Pius IX. verkündete 1854 das Dogma, dass Maria -wie Jesus- von der Erbsünde befreit gewesen sei. Die evangelischen Christen lehnen das Dogma ab. Auch im katholischen Raum wurde die Diskussion um diese Frage schon Jahrhunderte vorher kontrovers geführt. Deshalb gab es auch schon vor 1854 Immaculata-Madonnen, so wie hier in Jarzt.
Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage".


Über dem Eingang auf der Südseite steht eine neubarocke Christus-Figur von Bildhauer Huber aus München (1929) auf einem Wolkensockel. Sie wurde vom damaligen Bürgermeister Schmid gestiftet.

Georg Völkl beschreibt die Figur im Jahr ihrer Entstehung begeistert in den Ausdrucksformen der damaligen Zeit als "prächtig gearbeitete gekrönte Herz-Jesu-Statue. In Lebensgröße, angetan mit weißer Gewandung, der liturgischen Farbe der Heilandsfeste und wallendem goldenen Mantel schwebt Christus auf Wolken vor dem betenden Beschauer. Auf seinem Haupte, umgeben mit einer großen Strahlengloriole, trägt er eine goldene Königskrone, leuchtend von roten und grünen Edelsteinen. Hände und Füße tragen die verklärten Wundmale. Auf der Brust leuchtet das rote, von der Dornenkrone umflochtene Herz, zu dem der Heiland durch die Handbewegung die Gläubigen ruft. Antlitz, Hände und Füße sind in einem weißgetönten Fleischton gehalten. Ernst und Güte, Strenge und Milde, Majestät und Feierlichkeit haben in dieser ehrfurchtgebietenden Christ-König-Herz-Jesu-Figur eine glückliche Verbindung eingegangen."

Christus

Unter der Emporentreppe steht eine jüngere Holzfigur des hl.Konrad aus Parzham. Sie zeigt, wie der Heilige einem bettelnden Kind ein Brot reicht.
Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen.

Bruder
Konrad
Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte: Keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde er von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.


Epitaphe

In die Wände des Kirchenschiffs, die Innenseiten des Chorbogens, der Chorwand und in die Stipes (Altarsteine) der Seitenaltäre sind mehrere Grabsteine (Epitaphe) aus Solnhofer Kalkstein und aus Rotmarmor eingelassen. Die meisten dieser Grabplatten erinnern an frühere Pfarrer von Jarzt. Leider sind einige Steine, insbesondere die aus Rotmarmor, schon sehr verwittert und nicht mehr lesbar. Möglicherweise waren sie früher im Außenbereich befestigt.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

1618
Das große Epitaph an der Rückwand im Stuckrahmen (148 x 80 cm) enthält im unteren Teil ein prächtiges Wappen mit heraldischen Verzierungen. Der Text ist erhaben gemeißelt, d.h., der Steinmetz hat die Teile der Steinoberfläche, die keinen Text darstellen, weggeschlagen (=Reliefgravur). Vom umfangreichen Text ist leider nur wenig lesbar: Dr Maximilian Kayser, Pfarrer in Gartz, Chorherr in Landshut, gestorben am 19.Sept. 1616

1639
Am rechten Seitenaltar erinnert eine nur noch teilweise lesbare Platte (42x42 cm) an einen im Jahr 1639 gestorbenen Pfarrer Simon Berckhammer, der im Alter von 80 Jahren gestorben ist. Es war 23 Jahre lang, seit 1616, Pfarrer in Jarzt. Unter dem Text ein Kelchrelief.

1657
Die beiden Platten neben den Eingangstüren sind sehr verwittert.
Der linke Stein (89x55 cm) gehört dem Pfarrer und Geistlichem Rat Wolfgang Kröll - wie den wenigen lesbaren Textfragmenten entnommen werden kann. Er stammt aus dem Jahr 1657. Kröll war seit 1639 Pfarrer.
Der rechte Stein (79x59 cm) ist nicht lesbar.

1720
Am linken Seitenaltar ist das Epitaph von Balthasar Froschmair (58x48 cm), der im Alter von 70 Jahren nach 30-jähriger Tätigkeit als Pfarrer im Jahr 1720 starb. Der Text lautet:
    "ADMODUM R. AC Doc. TISS D. Balthasar Froschmair XXX Annis hic Parochus ??? obiit ??
     ANNO MDCCXX  AETAT SUI LXX. Requiescat in Pace."
Darunter als Relief ein Kelch mit Hostie.

von 1721

In den linken Fuß des Chorbogens eingemauert sind die drei folgenden Epitaphe:

- oben für Ignatius Stadler aus dem Jahr 1721 (42x45 cm) mit dem Text:
   "Adnodum Ratus D.Ignatius Stadler, Parochus hic loci pie obiit die 14. Janu Anno MDCCXXI, Resquiescat in Pace"


1723
- in der Mitte für Stephan Schwarzmann, 1723 (42x41 cm) mit dem Text:
   "A.DM R.D. Jo. Stephan, Schwarzmann SS. Thlae et SS. Can. Can. Ultra Biennium Hic Paroch. obiit. 4.May 1723,
    Requiescat in Pace."

1740
- unten für Thomas Schuechpaur, 1740 (42x43 cm), mit dem Text:
   "A.R.D. Thomas Schuechpaur Postquam 15 Cooperatorem, et 16 annis Parochum vigilantissime hic loci egt, obiit
    16. mart. ao 1740, Aetat 67 ann. Requiescat in Pace."
    Darunter ist das Flachrelief eines Totenkopfes mit gekreuzten Oberschenkelknochen in den Stein gehauen.

1781
An der Westseite (Rückseite) ist unter dem großen Epitaph die kleinere Platte (34x34 cm) für den Jarzter Freiherrn Joseph Marquard von Speidl aus dem Jahr 1781 angebracht, dessen Text lautet:
   "Leser, bedaure hier mit 4 sammentlich kaum 12jährig hilflosen Kindern und einer betrübten 38jährigen Mutter
    und Gattin den frühen Hintritt eines 42jährigen kummervollen Vatters, des hochwohlgebohren Freyherrn
    Joseph Marquard v.Speidl, Herr zu Jersing und Wageth, dann auf Jarzt. Gott führe uns alle zu Ihm in das
    Ewigel.  R.I.P. gestorben im Dec. Anno 1781".

1792

An der rechten Innenseite des Chorbogens, ist der sich nach oben verjüngende Stein für Johann Caspar Paur, 1792 ((44x44 cm) eingemauert. Er enthält folgenden Text:
   "Pl. Rev.Peaenobac Doct. D.Joan Casp.Paur, SS. Thlg.Licent Cons.Ecc. act.Fri?ing. Dec.lib.resign. ac
    Par.loci jubilaei, mort. 11.Nov.1792, R.I.P."   


1911
Neben dem Zugang zur Sakristei ist das Epitaph für Pfarrer Kaspar Rössle aus dem Jahr 1911 (43x42 cm) angebracht, mit dem Text:
   "Andenken an den Hochw.Herrn Kaspar Rössle, zum Priester geweiht 1852, v. 1867-1906 Pfarrer in Jarzt,
    Dekan des Kapitels Dachau, Jubilar,gest.als Commorant in Freising am 15.März 1911 im 83.Lebensjahre. R.I.P. "
Darüber befindet sich das Flachrelief eines Kelchs mit Hostie. Es besteht jedoch aus anderem Steinmaterial und scheint schon älter zu sein als das Epitaph für Kaspar Rössle. Der Kelch war aber ein beliebtes Symbol für Priestergräber.

2003


- Am Chorbogen ist unten das erst im Jahr 2003 von Weihbischof Siebler angebrachte neue Epitaph für    Johann Nepomuk Bauer mit dem Text zu sehen:
   "Zum Andenken an Geistlichen Rat Johann Nepomuk Bauer 1925-1963 Pfarrer von Jarzt, Kämmerer des
    Dekanates Weihenstephan, Erneuerer dieser Pfarrkirche, Hüter des Glaubens, in schwerer Zeit. In Dankbarkeit.
    R.I.P."



Vesperbild


Vesperbild
In der Nähe der Empore, über dem Nordzugang, sind Gedenktafeln für die Gefallenen im 2.Weltkrieg aus der Pfarrei Jarzt angebracht. Darüber, von zwei Leuchterengeln flankiert, ein Vesperbild (Pieta), die Darstellung der trauernden Maria nach der Kreuzabnahme Jesu (18.Jh). Die in ein rot-blau-goldenes Gewand gekleidete Muttergottes hält den Leichnam ihres Sohnes auf ihrem Schoß. Ihre rechte Hand stützt den Kopf Jesu, mit der Linken hält sie seine Hand In der Brust von Maria steckt ein großes Schwert; dies ist ungewöhnlich für Pieta-Darstellungen.
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Kriegergedenktafel

  Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietas in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pieta" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.


Opferstock

Der an der Wand befestigte, kleine Opferstock aus Schmiedeeisen (1929) ist unten halbrund und oben geschwungen trapezförmig gestaltet. Er trägt auf seiner Vorderseite ein Kreuz auf rotem Grund und ein Blattrelief als Rahmen.

Opferstock
Der Name Opferstock ist hier eigentlich nicht richtig verwendet, denn der weist auf einen ausgehöhlten Holzstock hin, der die Spenden aufnimmt und meist mit Eisenbeschlägen gesichert ist.
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Beichtstühle

Die einfachen Beichtstühle wurden 1929 eingebaut; sie stehen in den Ecken an der Westwand. Im etwas geräumigeren Mittelteil sitzt der Geistliche. Er ist durch Gitter von den Beichtenden getrennt, die abwechselnd in den Seitenteilen knien.


Beichtstuhl

 

Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh.20,22) zurück.


Empore und Orgel

Die fast 6 m tiefe Empore wurde 1929 im Zuge der Kirchenerweiterung eingebaut. Sie ersetzte eine frühere Anlage von zwei übereinander liegenden Emporen. Die marmorierte Emporenbrüstung ist nur durch vier Felder und dazwischen stehende Pilaster gegliedert. Vier Kirchenbänke mit geschwungenen Wangen (evtl. 19.Jh) bieten Gläubigen, die eine gute Übersicht über das Geschehen in der Kirche schätzen, Platz.

Die Orgel aus dem Jahr 1922 (Leopold Nenninger, 2 Manuale, 11 Register) stand schon in der kleineren Kirche vor 1929 auf der Empore. Der Prospekt stammt noch aus dem Ende des 18.Jh. Stilistisch gehört er dem Ende der Barockzeit und dem Beginn des Klassizismus an. Eine Bleistift-Notiz auf der Innenseite weist auf die schwierige Zeit von 1922 hin: "Diese Orgel ist ein Produkt der höchsten Inflationszeit 1922. Preis 500 Mark in Roggen und Weizen".

Orgel
Am Weihnachtstag 1975 gab die Orgel während der Messfeier ihren Dienst auf.
Nach einer Erneuerung durch den Orgelbauer Anton Staller aus Grafing und gleichzeitiger Erweiterung auf 17 Register ist sie seit 1979 wieder zu hören.
Der Prospekt wird gekrönt von der Figur eines Adlers mit ausgebreiteten Flügeln, der in seinen Krallen ein Notenblatt hält. Darstellungen eines Adlers an der Orgel sind nicht häufig (auch Wieskirche). Seine Bedeutung ist nicht eindeutig zu erklären. Nach dem früheren Freisinger Domorganisten Georg Brenninger könnte er die Auferstehung versinnbildlichen.
 

Disposition der Orgel:

Gedeckt 8', Gamba 8', Voxceleste 8', Rohrflöte 4', Oktave 2', Quinte 1 1/3', Terz 1 1/5 ',
Kopfregal 8', Tremolo, Flöte 8', Principal 4', Blockflöte 2', Mixtur 4 1 1/3', Feldflöte 4',
Subbaß 16', Oktvabaß 8', Flöte 4', Fagott 16.

 


Register
  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Allerdings stand das Bistum Freising schon im 9.Jh wegen seines Orgelbaues in hohem Ansehen. Papst Johannes VIII. (872-882) hatte sich 873 brieflich an den Freisinger Bischof Anno gewandt und ihn gebeten, er möge ihm ein gutes Instrument und einen Mann schicken, der die Orgel spielen und die Kunst der Musik zu lehren verstünde. Wo diese Orgeln in Freising standen (Kloster, Bischofshaus oder Kirche) ist nicht bekannt. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Sie soll, so die Liturgiekonstitution des II.Vatikanischen Konzils, "den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar steigern und die Herzen mächtig zu Gott und den Himmel emporheben".
Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


Grundstein


Grundstein
Neben der südlichen Eingangstüre ist der Grundstein aus Nagelfluh der Kirche in die Wand eingelassen. Das Datum MDCC=1700 ist im unteren Teil zu lesen. Der Stein wurde erst 1974 bei den Grundmauern entdeckt und an seine heutige Position versetzt.


Krippe

In der Weihnachtszeit ist am rechten Seitenaltar die Krippe aufgebaut. Ein Pfarrangehöriger aus Unterbruck hat sie vor vielen Jahren geschnitzt und der Kirche gestiftet.

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Krippe

Pfarrhaus

Sehenswert ist das zweigeschossige Pfarrhaus, das über der Kirche an den Berghang gebaut ist. Bei Föhn hat man von dort einen überwältigenden Blick auf die Alpenkette. Das Pfarrhaus ist 1799 völlig abgebrannt und mit ihm auch die Pfarrmatrikel.
Der heutige Bau wurde erst um 1805 errichtet, weil "die damals herrschenden Kriegsunruhen und die dadurch angehäufte Amtsarbeit die Arbeiten verzögerten". Zuletzt hat man ihn im Jahr 1970 mit großem Aufwand restauriert.
Der Historiker Völkl beschrieb den Pfarrhof 1929: "
  "Der Pfarrhof, etwa 100 Schritte von der Pfarrkirche entfernt, ist auf seiner Anhöhe von allen Jarzter Häusern am schönsten gelegen. Beim ersten Anblick dünkt der massive Bau dem Betrachter als eine ehemalige Burg. Einstens war aber der hiesige Pfarrhof ein viel bescheideneres Gebäude. Es war so klein, daß der Kooperator nicht einmal in ihm wohnen konnte. Er hauste bis ungefähr 1730 in der anliegenden Kornkammer. Um 1524 wurden Pfarrhof und Oekonomiegebäude neu hergerichtet. 1619 schreibt der damalige Pfarrer Simon Perkhamer nach seinem Amtsantritt: Ich bin in einen baufälligen und zerschleiften Pfarrhof gekommen. In der Schmidtischen Matrikel vom Jahre 1738 steht über den Pfarrhof geschrieben: 'Der neu errichtete Pfarrhof hat mit dem Zugehör keinen Defekt. Der Kooperator wohnte vorher in der anliegenden Kornkammer, jetzt aber im Pfarrhof.
Derzeit ist der Pfarrhof an einen kirchl. Mitarbeiter (Diakon) vermietet.

Hans Schertl



Quellen:
01) Königlich-Bayerisches Regierungsblatt von 1814, S.823 (Pfr.Müller, Rüstungsspende)
02) Schematismus der Diöcesan-Geistlichkeit des Bisthums Freysing 1821 (Tod Pfr.Müller am 17.11.1820)
03) Königlich-bayerisches Intelligenzblatt für den Isarkreis, März 1821 (Pfarrei-Ausschreibung)
04) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
05) Handbuch des Königreichs Bayern, 1867 (Gemeinde Jarzt)
06) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
07) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern v. 1876, S.103
08) Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
09) E.Wallner, Altbairische Siedelungsgeschichte, 1924 (mhd G statt J)
10) Anton Baur, vom RESTAURIEREN DER GEMÄLDE, Monatszeitschrift "Die Christliche Kunst", Juni 1924
11) Georg Völkl, Die Pfarrei Jarzt, 1929 (Coop.24 fl. )
12) August Alckens, Landkreis Freising, 1962 (30jähr.Krieg)
13) Pastoralblatt für die Erzdiöcese München und Freising v. 11.5.1876 (Coop.Reindl)
14) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
15) Ernst Schwarz, Baiern und Walchen, Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte/ZBLG 1970 S.874 (Gorzi)
16) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
17) Festschrift zur 1250-Jahrfeier der Diözese München und Freising, Das Dekanat Weihenstephan, 1989
18) Robert Böck, Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa, Amperland 1990 (1642)
19) Beschreibung des Pfarrverbandes Jarzt-Fahrenzhausen vom 10.12.1991
20) Leben aus dem Glauben, Das Bistum Freising, Teil 3 -Reformation und Zeitalter des Barock 1992 (Eckher)
21) Freisinger Tagblatt von 25.9.2000
22) Die Kirche im Dorf, 300 Jahre Pfarrkirche in Jarzt, 2003
23) Katalog der Ausstellung Madonna, Bild der Gottesmutter, Dombergmuseum, Freising 2003
24) Benno Bichler, 2006 (Tabernakelengel)
25) Geistl.Rat Anton Mayer, Wege-Zeichen-Glauben, Chronik der Pfarrei Jarzt, 2007
26) A.Hense/F.Sepp, Patronatsrecht (19./20. Jahrhundert), in: Historisches Lexikon Bayerns, Zugriff 2008 (1817)

 

Monatspfarrei Der Begriff verweist auf eine Vereinbarung bei der Neubesetzung einer Pfarrerstelle, die in der Zeit von 1583 (Bayerisches Konkordat vom 5. September, abgeschlossen zwischen dem bayerischen Herzog und den "exterritorialen" bayerischen Fürstbischöfen) bis 1830 in Bayern gegolten hat. Darin wurde festgelegt, wann der Bischof und wann der Herzog (später Kurfürst/König) die meist lukrative Pfarrstelle an eine Person seiner Wahl vergeben konnte. Wenn ein Pfarrer in einem Monat ungerader Zahl (Jan.März usw.) starb (casus obitus), wählte der Herzog aus, ansonsten der Bischof. Das blieb so bis zur Säkularisation. 1803 übernahm der bayer.König das Besetzungsrecht voll, bis es durch das Konkordat 1817 wieder durch die Regelung der Monatspfarrei und ab 1830 der Wechselpfarrei ersetzt wurde. Bei Versetzungen galten z.T. andere Regeln.

27) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Osterfahne, Bauform)
28) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetzt Hochaltar)
29) Rudolf Goerge, Etliche Historicos abgelesen u.einen Extrakt daraus gezogen, Amperland 2014/2 (Joh.Mayer,1648,1616)
30) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, 2015 (Statistik 33,39)
31) Verzeichnis der Burgen-Schlösser-Adelssitze in Deutschland (http://www.alleburgen.de/bd.php?id=3963),2016 (Schloss)
32) Schematismus der Erzdiözese München und Freising, 5.Decanat Dachau, 1868 (Pfr.Rößle, Statistik)
33) Schematismus der Erzdiözese München und Freising, 5.Decanat Dachau, 1823-1875
34) Martin von Deutinger, Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate, 1820
35) Dr.Peter Pfister, Von Arbeo zum Internet, Katalog zur Ausstellung "75 Jahre Diözesanarchiv Mch/Freising", 1999
36) Hochfürstlich-Freysingischer Hof- und Kirchenkalender 1743, 1789, 1801
37) Dr.Peter Pfister, Ausstellungskatalog Oberammergauer Passionsspiele 1999, S.27
  'Communicantes' waren Gläubige, die die Erstkommunion gefeiert hatten und zur Kommunion gehen durften. Wenn wir daraus die tatsächliche Zahl der Gläubigen herleiten wollen, müssen wir -so Peter Pfister- "noch etwa 15 bis 20 % für Kinder und Unzurechnungsfähige hinzuzählen".
38) Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 12, Übersicht über die Gemeindebildung
39)
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
40) Dr.Peter Pfister, Ausstellungskatalog Oberammergauer Passionsspiele 1999, S.27
  'Communicantes' waren Gläubige, die die Erstkommunion gefeiert hatten und zur Kommunion gehen durften. Wenn wir daraus die tatsächliche Zahl der Gläubigen herleiten wollen, müssen wir -so Peter Pfister- "noch etwa 15 bis 20 % für Kinder und Unzurechnungsfähige hinzuzählen".
41) Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters, 1919, S. 267 (Brei)


102 Bilder: Hans Schertl (101), Albert Graf jr.(1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.3.2018

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Visitationsbericht von 1560 und von 1584

 


Pfarrerliste

Pfarrer
von - bis
  Pfarrer
von - bis
Konrad Winkler
 um 1354
Ignatius Stadler
1720-1721
Marquard Killer
 um 1380
Stephan Schwarzmann
1721-1723
Hans Prilär
 um 1424
Thomas Schuechpaur
1724-1740
Stephan
 um 1425
Doct.Joan Casp.Paur
   Dechant
? 1740-1792  
Georg Tuchinger (Pfarrherr)        - 1490 Josef Schmid
1793-1796
Johannes Mentzinger (Pfarrherr)
 1518-1524
Joh. Mich. Miller
1796-1820
 1515-1524
Anton Rup. Weber
1821-1848
Melchior Hirschpeckh (Pfarrherr)
1550-1572
Michael Heinrich Fumy
1848-1867 
1551-1572
Kaspar Rößle
Coop. Joseph Reindl-1876
13)
1867-1906
Bernhard Geltinger
1572-1575
Georg Eichinger
1906-1912
Johann Mayer
 1575-1609
Stephan Braumüller
1912-1925
Dr.Maximilian Kayser(Pfarrherr)
1609-1616
Joh. Nepomuk Bauer
1925-1963
Simon Berckhammer
1616-1639
Anton Mayer
1963-1998
Wolfgang Kröll
1639-1657
Christoph Rudolph
1998-2015
Johann Ludwig
1657-1661
Josip Cabraja
2015-2016
Balthasar Froschmair
1690-1720
  Menzel
2016-