zur Landkreiskarte            ausführl.Beschreibung          Kirchen in der Gem.Röhrmoos


Filialkirche St. Lantpert (Lampert) in RIEDENZHOFEN


Adresse: 85244 Röhrmoos, Riedstraße 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Riedenzhofen (rd. 400 Einwohner), an der Straße zwischen Röhrmoos und Vierkirchen gelegen, wurde unter dem Namen Hruodineshofen im Jahr 856 erstmals urkundlich erwähnt. Die Urkunde finden Sie am Ende dieser Seite.

Die am nordöstlichen Ortsrand gelegene Filialkirche St. Lantpert (=Lampert ) wird erst 459 Jahre später schriftlich erwähnt und zwar In der Konradinischen Matrikel von 1315.
Dort wird sie "Filia Rübentzhoven", in der Sunderndorferschen Matrikel von 1524 " s.Lamperti in Riedenzhouen" und 1560 "Rietzenhofen" jeweils mit Friedhof genannt.

Riedenzhofen gehörte bis 1915 zur Pfarrei Vierkirchen; dann wurde es in die Pfarrei Röhrmoos umgepfarrt. Seit 2012 ist die Filialkirche zusammen mit der Pfarrei Teil des Pfarrverbands Hebertshausen-Röhrmoos.

Die heutige Kirche ist jünger als die im Jahr 1315 beschriebene. Ihre ältesten Bauteile sind der spätgotische Chor und die unteren Geschosse des Turms. Sie dürften aus der Zeit um 1500 stammen. Das barocke Langhaus wurde um das Jahr 1720 neu erbaut.

Der mit einer barocken Zwiebel geschmückte stämmige Turm ist in seinen unteren drei Stockwerken quadratisch, in den beiden oberen Stockwerken achteckig. In ihm hängen zwei Glocken.

 
Sakristeiglocke

Die letzte Renovierung fand im Jahr 2002 unter großer finanzieller und tatkräftiger Beteiligung der Ortsbewohner statt.

Inneneinrichtung

Der Kirchenraum ist mit einer Flachdecke über einer farblich herausgehobenen Hohlkehle überzogen.  

Die Altäre der Kirche stammen aus der Zeit von 1650 bis 1690. Es handelt sich um barocke Säulenaufbauten. Sie sind älter als der heutige Kirchenbau.

Eine Besonderheit ist der Hochaltar mit seinem dreistöckigen Aufbau. Im unteren Bereich, dem Hauptteil, sind  drei "Stabträger", drei Bischöfe dargestellt:
In der Mitte der Patron der Kirche, der Freisinger Bischof Lantpert, rechts der Regensburger Bischof St.Wolfgang. Wen die Figur auf der linken Seite darstellt, ist nicht bekannt.

Die Seitenaltäre sind der Muttergottes und der hl.Ursula geweiht.

Die Figurenausstattung sowie die Darstellungen der Gemälde und der Fensterbilder in der Kirche entsprechen dem bäuerlichen Umfeld. Sie stellen dar:
— Der Pestheilige Sebastian,
— die Bauernheiligen Leonhard, Isidor und Notburga,
— die Nothelferin St.Katharina,
— der Männerheilige St.Josef,
— St.Antonius als Helfer verlorener Gegenstände sowie
— St.Theresia,eine häufige Namenspatronin von Frauen.

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Auffällig ist die große Mater-dolorosa-Figur, die früher in Röhrmoos stand.

Seit einigen Jahren wird am Karfreitag wieder ein Heiliges Grab in abgedunkelter Kirche aufgebaut.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Matrikel 1315 Neubau 1450 Matrikel 1524 Visitation 1560 Neubau 1720
    Matrikel 1738 Beschreibung 1874    
Ausstattung: Altarraum

Apostelleuchter

Choraltar Fenster Heiliges Grab
Kanzelkreuz Kirchenschiff Kreuzweg Lantpertbild Mater dolorosa

Sakristei Seitenaltäre Turm    

Riedenzhofen liegt an der Straße zwischen Röhrmoos und Vierkirchen. Die Ortschaft wurde unter dem Namen Hruodineshofen 856 erstmals urkundlich erwähnt. Da aber ca. 1 km nördlich des Ortes eine Römerstraße verlaufen ist, kann man annehmen, dass in dieser Gegend schon wesentlich früher Menschen siedelten. In einem nahen Wald befinden sich mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit (ca.1800 v.Chr).

Geschichte der Kirche

Konradinische Matrikel 1315
Eine Kirche in Riedenzhofen wird erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 mit Friedhof genannt: "Viehchirchen...habet VIII filias: Chamerberch, Viehpach, Piperbach, Rudoltzhouen, Rübentzhouen cum sepulturis. Rotenbach, Uetenshouen, Alboltzhouen et Giebingen sine sepulturis". Riedenzhofen hatte schon damals einen Friedhof, was die Bedeutung der Ortschaft herausstellt. Es gehörte bis 1915 zur Pfarrei Vierkirchen, seither zur Pfarrei Röhrmoos, die inzwischen mit den Pfarreien Großinzemoos, Ampermoching und Hebertshausen einen großen Pfarrverband bildet.


Neubau 1450
Die heutige Kirche ist jünger als die im Jahr 1315 beschriebene. Ihre ältesten Bauteile sind der spätgotische Chor und die unteren Geschosse des Turms. Aus der Lage des Turms an der Südseite des Altarraums kann geschlossen werden, dass die gotische Kirche erst nach 1450 errichtet wurde.


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 wird Riedenzhofen als Filialkirche " s.Lamperti in Riedenzhouen cum sepulturis (=mit Friedhof) erwähnt.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Lampertus in Rietzenhofen" erwähnt. Das eigene Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug nur 1 1/2 Gulden und 1 Pfund Wachs. Es gab kein eigenes Mesnerhaus ("Hat kain mesen-hauß"). Der Mesner war wohl einer der Bauern oder ein Gütler. Die Kirche wird mit aller Zier beschrieben ("hat sonst alle zier zimblich"). Lediglich Fahnen gingen ab. In der Kirche stand ein "wol beschlossenes" Sakramentshaus. Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden rein aufbewahrt. Auch Taufwasser war vorhanden. An Gerätschaften befanden sich in der Kirche: 1 Kelch mit Corporale, 2 Messbücher, ein Liturgiebuch, zwei Messgewänder. Der Bericht schließt mit den Worten "Sonst kain mangel".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Vierkirchen -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...


Neubau 1721
In barocker Zeit, im Jahr 1721, wurde das Langhaus, das Kirchenschiff, neu angebaut und dabei das Innere der Kirche barockisiert. Bei Renovierungsarbeiten fand man an den Reliquienbehältern in den Seitenaltären die Jahreszahl MDCCXXI. Wenn Kirchen nach dem 30jährigen Krieg errichtet oder repariert wurden, war es üblich, dass das Pflegamt Dachau zinslose Darlehen (Anlehen genannt) gab. Das Geld für diese Darlehen mussten die übrigen Pfarreien aufbringen. So erfahren wir manchmal aus Kirchenrechnungen anderer Pfarreien, wann in einer Kirche eine Baumaßnahme durchgeführt wurde.
In den Kirchenrechnungen von Biberbach sind Beiträge dieser Kirchestiftung zu den Baumaßnahmen am Gotteshaus in Riedenzhofen enthalten mit dem Wunsch nach Rückzahlung. Dort heißt es: "Item anno 1721 zu erpauung der Filial Khürchen Riedtenzhoven auf khofftige (erhoffte) widererstattung 50 fl."


Schmidt'sche Matrikel

In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Lamtperti in Riedenzhofen" bemerkte er, die Kirche sei erst vor 18 Jahren aufgebaut und konsekriert worden. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem hl. Bischof Lantpert, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und der hl. Ursula geweiht. Kirchweih werde am Sonntag vor Michaeli (29.Sept) gefeiert, Patrozinium am 19.September. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Vikar der Pfarrkirche Vierkirchen und der Landpfleger aus Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses wirdet diser Zeit kaum 200 fl.(=Gulden) erraichen". Das war auch für eine Kirche dieser Größe ein sehr geringer Betrag.

Aus dem Jahr 1740 ist auch bekannt, dass der Hirtlbacher Maurermeister Dörfler eine Kirchendachausbesserung leitete. Da Schmidt in seiner Matrikel keine Mängel am Dach erwähnte, dürfte die Ausbesserung entweder vor dessen Besuch in Riedenzhofen vorgenommen worden sein oder es handelte sich um Reparaturen aufgrund eines Unwetters. Dörfler/Derffler war für kirchliche Bauten nicht nur in Riedenzhofen, sondern auch in Niederroth (1732), Rumeltshausen (1733), Schwabhausen (1733), Ebertshausen (1718,), Vierkirchen (1742-44) und Hirtlbach (1743) tätig.


Beschreibung 1874

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche von Riedenzhofen als Filiale von Vierkirchen erwähnt. Zu ihr gehörten 101 Dorfbewohner (Seelen), die in 18 Häusern wohnten. Über das Kirchengebäude schreibt er: "An der Ingolstädter Bahn gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Stil des 17.Jahrh. Die Kirche liegt hoch. Geräumigkeit genügend. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre, keine Orgel. Gottesdienste am Patrocinium-Sonntag nach Mariä Geburt (=8.Sept.) und fast allwöchentlich eine hl.Messe. 5 Mess-Stiftungen. Meßner ist ein Gütler. Kirchenvermögen 1870 rd. 2400 Gulden".


1915 - Umpfarrung von Vierkirchen nach Röhrmoos

Am 10. Februar 1915 wurde die Ortschaft Riedenzhofen von der Pfarrei Vierkirchen zur Pfarrei Röhrmoos umgepfarrt.
Das oberhirtliche Schreiben (Gen.Vik. Nr. 817) lautet:
  " Durch höchste Entschließung des K. Staatsministeriums des Innern für Kirchen und Schulangelegen-heiten, Nr. 1239 dd. 22. Januar c. ist im Einvernehmen mit der oberhirtlichen Stelle genehmigt worden, daß die Ortschaft Riedenzhofen, Gemeinde Röhrmoos, aus der kath. Pfarrei Vierkirchen in die kath. Pfarrei Röhrmoos umgepfarrt werde. Es wird nunmehr die Ortschaft Riedenzhofen von ihrem bisherigen kirchlichen Verbande mit der Pfarrei Vierkirchen vom 10. Februar 1915 an oberhirtlich gelöst und der pfarrlichen Jurisdiktion der Pfarrei Röhrmoos untergeben, wonach das weiter Erforderliche zu geschehen hat. München, den 5. Februar 1915 J. Neudecker"


1949 Mesner-Entlohnung
Interessant ist ein Eintrag in die Pfarrchronik vom 2.März 1949:
"In Riedenzhofen übernahm heute Herr Peter Wimmer, Gütler zum Sedlbauern, den Mesnerdienst an der dortigen Filialkirche. Als Entlohnung geben die Riedenzhofener ihrem neuen Mesner vom Tagwerk je 2 Pfund gutes Getreide. So wurde auf der heutigen Ortsversammlung in Riedenzhofen, bei der auch der Pfarrer anwesend war, einstimmig beschlossen".


Renovierungen

1875 Erweiterung der Sakristei durch den Biberbacher Zimmermeisters Reichlmayr
1876 u.a. Ausmalung der Kirche in dunkler, schwerer Barockmalerei.
Aufschrift auf der Rückseite des Choraltars: "Diese Kirche hat die Gemeinde Riedenzhofen auf ihre Kosten im Jahre 1876 durch Josef Merz, Maler u. Vergolder in München renoviren lassen."
1934/35

hat man mit tätiger Mithilfe der Bevölkerung die Stühle und Fenster erneuert und die Kirche getrocknet. Darüber ist ein Bericht in der Pfarrchronik erhalten. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...

1946/47 Bei den Renovierungsarbeiten vom Okt.46 bis Juni 1947 kamen im Unterbau der Seitenaltäre zwei verlötete Reliquien-behälter zum Vorschein, auf denen die Buchstaben F. F. F. S. R. I. und die Jahreszahl MDCCXXI (1721) eingraviert waren. Auch über diese Renovierungsarbeiten, die den Altären, Figuren und Bildern galten und die Gesamtkosten von 8500 RM verursachten, können Sie einen Bericht (Auszug aus der Pfarrchronik) lesen: klicken Sie hier...
1949 Neueindeckung des Kirchendachs und Erneuerung der Friedhofsmauer
1950 Außenwände und Turmhaube gestrichen.
1968 Solnhofer Platten als Bodenbelag verlegt; Antritt zum Chor aus Rotmarmor
2002 Renovierung von Türen und Geländer, Fassadenkreuz, Turmkreuz, Mauerwerk; neuer Glockenstuhl: Kosten 11.000 Euro + 200 Stunden Eigenleistung von J.Wimmer, F.Winklmair, S.Orthofer, J.Niedermeier, F.Lamprecht.


Baubeschreibung

Die Filialkirche St. Lantpert (= Lampert) in Riedenzhofen wurde am nordöstlichen Ortsrand errichtet.
Das dreiachsige Langhaus stammt aus barocker Zeit um 1720. Es ist außen durch gelb gestrichene Lisenen und ein Friesband gegliedert, die die Achsenbegrenzungen abbilden. Achse oder Joch bedeuten Gewölbeabschnitt. Die Kirche hat 80 Sitzplätze und 100 Stehplätze.

Guter Hirte

Vor der Südwand steht seit Anfang der 1990er Jahre ein Brunnen, der mit einer sog.Heiligensäule geschmückt ist. Die Säule hat ein Kapitell in dorischer Form. Auf ihr steht seit April 2008 eine Figur vom Guten Hirten mit einem Schaf zu seinen Füßen und einem Lamm in seinen Händen. Die Figur wurde von einem Steinmetzbetrieb in der Nähe von Schaftlach für 1.500 Euro aus Granit gefertigt.

  Außen an der Südseite hängt ein großes Kruzifix, das mit einem geschwungenen Dach vor den Unbilden der Witterung geschützt wird.


Wandkreuz

Turm und Glocken
Der mit einer barocken Zwiebel (mit Kupferbedachung) geschmückte Turm ist in seinen unteren drei Stockwerken quadratisch, in den beiden oberen Stockwerken achteckig.

In der Glockenstube mit acht rundbogige Schallfenstern unter der Zwiebel hängen zwei Glocken.
Die kleine Glocke hat den 2.Weltkrieg überlebt und ist noch vorhanden. Sie ist der Muttergottes geweiht, besteht aus Bronze, erklingt im Ton d, und wurde 1925 von der Fa. Bachmair in Erding gegossen.
Die größere Glocke wurde im Jahr 1950 bei Karl
Czudnochowsky in Erding gegossen. Sie erklingt im Ton h', wiegt 247 kg und kostete 1400 DM. Sie besteht aus Euphon, d.h. aus zinnfreier Bronze (damals gab es in Deutschland nur wenig Zinn). Euphon-Glocken sollen schöner, klangvoller und lauter ertönen als Glocken aus Bronze. Auch sollen Euphon-Glocken unzerbrechlich und nicht für Kriegszwecke verwendbar sein.
Über die Beschaffung und Weihe der Glocke im Jahr 1950 gibt es Berichte in der Pfarrchronik. Wenn Sie die Zusammenfassung dieser Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...

Eine 1837 von M.Hubinger in München gegossene Glocke musste wohl im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden. Denn am 19.2.1942 wurde eine im Jahr 1907 bei Anton Bachmair in Erding gegossene Glocke vom Turm abgenommen, die ein Gewicht von 400 kg hatte. Der untere Durchmesser betrug 82 cm, die Höhe mit Krone 86 cm, die Höhe der Krone 13 cm. Am oberen Kranz die Beschriftung "Sub tuum praesidium confugimus Sancta Dei genitrix; Gegossen von Ant. Jos. Bachmayer Erding 1907". Kurz bevor die große Glocke abgeliefert werden musste (am 19.2.1942), wurden die Glocken zusammen geläutet als Abschiedsgruß der scheidenden Glocken von der Ortschft Riedenzhofen, schreibt Pfarrer Endres.

Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Im Untergeschoss des Turms ist die Sakristei eingebaut. Sie wurde nach Osten hin im Jahr 1875 entsprechend einer Zeichnung des Biberbacher Zimmerermeisters Reichlmayr erweitert (mit einem am Turm anliegenden Pultdach).

Der Eingang liegt an der Südwestseite und ist durch ein Vorhaus mit Satteldach geschützt. Die Eingangstüre stammt aus dem 19.Jh.

Innenausstattung

  Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Länge des Kirche 13,30 m (davon Kirchensschiff: 8,30 m; Altarraum: 4,30 m; Chorbogen 0,70 m)
—  Breite der Kirche: Kirchenschiff: 6,60 m; Altarraum: 6,60 m; Chorbogen: 4,30 m
—  Höhe: Kirchenschiff: 6,40 m; Altarraum: 6,30 m (+ 1 Altarraumstufe); Chorbogen: 6 m, Empore 3,40 m

Die Kirche ist hell und freundlich gestaltet. Dies ist wohl ein Ergebnis der letzten Renovierungen, insbesondere der von 1946/47. Denn noch 1945 hat Pfarrer Endres über die neuromanischen Formen und Farben geklagt: "Die Restauration im Jahr 1876 hat die 1720 barock erbaute Kirche genau so behandelt wie eine romanische Kirche. Schwere Barockmalerei umsäumt den Plafond des Schiffes, ziert den Triumphbogen, die Hohlkehle des Chores und die Fensterleibungen. Mit etwas zu dunkler Farbe ist der Raum getüncht. Der barocke Charakter des Raumes ist völlig zerschlagen. Aber man muß noch zufrieden sein, daß die Erneuerung wenigsten die ursprünglichen Altäre belassen hat."

Altarraum / Chorraum

Der Altarraum ist gegenüber dem Kirchenschiff um eine Stufe (aus Rotmarmor 08) ) erhöht. Bei gleicher Deckenhöhe ist er um diese Stufe niedriger als das Langhaus. Der Altarraum schließt in drei Seiten eines Achtecks. Der Chorraum besitzt eine Flachdecke über einer ockerfarbig hervorgehobenen Hohlkehle (= rinnenförmige Vertiefung), die durch ein rundes Stuckbild und ein farbiges Gesims verziert ist. 


Hochaltar /Choraltar

Die Altäre der Kirche stammen aus der Zeit von 1650 bis 1690. Es handelt sich um barocke Säulenaufbauten, die mit verschiedenen Engelsfiguren auf den Gesimsen geschmückt sind. 
Das Retabel
des Hochaltars hat einen dreiteiligen Aufbau, also ein "Stockwerk" mehr als sonst die Altäre aufzu-weisen haben. Die vier Säulen des Altars sind im oberen Bereich kanneliert (= mit Riefen versehen) und unten mit barocken Ornamenten verziert.

Engel auf dem
Altargesims

Altarauszug

Im Altarauszug ein Bild eines gekrönten Heiligen,  bei dem es sich um den hl.Rasso handeln könnte. Er ist in eine Rüstung gekleidet, trägt einen Fürstenhut auf dem Kopf und wird von sechs Soldaten begleitet.


St.Rasso
Hinweis: Rasso (900-954), nach der Überlieferung zweieinhalb Meter groß, war Ritter, berühmter Feldherr und unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die damals für unbesiegbar gehaltenen Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land. Er brachte wertvolle Reliquien mit und ließ hier-für in Wörth (dem heutigen
  Grafrath) ein Benediktinerkloster bauen. Rasso trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses Kloster ein. Er wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt. Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden heute in der Wallfahrtskirche Andechs am Ammersee gezeigt. Die Wallfahrt in den nach Rasso umbenannten Ort Grafrath - Graf von Rathenburg - hatte im Mittelalter großen Zulauf. Fest: 19.Juni
Gekrönt wird der Choraltar durch ein Auge Gottes im Strahlenkranz. Es ist aus Holz geschnitzt und versilbert bzw. vergoldet.
  Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.
Mittelteil

Im Mittelteil des Altars steht in der Ädikula (Nische) zwischen vergoldeten Muschelornamenten eine Madonnenfigur in Art der Muttergottes von Altötting.


Muttergottes v.Altötting
Die Muttergottes ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt; die Zacken der Krone sind reliefartig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.
  Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien in Deutschland u. symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwunden hat.
Unterer Teil
Im unteren Bereich, dem Hauptteil, sind  drei "Stabträger", drei Bischöfe dargestellt.

In der Mitte die etwas größere Figur des Patrons der Kirche, des Freisinger Bischofs Lantpert, auch Lampert genannt, aus dem 19.Jh
.
   
3 hl.Bischöfe- Mitte: Lantpert
Wen die beiden kleineren Bischofsfiguren aus dem Anfang des 16.Jh. unter dem seitlichen Gebälk zwischen den Säulen darstellen, ist nicht sicher. Vermutet wird, dass einer davon St.Wolfgang sein könnte. 
  Hinweis: St. Lantpert (895-957) aus dem Geschlecht der Grafen von Ebersberg wurde 937 Bischof von Freising. Nach der Legende soll Lambert durch sein Gebet den Dom von Freising in Nebel gehüllt und so vor der Zerstörung durch die einfallenden Ungarn bewahrt haben. Lambert wird bis heute in Bayern verehrt, im Dom von Freising steht sein 1973 gestiftetes Reliquiar. Mehr über St.Lantpert und seine Zeit finden Sie hier...

Auf der Rückseite des Hochaltars ist eine Inschrift angebracht, die auf die Renovierung 1876 hinweist. "Diese Kirche hat die Gemeinde Riedenzhofen auf ihre Kosten im Jahre 1876 durch Jos.Merz Maler u. Vergolder in München renoviren lassen."

 

Fenster und Glasgemälde

Die rundbogigen Chorfenster stammen aus dem Jahr 1935 und wurden im Zuge der großen Renovierung 1934/35 eingebaut.
Neben neuen Scheiben hat der Dachauer Glaskünstler Syrius Eberle "Glasmedaillons" d.s. farbige Mittelfenstereinsätze mit Bildern von Heiligen gefertigt; sie wurden von Pfarrer Niklas (1933-1939) aus Röhrmoos kirchlich geweiht.



Bruder Konrad
An der Nordseite Bruder Konrad von Parzham (gestiftet von Josef und Maria Winkelmaier). Kinder bringen St.Konrad Blumen.
Der Heilige (1818-1894) wirkte im Kloster Altötting als Pförtner, wo er viele Wallfahrer und vor allem Kinder aus armen Altöttinger Familien mit Brot versorgte. Konrad wurde am 20. Mai 1934 von Pius XI. heiliggesprochen.
Festtag:21.April
An der Südseite St.Isidor (gestiftet von Leonhard und Maria Mair). Der Heilige betete vor einem Kruzifix, während im Hintergrund ein Engel pflügt.
St. Isidor lebte im 11./12.Jh. als Knecht bei einem Baron in Spanien. Der Legende nach verpetzten ihn seine Mitknechte, weil er mehr betete als arbeitete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er einen Engel mit zwei weißen Stieren pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete.
Heiligsprechung: 12. März 1622; Festtag: 15.Mai

St.Isidor
     

St.Theresia
Die hl. Theresia (gestiftet von den "Bründls" Josef und Theresia Strixner). Die Heilige hält in der Hand ein Kruzifix. Engel streuen ihr Blumen auf den Weg.
Bei uns werden zwei Heilige namens Theresia verehrt. Theresia von Avila (die Große) und Theresia Lisieux (Kleine Theresia). Im Bild wird die Kleine Theresia dargestellt, die von von 1873-1897 in in Frankreich lebte. Als Nonne verfolgte sie nach Eingebungen und Visionen dem - wie sie sagte - „kleinen Weg“ einer innigen und zugleich kindlichen Hingabe an Gott. In der Kunst wird sie vorwiegend mit Rosen dargestellt. Festttag: 1.Oktober
Die hl. Notburga (ebenfalls gestiftet von Josef und Theresia Strixner). In der Luft hängt eine Sichel.
Die in Bayern ungemein beliebte Notburga (1265-1313) war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. Notburga wurde nie formell heiliggesprochen, doch hat Papst Pius IX. 1862 ihre Verehrung erlaubt. Festtag:14.Sept.

hl.Notburga


Die vorderen Fenster im Kirchenschiff enthalten ebenfalls Glasgemälde des Dachauer Glasmalers Syrius Eberle aus dem Jahr 1935. Sie beschäftigen sich mit dem 1.Weltkrieg:


Sterbender
Soldat
Auf der rechten Seite wird ein sterbender Soldat zum Andenken an den in den Karpaten gefallenen Sohn des Mesners, Georg Zollbrecht (3.bay.Jäger Regiment 3.Komp) aus Riedenzhofen dargestellt. Neben ihm liegt ein umgestürztes Geschütz, im Hintergrund explodiert eine Granate. Sein letzter Blick gilt Jesus, der mit Kelch und Hostie über ihm schwebt (Text: gef.Georg Zollbrecht Mesnersohn, 1916)
Das linke Fenster zeigt einen Kriegsheimkehrer, der an einem Feldkreuz für seine glückliche Heimkehr dankt. im Hintergrund die Kirche von Riedenzhofen; vor ihr wartet die Frau des andächtig vor dem Feldkreuz knienden Soldaten mit den Kindern.  
Das Bild wurde von Jakob Burgmair (Angermairbauer) gestiftet. Er war 1914 in den Krieg gezogen, geriet Ende des Krieges in französische Gefangenschaft und sah die Heimat erst 1920 wieder.

Heimkehrerbild



Sakristei

  
Sakristeitür
Sehenswert ist auch die alte Sakristeitür am Übergang vom Altarraum zur Sakristei. Sie stammt aus dem 18.Jh und besitzt noch die alten Beschläge. Die Chorglocke am Zugang zur Sakristei dürfte vom Ende des 19.Jh. stammen. Die Glocke gibt das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes; sie wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten.
  
Chorglocke


Der Mesner bezog für seine Dienste in der Kirche bisher die sogenannte "Meßnertracht" in Form von 6 Ztr. Korn.
Seit 1949 erhielt der Mesner vom Tagwerk je 2 Pfund gutes Korn.


Die Innenseite des Chorbogens ist mit einem Kreuzmuster auf ockerfarbenem Hintergrund geschmückt.

 

Kirchenschiff / Langhaus

Auch das Kirchenschiff besitzt eine Flachdecke über einer ockerfarbig hervorgehobenen Hohlkehle. Die Decke ist nur durch ein ockerfarbiges Rundfeld im Stuckrahmen verziert.


Seitenaltäre

Die Seitenaltäre aus der Zeit um 1690 haben zweisäulige Retabel. Wegen der Mittelnischen nennt man sie auch Ädikularetabel.
Die Stipes (Altarunterbau, der die Altar-platte=Mensa trägt) sind gemauert. Die Antependien aus Holz mit marmoriertem Mittelfeld sind neueren Datums.
     
Mutergottes (linker Altar) - St.Ursula (rechter Altar)
Auf den Altären stehen noch die alten neubarocken Kanontafeln aus der Mitte des 19.Jh aus getriebenem u. versilbertem Messingblech mit einem Holzkern.
Seit dem 16. Jh. bis zur Liturgiereform nach dem 2.Vatikanischen Konzil waren auf dem Altar drei solcher Kanontafeln mit den gleichbleibenden Messtexten zur Gedächt-nisstütze für den Priester aufgestellt. Diese Kanontafeln finden heute manchmal wieder Verwendung, allerdings nicht aufgestellt,
  sondern auf dem Altar liegend. Die vier Volutenengel auf den Volutengiebeln der Seitenaltäre sind im Übrigen völlig unterschiedlich gestaltet. 
Bei der Renovierung 1946/47 wurden in die beiden Seitenaltäre, deren Mensen vollkommen neu aufgemauert werden mussten, altaria portatilia eingelassen. Die Portatilien tragen auf einem angeklebten Zettel den Vermerk:
"Anno Domini MCMXLVI die 16. mens. Octobri (= 1946 Tag 16 Monat Oktober). Ego Antonius Scharnagl Episcopus Zenopolitanus et Auxiliar Monacens et Frisingens. consecravi altare hoc portatile. Reliquias Ss. Martyrum S. Martialis et S. Liberatae in eo inclusi.
Bei den Heiligen Martialis und Liberata handelt es sich um Katakombenheilige.

Linker Seitenaltar

Altarauszug
Im Altarauszug -umgeben von Volutenengeln- ein hochovales Gemälde des hl.Leonhard, im Mönchs-gewand mit Abtsstab, einem Buch und seinen haupt-sächlichen Attributen, den Gefangenenketten in der Hand (aus der Zeit um 1880).
Gekrönt wird der Altar durch einen Strahlenaufsatz mit den vier verschiedenen Buchstaben des Namens

St.Leonhard

Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothel-fer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der
Maria (M-A-R-I) ineinander geschrieben (Marienmonogramm). Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leon-hardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere ver-ehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete.
In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte den Heiligen auch den "bayerischen Herrgott". Am Leon-hardstag, dem 6. November, werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.
Mittelteil
Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht.
Ihre Figur stammt aus der Zeit um 1520. Sie trägt auf dem Haupt eine Krone in gotischer Form, in der rechten Hand ein Zepter und auf dem linken Arm das Jesuskind. Die Figur steht -umgeben von einem Strahlenkranz - in der Mittelnische. Das Jesuskind hält eine Weintraube in der Hand, die an das Bibelwort "Ich bin der Wein, Ihr seid die Reben" erinnern soll.

Muttergottes
Pfarrer Endres (1940-1953) schilderte die Figur wie folgt: "Die Gewandung der Madonnenfigur ist etwas schematisch, das Jesuskind ist ungewöhnlich bewegt; es hält in der Hand eine Traube, welche die Erlösungs-aufgabe symbolisieren soll. Die in der Figur zum Ausdruck gebrachte Bewegung soll die Freude über die Erlösungs-aufgabe andeuten. Die Madonna blickt sehr ernst zum Himmel empor".

St.Sebastian

Assistenzfiguren sind der hl.Sebastian (1520) mit einem Fürstenhut auf dem Haupt und einem Pfeil in der Hand (links) und der hl. Antonius (um 1700) mit dem Jesuskind auf dem Arm (rechts).
Hinweise: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschos-sen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich er-neut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.Der heilige Sebastian wird deshalb als Pest-patron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Festtag:20.1.


St.Antonius
  St. Antonius war ein begnadeter Redner, der im Kampf gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser sowie später in Padua, wo er auf einem Nussbaum lebte, allein durch seine Predigten große Erfolge erzielte. Festtag: 13.Juni


Rechter Seitenaltar

Im ovalen Bild des Altarauszugs (Ende 18.Jh) ist die Hl.Dreifaltigkeit dargestellt. 
Rechts sitzt Gottvater mit dem dreieckigen Heiligen-schein, ihm gegenüber Christus im offenen roten Ge-wand, der seine Wundmale zeigt.

Hl.Dreifaltigkeit
Zwischen beiden liegt eine große blaue Weltkugel,
die Gottvater als Schöpfergott ausweist. Darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer strahlen-umkränzten Taube, die Gnadenstrahlen aussendet.

Gekrönt wird der rechte Seitenaltar durch einen Sternaufsatz mit dem Christusmonogramm IHS.
  Hinweise: Die drei Buchstaben IHS können auf zwei Arten gedeutet werden:
- als die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu   (JHSOUS);
- als die Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" mit der Bedeutung: "Jesus, Erlöser der Menschen"

Mittelteil

Im Mittelteil des rechten Seitenaltars steht eine Figur der hl.Ursula (um 1690) mit schlanker Krone auf dem Haupt sowie einer Märtyrerpalme und einem langen Pfeil in den Händen.


St.Ursula
Hinweis: Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia,Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu werden. Einen Höhepunkt erlebte der Ursula-Kult im 15. Jahrhundert, gefördert besonders durch die Zisterzienser.
  Christopher Kolumbus hat 1493 bei der Entdeckung Amerika 11 Inseln in der Karibik in Anlehnung an die Ursula-Legende "Jungfraueninseln", benannt. Auf den meisten Darstellungen ist sie mit einem Pfeil zu sehen. Häufig ist im Hintergrund ein Schiff sowie die Silhouette der Stadt Köln dargestellt. Festtag: 21.Okt.
Assistenzfiguren

St.Josef
Assistenzfiguren (18.Jh) am rechten Seitenaltar sind
- der hl.Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm (links) und 
- die hl.Katharina (rechts) mit Krone auf dem Haupt (sie war Königstochter), aber sonst
   ohne weitere Attribute.
Hinweise: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wur-de. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Festtag: 19.3.

St.Katharina
  Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres
Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.
Festtag: 25.November



Apostelkreuze


Über die ganze Kirche verteilt sind Apostelkreuze auf die Wände aufgemalt. Apostelleuchter fehlen. Die Kreuze waren über eine längere Zeit überweißelt und wurden erst 1946 bei Renovierungsarbeiten unter der Tünche entdeckt.
Die (üblicherweise zwölf) Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Apostelkreuz

Kreuzweg                                      

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Die Bilder der Kreuzwegstationen (Öl auf Leinwand) im marmoriertem Holzrahmen wurden um 1840 gemalt. Sie sind zwar nicht signiert, werden aber aufgrund ihres Malstils dem Dachauer Maler Anton Huber zugeschrie-ben, der um diese Zeit in vielen Dachauer Kir-chen gewirkt hatte. Der erste Kreuzweg wur-de in Riedenzhofen übrigens durch Pfarrer

Kreuzwegbilder
Gröbmayr um 1760 eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstationen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich.
Ob die Kreuzwegbilder von Anton Huber für Riedenzhofen gemalt worden sind, scheint mir nicht sicher. Pfarrer Stein-berger schreibt nämlich in seiner Chronik, dass 1879 ein Kreuzweg vom bischöflichen Hofmaler Johann Baptist Deyrer (1738-1789) die Kirche in Riedenzhofen "zierte", der von Pfarrer Joh.Bapt. Graf Edling (1779-1791) für Vierkirchen angeschafft worden war. Vielleicht wurde der jetzige Kreuz-weg erst später angeschafft. Dafür spricht auch eine Bemer-kung im Inventarverzeichnis von 1871, in dem die Kreuzweg-bilder als "sehr schlecht" eingestuft werden. Diese negative Bewertung kann sich nicht auf die vorhandenen Bilder beziehen.

 
Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der linken (nördlichen) Seitenwand ein Kruzifix (18.Jh) mit einer darunter stehenden Mater dolorosa (19.Jh).

Die mit einem Sternenmantel gekleidete und mit einer barocken Krone versehene Muttergottesfigur ist im Verhältnis zum Kreuz, aber auch im Verhältnis zu allen anderen Figuren in der Kirche außergewöhnlich groß.
Sie hat früher in der Pfarrkirche von Röhrmoos gestanden, bis sie im Jahr 1928 gegen die dortige Mater dolorosa ausgetauscht wurde. 

Mater dolorosa

 

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke stammen aus dem Jahr 1935. Sie wurden von Schreinermeister Johann Pletzer aus dem Ortsteil "Station Röhrmoos" gefertigt.


Lantpertbild

An der rechten Seitenwand hängt ein großes Bild des Kirchenpatrons St. Lantpert. Der Heilige wird hier, wie auf vielen anderen Abbildungen, als betender Bischof dargestellt. Dies steht im Zusammenhang mit der (erst im 15.Jh. entstandenen) Legende, der Heilige habe bei einem Einfall der räuberischen Ungarn zu Gott gebetet, er möge den Freisinger Dom in Nebel zu hüllen, damit die Feinde ihn übersehen. Als dies geschah, war Freising gerettet.

Auf dem Bild steht links hinter St.Lantpert der Freisinger Dom auf einer Anhöhe, von einem Nebelkranz umgeben.
Das Bild dürfte die Kopie eines Gemäldes im Freisinger Dom sein.


St.Lantpert

 

An den (relativ neuen) Kirchenbänken ist eine Kreuzstange (Vortragekreuz) aus dem Anfang des 20.Jh befestigt. Der Korpus auf dem Kreuz ist gegossen.

 

Die Kirche besitzt keine Kanzel und keine Orgel.  Auf der Empore steht/stand ein Harmonium.



Heiliges Grab

Seit 1990 wird am Karfreitag ein Heiliges Grab in der abgedunkelten Kirche aufgebaut. Das nebenstehende Bild (Vergrößerung durch Klicken) stammt aus dem Jahr 2017.
In Riedenzhofen besteht keine nachweisbare Tradition des Heiligen Grabes. Ein solches Grab war früher in der Pfarrkirche Röhrmoos aufgerichtet. Pfarrer Allram hat bei der Wiedereinführung des Brauches die Kirche von Riedenzhofen gewählt, weil dort keine Kar- und Osterliturgie gefeiert wird und deshalb mehr Zeit für den Auf- und Abbau zur Verfügung steht.

Heiliges Grab 2017
Am oberen Rand der von Blumen umgebenen Kulissen ist die Aufschrift "Hinabgestiegen in das Reich des Todes" zu lesen. Darunter sieht man durch eine halbrunde Öffnung den Leichnam Jesu im Grabe liegen. Davor sind auf einer Mauer die zu jedem Heiligen Grab gehörenden farbigen Glas-kugeln angebracht; sie tauchen den Kirchenraum in ein mystisches Licht. Vor dem Grab sitzen bzw. liegen als Gemälde auf den seitlichen Kulissenteilen zwei römische Wachsoldaten.

Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und daheim Nachbil-dungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die Gläubigen das Heilsgeschehen eindrucksvoll veranschaulichte. Spectacula sacra waren in der ganzen Barockzeit ein beliebtes Mittel der Glaubensverkündigung.
Die Kulissen heiligen Gräber wurden im Laufe der Zeit immer größer. Es entstanden fantastische Scheinarchitekturen mit biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsengrotten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab.

In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteiferten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung. Bis nach dem 2.Weltkrieg gab es auch in der Pfarrkirche Röhrmoos ein Heiliges Grab. In der Pfarrchronik ist zu lesen, dass "im Jahre 1952 in Röhrmoos ein neues Hl. Grab aufgestellt wurde. Das bisher benützte Hl. Grab in Röhrmoos ist schon so alt und abgenützt, daß es keine Zierde mehr ist und zudem in den letzten Jahren stets in Gefahr war, einzustürzen". Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte.
Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthistorischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitagabend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen.

In den ersten Jahren war hinter dem hl.Grab als Ersatz für die fehlenden Hintergrundkulissen eine große Leinwand mit aufgemaltem leeren Kreuz und den Leidenswerkzeugen (Arma Christi) angebracht. Sie erzählen gegenständlich die Passionsgeschichte nach. Zu sehen sind

- ein Beutel mit Silberlingen des Judas (Matth. 26,14-16)
- das Schwert des Malchus bei der Gefangennahme Jesu auf dem Ölberg (Matth. 26,51)
- Hahn, der im Hof des Hohepriesters bei der Verleugnung des Petrus dreimal krähte (Matth. 26,74)
- Geißelsäule und Geißel (Matth. 27,26)
- Spottmantel (Matth. 27,28)
- Dornenkrone, als Spottversion der Königskrone (Matth. 27,29)
- Rohrkolben als Spottversion des Zepters (Matth. 27,29)
- um Nägel, Hammer, Beißzange und Leiter als Werkzeuge für die Kreuzigung
- das ohne Naht gewebte Untergewand Jesu (Joh.19,23)
- Würfel der Soldaten, die auf Golgatha um den Rock würfelten (Joh.19,23)
- das Täfelchen, auf dem die Schuld geschrieben war (INRI-Jesus v.Nazareth Rex Judaeorum)
- Krug mit Essig -mich dürstet- (Joh.19,29)
- Ysopstange, die in das Essigwasser getaucht und zu Jesus hinaufgereicht wurde (Joh.19,29)
- das Symbol der Sonne, die sich nach dem Tod verdunkelte. (Mk, 15,33)
- Lanze des Soldaten Longinus, mit der die Seite des toten Jesu geöffnet wurde (Joh.19,34)


Heiliges Grab 2003
Vor das Heilige Grab stand damals auch eine Osterkerze als Symbol für den weiteren Weg Christi, die Auferstehung am Ostersonntag.

Wenn Sie sich die übrigen noch bestehenden "Heiligen Gräber" in den Kirchen des Landkreises anschauen wollen, klicken Sie hier....

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.768, 916, 1049)
Amperbote vom 30.4.1935 (Fenstergemälde)
Niklas/Endres, Pfarrchronik Röhrmoos 1933-1953
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (St.Lantpert)
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Langhausanbau 1721)
Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos,1997
Unser Dachauer Land, Heimatbeilage der Dachauer Nachrichten vom 26.27.6.99
Dachauer Nachrichten 13.9.2002
Pfarrer Reinhold Langenberger in Dachauer Nachrichten vom 17./18.4.2003
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Röhrmooser Heimatblätter 2010 (Brunnenfigur)
Münchner Kirchenzeitung vom 25.3.2015 (Historik Hl.Grab)

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Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11.2.2013

 

Primizfeier von HH. Lamprecht aus Riedenzhofen


1. Bericht von Pfarrer Josef Niklas in der Pfarrchronik

In diesem Jahr hatte die Pfarrei das Glück einer Primiz. Der "Bauernschmid"-Sohn Josef Lamprecht von Riedenzhofen empfing am 5.5.1935 im Dom zu Freising vom H.H. Kardinal Erzbischof Dr. Michael von Faulhaber die Hl. Priesterweihe.
Am Montag, den 6.5.1935 bereitete ihm sein Heimatdorf Riedenzhofen einen festlichen Empfang an dem sich die ganze Pfarrgemeinde beteiligte. Reiter, Chaisen, Vereine holten den Neugeweihten am Bahnhof Röhrmoos ab. Am 19.5.1935 geleiteten ihn die Pfarrangehörigen vom Elternhaus herüber nach Röhrmoos, wo im schönen Reindlhof der Primizaltar vom Gärtenispektor Furtner der Anstalt Schönbrunn künstlerisch aufgebaut war.
Die Anstalt Schönbrunn stellte die Paramente, die Blumen und nicht zuletzt den von H. Dr. Josef Steinbacher, praktischer Arzt, geleiteten Chor der Sänger und Instrumentalisten. Primizprediger war der Bruder des Reindlbauern, H.H. Prälat Dr. Joh. B. Westermayr, Regens des Klerikalseminars in Freising. Als Thema behandelte er das hl. Meßopfer.
Folgende Geistl. Herren waren anwesend: Geistl.. Rat. Erhard Lex, Dekan Franz v. Paul Ebert, Pfarrer in Giebing; Kämmerer Dr. Franz Zauner, Pfarrer in Petershausen; g. R. Direktor Jos. Steininger von Schönbrunn; Johannes Angermair, Pfr. von Großinzemoos; Andreas Brädl, Pfr. von Vierkirchen; Adolf Eckel, Pfr. von Indersdorf; Ludwig Moll, Pfr. von Arnbach; Weissinger, Pfr. von Walkertshofen; Aretner, Pfr. v. Kollbach; Fr. Dobler, Pfr. v. Ampermoching; Kaplan Hillr..... (aus Esterhofen daheim,) in München, Hl. Kreuz Giesing; Benefiziant Alois Hecker von Unterweilbach; Albert Kr.....mayr, Pfr. v. Pellheim.

Die Primiz nahm einen sehr schönen Verlauf. Leider war das Wetter sehr kalt und stürmisch. Die ganze Woche vorher war die denkbar schlechteste Witterung. Seine erste Anstellung erhielt unser Primiziant in Aufkirchen a.d. Maisach. Noch vor Weihnachten war er nach Allershausen, Bez. Amt Freising, versetzt. Der Herr Primiziant Lamprecht stiftete für die Pfarrkirche, für die Filialkirchen Riedenzhofen und Sigmertshausen je ein Missale. Für Riedenzhofen schenkte er ein Kästchen mit Reliquien des Kirchenpatrons des Hl. Lampert, Bischofs von Freising, und ein Bild eben dieses Heiligen für den Hochaltar.

2. Feierlicher Empfang des Hochwürden Herrn Primizianten in Röhrmoos
Amperbote vom 10.5.1935

Einen überaus herzlichen Empfang bereitete die Ortschaft Riedenzhofen gemeinsam mit der Pfarrgemeinde Röhrmoos ihrem Hochwürden Herrn Primizianten Josef Lamprecht am Montagnachmittag. Es wird dieser feierlicher Empfang, den Kirchenpfleger Xaver Hintermeier unermüdlicher Arbeit vorbereitet hat, für immer in der Geschichte Riedenzhofen, dessen letzte Primizfeier ca. 100 Jahre zurückliegt, ein Ruhmesblatt bleiben.
Während noch am Sonntag selbst von allen, die nicht nach Freising zur Priesterweihe gefahren waren, die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, ruhte am Montag alle Arbeit, alles war in freudiger Erwartung. Schon in den Mittagsstunden des prächtigen Maitages, der so recht zu der festlichen Stimmung passte, trafen die Bauernsöhne auf ihren schön geschmückten Pferden an der Station ein, wo die Arbeiter von Georg Bücherl, meistens Schulkameraden des Primizianten, einen prächtigen Triumphbogen errichtet hatten. Der Bahnvorstand Daser hatte mit dem Bahnpersonal dem Bahnhof ein seltenes Bild gegeben. Immer mehr Menschen versammelten sich am Bahnhof. Nicht nur von der Pfarrei Röhrmoos, sondern auch aus den umliegenden Pfarreien Vierkirchen, Großinzemoos, Weichs und Niederroth waren Teilnehmer gekommen und Kirchenpfleger Hintermeier hatte alle Hände voll zu tun, alles so zu ordnen, dass der Empfang zu einer würdigen Feier gestaltet wurde.

Als der Zug endlich einlief, wurde der aussteigende Primiziant von Hochwürden Herrn Pfarrer Niklas, Bürgermeister Sigl und Bahnvorstand Daser gleich empfangen und begrüßt. Am Bahnhof selbst wurde der Primiziant vom Ortsvertreter Heinzinger begrüßt. Geleitet vom Pfarrherrn, den Gemeindevertretern, den Eltern und Geschwistern, trat der neue Priester aus dem Bahnhof, um den für ihn überraschend kommenden Anblick der gewaltigen Kundgebung zu erleben. Die weihevolle Stimmung, die über der ganzen Veranstaltung lagerte, ergriff ihn wie auch alle Teilnehmer sichtlich. Der nachbarliche Freund des Neupriesters, Leonard Mair aus Riedenzhofen, hatte es sich nicht nehmen lassen, den Primizianten selbst in seiner Chaise in die Heimat zu bringen.
Unter Leitung von Kirchenpfleger Hintermeier setzte sich dann der imposante Zug in Bewegung, eröffnet von Jakob Zollbrecht auf seinem Schimmel. Ihm folgten die Reiter auf geschmückten Pferden, die Chaisen in langer Reihe, hierauf die Vereine mit ihren Fahnen. So ging es um die Station Röhrmoos herum und dann zur Heimat des jungen Priesters nach Riedenzhofen, von dessen Kirchturm herab die Glocken ihm entgegengrüßten.
Am Kirchlein angekommen grüßten die beiden weiß gekleideten Töchter des Gendarm-Kommissärs Thumann den Primizianten mit einem sinnigen Gedicht. Hochwürden Herr Fahrer Niklas hielt dann eine tief zu Herzen gehende Ansprache, in der er schilderte, wie ein junges Büblein aus dem Elternhaus Abschied nahm, um zu studieren, weil er den Beruf in sich fühlte, Diener im Weinberg des Herrn zu werden. In fleißigem Studium hat er dieses Ziel erreicht und hat am Sonntag durch des Bischofs Hand die Priesterweihe erhalten. Er betonte die Freude der Heimat darüber, dass einer ihrer Söhne Gesalbter des Herrn ist und bat den Primizianten um den Erstlingssegen.
Nachdem der Neupriester den Primizsegen erteilt hatte, ergriff er das Wort, aus übervollem Herzen seiner Heimat Dank zu sagen für das überwältigende Ereignis des festlichen Empfangs, mit welchem alle seine Erwartungen weit übertroffen wurden. Zu tiefst ergriffen klang seine kurze Ansprache in herzlichsten Dank für dieses Ereignis aus. Eine vom Primizianten an dem vor der Kirche errichteten Altar gehaltene Segensandacht schloss die herrliche Feier, die für Röhrmoos und Riedenzhofen etwas Einmaliges bedeutet. Im Gasthof Winklmair nahm der Primiziant inmitten seiner Angehörigen eine kleine Erfrischung zu sich, um dann in sein Elternhaus zurückzukehren. Freudig die stimmt über das Erlebte aber kehrten die Teilnehmer am festlichen Primiziantenempfang wieder heim.

3. Bericht von der Primizfeier
Amperbote vom 21.05.1935

Mit bangen Zweifeln hinsichtlich des Wetters erlebte die ganze Pfarrgemeinde Röhrmoos die vergangene Woche. Wird es möglich sein die Primizfeier im Freien zu halten oder sind alle Vorbereitungen dazu vergebens? Das war die allgemeine Frage. Und der Optimismus, mit dem die letzte Vorbereitung getroffen wurde, fand seine Belohnung. Wenn es auch kein strahlend schöner Tag wurde, so war man doch voll zufrieden, dass der nasse Segen von oben ausblieb.

Ein Triumphbogen grüßte schon am Ortseingang von Riedenzhofen, der Heimat des Primizianten, die vielen Gäste, die am Sonntag dem Ort zustrebten. Jedes Haus hatte zu diesem Tag Festschmuck angelegt. Vor dem Elternhaus des Primizianten hatten mit Hunderten von Gästen die weißgekleideten Mädchen, die Schulkinder, die Freiwillige Feuerwehr, die Burschenvereine von Röhrmoos und Sigmertshausen, sowie der Veteranen- und Kriegerverein Röhrmoos Aufstellung genommen, um den Primizianten mit dem Klerus über die schönen Fluren zum Pfarrdorf Röhrmoos zu geleiten. Das Primiziantenbräutchen, die kleine Reischl, zum Bründler, mit der Myrthtenkrone auf einem Kissen, widmete dem Primizianten beim Austritt aus dem Elternhaus einen frohen Gruß aus Kindermund.
Unter dem Schall der Glocken vom Heimatkirchlein gings nach Röhrmoos, wo im schönen Reindlbauernhof der Altar, die Kanzel und das Podium für das Orchester und den Kirchenchor errichtet waren. Bauer Westermayer hatte seinerseits das Menschenmögliche getan, um mit Gartenbauinspektor Fottner von der Anstalt Schönbrunn und den Angehörigen der Pfarrei der Primizfeier einen hochfestlichen Rahmen zu geben. Unter Böllersalut erfolgte der Einzug in den großen Hofraum, wo der frühere Pfarrherr von Röhrmoos, HH. Geistlicher Rat Lex, ferner HH. Dekan Ebert, HH. Kammerer Dr. Zauner und verschiedene hochwürdige Herren den Neupriester empfingen, der begleitet war von Hochwürden Herrn Pfarrer Niklas, der sich um die schöne Durchführung der Feier verdient gemacht hat, sowie von HH. Subregens Seminardirektor Dr. Westermayr, ein Sohn des Dachauer Landes, und vom Diakon HH. Primizianten Wilhelm Bayerl und Subdiakon Huber aus Strassbach.

Für die Festpredigt nahm der Festprediger HH. Direktor Dr. Westermayr das hl. Messopfer zum Inhalt. Er erinnerte an den blutigen Opfertod Jesu, der seine Erneuerung findet im hl. Messopfer. Der Prediger betonte, dass die Besucher der Messe diese nicht mitlesen, sondern mehr mitbeten sollten, um so teilzuhaben an dem Opfer des Priesters. Er ermahnte die Gläubigen, auch an den Werktagen an der hl. Messe teilzunehmen. Nach der Predigt erteilte der Primiziant den Primizsegen, um dann zum Altar zu treten und sein erstes Messopfer zu feiern. Während der Neupriester so zum ersten mal in seiner Heimatpfarrei die hl. Messe hielt, führte der Chor und das Orchester von Schönbrunn die wundervolle Nicolaimesse auf, die unter Dr. Steinbachers meisterhafter Stabführung sich für Röhrmoos zu einem Erlebnis gestaltete. Schon beim Einzug war der Primiziant vom Chor mit einem weihevollen Gesang empfangen worden. Das feierliche Tedeum, von allen mitgesungen, und die nochmalige Erteilung des Primizsegens durch die beiden Primizianten beendete den Festgottesdienst.

Im fast überfüllten Büchersaal, dessen Pächter Osterauer zu aller Zufriedenheit seine zahlreichen Gäste bediente, fand das Mittagsmahl statt, während welchem HH. Subregens Dr. Westermayr an seinen lieben Schüler, den Primizianten Lamprecht recht herzliche Worte richtete und ihm die besten Segenswünsche mit auf den Weg gab. Später sprach dann auch der frühere Pfarrherr HH. Geistlicher Rat Lex zu seinem einstigen Schüler und Pfarrkind in warmen Worten.
Die Feier wurde noch verschönt durch Darbietungen von Kindermund. Niedermeier und Reischl von Riedenzhofen sprachen einige Verse, ebenso ein kleiner Neffe des Primizianten aus Allach. Der kleine Bub vom Schreiner Mair von hier überreichte mit sinnigen Worten aus einem Gabenkorb Geschenke und zuletzt behandelte die Hilde Eggl mit klarer fester Stimme in einem Gedicht die Würde des Priestertums. Der Primiziant brachte tiefgerührt seinen Dank an alle zum Ausdruck, die dazu beigetragen hatten, seine Primizfeier so schön zu gestalten, besonders aber HH. Pfarrer Niklas. Eine vom Primizianten vor ausgesetztem Allerheiligsten gehaltene Maiandacht beendete die schöne Primizfeier in Röhrmoos.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

Renovierung der Pfarrkirche 1934
- Auszug aus der Pfarrchronik -

1934 klagte Pfarrer Niklas: "Das Innere der Riedenzhofener Filialkirche ist arg heruntergekommen. Ist sehr schade. Die Stühle und die Stuhlböden sind durchgefault, die Mauern total verfeuchtet. Die Ortskirchengemeinde ging auf den Vorschlag des Pfarrers ein, die Wände abzuschlagen, die Stühle zu beseitigen und das Gotteshaus das Jahr über austrocknen und auslüften zu lassen. Als weitere notwendige Arbeit wurde die Erneuerung der alten schadhaften und jeglicher Lüftungsanlage entbehrender Fenster ins Auge gefaßt, ferner die Anschaffung von Kirchenstühlen und das Tünchen des Innenraumes. Zur Finanzierung dieser Arbeiten erklärte sich die Ortsgemeinde bereit, fortan in den sog. "guten" Monaten, welche die Haupteinnahmen bringen, bei jedem Grundbesitzer 0,05 RM pro Tagwerk zu leisten".

1935 konnte Pfarrer Niklas verkünden: Die Kirche bekam neue Fenster, ausgeführt und eingebaut von Syrius Eberle Dachau. Er fertigte auch 6 Glasmedaillons. Die Kirche erhielt außerdem noch neue Stühle, welche Schreinermeister Johann Pletzer, Station Röhrmoos, zur vollsten Zufriedenheit gefertigt hat. Für den Fenstereinbau erhielten wir einen Preiszuschuß von RM 210".

Renovierung der Pfarrkirche 1946
- Auszug aus der Pfarrchronik - Eintrag vom 2. Dezember 1946 -

Planung
Im Juni 1946 besprachen sich Pfarrer und Gemeindemitglieder der Filiale Riedenzhofen zum ersten Mal über die Renovierung der Riedenzhofener Filialkirche. Herr Otto Wimmer, Faßmaler und Vergoldermeister in München, wurde ersucht, einen Kostenvoranschlag zu machen. Am 28. August 1946 erfolgte der Beschluß der Kirchenverwaltung Riedenzhofen, die Kirchenrenovierung nach dem Kostenvoranschlag von Herrn Wimmer in Angriff zu nehmen.
Bei einer Besprechung in der Wirtschaft Riedenzhofen am 7.10.1946, zu der alle Bewohner von Riedenzhofen geladen waren, zeigte sich eine große Bereitwilligkeit der Einwohnerschaft zur Mithilfe bei den Renovierungsarbeiten. Besonders eifrig setzte sich Herr Winklmair, Wirt in Riedenzhofen, für die Kirchenrenovierung ein, der auch in der Folgezeit viel Zeit und Arbeit für die Renovierung opferte. Der Kostenvoranschlag von Herrn Wimmer sieht 6442,90 RM Unkosten vor.
Große Schwierigkeit machte die Beschaffung von Kalk und Gold, sowie auch die Unterbringung und Verpflegung der Arbeiter (die Gastwirtschaft Riedenzhofen ist ja auch mit Flüchtlingen überbelegt). Die Bewohner von Riedenzhofen taten aber ihr Möglichstes und zwar ohne Murren. Eine Flüchtlingsfrau (Frau Knopp) schenkte zur Kirchenrenovierung ein ungarisches Goldstück, Herr Kooperator Lamprecht Josef (von Riedenzhofen gebürtig) schenkte ein deutsches 10.- Mark Goldstück, sodaß das zum Fassen der Figuren notwendige Gold nun vorhanden ist.

Renovierungsarbeiten
Am 15. Oktober 1946 wurde die Kirche unter Leitung von Herrn Georg Schmid, Riedenzhofen, eingerüstet; am 23. November 1946 war die Kirche, nachdem die Austünchung des Innenraumes vollendet war, wieder vom Gerüst frei. Nun kann es an die Renovierung der Altäre, Figuren und Bilder gehen. Beim Abtragen der Altaraufbauten stellte es sich heraus, daß die Seitenaltäre unter der Feuchtigkeit sehr stark gelitten hatten. Vor allem beim Seitenaltar auf der Epistelseite waren einzelne Holzteile so morsch, daß sie beim Anfassen in Staub zerfielen. Der aus Ziegelsteinen bestehende Unterbau der beiden Seitenaltäre war vollständig durchfeuchtet; er musste daher abgetragen und mit neuen Steinen aufgebaut werden.
Beim Abtragen des Unterbaues kamen in beiden Seitenaltären die Reliquienbehälter zum Vorschein, auf denen die Buchstaben F.F.F.S.R.I. und die Jahreszahl MDCCXXI eingraviert waren. Bisher hatte man vom Erbauungsjahr der Kirche und von der Konsekrierung der Altäre keine Kenntnis. Die Reliqueinbehälter wurden dem Erzb. Ordinariat übergeben. Beim Abkratzen der Wände kamen auch die Apostelkreuze wieder zum Vorschein.

Abschlussbericht
vom 30. Juni 1947
Seit einigen Wochen ist nun die Renovierung der Filialkirche Riedenzhofen vollendet. Das Werk ist gut gelungen. Die Renovierung wurde unter Aufsicht von Herrn Prof. Voraus (Landesamt für Denkmalpflege) vom Faßmaler und Vergoldermeister Otto Wimmer in München ausgeführt. Daß die Renovierung innerhalb einiger Wochen erfolgen konnte, ist der tatkräftigen Mitarbeit der Riedenzhofener Einwohner zu danken, die (obwohl schon mit Flüchtlingen arg belastet) den Arbeitern Verpflegung und Unterkunft gaben und auch selbst bereitwilligst Hand anlegten. Besonders eifrig zeigte sich der neue Kirchenpfleger, Herr Georg Reischl, der weder Zeit noch Mühe scheute, um die Renovierungsarbeiten vorwärtszutreiben. Dem vorbildlichen Zusammenwirken der Riedenzhofener Gemeinde muß das höchste Lob ausgesprochen werden.
Die Gesamtkosten der Renovierung betrugen 8535,27 RM. Davon erhielt Vergoldermeister Otto Wimmer 8151,32 RM, der Rest von 383,95 RM wurde für Material und Hilfsarbeiter ausgegeben. Zur Deckung der Unkosten gab das Erzb. Ordinariat (Diözesan-Steuerausschuß) 2042,77 RM, durch den Pfarrer in Röhrmoos erfolgte eine Zuwendung von 3000 RM. Der Rest der Unkosten in Höhe von 3492,50 RM wurde durch vorhandene Barmittel in der Kirchenkasse, durch freiwillige Gaben der Gläubigen und durch Einzehrung des Stiftungskapitals (2690.- RM) gedeckt.

Eine katholische Spielgruppe (Romanoff-Ensemble) führte am 7. November in der Anstaltskirche Schönbrunn Calderons Mysterienspiel "Die heilige Messe" auf. Die Darstellung war künstlerisch gut, würdig und sehr lehrreich. Der Besuch war sehr gut; für die Schuljugend wurde eine eigene Aufführung veranstaltet.