zur Landkreiskarte        ausführliche Beschreibg.        Kirchen i.d. Gem. Fahrenzhausen


Filialkirche St. Laurentius in Viehbach



Adresse: 85777 Fahrenzhausen, Kirchweg 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Viehbach liegt 1 km südwestlich der Straße von Fahrenzhausen nach Petershausen, noch im Landkreis Freising. Es gehört mit seiner Filialkirche St.Laurentius zur Pfarrei Giebing.

Eine Kirche in Viehbach wurde erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 erwähnt.
Darin wird sie als Filialkirche der Pfarrei Vierkirchen beschrieben, zu der sie bis zur Neugründung der Pfarrei Giebing im Jahr 1804 gehörte.

Das Gotteshaus liegt am nördlichen Dorfrand in einem ummauerten Friedhof. Der Bau stammt zum Teil aus
- romanischer Zeit(untere Langhausmauern)
- der Gotik (Chor),
- der Barockzeit um 1700 (Langhaus vorderer Teil)

- der Neuromanik (westliches Langhaus).

Auf der Südseite befinden sich zwei kleinere Anbauten mit Satteldach:
- die Sakristei neben dem Chor und
- die Portalvorhalle über der Eingangstüre.

Der Turm besitzt ein Satteldach mit sechs Ecktürmchen und den Ziffernblättern der Kirchturmuhr auf den Giebelseiten.
Im Turm Darin hängen zwei alte Glocken; sie wurden von Bartholomäus Wengle im Jahr 1617 in München gegossen.

Innenausstattung

Die Kirche hat im Inneren, stilistisch gesehen, einen gotischen und einen barocken Teil.

Der gotische Altarraum ist mit einem (originalen) Netzgewölbe überdeckt. Die Fenster haben Spitzbogen, der Hochaltar ist neugotisch aus der Zeit um 1890. Darauf stehen Figuren von Johannes d. Täufer, St.Stephanus und St.Laurentius.

Das Kirchenschiff wurde in barocker Zeit errichtet. Es besitzt eine teilweise bemalte Flachdecke mit dem Gemälde "Verurteilung
des St.Laurentius".

Die Seitenaltäre sind herrliche Barockretabel mit prachtvollen Säulen und Altaraufsätzen. Sie sind
- links der Muttergottes (Marienfigur mit
  Jesuskind und im Aufsatz Halbfigur von
  St.Leonhard) und
- rechts dem hl.Sebastian (Figur am Marter-
  baum und im Aufsatz Halbfigur von
  St.Florian) geweiht.

Die Epitaphe in der Kirche stammen aus dem Ende des 16. und Anfang des 17.Jh.

EpitaphFensterSeitenaltäreFensterEpitaphKruzifixDeckengemäldeMater dolorosaSeitenaltäreZelebrationsaltarAltar
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Die weitere Figurenausstattung in der Kirche orientiert sich am bäuerlichen Umfeld:
 St. Ulrich mit einem Buch in der Hand auf dem ein Fisch liegt.
 St. Antonius mit Jesuskind auf dem Arm.
 St. Wendelin im Hirtengewand mit einer Schäferschaufel in der Hand und einem kleinen Schaf zu seinen Füßen
 St. Katharina mit Krone auf dem Haupt
 St. Laurentius mit Rost und Märtyrerpalmzweig
 St. Stephanus mit Steinen und einen Märtyrerpalmzweig
 St. Josef mit segnendem Jesuskind auf dem Arm und einer Lilie in der Hand und von Engelsfiguren umgeben
 ein Jesuskind mit Reichsapfel, Es sitzt auf einem ovalen Schaugefäß mit Reliquien.

Ein alter Brauch kommt in der Viehbacher Kirche an Christi Himmelfahrt zu Ehren: Nach dem Evangelium wird eine große Christusfigur durch das Heilig-Geist-Loch emporgezogen.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Matrikel 1738 Beschreibg 1874
    Gelübde    
Ausstattung: Altarraum

Baubeschreibung

Choraltar Chorbogen Deckengemälde
Empore Epitaphe innen Epitaphe außen Eingangsbereich Ewig-Licht-Ampel

Fenster

Figuren im Chor Figuren im Schiff

Kanzelkreuz

Kirchenschiff
Kreuzweg Mater dolorosa Orgel Ölbergtafel Prozessionslaternen
Seitenaltäre Tabernakel Zelebrationsaltar    

Viehbach liegt in -Höhe von Bachenhausen- 1 km südwestlich der Straße von Fahrenzhausen nach Petershausen.
Die Ortschaft Viehbach wird erstmals in Urkunden aus der Zeit um 1250/70 in den Abgabenbüchern der Freisinger Domherren genannt. Früher hieß die Ortschaft Vichtpach (von Fichten am Bach). Dies ergibt sich aus den Liegenschaftsakten des Klosters Scheyern, das im 13.Jh. in Viehbach einen Hof besaß. Um die Jahrtausendwende gab es ein Edelgeschlecht der von Viehbach, jedenfalls enthält das Zensualen-Traditionsbuch des Domkapitels Freising, betitelt Noticia censualium mancipiorum specialiter ad oblationem fratrum pertinentium, den Namen eines Zeugen "Ortolfus de Viechpach" aus der Zeit um 1140.

Geschichte der Kirche

Matrikel 1315
Eine Kirche in der Ortschaft wird erstmals In der Konradinischen Matrikel von 1315 erwähnt. Dort wird sie als eine Filialkirche der Pfarrei Vierkirchen beschrieben. ("Viehchirchen...habet VIII filias: Chamerberch, Viehpach, Piperbach, Rudoltzhouen, Rübentzhouen cum sepulturis. Rotenbach, Uetenshouen, Alboltzhouen et Giebingen sine sepulturis"). Viehbach hatte somit schon damals einen Friedhof, Giebing noch nicht. Ein Friedhof lässt auf eine gewisse Bedeutung der Kirche schließen. Er war wichtig, weil auch die Toten zur Gemeinschaft der Gläubigen gehörten und mehr als heute in das kultische Leben der Menschen einbezogen wurden.

Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 wird erstmals das Laurentiuspatrozinium ("s.Laurentii in Viechpach") genannt. Das bedeutet aber nicht, dass vorher ein anderer Heiliger / andere Heilige Kirchenpatron gewesen wäre. St.Laurentius war in den letzten Jahrhunderten des 1.Jahrtausends vor allem bei der römisch beeinflussten Bevölkerung beliebt. Und zwischen Viehbach und Westerndorf verlief ja die wichtige Römerstraße von Passau nach Augsburg. Eine weitere Steigerung der Beliebtheit des Heiligen gab es nach der siegreichen Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld. Denn der Sieg wurde am Laurentitag, dem 10.8.955 errungen und u.a. auf die Fürsprache des Heiligen zurückgeführt.

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Laurentius in Viechpach" erwähnt. Das Gotteshaus sei in gutem baulichen Zustand ("Gotshauß ist nit paufellig...hat alle Zier"), heißt es da. Im Inneren stehe ein "wol beschlossen und beleucht" Sakramentshaus. Der Gottesdienst werde, wie es sich geziemt, d.h. katholisch, verrichtet ("Gotsdienst wirt zimblich verricht").
An Gerätschaften seien vorhanden: 3 Kelche mit Corporale ("sein unsauber"), eine Monstranz aus Messing ("ain messinge monstrantz"), 3 Messbücher, 1 Liturgiebuch, und vier Messgewänder in schlechtem Zustand. Das Allerheiligste und die heiligen Öle würden rein aufbewahrt. Das Taufwasser befinde sich in einem Krug ("Baptismus in in aim kriegl"). Das eigene Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrage 14 Gulden, die vom Dachauer Landgericht verwaltet würden. Der Bericht endet mit den Worten: "Sonst kain mangel".


1630 wurden das Chorfenster vergrößert, das Langhauspflaster erneuert und die Friedhofsmauer instand gesetzt. Diese Arbeiten hatte Maurermeister Melchior Winckhler aus Wessobrunn erledigt, der auch in den Kirchen von Feldgeding, Kreuzholzhausen, Oberbachern, Steinkirchen, Vierkirchen und Überacker tätig war.

Altarweihe 1710
In der Kirchenrechnung ist auch die Weihe von drei Altären durch Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1695-1727) erwähnt. 1669 waren die beiden Seitenaltäre, die Figurengruppe über dem Chorbogen und die Kanzel erneuert worden. Die neue Weihe des Choraltars könnte noch eine Auswirkung des 30jährigen Kriegs (Entweihung der Altäre durch Soldaten) gewesen sein.
Die Kosten für diese Altarweihen beliefen sich auf 22 Gulden, das war ein sehr hoher Betrag. Er setzte sich aus dem "gebräuch-lichen", d.h. üblichen Honorar ("gebreichige honoraria") von 7 Gulden je Altar sowie aus den Kosten für das Essen zusammen. Der kunstsinnige Bischof Eckher regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.

Die Altarweihen 1710 sind also kein stichhaltiger Hinweis darauf, dass unmittelbar vorher die Altäre eingebaut worden wären. Sie könnten auch unmittelbar nach dem 30jährigen Krieg beschafft worden sein oder auch noch aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg stammen. Altäre, die von der Soldateska entweiht worden waren, hat man später wieder geweiht.

Schmidt'sche Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Laurentii in Viebach" bemerkte er, die Kirche sei ein Bau, wie er in ländlicher Gegend üblich ist. Er habe drei Altäre. Der Hochaltar, auf dem der Tabernakel stehe, sei dem hl.Laurentius geweiht. Die Seitenaltäre hätten die Jungfrau Maria sowie die Heiligen Sebastian und Florian zum Patron. (dies gilt auch heute noch). In der Sakristei hingen die notwendigen Messgewänder. Das Kirchweihfest falle auf den zweiten Sonntag nach Michaeli (29.Sept). Gottesdienste fänden an jedem dritten Sonntag, am Oster- und Pfingst-montag, an den Festen der Heiligen

Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
Sebastian (20.Jan) und Florian (4.Mai) sowie an Kirchweih und am Patrozinium (10.Aug) statt. Im Friedhof liegen die Grabstätten und ein Beinhaus. im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Vikar aus Vierkirchen und der Landpfleger aus Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit gegen 1000 fl. (=Gulden) austreffen". Das war ein im Verhältnis zur Größe der Kirche angemessener Betrag.

Gründung der Pfarrei Giebing 1804
Im Jahr 1804 wurde die damalige Kuratie Giebing mit ihrer Filiale Kammerberg eine eigenständige Pfarrei. Dazu kam auch die Filialkirche Viehbach, die zuvor nicht zur Kuratie Giebing gehört hatte und bis dahin unmittelbar aus Vierkirchen seelsorgerisch versorgt worden war.
1817 wohnten in Viehbach 118 Gläubige in 26 Häusern. Damals gehörte Viehbach noch zum Landgericht (entspricht in etwa dem Landkreis) Dachau.

Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Über die Kirche in Viehbach berichtet er: "Erbauungsjahr unbekannt. Chor gotisch, Anbau stillos. Geräumigkeit nicht hinreichend. Baupflicht an der Kirche die Gutsbesitzer von Reichertshausen, am Cemeterium (Friedhof) die Gemeinde. Sattel-Thurm mit 2 Glöckchen. Patron Hl.Laurentius. 3 Altäre, kleine Orgel. Gottesdienste abwechselnd mit Giebing und Kammerberg. Beim Felderumgang ist hier Amt. An Christi Himmelfahrt nachmittags Predigt. Stiftungen: 8 Jahrtage und 1 Jahrmesse. Meßner ist ein Gütler, Cantor der Lehrer v.Kammerberg. Vermögen: 6640 Gulden".

1890 verlängerte man die Kirche nach Westen und ersetzte dabei den barocken Choraltar durch einen neugotischen Altar, der heute noch besteht.

1950 soll es in der Kirche gebrannt haben; Näheres dazu ist mir nicht bekannt.

Bittgänge
Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Viehbacher alljährlich Kreuzgänge nach Neufahrn und zum Kloster Taxa ("nacher Neufahrn unnd ins Täxa") unternommen haben. Die Fahnenträger und Sänger ("Fahnentrager unnd Sünger") erhielten ein kleines Zehrgeld, das in der Kirchenrechnung von Viehbach verbucht wurde.

Renovierungen
1802 - Kirchenreparatur (durch Maurermeister Peter Schmidt aus Weißling)
1890 - Kirchenverlängerung


Statistik

1868: damals enthielt das Topografisch-statistische-Handbuch des Konigreichs Bayern bei der Gemeinde Fahrenzhausen über
          Viehbach folgenden Eintrag: "Viehbach, Dorf, kath.Pfarrei Giebing, 143 Einwohner, 55 Gebäude, 1 Kirche"
1876: Im Jahr 1876, erwähnt das Vollständige Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern unter der Gemeinde
          Fahrenzhausen auch Viehbach: "Viehbach, Dorf, zur kath. Pfarrei Giebing, 2,5 km, zur kath. Schule Kammerberg (Amt
          Freising), 2,0 km, zur Post Röhrmoos 8,0 km, 169 Einwohner, 56 Gebäude, 43 Pferde, 180 Rindviecher" (Zählung 1875)


Baubeschreibung

Die Kirche liegt am nördlichen Dorfrand in einem ummauerten Friedhof. Der Bau stammt zum Teil
- aus romanischer Zeit (untere Langhausmauern),
- aus der Gotik (Chor),
- aus der Barockzeit um 1700 (Langhaus vorderer
  Teil)
und zum Teil
- aus der Zeit des Historismus um 1890 (Langhaus
  westlich des Eingangs und die Portale).

An der Westseite sind ganz oben ein Rundfenster sowie ein schmales neuromanisches Doppel-fenster angebracht.
In der Mitte dieses Doppelfensters steht eine Säule aus Granit; d
as Würfelkapitell der Säule ist mit einem Kreuz geschmückt.

Epitaphe
Die Kirche besitzt an der Nord- und der Südseite jeweils einen Eingang.
Der Eingang auf der Südseite ist mit einer von zwei Steinsäulen getragenen neuromanischen Portalvorhalle überdacht.
In der Vorhalle sind zwei Epitaphe aus Sandstein angebracht, die leider nicht mehr zu entziffern sind (eines aus dem Jahr 1576 "..Ehrbar V.Södlmair", das zweite aus dem Jahr 1599 für eine "Ehrbar abpolonia"). Sie waren sicher lange Zeit im Außenbereich eingemauert und sind dort verwittert.

Noch im Jahr 1879 bestand hier im Friedhof an der Südseite der Kirche ein Beinhaus. Darin waren nach Pfarrer Steinberger zwei Gedenksteine, die heute in der Kirche angebracht sind.

Die Sakristei ist an der Südseite des Altarraums angebaut.

Der Turm besitzt ein Satteldach mit sechs Ecktürmchen (je eines an den vier Ecken und zwei an den Giebeln). In einem der Schallfenster steht eine Säule.

Im Turm hängen zwei alte Glocken.
Sie wurden 1617 von Bartholomäus Wengle, der in der Zeit von vor 1580 bis 1639 gelebt hat, im Glockenbachviertel von München gegossen.

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I
nnenausstattung

Altarraum/Chor

Der Altarraum ist nur gering eingezogen und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Er stammt aus gotischer Zeit und ist mit einem Netzgewölbe überdeckt. Die Rippen sind gut sichtbar und enden nicht auf Konsolen sondern in Halbsäulen (Diensten). Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.
Im Mittelteil ist in einem Stuckrahmen das Auge Gottes im Strahlenkranz zu sehen.

  Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. In der Kunst unserer Gegend ist es seit dem 18.Jh verbreitet. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.

Hochaltar /Choraltar

Der Hochaltar (Choraltar) besitzt ein neugotisches Retabel aus Eichenholz, das teilweise mehrfarbig gefasst ist. Im Mittelteil sind drei Nischen eingearbeitet. Das Retabel ist oben mit reichem Maßwerk geschmückt und mit Fialen (gotische Spitztürmchen) gekrönt.

Choraltar Noah und MelchisedechJohannes
Der Altar ist zweieinhalb Meter breit und raumhoch. Er stammt aus der Zeit um 1890, als im Zeitalter des Historismus die Menschen wieder Freude an den alten Baustilen bekamen und sie (in etwas übertriebener, idealisierter Form) nachahmten.

In den Nischen des Hochaltars stehen (ebenfalls neugotische) Figuren der Heiligen Stephanus (links), Johannes des Täufers und des Patrons der Kirche, Laurentius.

St.Stephanus
Der hl. Stephanus ist einer der beiden heiligen Diakone aus der Frühzeit des Christentums und wird sehr häufig mit dem anderen Diakon, dem hl. Laurentius dargestellt. Seine teilvergoldete Figur in Viehbach hält in einer Gewandfalte Steinen als Sinnbild für die Art des Martyriums. Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2-53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus'Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfol-gung in Jerusalem.
In der Mittelnische, die wegen des darunter angebrachten Tabernakels etwas kürzer ist, steht die Figur des hl. Johannes des Täufers. Er hält im Arm eine Kreuzstange, an der ein Schriftband mit dem Text "Ecce Agnus Dei" angebracht ist. Mit der rechten Hand weist er auf ein Lamm, das auf dem Buch mit den sieben Siegeln in seiner linken Hand liegt.


Johannes d.Täufer
Johannes der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.
  Die Darstellung des Lammes auf dem Buch mit den 7 Siegeln greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarun-gen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt der Evangelist Johannes (nicht der Täufer) eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlach-tet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird.
Die Figur des Kirchenpatrons St.Laurentius ist mit einem Feuerrost und einem Märtyrerpalmzweig ausgestattet. Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze. Als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Deshalb wird Laurentius mit dem Feuerrost abgebildet.
Der Heilige gilt wegen seines Eintretens für die Armen und seiner Standhaftigkeit gemeinsam mit Stephanus als besonders vorbildlicher Märtyrer.
Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrer über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".

St.Laurentius
Der Tabernakel ist mit Maßwerk verziert.
In seine Türen sind Trauben und Ähren als Sinnbild für Leib und Blut Christi auf goldenem Hintergrund eingraviert.

Tabernakel
Gold ist die Farbe der Sonne, des Himmels und des göttlichen Lichts. Wird -wie hier- der Hintergrund eines Gemäldes in Gold gestaltet, soll damit eine himmlische Szene dargestellt werden.

Noah- und
Melchisedech

beiderseits des Tabernakels sind Spitzbogennischen eingelassen, deren Hintergrund mit vergoldeter Schablonenmalerei gestaltet ist. In den Nischen sind vier bedeutende Personen des Alten Testaments dargestellt:
von links:
- Noah
mit einer Arche auf dem Arm,
- Melchisedech
in hohepriesterlichen Gewändern und einem Kelch mit darauf liegendem Brot,
- Aaron
, der Bruder des Moses, mit dem grünenden Aaronstab (Vorläufer des Bischofsstabs)
  in der Hand und schließlich
- Abraham
, der Stammvater der Juden, Christen und Moslems.


Aaron und
Abraham


Epitaphe im Altarraum


Epitaph 1576

Links neben dem Choraltar ist in die Wand ein Epitaph aus Solnhofener Stein aus dem Jahr 1576 eingelassen. Im dreieckigen Giebelfeld ist eine weibliche Figur zu sehen, die zwei Fische in den Händen hält. Zu ihren Füßen ist eine Breze abgebildet. Den Hauptteil des Epitaphs nimmt die Kreuzigungsszene mit Johannes und Maria unter dem Kreuz ein.
Im
unteren Bereich ist der Text eingemeißelt, der auf dem etwas breiteren Sockel weitergeführt wird. Er beginnt mit dem Satz: "Anno Domini 1576, den 12. dag ..starb Ehrbar V.Södlmair ".
Im weiteren Text ist der Platz für Todesjahr und Todestag aber frei gelassen; er wurde auch später nicht ausgefüllt. Entweder sind diese Personen an anderer Stelle begraben, oder es wurde danach kein Wert auf das Datum mehr gelegt. Jedenfalls ist eine "Ehrbar Abpolonia... eliche Hausfrauw" erwähnt, ebenso ein "Erbar Jörg... " und eine "Ehrbar margaretha Kormerin, sein ehlich hausfrau +gott...". Der Text endet mit den Worten "Eine freliche Auffersteung A(men)".
Am Fuße des Epitaphs sind noch zwei Männer- und zwei Frauenreliefs eingraviert, die mit Rosenkränzen in den Händen auf der Erde knien.


Epitaph 1617
Auf der rechten Seite des Altarraums ein weiteres Epitaph zu sehen. Auch es hat eine dreieckige Spitze, in der sich zwei Wappen, wohl die der Verstorbenen, befinden. Darunter steht ein von Säulen getragener Volutengiebel mit dem Jesus-Zeichen (IHS) im Strahlenkranz an der Spitze. Zwischen den Säulen ist die Auferstehung Christi dargestellt. Auf dem Sarkophag, dem Christus entsteigt und um den die Wachsoldaten liegen, ist die Jahreszahl 1613 oder 1617 geschrieben. Der Text im unteren Bereich ist leider nicht mehr zu entziffern.

Nach der Chronik von Pfarrer Steinberger aus dem Jahr 1879 hingen beide Steine im damals noch bestehenden Beinhaus an der Südseite der Kirche. Auch damals waren die Steine "schon so abgeschiefert, daß deren Inschriften nach ihrem vollen Inhalte nicht wiedergegeben werden können", schrieb Steinberger.



Figuren an den Wänden des Altarraums

An der Nordwand des Altarraums stehen zwei spätgotische Figuren auf Postamenten.


St.Wendelin
Östlich der hl. Wendelin im Hirtengewand mit einer Schäferschaufel in der Hand und einem kleinen Schaf zu seinen Füßen.
Wendelin (555-617, war Schafhirte bei einem Edelmann in der Nähe von Trier. Später wurde er (ohne Priesterweihe) Abt des nahegelegenen Klosters Tholey.
   Westlich eine weibliche Heilige, die die hl. Katharina  darstellen soll.
 Katharina, die Königstochter aus Zypern, soll im Jahr  306 wegen ihres Glaubens ausgepeitscht, gerädert und  -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit  dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den  beliebtesten Heiligen (14 Nothelfern).

St.Katharina

Gegenüber an der Südwand hängt ein Kruzifix aus dem 17.Jh mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden. Die Arme des Corpus sind im Laufe der Jahrhunderte ersetzt worden.

Wandkruzifix
Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung darge-stellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jahrhundert) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Mensch-
  seins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.


gotische Türe
Auf der Nordseite des Altarraums führt eine Tür durch einen original gotischen Spitzbogen in das Turmuntergeschoss. Auf der gegenüberliegenden Seite ist der Eingang zur Sakristei. Dort sind mehrere Glocken und Schellen an barock geformten schmiedeeisernen Gittern angebracht (um 1700). Sie geben das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes. Es handelt sich um eine kleine Glocke

Sakristeiglocke
  sowie um vier Schellen, die mit Zugstangen zum Klingen gebracht werden. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.


Zelebrationsaltar


Der Zelebrationsaltar ist im historisierenden Stil gestaltet. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vati-kanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.

Zelebrationsaltar
 
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Ewig-Licht-Ampel

Der Chorbogen ist spitzbogig und von einem in Rosatönen gefärbten Rahmen umgeben (Gewändechorbogen)


Ewig-Licht-Ampel

Vom Chorbogen hängt an einer langen Kette eine Ewig-Licht-Ampel im neugotischen Stil herab. Die Ampel ist aus Metallguss gearbeitet und vergoldet.
 
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Das Ewige Licht wurde vom Ritterorden der Johanniter von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.



C
horbogen
Oberhalb des Chorbogens, zu den Gläubigen im Kirchenschiff gewandt, ist eine Schnitzfiguren-Gruppe aus der 2.Hälfte des 18.Jh an der Wand angebracht. Sie stellt in der Mitte den hl. Josef dar, mit dem (segnenden) Jesuskind auf dem Arm und in der Hand eine Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit).   
An beiden Seiten sind Engelsfiguren (um 1670) angebracht, die dem heiligen Paar in der Mitte mit Blumengirlanden huldigen.

Josef mit dem Jesuskind
Hinweis: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Die Lilie soll im Ergebnis darauf hin-weisen, dass Jesus nicht der leibliche Sohn Josefs war.



Fenster im  Altarraum und im Kirchenschiff

Neun der Rundbogenfenster (drei im Altarraum und sechs im Langhaus) sind mit Glasmalereien geschmückt. Die Gemälde  im Altarraum stammen aus dem Jahr 1893 und wurden von Glaskünstler I.P.Bockhorni aus München  in den Stilformen des Historismus gestaltet.  Die Fenstergemälde  im Kirchenschiff wurden nach dem Ersten bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Sie stammen (zum Teil ?) von der Glaserei Syrius Eberle aus Dachau, deren Werke in sehr vielen Kirchen des Dachauer Landes zu sehen sind.
An der Ostseite, hinter dem Hochaltar ist der Kirchenpatron St. Laurentius vor dem Hintergrund einer befestigten Stadt dargestellt.

St.Laurentius
Er ist in das kurzärmelige Gewand der Diakone gekleidet und hält in der einen Hand den Rost, sein Marterinstrument und in der anderen Hand einen Märtyrer-Palmzweig.
Das Fenster wurde von Rosina Darnhofer, Fischeraustragsgütlerin aus Viehbach, gestiftet.



St.Sebastian

An der Nordostseite des Altarraums ist St.Sebastian dargestellt. Der Heilige, in prächtiger römischer Soldatenkleidung, ist an den Marterbaum gebunden und von Pfeilen durchbohrt. Zu seinen Füßen liegen der Schild und das Schwert.
Das Fenster wurde einer Inschrift nach von Sebastian Naderer, dem Streifenbauern von Viehbach gestiftet.


Im Südosten des Chors ist der hl.Franz Xaver zu sehen. Der Heilige tauft einen dunkelhäutigen, mit einem Federröckchen bekleideten Eingeborenen. Stifter war Franz Xaver Trinkgeld, der Stoffelbauer von Viehbach. Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission.

Franz Xaver
 

Joseph Peter Bockhorni (1832-1905), Sohn eines Münchner Glasermeisters, hatte 1864 die "Münchner Kunstanstalt Josef Bockhorni" gegründet. Er war Mitglied des Vereins für christliche Kunst in München. Bockhorni arbeitete oft mit dem bekannten Münchner Architekten Johann Marggraff (1830-1917) zusammen. Zahlreiche Aufträge erhielt er auch aus Frankreich, Rumänien, Österreich und dem Elsass. Im Dachauer Land hat er auch die Fenster der Kirche in Rettenbach, Kammerberg und Prittlbach gestaltet.


St.Theresia ?

Im ersten Fenster an der Nordseite des Kirchenschiffs ist ein Rundmedaillon mit einem Bild einer weiblichen Heiligen mit zwei Engeln angebracht. Die Heilige trägt einen Kranz von Rosen um die Stirn geschlungen und hält weitere Rosen in den Händen. Um wen es sich handelt, ist nicht geklärt. Das Attribut der Rose könnte auf St.Dorothea oder St. Elisabeth hinweisen. Es ist aber auch möglich, dass die Gottesmutter Maria dargestellt werden soll, zu deren Attribute ebenfalls Rosen gehören. In Riedenzhofen hat der Glasmaler Syrius Eberle das gleiche Motiv für St.Theresia gewählt.
Das Fenster wurde von der Kirchengemeinde Viehbach-Bachenhausen 1953 gestiftet.


Auch im ersten Fenster an der Südseite  des Kirchenschiffs ist ein Rundmedaillon angebracht, mit dem Bild von Bruder Konrad und zwei Kindern. Gestiftet wurde es 1950 vom Ehepaar Math. und Kreszenz Diepold aus Viehbach. 
Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt, so auch in Viehbach.


Burder Konrad

Christus u.
Verwundete
Das zweite Fenster an der Nordseite ist den im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten von Viehbach-Bachenhausen gewidmet. Das Gemälde zeigt Christus, der einem verwundeten Soldaten die Kommunion spendet. Im unteren Bereich sind die Namen der Gefallenen aufgeführt.
Das Fenster wurde von Pfarrer Ebert aus Giebing 1933 gestiftet.
Der Glasmaler Syrius Eberle hat zwei Jahre später das gleiche Motiv in Riedenzhofen verwirklicht.
  Auch das zweite Fenster auf der Südseite ist den Soldaten des Ersten Weltkriegs gewidmet.
Es zeigt einen aus dem Krieg heimgekehrten Soldaten vor einem Feldkreuz vor der Ortschaft Viehbach.
Auch dieses Fenster wurde von Pfarrer Ebert aus Giebing 1933 gestiftet.

Dankbarer
Heimkehrer
 
Weitere Fenstergemälde zeigen zwischen umlaufenden Ornamentstreifen Felder mit stilisierten Blumen und Blättern.

Fenstergemälde
Auch diese Fenster, die im Stil des späten Historismus, vermischt mit dem beginnenden Jugendstil gestaltet sind, dürften Ende des 19.Jh. gefertigt worden sein.
 

Kirchenschiff / Langhaus


sog.
Heiliggeistloch

Das Kirchenschiff besitzt eine Flachdecke, die mit Stuckfeldern und -im mittleren Rahmenfeld- mit einem großen Deckenfresko geschmückt ist. Unmittelbar vor dem Chorbogen befindet sich das Heilig-Geist-Loch in Vierpassform, das mit einem Deckel verschlossen ist Auf den Decke ist eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz gemalt.

Mit diesem Heilig-Geist-Loch ist in Viehbach ein alter Brauch:
am Fest Christi Himmelfahrt wird nach dem Evangelium eine Christusfigur durch das Loch emporgezogen und somit die Himmelfahrt (zur besonderen Freude der Kinder) veranschaulicht.
Schon im Jahr 1695 wird dieser Brauch in Viehbach erwähnt. Damals hielt der Pfarrer (von Vier-kirchen) am Nachmittag des Himmelfahrtsfestes eine Andacht mit Predigt nach der man die Christusfigur hochgezogen hat. Der Pfarrer erhielt dafür eine Vergütung von 1 Gulden. Die Bemer-kung in der Kirchenrechnung "gleich andere Jahr" weist darauf hin, dass der Brauch noch viel älter ist. Mehr dazu erfahren Sie hier....

auffahrender
Christus


Deckengemälde

Das Gemälde zeigt den Kirchenpatron, den heiligen Laurentius zwischen Vertretern des römischen Kaisers Valerian und Bedürftigen stehend. Das Thema ist der Legende um das Martyrium von St.Laurentius entnommen: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius sie nicht an ihn herausgab sondern an die Armen verteilte, ließ er ihn zu Tode martern.

Martyrium von
St.Laurentius

Das Gemälde in Viehbach ist von einem Stuckrahmen umgeben. Wann es entstanden ist und wer der Künstler war ist nicht bekannt.

Nach Angaben von Kunstexperten könnte es mehrere hundert Jahre alt sein; es wurde aber mehrmals übermalt bzw. ausgebessert und hat dadurch an Ausdruckskraft verloren.


 Seitenaltäre


Marienaltar

Die beiden Seitenaltäre besitzen prächtige, frühbarocke Säulen-Aufbauten. Während die mit vergoldeten Weinreben geschmückten Säulen mit korinthischen Kapitellen hell marmoriert (= mit Marmorstruktur bemalt) sind, bestehen die Aufbauten aus schwarzem Holz mit viel goldfarbenem Dekor. Beim ersten Eindruck glaubt man, zwei gleiche Altäre vor sich zu haben, doch ein genauer Blick ergibt, dass sich die beiden Altäre auch nicht in einem Detail gleichen.

Die Seitenaltäre wurden im Jahr 1669 fertiggestellt. Jedenfalls ist diese Datierung am rechten Altar in großen Ziffern am Gebälk angebracht. Gefasst wurden die Altäre vom Maler Johann Adam Holzmair (1627-1668) aus Dachau um ein Salär von 67 Gulden. Der Maler war auch in Indersdorf tätig. Sein Bruder Joh. Wilhelm Holzmair, einer der besten bayerischen Maler seiner Zeit, hat das berühmte Job-Bild in Bergkirchen geschaffen.


Sebastiansaltar


Linker Seitenaltar

Gekrönt wird der linke Seitenaltar durch ein Marienmonogramm in einem Strahlenkranz. Die Buchstaben M, R, I und A sind dabei ineinander geschrieben. Sie sind die Buchstaben des Namens "MARIA".

Im Auszug des Altars ist -zwischen den Voluten-engeln - der hl. Leonhard im Abtsornat mit Viehketten in den Händen figürlich dargestellt.


St.Leonhard

Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen- und der Geisteskranken,
Mittelnische die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.

Der linke Altar ist der Gottesmutter Maria geweiht. Ihre Figur aus der Zeit um 1660 steht in der großen Mittelnische, umgeben von zwei Putten.
Maria trägt eine barocke Krone auf ihrem Haupt; sie breitet ihre Hände aus.


St.Maria
Möglicherweise wurde die Krone 1726 dazu gekauft. In der Kirchenrechnung für dieses Jahr ist der Eintrag "ein Neue Cron für Unnser Liebe Frau" enthalten.



Rechter Seitenaltar

Altarauszug

Im Auszug des Altars ist zwischen den Volutenengeln der hl. Florian in römischer Soldatenrüstung mit einem Wasserschaff und einer Siegesfahne figürlich dargestellt.


St.Florian
Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem er Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische
  Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.

Gekrönt wird der linke Seitenaltar durch ein IHS-Gloriole im Strahlenkranz. IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.

Mittelnische
In der Mittelnische des rechten Seitenaltars steht eine Figur des hl.Sebastian, von Pfeilen durchbohrt und an den Marterbaum gefesselt. Eine Besonderheit sind die Pfeiltaschen, die neben der Figur am blaugrünen Hintergrund angebracht sind.

St.Sebastian
Hinweis: Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

    
Kerzenhalter mit Bild   
von St.Franz Xaver   
An den beiden Säulen sind barocke Kerzenhalter angebracht.
Sie wurden so um die Zeit von 1700 bis 1720 aus Holz geschnitzt. Ein herzförmiger Rahmen enthält Hinterglasbilder
von Franz Xaver mit einem Handkreuz (links) sowie von St.Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm.
  
Kerzenhalter mit Bild
von St.Antonius v.Padua


Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs


St.Ulrich

An der Nordwand steht eine Barockfigur des hl. Ulrich. Der Heilige ist als Bischof dargestellt, mit einem Buch in der Hand, auf dem ein Fisch liegt.
Hinweis: Ulrich (890-973) war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des feindlich gesinnten Herzogs einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote glaubte, Ulrich habe am Freitag Fleisch gegessen und brachte seinen Botenlohn sofort zum Herzog. Als der das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt.

St.Laurentius
Neben St. Ulrich steht eine Figur des hl.Laurentius aus der Mitte des 18.Jh. Der Heilige ist in das kurzärmelige Gewand der Diakone gekleidet. In seinen Händen hält er -wie auch auf den anderen Abbildungen in der Viehbacher Kirche- sein Attribut, den Rost, und einen Märtyrerpalmzweig. Sein Haupt ist von einem strahlenförmigen Heiligenschein umgeben.
Hinweis: Die immergrünen Blätter des Palmzweigs symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit sowie als Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).

Altöttinger
Muttergottes
In einer von einer Glasplatte abgedeckten Wandnische an der Nordseite steht eine Muttergottesfigur aus barocker Zeit, eine Nachbildung des Gnadenbildes aus Altötting. Auch der Rahmen um die Nische erscheint im schönsten Barock; es ist aber ein Werk neuerer Zeit im Stil des Barocks.
Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.
Der hl.Stephanus ist nicht nur am Hochaltar abgebildet; seine Figur steht auch an der Südseite des Langhauses auf einem Postament. Er hält Steine und einen Märtyrerpalmzweig in den Händen. Sein Haupt ist von einem vielstrahligen Heiligenschein umgeben. Die Figur wurde im 18.Jh wohl mit der Laurentiusfigur gegenüber geschnitzt.
Stephanus und Laurentius werden in der Kunst sehr häufig miteinander dargestellt.
  Hinweis: Der Heiligenschein (oder Nimbus) ist eine kreisförmige Fläche um das Haupt göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus.

St.Stefanus
  Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben. Die Unterschiede in
Farbe (gold, grün, rot ) oder Form (radförmig, reifenförmig, diskusförmig, dreieckig, viereckig) haben in der Regel keine besondere Bedeutung. Allerdings ist der dreieckige Nimbus Gottvater vorbehalten; einen viereckigen Nimbus tragen nur (damals) lebende Personen. In späterer Zeit wurde der Nimbus auch als übernatürliches Leuchten im Hintergrund der herauszuhebenden Person dargestellt. In der Barockzeit verbreitete sich die Form eines Strahlenkranzes. Christus war ein dreistrahliger Nimbus (als Zeichen der Zugehörigkeit zur Dreifaltigkeit) vorbehalten. Seit dem 16.Jh. kann der Heiligenschein auch fehlen (zunehmender Naturalismus).
Auch die Antoniusfigur stammt aus dem 18.Jh. Der Heilige ist in ein Mönchsgewand gekleidet und hält das Jesuskind auf dem Arm.
  Hinweis: St. Antonius war ein begnadeter Redner, der im Kampf gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser sowie später in Padua, wo er auf einem Nussbaum lebte, allein durch seine Predigten große Erfolge erzielte. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

St.Antonius

Jesuskind
In einer Wandnische ist hinter Glas die Figur eines Jesuskindes zu sehen. Das nackte Kind hält einen Reichsapfel in der linken Hand und deutet mit der Rechten darauf. Sein Haupt ist von einem vielstrahligen Heiligenschein umgeben. Das Jesuskind sitzt auf einem ovalen Schaugefäß, das in Klosterarbeiten gefasste Reliquien in sich birgt. Das Cedula, auf das die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen, geschrieben ist, enthält die Worte "chair de S.Serapion". Serapion war um das Jahr 365 als Missionar in Algerien tätig und wurde wegen seines Glaubens ans Kreuz geschlagen.

Reliquien von
St.Serapion

Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Südwand hängt ein großes Kruzifix aus der Barockzeit, das sog. Kanzelkreuz. Der Corpus Jesu ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Die Adern schimmern blau unter der Haut hindurch. Jesus hat sein dornenge-kröntes Haupt im Tode nach rechts geneigt; es ist von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben, der in der Kunst den göttlichen Personen vorbehaltenen ist. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft Blut. Das um die Hüften geschlungene, vergoldete Lendentuch ist mit einem Strick befestigt und zu einem großen Knoten gebunden. Die Beine Jesu sind seitlich nach links gebeugt; dadurch ergibt sich eine S-förmige Körperlinie. Die Füße sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus).
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.


Kanzelkreuz



Rokokoleuchter
Unter dem Kanzelkreuz steht eine Figur der Mater dolorosa, der Schmerzensmutter. In der Brust Mariens steckt ein Schwert. Um das Haupt ein aus vielen Strahlen bestehender Heiligenschein. Die Figur stammt aus dem 20.Jh.
Hinweis: Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Neben der Figurengruppe sind Rokokoleuchter an der Wand montiert (siehe Bild links).

Mater dolorosa



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Prozessionslaternen und -fahnen


Prozessions-
laterne
Viehbach besitzt zwei schöne neugotische Prozessions-Laternen mit jeweils sechs verglas-ten Seiten, die mit Kreuzen und Ornamentschmuck bzw. Heiligendarstellungen verziert sind.

Prozessions-
fahne

Sie werden vor allem bei der Gelöbnisprozession am Florianstag (4.Mai) mitgetragen.
Bei dieser Prozession sind auch die roten Fahnen mit Herz-Jesu-Darstellung dabei, als leuchtende Punkte über den Feldern und Wiesen.

Ölbergtafel

Unter der Empore ist eine 40x40 cm große Tafel aus Solnhofener Stein in die Wand eingelassen. Sie stammt aus dem Jahr 1600 und zeigt ein Relief von Jesus auf dem Ölberg. Jesus kniet auf dem Boden und breitet betend seine Hände aus.

Ölbergtafel
Über ihm erscheint ein Engel und bringt einen Kelch. Die drei begleitenden Apostel schlafen im Vordergrund.

Kreuzwegbilder
Die 14 Kreuzwegstationen sind im hinteren Bereich der Kirche konzentriert. Es handelt sich um Ölgemälde auf Leinwand, die in der 1.Hälfte des 19.Jh im damals beliebten Nazarenerstil erstellt wurden. Der Maler ist nicht bekannt.

Der erste Kreuzweg wurde in Viehbach übrigens durch Pfarrer Gröbmayr (1739-1779) eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstatio-nen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich.
Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...

 

Empore und Orgel

Die tiefe Empore wurde im Rahmen des Erweiterungsbaues um 1890 errichtet. Sie ruht auf 4 Stützpfeilern.


Orgel von 1912

Das neubarocke, marmorierte Orgelgehäuse besitzt reiche Blattwerkdekoration. Der Prospekt ist geschwungen. Die Orgel selbst wurde von der Fa. Siemann im Jahr 1912 erstellt. Sie hat 2 Manuale und insgesamt sieben Register. Siemann zählte seinerzeit zu den ersten Adressen im bayerischen Orgelbau.
Die Orgel hat folgende Disposition (nach Brenninger -Stand 1975-):
Manuale (C-f''''): GP 8', Hornprincipal 8', Aeoline 8', Salicional 8', Bordun 8'
Pedal (C-d'):     Subbaß 16'BoBaß 16'
Koppeln:           II-I, Ok II-I, Uk II-I, I-P, II-P

Wenn Sie sich für Orgelgehäuse interessieren und vergleichen möchten, sollten Sie hier klicken...


An der Emporenbrüstung sind fünf Ölgemälde auf Holz angebracht, die sicher nicht als Brüstungsbilder geschaffen wurden. Sie dürften auch von unterschiedlichen Künstlern stammen.

Die Bilder zeigen in der Mitte den Guten Hirten (18.Jh) und außen die vier Evange-listen (hier von links Lukas, Matthäus, Markus, Johan-nes) mit ihren jeweiligen Symbolen (17.Jh).

 
Evangelisten Lukas, Markus -Guter Hirte - Evangelisten Matthäus, Johannes

Die Darstellung des Guten Hirten bezieht sich auf die Erzählung "vom verlorenen Schaf"(Lk 15,3). Darin heißt es, dass sich Jesus über einen Sünder, der zur christ-lichen Gemeinde zurückfindet, mehr freut, als über 99 Gerechte.
  Hinweis: Die vier Evangelistensymbole Engel, Löwe, Stier und Adler haben ihren Ursprung in den Cherubim, den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (AT) und in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) erwähnt und zwar als die vier Lebewe-sen, die rings um Gottes Thron stehen. Zuerst wurden sie nur im Zusammenhang mit dem thro-neden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelaltar.


Eingangsbereich


Noch sehr ursprünglich muten die Türen an den Eingängen an.
Das Südportal besteht aus einer zweiflügeligen Eichentüre (1890) mit neugotischen Maßwerk- und Ornamentfeldern.
Die einflügelige Nordtüre aus der Zeit um 1600 besteht aus einem Kern aus Fichtenholz, der mit Eisenblech und einer Vielzahl von Nägeln beschlagen wurde

Die Beschläge und das Türschloss
stammten aus dem 19.Jh.

Beide Türen sind aber zusätzlich mit modernen Schließanlagen gesichert.



Weihwasserbecken

An der Kirchentüre ist ein schön gestaltetes Weihwasserbecken aus Marmor an der Wand befestigt.
Hinweis: Das Wasser im Becken ist nicht geweiht, sondern gesegnet. Mit ihm zeichnet der Eintretende ein Kreuz über sich, um sich selbst an seine Taufe, an sein "Eingetaucht-Werden in den Geist Gottes”, zu erinnern.  



Gelübde

Neben der südlichen Türe ist in einem Rahmen hinter Glas eine Schrifttafel angebracht, die von dem Verlöbnis der Bewohner der Ortschaften Viehbach und Bachenhausen im Spanischen Erbfolgekrieg von 1704 erzählt.

Textbeginn:
"Wir beyden Gemeinden Viehbach und Bachenhausen geben hiemit kund und zu wissen, wie wir nachfolgendes Gelübde gethan und vesprochen haben:
Als im Jahre 1704 die Feinde in unser Vaterland einfielen und nicht nur plünderten, sondern auch an verschiedenen Orten Wohnungen und Scheunen in Brand steckten, da waren wir genötigt, zu unserer Rettung uns in die Flucht zu begeben. Als wir so durch die Umstände gezwungen uns in der Flucht befanden und sahen als die Feuerflammen bereits zunächst an unser emporloderten, waren wir bei der augenscheinlichen äußersten Gefahr nicht wenig besorgt, es möchten auch unsere Häuser von den Feinden in Brand gesetzt werden. In dieser großen Bedrängniß nun haben wir kein besseres Mittel zu ersinnen gewußt, als zu einem Gelübde unsere Zuflucht zu nehmen. Dieses Gelübde besteht darin: Wenn wir aus der erwähnten Flucht wieder werden zurückkehren und unsere lieben Behausungen werden in gutem Stand und von der Brandlegung durch Feinde verschont finden, zugleich auch damit wir für die Zukunft vor allen unversehenen Feuersgefahren behütet und bewahrt bleyben, machen wir uns zu Folgendem verbindlich:
-  1. dem heiligen Florian zu Ehren und schuldigsten Danksagung (in aller) Zukunft seinen Namens- oder Fest-Tag als
       einen Feiertag halten.
-  2. An diesem Tag, derein fällt am 4.May, soll in dem ehrwürdigen St. Laurenzi-Gotteshaus zu Viehbach ein Amt gehalten,
       eine hl. Seelenmesse für alle christgläubigen Seelen gelesen und ein neues Weihwasser geweiht werden.
-  3. An einem Sonn- oder Feiertag soll auch ein Umgang verrichtet werden.
-  4. Bei beiden hl.Gottesdiensten die Ansäßigen Leute der zwei Gemeinden zum Opfer gehen.
-  5. Es soll soviel Geld als ein Viering Wachs wert ist, in den Opferstock der Kirche zu Viehbach gelegt werden.
-  6. Die beiden hl.Gottesdienste sollen am Florianstag oder, wenn dieser auf einen Sonn- oder Festtag fällt,
       an dem folgenden Tag gehalten werden.
-  7. Als Bezahlung werden dem Priester, der das Amt hält, 45 fl., jenem, der die Hl.Messe liest, 30 fl., dem Mesner 15 fl.        verabreicht werden.
Zur Bestreitung aller Kosten aber, soll von beiden Gemeinden das Geld zusammengelegt und von jedem Hausvater nach Vermögen ein Beitrag gegeben werden. Dieses Gelübde soll so lange gehalten werden, als von den Leuten, die sich dermals in beiden Gemeinden befanden, noch ein Mann lebt und davon weiß. Aber auch von unseren späteren Nachkommen erwarten wir, daß sie dieses unser Gelübde nicht vernachlässigen werden, so daß sie etwa dem hl. Florian, der unser ganz besonderer und großer Beschützer und ein mächtiger Patron wider das Feuer gewesen, loben und Ehr und die schuldigste Danksagung, wie wir sie durch oben angeführtes Gelübde versprochenhaben, zu entziehen gedächten. Vielmehr versichern wir uns zu ihnen, daß sie was wir versprochen, zum deßen willen nicht unterlaßen werden, weil wir durch die vielvermögende Fürbitte des heiligen Florian bei Gott, den Allmächtigen, die Gnade erhalten haben, daß wir nicht blos von Brandstiftung durch die Feinde, sondern auch von anderen unversehenen Feuersgefahren gnädig sind bewahrt worden. Wir leben so der vollen Hoffnung, daß sie dem guten Beispiele, das von uns ihren Vätern ihnen ist angegeben worden,aufs fleißigste nachfolgen und den schuldigsten Dank zu erstatten bestens bemüht sein werden. Damit aber das erwähnte Gelübde nicht aus dem Gedächtniß entfalle, ist dieser Gelöbnißbrief heute am 4.May des Jahres 1705 zu Viehbach aufgerichtet worden.

Erneuert 1979 zum Abschluß der Renovierung der Filialkirche St.Laurentius in den Jahren 1976-1979 von Norbert Frey, Petershausen, M.Lirblinger(?) München"

Hans Schertl


Quellen:
Zensualen-Traditionsbuch des Domkapitels Freising, 1187, BildNr. 24 (Ortolfus de Viechpach)
Pfr. Josef Schwinghammer, Beschreibung der Säcular-Pfarrey Giebing vom 27.11.1817, Diözesanarchiv Mch
HeybergerSchmittWachter, Topografisch-statistisches-Handbuch des Konigreichs Bayern, 1868
Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern aus dem Jahr 1876 (Volkszählung Dez.1875)
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Max Gruber, Die Künstlerfamilie Holzmair, Amperland 1969 (Joh.Adam Holzm)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, S. 319, 1985 (romanische Teile)
Alois Angerpointner, Die Geschichte der Pfarrei Vierkirchen bis 1880, Amperland 1978
Max Gruber, Für Dachau bis 1800 tätige Architekten, Bau- u. Maurermeister, Amperland 1982 (Schmidt Peter, Winckhler)
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Wengle)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Beschreibung des Pfarrverbandes Jarzt-Fahrenzhausen vom 10.12.1991
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Himmelfahrt, Marienkrone)
Madonna-das Bild der Muttergottes, Dombergmuseum Freising, 2003
Internetseite der FFW Fahrenzhausen-Viehbach, 2010

87 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

15.10.2015