zur Landkreiskarte        ausführliche Beschreibg.            Kirchen im Stadtgebiet Dachau

Filialkirche St. Laurentius in ETZENHAUSEN

mehr über St.Laurentius...
85221 Dachau, Von-Herterich-Straße 5
Lage der Kirche auf der Karte ...

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alle Kirchen und Kapellen in der Stadt Dachau


Kurzbeschreibung

Etzenhausen hieß im Jahr 804 Zezinhusir. In diesem Jahr verlangte Bischof Atto von Freising vom Kloster Tegernsee 15 Tauf-Kirchen zurück, unter denen sich auch die zu Etzenhausen befand.
Manche Historiker sind der Auffassung,  dass die ursprüngliche Dachauer Pfarrei mit dem Pfarrhof hier in Etzenhausen lag. Im Jahr 1315 war die Kirche St.Laurentius aber schon Filialkirche von St. Jakob in Dachau, wie aus der Konradinischen Matrikel hervorgeht. 

Der Sattelturm und Altarraum der heutigen Kirche stammen aus gotischer Zeit (um 1500),
das Kirchenschiff (Langhaus) mit seiner Flachdecke ist ein Barockbau aus dem 17.Jh.

Im Turm  hängen hinter den durch eine Säule getrennten Schallfenstern drei Glocken.


Stuckelement an der Langhausdecke

Auf den Außenseiten des Chores große Wandbilder von
Christus (Ostseite) und der Muttergottes (Südseite). Sie wurden von Ludwig von Herterich, der auch das Fresko in der Kriegergedächtniskapelle schuf, in den Jahren 1931/32 gemalt.

Letzte Renovierung der Kirche in den Jahren 1978-1980.

Innenausstattung

Der Altarraum wird von einem Kreuzkappengewölbe (um 1500) bedeckt. Die Langhausdecke ist mit zartem Bandelwerkstuck im Rokokostil verziert (1735).

An der überwiegend barocken Ausstattung der Kirche waren viele bekannte Dachauer Künstler beteiligt: der Maler und Bürgermeister Johann Georg Hörmann (1672-1749), Nikolaus Prugger (1684-1769), Bartholomäus Schuhpaur (ca. 1700-1750) , Franz Mayr (1707-1752) und Anton Huber (1799 -1868). Auch der Urenkel von Anton Huber, der Maler Richard Huber und dessen Enkel Christian Huber haben sich als Restauratoren in der Kirche betätigt.

Der Choraltar (1623) ist dem Patron Laurentius , die Seitenaltäre (1710) der Muttergottes und St. Katharina gewidmet.

Die Figuren- und die Bilderausstattung in der Kirche weist auf den bäuerlichen Hintergrund von Etzenhausen hin:

St.Wendelinzur Beschreibung der Glasgemäldezur Beschreibung der Seitenaltärezur Beschreibung der Glasgemäldezur Beschreibung der SeitenaltäreSt.Wendelinzur Beschreibung des ChoraltarsAltaraufsatzGlasgemäldeAltaraufsatzSt.Wendelin
Vergrößerung von Details (Altäre, Seitenkreuz) per Mouseklick

Es handelt sich um Figuren
- der Nothelferinnen Barbara (mit Märtyrerpalmzweig und Turm) und Katharina (mit Schwert und Marterrad),
- der sog. Bauernheiligen Leonhard (im Abtsornat) und Wendelin (mit Hirtentasche und Pferdefigur),
- der Pestheiligen Sebastian(mit Pfeilen am Marterbaum) und Rochus (mit Pilgerstab und Beinwunde) und
- des Helfers in Feuersnöten St.Florian (in Soldatenrüstung mit Wasserschaff)
- von St.Wolfgang (mit Kirchenmodell), St.Josef (mit Jesuskind) und St.Erasmus (mit offenen Gedärmen).

Die Bilder zeigen auf dem Choraltar das Martyrium des Kirchenpatrons St.Laurentius, den Tod auf Feuerrost (Maler Franz Mayr, 1750), am linken Seitenaltar eine Maria Immaculata und rechts die hl.Katharina auf Wolken kniend, mit Schwert und Marterrad (Anton Huber, 1850).

Blickfang im Kirchenschiff ist ein großes Kruzifix im prächtigen barocken Rocaille-Rahmen mit darunter kniender Maria Magdalena an der Südwand. Die über dem Kruzifix abgebildeten göttlichen Personen Gottvater und der Hl.Geist machen dieses Kunstwerk auch zu einer Dreifaltigkeitsdarstellung.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie hier...


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Neubau 1620 Matrikel 1738
Beschreibg 1874 Beschreibung 1895
Ausstattung: Ambo Baubeschreibung Choraltar Deckenstuck Epitaphe
Ewig-Licht-Ampel Fenster Figuren im Chor Geschichte Kirchenschiff
Kreuzweg Kreuzigungsgruppe Krippe Matrikel 1740 Orgel
Opferstock Seitenaltäre Turm Weihwasserbecken Gottesdienstzeiten

Der Historiker Bitterauf vertritt in seiner Beschreibung der Freisinger Traditionen aus dem Jahr 1909 die Auffassung, dass in einer Urkunde aus der Zeit von 790/91 der Ort Etzenhausen genannt ist. Sie beschreibt die Schenkung des Karuheri de Zezinhusum an das Bistum Freising; Gegenstand der Schenkung sind Leibeigene sowie Grund und Boden in "Zezinhusir". Andere Historiker sehen in Zezinhusir den Ort Hetzenhausen Gemd. Kranzberg.
Etzenhausen war von 1818 bis 1939 eine selbstständige politische Gemeinde. Sie war 1818 durch die Aufteilung des Steuerdistrikts Hebertshausen unter Einbeziehung des Dorfes Webling entstanden. Am 1.4.1939 wurde Etzenhausen in den Markt Dachau eingemeindet.


Geschichte der Kirche

Eine Kirche in Etzenhausen wird erstmals im Jahr 804 erwähnt. In diesem Jahr verlangte Bischof Atto von Freising vom Kloster Tegernsee 15 Tauf-Kirchen zurück, unter denen sich auch die zu Etzenhausen (Zezinhusir) befand. Wie und wann das Kloster Tegernsee in den Besitz dieser Kirche gekommen war, ist nicht bekannt. Aber zwischen dem Kloster und dem Adel in Etzenhausen sollen Verbindungen bestanden haben. Jedenfalls hatte dieses bedeutende Kloster nördlich von München weiteren Besitz (z.B. Ilmmünster oder Großeisenbach). Ergebnis des Streits zwischen Bischof und Kloster war, dass Tegernsee die Taufkirchen an den Bischof zurückgeben musste, sie aber zunächst als bischöfliches Lehen wieder übertragen bekam. Schiedsrichter des Streits waren übrigens Erzbischof Arn von Salzburg und zwei Vertreter von Kaiser Karl dem Großen (Perhtratus und Reginhart).
Die Tatsache, dass der Bischof die Kirche in Etzenhausen "zurück"fordert, zeigt deutlich, dass die Kirche vorher dem Bistum gehört hat. In den Unterlagen ist zu lesen, sie sei vor langer Zeit an das Bistum übergeben worden. Auch wenn diese Formulierung sehr unbestimmt klingt, dürfte doch die Kirche von Etzenhausen zu den ältesten des Landkreises gehören.


Manche Historiker sind der Auffassung,  dass die ursprüngliche Dachauer Pfarrei mit dem Pfarrhof hier in Etzenhausen gelegen haben könnte (andere sehen Steinkirchen als Urpfarrei an).


Ein weiteres schriftliches Zeugnis stammt aus dem Jahr 864. Dort werden neben der Kirche ein Herrenhof (curtem) mit 240 Joch Ackerland und dazu Wiesen mit einem Ertrag von 300 Fuder Heu erwähnt. Dieser Besitz wurde damals vom Bischof an den Grafen Cotascalc vertauscht.


Konradinische Matrikel 1315
Im Jahr 1315 war die Kirche schon eine Filialkirche von St. Jakob in Dachau, wie aus der Konradinischen Matrikel hervorgeht.
In gotischer Zeit (um 1500) wurde eine neue Kirche errichtet. Davon sind noch der Sattelturm und der Chor erhalten.


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 ist erstmals das Kirchenpatrozinium St.Laurentius genannt. ("...s.Laurentii in Hetzenhausen cum sepult" (= mit Friedhof).


Apiankarte 1568

Der Kartograph Philipp Apian bezeichnet den Ort wenig später als "Etznhausn", wie Sie auf der folgenden Landkarte rechts unterhalb der Ortschaft "Pritlpach" sehen können.

Auszug aus der Karte von Apian 1568
Etzenhausen = Etznhausn (rechts oben)
Vergrößerung per Mouseklick

Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen Karte stellen die "24 Bairischen Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568 vom Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wurden. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.
Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589.


Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Dachau ist auch die Filialkirche "s.Laurentius und Cathrina in Hetzenhausen" erwähnt. Das jährliche Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug 13 Gulden. Ein Mesnerhaus gab es nicht ("hat kain mesenhauß"). Die Kirche hatte schon drei Altäre, die allerdings recht alt und marode waren ("hat 3 altär, sein alters halb vast abkommen"). Es gab auch ein Sakramentshaus mit Ewigem Licht davor ("haben sacrament und zimbliche beleuchtung"). Allerdings war es nicht gut verschlossen ("ist nit wol beschlossen"). Auch wurden das Allerheiligste und die heiligen Öle nicht liturgisch rein behandelt. Ein Taufstein war nicht erforderlich, weil die Taufen in St.Jakob stattfanden ("der tauf ist bei der pfarr"). Taufwasser wurde aber doch in der Kirche aufbewahrt ("Baptismus ist in aim kruegl"). Mit dem Pfarrer Erasmus Ziernhöld war man zufrieden ("Pfarrer verricht allen gottsdienst catholisch"). An liturgischen Geräten waren vorhanden: 4 Kelche mit Corporale, ein Montranz aus Messing "(ein messinge monstrantz"), ein 3 Messbücher ("ain guet missal und 2 geschribne"), ein Liturgiebuch, ein zerrissenes Psalmenbuch und 2 Messgewänder (" 2 guet ornät"). Der Visitator stellte nach Besichtigung der Kirche fest, sie müsse dringend renoviert werden ("Die kirch und kirchmaur dörffen pauens"). Dennoch beendete er seinen Bericht mit den Worten "Sonst kain mangel".


Neubau 1620
Das Kirchenschiff wurde im 17.Jh neu gebaut; vielleicht um 1620, denn der Altar stammt aus dem Jahr 1623. Der Deckenstuck wurde 1735 aufgetragen.


Dreißigjähriger Krieg
Die ersten Kriegsjahre hatte die Kirche -im Gegensatz zu den Bauernhöfen- noch gut überstanden, wie wir aus dem Bericht des Dachauer Pfarrers vom 12.4.1641 an den Bischof in Freising wissen. Die Kirche sei an Gebäuden, Dachung und Altären wohl versehen heißt es. Sogar die Einnahmen waren noch vorhanden, weil die Höfe der Zehentpflichtigen entweder der Brandschatzung entkommen oder schon wieder aufgebaut waren ("dero Hindtersäss theils unabgebrennt verbliben, die ybrigen biß auf ainen wider aufgebauth").
Doch gegen Ende des Krieges, 1646,als die Schweden wiederkamen, wurde die Kirche doch noch geplündert. Ob es feindliche oder freundliche Truppen waren, weiß man nicht. Jedenfalls hatte der Glaser Ludwig
Huber hier zu tun. Zudem wird in der Kirchenrechnung von 1650 erwähnt, dass es die Verhütung größeren Schadens erfordere, dasjenige, was durch die Soldaten von Feind und Freund ruiniert und verderbt worden ist, repariert werden müsse (Originaltext: "Weillen bei disem Gottshaus zu Verhiettung grössern schadens die nottdurfft erfordert, das Janige, was durch die Feindt- und Freundts Völckher ruinieret und verderbt worden, uneingestölter widerumb zu repariren"). Erneuert werden musste das Beinhaus, die Dächer von Kirche und Turm, die Stiegen, die Friedhofsmauer, das Unschuldig-Kindl-Häusl.
Nach dem Krieg kam ein Teil der geflüchteten Etzenhausener zu ihren abgebrannten Höfen wieder zurück. Die übrigen Brandstätten wurden Neusiedlern aus dem Alpengebiet (meist aus der Gegend um den Samerberg) übergeben. Bis 1671 waren 22 Häuser wieder aufgebaut worden. Die Kirchenbücher der Pfarrei Dachau, zu der auch Etzenhausen gehörte, beginnen erst im Jahr 1675 wieder.
Immerhin scheint das Vermögen der Kirche St.Laurentius durch den Krieg nicht so stark vermindert worden zu sein, wie bei den anderen Kirchen. 1661 hat der Freisinger Bischof die Besitz- u.Einkommensverhältnisse der Pfarreien geprüft. Nur fünf Kirchen des Amtes Dachau wurden als vermögend eingestuft (und mussten eine Bausteuer für das abgebrannte Reformatenkloster in Freising bezahlen). Dazu zählten neben den Kirchen von Prittlbach und Biberbach mit je 10 fl (Steuer) und Fahrenzhausen 12 fl. auch Etzenhausen und Ampermoching mit je 15 fl. 34)

Blitzschlag 1710
Am 9. August 1710 schlug der Blitz in die Kirche ein und beschädigte die Kirchturmbedachung und die Mauer zwischen Turm und Chor. Dies geht aus der Kirchenrechnung für dieses Jahr hervor (Originaltext: "Nachdeme das den 9t Aug.ao.1710 gewesste Hochgewitter bey disem Gottshaus eingeschlagen und hiermit die Kürchenthurmstachung und Gemäuerwerch in der Kürchen zwischen des Thurmes und der tachung in etwas schadhafft gemacht..."). Unter dem Dachauer Maurermeister Gregor Glonner (ca.1680-1745), dem Erbauer der Kirchen in Großberghofen, Bogenried und Rudelzhofen wurden die Schäden wieder behoben.

Friedhofsmauer
In der ersten Hälfte des 18.Jh. war wohl eine größere Reparatur der Friedhofsmauer fällig.
Zwei Daten hierfür sind bekannt:
- Nach Max Gruber leitete der Zimmerer Joseph
Falter im Jahr 1715 Arbeiten an der Mauer.
- 1726 wurde die Finanzierung einer Baumaßnahme an der Friedhofsmauer gesichert. Denn mit kurfürstlichem Konsens vom
   29.März 1726 wurden 108 Gulden bewilligt. In der Kirchenrechnung ist dazu vermerkt, dass dieser Betrag, -wie eine neue
   Untersuchung ergeben habe- nicht ausreiche. Der Geistliche Rat in München (Teil der kurfürstlichen Verwaltung) erteilte
   hierzu am 4.9.1726 die Bewilligung für die noch benötigte Summe von insgesamt 145 Gulden.

Ob beide Maßnahmen miteinander in Verbindung standen, ist mir nicht bekannt.

Schmidt'sche Matrikel 1738
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising und beschrieb sie in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel. Bei der Pfarrei St.Jakob in Dachau wird auch die Filialkirche "s.Laurentii in Etzenhausen" erwähnt. Sie gehöre, so Schmidt, zu den schöneren Kirchen im ländlichen Raum. Im Inneren seien drei Altäre vorhanden: Der Hochaltar sei dem Patron St.Laurentius geweiht, die Seitenaltäre der unbefleckten Empfängnis Mariens und der hl.Katharina. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach Matthäi (21.Sept). Am Fest des hl.Markus führe eine Prozession zur Kirche. Im Friedhof stehe ein Beinhaus. In der Sakristei würden Mess-gewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit gegen 1500 fl. (=Gulden) betragen". Das war für eine kleine Kirche ein relativ hoher Betrag.


Auszug aus einer Landkarte
von Finkh aus dem Jahr 1655

1844 stiftete am 31.März der inzwischen gestorbene Pfarrer in Bruck Jacob Hermann für 300 Gulden einen Jahrtag.


Beschreibung 1874

Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Danach wohnten damals in Etzenhausen 163 Gläubige in 33 Häusern. Über die Kirche in Etzenhausen ist zu lesen, sie sei 1754 im Zopfstil (Barockstil) errichtet und von Bischof Johann Franz "consekriert". In ihr stünden drei Altäre. Der Hochaltar sei vom Bauer Hanns Böswirth im Jahre 1623 gestiftet und somit älter als die jetzige Kirche. Messgewänder waren offensichtlich nicht vorhanden, weil es heißt, die Paramente würden von der Pfarrkirche in Dachau hergebracht. Stiftungen: 9 Jahrämter und 3 Messen. Im Sattelthurm hingen zwei Glocken. Im Friedhof stand keine Kapelle. Der Mesner war ein Gütler des Ortes. Das Vermögen betrug 1870 rd. 2750 Gulden.


Beschreibung 1895

Die Etzenhausener Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Darin heißt es:
    "Choraltar, einfach mit zwei Säulen, inschriftlich von 1623. Innen an der Nordwand des Chors
     bemalte Holzfigur S.Anna selbdritt, stehend, die Kinder Maria und Jesus auf den Armen
     haltend. Ziemlich unbedeutend. Ende des 16.Jh. H. 58 cm."

Um 1900 wurden wohl größere Reparaturen an der Kirche und insbes. am Turm durchgeführt. Das Kirchenvermögen zur Finanzierung dieser Maßnahme reichte nicht aus; es musste ein Darlehen von 1000 Mark aufgenommen werden. Zur Tilgung dieses Darlehens haben die Mitglieder der Kirchengemeinde eine Cultusumlage beschlossen, die 25 Prozent des normalen Steuerbetrags ausmachte und eine Laufzeit von 5 Jahren besaß.

Bittgänge
Die Etzenhauser unternahmen alljährlich einen Kreuzgang nach München zu St.Benno, der in der Frauenkirche verehrt wurde. Die begleitenden Sänger erhielten dafür z.B. im Jahr 1695 ein Zehrgeld von 45 Kreuzern.
Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schärfste.
Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, öffnete man das Grabmal Bennos und warf seine Gebeine in die Elbe. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht zu haben. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 setzte man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche bei, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher die Patronate St.Bennos für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.

Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.
1500: 18 Anwesen, darunter 3 Ganzhöfe
1671: 22 Anwesen
1760: 28 Anwesen (der Filialkirche gehörten drei 1/6-Anwesen und vier 1/16-Anwesen)
1812: 30 Anwesen
1844: Ortschaft mit 200 Einwohnern
1852: Gemeinde mit 54 Familien und 240 Einwohnern
1868:
Gemeinde mit 272 Einwohnern und 57 Gebäuden (Häuser und Scheunen)
1874: Filialkirche mit 163 Gläubigen in 33 Häusern.


Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben von St.Jakob und den Filialen berichtet. Diese meist in blumiger Sprache geschriebenen Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Die Beschreibung einer festlichen kirchlichen Feier enthält ein Bericht von der Fahnenweihe des Schützenvereins in Etzenhausen im Jahr 1929.
Wenn Sie Interesse an den Berichten haben, klicken Sie hier....


Baubeschreibung

Die Kirche liegt etwas erhöht am Rande der Ortschaft inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Der Baubestand stammt in seinen ältesten Teilen aus spätgotischer Zeit um 1500.
Turm
    

Der 18,6 m hohe Sattelturm mit quadratischem Grundriss steht an der Nordseite des Chores; er ist durch zwei große Blendnischen in drei Geschosse gegliedert. Seit 1938 besitzt er eine Turmuhr.
Im Turm hängen hinter den durch eine Säule getrennten Schallfenstern drei Glocken. Zwei davon wurden in den Jahren 1950 bzw. 1952 bei Karl Czudnochowsky in Erding gegossen. An der dritten Glocke ist keine Jahreszahl zu sehen; sie dürfte aber um das Jahr 1910 entstanden sein, als der eiserne Glockenstuhl errichtet und drei neue Glocken erworben wurden.     
Glockendaten:
Katharinenglocke 1910 (Stifter Thomas u. Magdalena Mayr, 260 kg, Durchmesser 74 cm, Ton 'Des')
Michaelsglocke 1950 (218 kg, Durchm. 78 cm, Ton 'H1')
Josefsglocke 1952 (340 kg, Durchm. 89cm, Ton 'Gis1') Aufschrift: "Wenn du gestorben, ruf ich zum Herrn".

Frühere Glocken:
16.Jh.:
Die ersten schriftlich erwähnten Glocken für Etzenhausen wurden in der zweiten Hälfte des 16.Jh. von der Glockengießerei Wolfgang Steger und Sohn in München gegossen. Die älteste hatte einen Durchmesser von 53 cm.
1910
:
Die jüngere mit 59 cm Durchmesser hielt rd. drei Jahrhunderte, bis sie 1910 durch einen Sprung unbrauchbar geworden war. Die Kirchenverwaltung schrieb damals an das Ordinariat München: "Die eine Glocke ist zersprungen. Es haben sich aber Wohlthäter gefunden, welche gegen Umtausch der alten Glocken ein neues Geläute zu drei Glocken nebst eisernem Glockenstuhle stiften wollen".
Die Kosten beliefen sich für die Glocken selbst auf 2075 Mark (2 Mark 50 Pfennig je kg), 249 für die Armaturen, 340 Mark für den Glockenstuhl und 36 Mark für die Weihe. Für die alten Glocken kamen 234 Mark (1 Mark 17 Pfennig je kg) in Abzug.
Die drei neuen Glocken wurden am 17.Nov. 1910 im Münchner Dom durch Prälat Joh.Neudecker geweiht.
Die große Glocke (400 kg, Durchmesser 88 cm, Ton 'B') wurde dem Kirchenpatron St.Laurentius gewidmet, die mittlere Glocke (Stifter Thomas u. Magdalena Mayr, 260 kg, Durchmesser 74 cm, Ton 'Des') der früheren Nebenpatronin St.Katharina und die kleinste Glocke (170 kg, Durchmesser 66 cm, Ton 'Es') der Muttergottes. Die Glocken wurden am 24.11.1910 auf den Turm gezogen.
Die Laurentiusglocke und die Marienglocke mussten im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden. Dazu schrieb der Amperbote in seiner Ausgabe vom 28.8.1917: "Unser schönes Geläute ist verstummt. Am Samstag kamen die Ausbauer und schmissen im buchstäblichen Sinne des Wortes die Glocken einfach vom Turme herab. Höchst einfache Methode. Begreiflich, daß der ohnehin des Verlustes besonders aufgeregte weibliche Teil der Bevölkerung seine Entrüstung nicht verbarg. Auf reichverzierten Wagen wurden sie weggefahren".
1921/22:
Die Ersatzglocken wurden von der Gemeinde Etzenhausen am 12.7.1921 bei der Glockengießerei Bachmair bestellt und am 29.4.1922 mit Fuhrwerken in Erding abgeholt. Die
größere der beiden Glocken hatte einen Durchmesser von 96 cm, ein Gewicht von 475 kg und erklang im Grundton As, die kleinere galten die Werte 86 cm, 350 kg und Ton B. In Etzenhausen wurden die Glocken von Geistl.Rat Taubenberger geweiht und daraufhin auf den Turm emporgezogen (siehe auch Zeitungsberichte....)
Der Glockengießer gab auf die Glocken übrigens eine 10jährige Garantie, "sofern solche nicht durch Bosheit, Vernachlässigung, Brand oder Gewitter beschädigt werden".
Doch die Glocken von 1922 erging erlitten das gleiche Schicksal wie ihre Vorgängerinnen: sie wurden für Kriegszwecke beschlagnahmt.
1953:
Die nächsten Ersatzglocken wurden 1953 bei bei Karl Czudnochowsky in Erding gegossen und am 19.7.1953 von Prälat Pfanzelt geweiht. Sie bilden mit der Katharinen-Glocke von 1910 das heutige Geläute.

Der zweiachsige Chor schließt in drei Seiten eines Achtecks und ist von einem Kreuzkappengewölbe überdeckt.

Auf den Außenseiten des Chors befinden sich große Wandbilder von Christus (Ostseite) und der Muttergottes (Südseite). Sie wurden von Ludwig von Herterich, der auch das Fresko in der Kriegergedächtniskapelle schuf und seinem Gehilfen Anton Burgmaier("für Gottes Lohn") in den Jahren 1931 und 1932 gemalt.

Wandbilder Maria und Christus (Maler v. Herterich)
Das Muttergottesbild, wurde im Mai 1932 von Pfarrer Pfanzelt "eingeweiht". Über die Feierlichkeiten hat der Amperbote am 31.5. 1932 berichtet (wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...).
Das Gemälde war die letzte künstlerische Arbeit des Kunstprofessors, der in Etzenhausen wohnte. Er werde Etzenhausen zum schönsten Dorfe machen, hatte er 1928 erklärt. Herterich starb 1932; er ist auf dem Friedhof in Etzenhausen begraben.
mehr zu Ludwig von Herterich....
In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts wurden die Fresken vom Dachauer Künstler Christian Huber restauriert.

Das fünfachsige, niedrige Langhaus, das Kirchenschiff, besitzt bereits eine Flachdecke. Es ist jünger als der Altarraum und stammt wohl aus der Zeit um 1620.

Missionskreuz
Missionskreuz
vor der Renovierg
An der Südseite des Kirchenschiffs hängt ein Missionskreuz wohl um 1900 (Korpus Eisenguss). Es besitzt eine geschwungene Kupferüberdachung, die den Korpus vor Witterungseinflüssen schützen soll. Dies ist nur teilweise gelungen. Mehr Schutz bietet die Dachung aber einem Vogel, der dort sein Nest gebaut hat. Das Kreuz wurde 2011 restauriert (Christian Huber).

Epitaphe
In die Außenmauer sind zwei Epitaphe eingelassen, deren Inschriften wegen der Verwitterung kaum mehr zu lesen sind.

  Text:

Hier ruhen die Kinder des klg. Revierjägers Naeszl (Näßl)
Magdalena
August
Magdalena

   
Epitaphe
  Text:
Zur Erinnerung an die Hermansche Familie
Hier ruhen Theodor Herman, churfürstl. Revierjäger dahier,
geboren 1742, gestorben den 25. Sept.1803
dessen Gattin Helena, geborene Neumayr, geboren 1747, gestorben 21. Nov.1821
  deren Söhne Theodor Herman, Eleve im Cadetten-Corps,
geb. 8.April 1774, gest. 25.Sept. 1794
Martin Herman kgl. Revierjäger dahier, geb. 18.Juli 1779, gest. 24.März 1844
dessen Gattin Josepha, geb. Reindl, geb. 15.März 1782, gest. 28.Oktober 1828
Jakob Herman, k.Pfarrer in Bruck bei Fürstenf. geb. 25.Juli 1781, gest.15.Juni 1844
Ruhe ihrer Asche

Vorhaus
  
   Lourdesfigur
Im Vorhaus steht in einer blau gestrichenen Nische eine Muttergottesfigur (Lourdesfigur) im blau-weißen Gewand, mit einem Rosenkranz über dem Arm. Über den Füßen sind rote Rosen zu sehen. Um Maria ein gemalter Strahlenkranz. Die Nische ist blau gestrichen und mit gelben Sternen verziert. Sie stammt aus den Ende des 19.Jh und wurde 2011 vom Dachauer Maler Christian Huber restauriert.
Die SZ-Reporterin Anna Schultes schwärmt in einem Artikel vom 9. August 2011:
" Ihre Gesichtszüge sind sanft, die Backen leuchten in zartem Rot. Die Muttergottes-Figur blickt seitlich nach oben, in Richtung Himmel, die Hände hat sie gefaltet. Über dem weißen Kleid trägt sie einen dunkelblauen Schleier, ein Band schließt sich um ihre Taille. Auch Kirchenpfleger Ludwig Grain äußert sich begeistert: "Vor allem die Nische ist ein Blickfang. Oft sammeln sich die Kirchenbesucher vor der Marienfigur und freuen sich über das Ergebnis der Restaurierung".


Innenausstattung

Den dreiseitig geschlossenen Altarraum bedeckt ein Kreuzkappengewölbe mit Stichkappen über den Rundbogenfenstern.


Hochaltar / Choraltar

Der barocke Choraltar stammt in der ersten Ausführung aus dem Jahr 1623 und wurde von Hans Böswirth, dem Besitzer des heutige Welschhofs neben der Kirche, gestiftet, wie der Inschrift auf seiner Rückseite entnommen werden kann:

Inschriftentafel
am Choraltar
Text: "Gott dem Allmächtigen zum Lobe und dem hl. Martyrer und Kirchenpatron Laurentius, auch der hl. Jungfrau und Martyrin Katharina zur schuldigsten Ehre hat der ehrbare und bescheidne Hanns Bößwirth, hinter der Kirche allhier, diesen Choraltar, ihm und seinem Geschlechte zur würdigen Gedächtniß machen und aufrichten lassen. Anno 1623".
Der Stifter war Besitzer des Welschhofs neben der Kirche.
In der Zeit von 1740 bis 1750 erhielt der Altar mit den vier Säulen vom Dachauer Meister Nikolaus Prugger (1684-1769) sein heutiges barockes Aussehen. Mehr zu Nikolaus Prugger..'

Altaraufsatz
Im Aufsatz des Hochaltars ist ein Auge im Dreieck (das Auge Gottes im Symbol der Dreifaltigkeit) vor einem Strahlenkranz  dargestellt. Es wird umringt von insgesamt 11 Engeln (Putten und Cheruben) umringt.

Hochaltaraufsatz mit
St. Josef, dem Auge Gottes und St.Erasmus
Links und rechts vom Aufsatz sind auf den äußersten Seiten des Gebälks zwei Halbfiguren der Heiligen. Josef (mit Jesuskind) und Erasmus (mit sichtbaren Gedärmen im offenen Bauch).
 

Hinweise:
Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.

Joseph
war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.

Erasmus war um 300 Bischof von Antiochia. 7 Jahre lang verbarg er sich im Libanongebirge, wo ein Rabe ihm Nahrung brachte. Dann stellte er sich. Mit einer Seilwinde hat man ihm die Gedärme herausgezogen - diese Winde hat ihn zum Patron der Schiffer bestimmt. Er überstand die Marter. Danach wurde er in einen Kessel mit siedendem Öl gesteckt, dem er unbeschadet entstieg. Danach lebte er noch 7 Jahre (ohne Gedärme ?) in Kampanien. Erasmus ist einer der 14 Nothelfer (Patron der Seefahrer und Seiler) und als solcher für Magenkrämpfe und Unterleibsbeschwerden zuständig.

Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.

Mittelteil des Choraltars
Das Altarblatt (Öl auf Leinwand) zwischen den Säulenpaaren zeigt das Martyrium von St.Laurentius. Der Heilige wird von den Henkern auf den Rost gefesselt. Im Hintergrund sitzt eine Statue des römischen Gottes Jupiter auf einem Stuhl.


Martyrium von
St.Laurentius

Über der Szene hält ein Engel Märtyrerkrone und Märtyrerpalmzweig. Die immergrünen Blätter des Palmzweigs symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Auf dem mit Ruten umgebenen Beil die Buchstaben "SPQR" als Zeichen der römischen Gerichtsbarkeit (senatus populusque romanum- Senat und Volk Roms). Das Bild wurde von Franz Mayr (1707-1752) um das Jahr 1750 nach einer Stichvorlage von Lucas Vorstermann gemalt.
 

Diese Stichvorlage wurde (jedoch seitenverkehrt) nach einem Gemälde von Peter Paul Rubens, das derzeit in der Alten Pinakothek in München hängt, erstellt.
Mehr über Franz Mayr ....
Die drei Dachauer Künstler Nikolaus Prugger, Bartholomäus Schuhpaur und Franz Mayr haben nicht nur bei der Erstellung des Choraltars in Etzenhausen sondern auch in den Kirchen von Puchschlagen und Kreuzholzhausen zusammengearbeitet, wo sie ebenfalls die Hochaltäre gestalteten.

Hinweis: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze; als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern.

Assistenzfiguren

St.Barbara
Die Assistenzfiguren am Hochaltar (um 1740/50 geschnitzt) stellen die hl.Barbara (mit dem Märtyrerpalmzweig und einem Turm mit drei Fenstern zu ihren Füßen) und die hl. Katharina (mit Krone, Schwert und Marterrad) dar. Sie wurden vom Dachauer Bildhauer Bartholomäus Schuhpaur (1680-1750) geschnitzt, dem wir auch die Putten am Altar zu verdanken haben.
Mehr über Bartholomäus Schuhpaur...
Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrers über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo. 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".

St.Katharina
  Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen.
Gedenktag: 4.Dezember
  Hinweis: Katharina, die Königstochter aus Zypern (deshalb die Krone), ist ebenfalls eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert (deshalb das Rad) und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein (deshalb das Schwert). Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet. Gedenktag: 25.November

Das Antependium des Choraltars wurde Ende des 19.Jh mit marmoriertem Holz verkleidet; es ist mit vergoldeten Verzierungen im neuromanischen Stil geschmückt.

Der in einfachen, klaren Linien gearbeitete Tabernakel stammt wohl aus der Zeit um 1910 und ist im Stil der Neurenaissance gearbeitet. Er besitzt die Maße: 54,5 x 58 cm



Fenster

Die Fenster im Altarraum sind mit Glasgemälden verziert. Sie wurden von der heute noch bestehenden Glaserei Syrius Eberle aus Dachau im Jahr 1912 erstellt.

Leeres Kreuz
Die in einer Glasscheibe genannten Stifter waren meist Bauernfamilien aus der Umgebung (z.B. Ehepaar Groissmeier aus Etzenhausen, Reischl, Augustinbäuerin aus Steinkirchen, Thomas und Magd.Mayr).

links: Die Zeichen Alpha u.Omega und der Kelch mit Hostie als Symbol für Christus als dem Mittelpunkt der Eucharistiefeier.

Kelch mit Hostie
u. Alpha+Omega
Hinweis: Diese beiden Zeichen sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb.. 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagte und zum anderen, um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.

Lamm auf Buch
mit 7 Siegeln
rechts: Das apokalyptische Lamm auf dem Buch mit den 7 Siegeln. Eine Fahne weist auf den Sieg des Lammes hin, das den Tod überwunden hat.
Hinweis: Diese Darstellung des apokalyptische Lammes greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird. In der christlichen Kunst wird Christus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaja 53,7) und Neuen Testament (Joh.1, 29) schon seit dem 4. Jh. symbolisch als Opferlamm dargestellt.


F
iguren am Chorbogen

Am Chorbogen stehen zwei kleinere Figuren von Bauernheiligen; sie wurden im 18.Jh im Barockstil geschnitzt.

An der linken Seite der hl.Wendelin mit Hirtenstab, Hirtentasche und einer Pferdefigur zu seinen Füßen.

    
St.Wendelin u. St.Leonhard

An der rechten Seite der hl.Leonhard. Leonhard lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen"
  Hinweis: Wendelin (555-617) ein schottischer Königssohn, war Schafhirte bei einem Edelmann in der Nähe von Trier. Der kontrollierte ihn und war erzürnt, dass Wendelin sich so weit entfernt hatte und ihm das zum Verzehr bestimmte Tier nicht rechtzeitig werde bringen können. Doch als der Erboste in seinen Hof zurückkam, war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken, bat der Herr Wendelin um Vergebung, baute ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters Tholey dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählten, ohne dass Wendelin je Priester geworden wäre. Gedenktag: 21.Oktober



Ewig-Licht-Ampel

Am Chorbogen hängt die Ewig-Licht-Ampel von der Decke (um 1850). Sie ist aus versilbertem Messing gearbeitet und durch getriebene Ornamente verziert. Getrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.
Die kirchlichen Vorschriften haben das Material für die Ewig-Licht-Ampeln zwar nicht explizit festgelegt; doch es sollte, so die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563), "der Würde der Kirche" entsprechen. Dies zielte in erster Linie auf das Material Silber, doch auch versilbertes Messing dürfte diese Voraussetzung noch erfüllt haben. 33)

Ewig-Licht-Ampel
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet,
nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.



Ambo

1985 stiftete die Fam. Thomas Hermann aus Etzenhausen einen neue Ambo. Bildhauer Josef Leißmüller aus Garmisch gestaltete ihn entsprechend dem Stil der umgebenden Altäre. 20 Jahre später wurde er von Christian Huber renoviert. An der Frontseite eine figürliche Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz.



Ambo

Hinweis: Der Ambo (griech.ambon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist der Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen.
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes' ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Sie sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel.

Die Kirche hat keinen sog. Volksaltar. Zelebrationsaltar ist weiterhin der Hochaltar; der Priester steht mit dem Rücken zur Gemeinde. 

Kirchenschiff / Langhaus

Eine besondere Beachtung verdient der zarte, feine Deckenstuck des flach gedeckten Kirchenschiffs. In zarten Farben wurde der Bandelwerkstuck mit Rosenfeldern, Muscheln, eleganten Ziervasen, Sträußen und graziler Rocailleornamentik in der Zeit um 1730/40 angebracht.

Deckenstuck
Der Architekt und Historiker Max Gruber geht davon aus, dass die Arbeit auf die Stuckateur-Gruppe Alex Pader, Martin Hörmannstorffer und Augustin Pältl zurückgeht, die in Bergkirchen und evtl. auch in Rumeltshausen, Arnbach und Pipinsried tätig waren.


Kreuzigungsgruppe

Blickfang im Kirchenschiff ist eine große Kreuzigungsgruppe (siehe Bild rechts unten) im prächtigen barocken Rocaille-Rahmen mit blauem Hintergrund, das an der  südlichen Seitenwand hängt. Über der Kreuztafel (INRI-Iesus Nazarenus Rex Judäorum) schwebt die Taube des Hl.Geistes. Darüber hebt Gottvater als Halbrelief in einer aufgesetzten Kartusche segnend die Hand. Insgesamt ergibt dies eine vertikale Darstellung der Hl.Dreifaltigkeit. Die Skulpturen wurden um 1760 geschnitzt.
  Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).
In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen
Die Jesusfigur am Kreuz hier in Etzenhausen hat die Seitenwunde -wie in den meisten Kirchen üblich- auf der rechten Seite (siehe Bild rechts). Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Da das Öffnen der Seite aber den Zweck hatte, zu prüfen, ob Jesus schon tot war, muss es sich um seine linke Seite gehandelt haben. Nach dem Tod eines Menschen sammelt sich im Herzen Blut und Wasser. Das herauslaufende Wasser war somit das Zeichen für den eingetretenen Tod. Die häufige Darstellung der Stichwunde auf der rechten Seite liegt in der mittelalterlichen Deutung begründet, dass es nur die rechte, die gute Seite sein konnte, durch die Blut und Wasser als Vorausdeutung auf die Sakramente der Eucharistie und der Taufe auf die Menschheit herabströmte.

Kreuzigungsgruppe und Dreifaltigkeitsdarstellung

Maria Magdalena
Unter dem Kreuz kniet -noch im Rahmen- die Figur der hl. Maria Magdalena, die auf einem Felsen. Sie trägt offenes Haar.
Hinweis: Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh.20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person.

Die Kirche hat keine Kanzel mehr; sie wurde nach dem 2.Weltkrieg entfernt. Das besondere an dieser Kanzel war, wie sich alte Etzenhausener noch erinnern können, dass sie keine feste Kanzeltreppe hatte. Eine solche Treppe hätte zu viel Platz in der kleinen Kirche beansprucht. Der Pfarrer erreichte die Kanzel über eine schmale abnehmbare Holztreppe, die unter der Kanzel gelagert und vor der Predigt wie eine Leiter an der Öffnung des Kanzelkorbes angelegt wurde. Das Mauerstück an der Rückwand dieser Kanzel war mit einem Fresko verziert; es ist derzeit übertüncht.


S
eitenaltäre


Die beiden Seitenaltäre stammen aus der Zeit um 1710. Damals fertigte Michael Prugger (1648-1728), der Vater von Nikolaus Prugger, die Einfassungen an. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder Bilder und Figuren ausgetauscht. Das heutige Aussehen dürften die Altäre seit 1845 haben, als der Dachauer Maler Anton Huber der Ältere (1799 -1868) sie gründlich restaurierte und dabei auch die Altarblätter erneuerte. Die beiden Antependien wurden 2008 vom Etzenhausener Bildhauer Michael Nauderer (Schreinerarbeiten) und vom Dachauer Kunstmaler Christian Maria Huber, dem UrUr-Enkel von Anton Huber (Fassung/Bemalung) renoviert.
Es handelt sich um Rokokoretabeln mit schräg gestellten Pilastern, die ein verkröpftes Gesims tragen. An den Seitenaltären stehen manchmal schöne Maibuschen.

Maibuschen
Hinweis: Maibuschen sind Kunstblumen aus gefärbtem Stoff mit Gold- u. Silberdraht-geflechten. Im Mittelalter gab es keinerlei Blumenschmuck auf den Altären. Noch im 16.Jh waren einziger "Schmuck" die Reliquiengefäße, die als "Blumen der Kirche" galten. Die ersten Kunstblumen waren deshalb Ersatz für fehlende Reliquien. Sie wurden in katholischen und evangelischen Kirchen bis zum Ende des 19.Jh verwendet.


Linker Seitenaltar

Der linke (nördliche) Seitenaltar wurde vom Dachauer Maler (und Bürgermeister) Johann Georg Hörmann (1672-1749) gefasst, der auch in den Kirchen von Bergkirchen, Breitenau, Dachau-St.Jakob (Sonnenuhr), Einsbach, Feldgeding, Giebing, Günding, Oberbachern, Weichs, Wiedenzhausen und Straßbach künstlerisch tätig war.
Altaraufsatz
 

Heilig-Geist-Taube
Im hohen, durch reiche Schnitzereien verzierten Altarauszug steht der Heilige Geist in Form einer Taube im Mittelpunkt. Er ist von silberfarbenem Gewölk und fünf Putten umgeben.

Mittelteil des linken Seitenaltars
Das Altarblatt auf dem nördlichen (linken) Altar zeigt Mariä Unbefleckte Empfängnis (Immaculata ) von Anton Huber, Dachau (sign), um 1850 gemalt. Maria ist als junge Frau dargestellt. In kostbare (blaue) Gewänder gehüllt, kniet sie auf Wolken. In der Hand hält sie eine Lilie. Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit.


Mariä Immaculata

St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage"
Das Haupt Mariens wird von einem Kranz von 12 Sternen umgeben. Ihr rechter Fuß ruht auf einer Mondsichel. Mit ihm zertritt sie zugleich einer Schlange den Kopf, die einen Apfel im Maul hält. Es ist die Darstellung der Maria als der neuen Eva aus (Gen 3,15),
  der der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb.12,1) und der ohne Erbsünde Empfangenen. Das Thema der unbefleckten Empfängnis war um die Mitte des 19.Jh sehr aktuell. 1854 verkündete Papst Pius IX. nach längerer kontroverser Diskussion der Theologen das Dogma, dass Maria wie Jesus von der Erbsünde befreit gewesen sei.
Mehr über den Künstler Anton Huber ...


St.Sebastian
Assistenzfiguren (Mitte 18. Jh.) sind die Pestpatrone Sebastian   und Rochus (mit Pilgerstab und Beinwunde). Sebastian ist, nur mit dem Lendentuch (Perizoma) bekleidet, mit Stricken an den Marterbaum gebunden und von Pfeilen im Schenkel und der Schulter durchbohrt. Rochus hält einen Pilgerstab in der rechten Hand; mit der Linken weist er auf seinen Oberschenkel, an dem sich eine Pestbeule befindet.

St.Rochus



 

Hinweise:
Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Gedenktag: 20.Januar
Rochus
(1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel) und zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Gedenktag:16.August

Altartisch
Auf dem Altartisch des nördlichen Seitenaltars steht eine schöne Anna-selbdritt-Figur (16.Jh., andere Quelle: 1623). Die Figur ist auch in der Liste der Kulturdenkmäler Bayerns von 1895 erwähnt, wird aber als "ziemlich unbedeutend" abqualifiziert.

Anna selbdritt
Die bäuerlich wirkende Anna hält auf dem linken Arm ihre Tochter Maria und rechts ihren Enkelsohn Jesus. Anna ist mit dem für sie typische grüne Kleid und dem Kopftuch für die verheiratete Frau gekleidet. Sie war nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter Marias und somit die Großmutter von Jesus.
  Hinweis: Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen, der bei der Etzenhausener Figur aber fehlt. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm, so wie hier in Etzenhausen; manchmal steht Maria zu ihren Füßen. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition gehört zu den anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt. Gedenktag Anna: 26.Juli

Rechter Seitenaltar

Der mit barockem Stuckwerk verzierte Aufsatz des rechten Seitenaltars wird von einem Baldachin mit Quasten überdeckt. Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt.

Hl.Geist-Taube
Im Zentrum eine Heilig-Geist-Taube vor dem Strahlenkranz, umgeben von drei Puttenköpfen.

Mittelteil des rechten Seitenaltars
Am südlichen Seitenaltar zeigt das Altarblatt die hl. Katharina, auf Wolken kniend. Sie ist in ein kostbares Gewand gekleidet. Auf ihrem Haupt trägt sie eine Krone und einen Schleier.

St.Katharina
Katharina hält in der Hand ein Schwert; neben ihr ist ein Teil des zerbrochenen Marterrads mit Eisendornen zu sehen. Zwei Englein schweben über ihr und halten Himmelskrone und Märtyrerpalmzweig bereit. Das Bild stammt ebenfalls von Anton Huber (1799-1868), Dachau (sign), der es um das Jahr 1850 malte.
Assistenzfiguren

St.Florian
Assistenzfiguren am rechten Seitenaltar sind die Heiligen Florian und Wolfgang (18.Jh). Florian ist in römische Soldatenrüstung gekleidet. In den Händen hält er ein Wasserschaff und die am Spieß befestigte Kreuzfahne, die als Siegeszeichen gilt. Wolfgang ist im Bischofsornat dargestellt. In seiner Hand hält er ein Kirchenmodell.

St.Wolfgang
  Hinweise: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres in Oberösterreich. Er trat zum christlichen Glauben über. Deshalb wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben. Gedenktag: 4.Mai
Wolfgang lebte im 10.Jh als Einsiedler am nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, so dass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Später wurde Wolfgang Bischof von Regensburg.
Gedenktag:31.10.
Altartisch
Auf dem Altartisch steht eine weitere Figur des Kirchenpatrons Laurentius aus der Barockzeit mit dem Rost in der Hand. Der Heilige ist in das kurzärmelige Gewand des Diakons mit seitlichen Schlitzen gekleidet. Sein Haupt umgibt ein mit Rocailleschmuck gefüllter Heiligenschein (Nimbus). Gedenktag: 10.August

St.Laurentius
Hinweis: Der Nimbus oder Heiligenschein ist eine kreisförmige Fläche um das Haupt göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus zunächst nur das Haupt von Christus.
  Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben. Die Unterschiede in Farbe oder Form haben in der Regel keine besondere Bedeutung; allerdings ist der dreieckige Nimbus Gottvater vorbehalten; einen viereckigen Nimbus tragen nur (damals) lebende Personen.

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Opferstock

 Im Jahre 1646 lieferte der Dachauer Schlosser Rudolf Otter für den kleinen Opferstock, der an der letz-ten Bank befestigt ist, Beschläge.
Er erhielt dafür 6 Gulden und 30 Kreuzer. Der Opferstock ist damit mindestens 370 Jahre alt. 

Opferstock 1646

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke . Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Die Kirchenbänke bestehen aus 8 bzw. 6 Reihen und wurden um 1910 aufgestellt. Die Wangen sind mit Ornamenten im Stil des Neurokoko verziert.

 

Kreuzwegbilder

Die Bilder der  Kreuzwegstationen sind im hinteren Bereich des Kirchenschiffs konzentriert. Sie stammen von Johann Benedikt Specht aus Dachau, der sie Jahre 1776 malte. Die erste Station ist vom Künstler signiert (O.A.M.D.G.J.Ben.Specht Pinxit, Dachau, A.1776).
Specht (oder auch Speth) stammt aus Etzenhausenen im Allgäu. Er kam später nach Dachau und erhielt hier 1764 die Bürgerrecht . Der Künstler fasste und vergol-dete zwei Figuren in Großberghofen und malte die Etzenhausener Kreuzwegbilder. Er starb am 22.12.1780 in Dachau.

Es handelt sich um 62 x 49 cm große Ölbilder auf Leinwanduntergrund im Holzrahmen.
Die Stationsbilder gleichen in der Komposition der Figuren (Haltung, Stellung und Zahl der Personen) den Kreuzwegen in Hadersried und in Feldgeding (aus neuerer Zeit).
Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidens-geschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit hat man Kreuzweg-andachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...


Orgel

Auf der durch eine Mittelsäule gestützten Empore steht die Orgel. Sie wurde 1990 von Benedikt Friedrich aus Oberasbach eingebaut. Das Instrument besitzt sechs Register; die 310 Pfeifen (in Längen zwischen 18 mm und 250 cm) sind von einem schönem Brüstungs-prospekt in klassizistischen Stil umgeben.

Orgelprospekt
Die Orgelbank ist hinter dem Prospekt platziert. Die jetzige Fassung (=Bemalung) des Orgelprospekts stammt von Christian Huber.
Wenn Sie eine Übersicht über die Orgelprospekte in den Kirchen des Landkreises Dachau sehen möchten, klicken Sie hier...

Orgel-Spieltisch

Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.




Krippe


Ganzjahres-Krippe
Unter der Empore steht eine sog. Ganzjahreskrippe. In ihr werden nicht nur die Geburt Jesu und die Darstellung der hl.Dreikönige, sondern 20 weitere Begebenheiten aus dem Neuen Testament dargestellt, die das ganze Kirchenjahr umfassen. Im Bild können Sie z.B. das Gleichnis vom Barmherzigen Vater (verlorener Sohn) sehen, das, zum Evangelium im März 2004 passend, aufgebaut war.
Die Figuren wurden ab 1989 von Hans Schaberl geschnitzt und von seiner Frau Barbara bekleidet. 1991 stifteten sie die Ganzjahreskrippe der Kirche von Etzenhausen.


W
eihwasserbecken

Am Eingang befinden sich zwei Weihwasserbecken aus Kupfer, die wohl noch aus dem 19. Jh. stammen (Durchm.24 cm).
  Hinweis: Das stehende, leicht verderbliche Wasser galt früher als der Sitz dämonischer Kräfte. Deshalb wurde es vor dem Gebrauch exorziert (durch wirkkräftige Spruchformeln von den Dämonen befreit) und gesegnet. Dies geschieht besonders in der Osternacht. Im Weihwasserbecken an den Türen jeder Kirche werden so die Eintretenden an ihre Taufe erinnert, indem sie sich mit dem

Weihwasserbecken

  Weihwasser bezeichnen. Ebenso wurde früher die Gemeinde und der Altar mit geweihtem Wasser
besprengt. Dieser Ritus wurde nach der dabei (außerhalb der österlichen Zeit) gesungenen Antiphon als "Asperges" bezeichnet. Weihwasser und Weihwasserbecken finden sich auch auf Gräbern und in Haushalten.

Monstranz

Zu den liturgischen Geräten der Kirche gehörte früher auch eine Monstranz, die im Jahr 1723 vom Bauern Jakob Widmann für die Wallfahrtskirche in Oberberghausen bei Freising gestiftet worden war. Darauf weist die Fußinschrift hin: "Munus Jacobi Widmann, vulgo Holzer, colonii in Viehhausen ad S.Clemente Papa et Mart(yrer) in Perghausen A 1723 2do Feb.". Sie besitzt einen ovalen Fuß, ein herzförmiges Schaugefäß mit Bandlwerkdekor und farbigen Steinen. Als Applikation ist eine in Silber getriebene Figur des Papstes und Martyrers Clemens (ca. 50-ca.100) zu sehen, dem Patron der Oberberghausener Kirche. Nach Etzenhausen kam die Monstranz wohl bei der Auflösung des Ortes 1883, als Oberberghausen für Versuche mit fremdländischen Baumarten in eine Wüstung verwandelt wurde.


Gottesdienstzeiten
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H
ofkapelle Böswirth

Aus den Kirchenrechnungen der Zeit nach dem 30jährigen Krieg ist bekannt, dass der Bauer "Hannß Peßwirth der Eltere" (=der Ältere) eine Hofkapelle errichtet (oder erneuert) hatte und das Opferstockgefälle (= Spenden) der Kirche zukommen ließ. Im Jahr 1650 gingen 1 Gulden 23 Kreuzer ein, im Jahr 1654: 1 Gulden 42 Kreuzer, 1695: 55 Kreuzer, 1700: 1 fl. .50, 1710: 1 fl. .32, 1726: (zum Vergleich das Opferstockgefälle der Kirche: 3 bis 8 Gulden). Die Schreibweise des Namens des Kapellenerbauers in der Kirchenrechnung änderte sich im Laufe der Jahre von "Hannß Peßwirth der Eltere" (1650) , über "Hannß Peßwürth der elter" (1654), "Hanns Peswürth zu Ezenhausen" (1695), "Hannß Peßwürth von Ezenhausen" (1700) und "der alte hanß Peswürth" (1710) in "der alte hanns Pöswürth" (1726).

Hans Schertl

Quellen:
01)  Bericht des Pfarrers von Dachau über Kriegsschäden an den Gotteshäusern vom 12.4. 1641
02)  Johann Nepomuk Buchinger, Geschichtl. Nachrichten über die ehmalige Grafschaft u.das Landgericht Dachau,1844 (Stat)
03)  Intelligenzblatt der königl.RegierungObb, 1845, S.24 (Stiftung1844)
04)  Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
05)  Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
06)  HeybergerSchmittWachter, Topographisch-statistisches Handbuchdes Konigreichs Bayern, 1868
07)  Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
08)  Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
09)  Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.128)
10)  Amperbote vom 4.5. u. 6.5.1922 (Glocken),
11)  Amperbote vom 01./02.07.1929
12)  Amperbote vom 31.5.1932
13)  Historischer Atlas v.Bayern, Die Landgerichte Dachau u. Kranzberg Bd.I, Hefte 11/12, Landkreis Dachau, 1952 (1818)
14)  Max Gruber, Die Dachauer Schloßmaurerfamilie Glonner, Amperbote 1966
15)  Sigfrid Hofmann, Arbeitsgemeinsch. bei oberbay. Altarbauten des 17.u.18.Jh, in ZBLG 35,1972 (SchuhpaurMayrPrugger)
16)  Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, Amperland 1980/4
17)  Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
18)  
Max Gruber, Im Amperland tätige Glaser, Amperland 1984 (Ludwig Huber)
19)  Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
20)  "Kleine Kunstführer" durch Kirchen, Schlösser und Sammlungen im mitteleuropäischen Kulturraum
21)  Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
22)  Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Zimmermeister, Amperl 1986 (Falter)
23)  Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
24)  Dachauer Nachrichten vom 30.4.1990 (Orgel), vom 6.7.2004
25)  Dr.Gottfried Mayr, Etzenhausen in den Freisinger Traditionen, Amperland 1990/2
26)  Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Kriegsschäden 30j)
27)  Dr.Georg Brenninger, Wiederentdeckg kirchl. Kunst, die i.d.Säkularisationszeit ihren Ort wechselte, Amperl.2002 (Monstr)
28)  Kirchenführer St.Laurentius Etzenhausen, 2004
29)  Wilhelm Liebhart, Etzenhausen 804, Amperland 2010/2 (804, 864)
30)  Anna Schultes, Wie in Lourdes, Dachauer SZ v. 9.8.2011 (Maria Vorraum)
31)  Ludwig Grain in Ortsgeschichte Etzenhausen, 2012 (Epitaphe, Glocken, Herterich)
32)  Dr.Thomas Horst, Gericht und Herrschaft in Bayern, aus dem Buch Fürstliche Koordinaten, 2014 (Apian)
33) Sigrid Gensichen, Auratisierte Materie, in: Die Eremitage von Schloss Favorite Rastatt, 2018
34) Georg Werner, Ortschronik des Pfarrsprengels Ampermoching, 2018


46 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018

Glockenheimführung in Etzenhausen
Amperbote vom 02.05.1922

"Im festlichen Zuge führten die Etzenhausener am letzten Samstag ihre zwei neuen Glocken heim. Unter Musikklängen der Gesellschaftskapelle ging es durch den Markt Dachau nach Etzenhausen. an der Spitze des stattlichen Zuges ritten 14 Reiter, dann kamen die Schuljugend, die Musikkapelle, die Freiw. Feuerwehr Etzenhausen und der Kathol. Burschenverein Etzenhausen mit flatternden Fahnen, einigen Chaisen mit der Gemeindevertretung und der Geistlichkeit un den Festjungfrauen. Daran anschließend kam der schön gezierte Wagen mit den Glocken, welcher von 4 prächtigen Pferden gezogen wurde und den eine Anzahl weiß gekleideter Mädchen begleitete. Den Schluß bildenden wieder Reiter.

Amperbote vom 04.05.1922

Zur Glockenheimführung ist noch nachzutragen, dass nach der Ankunft in Etzenhausen die Glocken zur Kirche gebracht wurden, worauf Hochwürden Herr Geistlicher Rat Taubenberger die Weihe derselben vornahm. Er hielt hierbei eine kernige, wohldurchdachte Ansprache, in welcher er die Glocken als Friedensbringer bezeichnete und Friede der Gemeinde und jeder einzelnen Familie wünsche. Die drei Ehrenjungfrauen Fräulein Welsch, Kathi Groißmeier und Maria Höhenleitner trugen stimmungsvolle Gedichte vor, die die Bedeutung des Tages schilderten. Bei der nachfolgenden weltlichen Feier im Gasthaus des Herrn Burgmeier hielt Hochwürden Herr Kooperator Eicher eine sehr schöne Ansprache, bei welcher er der Gemeinde den Dank für die große Opferwilligkeit aussprach. Im gleichen Sinn sprach auch Herr Bürgermeister Welsch. - Die zwei neuen Glocken haben ein Gewicht von 3 Zentnern. Mit der noch vorhandenen Glocke ergibt sich folgende Stimmung für das Geläut: As, b und des.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

Fahnenweihe in Etzenhausen
Amperbote vom 01./02.07.1929

Es ist bekannt, dass Schützen gern etwas feucht haben, aber in solch ergiebiger Menge und noch dazu rein äußerlich angewandt wie am gestrigen Sonntag bei der Fahnenweihe der Schützengesellschaft "Einigkeit" Etzenhausen hat sich's wohl keiner gewünscht. Entgegen den Erwartungen nach dem herrlichen Feiertagswetter begann der Sonntag mit einem ausdauernden Landregen. Durchnässt hingen die zahlreichen Fahnen an den Häusern herunter, auf aufgeweichten Wegen unter strömendem Regen kamen die einzelnen Vereine angerückt, abgeholt vom festgebenden Verein mit Musik und zwei schneidigen Schützenliesln. Um 10 Uhr vormittags war es doch ein stattlicher Zug Schützen, der mit wenn auch umhüllten Fahnen trotz des andauernden Regens zum schön gelegenen Etzenhauser Kirchlein zog, das die große Schar bei weitem nicht fassen konnte.

Hochwürden Herr Kooperator Eicher hielt vor der Weihe der Fahne eine kurze, treffende Ansprache. Der heutige Tag sei für die Schützengesellschaft ein Ehrentag, der in der Chronik mit großen Lettern eingetragen zu werden verdient. Nach großen Opfern sei es gelungen, eine schöne Fahne zu beschaffen, die auf Jahrzehnte hinaus Kunde zum Opfersinn im Verein in schwerer Zeit gebe. Dass die neue Fahne zuerst zur kirchlichen Weihe gebracht wurde sei ein Zeichen, dass in Etzenhausen noch ein christlicher Geist herrscht.
Die neue Fahne ruft uns zu: Haltet fest an dem alten Grundsatz, seid einig und treu. Freundschaft hat den Bund geschlossen, dem Zwietracht fern bleiben möge. Einigkeit und Treue soll die Losung auch weiterhin bleiben. Wie der hl. Hubertus, dessen Insignien die neue Fahne trägt, treu den einmal erkannten Weg ging, so mahnt uns auch die Fahne zur Treue zum Beruf, zur Familie, zur Treue gegen unseren guten großen Gott und gegen unsere heilige Religion. Bei dem anschließenden Gottesdienst brachte die Kapelle weihevolle Weisen zum Vortrag. Getreu der vaterländischen Devise der Schützenvereine konnte die Jubelfeier der Schützengesellschaft "Einigkeit" nicht vorübergehen ohne jener zu gedenken, die ihr Leben für die Heimat gelassen haben.

An der schönen Kriegergedächtniskapelle fand die kurze eindrucksvolle Ehrung der gefallenen Helden statt. Einem kurzen von der kleinen Lindner reizend gesprochenen Prolog folgte eine schlichte Ansprache von Herrn Ottmar Öffner, der am Denkmal einen Kranz niederlegte. Während von der Anhöhe die Böller krachten, die Fahnen sich zum Gruß neigten, gedachten die Festteilnehmer entblößten Hauptes der Gefallenen, während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte. Das Schlusswort war ein Bekenntnis für ein einiges, freies Deutschland und schloss mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und die bayerische Heimat.

Mittlerweile hatte es auch aufgehört zu regnen und so konnte der eigentliche Festakt im schönen Burgmeierschen Garten stattfinden. Nach einem schneidigen Begrüßungsprolog von Frl. Schlumberger und Frl. Schnell überreichte die Fahnenbraut Frl. Schlumberger die Fahne der Fahnendeputation ebenfalls mit einem kurzen Prolog. Herr 1. Schützenmeister Schnell gab hierauf in seiner Ansprache einen kleinen Rückblick über die vergangenen 25 Jahre Vereinsgeschichte. Auf Betreiben des damaligen Revierjägers Matthias Mayer gegründet, hat die Etzenhausener Schützengesellschaft "Einigkeit" treu zusammengehalten in guten und in schweren Zeiten und zählt heute 39 Mitglieder und 1 Ehrenmitglied. 4 Gründungsmitglieder gehören heute der Gesellschaft noch an. Die Vereinsgeschichte verzeichnet 6 Tote, deren der Redner ehrend gedachte. Fräulein Groißmeier überreichte dem Patenverein, Bürgerschützen Dachau, mit einem kurzen Prolog ein Fahnenband, während Frl. Öffner den übrigen Vereinen die Erinnerungsbänder übergab. Die Bürgerschützen ließen durch Frl. Deichl ein schönes Patenband an die neue Fahne heften. Herr Vorstand Deichl aus Dachau vom Patenverein Bürgerschützen und für den Gau 6 betonte die gemeinsamen Ziele und forderte zu treuem Zusammenhalten auf. Sein begeistert aufgenommenes Schützenheil galt der Schützengesellschaft "Einigkeit". Als Vertreter des Bayerischen Schützenverbandes sprach Herr Zanner, der besonders den Dienst am Vaterland unterstrich, den die bayer. Schützenvereine mit zum Ziel haben. Seine Rede schloss mit einem Schützenheil auf das gesamte bayer. Schützenwesen und seinem hohen Protektor Prinz Alfons von Bayern. Die Frauen hatten mit einem schönen Trauerband der Toten des Vereins gedacht, das durch Frau Lindner an die Fahne geheftet wurde.

Damit war der offizielle Teil vorüber und alles strömte ins Gasthaus, um sich an den bereitgestellten Speisen und Getränken gütlich zu tun. Der Nachmittag sah im Garten ein frohes Schützenleben. Auf den Schießständen krachten in ununterbrochener Reihenfolge die Stutzen, die Kapelle ließ eifrig ihre Weisen ertönen, so dass bald eine gemütliche Stimmung herrschte, die keinen Abbruch erlitt als ein plötzlicher Regen zur überstürzten Flucht in die Räumlichkeiten des Gasthauses zwang. So verlief der erste Tag des 25. Jubelfestes der Schützengesellschaft "Einigkeit" Etzenhausen, abgesehen von dem zweifelhaften Wetter zur allgemeinen Zufriedenheit und in voller Harmonie. Der Gabentempel, der eine Menge schöner Preise enthält, war fast ständig umlagert und fand allgemeine Anerkennung. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass von Seiten des Gastwirtsehepaares Burgmeier in bekannter Güte für das leibliche Wohl der Festgäste gesorgt war.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

Einweihung des Marienbildes in Etzenhausen
Amperbote vom 31.05.1932

Eine Feier ganz besonderer Art versammelte am Sonntagabend die Bewohner Etzenhausens und viele Dachauer Gäste auf dem kleinen stillen Dorfriedhof, galt es doch dem von Herrn Geheimrat von Herterich gestifteten an der Südwand des Filialkirchleins angebrachten Freskogemäldes die kirchliche Weihe zu geben. Da stand die große Schar zwischen den Gräberreihen und lauschte den Worten des Dachauer Pfarrherrn, HH. Pfarrer Pfanzelt, der eingangs betonte, dass sich der Stifter des Bildes, Herr Geheimrat von Herterich, ein dauerndes Gedenken gesichert habe.
Auf das Marienbild übergehend, schilderte er Maria, die Gottesmutter, als Helferin in allen Nöten, um deren Fürbitte in den mannigfachen Sorgen des Lebens gerade jetzt in dem ihr geweihten Monat Mai so viel gefleht wird. Wie kein Kind seine Mutter vergisst, so wenden wir uns auch immer und überall an die Auserkorene, um ihre Fürbitte, die uns immer hilft. Das Marienbild mit dem Jesuskind, das von der Kirche über Etzenhausen hinweggeleuchtet, soll ein stiller Hort für den ganzen Ort werden, der damit unter dem Schutz der Gottesmutter gestellt ist. Er richtete die innige Bitte an die Etzenhauser, das Kunstwerk stets in Ehren zu halten.
Herzlichen Dank sagte der Pfarrherr dem Stifter, Herrn Geheimrat von Herterich, Etzenhausen, der dem stillen Ort und allen Marienverehrern ein Kunstwerk geschenkt habe und nahm die kirchliche Weihe des Marienbildes vor. Anschließend folgte eine kurze Maiandacht, während welcher ein Doppelquartett der Liedertafel ein Marienbild und das "Tantum ergo" sang. Den Abschluss bildete nach dem Segen das gemeinsam gesungene Lied "Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn".
Für die Feier war das schöne Kirchlein mit Blumen und frischem Grün herrlich vom Mesner geschmückt worden war. Nun hat Etzenhausen durch das Entgegenkommen von Herrn Geheimrat v. Herterich das zweite Freskogemälde bekommen und ist damit einem Ziel näher gekommen, das der bei der Einweihung der Kriegergedächtniskapelle in den Worten gekennzeichnet hat: "Ich werde Etzenhausen zum schönsten Dorf machen". Im goldenen Strahlenkranz blickt die Patrona Bavariae mit dem göttlichen Kind von der Höhe herunter, schützend und segnend alle, die sich unter ihre Obhut stellen.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)