zur Landkreiskarte        ausführl.Beschreibg          Kirchen in der Gem.Hebertshausen


Filialkirche St. Nikolaus in SULZRAIN

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischmehr über St.Nikolaus
Adresse: 85241 Hebertshausen, Taxbergstraße 13
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Sulzrain wurde erstmals im Jahr 829 in einer Urkunde als Sulzreini erwähnt.
Sulz bedeutete: versumpfter Boden.

Die dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche von Sulzrain wird schon 1315 in der Konradinischen Matrikel als Filialkirche von Arnpermoching genannt; sie besaß damals wie heute keinen Friedhof.

Der heutige Kirchenbau ist in seinem Äußeren der Spätgotik (15./16.Jh) zuzuordnen. Die Inneneinrichtung stammt aus der Rokokozeit um 1750.

Im Jahre 1803 war die Kirche im Zusammenhang mit der Säkularisation in Bayern zum Abriss vorgesehen. Nachdem sich aber die Gemeinde Sulzrain zur baulichen Erhaltung der Kirche verbindlich verpflichtete, wurde der Bau vom Abbruch verschont.

Der dreiseitig geschlossene Chor ist breiter als das Langhaus.


barocke Ministrantenglocke


Der unten quadratische Turm aus dem 17.Jh mit seinem achteckigem Oberteil ist teilweise in die Westmauer integriert. Er ist durch viele barocke Blendnischen reich gegliedert. Der Spitzhelm wurde er erst nach einem Sturmschaden im Jahr 1878 aufgesetzt und ersetzte eine frühere Zwiebelhaube. Im Jahr 2015 hat man das Blech Im Turm hängen zwei Glocken

Renovierungen der kleinen Dorfkirche dürften -wie dies auch bei vielen anderen Kirchen der Fall ist- mindestens alle 50 Jahre vorgenommen worden sein. Nachgewiesen sind sie in den Jahren 1630, 1793, 1849, 1923, 1978 und 2015.

Innenausstattung

Der mit drei Achteckseiten schließende Altarraum ist mit einer unbemalten Flachdecke überzogen; vier rundbogige Fenster erhellen den Raum.

Der Rokoko-Altar stammt von 1749. Drei berühmte Dachauer Künstler waren hier beteiligt:
Als Schreiner u. Schnitzer Nikolaus Prugger(sign.)
als Maler Franz Mayr aus Dachau,
als Restaurator Anton Huber aus Dachau (1849).

Die St. Nikolaus-Figur in der geschweiften Mittelnische entstand schon vor dem Altar um 1680. Der Heilige ist im Bischofsornat dargestellt,
in der rechten Hand drei goldene Kugeln.
Im Altarauszug ein Gottvater-Gemälde.

An den Wänden zwei Kreuzigungsgruppen und eine Muttergottesstatue (mit Krone und Zepter).

KreuzigungsgruppeKruzifixzur Beschreibung des ChoraltarsMuttergottesfigurVortragekreuz
per Mouseklick zu den Beschreibungen der einzelnen Ausstattungsstücke

Die Kreuzwegbilder im rückwärtigen Bereich des Kirchenschiffs sind Kupferstiche der Augsburger Künstler Joh.Sebastian Klauber und Joh.Andreas Pfeffel aus dem 18.Jh

Der Pfarrverband Röhrmoos-Hebertshausen hat auch eine Internetseite, auf der Sie die Gottesdienstzeiten erfahren können. Klicken Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 30jähriger Krieg Matrikel 1740
Säkularisation 1803 Kirchweihfestverlegg Beschreibung 1874
Einrichtung: Altarraum Altar Baubeschreibung Empore Figuren
  Harmonium Kreuzweg Kreuzigungsgruppe Säkularisation Vortragekreuze

Die Ortschaft Sulzrain wurde erstmals im Jahr 829 als Sulzireini und Sulzareini erwähnt. Sulz bedeutete versumpfter Boden. Zwei Urkunden vom 4. und 25. Juni dieses Jahres berichten davon, dass ein gewisser Oadalpald seine Ansprüche auf eine Schenkung Hludolfs zu Sulzrain verzichtete. Die Gegend um Sulzrain ist aber schon viel länger besiedelt. Bei Grabungen am Taxberg zwischen Sulzrain und Amperpettenbach im Jahr 2009 hat man viele Funde aus vorgeschichtlicher Zeit gemacht. Dabei handelte es sich um Pfeilspitzen, Schleifsteine, Schaber aus der Steinzeit und Keramikscherben aus den letzten Jahrtausenden (Metallzeit) bis hin zum Mittelalter, aus dem die ersten schriftlichen Dokumente auftauchen.

Geschichte der Kirche

Matrikel 1315
Die dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche von Sulzrain wird schon 1315 in den Konradinischen Matrikeln als Filialkirche von Arnpermoching genannt und war damals wie heute ohne Friedhof.

Matrikel 1524
Auch in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird Sulzrain ohne Friedhof beschrieben. In diesem Verzeichnis ist erstmals das Nikolaus-Patrozinium genannt. Nach Georg Werner muss aber zu einer unbekannten Zeit (Kriegszeit ?) ein Friedhof bestanden haben, weil bei Straßenbauarbeiten neben der Kirche menschliche Gebeine zum Vorschein kamen.

Visitationsbericht von 1560
Auch im Visitationsbericht von 1560 wird die Kirche in "Sultzrain" kurz erwähnt. Dort heißt es, sie besitze zwei Kelche mit Corporale (Tuch unter dem Kelch), eine Messingmonstranz, ein Messbuch, ein Liturgiebuch, ein zerissenes Liederbuch und zwei Messgewänder. Das Tauföl ist in einer kleinen Flasche aufbewahrt. Mit den Worten "Sonst kain mangel" endet der Bericht über Sulzrain.



Ausschnitt aus der Karte des Freisinger
Geografen Georg Philipp Finckh von 1655

Die älteste Kirchenrechung stammt aus dem Jahr 1630. Damals erstellte ein namentlich nicht genannter Zimmerermeister die Empore. Die Kosten dafür übernahm der Kirchenpfleger Michael Mändl (Hörlbauer) privat. Der Dachauer Maler Johann Zehentsperger bemalte für 14 Gulden die Emporenfelder mit acht Bildern, darunter die vier Kirchenlehrer (Augustinus, Ambrosius, Gregor d.Große und Hieronymus) und den hl.Bernhard.

Dreißigjährigen Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg hat Sulzrain unter den Schwedeneinfällen 1632 und 1648 schwer gelitten. Am Ende des Krieges, 1648, standen nur noch zwei der elf Anwesen. Ob die Kirche in Mitleidenschaft gezogen worden ist, ist mir nicht bekannt.
Was an liturgischen Geräten noch übrig geblieben ist, ist in einer Beschreibung vom 3.7.1656 enthalten:
"1 Messgewand mit leoischen Porthen samt Stol(a) und manipl
 1 Altartuch mit Spitzen - 1 Tuftentuch mit Spitzen
 1 weißes doppeltes Kelchtichl mit guldenen Spizen, 1 mit silbernen Spizen
 1 Albe samt dem Funeral
 2 zinnerne Opferkändl samt dem Plätl
 1 kupferner Weihbrunnkessel - 2 Gloggen
 1 rotes Mochiern = Mohär Fähnl - 2 gloggenrot hilzen Leichter - 1 blechern Handglöggel - 1 blechernes Wandlglöggl (1661)

Der heutige Kirchenbau ist der Spätgotik (15./16.Jh) zuzuordnen.


Matrikel 1740

Kirchturm
im 18.Jh.

In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben.

Zur "Ecclesia filialis s.Nicolai in Sulzrain" bemerkt er, sie liege auf einem kleinen Hügel. Der einzige Altar sei dem hl.Nikolaus geweiht. Gottesdienste würden am Kirchweihfest gehalten, das auf den Sonntag innerhalb der Oktav von Mariä Himmelfahrt (15.Aug.) falle und natürlich am Patronatsfest (6.Dezember). Außerdem bestehe nach einem Dekret von 20.Okt. 1692 eine Messstiftung des Ortsangehörigen Michael Mändel für eine Messe monatlich.
Dies gehe aus einer Visitationsbeschreibung aus dem Jahr 1706 hervor. Die Messgewänder müssten in der Regel von der Pfarrkirche in Ampermoching mitgebracht werden.

Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer von Ampermoching und der Landpfleger von Dachau. Das Vermögen der Kirche betrage 600 fl. (=Gulden). Das war für damalige Zeiten ein für die Größe der Kirche angemessener Betrag.

Kirchturm
im Jahr
2015


Neuausstattung in der Rokokozeit

In der Rokokozeit um 1750 wurde das Innere im Sinne des neuen Stils ausgestattet. Bekannt ist, dass in diesem Zusammenhang der Dachauer Marktmaurermeister Andreas Strohmayr (+ 1763) drei Kirchenfenster vergrößerte. Der Dachauer Kunstschreiner Nikolaus Prugger jun. erstellte einen neuen Altar.

Renovierung um 1800
Im Jahre 1793 erstellte der Schlosser- und Maurermeister Anton Glonner einen Kostenvoranschlag für eine Reparatur der Kirche. Darin schlug er vor, die Bedachung "gegen das Wetter neu auszuschlagen", das Kirchengemäuer an vier Orten zu untermauern und das baufällige Vorhaus neu aufzumauern. Außerdem sollte das Kirchenpflaster neu gelegt werden "weil es selbst völlig verfault ist". Die ruinöse Holzvertäfelung der Decke des Kirchenraums aus "Dafllaerch" (=Tafellärche) sollte abgenommen und die Decke geweißelt werden (Kosten 181 Gulden).

Säkularisation 1803
Im Jahre 1803 war die Kirche im Zusammenhang mit der Säkularisation in Bayern zum Abriss vorgesehen. Nachdem sich aber die Ortschaft zur baulichen Erhaltung der Kirche verbindlich verpflichtete, wurde sie vom Abbruch verschont. Ab dem Jahre 1806 war deshalb die Ortschaft Sulzrain, später Gemeinde Amperpettenbach, für den Bauunterhalt zuständig.

  In der Anmerkung zum Inventarverzeichnis von 1817 heißt es dazu:
"Diesem Kirchlein wurde ihr Vermögen eingezogen, als entbehrlich erklärt und zu demolieren angeordnet, hätte selbes baulich zu unterhalten die Gemeinde nicht übernommen, das sie auch bisher geleistet und so stehts zur Zierde der Gegend, beraubt ihres Vermögens noch da".


Renovierung 1849

Im Jahr 1849 führte man eine größere Renovierung der Kircheneinrichtung durch. An erster Stelle stand die Reparatur des prächtigen Choraltars, der damals genau 100 Jahr alt war. Aus dem Kostenvoranschlag des Dachauer Malers Anton Huber kennen wir die Maße und die Ausstattung des Altars, die weitgehend den heutigen entsprechen: Größe: 13,5 Fuß (=3,92 m) hoch und 5,5 Fuß (=1,60 m) breit. Zwei korinthische Säulen. Zwei Altarrahmen, einer vier Fuß, der andere zwei Fuß hoch. Daneben hat man noch die Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, Maria, Johannes und Magdalena (!) restauriert.


Verlegung des Kirchweihfestes
Im Jahr 1854 haben die Sulzrainer beim Ordinariat den Antrag gestellt, das Kirchweihfest aus dem Sommer (Sonntag nach Mariä Himmelfahrt -15.8.) in den Herbst zu verlegen. Grund war die Klage der Bauern, dass die Knechte und insbesondere die Mägde mitten in der Erntezeit von Freitag vor der Kirchweih bis Dienstag nach der Kirchweih für die landwirtschaftliche Arbeit ausfielen. Da es für einen Bauern üblich sei, ein Rind, ein Schwein und oft noch zwei bis drei Schafe zu schlachten, bleibe meist Fleisch übrig. Das könne man im Sommer aber nicht räuchern, weil es zu schnell verderbe. Damals war das weltliche Kirchweihfest schon auf den 3.Sonntag im Oktober verlegt; nun sollte auch die kirchliche Feier in Sulzrain, die offensichtlich getrennt von der weltlichen Feier durchgeführt wurde, in eine günstigere Zeit verschoben werden. Geplant war der 3.Sonntag vor Simon und Judas (28.10.), also Anfang Oktober. Dies hätte den Vorteil, dass an einem Sonntag in Sulzrain, am nächsten Sonntag in Mariabrunn und am dritten Sonntag in Ampermoching Kirchweih gefeiert werde. Ob der Antrag genehmigt wurde, ist mir nicht bekannt.
Ab 1866 hat man staatlicherseits alle Kirchweihfeste einheitlich auf den 3.Sonntag im Oktober verlegt.
Wenn Sie den Antrag im Originaltext lesen möchten, klicken Sie hier...


Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Über Sulzrain ist zu lesen, dass in dem "an der Vicinalstraße nach Unterbruck" gelegenen Ort 98 Gläubige in 12 Häusern wohnten. Das Erbauungsjahr der Kirche sei unbekannt. Die "stillose" Gotteshaus habe einen Kuppel-Thurm mit zwei Glöckchen. Die Baupflicht liege bei der Gemeinde. Gottesdienst werde am Patrozinium (6.12.) gefeiert. Den Mesnerdienst versehe ein Bauer.


Pfarrzugehörigkeit

Sulzrain war zwar über die Jahrhundert immer eine Filialkirche der Pfarrei Ampermoching. Doch wirtschaftlich war sie bis 1933 eine eigene Kirchenstiftung. Dies zeigt auch eine Entscheidung des Patrimonialgerichts Schönbrunn vom 16. Juni 1828, in der der damalige Pfarrer Nebel getadelt wurde, weil er zu den Gottesdiensten Kelche, Messgewänder und die Chorröcke der Ministranten aus der Pfarrkirche Ampermoching mitbrachte. Die Sulzrainer mussten sich diese Utensilien selbst beschaffen. Das taten sie auch und kauften sich bei Anton Mairhofer in München für 48 Gulden einen vergoldeten Silberkelch samt Löffel und Patene.
Wenn Sie den Schiedsspruch im vollen Text lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche liegt auf einer kleinen Anhöhe inmitten des Dorfes. Ein Friedhof ist nicht vorhanden.
Der 3-seitig geschlossene Chor ist geringfügig breiter als das Langhaus (dies ist selten in Kirchen des Dachauer Landes). Die Kirche in ihrer breit dahingelagerten Form  gleicht einer Henne, die ihre Flügel schützend über ihre Küken ausbreitet.
Der quadratische Turm aus dem 17.Jh mit seinem achteckigem Oberteil und dem schindelgedeckten Spitzhelm ist teilweise in die Westmauer integriert. Er ist durch viele barocke Blendnischen reich gegliedert. Der Spitzhelm mit Schindeldeckung wurde drei Jahre nach einem Sturmschaden (1875) im Jahr 1878 aufgesetzt und ersetzte eine frühere Zwiebelhaube (Kosten 350 fl).

Kirche von Westen

Bei der Außenrenovierung 2015 hat man die von Spechten durchlöcherten Schindeln durch ein äußerst restistentes Uginoxdach ersetzt. Uginox ist verzinnter Edelstahl, der mit der Zeit eine Patina ansetzt.
Im Turm hängen zwei Glocken. Die Marienglocke mit einem Gewicht von 35 kg stammt aus dem 19.Jh. Die mit 64 kg fast doppel so schwere Nikolausglocke aus Kupfer-Zinn-Bronze wurde von Karl Czudnochowsky aus Erding nach dem 2.Weltkrieg gegossen. Sie besitzt die Aufschrift "Zu Ehren des hl.Nikolaus" und erklingt in der Tonlage g.

 

Frühere Glocken: Schon die Inventarliste von 1656 wies zwei Glocken aus.
Nach der Kirchenrechnung von 1730 hat man zwei Glocken repariert: Der Glockenumhänger Thomas Gruber aus dem Salzburger Land hing die beiden Glocken um, machte einen neuen Schwengel und einen neuen Glockenboden (6 fl.26 kr).
Aus dem Jahr 1809 ist bekannt, dass im Turm nur ein kleines Glöckchen hing.
Im Ersten Weltkrieg musste eine Glocke mit 65 kg (mit der Aufschrift "Maria bitt") für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Die Entschädigung dafür betrug 290 Mark. Die als Ersatz angeschaffte Glocke überstand nur wenige Jahre; sie wurde im 2.Weltkrieg eingeschmolzen.


Gedenktafeln ...
Im Vorhaus an der Südwestseite sind zwei Gedenktafeln für die Gefallenen der Ortschaft in den beiden letzten Weltkriegen angebracht.
   
... für die Gefallenen

Renovierungen der kleinen Dorfkirche dürften -wie dies auch bei vielen anderen Kirchen der Fall ist- mindestens alle 25 Jahre vorgenommen worden sein. Nachgewiesen sind sie in den Jahren 1630, 1793, 1824 (Dach), 1835 (Blitzableiter), 1848 (innen und außen), 1901, 1908, 1923, 1934 (Dach), 1939/40 (Figuren), 1979 (Isolierung der Fundamente, Putz, Pflaster) und 2001.

Der Heimatforscher Georg Werner aus Ampermoching hat sich ausführlich mit der Baugeschichte der Kirche befasst. Wenn Sie den Aufsatz, der in der Zeitschrift Amperland 2003/1 veröffentlicht wurde, lesen möchten, klicken Sie hier....



Innenausstattung

Altarraum

Der mit drei Achteckseiten schließende Altarraum ist mit einer unbemalten Flachdecke überzogen; vier rundbogige Fenster erhellen den Raum.

Altar

Der Rokoko-Altar von 1749 besitzt einen von zwei Wendelsäulen und zwei Pilastern getragenen Aufbau mit verkröpftem Gesims und schrägen Volutenstützen im Aufsatz. Das Antependium ist braun-beige marmoriert (Holz mit Marmorstruktur bemalt) und mit einem vergoldeten Kreuz geschmückt.

Choraltar 1749
Drei berühmte Dachauer Künstler waren hier beteiligt: Der Altar wurde von Nikolaus Prugger, Kistler aus Dachau (sign.) und Franz Mayr, Maler, ebenfalls aus Dachau (sign) gestaltet; Anton Huber restaurierte ihn 100 Jahre später, 1849.
Altaraufsatz
Auf dem verkröpften Gesims sitzt der Altaraufsatz, der von seitlichen Voluten gestützt wird. Das ovale Bild wurde wohl bei der Erstellung des Altars im 18.Jh. gemalt. Es stellt Gottvater dar, mit dichtem Bart, der sich auf eine Weltkugel stützt. Das Haupt ist von dem nur ihm vorbehaltenen dreieckigen Heiligenschein umgeben. In der Hand hält er ein Zepter.

Gottvater
Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Mittelteil
Die St. Nikolaus-Figur in der geschweiften Mittelnische entstand schon vor dem Altar um 1680. Der Heilige ist im Bischofsornat dargestellt,auf dem Kopf die Mitra, in der linken Hand den Bischofsstab,
in der rechten Hand drei goldene Kugeln.

St.Nikolaus
Nach der Legende konnte Nikolaus durch gezielte Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass ein Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste.


St.Nikolaus

Ein kleiner Bronzeleuchter, der angeblich aus dem 13. Jahrhundert stammte, ist 1945 verschwunden.


Figurenausstattung


Patrona Bavariae
An der linken Seitenwand steht auf einem Sockel eine Muttergottesstatue aus spätgotischer Zeit. Maria, mit einem rot/ blau/goldenem Gewand gekleidet, trägt eine Krone auf dem Haupt. Sie hält auf dem  linken Arm das Jesuskind, in der rechten Hand ein Zepter.  Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung; im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe den Edelstein Lapislazuli. Und Gold symbolisiert das Ewige, die himmlische Herkunft, den himmlischen Glanz und höchste Herrlichkeit.


1. Kreuzigungsgruppe

Des weiteren ist an der linken Seitenwand eine Kreuzigungsgruppe im gotischen Stil angebracht. Maria hat die Arme in Trauerhaltung über der Brust gekreuzt, der Apostel Johannes mit der Bibel unter dem Arm, weist mit der mit der rechten Hand auf das Kruzifix.

      
Muttergottes - Kruzifix - St.Johannes
Früher gehörte zu dieser Gruppe noch eine Figur der Maria Magdalena. Dies wissen wir von der Aufstellung der Renovierungskosten in der Kirchenrechnung 1849.


2. Kreuzigungsgruppe


Kreuzigungsgruppe

Gegenüber, an der rechten Seitenwand ist eine weiter Kreuzigungsgruppe zu sehen. Sie wurde wohl in der 1.Hälfte des 18.Jh geschnitzt. Der Corpus ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft das Blut. Jesus hat sein Haupt im Tod nach rechts geneigt. Das im Wind flatternde Lendentuch (perizoma) ist vergoldet.
Unter dem Kreuz steht Maria als Mater Dolorosa, als Schmerzensmutter mit einem Schwert in der Brust. Das Schwert erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung   im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Maria ist in ein rot-blau-goldenes Gewand gekleidet. Der Bildtypus der Mater Dolorosa entwickelte sich schon im Mittelalter und bezieht sich direkt auf das aus dem 13. Jh stammende Gedicht "Stabat mater", das die Gottesmutter in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten besingt: Christi Mutter stand mit Schmerzen, bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing. Das Lied wurde vielfach vertont; es war auch im alten Gotteslob unter Lied Nr.
532 zu finden.



Mater dolorosa


Neben der Kreuzigungsgruppe steht auf einem Postament an der rechten Wand eine Figur des Erzengels Michael, der mit dem Spieß den unter ihm liegenden Luzifer in Schach hält.
Eine weitere Engelsfigur, die mit der Michaelsfigur um das Jahr 1700 geschnitzt worden war, wurde im 20.Jh gestohlen.
  Hinweis: Der Erzengel Michael war nach der Überlieferung häufig mit der Heilsgeschichte der Men-schen verbunden. Er stürzte - schon vor Beginn der Schöpfung - den Luzifer, trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1.Mose 3, 23-24) zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüch-tiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres und ihres SohnesLeben (1.Mose 16, 7-12). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1.Mose 18, 1-16),

St.Michael
  er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1.Mose 22, 11-18) rang mit Jakob (1.Mose 32, 24-29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2.Mose 14, 19-22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3, 25-26) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte. Gedenktag: 29.September

Das Langhaus besitzt wie der Altarraum eine einfache Flachdecke. 

KreuzwegbilderGeorg WernerMichebaur aus SchuihofKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderRundbildHockerVortragekreuz
                             per Mouseklick zu den Beschreibungen der einzelnen Ausstattungsstücke

Kreuzwegbilder

Die Kreuzwegbilder im rückwärtigen Bereich des Kirchenschiffs sind großenteils Nachdrucke der Stiche von Ignaz Sebastian Klauber, Kupferstecher und Kunstverleger aus Augsburg (1753-1817); sie wurden 1797 erstellt (s. Signatur).

Dazu kommen Drucke aus dem "Passionsspiegel" des Augsburger Kupferstechers und Verlegers Johann Andreas Pfeffel (1674 - 1748).


Kreuzwegbild

Die Bilder wurden für das Exerzitienhaus Fürstenried erstellt und kamen später nach Sulzrain.
Wenn Sie sich alle Kreuzwegbilder ansehen möchten, klicken Sie hier...
Hinweis: Von Klauber stammen übrigens auch die von der selben Platte gedruckten, aber colorierten Kreuzwegbilder in Wollomoos und (ebenfalls schwarz/weiß) in Taxa und Hilpertsried.
Vortragekreuz
Das vor den Kirchenbänken aus dem 19.Jh. befestigte Vortragekreuz aus der selben Zeit erinnert an den früheren alljährlichen Bittgang der Sulzrainer nach Pasenbach am 1. Mai jeden Jahres. Der Corpus Christi ist nicht so fein gearbeitet wie an den anderen beiden Kruzifixen im Raum. Der vormals sicherlich dreiteilige Heiligenschein besitzt nur noch einen Strahl.
In späterer Zeit hat man um den Hals Jesu ein Blechherz (Herz Jesu mit Flammen) gehängt.

Vortragekreuz
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei
Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Empore

Die Kirche ist nicht sehr hoch. Wegen der geringen Kopffreiheit hilft hochgewachsenen Kirchenbesuchern auf der Empore nur eine demütige Haltung mit gesenktem Haupt.

Die Emporenbrüstung ist durch acht Felder gegliedert. Alten Kirchenrechnungen ist zu entnehmen, dass sie wohl im Jahr 1630 eingebaut wurde. Damals bemalte der Dachauer Johann Zehentsperger acht Felder, u.a. mit den Bildern der vier Kirchenlehrer Augustinus, Ambrosius, Gregor d.Große und Hieronymus sowie des hl.Bernhard. Später waren hier die Kreuzwegbilder befestigt, die nunmehr an den Wänden hängen.


Kopie von Raffael-Gemälde
Heute sind die Holzfelder der Brüstung leer; lediglich ein Rundbild ist in der Mitte angebracht. Es zeigt eine Nachbildung der Madonna-della-Sedia, die vom berühmten italienischen Renaissance-Maler Raffael (1483-1520) im Jahr 1513 geschaffen worden ist. Die 'Madonna della Sedia'- auch 'della Seggiola'genannt - verdankt ihren Titel dem übereck gestellten Sessel, in dem Maria mit dem Christuskind gezeigt wird. In das Rund ist die Sitzgruppe mit dem jugendlichen Johannes dem Täufer meisterhaft eingefügt.
  "Was dieses Gemälde vor allen anderen des großen Meisters auszeichnet, ist nicht allein die Innigkeit der in sich bewunderungswürdig geschlossenen Composition, sondern hauptsächlich der magische Reiz, welcher über das blendend schöne Anlitz der Madonna ausgegossen ist." (J.D. Passavant, 1839).
Seit 1589 gehörte das zugleich intime und reich instrumentierte Gemälde zum Kernbestand der Medici-Sammlungen in der Tribuna der Uffizien. Seine Zugänglichkeit dort, wie auch die spätere Präsentation in Paris zwischen 1797 und 1815, führte zu einer weiten Verbreitung der Kopien wie z.B. hier in Sulzrain
.

Harmonium

 

Die Kirche hat keine Orgel. Im Kirchenschiff steht hinten links ein Harmonium. Besonders schön ist der Hocker für den Organisten gestaltet.

 


Hocker
Die Nische an der Rückwand ist der unterste Teil des Kirchturms. In ihr hängen die Glockenseile, mit denen die beiden
Glocken noch von Hand geläutet werden.

Hans Schertl


Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 585, 803, 979)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Bericht des Kreisheimatpflegers Angerpointner (nicht veröffentlicht)
Max Gruber, Für Dachau und die Umgebung bis 1800 tätige Architekten, Bau- u. Maurermeister, Amperland 1982 (Strohmayr)
Max Gruber, Baugeschichte der Kirchen im Bereich der Gemeinde Hebertshausen, Amperland 1985
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3 (Nikolaus Prugger)
Inventar der Gotteshäuser der Pflegamts Dachau, S.150, STA München, Pfleggericht Dachau, GL DAH 211
Dachauer Nachrichten 2001
Dachauer SZ 2001
Kreisbote Dachau 2001
Georg Werner, Kirchenführung 2001
Georg Werner, Die Sankt Nikolaus Kirche in Sulzrain, Amperland Heft 2003/1 (klicken sie hier....)
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Georg Werner, Kirchenrechnungen der Pfarrei Ampermoching, 2009 (Kirchweih)
Cyliax, Haidn/Pascale, Besiedlungsspuren am Taxberg bei Sulzrain, aus Heft Archäologie im Dachauer Land 2008-2010
Georg Werner, Schmuckstück für das Dorf, Münchner Kirchenzeitung vom 17.Januar 2016

39 Bilder: Hans Schertl (38), Georg Werner (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

20.5.2016


 
Kreuzwegbilder

Titelbild des "Kläglichen Passionsspiegels"

Daraus sind die Stationen 9, 13 und 14 entnommen.
Die übrigen Stationen wurden von Ignaz Seb. Klauber gestochen.


Titelbild des Passionsspiegels

Text:
Kläglicher PASSIONS-Spiegel, welcher uns vorstellet den schmerzhafften Weg zum Creutz und Todt des wegen unserer Sünden gecreutzigten Heylands JESU CHRISTI, herausgegeben, u. verlegt von Johann Andreas Pfeffel, Ihrer kayserl. Majestät Hoff- Kupfferstecher in Augspurg.

1.Station
Christus ad mortem crucis condemnatus.
Jesus wird zum Tod des Kreuzes verurtheilt.
  2.Station
Christus humeris suis crucem inponens.
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulteren.

3.Station

Casus Christi sub cruce primus.
Jesus fallet das erstemahl unter dem Kreuz.

 

4.Station

Christus obuians Matri Suae.
Jesus begegnet mit dem Kreuz seiner Betrübten Mutter.

6.Station

Christus a Veronica Sudarium accipiens.
Veronica reichet Jesu das Schweiß-Tuch.

 

7.Station

Christus altera vice sub cruce in terram prostratus.
Jesus fallet unter dem Kreuz das anderemahl.

8.Station

Christus Filias Hierusalem Solatur.
Jesus tröstet die Weinende Frauen von Jerusalem.

 


9.Station

Der durch die ungeheuere Creutzes-Last gantz abgemattete Heyland fällt mit derselben zum dritten mahl. -
O Schmerz ! o große Noth !
der Heyland fällt schon wieder,
Der, welcher ohne Schuld, liegt hier ganz abgematt,
Des Creutzes schwere Last
stürzt ihn zur Erden nieder,
Das er zu unserm Heyl auf sich genommen hat.


10.Station

Christus vestimentis exuitur.
Jesus wird seiner Kleider entblößt und mit Gall vermischten Wein getränket.

 

11.Station

Christus cruci affigitur.
Jesus wird an das Kreuz genaglet.


12.Station

Christus in Cruce
Jesus wird erhöcht, und Stirbt am Kreuz.

 

 


13.Station

Nicodemus u. Joseph von Arimathia haben den allerheiligsten Leichnam Christi vom Creutz genommen u. seiner heiligen Mutter übergeben.
Mein Jesus wird nunmehr von seinem Creutz genommen. - Ach ! legt denselbe doch tief in mein Hertz hinnein; - Er ist nach Ängst und Pein zu seiner Ruh gekommen - Welt gute Nacht, ich will bey meinem Jeus seyn.


14.Station

Der gebenedeyete Leichnam unsers entseelten Heylands Jesu Christi wird in das neue Grab Josephs von Arimathia gelegt.
Hier liegt der Lebens-Fürst, hier liegt mein Schatz entseelet.
Und ich armseeliger kan noch am Leben seyn ?
Die Sonne meiner Lust, die ich mir auserwehlet,
Schließt jetzt die dunckle Grufft des harte Felsens ein.



Entscheidung des Patrimonialgerichts Schönbrunn
vom 16.Juni 1828

"Man musste mit großem Befremden in Erfahrung bringen, daß von Herrn Pfarrer zur Haltung verschiedener Gottesdienste in Sulzrain jedes Mal aus der Pfarrkirche Ampermoching ein Kelch als noch andere Gegenstände als Chorröcke verwendet werden. Da diese Gegenstände, namentlch der vergoldete Kelch durch das häufige Hin- und Herschlagen beschädigt werden, so sieht man sich veranlaßt, diese Handlung dem Herrn Pfarrer um so mehr zu rügen, da die Filialkirche Sulzrain mit dere Pfarrkirche Ampermoching in gar keiner Verbindung steht, so sieht man sich bemüßigt, den Gebrauch eines Kelches, Chorrockes ... für alle Zukunft zu untersagen, widrigenfalls dem Pfarrer für jede Übertretung 3 fl von seinem Stiftungsgefälle abgezogen werden müßten. Dieser Mißstand kann um so leichter abgestellt werden, als die Gemeinde Sulzrain allerdings so viel vermögend sein wird, diese höchst nötigen Requisiten aus eigenen Mitteln beizuschaffen."
Pfarrer Nebel fügte folgenden Zusatz an: "Dieses wurde den Bauern in Sulzrain am 22.Juni kundgetan und zur Beischaffung eines Kelches mit Patene, den Ministrantenröcken, Corporale ermahnt."

 

Verlegung der Kirchweihe in Sulzrain

Protokoll aufgenommen im Pfarrhof zu Ampermoching am 11. Juni 1854
die Verlegung der Kirchweih der Filiale Sulzrain betreffend".

Praesent:
Angerpointner, Pfarrer
1 . Johann Riedmaier, Bauer beim Brettschleipfer
2. Michael Heckmaier, Gütler und Kirchenpfleger, gleichfalls von dort
und geben an:

die Feier unserer kleinen Filialkirche fällt jährlich auf den nächsten Sonntag nach Maria Himmelfahrt in Mitte August und sohin in eine Zeit, wo gewöhnlich noch der Weizen oder doch wenigstens Gerste und Haber auf dem Halme stehen. Durch die Feier der Kirchweih gehen uns aber die weiblichen Dienstleistungen am Freitag und Samstag vor und am Dienstag nach der Kirchweih verloren und daß am Kirchweihmontag ohnehin nichts geschieht, ist bekannt. In der Ernte aber vier Arbeitstage verlieren müssen, ist gewiß ein kostspieliger Verlust. Ein weiterer sehr bedeutender Nachteil geht uns dadurch zu, daß uns diese Zeit das Fleisch so leicht verdirbt. Wie dermalen die Kirchweihen gehalten zu werden pflegen, muß der Bauer ein Rind, ein gutes Schwein und oft noch 2 - 3 Schafe schlachten und kann erst am Dienstag sagen, ob und was ihm geblieben ist. Durch die Wärme in dieser Zeit ist aber häufig der Überrest schon riechend und es bleibt sohin nichts anderes übrig als auch ihn noch schnell aufzuzehren, während er zu jeder anderen Zeit geräuchert und aufbehalten werden könnte. Darum hätten sie schon längst gerne die Verlegung ihrer Kirchweih nachgesucht, hätten sie nicht die Feindschaft des Wirtes von Amperpettenbach gefürchtet da aber nunmehr die weltliche Feier aller Kirchweihen auf den 3. Sonntag im Oktober verlegt ist, so bringen sie die unterthänigste Bitte an: "Es möge die kirchliche Feier ihrer Filialkirchweihe auf den 3. Sonntag vor Simon und Judas verlegt worden, wonach am 1. Sonntag vor genanntem Aposteltage die Kirchweih von Ampermoching, am 2.jene von Mariabrunn und am 3. die von Sulzrain fiele."

Es unterschreiben dieses zur Bestätigung auf Ablesen eigenhändig
Johann Riedmair

Ergänzung:
Soll dieses Protokoll mit gutachtlichem Briefe an das hochwürdigste Ordinariat einbefördert werden.
Das katholische Pfarramt, Angerpointner, Pfarrer

zur Baugeschichte von Georg Werner...