zur Landkreiskarte            ausführl.Beschreibung          Kirchen i.d. Gem.Bergkirchen


Filialkirche St. Augustinus in FELDGEDING

Landkarte
Adresse : 85232 Bergkirchen, Kirchenstraße 8
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Kirche St.Augustinus steht am südöstlichen Ortsrand von Feldgeding. Der dem hl.Augustinus geweihte Bau gehört als Filiale zur Pfarrei Bergkirchen.

Der Name der Ortschaft Feldgeding taucht erstmals 842 als Feldcundingon (bei den Leuten des Cundo an einer waldfreien Fläche) in einer Schenkungsurkunde auf. Sie erhielt ihren Namenszusatz "Feld" wohl zur Unterscheidung von Günding (Gundinga).

Die heutige Kirche wurde in gotischer Zeit errichtet. Der Turm könnte von 1477 stammen, das Kirchenschiff wurde bald danach, 1561, gebaut.

Nach schwerer Brandschatzung durch die Schweden im 30jährigen Krieg hat man die Kirche 1671/73 renoviert und im Laufe der folgenden Jahre innen mit einer neuen Einrichchtung im barocken Stil ausgestattet.

Interessant ist der mehrfache Wechsel des Patronats zwischen St.Anna und St.Augustinus. Heute ist St.Anna die zweite Patronin der Kirche.

 
Rauchfassengel im Chor


Der über 500 Jahre alte Turm der Kirche ist noch mit Kreuzbogenfriesen geschmückt. Hinter den von romanischen Säulchen
geteilten Schallfenstern hängen zwei Glocken; auf seinem hohen Satteldach nisteten bis 1963 Störche. zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

In der Aufklärungszeit (Ende des 18.Jh.) wurde die Kirche als "entbehrlich" eingestuft und sollte 1776 abgebrochen werden. Doch Eingaben des Bergkirchner Pfarrers Frh. v.Froschheim konnten dies verhindern.

  Die Kirche ist derzeit zum Teil einsturzgefährdet und war einige Zeit gesperrt. Das Landratsamt hat diese Sperrung am 20.Nov.2017 aufgehoben nachdem an der Nordseite des Chorraums ein Stützgerüst mit deckenbündiger Verschalung eingebaut wurde. Der Beginn der Sanierung ist für 2018 vorgesehen. 38)  

Inneneinrichtung

Der Altarraum ist mit einer Flachdecke über umlaufendem Gesims überdeckt. 

Die Altäre mit den Figuren wurden vom bekannten Bildhauer Adam Luidl um 1670 geschaffen.
Mittelpunkt des Choraltars ist ein Bild des Kirchenpatrons Augustinus (von Joseph Hauber, 1830), flankiert von Figuren der Heiligen Nikolaus und Silvester. Im ovalen Auszugsbild der Bauernpatron St.Leonhard (20.Jh).

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Der rechte Seitenaltar ist ein Anna-Altar. In der Mittelnische eine Figurengruppe von Anna, Maria und Jesus (aus gotischer Zeit), flankiert vom hl.Joachim, dem Mann Annas und Großvaters Jesu (1673).
Im Auszug ein geschnitztes Relief des segnenden Gottvaters mit Weltkugel.

Der linke Seitenaltar ist den Unschuldigen Kindern gewidmet. Ein Gemälde des Malers Johann Hörmann (1640-1691) zeigt die Ermordung der Kinder durch Herodes (1673). Daneben steht eine Figur von St.Franziskus.
Im Auszug ein ovales Bild der hl. Notburga, der Patronin der Knechte und Mägde, mit der Sichel in der Hand (20.Jh).

An der Nordseite des Altarraums steht eine schöne Holzplastik der Anna selbdritt aus der Zeit um 1430, die von Wallfahrern als Gnadenbild verehrt wurde.

Die Fenster der Kirche werden von Glasgemälden geziert; das älteste stammt aus dem Jahr von 1513. Es ist nur 22 cm groß und zeigt Thomas Lämpl, den damaligen Vikar der Pfarrei Bergkirchen, wie er vor der Gottesmutter kniet.

In einer Nische auf der Langhausnordseite ist in einem Schrein eine weitere Besonderheit der Kirche zu sehen:
Reliquien der hl. Gertrud und eine sog. Annahand, die Nachbildung der in Wien aufbewahrten Reliquie.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1524 Visitation 1560 30jähriger Krieg  Matrikel 1738
  Abbruchpläne 1776 Restaurierung 1789 Beschreibung 1874 Beschreibung 1895 Kirchenpatronat
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Beichtstuhl Choraltar Ewig-Licht-Ampel
  Fenstergemälde Figuren im Chor Figur im Schiff Kirchenschiff  
  Kirchenpatronat Kreuzweg Orgel Opferstock Reliquien
  Sakristei Seitenaltäre Tabernakel Vortragekreuze Zelebrationsaltar

Die Gegend um Feldgeding war schon vor langer Zeit besiedelt. Einige hundert Meter südlich der Kirche wurde 2009 bei Grabungen ein Gräberfeld mit Tongefäßen und zerbrochenen Schwertern und Messern aus der Urnenfelderzeit (1200-800 v.Chr.) sowie Hügelgräber und bajuwarische Reihengräber aus der Zeit um 600 n. Chr.gefunden.
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Feldgeding stammt aus dem Jahr 842. Damals übertrug ein Priester namens Oato seinen Besitz zu Pipun und Feldcundingon dem Bistum Freising mit einem Vermächtnis für die am Dom wirkenden Mönche und Kanoniker. Der Besitz in Feldgeding umfasste 2 Häuser, drei Scheunen, Ackerland, Mooswald sowie 15 Leibeigene. Wahrscheinlich gehörte Oato zu den Mönchen oder Kanonikern am Domberg. 37)
Feldgeding wurde damals
Feldcundingon (bei den Leuten des Cundo an einer waldfreien Fläche) genannt. Durch das Präfix "Feld" sollte Feldgeding vom nahen Günding abgegrenzt werden. 36)
Bei der Bildung der Gemeinden im Jahr 1818 wurde das im Steuerdistrikt Eisolzried liegende Feldgeding eine eigene Gemeinde, da es "zur Zeit der Gemeindebildung die vorgeschriebene Anzahl von 20 Familien aufweisen konnte. 07)

Geschichte der Kirche


Erste Kirche
Wann die erste Kirche in Feldgeding gebaut wurde, lässt sich leider nicht eindeutig feststellen. In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist die Pfarrei Bergkirchen mit vier Filialkirchen aufgeführt, von denen aber nur drei, nämlich Deutenhofen, Bachern und Breitenau, genannt werden. Da aber auch 200 Jahre später, in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 die Zahl der Filialen mit vier gleich geblieben und hier Feldgeding als vierte Filiale genannt ist, dürfte es sich bei der fehlenden Filiale in der Matrikel von 1315 um Feldgeding handeln. Das heißt, eine Kirche gab in Feldgeding wohl schon 1315, auch wenn von diesem Bau nichts mehr vorhanden sein dürfte. 01)


Mess-Stiftung 1477
Am Montag vor dem St.Ulrichtstag 1477 (= Mo, 30.6.1477) stiftete der bayerische Herzog Sigismund, der am St.Anna-Tag (=26.Juli) des Jahres 1439 geboren worden war und dessen Mutter ebenfalls Anna hieß, eine "ewige Wochenmesse zur Ehre des Herrn, der Jungfrau Maria und aller Heiligen". Er begründete dies mit seiner Sorge um das Seelenheil seines Vaters Albrecht III. (der in erster Ehe mit Agnes Bernauer verheiratet war) und seiner Mutter Anna von Braunschweig-Grubenhagen. Gleichzeitig überschrieb Sigismund, der damals schon als Herzog abgedankt und sich nach Dachau zurückgezogen hatte, der Kirche von Feldgeding 41 Tagwerk (= 14 ha) brachliegendes Ackerland zwischen Amper und Maisach.
  Originaltext: "gibt all unser gämlos, weißlos und ellend Äcker, der bey ainundverczig Juchart ist, und was deren in Veldachinger Velderen zwischen der Amber und Maisach gelegen sind"]. Außerdem legte er fest, dass die Kirche als Pachtzins für diese Felder nicht mehr als einen Metzen (37 Liter) Getreide je Tagwerk verlangen darf [Originaltext:"von ainer Juchart nit mer davon zu Gult oder Zins nemen sullen dann ain meczen traids und den Zins furon ewicklich nit meren oder minderen"
Die Wochenmesse sollte von einem Priester zu Bergkirchen oder seinem Stellvertreter jeweils am Mittwoch oder Donnerstag [Pfincztag] ohne Unterlass (52 Wochen im Jahr) gelesen werden. Bei Versäumnis der Messe sollten dem Priester 15 dl vom Lohn abgezogen werden und der Kirche verbleiben.  

Man geht davon aus, dass Herzog Sigismund damals sogar ein neues Kirchengebäude errichten ließ, das der hl.Anna geweiht war. Von diesem Bau ist wohl noch der Turm erhalten. Seit 2008 ist eine Kopie der Stiftungsurkunde in der Kirche angebracht. Die noch im Original (Hauptstaatsarchiv) erhaltene Stiftungsurkunde vom 30.6.1477 hat 300 Jahre später, als die Kirche abgebrochen werden sollte, gute Dienste geleistet.

Herzog Sigismund hatte sich 1467 zu Gunsten seines jüngeren Bruders Albrecht IV. von der bayerischen Regierung zurückgezogen und behielt nur Bayern-Dachau als Domäne, die nach seinem Tod wieder an Bayern-München fiel. Er war ein großer Liebhaber der Kunst, des schönen Lebens und der Jagd.   
     "Denn ihm wars wohl mit schönen Frauen, mit weißen Tauben, Pfauen, Meerschweinchen, Vögeln und allerlei seltsamen kleinen
      Tierlein, auch mit Singen und Saitnspiel",  heißt es in einem Bericht.
Und von seinen Hobbies profitierte auch sein Wohnsitz, das Schloss Dachau.

Kirchenpatronat
Die neue Kirche 1477 war St.Anna geweiht. Doch schon 45 Jahre später, im Jahr 1524 wird die Kirche in der Sunderndorfer'schen Matrikel als Augustinuskirche beschrieben. 1560 erscheint sie wieder als Annakirche. Ab 1738 ist Augustinus unangefochten der Kirchenpatron. Früher nahm man an, der Patron Augustinus sei durch Herzog Sigismund eingeführt worden, weil dieser Heilige als hochkarätiger Kirchenlehrer mehr der höfischen Tradition entsprach. Doch der Heimatforscher Johann Mayr 24)
ist bei seinen Nach-forschungen zu diesem Patronatswechsel zum Ergebnis gekommen, der sei Folge der Reformation Luthers im Jahr 1517. In den ersten Jahren der Reformation habe sich der neue Glauben auch in unserer Gegend ausgebreitet. Nach Feldgeding sei er durch die unbeschuhten Karmeliter des Anna-Konvents in Augsburg, aber auch durch Kaufleute und Viehhändler gekommen. Schon 1524 hätte die Mehrheit der Einwohner die neue Lehre praktiziert und sich gegen St.Anna als Patronin ausgesprochen. Der Herzog habe sich um des örtlichen Friedens willens für einen Heiligen entschieden, der auch für die Lutheraner annehmbar war. Schließlich war Luther vor dem Thesenanschlag Augustinermönch gewesen. Im Jahr 1560, nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (cuius regio, eius religio - wessen Land, dessen Religion), war Feldgeding als bayerisches Gebiet katholisch. So konnte St.Anna wieder Patronin werden. In der Visitationsbeschreibung aus diesem Jahr wurden als Kirchenpatron einmal Anna und einmal Augustinus genannt. Anna blieb für die nächsten 180 Jahre die Patronin. Erst in der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 erscheint wieder Augustinus.


Visitationsbericht von 1560 14)

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Bergkirchen ist auch die Filiale "s.Anna in Veldgeding" kurz erwähnt. Das Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug 30 Gulden, davon stammte 1 Gulden vom Grundlerhof und 20 Gulden vom "Winterl". Der "geselbriester", der Kaplan, erhielt (neben Unterkunft und Wohnung) jährlich 2 Gulden; 1 Pfund Pfennige wurden für Wachs ausgegeben. Die Kirchen-rechnung erstellte das Dachauer Gericht. Der Bauzustand der Kirche gab zu Bedenken Anlass ("Gottshauß und kirchmaur seind paufellig, werden aber aufs Jahr pessert"), heißt es. In der Kirche standen aber drei schöne Altäre ("hat drey altär, wol getziert und sauber gehalten"). Ein Sakramentshaus fehlte. Doch das Allerheiligste wurde "wol beschlossen und beleucht" aufbewahrt. Die übrige Ausstattung war nicht üppig: Ein Kelch fehlte ("haben jetz kain kelch. Ist inen vor aim jar empfrembdt"). Die drei Messgewänder werden als "mittelmessig" bezeichnet. Vorhanden waren noch eine Monstranz, ein Messbuch, ein Liturgiebuch für die Beerdigungen und ein zerissenes Kantorenbuch. Das Taufwasser wurde in einem kleinen Krug aufbewahrt. Gottesdienste fanden einmal in der Woche statt. Der Bericht endet mit dem Satz "Sonst kain mangel".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Bergkirchen -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...


Apiankarte 1568
Der Kartograph Philipp Apian bezeichnet den Ort wenig später als "Velcketing", wie Sie auf der Landkarte rechts neben "Pörkirchen" und der Brücke über die Maisach (Misacha) sehen können.

 
Auszug aus der Karte von Apian 1568

Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen Karte stellen die "24 Bairischen Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568 vom Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wurden. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.
Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589.
33)


Langhausrenovierung
Wie schon im Visitationsbericht von 1560 angekündigt ["werden aber aufs Jahr (ausge)pessert"], wurde 1561 das Langhaus renoviert oder umgebaut.

Umbau 1630
Weitere Umbaumaßnahmen wurden 1630, zwei Jahre bevor der 30jährige Krieg Bayern erreichte, durchgeführt:
Vergrößerung der Fenster (Ausbrechen eines Rundfensters in der Sakristei und von zwei hohen Fenstern im Langhaus)
Vorhauspflaster legen und Ausweißeln der Kirche: Handwerker Melchior Winckhler, Maurermeister aus Wessobrunn und Kistler Hans Stuber aus Dachau (+ vor 1637).
Zudem hat der Kistler Konrad Paarwisch aus Dachau drei Altäre gefasst (= bemalt).

Dreißigjähriger Krieg 08)
Im 30jährigen Krieg hat auch die Kirche in Feldgeding stark gelitten. So notierte Pfarrer Kaspar Kölbl zum Kirchen-Inventarium des Jahres 1641, dass "alle Altär alda prophaniert", d.h. entweiht worden seinen und "daher kein altare portatile", also derzeit kein Altarstein vorhanden sei. Deshalb müsse der Pfarrer sich bei jedem Gottesdienst einen solchen Altarstein entlehnen, d.h. wohl aus der Pfarrkirche mitbringen; aber es sei schon ein neuer Stein in Freising bestellt.
Die drei beschädigten Altäre seien mit "Däflwerkh" eingefasst gewesen, das vom Feindt abgerissen worden sei. Da die meisten Trümmer noch vorhanden seien, könne die Einrichtung wieder notdürftig hergestellt werden.

Leider setzten am 4. Oktober 1648 die Schweden auf ihrem Rückzug von Dachau nach Augsburg die gesamte Innenausstattung der Kirche, also Altäre, Bet- und Beichtstühle, in Brand; alle Altäre waren entweiht. So musste die Kirche nach dem Krieg wieder völlig restauriert werden.
Aus dem Jahr 1666 sind uns die Vermögensverhältnisse der Kirche überliefert. Danach waren 1000 Gulden an Geld vorhanden, eine für damalige Verhältnisse stolze Summe. Das Geld leistete bei der Restaurierung gute Dienste.
1671
wurde sie endlich wieder eingeweiht und 1673 neu ausgestattet. Damals dürfte die Kirche umgestaltet worden sein; jedenfalls zeigt die Lage eines ehem. Fensters im Altarraum, dass die Außenmauern erhöht worden sind. Damals kamen auch die heutigen Altäre in das Gotteshaus.


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655

1712 fertigte Benedikt Göttschl aus Dachau einen Überschlag (=Kostenvoranschlag) für eine Kirchturmreparatur und -anstrich. Ob Der neue Glockenstuhl und die Turmstiege wurden von Zimmermeister Melchior Burghart aus Günding (1675-1754) erstellt.

Schmidt'sche Matrikel von 1738-1740 01)
In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Kanonikus Schmidt aus Freising alle Pfarreien des Bistums besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Er hat die Kirche in Feldgeding als unansehnlich und von schlechtem Bauzustand bezeichnet. In der Kirche standen drei Altäre, die dem hl.Augustinus (Choraltar) sowie den Heiligen Martyrer Innozenz und der Mutter Anna (Seitenaltäre) geweiht waren. Messgewänder waren in ausreichendem Umfang vorhanden. Das Kirchweihfest wurde am Sonntag vor dem Augustinustag (28.Aug.) gefeiert. Schon damals haben im Friedhof keine Bestattungen mehr stattgefunden. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Landrichter aus Dachau gemeinsam. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache:  "Das Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit gegen 500 fl. (=Gulden) betreffen". Das war im Hinblick auf den schlechten Bauzustand kein großer Betrag.
Damals gab es in Feldgeding 25 Anwesen.

Abbruchpläne
Als in der Aufklärungszeit, im Jahr 1776, der Kurfürstliche Geistliche Rat in München eine Reihe von "entbehrlichen" Kirchen im Dachauer Land abbrechen lassen wollte, stand auch die Feldgedinger Kirche auf der Liste. Damals setzte sich der Pfarrherr von Bergkirchen, Johann Christoph Frhr. von Froschheim, nachdrücklich für ihre Erhaltung ein. Er begründete dies insbesondere mit der von Herzog Sigismund gestifteten Wochenmesse (dazu reichte er die Originalurkunde ein) und mit den Gottesdiensten am Patroziniumstag St. Augustinus. "Den Tag der Hl.Mutter Annae", so fährt er fort, "deren Bildnuss allda gnadenreich ist, gehet man von der Pfarr (= Bergkirchen) aus Processionsweis dahin, mit Verrichtung Ambt und Predig, wie nicht münder (=minder) das Jahr hindurch ville Votiv Messen an dem S:Annaealtar gelesen werden, die Feldgedinger Gemeinde aber alle Sambstag, Sonn- und Feyrtag den gemeinschafftl. Rosenkranz abbeten, und den sich darin befindeten Kreuzweg verrichten, welche Samentl. (=alle) Andachten und hl. Messen zu Ewig Göttl[ich]er Rachschreyung unterbleiben würden, wan dises andächtige Gotteshaus solte per inconcessum [= durch Nichtbewilligung seines Weiterbestandes] gänzlich cassiret werden".
Die Eingabe hatte Erfolg: die Kirche blieb bis heute bestehen. 

Restaurierung 1789
Auch in den darauffolgenden Jahrzehnten hatte man wohl aus Geldmangel nicht viel für die Erhaltung getan; jedenfalls verschlechterte sich der Zustand der Kirche immer mehr. Besonders schlimm sah es am Friedhof aus. Welcher Zustand dort herrschte, geht aus einer Eintragung des damaligen Pfarrers von Bergkirchen, Baron von Froschheim, im Jahre 1775 hervor: "Bei dem Freydhof zu Feldgeding is ein solcher Grausen, der sich darin äußert, dass die halbverfaulten Toten ihre Körper zum Theil herausliegen und die Hund und Schwein bald da, bald dort etwas abzwacken, ausgraben und herumziehen." Trotzdem wurden die Kirche und die Friedhofsmauer erst 14 Jahre später, 1789 restauriert.


Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 erstellte der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising und veröffentlichte sie 1874 als Buch. Über Feldgeding ist zu lesen, dort wohnten 192 Gläubige in 34 Häusern. Das Erbauungsjahr der Kirche sei unbekannt. Das Gotteshaus habe keinen erkennbaren Baustil ("Stillos"). Die Baupflicht liege bei der Kirche. Im Sattel-Thurm hingen zwei kleine Glocken. Im Inneren stünden drei Altäre; das Allerheiligste fehle. Den Mesnerdienst versehe der Mang-Gütler. Das Vermögen der Kirche betrage 3093 Gulden.


Beschreibung 1895 34)

Die Kirche von Feldgeding ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde.
  "Kirche. 3 Altäre von ca. 1660.
— Choraltarblatt "S. Augustin, schreibend", rechts unten bezeichnet: Joseph Hauber (1766 - 1834) invenit et pinxit Innen
— an der Nordwand eine S. Anna selbdritt, sitzend, mit den Kindern Maria und Jesus auf dem Schoss. Bemalte Holzfigur
   des 15. Jahrhunderts. H. 60 cm.
— In einem Schrank der Sakristei ein rundes, einem Fenster der Kirche entnommenes Glasgemälde: Maria auf der Mond-
   sichel stehend, trägt das Kind auf dem rechten Arm ; links kniet der Stifter, rechts sehen wir dessen Wappen, ein Lamm
   im goldenen Felde; rings am Rande in gothischen Minuskeln? ".Thomas lampel
(v)icari iare in berkirchen 1513," Die
   Figuren sind grau in grau gemalt, nur die Haare, der Heiligenschein, die Mondsichel und das Wappenfeld sind gelb.
   Gut in der Zeichnung, Faltenwurf sehr knitterig. Durchmesser 22 cm."


Renovierungen

- 1561 Langhaus-Renovierung (Ankündigung im Visitationsbericht von 1560) 14)
- 1630
Vergrößerung der Fenster: Ausbrechen eines Rundells in der Sakristei und von zwei hohen Fenstern im Langhaus sowie
          Vorhauspflaster legen und Ausweißeln der Kirche: Handwerker Melchior Winckhler, Maurermeister aus Wessobrunn.
           Fassung von drei Altären durch Kistler Konrad Paarwisch aus Dachau.
- 1925
Außenrenovierung (zum Schluss Wagenrad für den Storch auf dem Kirchturm platziert) 19)
- 1960
umfassende Renovierung von Kirche und Turm
- 1712
Kirchturmreparatur
- 1789
Kirche und Friedhof
- 1985 große Renovierung unter Pfarrer Eggendinger.
- 2018 Innenrenovierung


Bittgänge

Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Feldgedinger alljährlich nach München zum hl.Benno wallfahrteten, der im Liebfrauendom verehrt wurde. Der Fahnenträger erhielt dafür ein Zehrgeld von 30 bis 60 Kreuzern mit der Begründung "weillens umbsonst niemandts thuen wellen". 19)
  Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erho-ben werden" aufs Schärfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, öffnete man das Grabmal Bennos und warf seine Gebeine in die Elbe. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Mess-gewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht zu haben. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.


Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.
1852: Gemeinde mit 36 Familien und 164 Einwohnern
1867: Ortschaft mit 159 Seelen in 52 Gebäuden
1874: Filialkirche mit 192 Gläubigen in 34 Häusern.


Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 150 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Interessant ist auch ein Brief des Bergkirchener Pfarrers, der sich 1853 aus sittlichen Gründen gegen ein neues Wirtshaus in Feldgeding ausspricht und damit nebenbei auch dem Bergkirchener Wirt eine Konkurrenz ersparen will.
Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die spätgotische Filialkirche der Pfarrei Bergkirchen liegt am südöstlichen Rand des Dorfes nördlich des Mooses und der Amper.
Sie ist von einem ummauertem Friedhof umgeben, der aber seit 1759 nicht mehr für Beerdigungen genutzt wird.
32) Grund waren die häufigen Überschwemmungen. Seit 250 Jahren werden die Toten aus Feldgeding auf dem Friedhof von Bergkirchen beerdigt. Pfarrer Baron von Froschheim schrieb damals:
          "Bei dem Freydhof zu Feldgeding is ein solcher Grausen, der sich darin äußert, dass die halbverfaulten Toten ihre Körper zum
          Theil herausliegen und die Hund und Schwein bald da, bald dort etwas abzwacken, ausgraben und herumziehen."
Bei dem Gotteshaus handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.
Der zweiachsige, nichteingezogene Chor
schließt in drei Achteckseiten; er ist um eine Stufe erhöht. Der Bodenbelag besteht aus Solnhofener Platten, die wandparallel verlegt sind.


Kreuzbogenfries am Turm

Das Langhaus besitzt drei Achsen; es wird beiderseits durch einen Stützpfeiler gestützt. Sechs korbbogige Fenster erhellen den Raum. An der Westseite zusätzlich ein kleines quadratisches Fenster. Anhand einer erkennbaren Mauerführung eines ehemaligen Fensters an der Südostseite des Chores wird deutlich, dass die Chormauern in der Barockzeit erhöht wurden.
Der Turm mit rechteckigem Grundriss (4,20 x 3,75 Meter) besitzt vier Geschosse. In seinen drei oberen Blendfeldern ist er mit Kreuzbogenfriesen geschmückt. Hinter den von romanischen Säulchen geteilten Schallfenstern hängen in der Glockenstube zwei Glocken. Die kleinere mit 150 kg wurde 1790 von Josef Ignaz
Daller (Thaller) aus München gegossen (von ihm stammen auch Glocken in Essenbach, Dachau-Krumpperkapelle und Arzbach). Die mit 187 kg schwerere Glocke kam aus der Gießerei Karl Czudnochowsky/Erding (1948).
Czudnochowsky hat nach dem 2.Weltkrieg viele Kirchen im Landkreis mit Glocken ausgestattet.
  z.B.: Ainhofen, Altomünster, Amperpettenbach, Arnbach, Arzbach, Asbach, Deutenhausen, Einsbach, Eschenried, Etzenhausen, Giebing, Großinzemoos, Hebertshausen, Indersdorf, Koll-bach, Kreuzholzhausen, Lauterbach, Maria Birnbaum, Oberbachern, Obermarbach, Palsweis, Pellheim, Pipinsried, Prittlbach, Rettenbach, Riedenzhofen, Röhrmoos, Schönbrunn-Hofmark u.Kloster, Sigmertshausen, Sixtnitgern, Sulzrain, Unterbachern, Unterbruck, Unterweilbach).

Im Untergeschoss des Turmes ist die Sakristei eingerichtet.

Die Eingangstüre, eine rundbogige Eichentüre, stammt wohl aus dem 19. Jh.

Auf dem Satteldach des Turmes nisteten bis 1960 Störche, die im nahen Moos an Amper und Maisach gute Futterquellen fanden. Schon 1925 hatte man nach der Kirchenrenovierung ein Wagenrad auf dem Kirchturm montiert. 1947 riss ein Sturm Teile des zentnerschweren Nestes herunter; nach der Reparatur nisteten die Störche wieder. Bei der Renovierung 1960 entfernte man das Nest und beließ nur noch den nackten Reifen auf dem Turm. Seither blieben die Störche weg. 35)
Aus den Jahren 1936 bis 1954 haben sich Zeitungsberichte über die Störche auf dem Feldgedinger Turm erhalten. Lesen Sie hier...


Innenausstattung


Altarraum

Der 2-achsige, nicht eingezogene Altarraum schließt in drei Seiten eines Achtecks. Er ist mit einer verputzten Flachdecke über umlaufendem Gesims bedeckt. Die Decke ist mit einer leeren ovalen Felderung im Stuckrahmen verziert. Sie sollte wohl einmal ein Gemälde umschließen.


H
ochaltar / Choraltar

Um 1670/73 bekam die Kirche ihre heutige barocke Ausstattung mit Werken des Bildhauers Adam Luidl aus Mering. Figuren der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u. Mering stehen auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Egenburg, Lauterbach, Sittenbach, Rudelzhofen und Prittlbach.
...mehr zur Luidl-Familie...

 

Choraltar

Die drei Altäre sind architektonisch gut aufeinander abgestimmt. Sie haben gewendelte, blaue Säulen, die mit vergoldetem Weinlaub verziert sind und die auf kannelierten Schäften stehen. Säulen in der Kirche haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb ist die Säule vor allem an Altären eine beliebte Bauform.
Im Aufsatzbereich des Choraltars sitzen neben den ovalen Bildern Volutenengel.

  Gekrönt werden alle drei Altäre von Strahlenkranzaufsätzen,die mit Monogrammen geschmückt sind (Hochaltar: Jesusmonogramm , linker Seitenaltar: Christusmonogramm, rechter Seitenaltar: Marienmonogramm).

Altaraufsatz
Auf einem vorkragenden, verkröpften Gebälk gründet der Altarauszug/Altaraufsatz mit einem ovalen, von Volutenengeln umgebenem Bild des hl.Leonhard im Mönchsgewand. Der Heilige hält den Abtsstab in der Hand und wird von einem Rind begleitet. Das Bild dürfte in der Mitte des 20.Jh gemalt worden sein.

St.Leonhard
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete.
Mittelteil
Im Zentrum des Hochaltars befindet sich ein 187 x 117 cm großes Gemälde, das den Kirchenpatron Augustinus zum Thema hat. Es wurde im Jahr 1830 von Joseph Hauber (1766-1834) gemalt (sign) 34)
.
Der Heilige sitzt an seinen Schreitisch und schreibt in ein Buch. In seiner rechten Hand hält er eine Schreibfeder, die er in das Tintenfass taucht. In der Linken liegt ein brennendes Herz als Zeichen seiner Liebe zu Gott. Ein Engel hinter ihm hält den Bischofs-stab. Darüber schwebt auf einer Wolke die Dreifaltig-keit, Gott Vater, Jesus Christus und -als Taube- der Heilige Geist, die ihm den Text eingeben.

St.Augustinus schreibt
ein Buch mit
göttlicher Hilfe
Das Geheimnis der Dreifaltigkeit hat St.Augustinus in besonderem Maße beschäftigt. Zu seinen Füßen liegt ein aufgeschlagenes Buch, in dem die Signatur des Malers sichtbar wird: "IOSEPH / HAVber / invenit/ et pinxit" (Josef Hauber, entworfen und gemalt).
Hauber, geb. am 14. April 1766 in Geretsried, gest. am 23. Dezember 1834 in München, hat auch das Hochaltarbild in St.Jakob/Dachau gemalt und weitere 50 Kirchen mit seinen Gemälden ausgeschmückt. Hinweis: Der Typ der Schreibfeder (lat.Calamus=Rohr), von der St.Augustinus auf dem Bild eine in der Hand hält, wurde seit dem 3. Jh. v. Chr zum Schreiben
  verwendet. Sie bestand früher aus einem abgeschräg-ten Schilfrohr, dessen Spitze an der Abschrägungeingeschnitten wurde. In der gleichen Weise präparierte man mit einem Federmesser auch die später zum Schreiben verwendeten starken Kiele der Vogelfedern (lateinisch penna), meist Gänsefedern. Erst seit 150 Jahren sind Metallfedern in Gebrauch.
Assistenzfiguren
Assistenzfiguren am Hochaltar sind der hl.Nikolaus  (links) und Papst Silvester (rechts). Sie sind im Bischofsornat mit aufgeschlagenen Büchern in der Hand dargestellt.


St.Nikolaus
 
 
St.Silvester
Bei beiden Figuren fehlen die üblichen Attribute; doch ihr Name steht auf den Konsolen, auf denen sie stehen.
Dass bei Silvester aber nichts auf seine Stellung als Papst hindeutet und auch sein persönliches Attribut, der Stier fehlt, ist ungewöhnlich.
Die Figuren sollen aus der Zeit um 1480, also aus der Bauzeit der Kirche stammen:

 

 

Hinweise:
Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra geweiht. Während der bald darauf einsetzenden Christen-verfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Zwischen dem 11. bis zum 16. Jahrhundert wurden nördlich der Alpen über 2.200 Kirchen nach dem Heiligen Nikolaus benannt. Schon damals entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt.
Silvester war der erste Papst, der nach der Verfolgung zum Papst gewählt wurde. Seine Verehrung als Heiliger beruht auf einer Reihe von Irrtümern und Legenden. Die Behauptung, er habe Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft, ist historisch nicht haltbar, ebenso wenig wie die Geschichte von der Konstantinischen Schenkung, die sich als Fälschung herausstellte. Silvester hat während seiner Amtszeit bei wichtigen Glaubens-entscheidung nicht mitgewirkt Er nahm weder an der Reichssynode in Arles (gegen Donatisten) teil noch am 1. Konzil von Nicäa, wo es um die Wesensart Christi und die Auseinandersetzung mit den Arianern ging. Den Synodalen von Arles schrieb er, er könne die Apostelgräber in Rom nicht im Stich lassen. Wahrscheinlich wollte er sich nicht den Vorwürfen stellen, er sei während der diokletianischen Verfolgung vorübergehend vom Glauben abgefallen.

Tabernakel
Der barocke Tabernakel aus marmoriertem Holz ist von zwei blau-gold kannelierten Säulchen umgeben. An der oben abgerundeten, einflügeligen Tabernakel-türe ist das Jesusmonogramm IHS, umgeben von einem Strahlenkranz, zu sehen.

Tabernakel
IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden:
- als die Anfangsbuchstaben des in griechischen
  Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu   (JHSOUS);
- als die Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum
   salvator" mit der Bedeutung: "Jesus, Erlöser der
   Menschen"
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jh. umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.



F
iguren im Altarraum

Anna selbdritt
Auf der Nordwand des Altarraums ist eine Holzplastik der Anna selbdritt (Mutter Anna mit ihrem Kind Maria und ihrem Enkel Jesus) aus der Zeit um 1430 angebracht. Es handelt sich um eine 60 cm hohe Figur, die die Heilige in sitzender Stellung zeigt. Sie hat die gekrönte junge Maria und das Jesuskind (mit einem Apfel in der Hand) auf ihren Knien. Begleitet wird sie von zwei Rauchfassengeln aus dem 18.Jh (Bild siehe ganz oben). Die Konsole stammt aus barocker Zeit. Früher wurde die Figurengruppe vermutlich als Gnadenbild verehrt. Der Apfel in Jesu Hand erinnert an den Sündenfall im Paradies; Jesus wird durch seinen Tod und seine Auferstehung die Sünde überwinden.    
Hinweis: Bei dieser Holzplastik in Feldgeding handelt es sich um eine der ältesten (und schönsten) dieser Darstellungen im Landkreis. Denn das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. (Papst von 1471-1484) im Jahre 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm wie hier in Feldgeding; manchmal steht Maria zu ihren Füßen. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition gehört zu den anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.

An der Südwand des Chores, der Anna selbdritt-Figur gegenüber, steht in einer Nische die Figur des auferstandenen Christus mit der Siegesfahne in der Hand. Die Figur dürfte um 1700 geschnitzt worden sein. Die Kreuzfahne ist ein in Kreuzform endender Stab, an dem eine Fahne oder ein Banner angebracht ist. Sie gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik. 
  Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärmde-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.


Auferstandener



E
wig-Licht-Ampel

An der rechten Altarraumseite hängt eine Ewig-Licht-Ampel. Sie ist fein in barocken Formen gearbeitet und besteht aus versilbertem Messingblech mit vergoldeten Kartuschen.
Die kirchlichen Vorschriften haben das Material für die Ewig-Licht-Ampeln zwar nicht explizit festgelegt; doch es sollte, so die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563), "der Würde der Kirche" entsprechen. Dies zielte in erster Linie auf das Material Silber, doch auch versilbertes Messing -noch dazu mit vergoldeten Einlagen -dürfte diese Voraussetzung noch erfüllt haben.
39)
  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.



Ewig-Licht-Ampel



Beichtstuhl
Interessant ist der alte Kirchenstuhl im Altarraum mit hochgezogener Rückwand, an dessen rechten Seite ein Beichtgitter und ein Knieschemel eingebaut sind. Er diente vor langer Zeit auch als Beichtstuhl.

Chorstuhl u.Beichtstuhl
Daneben steht -hinter dem Chorbogen versteckt - ein geschlossener Beichtstuhl in der bekannten Form. Er dürfte aus der Zeit um die Wende zum 20.Jh stammen.
Beide Beichtstühle haben derzeit wohl keine Funktion mehr.

 
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche.
Die Beichte geht auf das Bibelwort Joh.20,22 zurück:  "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert".




Sakristei

Die Sakristei ist im Untergeschoss des Turmes eingerichtet. Dort werden die Paramente (Messgewänder) und die für die Kirche benötigten Gerätschaften aufbewahrt. In der Sakristei ziehen sich Priester und Ministranten vor dem Gottesdienst die liturgischen Gewänder über. Im Begriff Sakristei steckt übrigens das lateinische Wort "sacer", mit der Bedeutung "heilig bzw.
geweiht".

Sakristeischrank

Ein Meisterstück mittelalterlicher Handwerkskunst ist das schön gearbeitete Schloss an der Sakristeitür. Es stammt noch aus der Erbauungszeit und ist somit über 500 Jahre alt. Das Schloss (und die Kombination mit dem Türklopfer) ähnelt sehr stark dem Sakristeischloss in der Kirche von Weng, die zur gleichen Zeit erbaut worden ist.


Die dreiteilige Schrankanlage in Sakristei mit ebenfalls alten schmiedeeisernen Beschlägen und Schlössern dürften im 18.Jh. gefertigt worden sein.





Türbeschläge


Zelebrationsaltar

Seit einigen Jahren besitzt Feldgeding auch einen Zelebrationsaltar (Volksaltar). Er wurde aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanischen Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.

Zelebrationsaltar
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so;
  zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. wich die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 29)


Kirchenschiff / Langhaus


Das dreiachsige Kirchenschiff ist nur 6,5 Meter breit. Dies spricht dafür, dass bei der großen Reparatur nach dem 30jährigen Krieg der gotische Grundriss beibehalten wurde. Es besitzt eine flache Holzdecke, die bei der Renovierung um 1960 eingebaut wurde.

Durchrittkirche
Neben beiden Seitenaltären sind in der Außenwand zugemauerte Torbögen zu erkennen. Dort befanden sich in früheren Zeiten Zugänge zur Kirche. Die Lage dieser Tore am Chorbogen ist aber ungewöhnlich. Möglicherweise standen sie mit der Annawallfahrt im Zusammenhang. Demnach könnte Feldgeding eine "Durchrittkirche" gewesen sein: Die Pilger ritten auf den Pferden durch eines der Tore in die Kirche hinein. Wegen der geringen Höhe des Durchlasses mussten sie eine gebeugte (demütige) Haltung einnehmen. Am Chorbogen machten sie Halt und verehrten das am Choraltar stehende Gnadenbild, bevor sie die Kirche durch das gegenüberliegende Tor wieder verließen. Ein ähnliches Brauchtum gibt es derzeit noch in Jesenwang beim Willibaldsritt (9.7.2006), bei dem die Reiter zur Pferdesegnung durch die Kirche reiten. Ob diese Vorstellung von einer früheren Durchrittkirche in Feldgeding realistisch ist, kann vielleicht die in Feldgeding sehr rührige Heimatforschung klären.


S
eitenaltäre

Die Seitenaltäre mit ihren hochbarocken Retabeln stammen -wie der Hochaltar- aus der Zeit um 1670, als die Kirche nach den Verwüstungen im 30jährigen Krieg neu ausgestattet wurde. Die Altäre sind etwas schräg gestellt, um die Sicht der Gläubigen auf den Hochaltar nicht zu beeinträchtigen.


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Auszug des rechten Seitenaltars sehen wir ein Relief von Gottvater mit Weltkugel; die segnende Hand ragt aus dem Rahmen heraus.
Interessant ist die Vertikale des Altars, die die Dreifaltigkeit darstellt: Gottvater ganz oben, darunter der Heilige Geist und unten Jesus auf den Knien seiner Mutter.

Gottvater
Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Grund war die Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem
  Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Mittelteil
Der rechte Seitenaltar ist der Mutter Anna geweiht. Mittelpunkt in der Nische ist eine weitere Figuren-gruppe der Anna selbdritt. Sie soll ebenfalls noch aus gotischer Zeit stammen, wurde dann aber später noch verändert. Es handelt sich jedenfalls nicht um eine klassische  Anna selbdritt-Darstellung.

Maria, Jesus u. Anna
Die Gruppe besteht aus Maria mit ihrem Kind Jesus auf dem Schoß und der (als eigene Figur) daneben sitzenden Mutter Anna. Alle Figuren sind mit barocken Kronen geschmückt. Maria scheint gerade das sich sträubende Kind der Großmutter hinüber-reichen zu wollen.
Darüber schwebt -in Form einer Taube- der hl. Geist.
  Hinweis:
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach kam "der Heilige Geist sichtbar auf ihn herab, wie eine Taube"
(Lk., 3,22). Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat diese Darstellung empfoh-len. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Assistenzfigur

Die Assistenzfigur am rechten Seitenaltar stellt den hl. Joachim dar. In der Hand hält er eine Schäferschaufel. Damit kann ein Schäfer etwas Erde vom Boden aufnehmen und auf diejenigen Schafe werfen, die sich von der Herde entfernen.
Die Figuren an diesem Altar (Anna, Joachim, Maria) stellen die nächsten Verwandten Jesu mütterlicherseits dar.  

  Hinweis: Nach dem apokryphen Jakobusevangelium erschien dem Joachim auf dem Feld bei seinen Herden ein Engel (deshalb der Schäferstab. Ein Engel prophezeite ihm, dem Kinderlosen, die Geburt Marias und trug ihm auf, zur Goldenen Pforte des Tempels zu gehen; dort traf er seine Frau Anna. Die Begegnung der Eheleute an der Goldenen Pforte wurde im Mittelalter als Symbol für das Freisein Marias von der Erbsünde (Conceptio Immaculata) wiedergegeben


St.Joachim



Linker Seitenaltar

Altaraufsatz

Im Altarauszug des linken Seitenaltars ein hochovales Gemälde der Bauernheiligen Notburga im Dirndl mit der Sichel in der Hand. Das Bild ist von einem vergoldeten Blattkranz umgeben.
Auch dieses Gemälde stammt aus dem 20.Jh.

St.Notburga
Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Heilige war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. 
Mittelteil
Der linke Seitenaltar, gefasst vom Dachauer Maler Johann Hörmann (1640-1691) im Jahr 1673, ist den Unschuldigen Kindern geweiht.
Das Ölgemälde (auf Leinwand) stellt im Bild deren Ermordung zur Zeit der Geburt Jesu dar.

Kindermord zu Bethlehem
Das Bild spielt vielleicht noch auf die Schreckenszeit des Dreißigjährigen Krieges an, der noch in seiner Endphase, 1648, das Dorf und die Kirche Feldgeding schwer in Mitleidenschaft zog.
Assistenzfigur
Flankiert wird das Bild von der Schnitzfigur, die nach der Signatur auf der Rückseite (LA) von Adam Luidl (1656-ca. 1700) stammt. Der Heilige hält die Bibel und eine Lilie in den Händen. Diese Attribute allein lassen keine eindeutige Bestimmung zu, um welchen Heiligen es sich handelt. Wahrscheinlich ist es Franziskus oder Antonius von Padua. Nach über-wiegender Meinung stellt die Figur wohl den hl.Franziskus von Assisi dar. Mit einer Lilie wird aber häufiger St.Antonius dargestellt.

St.Franziskus
oder St.Antonius
Hinweis: Der hl. Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.


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Reliquien

Noch im 17. Jh. hat die Verehrung der hl. Anna in Feldgeding eine größere Rolle gespielt. Darauf deutet auch ein mit Filigranarbeiten aus Gold- und Silberfäden verzierter Reliquienbehälter hin. Er steht mit gedrechseltem Rahmen und Glasfront in einer Nische auf der Langhausnord-seite. Darin sind nicht nur die Reliquien der hl. Gertrud enthalten, wie auf dem Pergament-

Annahand

zettelchen (Cedula) steht, sondern insbesondere auch eine sog. Annahand. Dabei handelt es sich um eine Nachbildung der im Jesuitenkolleg in Wien aufbewahrten, angeblichen mumifizierten rechten Hand der hl.Anna. Die rechte Hand deshalb, weil Anna damit das Jesuskind getragen haben soll (siehe Annaselbdritt-figur weiter oben...)
Die Annahand wurde im 18.Jh. im altbayerischen Raum des Öfteren nachgebildet. Im Landkreis Dachau sind weitere Annahand-Reliquien im Annaaltar der Hofmarkkirche von Schönbrunn und im rechten Seitenaltar der Pfarrkirche von Schwabhausen aufbewahrt.

Kreuzwegbilder
An den Wänden im Langhaus hängen schöne Kreuzwegbilder im profilierten Holzrahmen. Sie stammen aus neuerer Zeit.  
Hinweis: In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen".

Kreuzwegbild
Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine
Darstellungen in Kirchen des Landkreises Dachau erfahren wollen, klicken Sie hier...


K
reuzigungsgruppe


An der Südwand der Kirche hängt eine große barocke Kreuzigungsgruppe mit Kruzifix sowie darunter stehenden Figuren der Mater dolorosa und des Apostels Johannes (ca. 1700).
Hinweis: Der Apostel Johannes, der unter dem Kreuz stand, war der Bruder des Jakobus'
des Älteren und von Beruf Fischer. Er war erst Anhänger von Johannes dem Täufer und wurde dann Jesu "Lieblingsjünger" (Joh.19, 26).

  
     Mater dolorosa      - Kruzifix -     Apostel Johannes



V
ortragekreuz

An den Bänken des Kirchenschiffs ist im vorderen Bereich ein interessantes Vortragekreuz aus dem 18.Jh. befestigt. Das Kruzifix über dem Nodus ist an den vier Kreuzbalkenenden mit Puttenköpfen verziert.


Vortragekreuz

Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdi-gungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden
  Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg.



Fenster

Einer der Überreste des alten Kirchenbaues aus spätgotischer Zeit ist das kleine Glasgemälde mit nur 22 cm Durchmesser im oberen Teil des hintersten Fensters an der Südseite der Kirche. Es trägt die Jahreszahl 1513 und zeigt Thomas Lämpl, den damaligen Vikar der Pfarrei Bergkirchen, der mit gefalteten Händen vor der Gottesmutter kniet.
Sie hält den Jesusknaben im Arm und steht auf einer Mondsichel. Bemerkenswert ist ihr langes, offenes Haar, das Maria als Jungfrau kennzeichnet. Dies war theologisch wichtig, weil nur die Geburt Jesu aus einer Jungfrau sicherstellt, dass Jesus nicht der Erbschuld unterliegt. Der Stifter des Fensters könnte ein gebür-tiger Feldgedinger gewesen sein und aus dem "Lampl"- Anwesen stammen.

Glasgemälde 1513
Der Text im Rahmen lautet: "Thomavs lampel (v)icari iare in berkirchen 1513". Auf seinem Wappen ist ein weißes Lamm auf gelbem Grund abgebildet; es korrespondiert mit dem Namen Lampl. Pfarrer Stoll schrieb 1912 die Fertigung des Fensters der Münchner Dombauhütte zu. Denn der Münchner Liebfrauendom wurde zeitgleich mit der Kirche in Feldgeding (und der Kirche in Blutenburg) unter der Herrschaft von Herzog
 

Sigismund Ende des 15.Jh. erbaut. Die Fenster im Dom waren jedenfalls 1513 noch in Bearbeitung. Dies ist aus Amperpettenbach mit seinem großen Buntglasfenster der Ligsalz bekannt; der dortige Künstler Kistenfiger war 1516 gleichzeitig im Münchner Dom und in Amperpettenbach tätig.
Die Stifterscheibe dürfte -so weiß Heimatforscherin Inge Bortenschlager nach Gesprächen mit dem Landesamt für Denkmalpflege zu berichten- Teil einer umfangreicheren Farbverglasung in gotischer Zeit gewesen sein. Als diese in späterer Zeit durch neue Fenster ersetzt wurde, hat man das Rundbild, wohl wegen seiner hohen Qualität, in einen neuen Bleiverband eingesetzt und so der Nachwelt erhalten.
Bei der Renovierung 2014/15 wurde das störende grobe Sprungblei entfernt, das Bild in Klebetechnik befestigt und durch einen UV-Schutz (Südseite) geschützt.


Mehrere weitere Glasgemälde an den Fenstern des Altarraums und des Kirchenschiffs, die sowohl biblische Szenen als auch Heilige darstellen, stammen aus dem Jahr 1926 und wurden von Syrius Eberle aus Dachau, dem damals führenden Glaskünstler, nach einem Entwurf von Prof. Hermann Stockmann geschaffen. Stockmann und Eberle waren ideale Partner, die in vielen Kirchen zusammen Glasgemälde gestaltet haben (zur Vergrößerung bitte auf die Bilder klicken):
St.Georg
St.Isidor
Taufe Jesu
St.Notburga
Verkündigung
Geburt Christi
Jesus als Kinderfreund


Entwurf: Prof.Hermann
Stockmann

Gestiftet: Karl und Franziska Bick Ökonomseheleute
Gestiftet: Johann u. Anna Brummer, Bürgermeisters-eheleute
Gestiftet: Anna Fuchsbichler Ökonomswitwe
August und Rosina
Fuchsbichler
Ökonomseheleute
Gestiftet: Josef und Magdalena Wallner Krämereibesitzersehel.
Gestiftet: Josef u. Maria Brummer, Ökonomseheleute
Gestiftet: Peter und Maria Grad, Ökonomseheleute



Opferstock

In der Nähe des Eingangs steht an der Rückseite ein schön gestalteter Opferstock. Er ist voll mit Eisen-blech ummantelt und durch zwei Schließen gesichert. Der 64 cm hohe Opferstock könnte aus dem 18.Jh stammen. Der Name rührt daher, dass der Opferstock im Kern aus einem großen, mehr oder weniger ausgehöhlten Holzstock besteht, durch den das Geld in den Behälter fällt.

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke.
Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



F
igur im Kirchenschiff

In der Südwestecke, gegenüber dem Eingang, steht eine Figur des hl.Nepomuk (18.Jh) auf einem Sockel. Er ist mit Birett, Mozetta und Rochett bekleidet. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch, ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen Wort für "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Birett ist eine quadratisch geformte Mütze mit vier Stegen (Kardinäle nur drei Stege), das außerhalb des Gottesdienstes den Kopf der Priester bedeckt.
  Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in


St.Nepomuk

  Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen.
Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit.
Festtag: 16.Mai


Orgel

Auf der einfachen Empore (19.Jh) steht eine kleine Orgel, ein Orgelpositiv, das aus den Resten mehrerer funktionsunfähiger Orgeln zusammengebaut worden ist.

 

Hans Schertl



Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
03) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
04) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.654, 720a, 1190)
05) Amperbote vom 13.12.1913
06) Amperbote vom 21.04.1936
07) Altbayern Reihe, Heft 11-12, Die Landgerichte Dachau und Kranzberg, 5.Übersicht über die Gemeindebildung, 1952
08) Anton Bauer, Feldgeding und seine St.Anna-Verehrung, Amperland, 1972/3 (30jähriger Krieg)
09) Max Gruber, Dachauer Kistler, Schreiner und Drechsler des 17. u. 18. Jh., Amperl 1975, S.40 (Paarwisch,Stuber)
10) Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Ortsgeschichte)
11) Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, Amperland 1980/4
12) Max Gruber, Für Dachau und sein Hinterland bis 1800 tätige Architekten, Bau- u. Maurermeister, Amperland 1982 (Göttschl)
13) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
14) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
15) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Zimmermeister, Amperl 1986 (Burghart)
16) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
17) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Feldgeding im Frühmittelalter, Amperland 1993/2
18) Festschrift des Schützenvereins Hubertus, Feldgeding 1995
19) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgänge)
20) Maria Thanbichler in der Schriftenreihe,"Die Kirchen im Pfarrverband Bergkirchen"
21) Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten vom Juni 1998 (Alter Nikolausfigur)
22) Dachauer Nachrichten v. 17.7.2002
23) Frau Bortenschlager, Feldgeding, 2006
24) Johann Mayr, Kirchenpatronat je nach Zweckmäßigkeit, Dachauer Nachrichten v. 25./26.8.2007
25) Dachauer Nachrichten v. 7.8.2008 (Stiftungsurkunde)
26) Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2, 1.11.2011, 18:05 Uhr
27) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Osterfahne)
28) Klaus R.Witschel, Vor-u.frühgeschichtliche Siedlungsspuren im Umland von Röhrmoos, Röhrm.Heimatblätter 2013
     (Urnengräberzeit)
29) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)
30) Dachauer Nachrichten v.10.2.2014 (Fenster 1513)
31) Dachauer Nachrichten v.26.7.14 (Herzog Sigismund),
32) Hubert Eberl, Vortrag "Bergkirchen im 19.u.20.Jh.", 5.11.2014 (1759)
33) Dr.Thomas Horst, Gericht und Herrschaft in Bayern, aus dem Buch Fürstliche Koordinaten, 2014 (Apian)
34) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
35) Ingrid Koch, Geschichten aus dem Storchendorf, Dachauer Nachrichten vom 8.8.2017 (1960, 1925)
36) Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
37) Eberl/Hartl, Die Ortsgeschichte Bergkirchens bis zur Gegenwart, Ortschronik 2014, S. 63-257
38) Ingrid Koch, Landratsamt hebt Kirchensperrung auf, Dachauer Nachrichten vom 29.11.2017
39) Sigrid Gensichen, Auratisierte Materie, in: Die Eremitage von Schloss Favorite Rastatt, 2018

43 Bilder: Hans Schertl

19.4.2018


Einwendungen des Bergkirchner Pfarrers
gegen die Erteilung einer Bierausschank-Konzession in Feldgeding - 1853

Beim Ausräumen des Pfarrhofspeichers im Mai 2014 fand Frau Inge Bortenschlager folgenden Brief, den der Bergkirchener Pfarrer Jos.Dietmaier an das königl. Landgericht Dachau schrieb. Darin spricht er sich vehement gegen ein neues Wirtshaus in Feldgeding aus.

Bergkirchen, 30. September 1853
Das k. Pfarramt Bergkirchen an das k. Landgericht Dachau.
Bierschankconceßionsgesuch des Jak. Glas, Kreiller zu Feldgeding betr.

Dem Vernehmen nach hat Jakob Glas, Bauer von Feldgeding um eine Bierschank-Consession nachgesucht und ist deßen Gesuch bereits an der Gerichtstafel ausgehängt. Es wird wohl einem betreffenden Pfarrer nicht verübelt werden können, wenn er bei etwaigen Vermehrung von Bierkneipen nicht stillschweigt, sondern ein Interesse der Sittlichkeit und der bürgerlichen Wohlfahrt sich vernehmen läßt.

Aber ganz besonders dürfte dieses Gesuch die Einsprache der Pfarrers rechtfertigen, da so wenige Gründe für, aber viele Gründe gegen dieselbe sprechen. Denn

A. Man kann hier doch keine zu große Entfernung der anlie- genden Wirthshäuser vorbringen, da Geiselbullach nur 1/2 und Bergkirchen nur 1/4 Stunde entfernt. Obwohl die nach den Hausnummern und dem Vermögensstand stärkere Ortschaft Günding überallhin eine volle halbe Stunde hat, so wurde doch ein ähnliches Gesuch vor einigen Jahren ihr nicht gewährt.

Zudem besteht zwischen Bergkirchen und Feldgeding der schönste, geradeste, zu aller Jahreszeit gangbarste Weg. Noch weniger kann:

B. Die große Bevölkerung Feldgedings als Grund angegeben werden, da es mit dem Hirtenhause und einem leeren Zubauhause nur 28, also resp. nur 26 Hausnummern ohne irgendeine umliegende bewohnte Hütte zählt. Auch ist es

C. nicht der große Wohlstand der Gemeinde, welche nur 3 halbe Bauern, und darüber lauter Gütler und Taglöhner zählt. Außer ihren Mooswiesen haben sie nur einiges Ackerland, und dieses in ganz weniger Bonität /: 1 bis 5:/.
Am allerwenigsten aber gibt diesem Gesuche

D. ihr bisheriger Ruf irgendein Gewicht. Vor einigen Dezennien (=Jahrzehnten) war die Gemeinde wegen Roßdiebstahls verrufen, später hat der Heu und Strohhandel resp. ihre notorische Betrügereien in diesem Geschäfte, sei dank Münch- ner Publikum sehr kenntlich gemacht, und gegenwärtig hat sie ziemlich bekannte Diebesnamen /: Doll, Trost, Barl pp:/ aufzuweisen, wie die Akten des k. Landgerichts sattsam

 

darthun, so daß die Gemeinde Feldgeding in dieser Beziehung wahrscheinlich den ersten Platz im ganzen Landgerichte behauptet.
Endlich zählt

E. Die Pfarrei Bergkirchen nur 1000 Seelen u. hat für die durstigen Kehlen darunter, 4 sage vier Wirthshäuser
/:3 Tafern und eine Schenke :/. Sicher ist in ganz Ober- bayern keine Pfarrei so mit Wirthen gesegnet (?!), wie die hiesige.
Wie aber da das Bedürfniß einer fünften Wirth- schaft obwalten soll, das einzusehen übersteigt die Verstandeskräfte des Unterzeichneten, - das k. Landgericht Bruck könnte hier gute Zeugschaft leisten, wie die nur 1/2 Stunde entfernte Bierschenke zu Geiselbullach jedwedem Gesindel Unterschlupf gibt und dessen polizeiliche Thätigkeit bisher in Anspruch genommen hat.
Es besteht nicht der mindeste Zweifel, daß die Bierschenke in Feldgeding nicht einem ähnlichen Charakter behaupten wird. Denn gerade diese angelegenen Grenzkneipen sind es, wo die berüchtigsten Sujets (= Subjekte) sich zusammenfinden, und wo auch die Schuljugend, weil sie weniger überwacht ist und überwacht werden kann, zum Spielen und Saufen sich hinzieht.

Kurz gesagt läßt sich behaupten: "eine Bierschenke nach Feldgeding zu pflanzen heißt, dem häuslichen Ruin und der Immoralität der Gemeinde in die Hände arbeiten, und einen Schlupfwinkel mehr für alles Gesindel errichten.

Schließlich dürfte wohl auch das Gesuch der Gemeinde, resp. die Unterschriften genauer untersucht werden. Denn der Gesuchsteller ist Gemeindevorsteher und ließ die Gemeindeglieder Abends zur Zeit der Dämmerung in sein Haus citiren und das unterschreiben. Würde eine gerichtliche Vernehmung visitim stattfinden, so würden gewiß sehr viele Namen wegfallen, wenigstens die Namen von 3 ledigen Burschen und von 3 Schwägern des Gesuchstellers, überhaupt das Gesuch vor Allen, denen es um Sittlichkeit und Wohlfahrt - mehr - als um den Vortheil eines Einzigen zu thun ist, in seiner ganzen Erbärmlichkeit vor Augen liegen.

Hochachtungsvollst das k. Pfarramt.

 

Die Störche sind da 06)
Amperbote vom 21.04.1936

Sie sind äußerst selten geworden gegen früher, die Störche, die einstmals in den Niederungen des Amper- und Maisachgebietes, bevor die Technik die Kultivierung des Mooses begann, reichlich Nahrung fanden und auch sonst ziemlich ungestört leben konnten. Lange Zeit waren die Störche auch nicht mehr nach Feldgeding gekommen, und so herrschte vergangenes Jahr keine geringe Freude, als auf dem alten Kirchturm im Storchennest neues Leben zu verzeichnen war. Erstmals war wieder ein Storchenpaar gekommen und hatte das Nest bezogen, und wer des Weges ging oder fuhr, und wenn es noch so eilig war, hielt einen Moment an, um das selten gewordene Schauspiel sich anzusehen.
Es ist auch wirklich selten genug, dass man irgendwo in einem Dorf des Dachauer Bezirks heute noch Störche findet; weit und breit gibt es keine. Den ganzen Sommer über waren die langgestelzten Gäste dageblieben und hatten in den vom Flussbauamt so geschickt geschaffenen Altwässern an der Amper ihre Nahrung ausreichend gefunden, denn Frösche gibt es dort in Massen. Als sie dann im vergangenen Herbst fortzogen, da fragte man sich wohl, werden sie nächstes Jahr wiederkommen? Ja sie sind wiedergekommen und haben ihr Sommerquartier bezogen. Am vergangenen Donnerstag hörte man erstmals wieder ihr fröhliches Klappern vom Kirchturm herab: Unsere Störche sind wieder da! Hoffentlich gefällt es ihnen wieder so gut wie im vergangenen Jahr, und Feldgeding hat eine Seltenheit zu verzeichnen, und mancher Photograph wird das muntere Paar auf dem Kirchturm im Bild wieder festhalten können, ein Bild, das einstmals in fast allen Gemeinden an der Amper zu sehen war, das heute aber wirklich selten ist.
Amperbote vom 03.07.1936
Das Storchenpaar, das auf unserem Kirchturm sein Nest hat, und von dort stolz ins Dorf herunterklappert, hat nun dieser Tage Zuwachs erhalten. Die Störchin hat drei Junge ausgebrütet, die nun langbeinig und neugierig herunterblicken auf alle, die auf der neben der Kirche vorbeiführenden Straße des Weges kommen. Wie beliebt die Störche sind und welches Interesse sie finden, das zeigt der Umstand, dass manchmal die Straße bei der Kirche den reinsten Parkplatz bildet für die Ausflügler, die unseren Ort passieren und nun das seltene Bild eines Storchennestes bewundern.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

Katholischer Dienstbotenverein in Feldgeding
Amperbote vom 13.12.1913

Der kath. Dienstbotenverein Deutenhausen-Feldgeding veranstaltet am 14. Dezember nachmittags eine gesellige Unterhaltung, bei welcher ein interessanter Vortrag über die Geschichte von Feldgeding erstattet werden wird. Außerdem geht eine Militärhumoreske über die Bühne. Dieselbe wurde bereits am 7. Dezember in Deutenhausen aufgeführt und fand großen Beifall. Wer sich einige vergnügte Stunden verschaffen will, versäume deshalb nicht, die Unterhaltung zu besuchen.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

Ein großer Tag nicht nur für Gottfried Doll
2500 Teilnehmer gestern bei Primizgottesdienst in Feldgeding
Dachauer Nachrichten vom 01.07.1998

Feldgeding/Bergkirchen - Es war nicht nur ein großer Tag für den Neupriester Gottfried Doll, als er gestern vor knapp 2500 Menschen den Primizgottesdienst halten durfte. Es war auch ein großer Tag für die Bevölkerung von Feldgeding und Bergkirchen, dass ein junger Mann aus ihren Reihen zum Priester geweiht worden ist. Dieser feierliche Feldgottesdienst auf einer Wiese in Feldgeding wurde musikalisch begleitet von einem aus 85 Sängerinnen und Sängern bestehenden, gewaltigen "Kirchenchor", geleitet von Josef Bortenschlager. Die Langenpettenbacher Blasmusik spielte gekonnt Kirchenlieder, und alle Fahnenabordnungen das Bergkirchner Pfarrverbandes standen links und rechts der Altares und der Chorbühne Spalier.
Die Verantwortlichen hatten sich mit dieser Feier sehr viel Arbeit gemacht, so war auf einem meterhohen Podest eine große Holzschale um den Altar gebaut. Was nicht mitspielte, war das Wetter. Auf dem Ort Feldgeding liegt so etwas wie ein "Wetterfluch", denn so weit die Leute dort zurückdenken können - immer wenn in Feldgeding ein großes Fest gefeiert wird, regnet es. Pfarrer Gottfried Doll wurde während der Messe vom Bergkirchner Pfarrer Egid Schierer, dem ehemaligen Bergkirchner Pfarrer, Josef Eggendinger, den Pfarrern Heinrich Hochkirch, Gabriel Kreuzer, Karl Namberger, Wolfgang Borm hielt die Primizpredigt - sowie Dekan Martin Probst und Dekan Wolfgang Bischof unterstützt. Der junge Pfarrer wurde mit seinen Eltern - sie hatten vor Freude nasse Augen - den Geschwistern und Verwandten vom Elternhaus abgeholt. Voran die Blasmusik Langenpettenpach, es folgten die Fahnenabordnungen, die Bergkirchner Ministranten, Leute der Kirche, der Kirchenverwaltung und viele mehr. Auch Bergkirchens Bürgermeister Hubert Huber mit Amtskette und seine Gattin Luise gaben dem Neupfarrer die Ehre. Nach der Messe zog man mit einem Kirchenzug zur neuen "Eberlhalle" nach Bergkirchen, wo für 850 geladene Gäste gedeckt war. Den Abschluss feierte man dann in Form eines Vespergottesdienstes in der Bergkirchner Michael-Fischer-Kirche St. Johann Baptist. Die Bevölkerung aus Feldgeding und dem Pfarrverband Bergkirchen hatte ihrem Pfarrer Gottfried Doll nicht nur ein Priestergewand gestickt nach den Entwürfen von Gottfried Doll, sondern auch den ganzen Primiztag samt Primizmahl über Spenden gestiftet. Dies allein zeigt, wie stolz sie auf den Sohn aus ihrer Mitte sind.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)