zur Landkreiskarte                ausführl.Beschreibung             Kirchen in der Gem.Haimhausen


Filialkirche St. Jakobus und St. Stephan in OTTERSHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür mehr über St.Jakobus d.Älteren.....

Adresse: 85778 Haimhausen, Dachauer Straße 89
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die zur Pfarrei Haimhausen gehörende Filialkirche in Ottershausen steht in der Mitte des Straßendorfs, das sich direkt an der Amper entlangzieht. Sie ist den Heiligen Jakobus d. Ä. und Stephanus geweiht.

Die Kirche wurde schriftlich erstmals im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel (als Atershausen) erwähnt. Damals war sie wohl nur eine Kapelle, die den heutigen Chorraum umfasste. Später erhielt diese Kapelle ein spätgotisches Sternengewölbe auf Kragsteinen. Vielleicht weist die Jahreszahl 1488 inmitten von Steinmetzzeichen links vom Hauptaltar auf das Baujahr hin.
Um die Mitte des 18.Jh. baute man an die ursprüngliche Kapelle das Langhaus an, das noch heute besteht.
 

Der kurze Turm mit dem Spitzhelm sitzt auf der Ostmauer auf. Seine Westseite wird durch starke Querbalken gestützt. Im ihm hängen zwei Glocken, darunter eine der ältesten im Landkreis Dachau. Sie stammt aus dem Jahr 1419, ist 40 kg schwer und hat einen Durch-messer von 50 cm.
Kurz nach 1740 wurden die Sakristei und das Vorhaus angebaut.

Viele Dachformen finden an der Kirche Verwendung: Das Kirchenschiff hat ein Satteldach, der Turm ein Pyramidendach, die Sakristei ein Pultdach und das Vorhaus ein Walmdach


Ziervase am Hochaltar

Die letzte große Renovierung innen und außen fand in den Jahren 1978/80 statt.

Innenausstattung

Der tiefe gotische Chorraum ist von einem gut erhaltenen Sterngewölbe mit Gewölbe-rippen überdeckt, die an der Seitenwand auf Kragsteinen aufsitzen. Dort sind schöne Wappen und Halbfiguren angebracht. Die Rippen treffen sich im Gewölbescheitel in drei Schlusssteinen. Sie sind mit einer Hand, einer Taube und dem Christuszeichen bemalt.

Der Choraltar im Rokokostil besitzt zwei Säulen und vier schräg gestellte Pilaster. Das Altarblatt zeigt die Heiligen Stephanus (rechts mit Buch und Steinen)und Jakobus d.Älteren (mit Pilgerstab und Muschelpaillet-ten auf dem Mantel) zu den Füßen der Muttergottes.

Die Seitenaltäre sind den Heiligen Aposteln Petrus und Paulus geweiht, die auf den Altarblättern abgebildet sind.
In den Altarauszügen Joh.Nepomuk (mit fünf Sternen) und St.Josef (mit Kind und Lilie).

Die Kreuzwegbilder stammen aus dem Jahr 1782.

zur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der Kreuzwegbilder Beschreibung des Altarraums mit Gewölbe Beschreibung des ChoraltarsBeschreibung des linken SeitenaltarsBeschreibung des rechten Seitenaltars
St.PetrusMarienfigurSt.JosefSt.PaulusJesuskindlKreuzweg Per Mouseklick zu den Beschreibungen                                        


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte:

Matrikel 1315

Umbau 1488 Matrikel 1524 Visitation 1560 Umbau 1740
Matrikel 1740 Beschreibung 1874 Beschreibung 1900
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar Kirchenschiff
Kreuzweg Kruzifix Seitenaltäre Turm

Der Ort wird erstmals im Jahre 794 als Oathareshusir genannt. Damals schenkte ein Mann namens Crimperht seinen Besitz zu Oathareshusir dem Bischof von Freising. Die Urkunde datiert vom 8. Mai 794. Später ändert sich der Name in Othereshusir und Otershusen. Der Name bedeutet: Häuser des Authari.
Ottershausen muss damals bedeutend gewesen sein, weil dort Urkunden ausgestellt worden sind (Gerichtstag ?). So z. B. am 19. April 820 zwei Schenkungsurkunden, mit denen ein Priester Heripald sein Eigentum in Hörenzhausen dem Freisinger Bischof schenkte und ein Priester namens Adalunc eine frühere Schenkung erneuerte.

Im Jahr 2014 hatte der Ort 1014 Einwohner.

 

Geschichte der Kirche


Konradinische Matrikel von 1315
Die Kirche wurde schriftlich erstmals im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel (als Atershausen) erwähnt. Damals soll sie allerdings nur eine Kapelle gewesen sein, die vielleicht nur den heutigen Chorraum umfasste.


Umbau 1488

Fresko mit Jahreszahl
Später erhielt der Altarraum ein spätgotisches Sternengewölbe auf Kragsteinen. Vielleicht weist die Jahreszahl 1488, die sich -inmitten von Steinmetzzeichen- unter der Decke, links vom Hauptaltar, befindet, auf das Baujahr hin. Die Ziffer "4" wird als halbe "8" dargestellt. Die Jahreszahl wurde erst bei der Renovierung im Jahr 1958 freigelegt.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
Die
Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 berichtet, dass Ottershausen eine Filiale der Pfarrei Haimhausen war. Sie nennt erstmals das Patronat der Kirche: "s.Stephani in Ottershausen". Vom zweiten Patron St.Jakobus war damals noch nicht die Rede.



Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte.

Im Bericht über die Pfarrei Haimhausen ist auch die Filialkirche "St.Steffanus in Ottertzhausen" kurz erwähnt. Das "Gottshauß ist paufellig" , heißt es, "hat sonst kain Mängl". Das Einkommen betrage 2 1/2 Gulden; doch das Geld gehe für die Beleuchtung auf. Die Kirchen-rechnung kontrolliere der Castner zu München ohne Bezahlung. Das Sakraments-häuschen sei "zimblich beschlossen". Das Allerheiligste und die Öle würden rein aufbewahrt. Das Taufwasser befinde sich in einem Fläschchen ("in aim fleschl"). An Gerätschaften seien vorhanden: 2 vergoldete Kelche mit Corporale, 2 schlechte Messbücher, fünf schlechte Messgewänder, 1 Liturgiebuch. Der Mesner sei fleißig. Die Pfarrersköchin hatte 5 Kinder. Ob aber der Pfarrer der Vater war, bleibt ungewiss. Mit den Worten "Soll all Wochen Meß gelesen werden, geschicht nit", endet der Bericht.



Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655(Otershausn)
Wenn Sie ganzen Bericht über die Visitation der Pfarrei Haimhausen -in heutigem Deutsch-
lesen möchten, klicken Sie hier...



Umbau 1740

Das Kirchenschiff wurde um die Mitte des 18.Jh an die ursprüngliche Kapelle angebaut. Für das genaue Datum stehen zwei Jahreszahlen bereit: 1757 und 1740. Am Chorbogen ist die Jahreszahl 1757 aufgemalt. Dagegen berichtet die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40, dass die Kirche damals schon drei Altäre hatte, von denen zwei noch nicht geweiht waren. Bei drei Altären im heutigen Chorraum wäre der Platz für die Gläubigen aber sehr eingeschränkt gewesen. Zudem sind ungeweihte Altäre ein Hinweis darauf, dass sie nicht allzu lange Zeit vorher errichtet wurden. Dies alles spricht für einen Anbau des Kirchenschiffs kurz vor 1740. Vielleicht wurde der Neubau vor 1740 erstellt und 1757 geweiht.



Schmidt'sche Matrikel 1738/40

Die erwähnte Schmidt'sche Matrikel wurde von Kanonikus Schmidt aus Freising in den Jahren 1738 bis 1740 erstellt. Sie enthält eine Kurzbeschreibung aller Pfarreien und aller Kirchen in der Diözese Freising.

so sah Michael Wening den Ort Ottershausen um 1700
Die Filialkirche "s.Jakobi in Ottershausen" wurde als schöner Bau bezeichnet, nur der Turm sei ruinös. Die drei Altäre hatten den Apostel Jakobus d.Älteren, St.Petrus und St.Paulus als Patron. Gottesdienste fanden am Kirchweihfest (Sonntag nach Mariä Geburt - 8.Sept.) und am Patrozinium, dem Fest des hl.Jakobus statt. Außerdem hielt der Haimhausener Cooperator (= Kaplan) jede zweite Woche eine Messe, alternierend mit Inhausen. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Eine Sakristei war noch nicht vorhanden; die Messgewänder wurden hinter dem Hochaltar aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.

Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Schlossherr von Haimhausen. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit 2000 fl. (=Gulden) erreichen". Das war für so eine kleine Kirche viel Geld.



Beschreibung 1874

Die Kirche in Ottershausen ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr1874 enthalten. Dort heißt es: "Ottershausen, an der Straße nach Dachau gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Presbytherium gothisch, Anbau ohne Stil.  Geräumigkeit hinreichend.  Baupflicht: An Kirche u. Cm. (=Friedhof) die Kirche.
Spitz-Thurm mit 2 Glocken.  Cons.dub.   Patron: Hl.Jakobus Ap. u. Stephanus M.  3 altar. p.   Cm. ohne Capelle.
Gottesdienste: Am Patrocinium u. wochentl. eine hl.Messe. Stiftungen: 3 Requiem mit Vigil u.Libera, zwei davon mit je 1 Beimesse. 2 Requiem mit Libera. Zwei Jahrmessen.
Meßner: Ein Gütler. Cantor: Der Lehrer. Kirchen-Vermögen: Rent. 11600 fl. nicht rent. 2706 fl. "
Im Jahr 1874 wohnten in Inhausen 206 Seelen (Gläubige) in 33 Häusern.


Beschreibung 1900
In den Jahren 1900 und 1901 hat der Haimhausener Kaplan Hugo Straßer unter dem Titel "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria" (=Neues und Altes aus der Pfarrei Haimhausen) eine umfangreiche Pfarrbeschreibung verfasst. Im Abschnitt Filialkirchen ist auch Ottershausen aufgeführt. Wenn Sie am Text interessiert sind, klicken Sie hier...


Interessant ist das Patronat. Während die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 berichtet, der Patron von Ottershausen sei St.Stephanus, wird dieser Heilige in der Schmidt'schen Matrikel überhaupt nicht erwähnt. 1740 war die Kirche St.Jakobus geweiht. Inzwischen werden beide Heilige als Kirchenpatrone geführt.


Renovierung
1655       neuer Pfarrstadel durch Sebastian Wallner aus Aichach (Für 100 Gulden)
1978/79
  innen und außen


Baubeschreibung der Kirche

Die Filialkirche St. Jakobus und St.Stephan der Pfarrei Haimhausen in Ottershausen steht in der Mitte des sich direkt an der Amper entlangziehenden Straßendorfs auf einer kleinen Anhöhe. Sie ist von einem Friedhof umgeben.

Der zweiachsige Chor schließt in drei Seiten eines Achtecks.
Das ebenfalls zweiachsige Langhaus, das Mitte des 18.Jh erbaute Kirchenschiff, wird durch Fenster mit Antikglas erhellt.
Der kurze Turm mit dem schiefergedeckten Spitzhelm sitzt auf der Ostmauer auf; seine Westseite wird durch starke Querbalken gestützt (Dachreiter).


Kirchturm

Im Turm hängt eine der ältesten Glocken im Landkreis Dachau. Sie stammt aus dem Jahr 1419, ist 40 kg schwer und hat einen Durchmesser von 50 cm. Die Glockenaufschriften lauten: "Ave Maria gratia plena DMS tecum" (Gegrüßet seist du Maria voll der Gnaden, der Herr ist mit dir) " und .. "gos mich 1419"... sowie das Glockengießerzeichen, das aber nicht gedeutet werden kann. Die zweite Glocke wurde 1957 von Carl Czudnochowsky in Erding erstellt. Sie trägt die Aufschrift: "Glockengießerei Erding 1957".


(Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....)

1734 sollen die Sakristei und die Vorhalle angebaut worden sein. Allerdings enthält die Schmidt'sche Matrikel von 1740 die Aussage: "Sacristia not adest" = eine Sakristei ist nicht vorhanden.

Viele Dachformen finden an der Kirche Verwendung: Das Kirchenschiff hat ein Satteldach, der Turm ein Pyramidendach, die Sakristei ein Pultdach und das Vorhaus ein Walmdach.


Epitaphe außen


Adolf Schinnerer            Anna Schinnerer
An der Nordostseite der Kirche sind in die Mauer mehrere Epitaphe einge-lassen, die an berühmte Ottershauser Personen der letzten Jahrzehnte hinweisen. Es handelt sich um den Maler u. Professor Adolf Schinnerer, seine Frau Anna, den Kameramann Albrecht Schinnerer und um den Orthopädieprofessor Albert Göb.


 Albrecht Schinnerer                      Albert Göb         

Adolf Schinnerer wurde 1876 in Schwarzenbach an der Saale geboren, wuchs in Erlangen auf, lernte bei Schmidt-Rutte in Karlsruhe die Malkunst und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1909 errang er den Villa-Romana-Preis. 1921 erwarb er in Ottershausen ein Anwesen, das dort "Schlössl" genannt wurde. 1924 wurde er Professor in München. Vom Impressionismus beeinflusst, schuf er vor allem Figurenbilder und Landschaften"; daneben trat Schinnerer auch mit Radierungen hervor. Er galt als Meister der Kaltnadel. Dabei wird unter großem Kraftaufwand mit einer Radiernadel direkt in die Druckplatte (Kaltverformung des Metalls) eingeritzt. Schinnerer starb 1949 in Ottershausen.
Prof. Albert Göb gründete 1956 den "Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder" (heute Integrationszentrum für Cerebralparesen in München).

Friedhofsmauer 15),16),20)

     Friedhofsmauer -2014
Im ersten Jahrzehnt des 21.Jh. war die denkmalgeschützte Friedhofsmauer äußerst baufällig; Putz und Mauerwerk wiesen starke Beschädigungen und Löcher auf. In den Jahren 2013/2014 wurde sie durch eine Betonummantelung stabilisiert. Die Betonmauer umgibt nun die Kirche und den Friedhof wie eine Burgmauer. Die Kosten dafür betrugen 600.000 Euro.
In der öffentlichen Meinung wurde dieser hohe Betrag nicht kritiklos hingenommen. Die Auftraggeber sprechen zwar von einem "Jahrhundertbauwerk, das vermutlich die dazu gehörende Kirche überdauern werde". Doch es wäre nicht das erste Mal, dass die Lebens-dauer von Bauwerken aus Beton überschätzt wird.
Die Pfarrei begründete die Betonummantelung und die dadurch verursachten hohen Kosten damit, dass unmittelbar an der Mauer Grabstellen lägen, die bei einem Abriss der alten Mauer zerstört worden wären und Umbettungen erfordert hätten. Außerdem hätte der Abriss Schäden an der Kirche verursachen können.
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Innenausstattung

Gewölbe im Altarraum

Der tiefe gotische Chorraum ist nicht eingezo-gen und schließt in drei Seiten eines Achtecks.
Der Raum wird von einem gut erhaltenen Netzgewölbe überdeckt. Die Gewölberippen gehen an der Seitenwand auf Wandpfeiler über. Die Rippen liegen frei und sind farblich hervorgehoben. Solche Gewölbe wurden vor allem in spätgotischer Zeit errichtet.

 
Netz-Gewölbe

"Das sich selbst tragende Gewölbe fasziniert bis heute jeden Betrachter. Seine Elemente müssten herabstürzen und werden doch durch ein geniales System der Kräfteableitung zusam-mengehalten. Das Gewölbe ist nicht nur eine technische Hochleistung, sondern vermittelt, mehr als eine Flache Decke es vermag, Schutz und Geborgenheit", schreibt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. 22)


Schlusssteine
Im Gewölbescheitel treffen sich die Rippen in drei Schlusssteinen. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgabe hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief (Eph. 2,19-22) :"Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph. 2,20-22). Und Goethe lässt in Faust II den Kaiser zum Erzbischof sagen: "Wenn ein Gewölbe sich dem Schlußstein anvertraut, dann ist`s mit Sicherheit für ewige Zeit erbaut".

Die Schlusssteine in Ottershausen sind mit den Zeichen des dreifaltigen Gottes geschmückt: einer Hand für Gottvater, dem Christuszeichen und einer Taube für den Heiligen Geist.
a) Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Bild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, das Dreieck oder eben die Hand Gottes verwendet.

b) Das Christuszeichen besteht aus einer Kombination von zwei griechischen Buchstaben, dem chi (das ist das "X") und dem rho (das ist das "P").
Es bezeichnet damit die ersten beiden Buchstaben des Titels "Christus" = der Gesalbte.
    
Schlusssteine-Hand-Gottes-Christuszeichen-Hl.Geist-Taube
c) Das Symbol der Taube für den Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Geist Gottes auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat die Verwendung dieses Symbols anstelle einer menschlichen Gestalt empfohlen.

Die Wandpfeiler ruhen auf Konsolen in Polygonform (vieleckig), die mit kleinen Halbfiguren und Wappenschilden verziert sind.


Die beiden Konsolenfiguren ähneln sich in der Gestalt, unterscheiden sich aber in der Farbe. Die Bemalung der Schil-de scheint jüngeren Datums zu sein. Zwei weisen auf Jesus und den Hl.Geist hin. Vielleicht war der 3.Schild Gottvater ge-widmet, ehe er mit der Jahres-zahl 1955 übermalt wurde.


Hochaltar / Choraltar

1693 hatte Graf Franz Ferdinand von Haimhausen als Herr des Ortes zwar einen neuen Hochaltar gestiftet; doch eine Generation später, Mitte des 18.Jh, hatte man an den schweren Barockformen keinen rechten Gefallen mehr. Es war die Zeit des Rokoko, in dem andere und verspieltere Zierformen verwendet wurden.
Der frühere Kooperator Benno Kern von Haimhau-sen hatte in seinem Testament die Kirche in Ottershausen mit einem Geldbetrag bedacht.
Dr.Gleißner spricht vom Jahr 1730; diese Ein-schätzung wird unterstützt durch die Tatsache, dass 1730 ein neuer Kooperator genannt wird.

Choraltar - 1730

Von dem geerbten Betrag wurde ein neuer Hochaltar gekauft. Dieser Altar steht heute noch in der Kirche.

Es handelt sich um ein geschlossenes Säulen-Retabel. Zwei glatte Säulen außen und vier Pilaster innen stützen ein vorkragendes Gebälk, auf dem der relativ große Altaraufsatz in Form eines Ovalbildes in reich verzierten Rahmen sitzt. In der Mittelnische ist das Altarblatt angebracht. In der Predella steht an der Stelle des Tabernakels ein Figurenschrein.

Altaraufsatz

Im Altaraufsatz  ist inmitten von Vasenaufsätzen und Rocalleornamenten in einem ovalen Leinwand-Bild der hl. Leonhard (ebenfalls aus dem 18.Jh) mit Abtsstab, Viehketten und einem Pferd dargestellt.


St.Leonhard
Hinweise: Leonhard lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regel-mäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. die Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jh. ankettete . Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten,
  mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Gedenktag: 6.Nov.
Altarblatt
Das Altarbild, ein Ölgemälde, zeigt die beiden Kirchenpatrone, die Heiligen Stephanus und Jakobus d.Älteren zu Füßen der Muttergottes.

Jakobus sehen wir mit Pilgerstab, Pilgerflasche und Muschelpailletten auf dem Mantel, alles Attribute mit Bezug zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Gedenktag: 25.Juli

Altarblatt-
Maria, Jakobus und Stephanus

Stephanus ist in das kurzärmelige Gewand eines Diakons gekleidet. Auf der Bibel in seiner Hand liegen Steine, die auf die Art seines Martyriums, die Steinigung, hinweist. Gedenktag: 26.Dez.

Auf dem linken Knie Mariens sitzt das Jesuskind, das sich lebhaft den beiden Kirchenpatronen zuwendet. Maria ist in ein rot-blaues Gewand gekleidet. Es sind die traditionellen Marienfarben.

 
Hinweise: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger bekamen am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. In den ersten 12 Jahren des Christentums war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.
Stephanus
war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündi-gung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden  in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat.  Die in  Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete.  Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb.  Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem. 

Der Choraltar besitzt keinen Tabernakel mehr.
An seiner Stelle steht unter dem Altarbild auf dem Altar ein tabernakelähnlicher Holzschrein mit Glastüre. Darin befindet sich die Holzfigur des Heilandes an der Geißelsäule. Die Figur stammt aus der 2.Hälfte des 18.Jh.

 


Heiland an der Geißelsäule
Hinweise: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittel-alter. In den Landkreis Dachau gelangten verein-zelte Bilder jedoch erst im 17.Jh.Die große Ver-breitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wies-bauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die
  berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Ottershausen.


In der Osterzeit steht auf dem Holzschrein die Figur eines Auferstehungsheilandes mit der Siegesfahne im Arm aus der 2.Hälfte des 18.Jh.

Kirchenschiff / Langhaus


Seitenaltäre


Linker Seitenaltar
Auch die Seitenaltäre gehören -wie der Hochaltar- der frühen Rokokozeit um 1740 an. Sie haben Retabel mit zwei Pilastern und volutengeschmückten Aufsätze. An allen Altären sind Ziervasen aus bunt angemaltem Holz zu sehen.
Patrone der Seitenaltaltäre sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Die -leider wenig kontrastreichen- Hauptbilder (Ölbilder auf Holz) der beiden Seitenaltäre sind durch den Münchner Kunstmaler Josef Seiler (Sailer ?) 1903 neu gemalt worden. Damals wurde die ganze Kirche durch den Dekorationsmaler Karl Bartelme von Nymphenburg durchgreifend restauriert. Auch die Altaraufsatzbilder wurden damals neu gemalt.

Rechter Seitenaltar

Kurz vor der Restaurierung hatte der Haimhauser Kaplan Hugo Straßer in seiner Pfarrbeschreibung von 1901 geschrieben:
  "Die Kirche schreit geradezu nach Renovierung. Der Reichtum der Stiftungsgelder ließe auch eine Verwendung auf diesen Zweck zu, alle Bestrebungen aber zerschlugen sich".
Die Seitenaltäre schätzte Straßer gar nicht und behauptete: " Die Seitenaltäre, in ihrem jetzigen Zustand mehr einer morschen, dem gänzlichen Verfall anheimgegebener Bretterwand ähnlich, dürften, je eher desto besser, ganz verschwinden und der hieraus ganz neue Platz frei werden. Es wird keinem Architekten, keinem Presbyter gelingen, einerseits einen den kirchlichen Anforderungen entsprechenden Altar hieher zu setzen, andererseits auf einem derartigen Altare en miniature zu celebrieren.
"


Linker Seitenaltar

Altaraufsatz / Altarauszug
Das Auszugsbild aus der Entstehungszeit des Altars zeigt einen Geistlichen, der mit großer Inbrunst zum Gekreuzigten betet. Es handelt sich wohl um den hl. Johannes Nepomuk, der häufig mit einem Kreuz abgebildet wird.

Joh.Nepomuk
Das Haupt des Heiligen wird von fünf Sternen umgeben. Nepomuk war bei der Erstellung des Altars um 1740 ein sehr aktueller Heiliger, weil er elf Jahre vorher, im Jahre 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen worden war.
Gedenktag: 16.Mai
 
Hinweise: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai
Altarblatt
Mittelpunkt des linken Seitenaltars ist das schon erwähnte Bild des hl. Petrus. In seiner linken Hand hält er zwei Schlüssel, einen für den Himmel, einen für die Erde. Die Rechte hat er belehrend oder mahnend erhoben.

St.Petrus
Diese sog.Himmelsschlüssel präsentieren in der christlichen Symbolik die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. Gedenktag: 29.Juni
 
Auf der Mensa steht derzeit eine Marienfigur vom Typ der Immaculata, die von einem Bildhauer aus Jettingen-Scheppach geschnitzt worden sein soll.


Immaculata
Maria ist in die traditionellen Farben Rot (Gewand), Blau und Gold (Mantel) gekleidet. Ihr Haupt ist von einem Strahlenkranz als Zeichen der Sonne umgeben. Ihr Fuß steht auf dem Kopf einer Schlange, die einen Apfel im Maul hält. Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar.
Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt
.


Rechter Seitenaltar


Altaraufsatz / Altarauszug
im Altarauszug ein Bild des hl. Josef. Er hält in der Hand eine Lilie als Zeichen der sexuellen Enthaltsam-keit.
Im Hintergrund sind ein Zimmermannswinkel und Einrichtungsgegenstände als Hinweis auf den Beruf des St.Josef abgebildet. Diese Attribute weisen ikonografisch auch darauf hin, dass das Bild nicht in der Rokokozeit gemalt worden sein kann.

St.Josef
Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Gedenktag: 19. März
Altarblatt
Am rechten Seitenaltar ist im Altarblatt der hl.Paulus dargestellt. Er stützt sich auf das Schwert als Zeichen für die Art seines Martyriums. Das Buch unter dem Arm weist ihn als Verkünder des Evangeliums aus.

St.Paulus
Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Mit großem Eifer verfolgte er die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Gedenktag: 29.Juni
 

Jesuskind
Die Jesuskind-Figur aus dem 19.Jh, die auf dem Altartisch steht, kam nach Angaben der Mesnerin vor einiger Zeit im Austausch gegen ein Fatschenkindl aus der Pfarrkirche von Haimhausen hierher.

Krippe

 

Weihnachtskrippe
In der Weihnachtszeit ist am rechten Seitenaltar die Krippe aufgebaut.

Wenn Sie mehr Krippen aus den Kirchen des Dachauer Landes sehen möchten, klicken Sie hier...

 

Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar oder Volksaltar in Otters-hausen besteht aus einem Tisch in U-Form, gehalten durch ein Kreuz aus Metall.  Der zierliche Altar wurde erst um 2005 aufgestellt. Das ist im Verhältnis zu den Kirchen anderer Pfarreien ein später Zeitpunkt. Aber es ist sogar die erste Filialkirche der Pfarrei Haimhausen mit Zelebrationsaltar.


Zelebrationsaltar
Denn die Aufstellung der Zelebrationsaltäre, an denen der Priester zum Volk zugewandt die Messe hält, ist Ergebnis der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils. Sie bedeuten eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier in der Zeit des frühen Christen-tums: Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufge-stellt und von allen Seiten zugänglich.
  Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

 

Langhaus / Kirchenschiff

Das Kirchenschiff besitzt eine Flachdecke mit einfachem Stuckrahmen über der rosa gefärbten Hohlkehle. Eine Ausmalung fehlt.


Kreuzweg


C
horbogen
Am Chorbogen sind das Jesusmonogramm IHS (Jesus-Hominis-Salvator) mit Kreuz und drei Kreu-zesnägeln sowie die Jahreszahl 1757 (aus Stuck) zu sehen.

1757
Die Jahreszahl steht für den Zeitpunkt des Kirchenschiff-Anbaus.

Apostelleuchter
An den Seitenwänden des Chores und des vorderen Teils des Langhauses befinden sich einige Apostelkreuze mit kurzen Befestigungen für Kerzen.

Apostelkreuz

Apostelkreuze sind von alters
her von einem Kreis umgeben (Nimbuskreuz). Diese Kreuze sind an den Stellen angebracht, an denen die Kirche bei ihrer Weihe mit Chrisam gesalbt worden ist. Am Kirchweihfest oder bei anderen hohen Festen werden die Apostelkerzen aufgesteckt und angezündet.
Apostelkreuze erinnern auch an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmli-sche Jerusalems. 


Kreuzwegbilder

Die Kreuzwegbilder, die an den Wänden des Kirchenschiffs oberhalb der  Apostelleuchter angebracht sind, stammen aus dem Jahr 1782.
Sie sind inzwischen sehr stark nachgedunkelt und rissig und hätten eine Renovierung nötig.

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen.

Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzweg-andachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt


Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...



Vortragekreuz

An einer der Kirchenbänke ist ein schwarz-weiß- golden bemaltes Vortragekreuz befestigt. Über der Stange ist ein Nodus (eine kugelförmige Verdickung) angebracht. Darauf sitzt ein Kreuz mit blütenförmigen Kreuzbalkenenden, die wiederum mit aufgezeichneten Templerkreuzen verziert sind. Am Schnittpunkt der Balken eine Plakette mit dem Jesusmonogramm (IHS = Jesus, Hominum, Salvator) und drei Kreuznägeln.

Eine Besonderheit ist der schräg durchgesteckte Pickel, der auf das Ausheben von Gräbern hinweist. Oft ist der Pickel durch eine gegenläufige Schaufel ergänzt. Möglicherweise war dies auch in Otters-hausen der Fall. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh. Bei Beerdigungen werden durch das Vortragekreuz die vom Priester gesprochenen Worte "Jesus geht uns voraus - wir werden ihn sehen" sowie "Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab" sinnfälliger.



Kruzifix an der Empore

An der Emporenbrüstung ein schönes Kruzifix aus dem 19.Jh. Der Corpus besitzt eine Inkarnatfassung. Die blauen Adern sind deutlich zu erkennen. Viel Blut tropft aus den Wunden. Das Lendentuch, das Perizoma, ist nicht wie in der Barockzeit vergoldet, sondern blau-weiß gefasst.


Die Kirchenstühle (südl.7 Reihen, nördlich 6 Reihen) stammen aus dem 19.Jh.
  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler.

Auf der Empore befindet sich hinter der Brüstung eine sehr rustikale Kniebank in Form eines massiven Balkens.

Die Kirche besitzt keine Orgel und keine Kanzel.

Epitaph im Inneren

Rechts vom Eingang ist eine Grabtafel für den Freiherrn Du Prel.

Text:
"Hier ruht Friedrich August Karl Ludwig Anton Freiherr Du Prel, KB Kämmerer u. Regierungs Direktor a.D., Ehrenbürger d.Stadt Freiburg i.d.Schweiz, Komthur u. Ritter hoher Orden.
  geb. Freising 12. Dezember 1833
  gest. Augsburg 10.Mai 1906
R.I.P."

Die bayerische Beamtenfamilie du Prel entstammt einem Adelshaus der Bourgogne, wo das Geschlecht der Ritterschaft angehörte und Anton du Prel 1651 zum Baron erhoben wurde; die Nachkommen ließen sich als Freiherrn in Bayern nieder.
Friedrich von du Prel war der älteste Sohn des kgl. Advokaten Maximilian Freiherr von du Prel (1801-82) und seiner aus polnischem Adel stammenden Frau Anna. Er stand im bayerischen Staatsdienst. Aus historischen Gründen waren alle Mitglieder der Familie du Prel Ehrenbürger der Schweizer Stadt Fribourg (Freiburg). Die Du-Prels waren mit den Butler-Clonebough, den Haimhauser Schlossherrn, verwandt.
18),19)


Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Hugo Straßer, "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria", 1901
04) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.170, 434)
05) Dr. Michael Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938
06) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
07) Dr.Alfred Gleißner, Die Kirchen der Gemeinde Haimhausen, Amperland 1974 (1730)
08) Josef Bogner, Graeber bekannter Persoenlichkeiten in und um Dachau, Amperland 1974 (Schinnerer)
09) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
10) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986 (
Wallner)
11) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
12) Markus Bogner, Chronik von Haimhausen, 1991
13) Hans Schnell und Karl Wilhelm, Die Glocken der Pfarrei Haimhausen, 2002
14) Hans Schnell, Haimhausen, 2004
15) Dachauer Nachrichten vom 11.6.2010 (Friedhofsmauer),
16) Dachauer Nachrichten vom 19.5.2014 (Friedhofsmauerkosten),
17) Dachauer Nachrichten vom 14./15.8.14 (BegründgfürKosten)
18) Zentrales Verzeichnis antiquarischer Bücher, http://www.zvab.com/angebote/du-prel.html (du Prel)
19) Richard Duprel's Internetseite - Zugriff 2013 (du Prel)
20) Süddeutsche Zeitung, Landkreis Dachau, v. 19.5.2014 (Friedhofsmauerkosten)
21) Jahresstatistik 2014 über Haimhausen, Dachauer Nachrichten vom 19.1.2015
22) Der gebaute Himmel, Monumente, Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, Dez. 2018


59 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

6.5.2019