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Pfarrkirche St. Nikolaus in HAIMHAUSEN

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Adresse: 85778 Haimhausen, Pfarrstraße 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Haimhausen wurde urkundlich erstmals im Jahr 772 als Heiminhusir (bei den Häusern des Haimo) erwähnt.

Von einer Kirche ist erstmals um das Jahr 895 die Rede.  Man darf annehmen, dass Haimhausen in karolingischer Zeit Pfarrsitz wurde und dass hier neben dem Zentrum eines Königsguts-Bezirks auch ein geistlicher Mittelpunkt bestand. Urkundlich erscheint die Pfarrei Haimhausen  erstmals in der Konradinischen Matrikel des Jahres 1315 mit den vier Filialkirchen "Ünnahausen (Inhausen), Herentshausen (Hörenzhausen) und Nembach & Atershausen (Großnöbach und Ottershausen". 

Die Kirche steht auf der Anhöhe, hoch über der Amper, dem alten Ortskern und dem Schloss. Durch die Ausdehnung des Ortes nach Südosten scheint sie an die Nordwestrand gedrängt.

Der eingezogene, dreiseitig geschlossene Chor, der außen durch einfache Stützpfeiler verstärkt ist, und der untere Teil des 36 m hohen Turms der heutigen Pfarrkirche stammen aus der gotischen Zeit um 1450.

Das Kirchenschiff wurde im Jahr 1698 abgerissen und im damals modernen barocken Stil mit großen rundbogigen Fenstern neu errichtet.


Verzierung am Osterkerzenständer

Im 19.Jh hat man das Kirchenschiff um fünf Meter verlängert. Unter dem Pflaster des Ganges legten die Schlossherren Butler 1841 eine Familiengruft an.  Sie war von 1938 bis 2004 geschlossen und soll demnächst wieder allgemein zugänglich sein.  

Erwähnenswert ist auch das neben der Kirche stehende Pfarrhaus, das nach mehreren Bränden 1588 und 1799 im Wesentlichen aus der Zeit um 1800 stammt und das um das Jahr 2000 für mehrere Millionen DM aufwändig restauriert wurde.
Eine Besonderheit ist die
originale Fassadenfarbe, das sog. barocke Rot, das auf den Betrachter wie rosa wirkt.

Seit Okt. 2012 bildet die Pfarrei Haimhausen zusammen mit den Pfarreien Jarzt und Giebing
sowie der Kuratie Weng den Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen.

 

Inneneinrichtung

Die heutige barocke Innenausstattung stammt großenteils vom flämischen Künstler Egidius Verhelst (1695 -1749). Besonders hervorzuheben sind ein großes Kruzifix sowie die Figurengruppe auf dem Taufsteindeckel.

Das Deckengemälde im Altarraum zeigt die Geburt Jesu; darunter sind in den Stichkappen des Gewölbes die 12 Apostel beim Abendmahl mit Jesus dargestellt. Das Fresko an der Langhausdecke stellt in vielen ineinanderfließenden Bildern die Aussagen des Glaubensbekenntnis dar. Die Gemälde wurden von Michael P.Weingartner erst 1958 geschaffen. Es soll demnächst übermalt werden.

Der alte barocke Hochaltar mit dem Nikolausbild wurde 1958 entfernt, weil er die Fenster des Altarraums verdeckte und so den Altarraum zu sehr verdunkelte. Für ein halbes Jahrhundert bestand der Hochaltar aus dem Kruzifix über dem Tabernakel, flankiert von den Heiligen Sebastian und Korbinian/Nikolaus (alle von Verhelst um das Jahr 1700). Seit 2009 steht wieder der frühere Choraltar in der Kirche.
Die 300 Jahre alten Seitenaltäre sind der Muttergottes und St.Josef (früher St.Georg) geweiht.

Kirche St. Nikolaus in Haimhausenzur Beschreibung der Herz-Jesu-StatueMuttergotteszur Beschreibung der KirchenstuhwangenBeichtstuhlBeichtstuhl zur Beschreibung der Deckengemälde im Chor sehen ?  bitte klicken zur Beschreibung der Epitaphezur Beschreibung des Volksaltarszur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung des Lesepultszur Beschreibung der Kirchenstuhwangenzu den Deckengemälden des Langhauseszur Beschreibung der Kanzelzur Beschreibung der Kanzelkreuzeszur Beschreibung der Seitenaltärezur Beschreibung des Choraltars
Blick in den Innenraum noch vor der letzten Restauration (2005)
Vergrößerung von 13 Details (Altäre, Figuren, Taufstein, Deckengemälde,
Zelebrationsaltar, Lesepult, Kreuzweg, Apostelleuchter, Kirchenstühle ) per Mouseklick

Im Altarraum, im Kirchenschiff und an den Außenmauer sind über 20 Epitaphe angebracht, die vor allem an frühere Pfarrer und an die Familien der Hofmarksherren erinnern. Das schönste ist an der Nordseite des Langhauses, nahe der Empore, befestigt und zeigt einen Ritter in Lebensgröße. Es erinnert an den 1681 verstorbenen Maximilian Albert Freiherrn von Haimhausen.

Die Figuren- und Bilderausstattung entspricht dem bäuerlichen Umfeld Haimhausens.
- St.Leonhard (mit Abtsstab, Buch und Ketten) - St.Paulus mit dem Schwert
- St.Petrus (mit Buch und Himmelsschlüsseln) - Apostel Simon, der Zelot
- St.Antonius (mit Buch, auf dem das Jesuskind sitzt) - St.Rochus (mit Pestbeule am Oberschenkel)
- St.Josef (als relativ junger, dynamischer Mann)    
 - Muttergottes/Immaculata (mit 12 Sternen um das Haupt und einer Schlange zu ihren Füßen).


Derzeit wird die einsturzgefährdete Kirche
für rd. 4 Mio Euro (davon 85 % Diözese) renoviert;
sie ist bis 2017 gesperrt.


Ansicht Jan.2015

Beschreibung der Kirche
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Früheste Kirche  Zehentstreit 1255  Matrikel 1315  Gotischer Bau 1450  Matrikel 1524
 Visitation 1560  30jähriger Krieg  Umbau 1698  Matrikel 1738  Festgottesdienst 1833
 Grufteinbau 1841  Beschreibg 1874  Beschreibung 1893  Umbau 1895  Beschreibung 1900
   Zweiter Weltkrieg  Pfarrerliste
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Choraltar
 Chorbogen  Deckengemälde-1  Deckengemälde-2  Epitaphe innen  Epitaphe außen
 Ewig-Licht-Ampel  Figuren im Schiff  Glocken  Gruft

 Kapelle Christus a.Rast

 Kanzel  Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg
 Monstranz  Orgel  Opferstock  Oratorium  Portal
 Pfarrhaus  Sakristei  Seitenaltäre  Taufstein  Turm
 Tabernakel  Vorhaus  Vortragekreuze  Zelebrationsaltar  

Die Ortschaft Haimhausen wurde erstmals im Jahr 772 als Heiminhusir (bei den Häusern des Haimo) erwähnt. Diese Jahreszahl finden wir in einer Urkunde, die davon berichtet, dass der "Edle Rihperht von Ilmina" (Ilmmünster) seine Besitzungen in "Hemminghusir" der Domkirche von Freising (Bischof Arbeo) schenkt. Darunter waren Herrenhöfe, Ackerland, Wiesen, Weiden, Wälder, Hügel und Wasserläufe sowie Knechte und Mägde, Freigelassene und Aldionen (halbfreie Herzogsbauern).
Wenn Sie die Übersetzung der Urkunde lesen möchten, klicken Sie hier...

Im Einleitungssatz der Urkunde begründet Rihperht die Schenkung mit dem Eingeständnis, dadurch Vergebung seiner Sünden zu erhalten. Die Begründung muss nun nicht bedeuten, dass Erchenpald ein besonders großer Sünder gewesen wäre. Diese Art Schuldbekenntnisse waren notwendig, um der Schenkung Rechtssicherheit zu geben. Denn die weltliche Obrigkeit war nicht begeistert , dass die Kirche durch diese Schenkungen immer mächtiger wurde. Deshalb regelte sie im damals geltenden Gesetz, dem Lex Baiuvariorum, dass einer sein Vermögen nur dann der Kirche überschreiben darf, wenn dies "zur Erlösung seiner Seele" geschehe (und nachdem mit den Söhnen geteilt worden war). Da war das allgemein gehaltene Eingeständnis von Fehlern, die eine Erlösung notwendig machten, recht hilfreich.
Nach der Lex Baiuvariorum waren mindestens sechs Zeugen notwendig; die Urkunde von 772 wurde sogar von zehn Personen (darunter dem Bischof, vier Priestern, zwei Diakonen und einem Richter) beglaubigt.
Interessant ist auch der Schluss der Urkunde, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Zeugen nach gutem bayerischen Brauch an den Ohren gezogen worden waren ("et haec testes per aures tracti"); sie sollten sich später besser an das Rechtsgeschäft erinnern können. Meist glich ein kleines Geschenk die Unannehmlichkeit mit den roten Ohren aus.
(Dass aber tatsächlich auch der Bischof, der in der Urkunde als Zeuge und Empfänger bezeichnet wird, an den Ohren gezogen wurde, erscheint kaum glaubhaft).

Haimhausen muss schon damals bedeutend gewesen sein. Hier wurde in der Zeit von 788 bis 850 mindestens einmal ein überörtlicher Gerichtstag ("publica placita") unter Beteiligung der Grafen Liutpald oder Ratolt abgehalten.
Nach der Jahrtausendwende gehörte Haimhausen den Grafen von Valley. Als dieses Geschlecht 1238 ausstarb, fiel es an die Wittelsbacher Herzöge, die -wie Friedrich Prinz schreibt- "ihren militärischen Rückhalt vor allem in den Burgen Wittelsbach, Dachau und Haimhausen" hatten. Bei der Landesteilung 1255 wurde Haimhausen mit der ebenfalls wittelbachischen Grafschaft Dachau Oberbayern zugeordnet. Obwohl die Beziehungen zur Grafschaft Dachau im Hinblick auf den selben Landesherrn eng waren und Haimhausens Besitzungen im Dachauer Güterverzeichnis genannt wurden, hat Haimhausen doch eine gewisse Unabhängigkeit gewahrt. Es besaß ein eigenes Kastenamt. Zu einer Trennung zwischen Haimhausen und Dachau führte die Teilung von Oberbayern in den Münchner und den Ingolstädter Landesteil im Jahr 1310. Dachau kam zu Ingolstadt, Haimhausen blieb "mit aller siner Chastenguelt und mit allen sinen gerihten, vogtay und rehten, die da zue gehorent" bei Bayern-München und seinem Herzog Rudolf.

Geschichte der Pfarrei und der Pfarrkirche Haimhausen

Früheste Kirche
Wann hier in Haimhausen die erste Kirche gebaut wurde, ist nicht bekannt. Die früheste Erwähnung finden wir in einer Urkunde aus der Zeit zwischen 895 und 899. Das genaue Erstellungsdatum geht aus der Urkunde nicht hervor, weil damals (ab dem 9.Jh), die auf römischen Brauch zurückgehende ausführliche Eingangsformel vereinfacht worden war. Die Zeitrechnung "nach Christi Geburt" war damals noch nicht üblich. Nach römischen Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine umfassende Darstellung des Rechtsgeschäfts,die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 9.Jh, also zu der Ausstellungszeit unserer Urkunde, begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung und einer akribischen Aufzählung aller Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist.
Prominente Zeugen, von denen ebenfalls Lebensdaten erhalten sind, lassen eine weitere Eingrenzung zu. Ein solcher Fall liegt auch bei der ältesten Urkunde der Haimhausener Kirche vor. Damals tauschte der 10. Freisinger Bischof Waldo (883-906) mit einem Adeligen namens Cotascalc den Zehent der Kirche von Inhausen, der an die Kirche von Haimhausen gezahlt wurde, gegen einen Herrenhof in Sulzrain. Dies bedeutet, dass um diese Zeit sowohl in Haimhausen als auch in Inhausen Kirchen gestanden haben mussten. Die Zehentzahlung von Inhausen nach Haimhausen legt zudem nahe, dass Haimhausen der Pfarrsitz und Inhausen die Filiale war.
Es wird angenommen, dass Haimhausen in karolingischer Zeit Zentrum eines Königsgut-Bezirks und wohl auch ein geistlicher Mittelpunkt war.
Das Nikolaus-Patrozinium dürfte erst später übernommen worden sein; denn man findet es in Bayern im Allgemeinen erst seit dem zehnten Jahrhundert, und zwar besonders an Flüssen und neben Handelsstraßen, da der Heilige u.a. als Patron der Seeleute und Handelsmänner gilt. ... mehr zur Vita von St.Nikolaus...

Glaubensleben im 9.Jh.
Zu Beginn des 9.Jh. war der neue Glaube bei der Bevölkerung noch nicht theologisch untermauert, sondern mehr formelhaft geprägt. Dies zeigt sehr anschaulich eine Predigt im Rahmen einer Tauffeier aus dem Jahr 805, die in Freising niedergeschrieben wurde. Die "Exhortatio ad plebem christianam" (Mahnung an das christliche Volk) forderte die Gemeinde und besonders die Taufpaten auf, wenigstens das Glaubensbekenntnis und Vaterunser zu lernen und die Kinder darin zu unterrichten. Das Glaubenswissen bestand damals aus wenigen Formeln, die aber mit großem Nachdruck gefordert und für deren Unterweisung die Laien hauptverantwortlich gemacht wurden.
Wenn Sie die Predigt lesen möchten, klicken Sie hier...


Haimhausener Kirchenzehent-Streit 1255

Über die Eigentümer des Kirchenzehnts im 13.Jh. erfahren wir etwas aus einer Urkunde, die das Ende eines Rechtsstreits über den Kirchenzehnt und den Brückenzoll in Haimhausen besiegelte. In ihr heißt es, dass der Eigentümer beider Rechte, Bischof Konrad von Freising, zwei Teile des Kirchenzehenten und die (Zolleinnahmen der) Amperbrücke dem Marschall Berthold von Schiltberg zu Lehen gibt. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß der Lehensträger Sifrid Wilbeck aus dem auf der Burg zu Unterweilbach sitzenden ritterlichen Geschlecht. Die Schiltberger konnten die Unterweilbacher verdrängen, weil sie zur engsten Umgebung der bayerischen Herzöge, der Wittelsbacher, gehörten. Sie waren auch schon 1238, nach dem Aussterben der Grafen von Valley, mit der Burgherrschaft in Haimhausen belehnt worden.


Konradinische Matrikel von 1315
Die älteste ausdrückliche Erwähnung der Pfarrei Haimhausen mit ihren vier Filialen stammt aus dem Jahre 1315, als der 31.Freisinger Bischof Konrad III. (1314-1322) alle Kirchen des Bistums in einem Verzeichnis erfassen ließ (Konradinische Matrikel) Darin wird unter dem Dekanat Freising die Pfarrei Haimhausen mit den Worten "Haimhausen soluit (= bezahlt) X Pfund, habet IIII filias: Ünnhausen, Herentshausen, Nembach & Atershausen cum sepulturis (= mit Friedhof)".


Gotischer Bau 1450

Erbaut wurde die heutige Pfarrkirche nach 1450 im Stil der Spätgotik. Dies Bauzeit lässt sich durch die Tatsache bestimmen, dass der Turm im Süden steht. Diese Bauweise war erst in der zweiten Hälfte des 15. Jh üblich.
Damals hatte Haimhausen 44 Anwesen, von denen nur 11 dem Bauernstand angehörten; der größte Teil der Bewohner ernährte sich vom Gewerbe und aus einer unselbstständigen Beschäftigung. An Berufen genannt sind: Wirt, Müller, Mesner, Zöllner, Metzger, Schwertfeger, Bader, 2 Schmiede, Schuster, Weber, 2 Schneider, Fischer und Bäcker. Die Ministerialbeamten (Pfleger und Richter) haben einen Teil ihrer Einkünfte auch als Wirte verdient.
Vielleicht entstand der Bau unter der Leitung des im Jahre 1521 verstorbenen Pfarrers Johannes Lew (Löb), dessen stark verwitterter Grabstein (der älteste der Kirche) am Chorschluss zu sehen ist. Von dieser Kirche ist jedenfalls der Altarraum noch erhalten.


Präsentationsrecht im Mittelalter
Im Jahr 1485 wechselte das Präsentationsrecht für die Pfarrei Haimhausen (das Recht, die Pfarrer auszusuchen und zu bestellen) von den bayerischen Herzögen Sigismund und Albrecht, den Besitzern von Haimhausen, zum 45. Freisinger Bischofs Sixtus von Tannberg (1474-1495). Die Herzöge erhielten dafür das Präsentationsrecht für die Pfarrei Mainburg (Cod.3 zur Sunderndorferschen Matrikel, Fn 2 zu § 518). Aber in der Praxis scheint diese Regelung nicht lange gegolten zu haben. Zwar wird 1524 (in der Matrikel des Bischofs) das Besetzungsrecht rechtlich einwandfrei dem Bischof zugeordnet; doch 1560 ist im Visitationsbericht zu lesen, nach Aussage des Kirchenpflegers würden die Pfarrer vom bayer.Herzog ernannt. Entweder war der Tausch wieder rückgängig gemacht worden oder es redete der Herzog bei der Besetzung der Pfarrstelle nach wie vor mit; zwar ohne rechtliche Grundlage, aber aufgrund der faktischen Machtverhältnisse, denn der Herzog war Hofmarksherr. Dafür spricht auch eine Beschwerdeliste von 1533, in der sich die Bischöfe über die unrechtmäßigen Einmischungen der weltlichen Gewalt in geistliche Belange mokierten. Einer der Punkte war, dass die bayerischen Herzöge in den päpstlichen Monaten einfach die Benefizien an "ungeschickte Bewerber" als Gunsterweis oder Entlohnung verliehen. Das sei durch Herzog Wilhelm IV. bei mehreren Pfarreien geschehen, darunter auch in Haimhausen. In den vom Bistum und Herzogtum einvernehmlich erstellten Verzeichnissen über die verschiedenen Präsentationsregelungen für die einzelnen Pfarreien des Bistums von 17.10.1601 und vom Beginn des 19.Jh. wird jedenfalls Haimhausen voll dem Präsentationsrecht des Bischofs zugeordnet.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524

Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 berichtet, die Pfarrei habe 270 Communicantes, also Gläubige nach der Erstkommunion. Das war für unser Gebiet eine durchschnittliche Größe. Seelsorger war damals Joannes Pfaffenhofer. Er wurde von einem Cooperator (=Kaplan) unterstützt, der vom Pfarrer mit freier Verpflegung und 4 Gulden jährl. entlohnt wurde; daneben erhielt aus kirchlichen Gebühren 24 Gulden. Inhausen hatte einen eigenen Pfarrer, den Benefiziaten Wilhelm Leb.
Das Präsentationsrecht für die Pfarrei besaß der Bischof (de collatione Rev.Frisingensis). Die Zahl der Filialen war mit vier gleichgeblieben: "B.Virginis in Innhausen, s.Stephani in Ottershausen, s.Joannis in Herentzhausen et s.Margaretae in Nennbach cum sepulturis". Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude waren heruntergekommen ("sunt ruinosa").


Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Maßnahme ging von staatlicher Seite aus, da für Herzog Albrecht die Bewahrung der katholischen Religion gleichbedeutend mit der Sicherung des Landes war. Bezeichnend ist die Aussage des Vaters von Albrecht, Herzog Wilhelm IV. Er schrieb 1549: "Wir mögen dem allmächtigen Gott und ganzer deutscher Nation bezeugen: hätten die Geistlichen zur Erhaltung ihrer Religion so viel als wir gethan, daneben ihre Lehre und ihr Leben nach der Ordnung der christlichen Kirche gerichtet, und den Satzungen der Väter nachgefolgt, so wären wir alle insgemein in deutscher Nation des schrecklichen Abfalls in unserm heiligen Glauben... wohl entübrigt geblieben".

Die Visitation selbst wurde durch herzogliche und bischöfliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund der Untersuchung war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Haimhausen heißt es,die Pfarrei umfasse 350 Communicanten. Sie seien alle gut katholisch und gingen fleißig in die Kirche; nur mit 2 Familien gebe es Probleme. Außer einem Pfarrangehörigen verweigere sich niemand der Beichte. Mit Opfer und Sammlungen seien die Pfarrleuth aber nicht großzügig ("seind nachlessig gnug mit opfer und collectur"). Pfarrer war seit 6 Jahren Leonhard Stadler. Seine Köchin hatte 5 Kinder. Der Vater wird nicht genannt.

In guten Erntejahren hatte der Pfarrer Einnahmen von 150 Gulden. Dazu kamen Einnahmen aus den Mess-Gebühren von rd. 60 Gulden ("macht ungeverlich 60 fl."). Die Pfarrkirche in Haimhausen war in gutem baulichen Zustand.
Kaplan
(Gsellbriester) war der erst kürzlich ausgeweihte Andreas Unfueg. Theologisch habe er noch einige Lücken, stellten die Prüfer fest. Dagegen war der Benefiziat in Inhausen Johannes Meislmayr schon ein gestandener Priester. Auch er war gut katholisch, hatte aber eine Geliebte. Die Kinder aus dieser Verbindung waren verstorben. Priester und Gläubige glaubten alle an die 7 Sakramente (Luther predigte nur zwei); in der Pfarrei wurden aber zwei davon, Firmung und Krankensalbung, nicht praktiziert.
Der Bericht endet mit den Worten: "Sonst an andern dingen kain mangel".
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Dreißigjähriger Krieg
Der 30jährige Krieg traf auch Haimhausen schwer. Zwar ist mir von Beschädigungen der Kirche nichts ausdrücklich bekannt. Doch die Nachricht, dass nur ein Gebäude, das Badehaus, den Krieg unzerstört überstanden hat, lässt zumindest für die Inneneinrichtung Schlimmes befürchten. Die Kirche als Steinbau, wird die Zerstörungswut der Soldaten wohl überstanden haben. Für Sprengungen von Kirchengebäuden war das Schießpulver nämlich zu kostbar.


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655


Umbau 1698
Nach dem 30jährigen Krieg war die Kirche baufällig. Dazu werden wohl der Krieg als auch der schwammige und instabile Untergrund beigetragen haben. In einem Protokoll von 1698 heißt es: "Hiesiges Gottshaus und Pfarrkirchen Haimhausen war sowohl im Tachstull als auch am Fundament des Gemäuers dermassen pauföllig, daß die ganze Kirche von Grund auf hat abprechen und sodann, wie es die Notdurfft erfordert, was größeres als vorhero gewesen wird aufgepauet."

Die heutige Kirche erhielt somit um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert ihr heutiges Aussehen, als 1698 das Langhaus, das Kirchenschiff, im barocken Stil neu und etwas größer als vorher gebaut wurde. Den stark eingezogenen und niedrigen Chor ließ man stehen. Das Langhaus wurde hauptsächlich aus Spendenmitteln des Haimhausener Grafen Franz Ferdinand und der Gräfin Maria Anna, deren Freigebigkeit gegenüber der Kirche "insignis benefactrire ecclesiae parochalis" besonders erwähnt wird, errichtet. Für die Kosten der sonstigen Umbaumaßnahmen, die sich bis 1708 erstreckten und auch den Turm und insbesondere die Inneneinrichtung umfassten, wurden "von der Inhausener Kirche 1600 Gulden vorgeschossen".

Zu dieser Zeit hat man westlich des Turms ein Anbau errichtet, der vermutlich zunächst eine Seitenkapelle war und als Grabstätte der Schlossherren diente. Er wird heute als Sakristei genutzt. Die Barockisierung des Kircheninneren zog sich hin, möglicherweise auch bedingt durch den spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714), der in der Gegend von Haimhausen besonders stark wütete. Hugo Straßer schreibt dazu: "Es entstanden Seuchen und Hungersnot. Cooperator Sigl wurde ein Opfer der Krankenseelsorge, er starb 14.II. 1704 am grassierenden schlechten Fieber. Pfarrer Mörz suchte durch Mildtätigkeit der schreienden Not abzuhelfen".
Mehrere Figuren, ein Kruzifix, die Kanzel und die Taufsteinfiguren wurden erst 50 Jahre nach Beginn der Baumaßnahmen erstellt. Die Verzögerung hatte auch ihr Gutes: So konnte ein bedeutender Künstler gewonnen werden, der Flämische Bildhauer Egidius Verhelst, der bei Beginn des Umbaus erst 2 Jahre alt war.
  Hinweis: Egid (Ägid) Verhelst wurde am 13.12.1696 in Antwerpen geboren (getauft), kam 1718 nach München, wirkte von 1726-1736 im Kloster Ettal und zog schließlich 1738 nach Augsburg, wo er am 19.4.1749 starb. Seine Witwe heiratete 1759 den Künstler Johann Baptist Mutschelle 30).
Das künstlerische Schaffen von Egid Verhelst in den Haimhausener Gotteshäusern fällt in seine Augsburger Zeit. Verhelst trug maßgeblich dazu bei, dass die flämische Kunstauffassung auch in Süddeutschland Fuß fassen konnte. Mit zwei seiner Söhne gestaltete er die Ausstattung der Schlosskapelle Haimhausen (Holzarchitektur, Figuren, Stuck, Teile der Altäre, Kanzel und Beichtgestühl) und die Stukkaturen des Goldenen Saales im Schloss.
Auch in Inhausen war er tätig (Kanzel und Orgelgehäuse).


um 1700

Der Kartograph Michael Wening, der im Auftrag des bayerischen Kurfürsten das Aussehen des Haimhausener Schlosses in mehreren Stichen festgehalten und dabei auch die Kirche gezeichnet hat (Bild links), widmet in seinem um 1701 herausgegebenen Buch "Historico-topographica descriptio Bavariae" auch der Pfarrkirche eine kleine Notiz: "In der Pfarrkirchen aber ist S.Nicolaus, zu dessen Ehr nit allein bey disem Gottshauß ein Music fundirt, sondern auch erst neulich die Kirch selbst sambt dem Glocken-Thurn-Uhrwerk und Sacristey fein zugericht und erneueret worden, warbey sich auch ein gantz neu erbauter hipscher (=hübscher) Pfarrhof befindet".
Michael Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München) hat in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 Kupferstiche bayerischer Schlösser, Klöster und Kirche erstellt. Finanziell lohnte sich die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000 Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos nit hab genüßen können, sodaß ich die Zeit seither schier hätt krepieren muessen".

1732 wurde die Kirche mit insgesamt 30 000 Scharschindeln gedeckt, "an Stelle der ruinierten alten Ziegel", wie es hieß. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Kirchendach erst 34 Jahre vorher errichtet worden war. 


Schmidt'sche Matrikel von 1738-1740

In den Jahren 1738/40 besuchte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien im Bistum und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel. Darin wird die Zahl der Communicantes mit 580 angegeben. Die Zahl der Gläubigen hatte sich also in den vergangenen 200 Jahren trotz der menschlichen Verluste durch Pest und Dreißigjährigen Krieg mehr als verdoppelt. Zwei Kapellen waren dazugekommen: die Schlosskapelle und die "capella Beata Mariae Virginis in sylva Braidtholz bey dem Pründl". Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude werden als von guter Bausubstanz und moderner Form beschrieben; sie zeigen keine Schäden schrieb Schmidt. Die Pfarrei hatte noch zwei weitere "Widem-Güettl, aines zu Herenzhausen, das andere zu Neebach" , deren Einnahmen dem Pfarrer neben dem Pfarrhof in Haimhausen als wirtschaftliche Grundlage dienten.
Die Pfarrkirche St.Nicolai in Haimbhausen" wird als von feiner Gestalt beschrieben. Sie hatte -wie schon heute- drei Altäre. Der Hochaltar war dem Kirchenpatron St.Nikolaus geweiht, die Seitenaltäre dem hl. Georg (jetzt St.Josef) und der Schmerzhaften Muttergottes. In der Kirche stand ein Taufbecken mit den heiligen Ölen. Auch mehrere Grabstellen für die weiblichen Mitglieder aus dem Geschlecht der Haimhauser gab es in der Kirche; die männlichen sind in der Kirche von Inhausen beerdigt. Im Turm hingen vier geweihte Glocken. Das war für die damalige Zeit ein großes Geläute. Die Einnahmen verwaltete neben dem Pfarrer noch der Schlossherr. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache "Das völlige Vermögen dises Pfarr-Gottshauses wirdet sich der Zeit yber 600 fl. (Gulden) nit erstreckhen". Das war nicht viel im Verhältnis zu den Kirchen der Umgebung (Großnöbach 200 fl., Hörenzhausen 1000 fl., Ottershausen 2000 fl., Inhausen 8000 fl.), ist aber durch die vorherigen Umbaumaßnahmen erklärbar.

Bittgänge
Aus der Kirchenrechnung (Zehrgeld für den Kreuzträger) ist zu sehen, dass im 18.Jh alljährlich von Haimhausen aus drei große Bittgänge (Wallfahrten) nach München (zum hl.Benno, der in der Frauenkirche verehrt wurde), nach Johanneck nördlich von Allershausen und zum Kloster Taxa bei Odelzhausen durchgeführt wurden.
Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schärfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, öffnete man das Grabmal Bennos und warf seine Gebeine in die Elbe. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht zu haben. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.

Neuer Pfarrherr 1819
Im August 1819 wurde in Haimhausen ein neuer Pfarrer gesucht. Im Königlich-bayerischen Intelligenzblatt für den Isarkreis war folgender amtlicher Artikel zu lesen:
  "Die Erledigung der Pfarrey Haimhausen betreffend:
Im Namen seiner Majestät des Königs
Durch den Tod des bisherigen Pfarrers zu Haimhausen,Priester Benedict Knilling, ist diese Pfarrey erlediget.
Sie liegt in der Diöcese Freysing, im Wahldecanate und Landgerichte Dachau, dann im gräflich Buttler'schen Patrimonialgerichte Haimhausen, und zählt 783 Seelen.
Zur Verrichtung der Gottesdienste und Besorgung der Seelsorge im Pfarrorte Haimhausen, ,dann den Filialen Amperpettenbach, Großnebach, Höretshausen, Innhausen und Ottershausen, ist dem Pfarrer ein Cooperator beygegeben.
In Innhausen befindet sich ein Beneficium non curatum (= ohne Verpflichtung zur Seelsorge), und zu Haimhausen eine Schule.
Die Einkünfte der Pfarrey betragen jährlich 1519 fl. (= Gulden) 43 kr.
Die Lasten bestehen außer den gewöhnlichen Staat-und Diöcesan-Abgaben in 100 fl. jährlichen Bauaussitzfristen.
München den 27.August 1819, Königlich Bayerische Regierung des Isarkreises, Kammer des Innern,
v.Widder, Vicepräsident  -  v. Hofstetten, Director  -  Dr.Schilcher, Reggs.Accessist.

Schon ein Jahr später starb auch die Pfarrersköchin. Da keine Verwandten der Verstorbenen bekannt waren, wurden Erben per Amtsblatt gesucht.
 

Die vormalige Pfarrköchin zu Haimhausen, Anna Maria Bergheim, von Burghausen gebürtig, starb mit Hinterlassung einer letztwilligen Disposition. Von Verwandten der Verblichenen ist hierorts nicht das Mindeste bekannt. Es werden daher alle diejenigen, welche an gedachte Verlassenschaft von Erbschaftswegen oder sonst, sohin ex quocumque titulo, Ansprüche zu machen haben, hiermit öffentlich vorgeladen, selbe in Zeit von sechs Wochen, von heute an bey unterfertigtem Patrimonial-Gerichte um so mehr gehörig anzubringen, als außerdem in dieser Verlassenschafts-Sache, mit Ausfolgelassung der Erbschaft und Legaten so andern, ohne Weiters rechtlicher Ordnung nach vorschritten werden wird.
Den 4.Juli 1820 - Königl.Baier Graf von Buttler'sches Patrimonial-Gericht Haimhausen, im Königlichen Landgerichte Dachau. Fuchs, Gerichtshalter

 


Festgottesdienst 1833

zur Thronbesteigung des Königs Otto von Griechenland.
1832 wurde der bayerischer Prinz Otto von Wittelsbach erster König von Griechenland, das kurz vorher von Osmanischer Herrschaft befreit worden war. Darauf war man nicht nur am Königshof stolz; auch die Bevölkerung nahm daran großen Anteil.
In der Zeitschrift "Bayer'sche Landbötin" v.16.2.1833 wird ein Festgottesdienst in der Haimhausener Pfarrkirche beschrieben:
  "Auch in dem romantisch=schönen Haimhausen wurde für unser heißgeliebtes Königs=Haus, das in den Annalen der Zeit so höchst wichtige Ereigniß der Thronbesteigung Sr.Majestät des Königs Otto von Griechenland, dahin nun alle Blicke Europas freudig theilnehmend gerichtet sind, Sonntags, den 27.Januar, auf das Feyerlichste begangen. In der schönen Pfarrkirche, angefüllt mit dem andächtig betenden pfarrlichen Volke, zu erflehlen Heil und Segen für die glückliche Regierung Sr.Maj. des Königs Otto von Griechenland und für unser allerhöchstes Regenten=Haus, hielt der so würdige und allgeliebte Herr Pfarrer Baumann, berühmt in der ganzen Umgegend als vortrefflicher Kanzelredner, eine diesem großen Feste angemessene salbungsvolle Rede, wodurch der rege Andachtseifer noch mehr entflammt wurde. Ein von eben Demselben für diese Vaterlands=Feyer eigens gedichtete herzlich schöne Lied, abgesungen während des Hochamtes, von einem wohlbesetzten Sängerchor, sprach allgemein an, und Referent dieses will hiervon nur eine Strophe anreihen, welche heißt: Besteig den Königsthron, du edler Bayerns=Sohn ! In Griechenland ! Heil, Deiner Fürstenbahn ! Dein Morgenroth bricht an ! Heil, Heil dir, Griechenland ! Gott ist mit Dir."

Grufteinbau 1841

1841 wurde von den Schlossherren, der Fam. Butler, in der Kirche eine Familiengruft angelegt (siehe Bild rechts). Dabei musste ein großer Teil des Kirchenbodens aufgerissen und die Gräber der früheren Pfarrherren und Cooperatoren mit ihren in den Boden eingelassenen Grabsteinen verlegt werden. Früher hatte man Priester in der Kirche begraben. Von den Pfarrern Mörz, Niedermayer und Lenk ist dies bekannt, wie von vielen anderen Einschreibungen ins Totenbuch und in den Grabsteinen. Bei Pfarrer Niedermayer heißt es: sepultus in eccl. in medio inter utramque januam et columnam. Wegen der Gruft musste man auch Säulen verlegen, auf denen die Empore ruhte. Außerdem war es notwendig, eine Seitentüre einzubauen, weil man sonst "mit einem Sarge nicht zur Gruftstiege kommen" konnte. "Um nicht drei Thüren auf einem so kleinen Platz zu erhalten, wurde die auf der Evangeliumsseite zugemauert", schreibt Straßer.


Gruft 1841
Die Gruft war von 1938 bis 2004 geschlossen und soll künftig zu besonderen Gelegenheiten wieder zugänglich gemacht werden.

Im Rahmen dieser Baumaßnahme hat man 1841 die Kirche auch umgestaltet. Die Stukkaturen wurden abgeschlagen, die ganze Kirche weiß getüncht und selbst die Altäre weiß gefasst. So blieb die Kirche bis 1871.

Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft, teils auf die Gemeinde, die Pfarrei oder die Filialkirchengemeinde.
- 1450: Ortschaft mit 44 Anwesen (davon nur 11 Bauern)
- 1524: Pfarrei mit 270 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
- 1560:
Pfarrei mit 350 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
- 1738
: Pfarrei mit
580 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
- 1760: Ortschaft mit 41 Anwesen (auch davon nur 11 Bauern) dazu kommt die ausgedehnte Hofhaltung
- 1847:  Pfarrei
mit 861 Gläubigen
- 1852: hatte das Pfarrdorf Haimhausen 630 Einwohner bei 154 Familien und 102 Gebäuden
- 1867: Gemeinde mit 715 Einwohnern, 163 Gebäuden
            Ortschaft mit 440 Einwohnern in 91
Gebäuden (dazu Inhausen 53/19, Maisteig 28/5, Ottershausen 195/48)
- 1874: Pfarrei mit 1021 Gläubigen in 147 Häusern.
            davon in der Ortschaft Haimhausen mit 467 Gläubigen in 70 Häusern
- 1880: Gemeinde mit 825 Einwohnern (zum Vergleich: Dachau 3100, Indersdorf:950, Pipinsried 514, Odelzhsn 490, Kollbach 425)
- 1933: Gemeinde mit 1037 Einwohnern
- 1939: Gemeinde mit 1048 Einwohnern

- 2015: Ortschaft mit 3616 Einwohnern

Im Jahr 1850 führten Redemptoristenpatres aus Altötting eine Volksmission in Haimhausen durch.

1866 wurden neue Glocken angeschafft.

Im Jahr 1869 stiftete die Schlossherrin zwei Jahrtagsmessen. Solche Stiftungen mussten von der Regierung genehmigt werden. Deshalb ist im Freisinger Tagblatt (zugleich Amtsblatt für Freising, Moosburg und Dachau) unter der Rubrik "Amtliches für Dachau" die Meldung veröffentlicht:
  "Bekanntmachung
Die von Frau Gräfin v.Butler zu München beabsichtigte Stiftung von 2 Jahrmessen zur Pfarrkirche in Haimhausen im Kapitalsbetrage von 20 fl. erhielt durch k(önigliche) Regierungs-Entschließung dd. 8.September l(aufenden).J(ahre)s. die Genehmigung. Dachau 13.September 1869, Königl. Bezirksamt Dachau    D.a. Reiser"

1871 oder 1876 wurde der Hochaltar renoviert. Er ist ein Werk des damals bekannten Münchner Architekten Marggraff (1830-1917); er war auch in der Hebertshausener und in der Stumpfenbacher Kirche künstlerisch tätig. Das -zwischenzeitlich entfernte- Altarbild, das der Münchner Kunstmaler Julius Frank im Renaissancestil geschaffen hat, zeigt den Kirchenpatron St.Nikolaus, wie er seine Gemeinde segnet.  


Pfarrbeschreibung 1874/80

Kirche und Pfarrei Haimhausen sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten. Die Pfarrei hatte damals schon 1021 Gläubige in 147 Häusern (davon im Ort Haimhausen: 467 Gläubige in 70 Häusern). Die Zahl der Pfarrangehörigen hatte sich somit in den vergangenen 25 Jahren um 18,5 % erhöht. 1 Schule mit 1 Lehrer und 140 Schülern. Der (geometrische) Umfang der Pfarrei betrug "beiläufig 3 Gehstunden". Das Widum (der Bauernhof des Pfarrers) hatte 1874 offiziell eine Größe von 91 Tagwerk (Wiesen und Äcker). Allerdings soll sich die tatsächliche Fläche durch "Abschwemmung durch die Amper auf nur mehr 89 Tagwerk" vermindert haben. Das Pfarrhaus und die Ökonomiegebäude (1799 nach einem Brand wieder erbaut) seien hinreichend und brauchbar, heißt es. In Haimhausen waren neben dem Pfarrer noch ein ständiger Cooperator (Kaplan) und der Benefiziat in Inhausen seelsorgerisch tätig. Den Mesner- u. Cantordienst versieht der Lehrer. Im Turm hingen nach wie vor vier Glocken. Die Pfarrkirche wird als für die Anzahl der Gottesdienstbesucher nicht ausreichend bewertet.

Schon wenige Jahre später, im Jahre 1877 (andere Quellen: Josef Bogner: 1871 oder Pfarramt: 1874) verlängerte Pfarrer Johan Nepomuk Mederer die Kirche um 5 Meter nach Westen (Entwurf Zimmermeister Mayer, Dachau). Dabei erhielt sie eine Doppelempore. Die Fenster, die bis dahin einen geschweiften Bogen nach unten hatten (wie z.B. die Klausenkapelle oder die Liebfrauenkirche in Tandern), erhielten einen geraden Sims.
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Beschreibung 1893

Mit der Haimhausener Kirche befasste sich auch das Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns, das Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, klicken Sie hier....



Umbau 1895

Im Jahre 1895 ließ Pfarrer Augustin Neureuther die ganze Kirche mit Dekorationsmalereien (Maler August Schluttenhofer aus München) und mit Fresken (Colletti) schmücken.
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Da man diese Ausmalung nach einiger Zeit nicht mehr schätzte, wurde sie 1938 durch ein neues Gemälde der Künstler Seibold aus Freising und Joh.Michael Schmidt ersetzt. Damit sei der Raum "ruhiger und feierlicher gestaltet worden".
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Nach dem Umbau von 1895 wurde die Rückseite der Kirche erneuert. In die Westmauer wurden zwei Fenster eingesetzt und eine neue Orgel gekauft.


Beschreibung 1900
In den Jahren 1900 und 1901 hat der Haimhausener Kaplan Hugo Straßer unter dem Titel "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria" (= Neues und Altes aus der Pfarrei Haimhausen) eine Pfarrbeschreibung verfasst, die insbesondere eine umfangreiche Pfarrerliste enthält. Ich habe die in Sütterlin verfasste Handschrift erst zum Teil transkribtiert.
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Aus dem Jahr 1927 ist bekannt, dass neue Glocken angeschafft wurden. Wahrscheinlich waren sie Ersatz für die im 1.Weltkrieg eingeschmolzenen Vorgänger. Die kleinste der 1927 gegossenen Glocken hängt noch heute im Turm (Sterbeglocke).

1933 hat man eine Außenrenovierung durchgeführt. Vier Jahre später wurde das Innere erneuert. Außerdem wurde ein neuer Glockenstuhl angeschafft.


Zweiter Weltkrieg 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg bat das Ordinariat die Pfarrer, über die letzten Monate des Krieges und den Einmarsch der Amerikaner in das Gebiet ihrer Pfarreien zu berichten. Die Berichte enthielten Aussagen zu Schäden an Kirchen und Pfarrhäusern durch Fliegerbomben, beim Einmarsch der Amerikaner und durch die (erlaubten) Plünderungen der Gefangenen danach sowie über die Probleme der Seelsorge in den Kriegsjahren. Die Berichte wurden vom Direktor der Diözesanbibliothek Peter Pfister 2005 als Buch herausgegeben.
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Weitere Restaurierungen wurden
- in den Jahren 1958/59 (Innenrenovierung durch Kirchenmaler Michael Weingartner aus Pfaffenhofen/Ilm) sowie in den
- Jahren 1977/78 (Ausbesserungsarbeiten am Deckengemälde, wieder durch Michael Weingartner) durchgeführt.
Bei der laufenden großen Renovierung 2011-2017 steht die Statik des Gebäudes im Vordergrund. Zugleich soll -soweit möglich- die frühere Ausstattung wieder hergestellt werden. Auch die Orgel aus dem Jahr 1900 soll renoviert und erweitert werden.


Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Abschiedsfeiern von Pfarrern oder Fahnenweihen beschrieben. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...


Pfarrerliste
Dank der Aufzeichnungen des Kooperators Hugo Strasser sind die Namen vieler Haimhausener Pfarrer seit 1423 und die von rd. 100 Cooperatoren (=Kapläne) überliefert. Wenn Sie mehr über die einzelnen Pfarrer wissen möchten, klicken Sie hier...



Baubeschreibung

Die Pfarrkirche St.Nikolaus liegt am nordöstlichen Ende des Straßendorfes auf einem Höhenrücken, der sich entlang der Amper hinzieht. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.

Da sich im Laufe der Jahrhunderte wegen des schwammigen Untergrunds die Mauern trotz einer 1874 eingezogenen Eisenstange um 14 Zentimeter nach außen verschoben haben, wurden 2013 außen Stützpfeiler angebracht, die das Mauerwerk stützen sollen. Eine in heutiger Zeit ungewöhnliche Maßnahme. Stützpfeiler waren fester Teil der Bautechnik in gotischer Zeit (14.-16.Jh), um den Mauerdruck abzufangen.


Bau der Stützpfeiler

Die Kirche in Haimhausen hat, wie die meisten Kirchen in unserer Gegend, einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für die christliche Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude. Es war die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet, als eine runde, kompakte Kirche . mit einem Altar in der Mitte, zumal es bis ins 16.Jh. keine Kirchenbänke gab.

Der spätgotische Chor ist eingezogen und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. An der Nordseite des Chores befindet sich der zweigeschossige Anbau mit einem Oratorium im Obergeschoß. Die Dachkonstruktion über dem Chor ist schon über 500 Jahre alt; die Balken werden durch Holznägel zusammengehalten. Das Steingewölbe des Chores wird durch Lehm zusammengehalten; von oben gesehen gleicht es -nach Aussagen von Bernhard Skrabal- einem großen Lehmbackofen.

Das Langhaus besitzt 5 Achsen. Es stammt aus der Zeit um 1700. Um 1877 wurde es um die 5.Achse erweitert. Es hat an der westlichen Giebelseite weder Fenster noch Schmuckverzierungen. Die hier befindliche Türe ist über drei Granitstufen erreichbar. 1732 war die Kirche mit insgesamt 30.000 Scharschindeln eingedeckt worden. Leider hat das Gewicht des Dachstuhls im Laufe der Jahrhunderte die hohen und relativ dünnen Außenmauern um 14 cm nach außen gedrückt. Deshalb hat man zur Stabilisierung 2015 Metallstangen eingezogen, die dem Dachstuhl wieder Halt geben.

Kirchturm
Der 36 m hohe Kirchturm mit seinem viergeschossigen, sich nach oben verjüngenden Aufbau wurde wohl nach 1450 gebaut. Um 1700 zeichnete Michael Wening auf seinem Kupferstich vom "Schloß und Hoff-Marck Haimbhaußen" den Turm der Pfarrkirche noch mit einem Satteldach (kleines Bild oben).
Kurze Zeit später erhielt der Turm eine kupferbeschlagene Kuppel (welsche Haube),die zunächst mit Weißblech und 1904 mit Kupferblech überzogen wurde. Die Kuppel wurde mit einem Kelchaufsatz und einem 1,80 m hohen Doppelkreuz geschmückt. Im Kelchbecher sollen zwei kleinere Ministranten sitzend Platz haben. Im Erdgeschoß und im ersten Stockwerk des Turmes befindet sich jeweils ein Rechteckraum mit Netzrippengewölbe und kleinen Kragsteinen. In halber Höhe dieser beiden durch eine steinerne Wendeltreppe verbundenen Räume sind ein in die Wand eingelassener alter schmiedeeiserner Tresor und ein vermauerter Zugang (oder ehem. Fenster) zum Chor zu erkennen.

Glocken
Wie auch in anderen Pfarreien, wurden in den Jahren 1939 und 1940 vom Haimhausener Kirchturm drei Glocken entfernt und zu Kriegszwecken verwendet. Nur die kleinste Glocke (gegossen 1927) blieb im Turm zurück. Sie ist die Sterbeglocke, d.h., sie wird geläutet, wenn ein Gläubiger aus der Gemeinde gestorben ist. Der Glockenstuhl stammt aus dem Jahr 1937.
Nach dem Krieg ging Pfarrer Behrendt, damals gerade neu im Amt, von Haus zu Haus und sammelte Geld für drei neue Glocken, die 1949 bei Ludwig Will in Bruckberg aus Bronze gegossen wurden. Sie sind Christus, der Gottesmutter und St. Nikolaus geweiht. Nachfolgend sind die vier Glocken tabellarisch aufgeführt:


Bezeichnung
Ton
Gewicht
Bilder
Texte

Christkönigsglocke

c'
2400 kg Christkönigsbild
+ Bild Pius XII.
Jesum Christum regem venite adoremus (Jesus Christus, den König, kommt, lasst uns anbeten) und
"Herr, sgene die Reihen, die freudig sich weihen, Dir König der ewigen Macht. Anno Sankto MDCCCCL, Behrend Stephan, Pfarrer"
gegossen von Ludw. Will in Bruckberg
Marienglocke
e'
1010 kg Patrona Bavariae
+ Bild Pius XII.
"Maria breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus."
"Heiliges Jahr 1950" und "Mich goß Ludwig Will, Glockengießerei Bruckberg 1949"
Nikolausglocke
g'
740 kg Nikolausbild
+ Bild Pius XII.
Heiliger Nikolaus, bitte für die Pfarrgemeinde Haimhausen" und "Heiliges Jahr 1950" und "Mich goß Ludwig Will, Glockengießerei Bruckberg 1949"
Johannesglocke
a'
330 kg Priesters mit Kreuz und Palme "Rex Gloriae Christe Veni Cum Pace" (= König der Herrlichkeit, komme mit deinem Frieden)
gegossen 1927 in der Glockengießerei Anton Josef Bachmair Nachf. Erding

 

Die drei großen Glocken wurden 1949 bei der Glocken- und Metallgießerei München-Bruckberg in Bruckbergerau, einem Ortsteil von Bruckberg in Niederbayern gegossen. Diese Gießerei bestand nur zwei Jahre, von 1949-1951. Die Haimhauser Christkönigsglocke war übrigens die schwerste Glocke, die in dieser Gießerei unter dem Gießermeister Ludwig Will gegossen wurde.


Sakristei

Westlich an den Turm schließt sich ein schmaler Anbau mit einer Länge von fünf Achsen an,der im Inneren mit Tonnengewölbe überdeckt und durch vier quer-ovalen Fenster erhellt wird. Er dürfte Anfang 18. Jh.entstanden sein. Der niedrige Bau (siehe Bild links) beherbergt nun im östlichen Teil die Sakristei. Im wesentlich kleineren, westlichen Teil war früher das Beinhaus (jetzt Heizung) untergebracht. Dazwischen - etwas erhöht - der Haupteingang in die Kirche.

Im Vorhaus dieses Südeingangs hängt neben zwei Epitaphien über einem Marmorblock oder Sarkophag ein Marmor-Kreuz (mit einem 90 cm großen Corpus) aus dem 18.Jh. Möglicherweise ist es das Grabdenkmal eines ehemaligen Pfarrers.
In der Zeit zwischen 1690 und 1950 befand sich an der linken Seite des Vorhauses das ganze Jahr über eine Ölbergszene. Die Figuren sind heute noch erhalten und werden
nunmehr am Ende der Karwoche, für jeweils 2 Tage, von Karfreitag bis Karsamstag, im Altarraum der Kirche aufgestellt. Die vier aus Holz geschnitzten Figuren zeigen Jesus mit seinen drei wichtigsten Aposteln Petrus und den Brüdern Jakobus und Johannes. Während Jesus betend die Hände ringt, schlafen die Jünger.


Marmorkreuz
im Vorraum

 

 

 

Hinweis: Ein Kruzifix (crux= Kreuz, fixum= angeheftet) ist die Darstellung des am Kreuz hängenden Christus. In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus (Körper) des Gekreuzigten angebracht, weil die Kreuzigung als eine schändliche und würdelose Art der Hinrichtung galt (wie vor kurzem bei uns der Galgen). Auch in der jüdischen Tradition war nach dem Alten Testament (Buch Dtn 21,22) jeder Gekreuzigte (ans Holz Gehängte) ein "von Gott Verfluchter". Ab dem 4.Jh wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden oder toten Gekreuzigten und damit die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

Epitaphe an den äußeren Mauern
In die Außenmauern der Kirche sind viele alte Gedenktafeln eingemauert. Einige sind noch gut leserlich, bei den anderen ist die Farbauflage in den eingemeißelten Buchstaben abgewittert, sodass Teile der Schrift nur sehr schwierig zu entziffern sind.


Bettkichner
Fendl-1874
Gimpl-1831
Knilling-1819
Lenk-1797
Maedl-1794
Manz-1880
Mederer-1886
Mederer-2
Neureuhter-1896
Rottenfußer-1690
Schütz
Siegerin-1881
Tampier-1834
Wenn Sie die Texte auf den Grabsteinen lesen möchten, klicken Sie auf die kleinen Bilder der Epitaphe. Der jeweilige Grabstein wird dann groß dargestellt und mit dem Text unterlegt.

 

Innenausstattung

Altarraum

Der Altarraum (Chor) besitzt ein spätgotisches Gewölbe mit Stichkappen über den Fenstern. Die Rippen des Gewölbes sind abgeschlagen. Die Wände sind durch Pilaster gegliedert.

Geburt Christi
und 12 Apostel
Das Deckengemälde im Chor zeigt die Geburt Jesu; darunter sind in den sechs Stichkappen des Gewölbes die 12 Apostel beim Abendmahl mit Jesus dargestellt. Darüber in Schriftbändern der Text: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit alle die an ihn glauben, nicht verloren gehen".
Dort ist auch die Signatur des Malers Michael P.Weingartner (1917-1996) aus Pfaffenhofen/Ilm zu sehen, der die Gemälde im Chor und Kirchenschiff 1958 erstellt hat.

Signatur

Jesus

Judas
 
Hinweis: In die Bildende Kunst fand das letzte Abendmahl erst im 5./6. Jh. Eingang. Ursprünglich wurde Jesus an der linken Ecke der Tafel sitzend wiedergegeben, ab dem 11. Jh. meist in der Mitte thronend, flankiert von seinen Jüngern, wie hier in Haimhausen. Der spätere Verräter Judas wird oft mit verschlagener Miene, den Beutel mit Silberlingen haltend oder die Tafel verlassend, dargestellt.


 

Hochaltar / Choraltar



Altar nach 2009

Seit 2009 steht in der Kirche wieder der von J.Marggraff (1830-1917) gebaute Choraltar aus dem Jahr 1876. Das Säulenretabel ist im Stile der Neo-Renaissance gestaltet, mit zwei Altarbildern, die im Altarblatt den Kirchenpatron St.Nikolaus u. im Auszug die Muttergottes mit dem Kind auf dem Arm zeigen. Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb waren Säulenretabel eine beliebte Bauform.
Wenn Sie den Altar in der Fassung der Zeit vor 1950 und nach 2009 vergleichen wollen, klicken Sie auf die Bildchen links und rechts.


Altar vor 1950

Assistenzfiguren sind nun wieder die Heiligen Petrus und Paulus, die auf Konsolen neben dem Altarblatt stehen. Bis 2009 hatten sie den Platz an den Seitenaltären mit Sebastian und Korbinian getauscht.
Links der hl. Petrus (2.Hälfte des 19.Jh) mit Buch und Himmelsschlüsseln. Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf und grauem, krausen Haarkranz um den Büschel über der Stirn sowie mit Bart dargestellt.
Petrus     
St.Petrus     St.Paulus
Der hl. Paulus (wie Petrusfigur aus der 2.Hälfte des 19.Jh) mit Buch und Schwert (rechts). Das Buch erinnert an die Funktion als Verkünder des Evangeliums, das Schwert an die Art des Martyriums.
Auch die Paulusfigur stand früher zusammen mit der Figur des hl.Petrus von 1958 bis 2009 an den Seitenaltären.

Nikolausbild
Das über zwei Meter hohe Altarblatt zeigt den hl.Nikolaus als Bischof im Messgewand mit einem Buch und drei Goldkugeln. Mit seiner Rechten segnet er die Gemeinde. Im Auszugsgemälde ist die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm dargestellt. Zwei Engelsfiguren auf dem Gebälk huldigen dem heiligen Paar mit Füllhörnern und Fruchtkörben. Wie im Historismus üblich, waren die Personen vom Maler Julius Frank aus München idealisiert, mit makellosen Gesichtszügen gemalt worden.

Muttergottes

Unter dem Altarblatt und den Assistenzfiguren steht ein prächtiger doppelstöckiger Tabernakel, oben verziert mit einer Hl.Geist-Taube zwischen Leuchter tragenden Engeln. Er wurde um 1900 im neubarocken Stil erstellt.

Tabernakel
Der Tabernakel besteht aus Holz und ist teil-vergoldet. Auf zwei Säulchen ruhen ein Gebälk und ein Rundgiebel, in dem ein Pelikan abgebildet ist. Der Pelikan ist Symbol für Christus, weil man fälschlicherweise glaubte, der Vogel reiße sich mit dem Schnabel die Brust auf, um seine Jungen zu nähren.
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig.Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Altar in der Zeit von 1958 bis 2009
Der Hochaltar wurde 1958 stark verändert. Damals hatte man den gesamten Altaraufbau mit dem Altarblatt und dem Aufsatzbild entfernt um das Fenster hinter dem Altar freizulegen und so dem Chorraum mehr Licht geben. Blickfang des neugestalteten Altars mit gemauerter Stipes (aber ohne Retabel) war das große barocke Kreuz (vermutlich vom flämischen Künstler Egidius Verhelst), das sich (mindestens seit 1893) bis zur Restauration 1958 an der Nordwand über der Muttergottesfigur (mater dolorosa) befand und dort das Kanzelkreuz bildete.
Es zeigt einen kräftig durchgebildeten überlebensgroßen Corpus, "mit einem Antlitz voll tiefer Empfindung". Straßer schreibt, "geradezu ergreifend schön ist in dieser Gestalt die Tiefe des Schmerzes und die Weite der Liebe zur Darstellung gebracht. Ein andächtiger Blick zu diesem Creuz liest die ergreifendste Karfreitagspredigt ab."


Altar vor 1950

Jedenfalls eine hervorragende künstlerische Arbeit. Das leicht nach vorne gerichtete Kruzifix wird nach Abschluss der Renovierung wieder an der Nordseite des Langhauses angebracht werden. Durch die Neugestaltung des Choraltars im Jahr 1958 war ein neues Problem entstanden: Das alte, nunmehr entfernte Hochaltarbild stellte eine Szene aus dem Leben des hl. Nikolaus dar. Dies war die einzige Darstellung des Namenspatrons in der Kirche. Um wenigstens einen Bezug zum hl. Nikolaus zu haben, entfernte man bei der Figur des Bischofs Korbinian das Attribut, den Bären, der am Fuß des Heiligen lagerte. Damit war die Figur nur die eines beliebigen Bischofs und konnte so auch als hl. Nikolaus durchgehen. Aber auch der Korbinian war nicht der Heilige, den die Figur anfangs darstellen sollte. Bei einer noch früheren Renovierung hatte man den Bären zugefügt, um die ursprüngliche Bennofigur in eine Korbiniansfigur umzuwidmen.


Oratoriumsanbau

An der linken Seite des Altarraums ist ein Oratorium als zweigeschossiger Anbau (19.Jh) eingerichtet, von dem aus früher die hochgestellten Personen der Messe beiwohnen konnten ohne sich unter das einfache Volk mischen zu müssen. Das Oratorium mit den zwei Fenstern wurde 1936 umgebaut.
Von dort blickt jetzt die Statue des Auferstandenen herunter, die in der Osterzeit ihren Platz auf dem Altar findet. Der mit den Wundmalen gezeichnete Christus hält in linken Hand die Siegesfahne und erhebt die Rechte segnend.

Auferstandener
Die Kreuzfahne ist ein in Kreuzform endender Stab, an dem eine Fahne oder ein Banner angebracht ist. Sie gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik.
  Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll.
Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.



E
pitaphe im Innenraum

Im Altarraum, unter dem Oratorium, am Chorbogen, neben den Seitenaltären und neben der Empore sind an den Wänden mehrere Epitaphe angebracht.
  Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

    1521

1622

1626 Theodor Haimh

16??
1681

1729

1759

1765

Butlersche Grufttafel

1521
Epitaph für Johannes Löb.
Das älteste Epitaph der Kirche ist im Chorschluss, rechts hinter dem Hochaltar eingemauert. Es ist sehr stark verwittert und zeigte früher einen Priester mit Kelch. Der noch lesbare Text lautet:
      "Anno Domini MCCCCCXXI die ... mensis obiit Dominus Joannes L.., parochus, requiescat in pace".
Vor gut 100 Jahren (1893) war dieses Epitaph außen am Chor angebracht.
1622
Sehr deutlich ist auf dem Grabstein aus dem Jahr 1622 ein bärtiger Priester mit dem Kelch zu erkennen. Es handelt sich um eine Darstellung von Pfarrer Stephan Schmid, für den das Grabmal angelegt wurde.
Vor gut 100 Jahren (1893) war dieses Epitaph außen am Chor angebracht.
1626
Ein prächtiges Epitaph aus Rotmarmor ist an der rechten Chorwand zu finden. Es stammt aus dem Jahr 1626 und erinnert an den in der Zeit 1593-1626 amtierenden Hofmarksherrn Theodor von und zu Haimhausen, der am 12.11.1626 starb, sowie an dessen früher verstorbene Frau Anna Patzinger von Schernau (gest. 1600). Der Grabstein aus Rotmarmor zeigt beiderseits der Texttafel die Wappen der Verstorbenen.
  Text: "Anno 1626 den 12.Novemb.starb der Wol Edl und Gestreng Theodorius Von Und Zu Haimbhaußen auf Hibelsbach, Padtzing, Gerlhausen. Herr auf Khuttnplan. Churfrtl. Drtl. in Bayern gehaimer Rath bestelter Oberister zu Füeß und Pfleger zu Ertting. Anno 1600 den lezten december Verschid Die Edl Ehrnthugendreich Fraw Anna von Haimbhausen geborne Patzingerin zu Schernau so bede alda begraben dene gott gnad Amen."
Vor gut 100 Jahren (1893) war dieses Epitaph an der Nordwand des Chores angebracht.
16??
Nicht datiert werden kann eine stark beschädigte Grabplatte aus Rotmarmor an der Nordseite des Altarraums unter dem Oratorium. Sie stammt aus der Renaissancezeit und zeigt das Relief eines Priesters.
1681
An der Nordseite, nahe der Empore, ist das bemerkenswerte Grabdenkmal des Maximilian Albert Freiherr von Haimhausen , kurfüstlicher Truchseß, Pfleger und Hauptmann zu Wasserburg aus dem Jahr 1681 angebracht. Die bemalte Holzskulptur stellt einen Ritter in Lebensgröße dar, mit seinem und seiner Frau Wappen.
  Der Text unter der Figurengruppe lautet:
"Allhier in der Pfarr liegt begraben der wohlgeborne H.H.Maximilian, Freiher von und zu Haimbhausen, der Churfr.Drl. in Bayern gewester Truchsetz, Corneth, hernach Pfleger und Haubtmann zu Wasserburg. Seel seine Frau Gemahlin, die wohlgeborne F.F. Elisabeth Theresia Christina Freiin von Quidebon. Wittib, welche den 21.Okt. 1681 zu München in Gott entschlafen ist. Gott der Allmächtige wolle ihnen und allen Christgläubigen seel. eine friedliche Auferstehung verleihen Amen. 1681"
Vor gut 100 Jahren (1893) war dieses Epitaph hoch oben an der rechten Seite im Altarraum angebracht.
1729
Am Chorbogen ist links die Grabplatte für den Pfarrer Jodok Neudecker eingemauert, der am 28.5.1729 gestorben ist. Im unteren Bereich des Steines sind ein Kelch, ein Wappen und ein Totenkopf eingraviert.
1759
Neben den Seitenaltären hängen an der Wand zwei barock geformte kleinere Grabplatten aus Rotmarmor mit farbigem Wappen zu sehen. Das Epitaph auf der rechten Seite wurde für Freiherrn von Preysing 1759 angefertigt.
1765
Links das Epitaph für den Pfarrer und Dekan Josef Rucklinger aus dem Jahr 1765.
1930
Aus schwarzem Marmor besteht das Epitaph für die Graf Butler'sche Familiengruft. Auf ihr sind Eintragungen aus der Zeit zwischen 1837 und 1930 zu finden.



Zelebrationsaltar und Ambo

Das Lesepult (Ambo) und das Antependium des Zelebrationsaltars aus Bronzeguss sind reich geschmückt. Beide wurden 1988 aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.


Ambo

 

Ambo
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes'ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Die Frontseite des Lesepults in Haimhausen (Künstlerin Marlene Neubauer-Woerner aus München, 1981) ist als Adlerfigur mit ausgebreiteten Flügeln gestaltet. Oben die Inschrift: "Am Anfang war das Wort". Beides weist auf den Evangelisten Johannes hin, dessen Attribut der Adler ist und dessen Evangelium mit den Worten der Ambo-Inschrift beginnt. Das Adler-Ambo ist schon seit der Romanik bekannt. Der Text des Johannesevangeliums gilt nicht nur als spirituelles und sondern auch als literarisches Meisterwerk, das als -wenn auch unerreichbares- Vorbild für die Verkündigung von Gottes Wort von diesem Ambo aus gilt.
Das Johannesevangelium wird auch als "Flug des Adlers", als "meditatives Kreisen um das Christuslicht" verglichen.

Zelebrationsaltars
Das Antependium des Altars ist mit Metallreliefs verziert, die um den gesamten Altar herumreichen. Sie wurden 1988 von Marlene Neubauer-Wörner entworfen.

Seite
An den beiden schmalen Seiten sind Kornähren und Weinreben als Sym-bole für Brot und Wein - Leib und Blut Christi angebracht.

Rückseite
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An der Rückseite, zu Füßen des zelebrierenden Pfarrers ist in drei Reliefs der Tod Christ, an der Front-seite, den Gläubigen zugewandt, die Auferstehung Christi dargestellt.

Vorderseite
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  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.




S
akristei

Das Erdgeschoss des Turmes ist der Verbindungsraum zwischen der Sakristei und dem Altarraum. Er besitzt ein gotisches Netzgewölbe. Die Vielzahl der Rippen im Netzgewölbe ist nicht -wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.

Netzgewölbe in
der Sakristei
An der Wand des Verbindungsraum hängt ein großes, schön gestaltetes Kruzifix im Stil der 1.Hälfte des 18.Jh.

Sakristeikruzifix
In der langgezogenen Sakristei mit Tonnengewölbe und vier querovalen Fenstern aus dem Anfang des 18.Jh. stehen noch die alten, aus Eichenholz gefertigten Sakristeischränke aus der Zeit um 1700. Im Hintergrund ist der Zugang zur Kanzel (Holztreppe) zu sehen.

Sakristeischrank
  Hinweis: Jesus am Kreuz im Erdgeschoss des Turms hat die Seitenwunde -wie in den meisten Kirchen üblich- auf der rechten Seite. Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Da das Öffnen der Seite aber den Zweck hatte, zu prüfen, ob Jesus schon tot war, muss es sich um seine linke Seite gehandelt haben. Nach dem Tod eines Menschen sammelt sich im Herzen Blut und Wasser. Das herauslaufende Wasser war somit das Zeichen für den eingetretenen Tod. Die häufige Darstellung der Stichwunde auf der rechten Seite liegt in der mittelalterlichen Deutung begründet, dass es nur die rechte, die gute Seite sein konnte, durch die Blut und Wasser als Vorausdeutung auf die Sakramente der Eucharistie und der Taufe auf die Menschheit herabströmte.
Am Zugang zur Sakristei hängen die Chorglocken, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes anzeigen. Es handelt sich um eine kleine Glocke, die mit einem quastenbehängten Zugband zum Klingen gebracht wird. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.

Chorglocke



Chorbogen

Der Chorbogen ist seit 1958 nur im oberen Bereich durch das von der Decke hereinreichende Gemälde "Credo" von Michael P.Weingartner bemalt.

Kirche 1895

1841 war der Chorbogen, wie die gesamte Kirche, weiß getüncht. 1895 ließ Pfarrer Augustin Neureuther die Kirche durch den Maler August Schluttenhofer, Mch mit Dekorationsmalereien und durch Colletti mit Fresken schmücken. Im Chorbogen hing das große Kruzifix, das später an der Seitenwand und 1958 über dem Hochaltar angebracht wurde. (Bild links).
Nach 43 Jahren war die Malerei stark geschädigt; Teile waren heruntergefallen. Da man diese Ausmalung nicht sehr schätzte, wurde sie 1938 durch ein neues Gemälde der Künstler Seibold aus Freising und Joh.Michael Schmidt ersetzt. Damit sei der Raum "ruhiger und feierlicher gestaltet worden", schreibt M.Hartig. (Bild rechts)

Kirche 1938


Ewig-Licht-Ampel

Heute hängt am Chorbogen -wie in den meisten katholischen Kirchen-die Ewig-Licht-Ampel aus durchbrochenem Silberblech.

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern.Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten.




Ewig-Licht-Ampel
Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Kirchenschiff bzw. Langhaus

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.

Das Kirchenschiff (Langhaus) wird von einem flachen Tonnengewölbe überdeckt. Es besteht aus einer Holzkonstruktion, an die an der Unterseite mit Metallnägeln Strohmatten befestigt sind. Daran ist der Putz mit den Deckengemälden angebracht. Leider hat das Gewicht des Dachstuhls im Laufe der Jahrhunderte die hohen und relativ dünnen Außenmauern um 14 cm nach außen gedrückt. Die Deckenbalken hingen um 10 cm nach unten durch. Deshalb hat man 2015 Metallstangen eingezogen, die dem Kirchenschiff wieder Halt geben.

Durch die rundbogigen Fenster wird der Raum gut erhellt. Die Fenster hatten bis 1877 eine geschweifte Form (wie derzeit noch in Jarzt, Tandern-Frauenkirche und .... ). Die Wände sind nicht gegliedert.


Taufstein

Der barocke Taufstein ist aus Rotmarmor gefertigt, mit balusterähnlichem Schaft und einem runden Becken. Darüber ein achteckiger Aufsatz. Das feinste barocke Kunstwerk der Kirche ist die Figurengruppe auf dem Taufsteindeckel die die Taufe Jesu am Jordan darstellt; sie stammt wohl ebenfalls von Egid Verhelst selbst oder aus dessen Werkstatt.
Die Figuren sind renovierungsbedürftig.

Taufsteinfiguren
Bezeichnend für den Stil ist die Tatsache, dass der Künstler nicht -wie die meisten anderen- die beiden Figuren allein gefertigt, sondern sie -ganz im Geiste des Rokoko- durch Felsen, Wasser und Blumen in eine Landschaft hineinstellte. Die Gestalten zeigen das neue Rokokoformideal. Die Körper sind leicht, schlank und haben grazile Proportionen. Charakteristisch ist auch die tänzelnde Bewegung des hl. Johannes und das flimmernde Gewand des Heilands. Der Ausdruck ist dem Barock gegenüber sehr verfeinert, die innere
Bewegung ist in das Linienspiel hineinprojiziert. Vor allem war es dem Künstler um die Darstellung des menschlichen Inneren, des seelischen Empfindens sowohl des Heilands wie des hl. Johannes in diesem Augenblick der Taufe zu tun. Manche Kunstexperten neigen auch der Auffassung zu, der Deckel könnte vom berühmten Bamberger Bildhauer Bonaventura Mutschelestammen, der vor 1750 in der Werkstatt Verhelsts gearbeitet und nach dem Tod des Meisters dessen Witwe geheiratet hatte. 30) 31)In den Jahren 2004-2006 wurde der Taufstein renoviert. Danach hat er einen neuen Standort in der Kirche, gegenüber dem Südeingang gefunden. Früher befand er sich am Chorbogen.
  Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat in der Regel -so wie in Haimhausen- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, ,würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"
wenn Sie auch Taufsteinfiguren in anderen Kirchen des Lkr.Dachau sehen wollen, klicken Sie hier...



Seitenaltäre

Die beiden barocken Seitenaltäre stammen aus dem Jahr 1708 (andere Quelle, Pfarrer Mederer: 1683) und wurden 1876 (andere Quelle: 1867) verändert. Sie haben zweisäulige Aufbauten. Das Gebälk ist verkröpft. Auf ihm stehen Vasenaufsätze. Das Antependium besteht aus rot/grau marmoriertem Holz und ist mit vergoldeten Ornamenten verziert. Die Tabernakelgehäuse sind -wie am Choraltar- neubarock und teilvergoldet. Bei der Restauration im Jahr 2008 kamen hinter den abgenommenen Seitenaltären Wandmalerein zum Vorschein.

Zwei der Seitenaltarfiguren, die der Heiligen Sebastian und Korbinian, die aus der Schule von Egidius Verhelst (1695 -1749) stammen, standen ein halbes Jahrhundert am umgestalteten Choraltar. Seit 2009 befinden sie sich wieder an ihren angestammten Plätzen an den Seitenaltären.

 

Linker Seitenaltar

Auf dem linken Altar stehen drei Figuren: In der Mitte die Muttergottes (Immaculata) mit 12 Sternen um das Haupt und einer Schlange mit dem Apfel im Maul zu ihren Füßen. Links der hl. Sebastian mit Pfeilen im Körper. Rechts der hl.Antonius (18.Jh) mit Buch auf dem das Jesuskind sitzt (rechts). Der Stellung der Finger nach, hielt Antonius früher in der rechten Hand einen Gegenstand. Wahrscheinlich war es eine Lilie, mit der er häufig abgebildet wird. Auch im Aufsatz des Altars (um 1700) ist Antonius zu sehen. Thema ist ebenfalls die Vision, in der ihm das Jesuskind begegnet. Die Petrusfigur befand sich früher am Choraltar.
Vor gut 100 Jahren (1893) standen auf dem nördlichen Seitenaltar Figuren des hl. Rochus (heute rechter Altar) und des hl.Sebastian.

St.Sebastian

Maria Immaculata


Linker Seitenaltar


St.Antonius
Antonius
St.Antonius
 
Hinweis: Die zwölf Sterne über dem Haupt von Maria erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.
Die Schlange zu ihren Füßen erinnert daran, dass Maria als neue Eva -wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15)-
der Schlange den Kopf zertritt.
Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt.
Antonius
lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.



Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht, dessen Figur aus der Zeit um 1880 die Mitte des Altars einnimmt. Er weicht von sonstigen Josefsdarstellungen ab, weil er als relativ junger, dynamischer Mann gezeigt wird. Flankiert wird er (links) vom hl.Rochus aus dem 18.Jh (mit Pestbeule am Oberschenkel).
Die Figur des St.Korbinian (rechts) war schon einmal 50 Jahre lang eine Nikolausfigur und soll noch früher den hl.Benno dargestellt haben: Bei der Neugestaltung des Altars im Jahr 1958 wurde das alte Hochaltarbild (das seit 2009 wieder den Choraltar ziert), entfernt. Darauf ist eine Szene aus dem Leben des hl. Nikolaus dargestellt. Dies war aber die einzige Darstellung des Namenspatrons in der Kirche. Um wenigstens einen Bezug zum hl. Nikolaus zu haben, entfernte man bei der Figur des Bischofs Korbinian das Attribut, den Bären, der am Fuß des Heiligen lagerte. Damit war die Figur nur noch die eines beliebigen Bischofs und konnte so auch als St.Nikolaus durchgehen. Aber auch der Korbinian war nicht der Heilige, den die Figur anfangs dargestellt haben soll. Bei einer noch früheren Renovierung hatte man den Bären zugefügt, um die ursprüngliche Bennofigur in eine Korbiniansfigur umzuwidmen.

St.Rochus

St.Josef

Seitenaltar

Apostel Simon

St.Korbinian/Benno
 
Hinweise: Rochus (1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel) und zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Rochus wird in einigen Gegenden zu den 14 Nothelfern (zuständig für Bein- und Knieleiden) gerechnet.

Der hl. Korbinian wurde um 670 bei Melun (Frankreich) geboren, lehrte das Evangelium in Bayern und wurde erster Bischof in Freising. Nach der Legende wurde auf einer Romreise Korbinians Lasttier von einem Bären angefallen. Korbinian zwang daraufhin den Bären, selbst die Last zu ragen. Links ein Bild des Bären mit der Traglast im weißen Tuch mit roten Bändern.

Das Auszugsbild stellt den Apostel Simon, den Zeloten dar (um 1700)
Vor gut 100 Jahren (1893) standen auf dem rechten Seitenaltar Figuren des hl. Ulrich und des hl.Antonius von Padus (heute links).



Beichtstühle

Vor den Seitenaltären stehen Beichtstühle im Stil der Neu-Renaissance (um 1900). Sie sind in die Wände eingelassen. Ein weiterer Beichtstuhl steht unter der Empore.

Beichtstuhl
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekennt-nis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathe-dra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht
  mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungs-gegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem fest-stehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

 

Kanzel

An der Südwand im Langhaus ist die neubarocke Kanzel ohne Schalldeckel und ohne Rückwand angebracht. Sie stammt aus der Zeit um 1900. Der Kanzelkorb hat abgeschrägte Ecken und ist mit Volutenornamenten verziert. Über der Kanzel an der Wand eine Heilig-Geist-Taube. Bis 1958 hatte die Kanzel noch einen großen Schalldeckel, wie ein Foto aus der Zeit vor der Renovierung zeigt.

Kanzel
Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Zudem bildet eine Holzkanzel -wie ein Cello- den Resonanzkasten für die Stimme des Predigers. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden Kanzeln nicht mehr benutzt.

 

 

Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).



Kanzelkreuz und Mater dolorosa

An der Nordwand, gegenüber der Kanzel hängt das sog. Kanzelkreuz aus der 1.Hälfte des 18.Jh. Es wird wohl in den nächsten Jahren für eine Restaurierung heranstehen. Jesus hat sein dornengekröntes Haupt im Tode nach rechts geneigt.
 
Kanzelkreuz
Die Füße sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus). Das Lendentuch (Perizoma) mit barockem Knoten wird nur von einem Band gehalten. Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Mater dolorsa
Nicht -wie sonst üblich- darunter, sondern etwas Richtung Orgel versetzt, steht die Figur der Mater dolorosa, der schmerzhaften Muttergottes (18.Jh). Früher stand sie unter dem alten Kanzelkreuz. Ihr fehlt die bei vergleichbaren Darstellungen übliche Schwert in der Brust, das auf die Weissagung von Simeon im Tempel zurückgeht: "Dir selbst wird ein Schwert (der Schmerzen) durch die Brust dringen"


früheres Kanzelkreuz

Früheres (und künftiges ?) Kanzelkreuz
Bis zur Restauration 1958 befand sich (mindestens seit 1893) an der Nordwand das große barocke Kreuz (vermutlich vom flämischen Künstler Egidius Verhelst) und bildete dort das Kanzelkreuz.
Es zeigt einen kräftig durchgebildeten überlebensgroßen Corpus, "mit einem Antlitz voll tiefer Empfindung". Straßer schreibt, "geradezu ergreifend schön ist in dieser Gestalt die Tiefe des Schmerzes und die Weite der Liebe zur Darstellung gebracht.
Ein andächtiger Blick zu diesem Creuz liest die ergreifendste Karfreitagspredigt ab." Jedenfalls eine hervorragende künstlerische Arbeit. Das leicht nach vorne gerichtete Kruzifix soll nach Abschluss der Renovierung wieder an der Nordseite des Langhauses angebracht werden.


Apostelleuchter

Rechts von der Kreuzigungsgruppe sind die Apostelleuchter in einer Reihe nebeneinander angebracht. Es handelt sich um schmiedeeiserne, vergoldete Arbeiten.
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. Wenn Sie an anderen Apostelleuchtern in den Kirchen des Landkreises Dachau interessiert sind, klicken Sie hier...

Apostelleuchter


Kreuzwegbilder

Links von der Kreuzigungsgruppe sowie auf der gegenüberliegenden Seite hängen die modernen Kreuzwegbilder. Sie stammen vom Maler der Deckenfresken Michael Peter Weingartner aus Pfaffenhofen/Ilm, der sie 1958 schuf. Der Künstler (1917-1996) studierte an der Kunstakademie in München u.a. bei Professor Schinnerer, der in Haimhausen lebte. Weingartner war in 250 Kirchen des bayerischen und österreichischen Raumes künstlerisch tätig. Im Landkreis Dachau finden wir von ihm noch die Deckengemälde und Kreuzwegbilder in der Pfarrkirche von Ampermoching. Auch die Kreuzwegbilder, die von 1967 bis 2004 die Pfarrkirche von Röhrmoos schmückten, hatte er gemalt. Dazu kommen mglw. die Kreuzwegbilder in Rumeltshausen. Auch eine Stoffikone und die beiden Seitenaltäre in Karlsfeld-Sankt Anna stammen von ihm.
In Haimhausen hängen nicht -wie in den meisten Kirchen- 14, sondern 15 Bilder. Das letzte Bild zeigt Christus als Auferstandenen und weist auf das Ziel des Kreuzwegs, die Auferstehung hin.

9.Station
Hinweis: In früheren Zeiten gab es nur sieben Kreuzwegstationen. Später wurden sie zu 14 Stationen erweitert. Von diesen vierzehn Stationen haben nur acht eine direkte Grundlage in den Evangelien. Die 15.Station ist eine Neuerung des letzten Jahrhunderts.
Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

15.Station
In Haimhausen könnte früher auch ein Kreuzweg im Freien bestanden haben. In einer sog. Augenscheinkarte aus den Jahren 1607/08 sind an der Straße von Haimhausen nach Maisteig etwa auf halbem Weg drei Kreuze eingezeichnet.

Golgotha
Die Art der Darstellung (das mittlere Kreuz erhöht) lässt darauf schließen, dass damit die Golgothaszene bei der Kreuzigung Christi dargestellt werden sollte: das aus Gründen der Bedeutungsperspektive höher dargestellte Kreuz Christi zwischen den Kreuzen der Schächer bzw. Räuber Dismas und Gestas.
Augenscheinkarten wurden bei Rechtsstreitigkeiten im Auftrag der Richter erstellt und zeichneten sich durch besondere Detailtreue aus.
Drei Gründe sprechen für das Bestehen eines Kreuzwegs, einer dagegen:
Dafür sprechen
1. Die erwähnte Darstellung der drei Kreuze in der Karte. 1607 gab es in den Kirchen noch keine Kreuzwegbilder und Kreuzwegandachten wie heute. Damals wurden die Kreuzweg noch im Freien errichtet. Die siebte und letzte Station mit der Bezeichnung "Kreuzerhöhung" war die Darstellung der Kreuzigung Christi mit den drei Kreuzen.
2. Die Lage auf der Anhöhe. Kreuzwege wurden meist einen Hügel hinauf bis zum Gipfel angelegt. Der Punkt, an dem die drei Kreuze in die Karte eingezeichnet sind, ist die höchste Stelle an dieser Straße. Der Unterschied zur Amper in Haimhausen beträgt 30 Höhenmeter.
3. Die Entfernung zum Ort. Der Kreuzweg war ein Nachbau der via dolorosa in Jerusalem, also des Weges, den Jesus vom Ort der Verurteilung bis zur Stelle der Hinrichtung zurückzulegen hatte. Wenn möglich legte man die Kreuzwege in der Originallänge der Via dolorosa, das sind 1650 Meter an. Misst man von der Stelle, an der die Kreuze in der Karte eingezeichnet sind, die 1650 Meter zurück, liegt der mögliche Ausgangspunkt eines Kreuzwegs mitten im Dorf Haimhausen, z.B. an der Kirche, im alten Dorf oder auch beim alten Schloss.
Dagegen spricht, dass die Existenz des Kreuzwegs nicht schriftlich belegt ist. Die Bedeutung dieses Gegenarguments wird aber dadurch eingeschränkt, dass der Pfarrhof in Haimhausen mit allen Kirchenbüchern und damit mit allen Urkunden aus der früheren Zeit im Jahr 1699 und nochmals genau 100 Jahre später, 1799, abgebrannt ist. Es sind deshalb nur noch Quellen aus dem 19.Jh. vorhanden. In dieser Zeit dürfte der Kreuzweg im Freien -wie in vielen anderen Orten- schon aufgelassen worden sein. Denn ab der Mitte des 18.Jh. hielt man die Kreuzwegandachten in der Kirche ab. Papst Clemens XII. hatte die internen Kreuzwegandachten im Jahr 1731 mit sehr großzügigen Ablässen bedacht, um die Pfarrer zum Kauf von Kreuzwegstationsbildern zu ermuntern.


Figuren und Bilder an den Wänden des Kirchenschiffs
Rechts von der Kanzel steht eine lebensgroße Herz-Jesu-Statue, die Anfang des 20.Jh im neubarocken Stil geschnitzt wurde. Solche Figuren verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765 und waren bis zum 2.Weltkrieg sehr beliebt.

Herz-Jesu
Daneben die Figur des hl. Leonhard (18.Jh) mit Abtsstab, Buch und Ketten (und - wie auch bei den Figuren
von Petrus und Paulus an den Seitenaltären- einem Metallreif als Andeutung des Heiligenscheins).
  
St.Leonhard
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den bayerischen Herrgott. Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

 

Kirchenstühle

Die Wangen der vorderen Kirchenstühle in Haimhausen gehören der Zeit um das Jahr 1841 an. Sie sind eine Stilmischung zwischen Neurokoko und Neugotik. Die seitlichen Randornamente und die gitterförmige Füllung im Innern erinnern noch stark an das Rokoko; die neugotischen Kreuzblumen sind ganz nüchtern gestaltet.

Kirchenbank
Am Fuß einer der Kirchenbänke ist der Name des Haimhausener Schreiners eingeschnitzt: "Johann Georg Thallmair Anno 1841". Die hinteren Bänke unter der Empore wurden vom Haimhausener Kistler Ellwanger gefertigt. In einer dieser Stuhlwangen ist die Signatur "Johann Ellwanger 1876" eingeschnitzt.
  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts (südlich) und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" konnten selbst befragte Kirchenhistoriker nicht nennen. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite (so auch in Haimhausen). Bei seitlichen Eingängen geht die Trennlinie manchmal auch quer durch die Kirche. Vorne die Frauen, hinten und auf der Empore die Männer (z.B. in Jarzt).
Übrigens: wenn Sie auch Kirchenstuhlwangen in anderen Kirchen des Lkr.Dachau sehen wollen, klicken Sie hier...



Vortragekreuz

An den Kirchenbänken angebracht ist ein Vortragekreuz auf einer langen Stange aus Metall und Guss (20.Jh).
 

Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Vortragekreuz

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Deckenfresko im Kirchenschiff

Bei der Kirchenrestauration im Jahr 1958 wurden die Fresken an der Decke im Kirchenschiff, die unter Pfarrer Neureuther 1895 in die Kirche gekommen waren, wieder entfernt.
Michael P. Weingartner malte das neue Deckenfresko mit dem Thema Glaubensbekennt-nis (Credo), das er bei der Renovierung in den Jahren 1977/78 auch selbst aus-besserte.

Deckenfresko
1958-2009
1958 wurde das Gemälde als
eines der reifsten Werke des bekannten Künstlers gewertet. Dreißig Jahre später hieß es, es "über-zeuge in seiner dezenten Farbgebung". Heute wird es als "drittklassig" bezeichnet.

Wenn Sie sich den Credo-Zyklus detailliert betrachten wollen, klicken sie hier..

 
Gruft unter dem Kirchenschiff

Unter dem Kirchenschiff befindet sich die Gruft der Grafenfamilie Butler-Haimhausen, einer irischen Familie, die von 1794 bis 1892 (durch Einheirat) Besitzer des Schlosses in Haimhausen war. Die Einrichtung der Gruft wurde mit dem Fehlen eines geeigneten Platzes auf dem Friedhof begründet.
Der Eingang liegt im unter dem Pflaster im Mittelgang in Höhe des Südausgangs (unter dem Tischchen im Bild oben). Die Gruft wurde 1840 von Graf Theobald erbaut und diente drei Generationen als Familiengrab.


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Die letzte Bestattung fand im Jahr 1925 statt, als Gräfin Fernandine Butler-Clonebough begraben wurde. In der erstaunlich hohen und geräumigen Gruft ist am Ende des Mittelgangs über einem angedeuteten Altar ein großes Steinkreuz angebracht. Links und rechts des Gangs sind die 28 zugemauerten Grabnischen in zwei Reihen  übereinander angelegt.

Die Grabtafeln an den 14 belegten Grabstätten geben Auskunft über die Toten. Die Gruft wurde bei der Restaurierung der Kirche im Jahr 1938 wegen des "sehr schlechten Geruchs" zugemauert. 65 Jahre später, im Jahr 2004, wurde sie erstmals wieder freigelegt (wegen statischer Untersuchungen) und von den Pfarrarchivaren M.Bogner und H.Schnell an zwei Sonntagen der Bevölkerung gezeigt.

Orgel

Die Doppelempore wurde im Zuge der Verlängerung der Kirche 1874 (1877) eingebaut. Sie ruht auf vier hölzernen Stützen. Die cremefarbigen Emporenbrüstungen sind durch einfache Rahmungen gegliedert.


Orgelprospekt
Die erste Orgel kam beim Umbau der Kirche im Jahr 1698 in die Kirche. Sie wurde vom damaligen Schlossbesitzer Graf Franz Ferdinand mit 250 Gulden finanziert.
Die jetzige Orgel wurde 1898 eingebaut und kostete gegen 4000 Mark. Sie besitzt einen fünfteiligen Prospekt im Stil der Neurenaissance. Eine Besonderheit sind die Holzpfeifen der tiefen Töne, die neben dem Orgelprospekt aufgestellt sind. Der Spieltisch wurde nach dem 2.Weltkrieg hinzugefügt, als der Tonumfang auf g'''bzw. f'erweitert und auf elektromagnetische Kegellade umgestellt wurde.
Die Orgel wurde von der Firma Franz Borgia Maerz aus München errichtet und 104 Jahre später (2004) von Johann Führer aus München mit einem Kostenaufwand von 18.000 Euro renoviert.
Im Zuge der Renovierungsarbeiten bis 2017 soll die Orgel erneut restauriert werden, diesmal von einem Hamburger Orgelbauer.

Holzpfeifen
 

Disposition der Orgel vor der Renovierung im Jahr 2004 (nach Brenninger - Stand 1975-):
I. Manual (C-f'''):  Bourdon 16', Principal 8', Gamba 8', Tibia 8', Octav 4', Tr 4', Mixtur 2 2/3'
II. Manual (C-f'''): Geigenprincipal 8', Lieblich Gedeckt 8', Salicional 8',
Pedal: (C-d'):       Subbaß 16', Violonbaß 8', Octavbaß 8', Cello 8'
Koppeln:
             I-II, I-P, II-P

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Hinweis: Franz Borgia Maerz, geb. am 30.7.1848 als Franz Nothwinkler, war vom kinderlosen Orgelbauer Max Maerz adoptiert worden und übernahm 1878 die Firma Maerz. Er baute bis zu seinem Tod 1908 im Münchner Umland 450 Orgeln.

Allgemeines zur Orgel.
Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore.
Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (= weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten.
Allerdings stand das Bistum Freising schon im 9.Jh wegen seines Orgelbaues in hohem Ansehen. Papst Johannes VIII. (872-882) hatte sich 873 brieflich an den Freisinger Bischof Anno gewandt und ihn gebeten, er möge ihm ein gutes Instrument und einen Mann schicken, der die Orgel spielen und die Kunst der Musik zu lehren verstünde. Wo diese Orgeln in Freising standen (Kloster, Bischofshaus oder Kirche) ist nicht bekannt. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Sie soll, so die Liturgiekonstitution des II.Vatik.Konzils, "den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar steigern und die Herzen mächtig zu Gott und den Himmel emporheben".
Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.



Eingangsbereich mit Portal, Opferstock und Weihwasserbecken


altes Schloss

alter Beschlag
Die Kirche besitzt zwei Eingänge, auf der West- und der Südseite. Am Südeingang stehen hinter der mit einem alten Schloss gesicherten Eichentür mit schmiedeeisernen Beschlägen (um 1700) ein schön gestaltetes Weihwasserbecken aus Rotmarmor (Durchm. 40 cm) und daneben ein interessanter alter Opferstock aus Schmiedeeisen mit Hängeschloss (2.Hälfte des 18.Jh).

Weihwasserbecken

Opferstock
 In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



Monstranz

Zu den liturgischen Geräten, die nicht mehr benutzt werden und außerhalb der Kirche aufbewahrt sind, gehört eine wunderschöne Monstranz aus dem Jahr 1747, die von Pfarrer Rucklinger gestiftet worden war. Es handelt sich um wohl um das Werk eines Augsburger Künstlers. Die 50 cm hohe Monstranz aus vergoldetem Silber besitzt einen runden Fuß, einen Schaft mit querovalem Nodus und eine weitere Verzierung unter der Monstranz sowie ein hochovales Schaugefäß.

    
Auge Gottes - Ähren/Reben - Lamm Gottes

Auf der Monstranz sind zwischen Akanthusschmuck und Edelsteinen
- das Auge Gottes im Dreieck (von
  Edelsteinen umgeben),
- Anbetungsengel,
- der Bär des Bistumsheiligen Korbinian
- sowie Getreideähren und Weinreben als Halbfiguren zu sehen.
Bekrönt wird die Monstranz von einem quadratischen Kreuz. Details sehen Sie bei einem Mouseklick auf die Bilder links.

 
Hinweis: Die Monstranz (lat. monstrare = zeigen) gibt es erst seit dem 14.Jh. als es üblich wurde, die konsekrierte Hostie am Altar zur Verehrung und Anbetung auszusetzen und bei Prozessionen mitzuführen. Ihre Form hat sich aus dem Ostensorium, einem Vorzeigebehältnis für Reliquien, entwickelt. Die Hostie wird von einem halbmondförmigen Träger, der meist vergoldeten Lunula (lat. = Möndchen) gehalten. Meist hat die Monstranz die Form einer strahlenden Sonne, die auf Christus den Herrscher hinweist. Die Sonnensymbolik als Zeichen für die Herrschaft geht weit in die Menschheitsgeschichte zurück. Für die Übernahme in das Christentum ist der Sonnenkult der Römer und Griechen maßgebend. Die Macht war nunmehr vom Sonnengott auf Christus übergegangen.


Krippe

An Weihnachten steht am linken Seitenaltar die Krippe, ein großer Anziehungspunkt für die Kinder. Haimhausen hat auch noch ein altes Fatschnkindl aus Otters-hausen, das in einer Glasvitrine aufbewahrt wird.

Krippe
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Fatschnkindl

 


Kapelle Christus auf der Rast

Kapelle
Auf dem neuen Friedhof, rd 200 Meter nördlich der Kirche, steht eine schmale, hochgiebelige Kapelle. Sie beherbergt eine große Figur von Christus auf der Rast. Jesus sitzt, völlig entkräftet, zwischen Kreuzweg und der Kreuzigung auf einem Stein und stützt mit der rechten Hand sein Haupt. Er ist in einen purpurnen Mantel gekleidet und trägt die Dornenkrone auf dem Haupt.

Jesus auf der Rast
  Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Kleininzemoos, Kollbach, Röhrmoos, Rumeltshausen, Schönbrunn, Tandern und Westerholzhausen. Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letztere stellen Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im bayerischen Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".



Pfarrhof          

Historisch interessant ist das neben der Kirche stehende Pfarrhaus. Es ist -wie in vielen Pfarreien- eines der ältesten Gebäude der Ortschaft.

1524 und 1560
Ein Pfarrhaus wird es wohl schon so lange geben, wie die Pfarrei besteht. Erstmals schriftlich genannt wird das Pfarrhaus In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude waren heruntergekommen ("sunt ruinosa"). 1560 wird nur der Pfarrgrund erwähnt: Vom Pfarrgrund sei nichts verkauft, heißt es darin. Offensichtlich war dies nicht selbstverständlich. Außerdem wird das Einkommen genannt, das sich aus dem Pfarrbauernhof erzielen ließ: "In guten Erntejahren hat der Pfarrer Einnahmen von 150 Gulden".
Pfarrhofbrand 1588
Die nächste Nachricht über den Pfarrhof -aus dem Jahre 1590- kündet von einem Unglück: "Ernst, Bischof von Freising erlaubt dem Georg Hirschbeck, Pfarrer zu Haimhausen, dem vor 1 1/2 Jahren Haus und Stadl verbrannt, aus Mangel an Scheunen sein Widumb auf etliche Jahre zu verstiften. Dat. 1590, Freising, 13.Hornung (=Februar)."
Der Pfarrhof brannte also im Herbst 1588. Und mit ihm alle Pfarrdokumente. Wenn wir davon ausgehen, dass dem Gesuch entsprochen wurde, hat Pfarrer Hirschbeck, die landwirtschaftlichen Gründe verpachtet und sich vielleicht bis zu seinem Tod 1593, neben der Seelsorge nur dem Wiederaufbau der Gebäude gewidmet.

Renovierungen 1672-98
80 Jahre später war eine größere Renovierung fällig. Dies entnehmen wir einem Brief des Haimhauser Pfarrers Martin Huber aus dem Jahr 1671. Darin hat er bei Albrecht Albert Sigmund Herzog von Freising und Regensburg und Bischof der Diözese Freising gebeten, aus dem Vermögen der Filialkirche Inhausen einen Betrag von 150 fl für die Renovierung des Pfarrhofs verwenden zu dürfen. Dies geschah bereits 1672, als Zimmermeister Georg
Pürckh den Pfarrhof und die Pfarrökonomie reparierte.
Die Ökonomiegebäude waren wohl nur Teile ausgebessert worden, weil
Pfarrer Mörz schrieb, dass bei seinem Antritt als Pfarrer 1690 die Städel und das Waschhaus so baufällig waren, dass sich Reparaturen nicht mehr lohnten. Es habe alles von Grund auf neu errichtet werden müssen. Die Planungen gingen von stolzen 3400 fl. aus, von denen 1000 fl. aus der reichen Kirche von Inhausen kommen sollten, 200 fl. aus Hörenzhausen und 2200 fl. (und 100 fl. für Brotzeit und Getränke der Handwerker) aus dem Privatvermögen des Pfarrers. Ab 1696 wurde gebaut.
Als Handwerker waren mit dabei:
- Maurermeister Silvester Golnhofer aus Dachau, der schon 20 Jahre vorher, 1676, einen Überschlag (Kostenvoranschlag)
  für die Baumaßnahme erstellt hat
- Zimmermeister Thomas Mayr aus Goßnöbach, der für das Pfarrwaschhaus und das Hennenstübl zuständig war und Kaspar
  Stadlberger aus Dachau für den Pfarrhof, den Stadel und das Waschhaus.
- Schreinerarbeiten durch Kistler Jakob Legerman aus Maisteig ("auf der Maysteig") für 8 Gulden.
Letztendlich kostete der Bau des Pfarrhofs und der Ökonomiegebäude aber nur 2.295 Gulden. Diese Daten erfahren wir aus dem Bericht von Hugo Straßer. Auch viele Rechnungen aus dieser Zeit sind im Archiv noch vorhanden.

1731 war der Maurermeister Paul Führer aus Hohenkammer an Baumaßnahmen am später entstandenen Pfarrstadel beteiligt.

Die Zimmererarbeiten erledigten Andreas Fischer (+ 1746), der damals in 2.Ehe mit der Wirtstochter Anna Prunner aus Biberbach verheiratet war, Thomas Mayr aus Großnöbach und Jakob Öggl aus Vierkirchen (Pfarrstadel).

Pfarrhofbrand 1799
Iin der Nacht vom 7.auf den 8.Juli 1799 brannte der Pfarrhof; auch dieStal-lungen, der Stadl mit allen Nutztieren ("Pferde, Hornvieh und andere Vieh") fielen dem Feuer zum Opfer. Allerdings konnten die Pfarrbücher gerettet werden. Doch das waren nicht mehr die Bücher, die nach dem 1.Brand 1588 angelegt worden sind; die überlebten den 30jährigen Krieg nicht. Die heutigen Pfarrbücher reichen nur bis 1653/54 zurück. (Das älteste Taufbuch beginnt mit dem 26. November 1653, das Ehebuch mit dem 29. April 1654, das Totenbuch mit dem 21. Mai 1654).


Pfarrhof von 1800

Der damalige Pfarrer Knilling beschrieb den Brand von 1799 in einem Bericht vom 15.Sept.1806 wie folgt: " Das Feuer griff so rasch um sich, daß ich alle meine Habseligkeiten bis auf meine Kleider verloren habe und mich mit meinem 90 jährigen Vater mit aller Mühe kaum retten konnte".
In der Vorbemerkung zur Rechnung über den Pfarrhofbau wird der Schaden näher angegeben: "Vom Pfarrhof blieb nichts weiter als die vier Hauptmauern stehen. Die Gewölbe in dem oberen und unteren Gang und in der Küche waren alle durch die einstürzenden Kamine durchgeschlagen, die Mittelmauer erschüttert und eingestürzt.


Selbst die Hauptmauer war von obenher stark beschädigt. Vom Stadt und Stall, die alle aus Holz gebaut waren, blieb gar nichts und sie mussten von Grund auf neu errichtet werden". Die Höhe des Schadens wurde vom Gerichtsverwalter des Reichsgräfl. Butler Hofmarksgericht, Herrn Valta, am 15.9.1800 auf 11.725 Gulden attestiert. Das Unglück war auf Brandstiftung zurückzuführen. Der Täter hatte wohl eine Rechnung mit der kath.Kirche offen, denn er soll mehrere Pfarrhöfe angezündet haben (darunter vielleicht auch den Pfarrhof in Jarzt fünf Wochen nach Haimhausen). Nach dem Bericht von Hugo Straßer wurde er dafür zum Tode verurteilt und 1811 in Pfaffenhofen a.d.Ilm gehängt.

Wiederaufbau 1800
Knilling begann sofort mit dem Wiederaufbau (Maurermeister Peter Schmidt aus Weißling, Zimmerer Georg Michael Aichner aus Massenhausen (gest.1801) und ab 1801 Franz Löhel, Schreinerarbeiten durch Kistler Sebastian Mall aus Haimhausen); mit dabei Doch der fiel in eine politisch unsichere Zeit. Die französichen Revolutionsheere waren in Bayern eingefallen. Dies verzögerte den so dringend notwendigen Neubau wegen fehlender finanzieller Mittel. Hugo Straßer berichtet hierzu:
  "Zwar wurden dem Pfarrer "im Oct. 1799 aus den Kirchengeldern zu Wemding 1000 fl. angewiesen; wegen der sich immer mehr erhebenden Gefahr des eindringenden Feindes konnte der aber diese Summe nicht erheben und erhielt deshalb 1000 fl. aus den Traunstein'schen Kirchengeldern. Hierzu kam noch ein Beitrag der Condezimatoren von 800 fl. Die ganze Einnahme belief sich demnach auf nur 1800 fl. Die Baukosten erreichten über eine Höhe von 6079 fl. 45. Der Pfarrhof kostete 3547 fl., die Ökonomie Gebäude 2532 fl. Knilling hatte also eine Schuld von 4273 fl. zu übernehmen."
In seiner Not wandte sich Pfarrer Knilling an die churf. General- und Landesdirektion in München und schrieb am 30.Juli 1803:
  "So kostspielig der Bau war, so hart die Zeiten waren, so theur alle Baumaterialien, Lohnungen wegen des Krieges waren, so konnte ich doch mitten im Bau davon nicht ablassen. Die Unterlassung des Weiterfahrens würde immer die Zugrunderichtung des vorigen zur Folge gehabt haben und die schon früher gewesten Auslagen machen die darauffolgenden notwendig. Da ich selbst kein Geld nicht hatte und von Staatswegen über die 1000 fl. für den dortigen Augenblick keines erhalten konnte, suchte ich Hilfe wo ich nur konnte und fand sie in der Person meines Bruders Matth. Knilling, Edelsteinhändlers in München, durch dessen Vermittlung ich mich zur Vollführung des Baues mit mehreren Posten zu Hunderten, auch tausend Gulden unterstützt sehe. Aber wie sehr habe ich mich betroffen, da ich bei bald vollendetem Bau in diesen öfters wiederholten Posten mich mit einer Schuld von 3500 belastet habe. Ich lege nun die Baurechnung vor mit der Bitte, sie gnädigst zu ratifizieren und die noch vakierende Schuld von 5269 fl. auf zusätzliche Fristen sowohl für mich als meine Incessoren hinübergehen zu lassen".
Im weiteren Verlauf des Schreibens legte Knilling seine und seiner Pfarrkinder Not und Armut dar, denn die Franzosen seien im Land gewesen, hätten von den Bauern Kontributionen erpresst, so dass diese keinen Zehent mehr zahlen könnten. Insgesamt seien die Pfarrerträgnisse auf 800 Gulden gesunken, von denen er und der Cooperator leben müssten. Die Bitte um Übernahme der Schulden wurde wohl erhört, denn die Stellenausschreibung im Intelligenzblatt vom 27.8.1819 nach dem Tode von Knilling beschreibt eine günstigere finanzielle Lage der Pfarrei:
  "Die Einkünfte der Pfarrei Haimhausen betragen jährlich 1519 fl. 43 kr. Die Lasten bestehen außer den gewöhnlichen Staats- und diversen Abgaben in 100 fl. jährliche Bauabsitzfristen".

Kriegskontribution 1809
Noch einmal litt der Pfarrhof unter Kriegseinwirkungen. Unter Napoleon waren in den Jahren 1809/1810 insgesamt 164 Soldaten (79 Franzosen, 22 Bayern und 15 Österreicher) im Pfarrhof einquartiert. Doch die Franzosen (und zwangsweise auch die Österreicher) waren zwar inzwischen Verbündete und so trug die Kosten der Verpflegung der bayerische Staat. Pfarrer Knilling stellte der Regierung eine Rechung, in der der tägliche Proviant und dessen Kosten im Einzelnen aufgeführt sind:
Frühstückssuppe
Branntwein
1/2 Pfund Fleisch
1 Maß Bier
1 Brot
2 kreuzer
2 kr
5 kr
4 kr
2 kr
Ob die Pfarrei den geforderten Betrag von 3.858 Gulden ersetzt bekam, ist nicht überliefert.


Abschaffung des Zehents 1848
1848 schaffte der bayerische Staat den Zehent (der zehnte Teil der Ernteerträge) ab. Dadurch verminderte sich die Einnahme des Pfarrers. Markus Bogner schreibt, dass in der Hofmark Haimhausen vom Zehent 2/3 die Schlossbesitzer, 1/3 die Pfarrei erhielten.

Pfarrhof um die Jahrhundertwende 1900
Aus dem 19.Jh. ist mir nicht viel bekannt.
Einer Bekanntmachung des Freisinger Tagblatts vom 23.August 1869 ist zu entnehmen, dass im Stall des Pfarrhofs die Maul-und Klauenseuche ausgebrochen war:
  "Amtliches für Dachau - Bekanntmachung
Maul- und Klauenseuche unter dem Hornviehe des Herrn Pfarrers Mederer in Haimhausen betr.
In der Pfarrhofstallung zu Haimhausen ist unter dem Hornvieh die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, und sind die durch § 8 und 14 der Allerhöchstenn Verordnung vom 15.Juni 1867 gebotenen Vorsichtsmaßregeln angeordnet worden, was hiemit zur allgemeinen Beachtung bekannt gemacht wird." - Königl.Bezirksamt Dachau - Pitzner"

Am Ende des Jahrhunderts stand die Pfarrei aber wieder gut da. Als 1886 Pfarrer Mederer starb, wurden die Pfründe neu ausgeschrieben.
   "Einkommen 3786 M 94 Pf, darunter 2268 M aus Kapitalien. Die Lasten sind beziffert mit 677 M 76 Pf, so daß sich ein Reineinkommen gibt von 3109 M 18 Pf. Die bei der Pfründe vorhandene Ökonomie umfaßt 90 Tagwerk und 69 Dezimale. Die Baulast obliegt dem Pfründebesitzer. Absitzfristen lasten auf der Pfründe nicht".
Das Inventar des Bauernhofs einschließlich des Viehes und der Vorräte befand sich im Besitz des jeweiligen Pfarrers. Die Erben von Pfarrer Mederer ließen die "gesammten Mobilien und Moventien" am 19.Januar 1887 versteigern. Über die Versteigerungsbekannt-machung des Auktionators erfahren wir den Besitz von Pfarrer Böckl in seiner Eigenschaft als Landwirt. Die Anzeige können Sie hier lesen ....

Der Nachfolger des H.Pf. Mederer, Pfr. Neureuther, nutzte die 90 Tagwerk aber nicht mehr selbst, sondern verpachtete sämtliche Grundstücke, ja er räumte mit der Ökonomie so gründlich auf, dass er anno 1887 Stall und Stadl abbrechen und den dadurch vor dem Pfarrhaus gewonnenen Platz zu einem Obstgarten umwandeln ließ, heißt es in der Beschreibung.

Spätere Pfarrer verkauften kleinere und größere Parzellen der Widdumsgrundstücke (Widdum=Pfarrbauernhof), sodass die Fläche um 1901 auf 38 Tagwerk geschwunden war. Das Pfarrhaus war um 1900, also 100 Jahre nach dem Bau, noch in gutem baulichen Zustand. Lediglich das Stiegenhaus war umgeändert worden. Aber Kaplan Straßer beklagte die ungünstige Aufteilung des Hauses und die Lage seines Zimmers:

  "So groß und geräumig sich der Pfarrhof von außen präsentiert, so eng ist er im Innern. Fenster, Türen und Kamine sind fast samt und sonders so unpassend eingelassen und eingebaut, daß man die Möbel kaum zu stellen weiß. Das Kooperatorenzimmer befindet sich im ersten Stock gegen Nord West.Es ist ganz von H.Pfarrer möblier. Das Zimmer, welches Sommer- und Winterresidenz zugleich bildet, befindet sich an der vielleicht ungeniertesten Stelle nicht bloß des Pfarrhofes sondern von ganz Haimhausen. West und Nord, Zenith und Ost eifern sich, ihm Schnee und Regen.. zuzufügen. Als einen Ersatz hat der stille Bewohner dieser Zelle die Freude, im Hochsommer nicht öfters als viermal den Sonnenaufgang zu begrüßen".

Pfarrhof um die Jahrhundertwende 2000
1999 wurde das Pfarrhaus, das durch Feuchtigkeit sehr heruntergekommen war, wieder aufwändig restauriert (3,2 Mio DM). Im Erdgeschoss ist nunmehr die Pfarrverwaltung untergebracht; im Obergeschoss ist eine Wohnung eingerichtet.
Auffällig ist die Fassadenfarbe, das sog. barocke Rot, das aber eher rosa wirkt. Die vier Hauptmauern -jedenfalls im unteren Teil- und die Zimmereinteilung stammennoch aus der Zeit nach dem Brand von 1588, der Putz der Südfassade und das barocke Treppenhaus aus dem Jahr 1699. Das Pfarrhaus steht seit 1970 unter Denkmalschutz.
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  Hans Schertl



Quellen:
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
Descriptio antiqua omnium Parochiarum Dioecis Frisingensis, in qua videre licet, quid juris Ordinario Frisingensi,
              Electori (Duci) Bavariae, monasterium Praelatis aliisque patronis competat v. 17.10.1601, Deutinger § 678a
Descriptio nova omnium Parochiarum Dioecis Frisingensis quod jura collationis et patronatus ineunte saeculo XIX.compilata
               Deutinger § 678b
Königlich-bayerisches Intelligenzblatt für den Isarkreis 1819 S. 602 (neuer Pfarrer)
Königlich-bayerisches Intelligenzblatt für den Isarkreis 1820 (Pfarrersköchin)
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, S.107, 1852
Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867
Freisinger Tagblatt, zugleich Amtsblatt für Freising, Moosburg und Dachau, 1869 (MaulKlauenseuche, Jahrgangsstiftung)
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Versteigerungsbekanntmachung für das Inventar des Pfarrhofs - Amperbote vom 17.8.1887
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Kooperator Hugo Straßer, Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria, 1901 (Pfarrhof, Pfarrerliste)
Konrad Beyerle, Übersetzung der Handschrift Lex Baiuvariorum, 1926
Josef Widemann: Die Traditionen der bayerischen Klöster, 1928, ZBLG 1, S. 225-380 (Einleitungsformeln)
Dr. M. Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938
Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 11/12, 1958 (Gerichtstag 850; 1183-S.10-;)
Das Zweite Vatikanische Konzil. Konstitutionen, Dekrete und Erläuterungen. Teil I. 1966 (SC 124 Ambo)
Dr.Pankraz Fried, Der Brückenstreit von Haimhausen im Jahre 1255, Amperland 1966
Dr.Gottfried Mayr, Haimhausen in den Anfängen seiner Geschichte, Amperland 1972 (Aldionen)
Dr.Gerhard Hanke, Haimhausen und seine Bevölkerung im Wandel der Zeit, Amperland 1972
Hermann Bauer, Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973
Dr.Alfred Gleißner, Die Kirchen der Gemeinde Haimhausen, Amperland 1974 (1698, 1867)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
Max Gruber, Kistler, Schreiner u.Drechsler aus dem Amperland, Amperl 1975-S.91 (Mall)
Dachauer Neueste vom 1.6.1977
Dachauer Neueste vom 9.8.1977
Dachauer Nachrichten vom 28.2.1979 (Pfarrbücher 1653 /Pfarrhof),
Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Ortsgeschichte)
30) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland wirkende Bildhauer, Amperland 1982/1 (Mutschele, Egid Verhelst)
 

Der Bildhauer Josef Bonaventura Mutschele wurde am 28.8.1728 in Bamberg geboren. Er ging zunächst bei seinem Vater Georg Mutschele in die Lehre und erhielt eine gediegene Grundausbildung für das Arbeiten mit Holz und Stein. 1745 war er in Augsburg in der Werkstatt des berühmten Bildhauers Egid Verhelst tätig. In dieser Zeit entstanden die Taufsteinfiguren für die Pfarrkirche in Haimhausen. 1751 ging er nach Straßburg als Geselle von Stephan Lamy. 1758 verließ er seine Heimatstadt Bamberg endgültig und heiratete 1759 heiratete die Witwe des Bildhauers Verhelst in Augsburg. Da dessen bereits erwachsene Söhne Placidus und Ignaz Wilhelm die Werkstatt seit 1749 eigenverantwortlich führten, übersiedelte Mutschele nach etwa zwei Jahren nach Schweinau bei Nürnberg, wohin seine Schwester nach ihrer Heirat mit dem Bildhauer Johann Christoph Berg gezogen war. 1764-68 lebte Mutschele in Fürth, danach als Schutzverwandter in Nürnberg. 1771 erhielt er den Ruf nach Moskau als Modelleur für die Porzellanmanufaktur Wirbilky. 1774 übergab er diese Stelle an den Stiefsohn Placidus. Er selbst wurde in Moskau Bildhauer am Zarenhof. Mutschele starb um 1778. Felix Lipowski (FN 32)) schrieb dazu im Jahr 1810, also relativ zeitnah: "Vater und Sohn starben aber daselbst 1778 in der Zeit eines Monats".

31) Trost, Beatrice, "Mutschele" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 657-658-Onlinefassung (Mutschele)
32) Felix Joseph Lipowsky: Von A bis O Baierisches Kuenstler-Lexikon Fleischmann: München 1810 (Mutschele)
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Führer, Peter Schmidt)
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                 Pürckh
, Stadlberger)
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Dachauer SZ vom 16.9.2003
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Dachauer SZ vom 24.5.2012 (Renovierg)
Dachauer Nachrichten vom 17./18.4.2014 (Ölberggruppe)
Dachauer SZ v. 31.7.2014 (2017, OrgelHamburg)
Dachauer Nachrichten v. 14./15.8.2014 (Protokoll1698)
Künstler in Haimhausen im Barock und Rokoko, Ausstellung 2014 (Wening, Verhelst)
Jahresstatistik 2014 über Haimhausen, Dachauer Nachrichten vom 19.1.2015
Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
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114 Bilder: Ortsarchiv Haimhausen (3), Hans Schertl (110), Hubert Eberl (1)


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15.6.2016

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Exhortatio ad plebem christianam
(Predigt zu einer Tauffeier in Freising im Jahr 805)

"Hört, liebe Söhne, die Glaubensregel (= Glaubensbekenntnis), die ihr im Herzen behalten müsst, da ihr den christlichen Namen empfangen habt. Sie ist das Kennzeichen eueren christlichen Glaubens, vom Herrn eingegeben und von den Aposteln aufgestellt. Der Worte sind es nur wenige, aber sie umfassen große Geheimnisse. Der Heilige Geist hat nämlich den heiligen Aposteln als Lehrer der Kirche diese Worte in solcher Kürze diktiert, damit alle Christen verstehen und im Gedächtnis behalten können, was sie glauben und jederzeit bekennen müssen Denn wie wollte sich einer einen Christen nennen, der die wenigen Worte des Glaubensbekenntnisses, durch die er gerettet werden soll, und das Herrengebet, das der Herr selbst geboten hat, nicht lernen und im Gedächtnis behalten wollte? Oder wie in möchte jemand für einen anderen den Glauben verbürgen und versprechen, der diesen Glauben gar nicht kennt? Darum müsst ihr Kenntnis haben, meine Kinder. Denn solange einer von euch seinem Kind, das er aus der Taufe gehoben hat, dieses Glaubensbekenntnis nicht verständlich gelehrt hat, bleibt er an seinem Glaubensversprechen schuldig. Und wer es versäumt hat, sein Kind zu unterrichten, muss am Tag des Gerichtes Rechenschaft darüber ablegen. Nun also soll jeder, der ein Christ sein will, das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn möglichst rasch lernen, und jene, die er aus der Taufe hebt, darin unterrichten, damit er nicht vor dem Gericht Christi dafür zu Rechenschaft gezogen werden muss; denn das ist Gottes Gebot, das ist unser Heil und das ist unseres Herren Auftrag; sonst können wir für unsere Sünden nicht Vergebung erlangen."