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Kuratiekirche St.Georg in WENG

  85777 Fahrenzhausen, am Kirchfeld 8
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Kirche von Weng (Gemeinde Fahrenzhausen im Lkr. Freising) liegt auf einer Anhöhe über dem Ampertal und ist auch von der Autobahn A9 München-Nürnberg gut zu sehen.

Die Ortschaft Weng wird schon 864 erstmals schriftlich erwähnt. Damals tauschte Bischof Anno Liegenschaften mit dem Grafen Cotascale. Der Bischof gab Grundflächen in Zezinhusir (Hetzen-hausen) und erhielt dafür solche in Wengia und Holunpahc (Hollenbach b.Aichach).

Die Kirche St.Georg in Weng soll einer Sage nach zusammen mit den Kirchen von Inhausen und Johanneck von Marschall Arnulf dem Nasenlosen von Massenhausen gestiftet worden sein, als Sühne für die vorschnelle Verbrennung seiner Ehefrau auf dem Scheiterhaufen im Jahr 1323. Diese Erzählung bleibt aber im Sagenhaften.

Tatsächlich wurde die Kirche erst 140 Jahre später von Hans Fraunberger zu Haag auf Massenhausen und seiner Ehefrau Anna Marschalkin zu Pappenheim erbaut. An die Stifter erinnert seit 1472 ein prächtiges (leeres) Hochgrab in der Kirche.

Schlussstein im Vorhaus

Immerhin waren die Fraunberger das Nachfolgegeschlecht von Arnold dem Nasenlosen, dessen Familie (man sagte: wegen der Untat) eine Generation später tatsächlich ausgestorben ist.

Der Kirchenbau von Weng wurde im Jahr 1468 vom Freisinger Fürstbischof Johann Tulbeck eingeweiht. Im gleichen Jahr legte der Bischof übrigens auch den Grundstein für den Bau der Frauenkirche in München.

Die Größe der Kirche, insbesondere des Presbyteriums (Chorraums), deutet darauf hin, dass an dieser Stelle ein Kloster oder ein Chorherrenstift errichtet werden sollte. Woran die Klostergründung scheiterte, ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass die Chorherren nicht aus der Stadt Freising in die Abgeschiedenheit der Gegend um Weng ziehen wollten.

Die Kirche gehört augenscheinlich dem Stil der Hochgotik an. Eindrucksvolles Zeugnis dafür sind die mehrfach abgetreppten Strebepfeiler an der Außenseite und die spitzbogigen Fenster mit Maßwerk. Der tiefe Chor besitzt zwei Langjoche und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Die Rippen des Netzgewölbes ruhen auf Kragsteinen und münden oben in runde Schlusssteine, die mit Inschriften und Bildern verziert sind.

Westlich des Eingangs ist an der Südmauer ein Missionskreuz aus dem Jahr 1963 angebracht. Es erinnert an eine der vielen Volksmissionen, die früher in den Pfarreien durchgeführt wurden. Die erste Volksmission in Weng ist mir aus der Zeit um 1855 bekannt.

Sonnenuhr
Vorhaus
Das tiefe Vorhaus der Kirche, das den Eingang vor der Witterung schützt, ist ebenfalls von einem gotischen Gewölbe überzogen.
An den Seitenwänden des Vorhauses sind das Kriegerdenkmal und ein kleiner Karner angebracht. Dort hängt auch eine Erinnerungsplakette an den Besuch von Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., anlässlich der 525-Jahrfeier der Georgskirche in Weng.
An der Stirnseite des Vorhauses ist eine Sonnenuhr aufgemalt.

Erinnerungstafel

Der 43 m hohe Turm an der Westseite mit Strebepfeilern nach Süden und Norden, ist unten viereckig, weiter oben achteckig. Bedeckt ist er mit einem achteckigen Spitzhelm aus Kupferplatten; in ihm hängen drei Glocken. Turm und Langhaus wurden wegen ihrer exponierten Lage immer wieder durch Blitzeinschläge beschädigt.

Bei der Säkularisation 1803 war die Kirche in Weng als für die Seelsorge überflüssig eingestuft und zum Abbruch bestimmt worden. Die Bewohner von Weng wandten sich gegen diese Pläne und konnten die Kirche 1807 ersteigern.

Weng gehörte über die Jahrhunderte als Filiale zur Pfarrei Gremertshausen. Am 8.Mai 1874 wurde es zur Expositur (Kuratie) innerhalb der Pfarrei Jarzt umgewandelt, zu der auch Großeisenbach und Unterbruck gehören. Ab 1.Oktober 2012 bildet Weng mit der Pfarreien Giebing, Jarzt und Haimhausen den Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen.


Innenausstattung

Die Kirche besitzt im Chor ein Netzgewölbe mit Rippen und Schlusssteinen, im Kirchenschiff ein mit Ornamenten bemaltes Tonnengewölbe.

An der linken Chorseite steht auf einem Steinsockel das noch originale gotische Sakramentshäuschen aus Sandstein.

Der hohe Choraltar (1670) ist dem Patron St.Georg geweiht. Er ist im großen Altarblatt als Drachentöter abgebildet.
Assistenzfiguren stellen St.Petrus mit den Himmelsschlüsseln und St.Paulus mit dem Schwert dar. Im Altaraufsatz ist die Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit zu sehen.

An den Seitenwänden des Altarraums stehen das mit Schnitzereien verzierte Chorgestühl (15.u.17.Jh); darüber hängen zwölf große, ovale Apostel-bilder (17.Jh).

Die Seitenaltäre stammen aus der Rokokozeit (1730/40).

Fenster mit MaßwerkFenster mit MaßwerkChorgestühlDeckeChoraltarChorgestühlLinker SeitenaltarRechter SeitenaltarGotisches Sakramentshäuschen
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- Links
ist ein Muttergottesbild von geschnitzten Halbfiguren der 14 Nothelfer umgeben, die 1582 aus der abgebrochenen
   Vorgängerkirche von St.Michael in München nach Weng kamen. Im Aufsatz ist St.Josef dargestellt.
- Der rechte Seitenaltar zeigt im Altarblatt St.Leonhard, den wichtigsten Heiligen für die ländliche Bevölkerung.
  Im Aufsatzbild St.Florian.

An den Seitenwänden stehen auf Postamenten mehrere Figuren aus älterer Zeit, z.B. eine Madonna, ein Schmerzensmann, Herz-Jesu-Figur und Auferstandener.

An der Nordwand im Kirchenschiff ist der prächtige Beichtstuhl im Stil des Neurokoko (um 1900) angebracht. Er soll aus einer anderen Kirche übernommen worden sein.


Hochgrab für die Kirchenstifter
Vor der Empore ist an der nördlichen Seite das prächtige Hochgrab aus Marmor (1472) errichtet, das an die Kirchenstifter Hans Fraunberger zu Haag auf Massenhausen und seiner Ehefrau Anna Marschalkin zu Pappenheim erinnert. Auf der Grabplatte sind die beiden Stifter in einem Relief dargestellt. Beide knien auf der Erde und haben die Hände Gebetshaltung gefaltet. In der oberen Hälfte der Platte ist der von zwei Engeln begleitete Christus dargestellt, der die rechte Hand über seine Seitenwunde legt und mit der Linken hinab weist auf die beiden Stifter. Die Steinmetzarbeit gehört zu den besten Leistungen mittelalterlicher Plastik in unserer Gegend; sie könnte von Hans Haldner stammen, der 1468 auch die spätgotische Tumba für Kaiser Ludwig den Bayern in der Münchner Frauenkirche geschaffen hat 43).
Das Hochgrab ist leer, die Stifter sind hier nicht begraben 15)
.

An der Emporenbrüstung hängen besonders frühe Kreuzwegbilder aus dem Jahr 1737.

Auf der Empore steht eine große Orgel, die 1928 für das Erzbischöfliche Knabenseminar in Freising gebaut und 1973 nach Weng abgegeben wurde.

Chronologie
der R
enovierungen, Umbauten, Anschaffungen
: 37)

1472 - Stifter-Hochgrab der Anna von Fraunberg, geb. Pappenheim errichet
1477 -
Stiftung des Benefiziums durch Anna von Fraunberg
1520 -
Nördliches Chorgestühl
1606 -
Glocke von Bartholomäus Wengle (noch erhalten)
1641 -
Schlosserarbeiten durch Hans Gissk und Glasarbeiten durch Christoph Perger
1642 -
Lieferung der Turmuhr (und 90 Claffter Stricke) durch Uhrmacher Simon Hirmer aus Freising (8fl. 40)
1643 - bis 1644 Dachreparaturen
1665 - Reparaturen am Turm (vor allem Eindeckung) durch Meister Caspar. Finanzierung aus Stiftungsmitteln
1683 - Turmreparatur nach Gewitterschaden ("von den hochgewitter Erlittenen Schaden")
1688 - neuer Hochaltar von Hofkistler Tobias Kidl für 110 fl.
           der Bildhauer Johann Christoph Thalhammer aus Freising für 100 fl.            Fassmaler Franz Gerbl aus Erding für 175 fl.
           Altarblatt von Cornelius Bosch (Cornelis van den Bossche) für 106 fl.
1728 - Großer Umbau (Gewölbe im Langhaus, Fenster, Turm nach Blitzschlag. Kosten 673 fl.
1732 - neuer südlicher (rechter) Seitenaltar von einem Freisinger Hofmaler
1747 - Turmreparatur nach Blitzschlag
1776 - Renovierung des Stucks und des Brunnens ("zu wiederumiger Herstellung eines eingegangenen Maurstukes
           und des Ruinierten Bronnens" 66 fl. aufgewendet")
1786 - Legat (Stiftung) des verstorbenen Pfarrers Michael Kratzer für einen silbernen Kelch: 100 fl.
1805
- Abbruchpläne im Rahmen der Säkularisation (offizieller Titel: "Demolierung der Filial Kirche Weng").
1823 - Turmreparatur nach Blitzschlag (neue Dachstuhlsparren und neue Eindeckung). Kosten 600 fl. trug die Kirche selbst

1824 - wiederum Turmreparatur nach Blitzschlag
1828 - bis 1829: Reparatur an Fensterkonstruktionen
1841 - Reparaturarbeiten durch Max Heigl aus Freising
1843 - Renovierung Innenraum (Tünche, Pflaster, Dach)
           (Es wird später angemerkt, daß die Übertünchung mit warmer Kalksteinweiße so fest auf den Fensterstreben bzw.
            dem Sakramentshäuschen haftete, daß sie kaum zu entfernen war).
1845 - Reparatur des Stiftungsgebäudes (Benefiziatenhaus)
1846 - Neufassung der Kanzel durch Maler Baumann aus Freising (Reparatur und Vergoldung)
1847 - Neue Kanzel durch Kistler Petzler (lt.Rechnung: "für Reparirung der Kanzel, Stiege und Halldeckel 20 fl. ")
1848 - Vergoldung des Himmelfahrtschristus und von Rahmen sechs großer Apostelbilder
1850 - Zeit um 1850: Renovierung der Orgel (40 fl. ) und von drei Kreuzwegstationen (36 fl. )
1851 - Vergoldung von 3 großen Aposteltafeln
1854 -
bis 1857: Reparaturen an den Gesimsen, Maß- und Strebewerken der gotischen Fenster; Sakramentshäuschen von
           der Tünche aus dem Jahr 1843 freigelegt (Veranschlagte Gesamtkosten: 3800 fl. )
1857 - Ausund Einbau sowie Reparatur der Fenster durch den Freisinger Glasermeisters Franz Ostermann für 60 fl.
1858 -
Anstrich der Innenwände mit einem "einfachen Farbentone" und dem Einbau einfach ornamentierter, farbiger Glasfenster
1861 - Kanzel von 1847 stürzt wegen abgefaulter Tragbalken ab
1869 - Baureparaturen für 430 Gulden
1875 - Neue Kommunionbank für 3 fl. 6 kr.
1889 - Außenrenovierung (Putz, Abdeckung der Strebepfeiler, Dach) u.Tünchung des Innenraums (Distr.Techniker Scheingraber)
1893 - Reparatur am Dach nach Blitzschlag und Neueindeckung des Turms französischem Chablonschiefer (Kosten 1253 Mark)
1896 - Blitzableiter auf Turm angebracht
1898 - bis 1901: umfangreiche Reparaturmaßnahmen an den Fenstern und am Dach nach Sturmschäden im Dez.1895
1901 - neue Kirchenfenster für 710 Mark
1902 - Tabernakel in Giebing gekauft
1903 - neuer eiserner Glockenstuhl sowie Putz und Dachreparaturen und Neutünchung der Außenwände
1906 - Umguß einer zersprungenen Glocke durch Bachmaier in Erding für 755,50 M.
1912 - Erwerb einer 1897 erbauten Orgel aus der Kirche von Feldafing mit 10 klingenden Registern, mit Mechanik, Magazinblasbalg,            ein 2teiliges Werk mit Spieltisch.
1913 - Steinarbeiten durch die Fa. Marmorindustrie Kiefer
1914 - Reparaturen am Dachstuhl; Dach mit Biberschwanzziegeln neu eingedeckt.
           Auswechseln der durch Blitzschlag beschädigten Sparren und Streben.
1927 - bis 1928: Außenrenovierung durch Albert Adldinger aus Kranzberg; neuer Blitzableiter durch Fa. Hartner
1929 - Innenrenovierung durch Maler Altmannshofer; (Abtönung der Gesimse in Granitton, Abtönung der Felder und Gesimse
           in ganz hellen satten Tönen", der Hochaltar gereinigt und "auflackiert", die beiden Apostelfiguren neu gefaßt).
           Auch Gestühl und ein Beichtstuhl wurden gestrichen.
           Auflösung des Stifter-Hochgrabes, Grabplatte in Außenmauer gesetzt.
1935 - bis 1936: Orgelreparatur durch Albert Moser
1936 - zwei neue Glocken von der Fa. Bachmair aus Erding
1939 - Stifter-Hochgrab wieder aufgestellt
1942 - Glockenabnahme und Einlagerung der Glasgemälde im Pfarrhaus
1945 - bis 1946: Dachreparatur und Ausbesserung der Wasserschäden an Decken- und Wandputz
1947 - Neues Heiliges Grab von Bildschnitzer Georg Liedl aus Weng und Maler Christian Seibold aus Freising
           zwei neue Glocken von der Gießerei Karl Czudnochowsky aus Erding
1949 - Orgelreparatur für 230 M. durch Orgelbauer Joseph Herzog aus München
1951 - Dachreparatur (Auswechslung konstruktiver Dachstuhlteile) und Erneuerung der Friedhofsmauer (Beton)
1959 - Turm erhält eine Kupferblecheindeckung (anstelle der alten Schieferdeckung), Kirchenschiff Biberschwanzplatten.
1960 - Kauf einer Kanzel aus der Kirche von Singenbach (nicht mehr vorhanden)
1964 - Innenrenovierung durch die Fa. Finkenzeller aus München (mit Innenaustünchung sowie Renovierung der Ausstattung);
           Stuck- und Verputzarbeiten durch Fa. Ludwig Späth
1965 - Dachwasserableitungsanlage rund um die Kirche verlegt
1969 - Sakristeieinrichtung erneuert; Beichtstuhl aus der Anstaltskirche in Ecksberg erworben
1972 - bis 1975: Große Renovierung (Beichtstuhl und Kanzel entfernt, Chorgestühl von Fa.Straßer, Großeisenbach, elektrische
            Bankheizung, Pflaster aus Solnhofener Platten diagonal verlegt)
1973 - Kauf einer aus dem aufgelösten Studienseminar in Freising stammenden Orgel
1981 - Außenrenovierung (Einbringung einer chemischen Horizontalsperre (Hermetique), Reparaturen am Glockenstuhl,
           Neueindeckung der Dachflächen, Erneuerung der Schalläden, vollständige Putzerneuerung, Neuanstrich mit Keimfarben,
           Restaurierung der Natursteinteile (v.a. Fensterstrebe- und Maßwerke) durch Fa. F.X. Rauch, Erneuerung der            Fensterverglasung (mit Restaurierung und Schutzverglasung für die Glasgemälde).
1989 - Restaurierung zweier Gemälde durch das Restauratorenpaar Strube.
1990 - Verputzung und Renovierung der Friedhofsmauer
1991
- Orgelreparatur durch Fa. Staller aus Grafing
1990
- Verputzung und Renovierung der Friedhofsmauer
1991 - Orgelreparatur durch Fa. Staller aus Grafing
1993 - Befund der Raumschale durch Fa. Wiegerling erstellt (Nachweis der Erstfassung)
1997 - Restaurierung des Auferstehungschristus im Leichenhaus durch Kirchenmaler Wilhelm           Böck aus Langenbach; Anobien- und Hausschwammbekämpfung durch Fa. Binker

2014-2018 Generalsanierung. Die Kosten: 500.000 Euro. Davon trägt das Erzbischöfliche
          349.000 Euro. Den restlichen Betrag hatte die Kirchenstiftung Weng zu tragen.

Einrüstung 2014

 


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Die Kirche von Weng liegt auf einer Anhöhe (487 m über N.N.), in "imponierender Stellung, weithin das Ampertal nach Nordosten und Südwesten beherrschend", wie Alois Angerpointner schreibt. Auch den Autofahrern auf der Autobahn A9 München-Nürnberg ist der Kirchturm von Weng gut bekannt. Man nimmt an, dass diese auch strategisch günstige Stelle schon in der Frühgeschichte besiedelt war. 1) So wurde z.B. südlich von Weng ein Bronzeschwert aus der der Zeit um 1400 v.Chr. gefunden. 23)
Ortschaft

Der Name Weng (Ableitungen sind Wengen, Wang, Wangen) bedeutet: gerundete Erhebung oder abschüssige, mit Gras bewachsene Fläche eines Hügels 1).
Die Ortschaft Weng wird schon im 9.Jh., in der Zeit der Herrschaft der Frankenkönige in Bayern, erstmals schriftlich erwähnt. In der Sammlung Freisinger Traditionen befindet sich eine Urkunde aus dem Jahr 864, nach der Bischof Anno (855-875) Liegenschaften mit dem Grafen Cotalscalc tauscht. Der Bischof gab Grundflächen in Zezinhusir (Hetzenhausen) und erhielt dafür solche in Wengia (Weng) und Holunpahc (Hollenbach b.Aichach) 2)

Weng lag in der Hofmark Massenhausen. Mit dieser kam es ab 1431 über einen Erbfall zur Familie der Fraunberger, den Inhabern der Grafschaft Haag. 1490 verkauften diese ihre Hofmark Massenhausen (und mit ihr die Ortschaft Weng) an die Grafen von Hardeck. Nur neun Jahre später, 1499, erwarb das Hochstift Freising die Hofmark. Die Bischöfe waren aber nur die Hofmarksherren; landesrechtlich blieb Massenhausen Teil des Herzogtums Niederbayern (ab 1505: Bayern) 3)

Statistik

1832:  hatte Weng 60 Einwohner, die in 12 Häusern wohnten 19)
1867
:  Zur Größe der Ortschaft Weng im 19.Jh. waren im Handbuch des Königreichs Bayern von 1867 4) unter der Rubrik
          Gemeinde Großnöhbach folgende Einträge zu lesen:
          "Großnöhbach, Gemeinde 402 Einw., 130 Gebäude in 7 Orten:
          Gesseltshausen, Dorf, kath.Pfarrei Gremertshausen, 111 Einwohner, 40 Gebäude, 1 Kirche
          Großeisenbach, Dorf, Pfarrei Fürholzen, 57 Einw., 18 Gebäude, 1 Kirche
          Großnöhbach, Dorf, Pfarrei Haimhausen, 58 Einw., 20 Gebäude, 1 Kirche
          Kleineisenbach, Pfarrei Gremertshausen, 25 Einw., 7 Gebäude
          Kleinnöhbach, Dorf, Pfarrei Fürholzen, 22 Einw. (5 Mennoniten), 8 Gebäude
          Unterbruck, Dorf, Pfarrei Jarzt, 56 Einw. 12 Gebäude, 1 Kirche
          Weng, Dorf, Pfarrei Gremertshausen, 73 Einw. 25 Gebäude (davon 11 Häuser), 1 Kirche, 1 Benefiziatenhaus".
18)
1876:  Weng, Kirchdorf (Exposit.), zur kath. Pfarrei und Schule Jarzt 2 km, zur Post Haimhausen 6 km, 81 Einw., 33 Gebäude,
          20 Pferde, 101 Rinder. 32)

1991:  zählte die Kuratie 423 Katholiken 5).
2012:  waren es ca. 480 Einwohner in 150 Häusern 5).


Geschichte der Kirche


Im ersten Verzeichnis aller Kirchen der Diözese Freising, der Konradinischen Matrikel von 1315, ist eine Kirche in Weng noch nicht enthalten. Offensichtlich gab es damals noch keine Vorgänger-Kirche oder -kapelle, die dem Bistum unterstanden hätte.
Wiguläus Hundt verwendete in seinem
Bayrisch-Stammen-Buch von 1598 zwar den Ausdruck "von newem aufferbawt". Doch dies könnte nicht nur "erneut" sondern auch "als neu" bedeuten.

Erst im zweiten Verzeichnis, der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524, wird eine Kapelle St.Georg von Weng als Teil der Pfarrei Gremertshausen erwähnt. Dort heißt es:
  "Gremertshausen - Parochalis ecclesia s.Nicolai in Greimerzhausen est Parochia alternativa; habet unam filialem ecclesiam s.Jacobi in Gesseltshausen et unam capellam s.Georgii in Weng, ubi est Beneficium fundatum. .... Weng, Beneficium - Missa perpetua s.Georgii in Weng est de collatione Rev mi Episcopi Frisingensis. Investus Beneficiatus dat Infulsteuer 30 fl. subsidium charitativum nihil." 1) 6)


Der Historiker und Kartograf Philipp Apian (1531-1589) hat Weng mit den Worten " Weng pagus, templum in colle alteriori ad Ambram" (Dorf Weng, Kirche auf einem Hügel oberhalb der Amper) kurz erwähnt. 40)


Gründungssage
Nur wenige Kilometer von Weng entfernt, stehen zwei weitere Kirchen, die in ihrer äußeren Form stark der Wenger Kirche ähneln. Inhausen und Johanneck. Alle drei haben auch eine gemeinsame Gründungssage, die der historischen Überprüfung aber nicht Stand hält.
Gründungssage für Weng, Inhausen und Johanneck 1) 5)
  Die Sage erzählt, dass um das Jahr 1320 in Kranzberg der Ritter Arnold IV aus dem Geschlecht der Massenhauser regierte, auch Arnold der Nasenlose genannt. Er war Pfleger und Richter, also ein hoher Beamter des nieder-bayerischen Herzogs Heinrich XIV. und Berater von Kaiser Ludwig dem Bayern. Arnold war mit Elisabeth von Greifenberg verheiratet. Der eifersüchtige Edelmann verdächtigte seine Frau der ehelichen Untreue mit einem Bediensteten und verurteilte sie am 5.12.1323 -zusammen mit ihrem vermeintlichen Liebhaber- zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Schon auf dem brennenden Scheiterhaufen liegend hob die Frau ihre Hand zum Schwur und stieß den Fluch aus: "Nie mehr soll einem Massenhauser ein Sohn geboren werden!". Diese Schwurhand verbrannte nicht.
Bald nach dem Tod stellte sich die Unschuld der Frau heraus. Arnold der Nasenlose war reuig und versprach, seinen tödlichen Irrtum durch einen Kirchenbau sühnen. Er ließ sich mit der Buße aber 40 Jahre Zeit. Erst 1364, vielleicht angefeuert von der berechtigten Sorge um sein Seelenheil, ritt er mit seinem Schimmel durch die Gegend und ließ überall dort, wo sein Pferd einen Kniefall machte, eine Kirche bauen. Es sind die Kirchen in Weng, Johanneck und Inhausen. Alle drei Kirchen haben hohe spitze Kirchtürme und von ganz oben kann man, so heißt es, jeweils die beiden anderen sehen.
Wie so häufig, hat auch diese Sage einen wahren Kern. Die Verbrennung der Ehefrau in Kranzberg am 5. Dezember 1323 ist historisch belegt. Die Überreste - einschließlich der nicht verbrannten Schwurhand - sind im Kloster von Dießen am Ammersee begraben. Das Geschlecht Arnolds starb tatsächlich mit dem schon vor der Verbrennung geborenen Sohn Wilhelm wegen Fehlens eines männlichen Nachkommens 1399 aus. Arnold selbst wurde beim Niederbrennen des Schlosses Arnbach bei Schrobenhausen von herabstürzenden Balken erschlagen.

Die Sage hat Schwächen, wenn man sich die Historik von Inhausen anschaut. Denn hier stand 1364 schon eine Kirche. Sie hatte damals ihre 500-Jahrfeier schon lange hinter sich. Außerdem ist zu bedenken, dass Inhausen knapp außerhalb des Regierungsbezirks von Arnold lag, der an der heutigen B13 endete. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Arnold mit finanziellen Mitteln vorhandene Kirchen gefördert oder -wie evtl. in Weng- eine Kapelle gebaut haben könnte. Wir haben aber außer der Sage keine Hinweise auf ein früheres Gotteshaus in Weng.


Kirchenbau 1468
Tatsächlich wurde die Kirche von Hans Fraunberger zu Haag auf Massenhausen und seiner Ehefrau Anna Marschalkin zu Pappenheim "von neuem" erbaut. "Mit Hilfe armer Leute und einer Sammlung", wie der Historiker Wiguleus Hundt schrieb (siehe Originaltext...).
Für die Stifter besteht seit 1472 ein
prächtiges Hochgrab aus Marmor in der Kirche, auch wenn sie dort nicht bestattet sind. Die Verbindung zur Sage ist die Tatsache, dass die Fraunberger das Nachfolgegeschlecht von Arnold dem Nasenlosen waren, dessen Familie mit seinem Sohn ausgestorben ist. Der Stammsitz der Fraunberger, die Ortschaft Fraunberg, liegt nördlich von Erding. Drei Jahre vor dem Bau war der Kirchenstifter mit weiteren Verwandten von Kaiser Friedrich III. zu Reichsfreiherren mit dem Recht des Siegelns mit rotem Wachs ernannt worden.
Der Kirchenbau von Weng wurde im Jahr 1468 vollendet. Diese Jahreszahl ist auf einem Schlussstein im Gewölbe zu lesen.

Eingeweiht wurde die Kirche vom Freisinger Fürstbischof Johann Tulbeck (1453-1473), der im gleichen Jahr den Grundstein für den Bau der heutigen Frauenkirche in München legte 5). Die Ausstattung der Kirche zog sich wohl noch länger hin, weil das nördliche Chorgestühl mit seinen Flachschnitzereien erst 1510/20 entstanden ist.

Die Größe der Kirche, insbesondere die des Presbyteriums, deutet darauf hin, dass an dieser Stelle ein Kloster oder ein Chorherrenstift errichtet werden sollte. Mönche bzw. Chorherren benötigen viel Platz im Chorraum, um dort im Chorgestühl ihre Gebete verrichten zu können. Woran die Klostergründung scheiterte, ist nicht bekannt. 1)
Der Historiker Wiguläus Hundt schreibt 1598, ein Stift sei geplant gewesen, aber wegen des Todes von Hanns Fraunberger nicht mehr zur Ausführung gekommen 20)
Geist.R. Anton Mayer vertritt die Meinung, die Kirche sei so groß gebaut worden, weil sie als Grablege der Fraunberger dienen sollte; der Plan für ein Stift sei erst gefasst worden, als die Kirche 1499 in die Hofmarksherrschaft des Bistums Freising kam.


Ansicht von Süden

Fraunberger-Benefizium 1477
Im Jahr 1477 hat die Witwe des Johann Fraunberger, die Marschallin von Pappenheim, das erste Benefizium eingerichtet.
Das Stiftungsvermögen bestand aus vielen verpachteten Höfen:
- aus den Ganzhöfen "beim Veitl" und "beim Wastl" in Kleineisenbach und "beim Edel" in Fürholzen,
- aus dem Halbhof "beim Hörl" in Großeisenbach,
- zwei Höfen in Aitterbach (Achtelhof "beim Schäffler" und "beim Scheyerl")
- sowie mehreren Anwesen in Reichertshausen, Ottenburg und Hörenzhausen, deren Namen nicht bekannt sind.
Dazu kommen Anteile des Zehents vom Hof "Lamprecht" in Hetzenhausen und eine Lohe bei Großnöbach.
Das Einkommen aus diesem Grundbesitz betrug z.B. 1667 insgesamt 250 Gulden. Das war für damalige Verhältnisse ein großer Betrag. Das Kirchenvermögen umfasste das Grundstück "Kirchenbreite" mit 12,5 Tagwerk, das an verschiedene Bauern der Umgebung verpachtet war.
Die andere Seite des Benefiziums lag in der Verpflichtung für den Benefiziaten, pro Woche zwei Messen für die Stifter zu lesen.
Das wurde 1667 abgeändert/präzisiert in die Verpflichtung, alle Sonn- und Feiertage, ausgenommen Ostern, Pfingsten, Weihnachten, sowie auch jede Woche, in die kein Feiertag fiel, eine hl.Messe zu lesen oder lesen zu lassen.
Das Benefizium war dem jeweiligen Pfarrer von Gremertshausen übertragen, der in Weng einen besonderen Kooperator beschäftigte. Das Recht, den Benefiziaten auszusuchen, hatte aber der Freisinger Bischof. Bei einem Wechsel auf dem Bischofsstuhl in Freising musste das Benefizium eine Steuer von 30 Gulden (Infulsteuer) zahlen
8)
An Ostern und an Christi Himmelfahrt war je eine Nachmittagspredigt zu halten. Dazu kam 1 Jahrtag mit Vigil, Requiem, Libera und eine Beimesse für die Stifter und noch zwei Jahrtage mit Requiem
21) .

Das Benefizium bestand bis zur Säkularisation 1803. Weil der damalige Benefiziat von Weng zugleich Domkapitular war, hatte der Staat bei der Auflösung des Domkapitels auch den Dotationsfond (das Vermögen) des Benefiziums von Weng einkassiert. Die durch das Benefizium finanzierten Messen bezahlte ab 1803 der Staat (Fußnote II zur Schmidt'schen Matrikel).




Visitationsbericht von 1560 35) .
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Gremertshausen ist auch die damals 100-jährige Kirche von Weng kurz erwähnt. So erklärten die Khirchpröbst (Kirchenverwalter), die Filialkirche St.Georg habe "alle pfärrliche recht". Die Frühmesse in Weng halte der Pfarrer von Garsch (=Jarzt). Das Einkommen der Filialkirche betrage 6 Gulden. Der Gottesdienst wurde nach gutem katholischen Ritus gefeiert. In der Kirche sind 3 Kelche, 3 guete Messbücher, 3 Liturgiebücher sowie sechs Messgewänder, genügend Altartücher, Fahnen und Sonstiges vorhanden. Eigentlich sollten in Weng wöchentlich fünf Messen gelesen werden; doch das "geschicht nit".



Dreißigjähriger Krieg
Im 30jährigen Krieg hatte auch Weng stark gelitten.

Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655

So wird berichtet, dass am 15. Dez.1646 der Wagner von Weng, Johann Sauerngruber, "verschmachtet vor Gestank und Läuse in währendem Krieg" gestorben ist. 7)
Auch die Kirche wurde schwer beschädigt. Ein Jahr nach dem Krieg, im Jahr 1649 wurde in einem Schadensbericht festgehalten, dass "das Gottshauß durch den Feindt genzlich ruiniert, die stiell (Kirchenstühle) und oberdöckhen (Holzdecke) ausgerissen, in die Dachung Löcher geschlagen unnd die Fenster verlözt und alles verPrennt worden" sei.
37) Wahrscheinlich wurden auch Liturgische Geräte, sofern sie nicht versteckt waren, geraubt.
Die Schadensmeldung in Weng deckt sich mit der in vielen anderen Kirchen unserer Gegend. In der Regel haben die Soldaten alle hölzernen Bauteile und Einrichtungen herausgerissen und (am Lagerfeuer) verbrannt. Schäden am Mauerwerk waren selten, weil das Abreißen zuviel Arbeit gewesen wäre und das für eine Sprengung erforderliche Pulver zu wertvoll war.

Mitten im Krieg, 1642, bekam die Kirche übrigens eine neue Turmuhr. Ein Jahr später waren größere Reparaturen an Turm und Dach fällig (Hohlziegel am Dach und Scharschindeldeckung am Turm). Dies muss aber nicht auf Kriegseinwirkungen zurückzuführen sein; denn aus dem nahen Kloster Altomünster sind Berichte über schwere Sturmschäden im Jahr 1643 überliefert.



1688
, eine Generation nach dem Krieg, hat man einen neuen Hochaltar angeschafft, der im damals modernen Stil des Barock gestaltet war. Künstler waren der Hofkistler Tobias Kidl und der Bildhauer Johann Christoph Thalhammer aus Freising sowie Fassmaler Franz Gerbl aus Erding. Das Altarblatt schuf Cornelius Bosch, ein am Hof des Freisinger Fürstbischofs Albrecht Sigismund als Hofmaler tätigen Niederländer.


Umbau 1728

Um 1728 wurde das Gotteshaus umgebaut und barockisiert. Die Kirche wies erhebliche Bauschäden auf. Der Pfleger von Massenhausen, Graf Königsfeld, wies darauf hin, dass Turm und Glockenstuhl durch einen Blitzschlag erheblich beschädigt waren. Auch die Fenster mussten repariert werden 16). Bei diesem Umbau hat man im Kirchenschiff die eingezogenen Strebepfeiler zu toskanischen Pilastern umgearbeitet 11) 12) . Außerdem soll die Kirche anstelle der schadhaften Flachdecke aus Holz mit einem barocken stuckierten Holzgewölbe versehen worden sein 16) .Baumeister könnte der Freisinger Hofmauerermeister Dominik Gläsl (1660-1731) gewesen sein; das vermutet jedenfalls der Architekt und Historiker Max Gruber 24) . Dominik Gläsl hat 1723 auch die Kirche in Fürholzen gebaut.
1732 war die Kirche Ziel eines internen Raubes: Der Pfarrer von Gremertshausen brach mit Gewalt den Zechschrein, die Kirchenkasse, auf und entnahm ihm 100 Gulden. Die Wenger waren darüber sehr erbost. 43)



Matrikel 1738/40 6)
Eine Beschreibung der Kirche (Schmidt'sche Matrikel ) stammt aus der Zeit um 1738/40.
Der Freisinger Kanonikus Schmidt führte in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel aus, die Kirche sei im Vergleich zu den anderen ländlichen Gotteshäusern von ausgezeichneter Gestalt. Sie besitze drei Altäre, die den Kirchenpatron, die Jungfrau Maria und die Jungfrau und Märtyrin St.Barbara zum Patron hätten.
Der Hochaltar sei St.Georg geweiht. An diesem Altar sei ein Benefizium eingerichtet. Zwar lägen die Gründungsurkunden nicht vor, doch es werde angenommen, dass es von der bekannten Familie der Frauenberg, insbesondere von Frau Anna von Fraunberg, geborene Pappenheim, eingerichtet worden ist. Deren Grabmal aus Marmor stehe in der Mitte dieser Kirche. Das Patronatsrecht dieses Benefiziums habe der Freisinger Bischof zusammen mit dem Domkapitel inne. Das Dotationsgut bestehe "aus je einem Anwesen in Fürholzen, Grosseisenbach, Reichertshausen, Ottenburg, Hörnzhausen sowie jeweils zwei Anwesen in Klein-Eisenbach, Weng und Aitterbach". Dazu komme eine Lohe unweit Nebach (Großnöbach) und aus zwei Zehnteln beim Lamprecht zu Hetzenhausen. Das Einkommen aus all diesen Gütern belaufe sich schätzungsweise auf 250 Florenos (Gulden).
Der Benefiziat (oder ein Ersatz-Priester) sei angehalten - so eine Schrift aus dem Jahr 1667- alle Sonn- und Feiertage, ausgenommen die drei Hauptfeste Ostern, Pfingsten und Weihnachten, sowie in den Wochen, in die kein Feiertag fällt, eine hl.Messe lesen zu lassen. Der Benefiziat des Jahres 1740 heiße Franciscus Antonius de Fraporta, der 1714 in sein Amt eingeführt worden sei. Gottesdienste, die keine Benefiziatsmessen sind, würden vom Pfarrer gehalten, und zwar am Tag der Kirchweihe (d.ist der Sonntag nach dem Martinifest, also der Sonntag nach dem 11.Nov.) und am Patrozinium, dem St.Georgs-Fest am 23.April.
Um die Kirche sei ein Friedhof angelegt, in dem ein Beinhaus stehe, heißt es weiter. In der Sakristei befänden sich Messgewänder (Paramente) in ausreichender Zahl. Der Turm hingen drei geweihte Glocken.
Die Einkünfte der Kirche gingen an die Pfarrei Massenhausen. "Das völlige Vermögen dieses Gottshauses wird sich dieser Zeit gegen 1000 fl. erstreckhen", heißt es im Schlusssatz. Das war für eine Filialkirche kein geringes Vermögen.



Abrisspläne 1805

Bei der Säkularisation 1803 war die Kirche in Weng als für die Seelsorge überflüssig eingestuft und zum Abbruch bestimmt worden. Das Benefizium wurde eingezogen. In einem Brief des kurfürstlichen Rentamts (Finanzamts) Freising wurde Pfarrer Glas von Gremertshausen am 6.April 1805 aufgefordert, mitzuteilen, wie "von der zu demolierenden Filialkirche Weng das (Bau)Material am vorteilhaftesten verwendet werden könnte". Der Geistliche Rat empfahl zu überprüfen, ob "in der Pfarr nicht allenfalls ein benöthigter Schulhausbau geschehe, wozu selbes (Abbruchmaterial) verwendet werden könnte". Die Antwort kam am 7.5.1806: Schulhausbau in Sünzhausen. 37)

1806/07 wurden alle Einrichtungsgegenstände, die der Pfarrer nicht für die Pfarrkirche von Gremertshausen beanspruchte, vor allem an die örtlichen Bauern und einige Münchner Bürger versteigert. Am 15.7.1808 öffnete Pfarrer Glas die Altarsepulchren und schickte die Reliquien zurück an das bischöfliche Ordinariat; die Glocken ließ er nach Gremertshausen bringen. Ein großes Kruzifix verblieb nur deshalb in Weng, weil es nicht durch die Türe der Pfarrkirche passte. Welche Preise die einzelnen sakralen Gegenstände bei der Versteigerung erzielten, kann man dem Licitations Protocoll vom 3.9.1807 entnehmen. Dort sind auch die Ersteigerer genannt. Einen Auszug finden Sie hier... Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass die meisten Interessenten ihre ersteigerten Sachen nicht mitgenommen haben. Das Versteigerungergebnis wurde mit allerhöchstem Reskript vom 22.ten Februar 1808 bewilligt und "die unverzügliche Betreibung des Verkaufs Erlöses allergnädigst anbefohlen".

Der Bischofsstuhl war damals nicht besetzt. So mussten die Gläubigen die Rettung ihrer Kirche selbst das Heft in die Hand nehmen. Die Bewohner von Weng wandten sich gegen den Abriss und bekamen Unterstützung vom kunstsinnigen Pfarrer Joh.Baptist Eichenbüchler aus Kranzberg, der seinem Gremertshausener Amtsbruder vorwarf, er wolle sich nur den beschwerlichen Fußweg nach Weng sparen; deshalb betreibe er aktiv den Abbruch und habe zudem vorher jede Reparatur vermieden. Außerdem habe der Pfarrer ein Auge auf die Glocken und einen Teil der Ausstattung geworfen, die er in seine Pfarrkirche nach Gremertshausen bringen wolle.

Wie wir wissen, hatte die Angelegenheit einen guten Ausgang.
Nach Alois Angerpointner 1)
konnten die Bewohner ihre Kirche 1807 mit dem gesamten restlichen Inventar ersteigern (?).
Jedenfalls erfolgte "auf die vom Ordinariate sowohl, als von der Gemeinde Weng so andern gemachten dringenden Vorstellungen endlich am 6. Sept. 1807 das königl. allerhöchste Instands-Geboth". Das fand aber offensichtlich keine große Beachtung, wie die weitere Ausräumung der Kirche auch 1808 beweist.

Das entscheidende Dekret kam erst 1809, als der Abbruchbefehl für die Wenger Kirche auf Anordnung von Montgelas (durch "allerhöchstes Reskript vom 25.ten Feber 1809") wieder aufgehoben und die Versteigerungen für ungültig erklärt wurde. Dazu waren wiederholte neuere Vorstellungen in München notwendig. Mit diesem "allerhöchsten Restitutions-Geboth" war der Stand vor der Säkularisation wieder erreicht. Die Bauern hatten sich die Baulast für die Kirche, die sie sonst übernehmen hätten müssen, erspart. Die Reliquien (?), die versteigerten Gegenstände und die Glocken kamen wieder zurück (den Bericht über die Rückführung finden Sie hier...). Nur das Altargitter und ein Rauchfass blieben unauffindbar. Allerdings war auch das Benefizium und damit die Einnahmequelle für den Benefiziaten verloren gegangen. 104 Stiftsmessen (und deren Einnahmen) . Das Geld war übrigens für den Schulhausbau in Gremertshausen verwendet worden 16)
. Weng konnte sich keinen Benefiziaten mehr leisten, sondern musste wie jede andere Filialkirche von der Pfarrei mitversorgt werden. Aus der Mitte des 19.Jh. ist zu erfahren, dass ein Kommorant, ein pensionierter Priester, der im Wenger Benefiziatenhaus wohnte, die hl. Messe feierte.


Pfarrbeschreibung 1817
37)
In der Pfarrbeschreibung Gremertshausen ist auch ein Bericht über die Filialkirche Weng enthalten:
  "1. Beschaffenheit der Kirche: groß und niemals mit Besuchern ganz angefüllt; scheint daher zu einem anderen Zwecke erbaut worden zu seyn, als für die 12 zu Weng vorfindigen Häuser, und ist selbst auf dem Berge etwas derb.
2. Altäre: a) Hochaltar St. Georg, b) Frauenaltar, c) St. Leonhard. (...)
In der Kirche zu Weng selbst aber zeigt sich ein ziemlich großes steinernes Grabmonument für eine da begraben liegen sollende Freyin Fraunberg, woher auch ebenfalls die Fraunbergische Meßstiftung, oder Fraunberg'sche Beneficium zu Weng kommen mag, welches aber lange Zeiten her und auch ietzt wiederum ein Commendist versieht ..."


Inventar 1835
wurde von der Diözese das Inventar aufgenommen, mit den geschätzten Werten der einzelnen Gegenstände.
Für die Kirche in Weng:

 
1. Kostbarere Gegenstände
 
   Kirchenglocken
1400 fl
Kelche
20 fl
 
   Altäre
600 fl
Kreuzpartikel
8 fl
 
2. Paramente und Geräthe
 
   20 Kerzenleuchter
       (4 von Messing 8 fl. )
14 fl
Christus in Lebensgrösse in der Auferstehung gut geschnitzt und gefaßt
44 fl
 
   15 Kreuzwegtafel von Leinwand
21 fl
1 gläserner Luster
2 fl
 
     1 Rauchfaß mit Schiffchen
4 fl
1 Crucifixus mit der Mater dolorosa aus Holz
11 fl
 
     6 Tafeln (Canontafeln)
6 fl
19 Kirchen-Bethstühle
32 fl



1855 beschrieb der Historiker und Theologe Dr.Joachim Sighart die mittelalterliche Kunst in der Erzdiözese München und Freising in einem Buch. Darin ist auch die Kirche von Weng erwähnt.
Wenn Sie das entsprechende Kapitel lesen möchten, klicken Sie hier...

Reparatur 1854
1854 war die Kirche wegen ihrer sichtbaren Schäden untersucht worden. Im Gutachten wurden die Reparaturen vorgeschlagen,  "welche in thunlichster Bälde gewendet werden sollen, da sich sonst die Kosten nicht unbedeutend erhöhen dürften".
Ein entsprechender Antrag an die Kammer des Innern wurde von dort erst sehr verhalten behandelt, dann aber doch genehmigt, mit der Begründung:  "Die Filialkirche von Weng, im Jahr 1268 (!) erbaut, ein sehenswertes Denkmal, befindet sich nach innen und außen in einem beklagenswerthen üblen baulichen Zustand".  
Die Kosten wurden auf über 3200 Gulden geschätzt, wovon 928 Gulden von der Pfarrei, 500 Gulden aus den Pfründen, 1.338 Gulden von der Diözese getragen und zugleich Hand- u. Spanndienste der Wenger im Wert von 460 Gulden zu leisten waren. Die tatsächlichen Kosten waren dann niedriger, doch wurden Klagen laut, dass das Baumaterial sehr schlecht sei.
Einige der Reparaturen wurden noch in diesem Jahr vorgenommen, z.B. an den Gesimsen sowie an den Maß- und Strebewerken der gotischen Fenster (teilweise aus Kelheimer Sandstein ergänzt). Außerdem hat man das Sakramentshäuschen freigelegt.
Weitere Reparaturen (wie ein neues Ziegelpflaster, neuer Verputz, Dach) wurden vom Ordinariat zurückgestellt, der zugleich geäußerte Wunsch nach einer neugotischen Ausstattung abgelehnt.


Reparatur 1858 16)
1858 wurden Kostenvoranschläge für notwendige Reparaturen vorgelegt. Jedenfalls ist in der Auflistung der vom bayerischen Staat gewährten Zuschüsse auch die Kirche in Weng genannt:  "Für die bauliche Reparatur der Filialkirche zu Weng k.Landgerichts Freising: 800 Gulden" 10).  Der Zuschuss wird wohl für die 1854 erledigten Arbeiten sowie für den Anstrich der Innenwände mit einem "einfachen Farbentone" und dem Einbau einfach ornamentierter, farbiger Glasfenster verwendet worden sein.


Einrichtung der Expositur/Kuratie Weng 1), 16)
Die Auspfarrung der Filiale Weng aus der Pfarrei Gremertshausen ging von der "energischen Posthalterin (Wirtin) Barbara Barth in Unterbruck" aus. Sie hatte ihren 1858 verstorbenen Mann nicht, wie sonst üblich, in Jarzt, sondern in Weng begraben lassen, obwohl der Friedhof Weng seit der Säkularisation 1803 geschlossen war. So war Josef Barth nach über 50 Jahren der erste Tote, der wieder seine Ruhestätte hier fand. 1858/59 war auch die neue Kapelle in Unterbruck fertig geworden, die die Wirtsleute privat finanziert hatten. Frau Barth wollte unbedingt Unterbruck von der Pfarrei Jarzt trennen lassen; Grund war ihre große Abneigung gegen den Pfarrer von Jarzt, Kaspar Rößle.
Sie hielt die Gründung einer selbstständigen Pfarrei Weng mit der Filiale Unterbruck für die beste Lösung. Mit diesem Vorschlag wandte sie sich 1871 an das Innenministerium, das den Antrag nicht -wie erwartet- ablehnte, sondern an die Diözese weiterleitete. Pfarrer Weißinger von Gremertshausen stimmte überraschenderweise einer Auspfarrung von Weng sofort zu. Er verzichtete zwar auf die 300 Gulden jährlich, die er für die Seelsorge in Weng erhielt. Dafür konnte er die Kosten für den Cooperator einsparen.
Der Pfarrer von Jarzt bot an, Weng als Filialkirche zu übernehmen. Doch das entsprach natürlich nicht dem Ansinnen von Frau Barth. Sie machte den Vorschlag, ihre Kapellenstiftung in Unterbruck in die neue Seelsorgestelle Weng einzubringen, dazu eine neue "anständige" Wohnung für den Priester in Weng zu errichten und von ihrem Vater ein Darlehen in Höhe von 4000 Gulden (mit 5prozentiger Verzinsung) zu besorgen. Außerdem forderte sie von der Gemeinde Weng ein Baugrundstück für das Pfarrhaus und die spätere Übernahme der Baupflicht für das von Frau Barth zu errichtende Pfarrhaus.

Letztendlich kam nach Verhandlungen aller Beteiligter folgende Lösung zum Tragen:
- Die Gemeinde Weng stellte einen Bauplatz von 7 Dezimalen und weitere Gründe von 36 Dezimalen zur Verfügung. Außerdem
  stiftete sie das Bauholz und bezahlte die Taglöhner beim Bau.
- Die Einwohner leisteten Hand- und Spanndienste.
- Die Wirtsleute Barth aus Unterbruck verpflichteten sich, auf fünf Jahre die Baulast der Priesterwohnung in Weng zu übernehmen
  und anschließend noch einen Baufond von 1000 Gulden einzuzahlen.

Damit war die wirtschaftliche Grundlage für die Selbstständigkeit der Seelsorgestelle Weng gelegt. Es wurde aber keine neue Pfarrei gegründet, sondern lediglich eine Expositur mit der Filiale Unterbruck, die wegen der räumlichen Nähe zu den übrigen Ortschaften, der Pfarrei Jarzt unterstand (Ministerielle Entschließung vom 8.5.1874 mit Wirkung vom 22.5.1874). Eine Expositur ist seelsorglich eine eigene Einheit, gehört aber verwaltungsmäßig zur Pfarrei. Der Priester hieß früher Expositus, später Kurat. Deshalb ist Weng heute eine Kuratie.

Der Expositus war nach der Entschließung vom 8.5.1874 verpflichtet:
- jeden Sonn- u.Feiertag sowie
- am Kirchweihfest (am Sonntag nach Martini = 11.November)
- am Patrozinium (23.April) in der Filialkirche zu Weng jeweils einen Gottesdienst zu halten,
- an Sonn- u. Feiertagen einen öffentlichen Rosenkranz zu beten,
- die Stiftungsmessen für das Fraunbergersche Benefizium zu lesen,
- außerdem in Unterbruck drei Wochenmessen für das Köglsche-, das Kyrinsche- und das Paursche Benefizium zu halten.
- Dazu kamen eine Wochenmesse und ein Jahrtag für Josef Barth und seine Gattin Barbara Barth.


Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer 21)
aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Weng als Filiale von Gremertshausen mit folgendem Text enthalten:
 

"Kirche. An der Landstraße von Freising nach Bruck. Erbauungsj. unbekannt. Gothischer Stil. Sehr geräumig. Baupflicht: an der Kirche die Kirche, am Cm. (= Friedhof) die Gemeinde. Spitz-Thurm mit 3 Glocken. Cons(ecriert) i.J. 1708. Patr(ozinium) Heil.Georg. 3 altar. p.SS. (in Cibor.). Cm. Orgel (6 Reg.) Gottesd(ienst): Gegenwärtig abwechselnd alle anderen Sonntage (wenn in Sünzhausen eine fremde Aushilfe ist) und am Patrocinium.. (Am Patrocinium u. Kirchweihe musste früher der Pfarrer hier Gottesd. halten). Stiftungen: 2 Nachmittagspredigten (am Oster- u. Christi Himmelfahrtsfeste); 1 Jahrtag mit Vig(il), Requ(iem), Lib(era) und Beimesse; 2 Jahrtage mit Requ. - Meßmer: Ein Gütler. Kirchenvermögen: a.Rent. 3164 Gulden 12 kr. - b. nicht rent. 2341 fl. 37 kr.
Anmerkung: Es ist für Weng die Auspfarrung nach Jarzt in Aussicht, mit Errichtung eines eigenen Beneficiums und Erbauung eines Benefiziatenhauses.
...
Hilfspriester: Ein ständiger Cooperator, welcher an den meisten Sonn-und Feiertagen die Filiale Weng versieht, an dern Werktagen Weng und Sünzhausen. Wohnung des Cooperators im Pfarrhofe Gremertshausen.
.....
Das Beneficium Weng
...Hundt behauptet in seinem Stammenbuche, Bd. I. S.61: "Anna Marschalkin von Pappenheim, die Wittwe jenes Hannsen Fraunberger von Haag zu Mässenhausen, der "mit Hülff armer Leuth unnd der Samblung, das Gottshauß zu Weng von newem aufferbawt hatte" im J. 1477 dieß Beneficium gestiftet habe u. noch bei Lebzeiten (1472) den schönen Grabstein in der Kirche zu Weng sich fertigen ließ". Bei der Säcularisation wurde der Dotationsfond des Beneficiums in Weng incamerirt (= in den Staatshaushalt übernommen), weil der damalige Beneficiat ein Domcapitular von Freising war. Seitdem las ein Priester von Freising die Messen daselbst auf Kosten des Aerars (=Staatshaushalts). Ursprünglich hatte der Landesherr das Patronatsrecht dieses Beneficiums, gieng aber bei der Vereinigung der Pfarrei Deining mit dem Kloster Schäftlarn (als Kompensation) in die freie bischöfliche Collation (= Auswahl) über.
Durch einen Beschluß vom J.1667 hatte der Beneficiat die Obligationen (= Verpflichtungen): "alle Sonn- und Feiertage, ausgenommen Ostern, Pfingsten, Weihnachten, sowie auch jede Woche, in die kein Feiertag fiel, eine hl.Messe zu lesen oder lesen zu lassen. Das Benefizium ist derzeit dem Pfarrer beigegeben, unter der Verpflichtung der Haltung eines Cooperators. Die Posthalterin Barth von Unterbruck hat es durch eine Zustiftung meliorisirt (= verbessert).
Schulverhältnisse: Die Pfarrschule mit 1 Lehrer befindet sich in Sünzhausen. Zahl der Werktagsschüler: 76 ...
Kleine Notizen: ....5. ..Der historische Verein v. Oberbayern besitzt einige auf Weng bezügliche Photographien.
                          6. In Weng wurde vor 20 Jahren eine Mission gehalten."


Beschreibung 1895 11)
Die Expositurkirche St.Georg in Weng ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde.
Wenn Sie den Teil, der Weng betrifft (Seite 436), lesen möchten, klicken Sie hier...

 

Jahrgangsstiftungen 1)
Weitere Jahrtagsstiftungen wurden im 19.Jh eingerichtet:
- 1876 von den Wengern Jakob Pauls, Georg Pauls, Martin und Creszenz Steindl mit 300 Gulden
- 1877 von Eva Wenger, Privatierswitwe aus Dachau für die Familie Gammel
- 1882 von Katharina Schnitzler aus Freising für die verstorbene Wirtsfamilie mit 400 Gulden


Blitzschläge 37)
Die Kirche wurde wegen ihrer exponierten Lage des Öfteren von Blitzen getroffen. z.B.:
- 1683 (
Text in der Kirchenrechnung: "von den hochgewitter Erlittenen Schaden")
- 1727 (durch den Donnerstreich ruinierter Kürchenthurn)
- 1747 (Donnerstraich) Reparaturkosten 83 fl.
- 1823 (neue Dachstuhlsparren und neue Eindeckung),
- 1824 ("Kirchthurm durch einen Blitzstrahl zertrümmert, das Kirchendach beschädigt") Kosten: 400 fl.
- 1893 16)
.
- 1896 wurde ein Blitzableiter auf Turm angebracht

- 1914 Blitz beschädigte Sparren u. Streben



Pfarreizugehörigkeit
Weng gehörte über die Jahrhunderte, bis 8.Mai 1874 zur Pfarrei Gremertshausen 6)
.Seitdem ist es eine Expositur/Kuratie innerhalb der Pfarrei Jarzt, zu der auch Großeisenbach und Unterbruck als Filialen gehören. Ab 1.November 1990 bildete es mit den Pfarreien Giebing und Jarzt den Pfarrverband Jarzt-Fahrenzhausen. Ab 1.Oktober 2012 wurde dieser Pfarrverband um die Pfarrei Haimhausen zum Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen erweitert.


Baubeschreibung
 

 

"Weng ist auf dem Lande unstimmig eines der schönsten Gotteshäuser im Umkreise von
mehreren Stunden. Es zeichnet sich vor allen andern an Lichte, Länge, Höhe u. Breite
aus, ist ganz mit Steinen gewölbt, und verdankt ihr Entstehen dem vierzehnten Jahr-hunderte, wo der gottselige Eifer für die Ehre Gottes und die Baukunst miteinander
wetteiferten, die Tempel des Herrn für Jahrtausende zu gründen, und ich glaube,
ohne Uebertreibung behaupten zu können, daß so ein Tempel wie der in Weng,
nicht nach vielen Jhh. auf dem Lande wird wieder hergestellt werden".
  

schrieb Pfarrer Joh. Bapt. Eichbüchler von Kranzberg
am 12.11.1808



Strebepfeiler

Die Kirche liegt weithin sichtbar auf einem Hügel (wohl einem ehemaligen Burgstall). Der Bau ist im Stil der Hochgotik errichtet und über die Jahrhunderte -jedenfalls außen- im Wesentlichen unverändert geblieben. Eindrucksvolles Zeugnis dafür sind die mehrfach abgetreppten Strebepfeiler an der Außenseite und die spitzbogigen Fenster mit Maßwerk. Im Inneren sind diese Strebepfeiler zu Wandpfeilern mit Kapitellen umgebaut worden.

Chor
Der wegen seiner ursprünglichen Bestimmung als Kollegstift tiefe Chor umfasst zwei Langjoche und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Er war von Anfang an von einem Gewölbe überdeckt. Die Rippen dieses Netzgewölbes ruhen auf Kragsteinen und münden oben in runden Schlusssteinen, die mit Inschriften und Bildern verziert sind.

Langhaus
Das einschiffige Langhaus (Kirchenschiff) hat vier Achsen; es ist im Inneren mit einem 1728 errichteten Tonnengewölbe mit hohen Stichkappen über den Fenstern überdeckt. Vorher besaß es eine hölzerne Flachdecke, darauf weisen Spuren im Mauerwerk hin. Nicht ausgeschlossen ist, dass in noch früherer Zeit auch das Langhaus eingewölbt und die Flachdecke nur eine Zwischenlösung für die Zeit zwischen dem Verfall des ersten und der Errichtung des zweiten Gewölbes war. 37) Der kunstvoll errichtete Dachstuhl besteht aus Eichenholz (Reparaturen wurden mit Fichtenholz ausgeführt). An den kräftigen Bohlen ist die stuckierte Rabitzdecke des Kirchenschiffs aufgehängt.


Dachstuhl
Das Langhausdach war früher mit Hohlziegeln gedeckt. Da diese Ziegel nicht sehr haltbar waren
und es immer wieder einregnete, hat man das Dach 1914 mit Biberschwanzziegeln neu eingedeckt. 37)


Westlich des Eingangs ist an der Südmauer ein Missionskreuz aus dem Jahr 1963 angebracht. Der Corpus besteht aus Eisen und ist bronziert. Das Kruzifix erinnert an eine der vielen Volksmissionen, die früher in den Pfarreien durchgeführt wurden. Die erste
Volksmission in Weng ist mir aus der Zeit um 1855 bekannt. 21)

Turm
Der insgesamt 43 (andere Meinung: 49 m 37) hohe Turm an der Westseite ist unten quadratisch (5,50 m), weiter oben achteckig. Auch er wird durch abgestufte Strebepfeiler gestützt. Bedeckt ist der Turm mit einem achteckigen, 20 m oder 15 m hohen Spitzhelm mit goldenem Knopf an der Spitze.Nach Auffassung von Rümann-Drave entspricht die Form dem sog. Münchner, nicht dem Landshuter Stil von Türmen 14)
Seit 1959 ersetzt eine Kupferblechverkleidung die alte Schieferdeckung. 37).


Treppenturm
im Winkel

Der Wind und Wetter (Blitzschlag) besonders ausgesetzte Turm musste häufig restauriert werden. So z.B. 1665, als man dafür 2000 Scharschindeln, 3000 Nägel, 130 Pfund Grundfarbe, 15 Pfund Mennigfarbe für den Glanz, 6 Pfund Firnis und 100 Pfund Leinöl benötigte.
1927 war eine Ausbesserung des 50 cm hohen Turmknopfs erforderlich, weil er so viele Einschusslöcher ("von dummen Burschen") aufwies.

In der südlichen Ecke zwischen Kirchenschiff und Turm ist ein Treppenhaus in Form eines außen liegendes Treppenturms (siehe Bild links) eingebaut, von dem aus eine steinerne Spindeltreppe in den Turm führt. rd. 120 Stufen führen zu den Glocken.


Turminneres von unten gesehen

Der Blick im Inneren des Turmes von unten nach oben (Bild mitte) zeigt rechts die Rundung des Treppenturms, in der Mitte die rustikalen Bodenstützen des achteckigen Turmoberteils.

Spindeltreppe

Spätestens ab 1642 war auf dem Turm eine Uhr zu sehen, denn aus diesem Jahr (mitten im 30jährigen Krieg) ist eine Rechnung des Freisinger Uhrmachers Simon Hirmer für eine Turmuhr überliefert.
Er erhielt für die Uhr 8 fl. 40 kr., für die Vergoldung der Uhrzeiger 1 fl. 30 kr. 37)

Glocken
In der Glockenstube hängen drei Glocken:

• die kleinste Glocke wurde im Jahr 1606 gegossen und wiegt 175 kg (Ton es''). Sie dürfte von Bartholomäus
   Wengle gegossen worden sein 25)
, der zur gleichen Zeit auch eine Glocke nach Wiedenzhausen geliefert
   hat 16) Leider konnte ich die Inschrift auf der Glocke nicht vollständig lesen. Doch der sichtbare Textteil
  
".. Purger von Minchen" (Bürger v.München) trifft auf Wengle zu. Er war kurz vorher vom Allgäu nach
   München gezogen. Deshalb könnte ihm das neue Bürgerrecht eine Aufschrift auf der Glocke wert gewesen
   sein. Evl. war die Glocke St.Michael geweiht.


• die mittlere Glocke, die der Muttergottes geweiht ist, wiegt 400 kg und trägt die Aufschrift "Hl. Georg,
   bitte für uns

• die größte Glocke mit einem Gewicht von 600 kg 05) ist dem Patron St.Georg geweiht. Sie erklingt auf
   dem Ton b'. Die Glocke wurde 1947 von der Erdinger Glockengießerei Czudnochowsky aus 25 Zentnern 33)

   Altmessing und Kupfer gegossen. Auf dem Glockenmantel ist das Relief einer Patronin Bavariae, einer
   Muttergottes mit Kind mit Krone und Zepter. Die Aufschrift lautet "Patrona Bavariae ora pro nobis".

Bis 1942 war noch eine Glocke aus dem Jahr 1468 vorhanden, die aber schon vorher gesprungen war. Bei ihrer Abnahme vom Turm zerbrach sie. 37)


Muttergottesglocke

St.Georgsglocke

Vorhaus
Sonnenuhr
Das tiefe Vorhaus der Kirche, das den Eingang vor der Witterung schützt, ist von einem gotischen Gewölbe im naturbelassenen Sandsteinton überzogen; die Rippen treffen sich im Schlussstein mit dem Relief des Auferstandenen, der den Betrachtern seine Wunden zeigt (siehe Bild ganz oben rechts).
An den Seitenwänden des Vorhauses sind das Kriegerdenkmal (vom Freisinger Bildhauer Franz) und ein kleiner Karner angebracht, der aber nur ein Erinnerungort für das früher bestehende Beinhaus ist. Dort hängt auch eine Erinnerungsplakette an den Besuch von Kardinal Ratzinger, dem inzwischen zurückgetretenen Papst Benedikt XVI, anlässlich der 525-Jahrfeier der Georgskirche in Weng (siehe Bild rechts). An der Stirnseite des Vorhauses ist eine Sonnenuhr aufgemalt. Die aus Brettern kunstvoll gezimmerte zweiflügelige barocke Rahmentüre am Eingangsportal dürfte aus dem 19.Jh. stammen.


Erinnerungsplakette an Besuch von Kardinal Ratzinger

Bilder aus
dem Vorhaus

Portal 19.Jh.
Sie wird von einem doppelten Spitzbogen aus gotischer Zeit überwölbt. Die Holzverzierung besteht unten aus 20 Feldern; oben ist sie strahlenförmig gestaltet. Am Ausgangsort der Strahlen sind kleine geschnitzte Engelsfiguren angebracht.

Karner-Erinnerung
 

Sonnenuhr


Gewölbe im Vorhaus

Um 1728 wurde das Gotteshaus umgebaut und barockisiert.

Bei der Säkularisation 1803 war die Kirche in Weng als für die Seelsorge überflüssig eingestuft und zum Abbruch bestimmt worden. Die Bewohner von Weng wandten sich gegen diese Pläne und konnten die Kirche 1807 ersteigern.

Epitaphe an der Außenmauer

1886

Text:
"Hier ruht der hochwürdige Herr
Joh.Ev. Gunzelmann
Expositus in Weng
geboren am 8.November 1832
gestorben am 25.Juni 1886
Er ruhe in Frieden
"

 

Text:
"Hier ruht in Gott
der Hochwürdige Herr
Heinrich Simon Seib

Expositus in Weng, welcher nach längerem Leiden, versehen mit den hl.Sterbsakramenten am 14.Juni 1905 im Alter von 80 1/2 Jahren selig im Herrn verschieden ist. RIP


1905
         
Text:
"St.Dir. Josef Weber
* 25.11.1925   
+ 18.2.2001
Seelsorger in Weng
von 1968 bis 1998
  Text:
Hier ruht im Glauben
an die Auferstehung
Friedrich Reitz
1908 - 1966
10 Jahre Kurat in Weng

2001
     
1996

Weng gehörte über die Jahrhunderte zur Pfarrei Gremertshausen. Seit 8.Mai 1874 ist es eine Expositur innerhalb der Pfarrei Jarzt, zu der auch Großeisenbach und Unterbruck gehören. Ab 1.Oktober 2012 bildet sie mit der Pfarreien Giebing, Jarzt und Haimhausen den Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen.

Innenausstattung

Altarraum /Chorraum

Der Altarraum ist gegenüber dem Kirchenschiff um drei Stufen erhöht. Der Boden ist mit alten Solnhofener Platten belegt. Drei der neuen Platten sind beschriftet: 9)
  1. vor dem Altarraum: "A.D. 1972"
  2. vor dem Stiftergrab: "1468 erbaut von Hans dem Fraunberger u. Anna von Pappenheim. Mit Hilfe armer Leut"
  3. vor dem Stiftergrab: "1972 Erneuert von der Kuratie-Gemeinde St.Georg Weng-Amper in gemeinsamer Arbeit".
Nach Anton Mayer soll sich unter dem Altarraum früher eine Gruft befunden haben. Sie sei aber wohl nicht als solche benutzt worden, weil sie zu feucht u. modrig war. Bei einer Renovierung in letzter Zeit wurde sie verfüllt u.ihr Eingang verschlossen 16)


Gewölbe


Die Kirche besitzt im Chor ein Netzgewölbe mit Rippen und Schlusssteinen. Die Rippen setzen seitlich auf Konsolen (auf Krag-steinen) auf, von denen einige mit Blattwerk verziert sind.
Die Rippen scheinen steinsichtig zu sein, sind tatsächlich aber verputzt und bemalt.


Netzgewölbe im Altarraum

Eingezogene Strebepfeiler mit ausgekehlten Ecken tragen die spitzen Schildbögen
Auf dem östlichen Schlussstein im Altarraum ist St. Georg, der Kirchenpatron zu sehen.
Der mittlere zeigt ein in rotem Feld nach rechts springendes Pferd, das Wappen der Familie der Fraunberger, die die Kirche erbauen ließ.



westlicher Schlussstein
Auf dem westlichen Schlussstein ist neben dem Relief eines Mannes (des Baumeisters ?) der Text: "Anno Domini 1268" eingraviert. Die Ziffer "2" ist falsch. Schon Riel/Bezold berichten in ihrer Beschreibung von 1895, dass im westlichen Schlussstein die falsche Jahreszahl stand: "An einem Schlussstein des Chores findet sich eine unleserliche Inschrift mit der Jahreszahl 1268, sie ist erneuert und es dürfte wohl bei diesem Anlass die gotische 4 () in eine 2 verwandelt worden sein, woraus sich dann das Jahr 1468 als Erbauungsjahr ergeben würde". 11)

Chorgestühl


Chorgestühl 15./16.Jh
An den Seitenwänden des Altarraums steht das mit Schnitzereien (spätgotischen Flachornamenten) verzierte Chorgestühl. Es besteht aus zwei Reihen mit jeweils vier Sitzen. Die nördliche Reihe ist die ältere. Nach Riel/ Bezold gehörte sie zur Erstausstattung des Jahres 1468 ff. 11) Anderer Meinung ist Anton Mayer; er setzt den Erstellungszeitpunkt mit 1510/20 an; dies dürfte aufgrund der spätgotischen Schnitzereien wahrscheinlicher sein.
Das südliche Gestühl, eine schöne Renaissancearbeit, ist fast 200 Jahre jünger und wird wohl nach dem 30jährigen Krieg geschnitzt worden sein. 1),
9)

südl.Chorgestühl 17.Jh

Das Vorhandensein des Chorgestühls wird (ebenso wie die Größe des Chorraums und die Größe des Kirchenbaus insgesamt) als Beleg dafür genommen, dass in Weng nicht eine Ortskirche gebaut werden sollte, sondern ein Chorherrenstift (oder Kloster) vorgesehen war. Chorherren benötigen viel Platz im Altarraum, um dort im Chorgestühl ihre Gebete verrichten zu können.
Warum nur die Kirche, nicht aber die Stiftsgebäude errichtet wurden, weiß man nicht sicher. Es wird aber angenommen, dass sich die vorgesehenen Stiftskanoniker geweigert haben, in die Abgeschiedenheit von Weng zu ziehen.


Apostelbilder


Apostelbilder Nordseite

An den Seitenwänden des Altarraums hängen im 1.Chorjoch je sechs 98 cm hohe, ovale Ölgemälde (auf Leinwand) aus der Zeit um 1660  1) -andere Quelle: 1740 9) -.
Die Bilder in den vergoldeten barocken Rahmen zeigen Portraits der zwölf Apostel "in einer lebhaft wirkenden Darstellung", wie es heißt.
Auf der Nordseite sind (von oben nach unten) die Apostel
Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä., Johannes, Thomas und Matthäus,
an der Südseite: Thaddäus, Bartholomäus, Simon, Philippus, Jakobus d.J., Matthias.
Es handelt sich um die in der Bibel genannten Apostel; Matthias war als Ersatz für den "Verräter" Judas Iscariot gewählt worden.

Früher hingen die Apostelbilder, über die ganze Kirchenschiff verteilt, an den Außenwänden 39).

Apostelbilder Südseite

 

Votivbilder

Auch wenn Weng nicht als Wallfahrtsort bekannt ist, hängen im Altarraum einige Votivbilder. Die Anrufungen stammen von Wenger Gläubigen; sie haben sich aber nicht an den Kirchenpatron St.Georg gerichtet, sondern an die Muttergottes und an den gekreuzigten Christus.

Votivbild 1784

Die Texte lauten:
Bild links: EX VOTO - sprenning Alhier. 1784
Bild rechts:
Caspar Hörger Miller paur allhier zu Weng, hat alles sein Vich zu unser
      Lieben Frauen alhier verlobt, Durch den Schutz Maria hat auch solches frisch
      und gesund erhalten, gott und Maria sey ewigen dank gesagt -1750- EX VOTO

Die Votivbilder (Votivtafeln) sind in der Regel dreifach gegliedert:
—  unten teilt eine Schrift den Anlass mit
—  darüber kniet der Bittsteller
—  im oberen Teil des Bildes, im Himmel thronen der angerufene Heilige oder die
    göttl.Personen und nehmen den Dank entgegen


Votivbild 1750



Sakramentshäuschen

An der linken Chorseite (Evangelienseite) steht auf einem Steinsockel das noch originale gotische Sakramentshäuschen aus Sandstein mit vergoldetem Türchen, dreiseitigen Fialen, Krabben u. Kreuzblume.
1843 war das Sakramentshäuschen mit warmer Kalksteinweiße übertüncht worden, die sich 15 Jahre später kaum mehr lösen ließ. Der Steinmetz Max Einsele klagte,
"daß mit allen möglichen Hilfsmitteln zu Werk gegangen mußte werden, um welche loß zu bringen.
Am Sakramentshäuschen war der größte Theil der Ornamentic zerstört, oder fiel weg, und ist dieselben ganz neu gefertigt u. vollendet. Das obere Lotus Knauflaub wird dieser Tage wegen besserer Anrich-tung im Atilier des Unterzeichneten gefertiget."
37)

Sakramentshaus 1468

Das Sakramentshäuschen besteht aus einem Fuß, einem Überleitungselement, dem dreieckigen Gehäuse und einem bekrönenden Baldachin. Das Sakramentshäuschen diente der Aufbewahrung der geweihten Hostien, die nach der Messe nicht weggeworfen werden durften.
Als das Tridentinische Konzil um 1545-63 die Unter-bringung der Hostie im Tabernakel auf dem Altar anordnete, verloren die Sakramentshäuschen ihre hauptsächliche Funktion. Seit dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) ist ihr Gebrauch wieder zugelassen.




Choraltar / Hochaltar



Der raumhohe Choraltar ist ein von vier schmalen Säulen gestütztes Retabel aus Holz, mit Feldern und Säulen, die schwarz in der Art von Schildpatt gefasst sind. Er wurde 1670 12) oder 1688 16) errichtet und 1855 umgestaltet 9) .
Die Schreinerarbeiten lieferte der Freisinger Hofkistler Tobias Kidl, die Bildhauerarbeiten stammen von Johann Christoph Thalhammer. Die Bemalung des Altars und der Figuren übernahm Fassmaler Franz Gerbl aus Erding, der auch in der Kirche Heilig-Blut Erding tätig war. 16)

Die Säulen gründen auf der Predella, die Platz für den Tabernakel bietet. Sie reichen hinauf bis zum vorkragenden Gebälk, auf dem der Altaraufsatz mit hochovalem Gemälde und einigen Engeln sitzt.


Choraltar von 1670

Im Mittelteil des Altars befindet sich zwischen den Assistenzfiguren von St.Petrus und St. Paulus ein großes Altarblatt von Cornelius Bosch mit einem Gemälde des Kirchenpatrons St.Georg. Er ist als Drachentöter dargestellt.

Früher stand an dieser Stelle eine monumentale gotische Georgsfigur. Sie wurde jedenfalls 1855 vom Historiker Sighart noch beschrieben. In der folgenden Zeit ist sie verschwunden. Möglicherweise kam die Figur in den Münchener Dom, der damals gerade im Stil der Neugotik ausgestattet wurde. Jedenfalls war dort 1858 eine neue, ebenfalls sehr große Georgsfigur (von Hans Leinberger) aufgestellt worden 1),
9).
Sie soll sich heute neben dem Sakristeieingang bzw. in der "Kapelle der hll. Anna selbdritt und Georg der Hofbruderschaft" im Münchner Dom befinden 5).

In der Barockzeit wurde der Altaraufsatz meist für einen Blick in den Himmel genutzt.
Der Altaraufsatz in Weng wird von zwei Säulen mit Kompositkapitellen gestützt und von einem Segment-giebel überdeckt. Auf dem Giebel ist eine Gloriole in Form einer vergoldeten Strahlenmon-stranz mit der Inschrift "IHS" und einem Herz angebracht. Zwei kleine Engel weisen auf diese Gloriole hin.
Auch auf den begleitenden Sprenggiebeln -ein halbes Stockwerk tiefer- sitzen Engel. Mit großen Flügeln und Hosenträger ausgestattet loben sie Gott und lenken die Aufmerksamkeit der Betrachter auf das hochovale Bild zwischen den Säulen (18.Jh).



Krönung Mariens
durch die Hl.Dreifaltigkeit

Dort ist unter der Rollwerkkartusche mit dem Text "Ave Maria" die Krönung Mariens durch die Hl.Dreifaltigkeit zu sehen.
Maria in blau-weißer Kleidung kniet auf Wolken, die rechte Hand als Zeichen der Demut auf ihre Brust gelegt. Darüber halten Gottvater, ausgestattet mit einem Zepter und Christus mit dem Kreuz im Arm die schmale Krone über Marias Haupt. Über allem schwebt der Heilige Geist in Form einer Taube und sendet Gnadenstrahlen herab.
Früher (um 1910) befanden sich hier noch zwei kleinere Figuren von St.Laurentius und St.Florian. 9)
Das große rundbogige Altarblatt, ein barockes Ölgemälde auf Leinwand, zeigt St.Georg als Drachentöter. Im geöffneten Himmel halten Englein die Ehrenzeichen für Märtyrer, den Lorbeerkranz und die Palmzweige, über den Heiligen. Das Bild soll vom niederländischen Meister Cornelius Bosch (auch Cormeli genannt) stammen, der damals am Hof des Fürstbischofs in Freising als Hofmaler beschäftigt war. Das Gemälde in Weng soll sein einziges erhaltenes Gemälde sein. 16)
Das Altarblatt wurde später in Teilen übermalt, insbesondere der Drache und die auf Knien danken-


St.Georg
Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt am 23.4.). Meist wird er, wie hier in Weng, als Ritter auf einem weißen Pferd dargestellt, der mit einer Lanze den sich unter ihm windenden Drachen durch das Maul hindurch ersticht. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich
de Königstochter am See. Eine Besonderheit sind die sichelförmige Messingbrosche mit blauem Stein (beim hl.Georg) sowie zwei Messingsterne und ein Messingknopf (am Zaumzeug des Pferdes), die wohl 1855 in die Lein-wand eingehängt wurden 9). Dagegen ist das Stuck-Englein, das ganz oben im Bild angebracht ist, noch ursprünglich.   Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte.

Assistenzfiguren

   St.Petrus

Assistenzfiguren stellen Petrus mit den Himmelsschlüsseln und Paulus mit dem Schwert dar. Petrus steht vom Altar aus gesehen rechts, der vornehmeren der beiden Seiten.
Beide Heilige sind mit einem Umhang bekleidet. Erstaunlich ist die Blickrichtung der beiden Figuren. Petrus lässt den Kopf betroffen hängen, Paulus scheint sich entrüstet abzuwenden.
Die 2 m hohen Holzfiguren haben eine Lüsterfassung (mit irisierender Wirkung). Sie stammen aus dem 3.Viertel des 18. Jh. und gehörten wohl nicht zum ursprünglichen Altar.

Über den Figuren sind am Altar Fruchtgehänge angebracht.
Im Jahr 1855 standen die beiden Figuren hinter dem Altar 13), 1895 galten die beiden Figuren als verschollen 11).


St.Paulus

Petrus: Der Fischer Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach der Him-melfahrt Jesu führte er die christliche Gemeinde in Jeru-salem. Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, leitete dort die Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod, indem er auf eigenen Wunsch umgekehrt ans Kreuz geschlagen wurde. Seine Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, nach der alle Bischöfe von Rom direk-te Nachfolger des Petrus sind. Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen. Petrus schließt in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor auf. Der Himmelsschlüssel in seiner Hand, erinnert an die Aussage Jesu "Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben". Diese himmlische Rolle als Schlüsselwart macht ihn auch zum "Wetterheiligen". Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Er verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben.
Predella
   
Voluten  
Die Predella, der Teil des Altars zwischen der Altarplatte und dem Altarblatt, ist mit einer schwarz/rot marmorierten Felderung versehen. Die äußeren Teile sind die vorstehenden Säulen-sockel, die in Knorpelwerksvoluten mit spitz zulaufender Blüte enden. Daneben jeweils ein Leuchterenglein. Die über die Breite der Mensa hinausreichende Predella ist bei einem 1670 erstellten Altar selten. Vielleicht ist dies ein Werk der Umgestaltung von 1855.

     Voluten

Auf der Predella steht ein 1,45 cm hoher neuba-rocker Drehtabernakel aus der Zeit vor 1900. 9)
Er soll um 1902 von Giebing nach Weng verkauft worden sein, um den Kirchenneubau mitzufinanzieren. 42)
Der dekoraive Tabernakel ist aus Holz gearbeitet und mit einer metallischen Fassung versehen. Er besteht aus zwei Stockwerken: Der untere Teil besitzt eine konvexe Türe mit eingraviertem Goldmuster.



Tabernakel
Das Bild des oberen Teils dominieren die sechs zurückgestuften, vergoldeten Säulen. Sie um-stehen die konkave Drehnische mit Brokatmuster. In der Nische ein Altarkreuz aus dem Ende des 17.Jh. Es besteht aus Holz und ist goldfarben gefasst. Das INRI-Schild wurde erst später, im 19.Jh. hinzugefügt. 9)  Nach oben abgeschlossen wird der Tabernakel von Sprenggiebeln mit Blüte. Begleitet wird der Tabernakel von zwei schönen Engeln, die Leidenswerkzeuge in den Händen
  halten: Links die Ysopstange, mit der dem Gekreuzigten Essig gereicht wurde (Joh.19,29). Rechts die Lanze, mit der Jesu Seite geöffnet wurde, um den Tod zu bestätigen (Joh.19,34).
Die Stipes (der Altartisch) ist mit Holz verkleidet.
Die Vorderseite, das Antependium, ist außen schwarz/grün/weiß marmoriert.

Antependium
Im Inneren ein durch Profilleisten gebildetes Feld, das bemalt ist: In einem breiten Gebinde aus naturalistischen Blumen befindet sich eine von weißen Rosen umgebene Kartusche. Sie enthält die Buchstaben IHS, MRA und IPH.

 


Sakristei


Die Decke der Sakristei ist -wie der Vorraum- mit einem Netzgewölbe überzogen. Die Rippen sind verputzt und farblich hervorgerufen.

In der Sakristei werden die Paramente (Messgewänder) und die für die Kirche benötigten Gerätschaften aufbewahrt. In der Sakristei ziehen sich Priester und Ministranten vor dem Gottesdienst die liturgischen Gewänder über. Im Begriff Sakristei steckt übrigens das lateinische Wort "sacer", mit der Bedeutung "heilig bzw. geweiht".


Sakristeitüre

Die Sakristeitüre vom Altarraum zur Sakristei ist als prächtiges Gewände-Portal im gotischen Stil gestaltet. (Bild links)
Das Türblatt ist mit schönen Beschlägen ge-schmückt (Bilder rechts). Dort ist auch ein altes Türschloss eingebaut. Das Schloss ähnelt sehr stark dem über 500jährigen Sakristei-schloss in der Kirche von Feldgeding und stammt aus der gotischen Erbauungszeit.43)

       
Türschloss und Beschläge an der Sakristeitüre
An der Sakristeitür sind reichverzierte Chorglocken (Sakristeiglocken) angebracht, die den Besuchern den Beginn eines Gottesdienstes akustisch anzeigen. Es handelt sich hier in Weng sogar um drei Glocken die in Schmiedeeisengestängen an der Wand angebracht sind. Die Glocken sind 15 cm, 9 cm und 6,5 cm hoch. Auf der kleinsten ist als Marke in Herzform eingeprägt: "4, I F" 9) .

Chorglocken



Ewig-Licht-Ampel

An der rechten Chorseite hängt eine sehr dekorative Ewig-Licht-Ampel. Sie stammt augenscheinlich aus der Zeit des Historismus, als alte Baustile wieder hoch im Kurs standen und deren Verzierungen oft im Übermaß verwendet wurden.

Klicken Sie aufs Bild
Ewig-Licht-Ampel

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsen-den Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte
  Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängen-den Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.



V
olksaltar und Ambo

Das Ambo besteht aus Holz. An ihm ist eine barocke Hl.Geist Taube befestigt (25 cm, Holz, versilbert)



Kirchenschiff / Langhaus


Das Kirchenschiff ist um drei Stufen niedriger angelegt als der Altarraum. Der Boden ist mit neuen Solnhofener Platten belegt. Sie dürften aus dem Jahr 1972 stammen, denn auf einer Platte ist zu lesen: "1972 Erneuert von der Kuratie-Gemeinde St.Georg Weng-Amper in gemeinsamer Arbeit".
Der Chorbogen und verschiedene andere Bauteile in der Kirchen scheinen aus großen Steinquadern zu bestehen. Tatsächlich handelt es sich nur um verputztes Mauerwerk, auf das die Steinquadern aufgemalt sind. 41)

Decke im Langhaus


Decke im Kirchenschiff

  
Herz Jesu
Die Decke im Kirchenschiff (in 13 Metern Höhe 41) ) besteht aus einem Tonnengewölbe mit gelb eingefärbten Stichkappen . Bemalt ist die Decke mit vier sternförmigen Ornamenten.
Sie zeigen (von hinten nach vorne):
—  das Herz Mariens
—  das Herz Jesu
—  der Hl.Geist im Strahlenkranz (mit Heilig-Geist-Loch u. vier kleinen
     Engelsköpfchen aus Stuck)
—  das Auge Gottes
    
Herz Mariens

 

Seitenaltäre

Linker Seitenaltar

Die Seitenaltäre stammen aus der Rokokozeit (links 1738 11); rechts 1732). Jeweils zwei blau-weiß marmorierte Säulen mit Kompositkapitellen und vielen Blumengirlanden auf und neben den Säulen stützen einen vorkragenden Giebel. Darauf sitzt ein hohe Aufsatz, der von Voluten begleitet und von einem Segmentgiebel überdeckt wird.
Gekrönt werden die Altäre von Gloriolen mit Strahlenkranz, die ein Thema der Deckengemälde aufnehmen und das dornenumkränzte Herz Jesu mit dem Kreuz und das blumenumkränzte Herz Mariens mit den Liebesflammen zeigen. Elf Englein und Cheruben (= Engelsköpfe mit Flügeln) umgeben den oberen Teil jeden Altars.
Die beiden Altarretabel besitzen noch die originalen Marmorierungen; die Vergoldungen sind erneuert.  37)

 
Rechter Seitenaltar


Linker Seitenaltar
     

Der linke Seitenaltar wurde vom Freisinger Domkapitular Franz Anton von Fraporta gestiftet und 1738 errichtet 33) .
Seine Ausstattung hat eine bewegte Geschichte. 22) Das Marienbild und die Figuren der 14Nothelfer stammen aus der St.Nikolauskirche in München in der Neuhauser Straße, die 1582 abgetragen wurde.
Als bei der Säkularisation um 1803 sollte die Kirche abgetragen werden sollte, hat man die Inneneinrichtung versteigert. Die Erwerber, der Veitlbauern in (Groß)Eisenbach (Figuren) und der Glockengießer Regnot in München (Altar), haben später, als die Kirche gerettet war, das Inventar zurückgegeben.
1913 wurde der linke Seitenaltar von den Malern Altmannshofer und Kremmer aus Freising renoviert und wieder in den früheren Zustand zurückversetzt. Darüber hat das Freisinger Tagblatt am 6.4.1913 folgenden Bericht geschrieben...


Gloriole
Gekrönt wird der linke Seitenaltar von einer großen Gloriole. Sie enthält in ihrem Zentrum das Herz-Mariä-Symbol. Es ist ein rotes Herz, das von einem Kranz aus Rosen umgeben ist und aus dem Flammen schlagen. Durch das Herz ist von oben nach unten ein Schwert gestoßen. Umgeben ist das Herz von sieben Cheruben, d.h. geflügelten Engelsköpfchen. Hintergrund ist ein großer Strahlenkranz, gebildet aus 16 Strahlenbündeln.

Herz-Jesu-Gloriole
Das Herz-Marien-Symbol ist eine Replik des Herzens Jesu.
Der Blumenkranz ist ein Mariensymbol.
Das Schwert erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung Jeu im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Altaraufsatz
Im Aufsatzbild des linken Seitenaltars wird St.Josef dargestellt. Er sitzt auf einer Steinbank und trägt seinen Sohn Jesus auf dem linken Arm. In der rechten Hand hält er eine dreiblütige Lilie, das Zeichen für Reinheit und Keuschheit. Von oben kommen Gnadenstrahlen herab. Im Hintergrund blicken zwei Cheruben auf die Szene.
Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Ge-schlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Gedenktag: 19. März

Altarblatt
Der linke Seitenaltar wurde (lt.Inschrift) 1738 vom Freisinger Domherrn und Wenger Benefiziaten Franz Anton von Fraporta aus Trient gestiftet.
Mittelpunkt dieses Seitenaltars ist ein Muttergottes-bild. Es soll nach einer Quelle 1) um 1650
entstanden sein, nach der anderen aus der Schule des niederländischen Malers Philipp van Dijk (1683-1753) stammen 43).
Es ist in der Art des Passauer Mariahilfbildes kompo-niert. Mutter und Kind sind aber mädchenhafter ge-staltet.

Muttergottesbild

Die Personen sind durch gegenständliche Messing-kronen geschmückt. An Marias Brust ist ein vergoldetes Herz angebracht. Das Marienbild ist von geschnitzten Halbfiguren der 14 Nothelfer umgeben.
Die Nothelfer sind eine Gruppe von vierzehn Heiligen, die in allen leiblichen und seelischen Nöten als Fürsprecher bei Gott angerufen werden. Zu den vierzehn Heiligen zählen drei Bischöfe und drei Frauen (die drei heiligen Madln). Nicht überall zählen dieselben Heiligen zu dem erlauchten Personenkreis. Hier in Weng werden folgende Heilige dazu gerechnet:


Die 14 Nothelfer (Ausschnitt -->
Cyrinakus,Pantaleon,Erasmus,Georg)

Dyonisius, Blasius, Christophorus, Georg, Katharina, Eustachius, Barbara, Erasmus, Margareta, Pantaleon, Cyrinakus, Aegidius, Vitus, Achatius.


Die Figuren der 14 Nothelfer und das Muttergottesbild stammen aus der St.Nikolauskirche in München. Dort haben sie -wie heute in Weng- einen Altar geschmückt. Das Gotteshaus war 1582 abgetragen und an seiner Stelle die noch heute bestehende Michaelskirche in der Neuhauser Straße errichtet worden. Den nicht mehr benötigten Altar hat man nach Weng abgegeben. Dort verblieb er fast 200 Jahr unverändert. Im Jahr 1738 war dann ein neuer Altar fällig, den -wie oben erwähnt- Franz v.Fraporta aus Trient stiftete. Die Figuren und das Muttergottesbild aus der Zeit vor 1582 wurden auf den neuen Altar übertragen.
1985 hat man die Figuren restauriert. Sie wurden gereinigt, lose Stellen geleimt und gefestigt, gegen Holzwurm- und Anobienbefall behandelt sowie schadhafte Vergoldungen und sonstige Metallauflagen ausgebessert. 37)


Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar wurde 1732 5) oder wie der linke Altar auch 1738 9) von einem Freisinger Hofmaler geschaffen.
Dabei könnte es sich entweder den 1733 verstorbenen Johann Schießl oder Joseph Anton Niggl um 1692-1778) handeln.
Im Schreiben vom 3.4.1732 des Pflegers von Massenhausen Graf von Königsfeld an das Bistum Freising werden die voraussichtlichen Kosten für den neuen Altar genannt: 25 fl. für den Maler des Altarblatts mit St.Leonhard und 151 fl. für Kistler, Bildhauer und Fassarbeit (Bemalung des Altars). 50 Gulden steuerte ein Guettätter bei. 37)


Über die Renovierung des rechten Seitenaltars 1913 ist nicht viel bekannt. Doch am 14.3.1913 berichtet das Bezirksamt Freising, die Renovierungsarbeiten an  "den Seitenaltären" seien vollendet; demnach dürfte damals auch der südliche Seitenaltar renoviert worden sein, ohne daß darüber weitere Nachrichten vorliegen." 37)

Die Gloriole auf dem rechten Seitenaltar entspricht in ihrem Aufbau dem auf dem linken Altar.
Anstelle des Herzens Mariens ist hier im Mittelpunkt das Herz Jesu dargestellt. Es wird von einem Kranz aus Dornen umgeben und aus dem oben Flammen schlagen. Zusätzlich entsteigt dem Herzen ein Kreuz.


Herz-Jesu-Gloriole

Auch hier umgeben sieben Cheruben das Herz-Jesu. Die Siebenzahl bei Engeln ist ein gerne verwendetes Darstellungsmotiv. Das apokryphe alttestamentliche Henochbuch spricht von 7 heiligen Engeln, die allzeit wachen. Die Apokalypse spricht von 7 Erzengeln. Sieben ist als Summe von 3 + 4 ohnehin die Zahl der Fülle und Vollendung, die Zahl der Vereinigung des Geistigen und der Materie und die heilige Zahl schlechthin. 30)


Im Aufsatzbild wird St.Florian dargestellt.
Der Heilige sitzt in römischer Soldatenkleidung mit Helm und Schild auf einer Wolke und weist einen kleinen Engel an, mehrere brennende Häuser auf der Erde zu löschen. Der tut

St.Florian
St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein
  Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.


Das Altarblatt zeigt St.Leonhard, den wichtigsten Heiligen für die ländliche Bevölkerung.
Im schwarzen Benediktinerornat kniet der Heilige auf einer Wolke im Himmel. Er grüßt hinauf zur Heiligsten Dreifaltigkeit, die in den Personen Vater (mit blauer Erdkugel, Christus (im roten Mantel mit Kreuz) und dem Heiligen Geist (in Gestalt einer darüber schwebenden Taube) auf einer höheren Wolke thront. Engel halten die Attribute des Heiligen, den Abtsstab und die Viehketten.


Glorie des hl.Leonhard
Das Bild zeigt den hl.Leonhard am unteren Bildrand noch in einer weiteren Szene. In einem Gebäude, das durch die vergitterten Fenster als Gefängnis zu erkennen ist, besucht der Heilige einen Gefangenen und reicht ihm helfend die Hand.
Am linken unteren Bildrand ist ein ländliches Idyll am Fluss zu sehen, auf dem Pferde auf einer Wiese herumspringen.

Früher war der rechte Seitenaltar der hl.Barbara geweiht. 1)

In einem barocken Schrein mit vergoldeten Verzierungen auf der Mensa steht eine Kopie der Altöttinger Madonnenfigur.
Die schwarze Muttergottes trägt das Jesuskind auf dem rechten Arm und hält ein Zepter in der linken Hand. Das Haupt wird von einer Herzogsmütze bedeckt.
Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Hier bildete sich ab 1489 eine Wallfahrt mit derzeit rd. 1 Mio Pilger im Jahr. 28) Im Laufe der Jahrhunderte hat man in den Kirchen viele Nachbildungen der Figur aufgestellt, um die Verehrung auch für die zu ermöglichen, die keine Gelegenheit zur Wallfahrt hatten. Motto: Die Figur kommt zu den Menschen. 43)
Die Muttergottesfigur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann. 27)

Altöttinger Madonna


Fenstergemälde

Die zehn hohen und zwei (wegen der Empore) niedrigeren spitzbogigen Fenster sind oben mit gotischem Maßwerk verziert. Maßwerk sind gotische Dekorformen (Kreisbogenornamentik), die mit Zirkel, Lineal und Winkelmaß gemessen, d. h. gestaltet wurden.

Fenster mit gotischem Maßwerk
Die Glasfläche wird aus rundverbleitem Antikglas gebildet. Auf der rechten Seite sind noch die alten Gläser erhalten; auf der linken Seite wurden sie 1985 erneuert.


Zwei Nordfenster des Kirchenschiffs (im 4.Joch) enthalten Glasgemälde aus der Erbauungszeit (1468). 1)
Sie sind inzwischen kaum mehr lichtdurchlässig.
Die Glasbilder sind in Grisaille (Malerei in verschiedenen Grautönen) erstellt; diese Technik war besonders im 15. u. 16.Jh gebräuchlich. Die Bilder enthalten die Stifterwappen. In einem ist das Wappen der Fraunberger (Ehemann), im anderen das Wappen der Pappenheimer (Ehefrau) dargestellt. Größe jeweils: ca. 50 x 30 cm.
-Fraunberger Wappen: weißes, springendes Pferd
-Pappenheimer Wappen: 6 Eisenhüte, weiß vor blauem Grund.

Georg, Sebastian und Joh.Baptist
In den gegenüber liegenden Südfenstern befinden sich Bilder vieler Patrone:
drei stehende männliche Heilige: Kirchenpatron St.Georg, St.Sebastian (Pestpatron) und     Johannes der Täufer (Namenspatron des Stifters),
sowie drei weibliche Heilige: St.Katharina (Namenspatron einer Tochter der Stifter), Anna     selbdritt (Namenspatron der Stifterin) und St.Barbara (Namenspatron einer weiteren Tochter
    der Stifter). Darunter knien die beiden Stifter in Portraitform.
  
Katharina, Anna,
und Barbara
                      1881 war der Verkauf der Glasgemälde geplant, um die Kasse zu füllen. Die Begründung des Pfarrers
von Jarzt ist im Schreiben vom 2.1.1881 an das Ordinariat München enthalten:
  "Herr Ulrich Bauer, Altertumssammler von München ... war vorgestern hier, in der Absicht, 4 gemalte Fensterscheiben mittelalterlicher Kunst von der Kirche Weng anzukaufen. Diese Scheiben befinden sich an den 4 Fenstern theils neben theils hinter dem Hochaltar, an jedem Fensterstock eine und 3 davon stellen Heiligenbilder, 1 das Wappen der Frauenhofer'schen Familie das. Das Angebot hiefür war 300 Mark, die er alsogleich erlegen will, bevor die 4 Scheibenherausgenommen werden; auch verpflichtet er sich, unentgeltlich 4 andere gemalte Fensterscheiben hiefür einsetzen zu lassen. Da nun diese 4 Fensterscheiben schon ziemlich defekt sind, und eine davon schon durchlöchert und zersprungen ist, dann aber auch die Kirche Weng ganz arm ist, und das Geld nothwendig braucht, so wäre in Anbetracht der obwaltenden Umstände der ehrfurchtsvollst Unterzeichnete nicht abgeneigt, auf diese Kaufsbedingungen einzugehen, ersucht jedoch die oberhirtliche Stelle zuvor um ihr Gutachten ... bevor er seine Einwilligung zu diesem Kaufsofferte gibt ..."
Das Ordinariat lehnte das Vorhaben ab.

1898 bis 1901 erfolgten umfangreiche Reparaturmaßnahmen an den Fenstern (Neueinglasung, Reparatur der Maß- und Strebewerke) 37)
Aus den Kirchenrechnungen ist zu ersehen, dass vor großen Unwettern der Zimmergeselle die Fenster mit Brettern sichern musste.
1942, im 2.Weltkrieg, wurden die wertvollen Glasgemälde wegen befürchteter Bombenschäden in den Keller des Pfarrhauses ausgelagert (Begründung: "Die Verschärfung des Luftkrieges macht es notwendig, die wertvollen alten Glasgemälde zu sichern).


Frühere Kanzel 37)

Die Kirche hat keine Kanzel mehr; sie wurde bei der Renovierung von 1971 entfernt. Sie war erst 1960 von der Kirche in Singenbach (Gem.Geroldsbach/PAF) für 50 DM erworben worden; zu einem Zeitpunkt, an dem Kanzeln ihre eigentliche Funktion als Predigt-Ort schon verloren hatten. Nach ihrem Abbau 1972 dürfte die Kanzel in ihren Einzelteilen ins Diözesandepot gekommen sein, wo sie unter der Herkunftsbezeichnung "Weng" aufbewahrt wird.

früh.Kanzel
Denn Dr.Benker vom Landesamt für Denkmalpflege hatte sich nach einer Ortsbesichtigung am 9.6.1971 in Weng anlässlich der Renovierung erbost geäußert:
     "Erstaunt sind wir, daß wir bei der Entfernung der Kanzel vor vollendete Tatsachen gestellt
    wurden. Wurde doch dieses wertvolle Stück feinster Schreinerarbeit seinerzeit (1959) durch
    unsere Bemühungen hierher gerettet und konnte nun als gesichert gelten. Sein Abbau bringt
    ihm Gefährdung. Wenn auch nicht zur Kirche gehörig, schloß sich dieses Werk doch gut den
    anderen Holzarbeiten, wie dem Chorgestühl, an."
Diese Beschreibung könnte auf den Kanzelkorb zutreffen, der in den Beständen des Diözesandepots entdeckt wurde. Es handelt sich dabei um ein Stück, das im Jahr 1615 im Stil der Spätrenaissance gestaltet worden war; eine  "sehr fein gearbeitete Holzlegearbeiten, fast wie gemalt",  berichtete Pastoralreferent Bernhard Skrabal.

Einlegearbeit

Im Rahmen der Innensanierung von 2017-2018 hatte man überlegt, ob man die hochwertige Kanzel wieder in der Kirche anbringen soll. 36) Platz wäre auf der Südseite gewesen, auf der die alte Kanzel von 1615 früher an einem Pfeiler angebracht war.

Auch früher besaß die Kirche natürlich eine Kanzel. Aus den Kirchenbüchern ist ersichtlich, dass 1846 der Maler Baumann aus Freising die damals bestehende Kanzel vergoldet hat ("Vergoldung der Kanzel 20 fl. "). Ein Jahr später ist von erneuten Reparatur durch den Kistlermeister Petzler die Rede ("für Reparirung der Kanzel, Stiege und Halldeckel 20 fl. "). Der Grund für den raschen Verfall ist nicht bekannt. Aber auch diese doppelt reparierte Kanzel hielt nicht lange. Sie stürzte schon 15 Jahre später (1861) ab, weil die Tragbalken abgefault waren. Über Verletzungen von Personen (Pfarrer oder darunter sitzende Gläubige), die bei einem derartigen Unglück bei der Osterpredigt nicht auszuschließen sind, ist nichts bekannt.
Auch nicht, ob man die Trümmer wieder für eine neue Kanzel hergenommen oder eine neue Kanzel gebaut hat.
Die Kirchenverwaltung Weng erstattete am 17.4.1861 folgenden Bericht an das Landgericht Freising:
  "Bei der am Ostersonntage (= 31.März 1861) Nachmittags abgehaltenen Predigt in der Filial-Kirche Weng stürzte um 3/4 auf 3 Uhr die neue Predigt-Kanzel, welche Schreinermeister Petyler um theures Geld im Jahre 1847 erst aufstellte, ein, weil er die Kanzel auf die alten, verfaulten Träger setzte, und den Stiegenträger, der noch frisch war, abschnitt, da er die Stiege an die Kanzel ansetzte."
Der Schreinermeister habe die Beseitigung des Schadens zwar versprochen, aber bisher nicht Wort gehalten.

Möglicherweise hat man bei dieser Gelegenheit auch den Standort getauscht; denn aus dem Jahr 1910 ist bekannt, dass sich die Kanzel auf der Nordseite der Kirche befand, dies galt auch nach dem 2.Weltkrieg noch 41). 1959 empfahl das Landesamt für Denkmalpflege, die  "Kanzel aus dem vorigen Jahrhundert"  nicht mehr restaurieren zu lassen, sondern  "den Erwerb einer guten alten im Benehmen mit uns anzustreben".
Das war die oben erwähnte Kanzel aus Singenbach.


Figuren im Kirchenschiff



Kanzelkreuz mit Mater dolorosa

An der linken Seite ist das Kanzelkreuz mit darunter stehender Mater dolorosa angebracht. Das Kreuz wird Kanzelkreuz genannt, weil es in der Regel gegenüber der Kanzel an der Wand hängt. Das war auch in Weng so. Allerdings befand sich das Kanzelkreuz noch 1910 an der gegenüberliegenden Seite, weil links die letzte Kanzel angebracht war. Das Kanzelkreuz erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. Das Kruzifix (oder nur der Corpus ?) soll aus Papiermaché sein. Der mit 1,80 cm lebensgroße Korpus stammt aus dem frühen 18.Jh.; er trägt eine echte Dornenkrone. 9)

Die trauernde Muttergottesfigur (Mater dolorosa) ist dem Typus der Herzogspitalmadonna nachempfunden (spätes 18.Jh.). Sie hat zum Zeichen der Betrübnis die Hände über der Brust gekreuzt, in der ein Schwert steckt. Dieses Schwert entspricht dem Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

An der rechten Seite steht auf einem Sockel eine Muttergottesfigur aus gotischer Zeit. Es ist keine Holzfigur, sondern besteht aus Ton, der bemalt wurde. 1) Das Kind auf dem linken Arm der Gottesmutter hält mit beiden Händen eine Traube. Maria trägt in ihrer rechten Hand einen Apfel. Man geht davon aus, dass die Figur ursprünglich auf dem linken Altar gestanden hat. Die Traube ist Symbol für das kommende Leiden Christi, der Apfel für die Überwindung der Paradiessünde durch Maria, die auch als zweite Eva gilt.
Die reparaturbedürftige Figur stand noch 1962 auf dem linken Seitenaltar.
14) Ihren Platz an der rechten Seite erhielt sie 1964. 1)

Madonna
Auf der gleichen Seite steht seit einiger Zeit eine neue Herz-Jesu-Figur. Der sehr kraftvoll dargestellte Jesus im wallenden roten Mantel mit Goldborte zeigt mit beiden Händen auf das brennende Herz, das auf seine in grauer Farbe gefasste Tunika gemalt ist.
Es ist -nach der Gloriole auf dem rechten Seitenaltar und dem Deckengemälde im Langhaus- die dritte Herz-Jesu-Darstellung in der Kirche von Weng.

Herz-Jesu-Figur
Gegenüber der Muttergottesstatue stehen auf der linken Seite (Nordseite) des Kirchenschiffs zwei
unterschiedliche Holzfiguren des auferstanden Christus:
—   einmal als Schmerzensmann, der dem Betrachter seine Wunden zeigt,
—   daneben als strahlender Sieger über den Tod, mit der Fahne in der Hand.

Schmerzensmann


Auferstandener

Der Schmerzensmann in Weng wurde am Ende des 15.Jh., also zur Erbauungszeit der Kirche, geschnitzt. 1)

Der Figurentypus des Schmerzensmannes geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmer-zensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt mit leidendem Ausdruck dem Betrachter seine Wunden.

Im Spätmittelalter und Barock entwickelt sich aus dem Typus des Schmerzensmannes der des Auferstandenen, wobei Christus eine selbstbewusstere Haltung einnimmt, mit seiner Hand eine Fahne ergreift und seine Füße auf eine Weltkugel stellt 32).
Diese weiterentwickelte Figur ist in Weng der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand. Die Figur des Siegers über den Tod stammt aus der Zeit um 1730/1740 und ist neu gefasst (= bemalt). Auch er zeigt seine Wunden, doch sein Auftreten ist nicht das eines Leidenden, sondern das eines Siegers, dessen Gesichts-züge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln und dessen wehendes Gewand die Dynamik des Siegers unterstreicht.


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Beichtstuhl

An der Nordwand im Kirchenschiff ist unter dem Kanzelkreuz ein prächtiger dreiteiliger Beichtstuhl im Stil des Neurokoko (um 1900) angebracht. Er ist nach Auskunft von StDir. Weber im 20.Jh. von einer anderen Kirche übernommen worden. Der Beichtstuhl besteht aus grün/rot marmoriertem Holz und ist teilweise vergoldet. Insbesondere der geschwungene Gitteraufsatz mit Rosen, Rocaillen und Engelsköpfchen ist sehr dekorativ.
Ob es sich um den Beichtstuhl aus der Anstaltskirche von Ecksberg handelt, der 1969 erworben und 1972 wieder aus der Kirche entfernt wurde, ist mir nicht bekannt.

Türen

Drei Türen mit Spitzbogen sind an der Westwand zu sehen. Die südliche Türe unter der Empore führt über den Treppenturm zu den Glocken. Die Türe in der Mitte ist Zugang zum Erd-geschoss des Turms, das als Neben-raum genutzt wird.

Beide Türen sind einfache Stufenportale, mit 1 bzw. 3 profilierten Stufen. Die Türe neben der Orgel ist zugemauert. Es war eine von einem höheren Spitzbogen überwölbte Rundbogentüre.


L
aiengestühl / Kirchenbänke

Die Kirchenbänke für die Laien (16 Reihen ohne Mittelgang) besitzen alte Wangen aus Eichenholz aus dem 3.Viertel des 18.Jh.
Die Bänke wurden erneuert.
Unter der zweiten bis vierten Bank befindet sich die Gruft.


Weihnachtskrippe

Krippe  

  In der Weihnachtszeit wird in der Kirche eine schöne Krippe aufgestellt.


Weihnachtskrippe

Stiftergrabmal


Hochgrab für die Kirchenstifter
Hans und Anna Fraunberger
Vor der Empore ist an der nördlichen Seite das prächtige Hochgrab (1472) aus Rotmarmor errichtet, das an die Kirchenstifter Hans Fraunberger zu Haag auf Massenhausen und seiner Ehefrau Anna Marschalkin zu Pappenheim erinnert.
Auf der Grabplatte sind die Stifter in einem Relief dargestellt. Beide knien auf einem von Engeln gehaltenen Teppich und haben die Hände in Gebetshaltung gefaltet. In der oberen Hälfte der Platte ist der von zwei Engeln begleitete Christus dargestellt, der die rechte Hand über seine Seitenwunde legt und mit der Linken hinabweist auf die beiden Stifter. Die Umschrift lautet: "hye leyt (hier liegt) die Edell. fraw fraw Anna von fravnberg - fraw zum Hage geborenn Marschalkin von Bappenhaim der got genadig well sein. Der stain ist ausgemacht zu sand. Jorgen tag
(= St.Georgstag: 23.April) Anno dnj m cccc lxxij jaren".

In der Chronik von Massenhausen 1) ist hierzu zu lesen:
                 Anna Marschalkin von Pappenheim, die Witwe jenes Hannsen Fraunberger von Haag zu Massenhausen, der mit
                 Hilfe armer Leute (=Bauern) und der Samblungen des Gotteshauses zu Weng vonn neuem (!) auferbaut hat 20),
                 hat 1477 dieses Benefizium zu Weng gestiftet und hat noch zu Lebzeiten den schönen Grabstein in der Kirche
                 zu Weng fertigen lassen".
1490 verkauften die Fraunberger ihre Hofmark Massenhausen (und mit ihr die Ortschaft Weng) an die Grafen von Hardeck. 1499 kam das Gebiet an das Hochstift Freising. Die Bischöfe waren aber nur die Hofmarksherren ; landesrechtlich blieb die Hofmark Massenhausen Teil des Herzogtums Niederbayern (ab 1505: Bayern).
"Die Steinmetzarbeit gehört zu den besten Leistungen spätmittelalterlicher Plastik in unserer Gegend und ist wohl sicher eine Arbeit der Münchner Schule", schreiben Bezold/Riel
11). Das Hochgrab ist leer, die Stifter sind hier nicht begraben. 15) Ursprünglich lag das Hochgrab vor dem Hochaltar vor dem Chorbogen 16) zwischen dem zweiten und vierten Kirchenstuhl. 37)


Hans Fraunberger zu Haag auf Massenhausen und seiner Ehefrau Anna Marschalkin zu Pappenheim


1929 wäre das Grabmal fast aufgelöst worden. Damals beseitigte man das offenbar bereits früher von der Kirchenmitte kurz vor die nördlichen Langhauswand der Kirche transferierte Hochgrab der Anna von Fraunberg und versetzte die Deckplatte in die Langhausmauer. Als Begründung hat man nicht nur den Raumgewinn angegeben, sondern auch den Wunsch, die Grabplatte besser präsentieren zu können. Gegen diese Versetzung nahmen die Behörden entschieden Stellung und erreichten schließlich 1939, also 10 Jahre später, mit staatlichem Zuschuss von 300 Mark eine Wiederaufstellung des bedeutenden Grabmals so wie wir es heute kennen. Das Landesamt für Denkmalpflege gab dem Zuschuss auch eine Pflegeanleitung mit: "Der Stein ist mit einer weichen Bürste zu reinigen und dann mit lauwarmem Wasser, das mit ganz wenig reiner Kernseife versetzt ist, gründlich abzuwaschen. Dann, wenn er trocken ist, ist er mit säurefreiem Leinöl einzulassen und tüchtig zu verreiben, daß kein speckiger Glanz entsteht". 37)

Welcher Bildhauer ?
Das Bezirksamt Freising kommt in einer Expertise von 1937 zur Auffassung, das Hochgrab in Weng könnte vom selben Bildhauer gefertigt worden sein, wie das bekannte Wittelsbachergrabmal für Kaiser Ludwig den Bayern:
  "Das Grabmal in Weng gehört zu den bedeutendsten Arbeiten der spätgotischen bayrischen Plastik und ist nur wegen Abgelegenheit des Ortes weniger bekannt als andere derartige Arbeiten. Es ist aufs nächste verwandt mit der Grabplatte des Jörg Laiminger, + 1476 in Amerang. Was aber bisher noch nicht beachtet wurde, nach meiner Ansicht steht das Denkmal im engsten Zusammenhang mit dem Wittelsbachergrabmal für Kaiser Ludwig den Bayern in der Frauenkirche zu München, das um 1470-85 entstanden sein dürfte und nicht von Erasmus Grasser stammt, sondern von einem anderen bedeutenden, bis jetzt nicht mit Namen nachgewiesenen Bildhauer in München. Dieser hat offenbar alle drei Hochgräber gefertigt. Aus dieser Konstatierung geht schon die hohe künstlerische Bedeutung des Grabmals in Weng hervor."
Inzwischen geht man davon aus, dass die spätgotische Tumba für Kaiser Ludwig den Bayern in der Münchner Frauenkirche ein Werk des Münchner Bildhauers Hans Haldner ist (der barocke Überbau stammt von Hanns Krumpper). Haldner, der Meister in der Bauhütte zu Regensburg und Lehrer von Erasmus Grasser, könnte auch der Schöpfer des Wenger Grabmals sein. 44)


Ölgemälde

Über dem Eingang auf der Südseite hängen zwei ca. 210 x 145 cm großen Ölbilder (auf Leinwand). Sie dürften um 1600 9) -andere Quelle: 1660 1)- entstanden sein. Man nimmt an, dass sie nicht für Weng bestimmt waren, sondern erst nach der Säkularisation 1803 aus einem aufgelösten (Benediktiner-)Kloster (wohl Weihenstephan) erworben wurden 29). Die Bilder waren vor 1972 in der Jarzter Kirche aufbewahrt worden. Der Kreisheimatpfleger Alois Angerpointner erklärte den Bezug zu den Benediktinern damit, dass die Wenger Kirche im 15.Jh. (ersatzweise ?) den Benediktinern angeboten wurde, die dann aber ebenfalls kein Kloster bauten. 1)

 

Eines der Bilder, vermutlich früher ein Altarblatt, zeigt Maria Magdalena mit einem Salbgefäß. Die Heilige legt ihr Geschmeide ab, das von Englein zu ihren Füßen in Empfang genommen wird. Ihr Attribut, das Salbgefäß aus Porzellan, ist bei den Putten schon angekommen. Links hält ein Englein einen Totenkopf und eine Rute, die Symbole der Buße, Einkehr und Reue. Im Hintergrund wehrt ein Engel die bösen Geister der Leidenschaften mit einem Flammenschwert ab. Im Bild oben die Hl.Dreifaltigkeit, Gott Vater zeigt mit dem Zepter nach unten, Christus präsentiert seine Wunden und der Hl.Geist schwebt in der Gestalt einer Taube zwischen ihnen. Insgesamt 11 Engel füllen die Zwischenräume des Geschehens.

Das andere Gemälde zeigt die Aufnahme des hl.Benedikt in den Himmel. Im oberen Teil sitzt Christus mit den fünf Wunden als Richter, -umringt von den Aposteln- zwischen seiner Mutter und Johannes dem Täufer (mit Lamm) auf Wolken. Im unteren Gemäldeteil stehen:
links Papst Gregor der Große, daneben ein hl.Bischof, in der Mitte St. Benedikt, dahinter dessen Schwester St.Scholastika, auf deren Gewand ein Bild ihres Bruders gezeichnet ist, sowie eine weitere hl.Nonne. Im Hintergrund befinden sich noch weitere Heilige aus dem Benediktinerorden.
Ganz unten schließen vier umtriebige Putten das Gemälde ab.


Maria Magdalena


St.Benedikt

Die Gemälde wurden mindestens schon zweimal renoviert:
- Durch rückseitige Aufkleber sind umfangreiche Restaurierungsarbeiten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts nachzuweisen, dabei
   wurden großflächige Flicken aufgeklebt (vermutlich mit Leinöl)
- Beide Gemälde waren Ausstellungsstücke bei der Ausstellung "1250 Jahre Bistum Freising" 1989. Deshalb wurden sie vorher
   durch das Restauratorenpaar Henning Strube und Beate Strube-Bischof aus München im Jahr 1989 restauriert. Zur Ausstellung
   abgegeben wurden die Bilder mit Goldrahmen, zurückgegeben wurden sie ohne Rahmen. Die Begründung für den Einbehalt sind
   mir nicht bekannt. Seither hängen die Gemälde rahmenlos an der Südwand in Weng. 37)



Kreuzwegbilder

An der Emporenbrüstung hängen die 14 Kreuzwegbilder, die 1737 vom Veitbauern (Veit und Anna Gallinger) in Kleineisenbach gestiftet worden sind.
Dazu mussten die Stifter eine Genehmigung des Bistums einholen. Mehr dazu...

Damit gehören diese Kreuzwegbilder zu den ältesten in unserer Gegend, da erst zu Beginn des 18.Jh. in bayerischen Kirchen die ersten Kreuzwegbilder aufgehängt worden waren.

Der Papst hatte diese Form der Betrachtung des Leidens Christi 1731 mit hohen Ablässen bedacht, um sie zu fördern. Auf diesen Ablass weist auch der Text auf einem Votivbild an der Westwand hin, der die Stiftung des Kreuzwegs behandelt.
Text: "Dißen H.Creutz-Weeg hat aufrichten, und Einsetzen lassen Der ehrbahre veith gallinger gewester veith-paur zu klaineißenbach, Ano 1737. o ihr Christen hier zue lauffet, schauet unßer Ellent an. Ohne gelt den Creutz-Weg khaufet, dißer ablass helffen kan, selben offt zu unß abschicket, und in unßer pein erquikhet, Gott wird gwiß nach dißen leben, hundertfachen lohn euch geben. Helfft Zusamen, löscht die flamen."

Allerdings scheinen die 87 x 64 cm großen Bilder (Öl auf Leinwand) in späterer Zeit übermalt worden zu sein 9).

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...

 


Orgel
Auf der Empore steht eine große Orgel als freistehende Orgelpfeifen im trapezförmigen Prospekt. Sie wurde im Jahr 1925 oder 1928 37) von den Orgelbauern Carl Schuster und Magnus Schmid, dem Erbauer der Domorgel in Freising, als zweimanualiges Werk mit 16 Registern erbaut. Anlass war die 100-Jahr-Feier des Erzbischöflichen Knabenseminars in Freising, das 1828 gegründet worden war. Die Orgel wurde in der Kapelle des Seminars aufgestellt und von Weihbischof Dr.Johannes Schauer eingeweiht.

Orgel von 1925

Als knapp 50 Jahre später, 1973, das Seminar aufgelöst und im bisherigen Seminargebäude das Diözesanmuseum eingerichtet wurde, hat man die Orgel nach Weng abgegeben.
Hier wurde sie von Max Sax Altmühld. eingebaut und erweitert. Regionalbischof Heinrich Graf von Soden-Frauenhofen segnete sie am 24.April 1976 im Rahmen einer großen Feier. Neben der Orgel ist auf einer Schranktüre der Weg der Orgel beschrieben.
Das Instrument wird von einem frei stehendem Spieltisch mit zwei Manualen gespielt, der 1976 von der Fa. Georg Glatzl, St.Gregoriuswerk Altmühldorf gefertigt worden ist 9), 17)
.

  Eine Orgel gab es in Weng auch schon früher.
Jedenfalls ist vom Jahr 1874 bekannt, dass das damalige Instrument mit sechs Registern ausgestattet wa
r 21) .
1912 wurde eine erst 1897 erbaute mechanische Orgel von Siemann mit 10 klingenden Registern, aus der Kirche von Feldafing für günstige 900 Mark erworben. Der Transport und die Aufstellung kosteten weitere 350 Mark. Der Kauf wurde durch den Verkauf eines 2,3 Tagwerk großen Grundstücks an die Amperwerke finanziert.
1959/60 wurde ein elektrischen Orgelmotor eingebaut. 37)
  Allgemeines zur Orgel 26). - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Allerdings stand das Bistum Freising schon im 9.Jh wegen seines Orgelbaues in hohem Ansehen. Papst Johannes VIII. (872-882) hatte sich 873 brieflich an den Freisinger Bischof Anno gewandt und ihn gebeten, er möge ihm ein gutes Instrument und einen Mann schicken, der die Orgel spielen und die Kunst der Musik zu lehren verstünde. Wo diese Orgeln in Freising standen (Kloster, Bischofshaus oder Kirche) ist nicht bekannt. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Sie soll, so die Liturgiekonstitution des II.Vatik.Konzils,  "den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar steigern und die Herzen mächtig zu Gott und den Himmel emporheben".
Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


 

Kuratenhaus

Barth-Benefizium 1875 1)

Im Jahr 1875 stifteten die Wirtsleute Barth aus Unterbruck ein weiteres Benefizium, das die Einrichtung eines Benefiziatenhauses zum Ziel hatte. Die "energische Posthalterin von Unterbruck", Frau Barbara Barth, verpflichtete sich, auf fünf Jahre die Baulast der Priesterwohnung in Weng zu übernehmen und anschließend noch einen Baufond von 1000 Gulden einzuzahlen. Damit war der Bau des Hauses in die Wege geleitet. Die Posthalterin aus Unterbruck wollte zudem erreichen, dass die beiden Kirchen in Weng und in Unterbruck von einem einzigen Benefiziaten versehen werden. Dies war nur möglich, wenn Unterbruck von der Pfarrei Jarzt zur Pfarrei Gremertshausen oder Weng von der Pfarrei Gremertshausen zur Pfarrei Jarzt umgepfarrt wurde. Man entschied sich für Letzteres, errichtete eine Expositur, die eine gewisse Selbstständigkeit garantierte (Ministerielle Entschließung vom 8.5.1874 mit Wirkung vom 22.5.1874). Der Expositus war nunmehr verpflichtet:
- jeden Sonn- u.Feiertag, am Kirchweihfest (am Sonntag nach Martini = 11.11.) und am
  Patrozinium (23.4.) in der Filialkirche zu Weng jeweils einen Gottesdienst zu halten und
- (an So- u. Feiertagen) einen öffentlichen Rosenkranz zu beten,
- die Stiftungsmessen für das Fraunbergersche Benefizium zu lesen,
- außerdem in Unterbruck drei Wochenmessen für das Köglsche-, das Kyrinsche- und das
  Paursche Benefizium. - Dazu kamen eine Wochenmesse u. ein Jahrtag für die Fam. Barth.

Das Kuratenhaus -damals Wohnhaus für den Expositus, denn der Priester hieß früher Expositus, später Kurat- wurde also um 1875 aus Mitteln des Benefiziums und der Gemeinde Weng errichtet. Die Gemeinde hatte einen Bauplatz von 7 Dezimalen und weitere Gründe von 36 Dezimalen zur Verfügung gestellt (ein Dezimal = 34 qm). Außerdem stiftete sie das Bauholz. Die Einwohner leisteten Hand- und Spanndienste. Die Tagelöhner für den Bau wurden von der Gemeinde bezahlt.

Grabstein der Wirtsleute Barth
In diesem Haus wohnten insgesamt 18 Kuraten. Der erste war Anton Aigner aus Söllhuben, der letzte Friedrich Reitz, der dem Orden der Salesianer angehörte und 1966 starb. Die Kuraten waren meist ältere Priester oder solche, die aus anderen Diözesen nach München-Freising wechselten. 16)


Heiliges Grab

In Weng dürfte es -wie in den meisten bayerischen Kirchen- seit Jahrhunderten ein Heiliges Grab gegeben haben, das an Karfreitag aufgestellt und einen Tag später wieder abgebaut wird.
In den Unterlagen wird aber nur ein Hl.Grab erwähnt, das der Bildschnitzer Georg Liedl aus Weng im Jahr 1947 für 600 Mark gefertigt und der Malermeister Christian Seibold aus Freising für 180 Mark bemalt hat. Die Chronik der Expositur Weng enthält dazu folgende Bemerkung:
  "Dem einheimischen Bildschnitzer Georg Liedl wurde der Auftrag erteilt für die Wenger Kirche ein Hl. Grab zu schaffen. Heuer wurde es zum ersten Mal aufgestellt. Im Großen u. Ganzen ist es gut gelungen, sicher für einen ungelernten Schnitzer eine sehr beachtliche Leistung; manches aber z.B. die beiden Tabernakelengel sind völlig danebengeraten.

Hans Schertl


Quellen:
01) Alois Angerpointner, 500 Jahre St.Georgs-Kirche in Weng, Amperland 1968
02) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.891)
03) Helmut Modlmayr, Chronik von Massenhausen, 1987
04) Handbuch des Königreichs Bayern, 1867 (Gemeinde Großnöbach)
05) Internetseite des Pfarrverbands Fahrenzhausen-Haimhausen, 2014
06) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50 (.., )
07) August Alckens, Landkreis Freising, 1962 (30j.Krieg)
08) Dr.Deutinger, "Series et brevis descriptio Parochiarum Diocesis Frisingensis ordine alphabethico, Ende 17.Jh. (§380)
09) Sylvia Hahn, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1984/85 (1910)
10) Zuschuss BY zu kirchl.Renovierungen-Königlich-bayer.Kreis-Amtsblatt von Oberbayern, 1858, S. 1473 (Renovierg 1858)
11) Bezold/Riel-Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895 S.436
12) August Alckens, Zwischen Isar und Amper, Landkreis Freising, 1969, S.30
13) Dr.Joachim Sighart, Die mittelalterliche Kunst in der Erzdiöcese München-Freising (S.131, 194), 1855
14) Rümann-Drave, Schlüssel zur unbekannten Heimat, Südd. Verlag München 1962 (Schlusssteine)
15) Vera Nitsche, Dachauer SZ vom 8.1.2010 (leeres Hochgrab)
16) Geistl.Rat Anton Mayer, Wege-Zeichen-Glauben, Chronik der Pfarrei Jarzt, 2007
17) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
18) Handbuch des Konigreichs Bayern von 1867
19) Eisenmann-Hohn, Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern von 1832,S.1047
20) Wiguleus Hund, Bayrisch Stammen-Buch S. 61, Sartorius, 1598(Text siehe unten...)
21) Beneficiat an der Domkirche Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
22) Freisinger Tagblatt vom 6.April 1913 (Nothelferfiguren), Quellenforschung: Wolfgang Nagel, Weng
23) Eine kleine Ortschronik von Weng, http://www.svaw.de/html/chronikweng.htm
24) Max Gruber, Der Freisinger Hofmaurermeister Dominikus Gläsl, Amperland 1967
25) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
26) E. Rupp, Die Entwicklungsgeschichte der Orgelbaukunst, Einsiedeln 1929
27) Bernhard Hüsebusch, Tagung zu Schwarzen Madonnen, MKKZ v. 8.8.2010
28) http://www.neueschatzkammer.de/de/bedeutende-marienwallfahrtsorte-europa, Zugriff 2015 (Altöttingpilger)
29) Festschrift zur 1250-Jahrfeier der Diözese München und Freising, Das Dekanat Weihenstephan, 1989
30) www.heiligenlexikon.de/Glossar/Zahlenmystik.htm, Zugriff Jan/2016
31) Brigitte Riese, Lexikon der Ikonographie, 2007, S.364, ISBN 978-3-86502-102-1.): Stichwort Salvator Mundi
32) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern v. 1876, S.103
33) Geschichtsdarstellung im Schaukasten an der Kirche, 2013
34) Bernhard Skrabal, Zum Bauen in Haimhausen u. Fahrenzhausen, Kath.Pfarrbrief, Herbst 2016 (Renovierung)
35) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
36) Bernhard Skrabal, Neue/alte Kanzel für Weng ?, Oster-Pfarrbrief Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen 2017
37) Dr.Stefan Nadler u. Maria Hildebrandt, Inventarisierung Kuratiekirche Weng, 2002
38) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland wirkende Maler, Amperland 1987
           Joseph Anton Niggl (1692-1778), Hofmaler in Freising, von dem auch Werke in Inkofen Au bei Mainburg,
           Langenbach, Achering und Unterzolling nachweisbar sind
39) Kirchenpfleger Franz Wildgruber, 13.5.2017
40) Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
41) Baustellenführung durch Architekt Hlawaczek am 14.4.2018
42) Vorbericht über den Tag des offenen Denkmals, Aus da G'moa, Aug./Sept. 2018, S. 28
43) Rudolf Goerge, Kreisheimatpfleger, Kirchenführung am Tag des offenen Denkmals, 9.9.2018
44) Ramisch/Hundemar, Die spätgotische Tumba für Kaiser Ludwig den Bayern aus dem Jahre 1468, Regensburg (1997)


99 Bilder: Bernhard Skrabal (2), Hans Schertl (97)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

15.4.2018

von Wiguläus Hundt
Bayrisch Stammen-Buch

aus Kapitel "Vom Hag", 1598

...
Ich find nit mehr Fraunberger vom Hag die Mässenhausen inngehabt / als obgemelte (= oben erwähnte) zwen Herr Hannsen Vatter und Sun (= Sohn)/ als nun der Sun kein Manns Erben gehabt / hat er vil zu Gottshäusern unnd Gottsdienst gestifft / nemblich zwo Messen zu Mässenhausen / und ein Meß zu Neufaren.
Wolff von Preising zu Kopffsperg sein Schwager / dann sie hetten zwo Schwesteren. Sigler umb die Messen zu Mässenhausen / Anno / etc. 1446. Er stifft auch daselb ein Quatember Jartag / Anno / etc. 1472.

Er unnd sein Haußfraw haben / doch mit hülff amer Leuth unnd der Samblung / das Gottshauß zu Weng in der Hofmarck / von newem aufferbawt / deß Vorhabens etlich ihre gestiffte Messen dahinzulegen / unnd einen halben Stifft daselb auffzurichten / ist villeicht durch sein Absterben / Anno/etc. 1477 verbliben. / Aber desselben Jars hat sie daselb zu Weng auch ein Meß gestifft / das Lehen nach ihrem Todt auff die Herzogen zu Landtshut gestelt/ und ligt daselb zu Weng begraben / unter eim schön erhebten Stein / den sie inn ihrem Leben / Anno/ etc. 1472 außmachen lassen / wie darauff geschriben stehet.

Obgemelter Herr Hanns der letzt von Mässenhausen ubergab das Schloß und Herrschafft zum Hag / so auff absterben obgemeldtes Herr Wolfen Pflegers zu Tettlhaimb gar an nihne kommen / seinem Vatter Herr Sigmundt Fraunberger vom Hag zu Prunn Herr hannsen von Prunn Sun. ...


Stiftung des Kreuzwegs 1737

Gesuch der Stifter an die Behörde Geistlicher Rat in Freising vom Sept. 1736:

  "Austragsehepaar Veit u. Anna Gallinger von Kleineisenbach an Geistl. Rat:

"... bey vns beschlossen haben mit Eur hochfürstl. Durchleucht gdisten Consens den verdienstlichisten vnd preiswürdigisten H. Creuz-Weeg in dem lobl. Filial-Gottshaus S. Georgii M. in Weng Kreimertshauser Pfarr auf vnser aigne Vnkosten Einsezen zu lassen, auch selben mit denen Erforderlichen schönen vnd daurhafften Stationen zuziehren. Gelangt demnach an Eur hochfürstl. Durchleucht vnser .. bitten, dises vnser guette vorhaben zu vnsern, auch einer ganzen gemain vnd Nachbahrschafft höchsten Trost, wie nit minder zu grösseren Flor vnd aufnahm dises schönen Gottshaus mit dero gnädgsten consens zubegnädigen ..."

Der Geistl. Rat erteilte die Erlaubnis zur Einsetzung des Kreuzwegs erst im Januar 1737.


Versteigerung der Kircheneinrichtung 1806

"Auszug aus dem Licitations Protocoll vom 3.9.1807, welches über die Paramenten der Kirche zu Weng gehalten worden ...

Käufer Gegenstand Betrag
Glockengießer Kriegerl von München 1 Altar 5 fl
1 Tabernackl 1 fl. 30 x
Der Glockengießer 4 Statuen 20 x
hat seine Paramente
Piramiten (=Reliquiare) 41x
noch nicht abgenohmen. 1 Seitenaltar 1 fl. 39 x
1 Seitenaltar 1 fl. 40 x
1 Klingel von Messing 44 x
1 Beichtstuhl 15 x
1 Fahne 16 x
1 Christkindl 6 x
Fischer von Weng 10 hölzerne Leichter 2 fl. 24 x
  1 Altartuch et substract 1 fl. 25 x
hat nichts abgenohmen. 4 kleine Statuen 13 x
2 Urständ mit Kästen 24 x
1 kupfernes Weichbrunkessel 19 x
1 Tisch bei der Thür für das Meßglöckl bei der Sakristey 12 x
Todtenkerkerholzwerk 8 x
Veit Bauer von Eisenbach 2 Pfund Wachs 49 x
1 kupfernes Weichbrunkessel 1 fl
14 Nothhelfer 2 fl. 15 x
1 Kasten hintern Hochaltar 48 x
2 kleine Kristkindeln 1 fl. 7 x
1 Wetterkreuz 2 fl. 36 x
Woferl von Weng, 1 Opferstock 1 fl. 31 x
hat nichts abgenohmen. 1 Tafel et Bank 24 x
     
Herr Pfarrer Glas von Gremertshausen 2 kleine hölzerne Crucifix 4 x
hat seine Paramenten 9 Kelchtücheln, Taschen et Corporalia 1 fl. 48 x
schon vorlängst bezahlt Bücher, 3 kleine und 7 größere 1 fl
und zu sich genohmen.
Schäfer Tandler in Freysing 1 Rauchfaßl und Schifl. (kam nicht mehr zurück) 1 fl. 59 x
Glas ehemaliger Kastenschenk in FS Eisenes Gütter auf den Antritt (kam nicht mehr zurück) 66 fl. 12x
zu sich genohmen.
     
Peter Glas in Freysing 1 zinnerne Oblatbüchsen (kam nicht mehr zurück) 13 x
     
Kiesling von München 1 Mutter Gottes 2 fl. 36 x
2 Mutter Gottes Kleider 36 x
2 Ministranten Röck 40 x
Laumbäck Dantler von München 3 messinge Leuchter 9 fl. 12 x
hat nichts abgenohmen. 2 Meßgewänder ausschließlich den gelben 16 fl
2 Pfund Wachs 4 x
Die Glocken Pr. 4 Centen 77 Pfund 291 fl. 36 x
Die Schwengeln Pr. 9 Pfund 2 fl. 51 x


R
ückführung der Glocken und Paramenten nach Weng
Bericht des Pfarrers Joh. Bapt. Eichbüchler in Kranzberg vom 2.6.1809

"Gegen den Widerstand des Pfarrers Glas holten die Wenger am 29. Mai ihre Glocken von der Kirche Gremertshausen ab. "(...) Morgens schon vor sieben Uhr ... trafen die von Weng und Kleineisenbach mit einem vierspännig- und drey zweyspännigen Wägen in Gremertshausen ein, wo um 7 Uhr ein Seelengottesdienst gehalten wurde, nach dessen Ende wurden in größter Ruhe die Glocken vom Thurme, alle übrige der Kirchen von Weng aber zuständigen Geräthschaften und Paramente aus der Kirche genommen, und ordentlich aufgeladen. (...) Der Müller von Unterbruck führte mit vier schönen Rappen die drey Glokken. Diesem folgte ein zweyspänniger Wagen, worauf ein Bett befindlich mit einem recht hübschen persenen Ueberzug und einem Küßen, das mit einem schönen Tauftuch bedeckt war, auf welches das schöne Gemälde, die Mutter Gottes vorstellend, gelegt ward. Dann folgte der dritte und vierte zweyspännige Wagen mit den übrigen Geräthschaften und Paramenten ... ... und so ward also wieder alles Eigenthum der Wenger Kirche (nur die vorhin in den Altären verschlossenen heiligen Reliquien, das Chorgitter und ein Rauchfaß mangeln noch) ... (...) Die Wenger sind nun in voller Thätigkeit, ihre liebe Kirche recht bald und recht schön herstellen zu lassen, um ihrer Andacht wieder, wie vor dem Gräuel der Zerstörung, obliegen zu können. (...)" (AEM: PfA Gremertshausen, Benefizium Weng) "

 


Dr.Joachim Sighart

Die Kirche zu Weng bei Unterbruck  13)

aus dem Buch "Die mittelalterliche Kunst in der Erzdiöcese München-Freising" (S.131, 194), 1855

"Diese auf einen die Amper beherrschenden Hügel hingebaute geräumige Kirche gleicht vielfach der Kirche St.Alban bei Moosburg. Sie ist einschiffig, hat eingezogenen Chor, zierliche Streben, Netzrippen, hohe Fenster mit schönem Maßwerk und einen Spitzthurm im Westen. Die Kirche scheint eine Stiftung der Herren von Massenhausen zu sein aus den Jahren 1440-1450. Denn diese haben dort auch das Beneficium im Jahre 1477 gegründet und die Gräfin Anna, die Gründerin desselben, hat auch hier ein herrliches Grabmal.
(S.194): steht ...in Weng (bei Unterbruck) eine kolossale Statue des heil.Georg und zwei kleinere Statuen, Petrus und Paulus, hinter dem Hochaltare.... "


Gustav von B
ezold / Dr. Riehl
Beschreibung der Kunstdenkmale 1895

Die Expositurkirche St.Georg in Weng ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Freisinger Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde.

"Kirche
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Erbaut in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. An einem Schlussstein des Chores findet sich eine unleserliche Inschrift mit der Jahreszahl 1268, sie ist erneuert und es dürfte wohl bei diesem Anlass die gothische 4 in eine 2 verwandelt worden sein, woraus sich dann das Jahr 1468 als Erbauungsjahr ergeben würde. 1728 wurde die Kirche theilweise umgestaltet.
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Langhaus einschiffig, vier Joche, Chor, zwei Langjoche und Schluss in fünf Seiten des Achtecks. Sakristei an der Südseite des Chores.
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Thurm westlich, in der südlichen Ecke zwischen Langhaus und Thurm ein steinernes Treppenhaus, weiter oben Steintreppe im Thurm.
—  
Die Umgestaltungen des Jahres 1728 betrafen hauptsächlich das Langhaus.
Die eingezogenen Strebepfeiler wurden zu toskanischen Pilastern umgearbeitet. Ueber denselben runde Schildbögen und Tonnengewölbe mit Stichkappen.
—  
Im Chor ist der ursprüngliche Bau noch erhalten. Eingezogene Strebepfeiler mit ausgekehlten Ecken tragen die spitzen Schildbögen. Die Rippen des Netzgewölbes ruhen auf Kragsteinen. Runde Schlusssteine, auf dem westlichen ein Bild mit Inschrift, auf dem mittleren Wappen (nach rechts springendes Pferd, weiss in rothem Feld) auf dem östlichen S. Georg.
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Fenster mit verschieden gestaltetem, einfachem Masswerk.
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Die Thüren zur Sakristei, zum Thurm u. s. w. sind theils in Rundbogen, theils in Spitz- und Segmentbogen überwölbt und stehen alle in Spitzbogenblenden.
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Die Kirche ist sehr geräumig und von trefflichen Raumverhältnissen.
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Am nördlichen Schlussjoch gothisches Sakramentshäuschen, dreieckig, vortretend auf einer Wandsäule (die unteren Theile erneuert).
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An der Südseite Vorzeichen mit gothischem Gewölbe. Thurm unten viereckig, oben achteckig mit Spitzdach, einfach. - Abgestufte Strebepfeiler.
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Der linke Seitenaltar, der gleich dem rechten ein charakteristisches Werk der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist, wurde (laut Inschrift) 1738 durch Franz Anton von Fraporta, Domkapitular von Freising gestiftet, auf ihm steht eine sehr interessante bemalte Thonfigur des 14. Jahrhunderts, eine stehende Maria, auf deren linken Arm das Kind sitzt, das zwischen beiden Händen eine Traube hält, in der Rechten hält Maria einen Apfel. H. 93 cm.
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Südlicher Seitenaltar: Alte Kopie der Mutter Gottes von Altötting. H. 64 cm.
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Auf der Nordseite des Chores: Chorgestühl zu vier Sitzen mit beachtenswerthem spatgothischem Flachornament, 2. Halfte des 15. Jahrhunderts.
Hinter dem Hochaltar: Der Schmerzensmann stehend. Bemalte Holzfigur. Ende des 15. Jahrhunderts. Handwerksmässige Arbeit. H. 93 cm.
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Glasgemälde im Chor, aus der zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts:
1. Westliches Fenster der Südseite: a) Wappen der Frauenberg; b) Wappen der Pappenheim;
2. Ostfenster: a) S. Georg, Sebastian und Johannes der Taufer; b) Anna selbdritt, Katharina und Barbara, dabei kleiner der Stifter und die Stifterin. Beides gute Grisaillen.
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Die bei Sighart: Kunst der Erzdiöcese Miinchen - Freising S. 194 erwahnte kolossale Statue des hl. Georg (jedenfalls die alte Hochaltarfigur), die zwei kleineren ebenda erwähnten Figuren von Petrus und Paulus, die sich hinter dem Hochaltar befanden, sind nicht mehr vorhanden.
Grabmahl
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Am Westende der Nordseite des Schiffes:
Grabmal der Stifter in der Kirche, eine Tumba aus rothem Marmor, deren Untersatz ganz schlicht ist, die Platte enthält auf drei Seiten die Umschrift: " "hye leyt (hier liegt) die Edell. fraw fraw Anna von fravnberg - fraw zum Hage geborenn Marschalkin von Bappenhaim der got genadig well sein. Der stain ist ausgemacht zu sand. Jorgen tag
(= St.Georgstag: 23.April) Anno dnj m cccc lxxij jaren".
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Auf der Platte befinden sich in kräftigem Relief, die nicht ganz einen Meter grossen, knieenden Figuren der Frau Anna und ihres Gatten, die in reiche Gewänder gekleidet sind; in der oberen Halfte der Platte: das Brustbild Christi in dem von zwei Engeln gehaltenen Tuche. Der Grabstein gehort zu den besten Leistungen spatmittelalterlicher Plastik in der Freisinger Gegend und ist wohl sicher eine Arbeit der Münchner Schule.
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Der Grabstein von 1472, angefüihrt in dem Manuskript des Franz Eckher cod. bav. 2267, I. Band S. 99 der kgl. Staatsbibliothek. R. "


Renovierung des linken Seitenaltars 1913

Freisinger Tagblatt vom 6.April 1913

Weng, 4. April (Kirchenschmuck). Die 1268 (richtig 1468) erbaute große, baulich herrliche Exposituskirche in Weng hat durch die Güte eines hochherzigen Gönners in seiner dürftigen Innenausstattung einen neuen Schmuck erhalten in dem neurenovierten Seitenaltare mit den 14 Nothelfern. Diese schönen Halbfiguren mit dem wunderlieben Mutter-gottesbilde in der Mitte sind aus künstlerischer Hand und bilden die Hauptzierde des Altares. Dieselben stammen aus der St.Nikolauskirche in München (Neuhauserstraße), welche 1582 abgetragen und an deren Stelle die St.Michaelshofkirche erbaut wurde.

Hiebei kam nach dem Münchner Stadtbüchlein ein kleiner Seitenaltar mit den 14 Nothelfern in die St.Georgenkirche zu Weng im Landgericht Kransperg. Dieser kleine Altar wurde sodann 1738 durch einen vom Domkapitular Herz in Freising gestifteten größeren Seitenaltar ersetzt, in welchen statt des Altarbildes die 14 Nothelfer mit dem Muttergottesbilde passend eingefügt wurden. Dieser Seitenaltar nun, welcher leider 1807 die traurige Säkularisation der zum Abbruch bestimmten Kirche gesehen und welcher nach dem Auszugsprotokoll vom Glockengießer Kriegerl/Regnot in München um 1,39 fl. , die 14 Nothelferfiguren vom Veitlbauern in Eisenbach um 2,15 fl. angekauft waren, welch beides aber später ausnahmsweise der Kirche überlassen ward, wurde im vergangenen Winter von den Herren Malern Altmannshofer und Kremmer in Freising unter Aufsicht und Anleitung des Konservatoriums in München neu gefaßt, wobei die ursprüngliche Fassung mit ihren Farben und Vergoldungen wieder hergestellt wurde. Herrn Maler Altmannshofer und Kremmer kann ob der wohlgelungenen Renovierung des Altares in der Kirche Weng nur Anerkennung gezollt werden.

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Die Fassung der Vierzehn Nothelfer wurde 1913 verändert. Der zuständige Referent des Landesamts für Denkmalpflege Döttl notierte dazu am 18.10.1912: 37)
  "Die (bisherige) Fassung war folgende:
- Die Säulen waren blau auf Silber (Der Marmor wurde von Altmannshofer vor einigen Jahren gemacht).
- Die Nothelferfiguren hatten ebenfalls ganz andere Fassung, was die Kleider betrifft:
- Der Kessel des hl. Veit war gold nicht braun,
- das Kleid des Syriacus war gold,
- das Kleid des Veit rot, heute blau auf Silber.
- Die Bänder waren Glanzsilber nicht weiß."