zur Landkreiskarte         ausführliche Beschreibg.               Kirchen in der Gem.Vierkirchen

Filialkirche St.Nikolaus in Rettenbach

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Adresse : 85256 Vierkirchen, Kollbacher Straße 4
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Filialkirche St.Nikolaus der Pfarrei Vierkirchen in Rettenbach wurde in der Konradinischen Matrikel von 1315 unter dem Namen "Rotenbach" erstmals schriftlich erwähnt. Sie dürfte aber noch älter sein.

Denn der Bau ist eine  romanischen Chorturmanlage aus der Zeit vor 1300; das heißt, das Erdgeschoss des Turmes bildet den Altarraum.
Die Kirche gilt als charakteristisches Beispiel dafür, wie lange auf dem flachen Lande am traditionellen Formengut, in diesem Fall am romanischen Stil, festgehalten wurde.
Im 15.Jh wurde die Kirche im zeitgenössischen gotischen Stil überarbeitet.
Der Dreißigjährige Krieg dürfte auch die Kirche und die damals 13 Retten-bacher Anwesen in Mitleidenschaft gezogen haben.
Dafür sprechen Knochenfunde unmittelbar vor dem Kircheneingang, bei denen es sich um schwedische Soldaten handelte.

1690, zwei Generationen nach dem Dreißig-jährigen Krieg war eine Gesamtrenovierung der Kirche notwendig. Die Inschrift "W. G. F.G.V.R. 1690" an der östlichen Außenmauer des Lang-hauses (neben dem Turm)  erinnert daran.

Im Zuge der Säkularisation war die Kirche 1804 für den Abriss vorgesehen. Der Vierkirchener Pfarrer stimmte dem Vorhaben zu, aber die Ortsbewohner verhinderten es.


Ministrantenglocken
mit Relief der 4 Evangelisten

Die Kirche in Rettenbach ist eine der wenigen Kirchen im Landkreis, die in ihrem Äußeren den romanischen Charakter bewahrt haben. An den Außenwänden ziert die Kirche ein Rundbogenfries mit 14 Bogen, ebenso am Turm mit 7 Bogen

Innenausstattung


Die Kirche in Rettenbach ist eine Chorturmkirche, d.h., der Altarraum liegt im Erdgeschoss des gedrungenen Sattelturmes.  
Er ist mit einem gotischen Sterngewölbe überdeckt in dessen Gewölbezwickeln die Bilder der  Kreuzi-gungswerkzeuge (Arma Christi) jeweils zusammen mit einem Kreuz und schmückenden Blumen zu sehen sind.
Der Altar passt stilistisch zum Altarraum; es handelt sich aber um ein neugotisches Werk aus dem 19.Jh. Er ist der Muttergottes geweiht (Pietafigur in der Mittelnische -1700); Assistenzfiguren aus der Zeit um 1500 sind
— der Patron der Kirche, der hl.Nikolaus (in Bischofs-
    tracht, mit 3 Goldkugeln in der linken Hand) und
— Magdalena, der späteren zweiten Kirchenpatronin
    (mit einem Salbgefäß und einer Geißel in den
     Händen)

An Stelle von Seitenaltären ist die Kirche mit zwei großen Kreuzen ausgestattet.
Zusammen mit der Pieta auf dem Hochaltar bilden sie eine Trilogie der Kartage:
Rechts Karfreitag, Mitte Karsamstag, links Ostertag.


per Mouseklick zu den Beschreibungenzur Beschreibung des  Choraltars zur Beschreibung der Altarraumbemalung zur Beschreibung der Chorbogenbemalung zur Beschreibung des  Auferstandenen zur Beschreibung der Kreuzwegbilder zur Beschreibung der Kruzifixes zur Beschreibung der Kreuzwegbilder

An der Emporenbrüstung stehen Figuren
—  des
hl. Florian in römischer Soldatenrüstung mit Wasserschaff in den Hand (1680)
—  St.Petrus, mit Kreuzstab und Papstkrone (18.Jh)
—  St.Martin im Bischofsornat und einer Gans neben seinen Füßen (18.Jh).

Das barockisierte Kirchenschiff hat eine Flachdecke. In einem runden Deckenbild ist der hl. Nikolaus mit Äpfeln statt Goldkugeln dargestellt.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Rettenbach liegt an der Straße zwischen Giebing und Vierkirchen. Die Ortschaft wurde als Rotinpah (Rodung am Bach) erstmals am 22.August 852 in einer Urkunde genannt. Der Freisinger Bischof Erchanbert (855-875) tauschte mit dem Edlen Hitto Land. Er erhielt 126 Morgen Grund zu Assenhausen bei Pellheim und gab Hitto dafür seinen Grundbesitz zu Rettenbach in gleicher Größe.
Die Urkunde wurde am 22.August 852 in Helidkereshuson = Hilgertshausen (bei einem Gerichtstag ?) ausgefertigt.
Im Mittelalter war Rettenbach geteilt. Drei Höfe, die im Obereigentum des Klosters Weihenstephan standen, gehörten zum Landgericht Kranzberg, während der Rest der Höfe dem Landgericht Dachau unterstanden. In der Zeit der bayerischen Landesteilung (1255-1505) gehörte das Landgericht Dachau zu Oberbayern und das Landgericht Kranzberg zum oftmals verfeindeten Teil Niederbayern. Das führte zu Loyalitätsproblemen im Ort.


Geschichte der Kirche

vor 1300
Bau der Kirche  
1315
Konradinische Matrikel 1315
Die Filialkirche St. Nikolaus der Pfarrei Vierkirchen wurde erst 450 Jahre später, in der Konradinischen Matrikel von 1315, unter dem Namen "filiam in Rotenbach" erwähnt.

 
15.Jh

Im 15.Jh wurde die Kirche im zeitgenössischen gotischen Stil überarbeitet.
 

 
1524

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel wird Rettenbach als Filiale "s.Nicolai in Rötenpach sine sepult. (=ohne Friedhof)" erwähnt.

1560

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "Sanctus Nicolaus in Röttenbach" erwähnt. Allerdings sind die Schilderungen, die sich aus den Angaben des Kirchenpflegers und der Inaugenscheinnahme ergaben, unterschiedlich. Der Kirchenpfleger gab an, die Kirche sei ein armes Gotteshaus ("ist ain arms gotshauß"), habe kein Sakramentshaus und besitze nur einen vergoldeten Kelch ("ain vergulten kelch") und ein Messgewand. In ihm werde im Jahr dreimal eine Messe gehalten. Die Ocularis inspectio ergab aber, dass der Zustand der Kirche, der Altäre und weiteren Einrichtungen geziemend d.h. ganz passabel waren ("die kirch, altär, altarthuecher, stuel, fanen, glockhen, kirchmaur seind zimblich versehen"). Das Allerheiligste und die heiligen Öle würden zwar unrein aufbe-wahrt, doch sei das Behältnis "wol beschlossen und beleucht". Das Taufwasser werde in einem Krug aufbewahrt ("Baptismus ist in aim kruegl"). Neben dem Kelch gebe es noch ein Messbuch, ein Liturgiebuch, ein zerrissenes Gesangsbuch und ein schlechtes Messgewand.

1632/48
Dreißigjähriger Krieg
Der 30jährige Krieg, der ab 1632 nach Bayern kam, dürfte auch die Kirche und die damals 13 Rettenbacher Anwesen in Mitleidenschaft gezogen haben. Dafür sprechen Knochenfunde unmittelbar vor dem Kircheneingang, bei denen es sich um schwedische Soldaten handelte. Die Tatsache, dass die Gräber nur sehr flach ausgehoben worden waren, lässt vermuten, dass es die Armee sehr eilig hatte. Möglich wäre z.B. der Rückzug der Schweden im Jahr 1648, der im Landkreis Dachau schwere Verwüstungen hinterließ. Mit dem Krieg könnte auch die im Jahre 1657 erfolgte Dachreparatur in Zusammenhang stehen.


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
Rettenbach = Rötnbach
1673
Beschreibung
Aus dem Jahr 1673 stammt eine Beschreibung Rettenbachs, die im Bayerischen Staatsarchiv liegt. Darin wird zur Kirche ausgeführt:
"In Rettenbach befindet sich auch ein Kirchlein mit einem massiven Sattelthurm mit zwei Glöcklein, eingeweiht zu Ehren des hl.Bischofs Nicolaus. Wann dasselbe erbaut wurde, kann nicht angegeben werden, jedoch dürfte das Erbauungsjahr vor dem 15.Jh zu suchen sein. Es ist bei demselben keine Begräbnißstätte angebracht und findet in ihr nur zweimal des Jahres, nämlich am Patrociniumsfeste und in der Bittwoche, Gottes-dienst statt."
1690

Kirchenumbau
Zwei Generationen nach dem Dreißigjährigen Krieg war eine Gesamtrenovierung der Kirche notwendig. Die Inschrift "W. G. F.G.V.R . 1690 " an der östlichen Außenmauer des Langhauses (neben dem Turm)  erinnert daran. Das Geld kam u.a. auch von einem zinslosen Darlehen, das -vom Dachauer Pflegamt organisiert- von den übrigen Pfarrei aufgebracht wurde. Nach einem Vermerk in der Kirchenrechnung erhielt Rettenbach im Jahr 1688: 303 Gulden, 1689: 200 Gulden und 1691: 150 Gulden.


Inschrift an der
Außenwand
1699/1700
wurde die Kirchenhauptmauer gegen Osten und Norden ausgewechselt und der Mittelgang durch Maurermeister Georg Wolfgang Weigl aus Vierkirchen gelegt. Das Kirchenschiff erhielt um diese Zeit eine Flachdecke.
1710
war der Maurer Hans Huber noch immer für Ausbesserungsarbeiten an der Kirche beschäftigt.
In der Kirchenrechnung ist auch die Weihe eines Altars durch Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1695-1727) erwähnt. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.
1721


1721
Rettenbach und seine Kirche sind auch auf einer Landkarte aus dem Jahr 1721 zeichnerisch dargestellt. Die Karte wurde als Beilage (Augenscheinkarte) zu einem Bericht des Kranzberger Pflegskommissärs Joh.Anton Däxner (1716-1723) angefertigt, der an die kurfürstliche Hofkammer in München ging. Dort wollte man die jahrhunderte-langen Streitigkeiten zwischen Pfaffenhofen und Kranzberg um die Hofmark Kollbach klären. Die besondere Bedeutung dieser Karte für uns liegt darin, dass hier über die Hofmarkansichten von Michael Wening (um 1700) hinaus, auch kleinere Orte in ihrem damaligen Aussehen dargestellt sind.
Dies gilt vor allem für die Kirchtürme. Hier in Rettenbach ist ganz deutlich der Sattelturm zu sehen, der noch heute die Kirche schmückt.
1738 /40
Schmidt'sche Matrikel 1738/40
1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Nicolai et Magdalenae in Rettenbach" bemerkte er, sie sei ein bescheidener Bau von hohem Alter. Die Kirche besitze einen Altar, der den Patronen Nikolaus und Magdalena geweiht sei. Aber es seien auch noch zwei weitere Altäre aus Ziegelsteinen vorhanden, die aber nicht geweiht und zudem auch für eine Zelebration nicht geeignet seien. Gottesdienste würden am Kirchweihfest (am Fest der hl.Magdalena - 22.Juli) und am Nikolaustag gefeiert; ferner am Mittwoch der Rogationes, der drei Tage vor Christi Himmelfahrt, an dem ein Bittgang zur Kirche stattfand. In der Sakristei seien zwar nur wenige, aber doch die notwendigen Messgewänder vorhanden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrvikar von Vierkirchen und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: Das Vermögen dises Gottshauses solle diser Zeit gegen 1000 fl. (=Gulden) betreffen". Das war für eine so kleine Kirche ein hoher Betrag".
1740

 fertigte der Murnauer Bildhauer Adam Mayr ein Kruzifix, drei Tafeln und zwei Rosenstöckl für die Kirche, der
 Kistler Kaspar Leithner aus Vierkirchen drei Antependien.

1804
1. Abrissplan
Im Zuge der Säkularisation war die Kirche für den Abriss vorgesehen. Der Vierkirchener Pfarrer Prof.Markus Wankerl (1804-1829) beantragte am 19.9.1804 sogar den Abbruch, um kostenloses Baumaterial für eine neue Schule in Vierkirchen zu gewinnen. Er hielt die Kirchen in Rettenbach (und Jedenhofen) "wegen der nahen Lage an der Mutterkirche ganz entbehrlich". Diese Vorhaben wurde aber wegen des Einspruchs der Ortsbewohner nicht ausgeführt.
1811
2. Abrissplan
1811 drohte der Kirche, die als baufällig galt, erneut der Abriss, wiederum. um damit Baumaterial für die Errichtung der  Schule (damals ein beliebter Verwendungszweck für die abzureißenden Kirchenmauern) zu gewinnen. 
Es kam jedoch auch dieses Mal nicht dazu.
1874
Beschreibung von Anton Mayer
Um das Jahr 1870 erstellte der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising und veröffentlichte sie 1874 als Buch. Über Rettenbach ist zu lesen, dass dort 102 Gläubige (in 20 Häusern) lebten. St.Nikolaus in Rettenbach war eine Nebenkirche der Pfarrkirche St.Jakob in Vierkirchen. Mayer schreibt über das Gotteshaus: "Erbauungsjahr unbekannt. Sehr alt, jetzt stillos. Klein, doch genügend. Baupflicht hat die Kirche. Sattel-Thurm mit 2 Glöckchen. Consecrirt 28.6.1779. Patrone Hl.Nikolaus und Magdalena. 1 Altar; hatte drei Altäre, wovon aber 2 weder consecrirt noch je gebraucht waren. Gottedienst nur am Patrocinium (6.12.). Am Dienstag in der Bittwoche geht man (von Vierkirchen aus) hierher. Meßner ist der Hirte. Kirchenvermögen: rd. 1600 Gulden".

Renovierungen:
1951 und 1993-97 (Trockenlegung, Dachstuhl, Bemalung des Innenraums)


Baubeschreibung

Die Kirche steht in der Mitte des langgezogenen Straßendorfs. Sie hat seit 1500 keinen Friedhof und keine Einfriedung mehr. Zur Kirche gehört nur der Grund, der übermauert ist. Der Bau ist eine  romanischen Chorturmanlage. Trotz des typisch romanischen Bauschemas und der Fassadengliederung am Langhaus dürfte die Anlage erst um das Jahr 1300 errichtet worden sein. Das Erdgeschoss des Turmes bildet den Altarraum. Dies hat zur Folge, dass zum einen der Turm im Verhältnis zum Kirchenschiff recht groß und massig wirkt und dass zum anderen der Altarraum dennoch relativ klein ist. Chorturmkichen waren vor allem in Süd- und Westdeutschland und in Skandinavien verbreitet. In Norddeutschland, das damals konfessionell noch nicht getrennt war, sind und waren sie unbekannt. Im Landkreis Dachau gibt es zwölf heute noch bestehende Chorturmkirchen. Das ist im Vergleich zu anderen Landkreisen eine hohe Zahl. Im Landkreis Erding z.B. gibt es keine Chorturmanlagen (mehr).

romanisches Bogenfries
Die Kirche gilt damit auch als charakteristisches Beispiel dafür, wie lange auf dem flachen Lande am traditionellen Formengut, in diesem Fall am romanischen Stil, festgehalten wurde. An den Außenwänden ziert die Kirche ein Rundbogenfries mit 14 Bogen ebenso am Turm mit 7 Bogen.
Der Altarraum ist gegenüber dem Kirchenschiff stark eingezogen und schließt gerade. Er ist mit einem Sternengewölbe überdeckt, dessen Rippen auf Kragsteinen enden. Das Kirchenschiff besitzt einen annähernd quadratischen Grundriss. In die Außenwände sind mehrere Wandnischen eingelassen. Fünf Fenster (jew. 2 Spitzbogenfestern an der Nord- und der Südseite, sowie ein kleines Fenster an der Ostseite) erhellen den Innenraum.
Glocken
Im Turm hängen zwei Glocken, die inzwischen über Fernbedienung elektrisch geläutet werden können. Die Läutanlage hat übrigens der frühere Mesner Georg Michl mit einem Techniker selbst erstellt und dabei das Rad eines Mähdreschers mit dem Motor einer Waschmaschine kombiniert.
- Die mit einem Durchmesser von 58 cm etwas größere Glocke wurde 1952 neu beschafft, als Ersatz für die
  Glocke, die im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden musste. Auf ihr steht "Mich goss Karl   Czudnochowsky & Bachmair Nachfolg. zu Erding Obb. 1952".
- Die kleinere Glocke (Durchmesser: 57 cm) ist schon fast 400 Jahre alt. Sie wurde im Jahr 1611 von Sixtus
  Steger aus München für Rettenbach gegossen. Der Text an der Glocke über dem Kranz aus gotischen   Verzierungen lautet: "HOC OPUS AD FINEM PRODUXIT SIXT STEGER ANNO MDCXI" (Diese Werk hat Sixtus
  Steger für den Allerhöchsten gemacht im Jahr 1611).

Glocke
Auch im Ersten Weltkrieg mussten Glocken aus Rettenbach zum Einschmelzen für Kriegszwecke nach Dachau werden. Doch zum Glück lagen sie bei Kriegsende noch im Sammellager und konnten -"eigenmächtig" wie es heißt- heimgeholt werden.
Die größere der beiden hat aber den 2.Weltkrieg nicht überstanden.
Eine Zusammenstellung der 50 ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier....


Die Kirche in Rettenbach ist eine der wenigen Kirchen im Landkreis, die in ihrem Äußeren den romanischen Charakter bewahrt haben. Die Außenansicht der Kirche lässt auch ihre frühere Funktion als Schutz und Trutzgebäude sehr gut erkennen


Innenausstattung

Altarraum

Der eingezogene, gerade schließende Altarraum liegt im Erdgeschoss des gedrungenen Sattel-turmes (Chorturmkirche).  Er ist mit einem Sterngewölbe überdeckt, dessen Schlusssteine mit dem IHS-Zeichen verziert sind.

Sterngewölbe im Altarraum
Dieses Zeichen ist das Namenssymbol Jesu.
Es kann auf zwei Arten gedeutet werden:
— einerseits als die Anfangsbuchstaben des in
    griechischen Großbuchstaben geschriebenen
    Namens Jesu (JHSOUS);
— andererseits als Anfangsbuchstaben von
    "Jesus, hominum salvator" das bedeutet:
    "Jesus, Erlöser der Menschen".
  Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eines Bogens oder im Knotenpunkt von Rip-pen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).

Die Felder zwischen den Gewölberippen sind mit blauer Farbe ausgemalt.  In den vier Gewölbezwickeln sind Bilder der  Kreuzigungswerkzeuge (Arma Christi), jeweils zusammen mit einem Kreuz und schmückenden Blumen zu sehen.
Die Leidenswerkzeuge sollen die Gläubigen, ähnlich wie der Kreuzweg, zu längerem Betrachten des Leidens Jesu anregen.


    
 

  Hinweis zu den 3 Nägeln:
Zum Kreuzestod Verurteilte wurden entweder mit Stricken oder Nägeln am Kreuz befestigt, so wie es die Bibel für Jesus beschreibt. Nägel verstärken, aber verkürzen auch das Leiden. Bei Ausgrabungen wurden Gebeine von Gekreuzigten gefunden, bei denen 2 Nägel vor den Handwurzeln und ein 17 cm langer Nagel durch die übereinan-dergelegten Fersen getrieben worden waren. Nach der Legende fand die Hl.Helena bei der Kreuzauffindung auch drei Nägel, von denen noch einer in der Kirche S.Croce in Rom vorhanden ist. Er hat eine Länge von 14 cm und besitzt einen mehreckigen breiten Kopf.

  Hinweis: Der 60 cm hohe Ysop ist ein aromatisch duftender Halbstrauch mit meist blauen Blüten. Er gehört zu den Mysterienpflanzen des Altertums und wird im Mittelmeerraum seit etwa 2000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Personen und Dinge, die mit einem Leichnam in Berührung gekommen waren, wurden mit dem Ysopbüschel besprengt. "Reinige mich mit Ysop und ich werde frei von Schuld sein" steht in der Bibel (Psalm 51,7). In der frühen christlichen Tradition war Ysop Symbol für die Taufe. Der essiggetränkte Schwamm, mit dem Jesus am Kreuz gelabt wurde, war auch auf einen Ysopstengel gesteckt. Ysop findet an vielen Stellen der Bibel Erwähnung. Bis heute weiß man aber nicht, ob es sich dabei um das selbe Kraut handelt, das wir zur Zeit unter diesem Namen kennen. Dass dem sterbenden Jesus am Kreuz Wasser mit Essig vermischt gereicht wurde, war für diese Zeit üblich. Leicht gesäuertes Wasser wurde viel getrunken. So erhielten z.B. die Soldaten auf ihren Fußmärschen größere Mengen verdünnten Weines oder Weinessigs. In der Passionsgeschichte ist deshalb davon auszugehen, dass die Soldaten Jesus das Getränk reichten, das sie gerade zur Verfügung hatten.


Altar

Der 160 cm breite und raumhohe neugotische Altar mit Kreuzblumen und Fialen stammt aus dem Jahr 1886. Er ist aus Eichenholz geschnitzt und mit ornamentaler Malerei (Schablonenmalerei) verziert.

Choraltar
Viele Jahre lagerte der Altar im Hühnerstall eines Bauernhofs bei Waging, der dem Kloster Schönbrunn gehörte. Der Rettenbacher Mesner Georg Michl entdeckte ihn dort und konnte ihn für seine Kirche retten.
In der großen Mittelnische des neugotischen Altars thront seit einigen Jahren eine Pieta (Vesperbild) aus der Zeit um 1700/30. Maria trauert um den auf ihrem Schoß liegenden Sohn.

Pieta
Sie ist in das traditionelle rote Kleid und den blau-goldenen  Mantel gekleidet mit einem urtümlichen weißen Gimpf um den Hals. Auf ihrem Haupt trägt sie eine prächtige Krone. Diese Krone besteht aus versilbertem Messing mit farbigen Steinen; die Verzierungen sind getrieben (durch Hämmern von der Rückseite her erstellt).
 ...mehr zu Pieta -Darstellungen im Landkreis...


St.Nikolaus
Die Pieta wird flankiert von den Figuren der Heiligen
 Nikolaus (in Bischofstracht, mit 3 Goldkugeln in der linken Hand) und
—  Magdalena, der späteren zweiten Kirchenpatronin (mit einem Salbgefäß und einer Geißel
     in den Händen). Beide Skulpturen stammen aus der Zeit um 1500.

Magdalena
  Nikolaus, der Patron der Kirche, war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Über ihn sind viele Legenden verbreitet; die bekannteste erzählt:
In einer verarmten Familie konnte er durch gezielte Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste. Festtag: 6.Dezember
(Frau Barbara Deger aus Vierkirchen hat einen Vergleich zwischen den Nikolausfiguren in Jedenhofen und Rettenbach gezogen ...bei Interesse hier klicken...)
  Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namen-lose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. Der Künstler von Retten-bach ging jedenfalls davon aus, weil er ihr ein Salbgefäß in die Hand drückte. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) erklärte aber in seinen Auslegungen, es handle sich um eine Person.  Festtag: 22.Juli


An der Südwand des Altarraums ist eine kleine Chorglocke (Sakristeiglocke) im schmiedeeisernen Gestänge angebracht, die bei Beginn des Gottesdienstes geläutet wird.


Fenster

Die Fenster im Altarraum sind mit Glasgemälden im Jugendstil verziert. Die Ornamentik ist in beiden Fenstern sehr ähnlich. Im Mittelpunkt des linken Fensters steht  das Herz Jesu, im rechten Fenster das Herz Mariens. Die Glasgemälde wurden von J.Bockhorni, München, im Jahr 1892 geschaffen (sign.).
Das Herz Jesu gilt als Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.
Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe.

Glasgemälde

Joseph Peter Bockhorni (1832-1905), Sohn eines Münchner Glasermeisters, hatte 1864 die "Münchner Kunstanstalt Josef Bockhorni" gegründet. Er war Mitglied des Vereins für christliche Kunst in München. Bockhorni arbeitete oft mit dem bekannten Münchner Architekten Johann Marggraff (1830-1917) zusammen. Zahlreiche Aufträge erhielt er auch aus Frankreich, Rumänien, Österreich und dem Elsass. Im Dachauer Land hat er auch die Fenster der Kirche in Kammerberg, Viehbach und Prittlbach gestaltet.


Chorbogen

Der Chorbogen im gotischen Stil ist an der Innenseite ebenso mit ornamentalen Verzierungen bemalt, wie die Chorwände und die Fensterlaibungen. « Chorbogenverzierungen



Kirchenschiff / Langhaus

Decke
Das im 17.Jh verlängerte Langhaus besitzt eine Flachdecke. Sie ist in hellbraune Felder mit weißen Rahmen eingeteilt. In der Mitte ist Platz für ein Rundbild (Tondo) des hl. Nikolaus (mit Ölfarbe auf Blechuntergrund, 2.Hälfte des 19.Jh). Der halbfigurig abgebildete Heilige ist mit dem Bischofsornat gekleidet und hält 4 Äpfel in der Hand.


St.Nikolaus mit Äpfeln

Die Äpfel gehen auf eine bekannte Legende zurück:
In einer verarmten Familie konnte er durch gezielte Geschenke, die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste. Die Geschenke bestanden aus drei Äpfeln, die durch seine Fürbitte bei Gott bis zum Auffinden am nächsten Morgen in Goldkugeln verwandelt worden waren.

Zwei barocke Rundbogenfenster mit farbigen Glaseinsätzen und bemalten Laibungen erhellen das Kirchenschiff.



Kruzifixe am Chorbogen

An Stelle von Seitenaltären ist die Kirche mit zwei großen Kreuzen ausgestattet, die dort vor dem Hintergrund eines gemalten Wandbehangs angebracht sind.
  
       Karfreitag - Karsamstag - Ostersonntag

 

Die beiden Kreuze bilden zusammen mit der Pieta auf dem Hochaltar eine Trilogie der Kartage:


  Ganz rechts der Karfreitag, an dem Christus gekreuzigt wurde,
in der Mitte der Karsamstag mit dem toten Christus auf dem Schoß der Mutter und
links der Ostersonntag mit leerem Kreuz und dem Auferstandenen.

Das rechte Kreuz ist ein Kruzifix mit darunter stehender  Mater dolorosa, das um 1740 der aus Murnau stammende Adam Mayr lieferte. Maria, im roten Kleid mit weißem Goller um dem Hals und einer Krone über dem Kopftuch auf dem Haupt, hat ihre Arme über der von einem Schwert durchbohrten Brust gekreuzt (ein altes Motiv der Trauer). Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".


Auf der linken Seite befindet sich ein leeres Kreuz, um das ein Grabtuch gewickelt ist. Unter dem Kreuz steht eine Christusfigur, der Auferstandene, der die rechte Hand segnend erhoben hat(1900). Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

Kreuzwegbilder zur Beschreibung der St.Floriansfigur zur Beschreibung der St.Martinfigur Kruzifix zur Beschreibung der St.Petrusfigur
per Mouseklick zu den Beschreibungen

 

Kreuzwegbilder

Über dem Chorbogen und an den Seitenwänden hängen die Kreuz-wegbilder, im vergoldeten Rahmen. Sie sind mit Ölfarbe auf Blechuntergrund gemalt (71 x 55 cm).
Es könnten noch die Bilder sein,
die im Jahr 1787 vom damaligen Pfarrer Johann Baptist Graf von

Kreuzwegbilder
Edling angeschafft wurden. Das wären dann die ersten Kreuzwegbilder der Kirche. Denn bis Mitte des 18.Jh waren Kreuzwegstationen nur im Freien üblich.
Über den vier Bildern am Chorbogen ist an der Wand ein Spruchband mit dem Text "Im Kreuz ist Heil" aufgemalt. 
  Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

                Kruzifix

Unter der Empore ist an der letzten Bank ein großes Kruzifix aus dem 17.Jh befestigt, das früher auf dem Altar stand.


Kruzifix unter der Empore

Kirchenbänke

Die sechs durchgehenden Kirchenbänke haben eine unterschiedliche Breite. Sie sind mit etwas Schablonenmalerei verziert und stammen aus der 1.Hälfte des 19.Jh.


Empore

Die Brüstung der stützenlosen Empore ist in fünf Felder eingeteilt. Die Felderumrahmungen sind mit Schnitzwerk und Schablonenmalerei aus der 1.Hälfte des 19.Jh versehen. Auf der Rückseite ist mehrfach die Jahreszahl 1845 eingeschnitzt.
Vorne, an der Emporenbrüstung, sind drei Heiligenfiguren angebracht.

Auf der Südseite der Empore steht die Figur des hl. Florian in römischer Soldatenrüstung mit Wasserschaff in den Hand (1680). Der Heilige war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; dadurch wurde er zum Patron gegen das Feuer.


St.Florian
In der Mitte sitzt der hl. Martin, im Bischofsornat, eine Gans neben seinen Füßen (17.Jh andere Quelle: 18.Jh).

St.Martin
St.Martin wurde gegen seinen Willen im Jahr 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn Gänse durch ihr Schnattern verraten.

 

 

 

 

 

 


Auf der Nordseite St.Petrus, mit Kreuzstab und Papstkrone (Tiara). Die Figur stammt aus dem Ende des 17.Jh.
Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf der Stirn und mit Bart dargestellt.

Hinweis: Petrus, der Fischer Simon, wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach der Himmelfahrt Jesu hatte Petrus zusammen mit Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt.  Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, wirkte dort als Leiter der Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod indem er auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero umgekehrt ans Kreuz geschlagen wurde. Die Petrusbriefe im Neuen Testament dürften nicht von Petrus stammen. Seine Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom direkte Nachfolger des Petrus sind (deshalb die Papstkrone).  Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen.  Der Kreuzstab in der Hand der Petrusfigur gilt, seit Kaiser Konstantin d. Gr. ihn als Feldzeichen führte, als Symbol der Macht.
Die Tiara, die dreifache Krone, entstand aus der phrygischen Zipfelmütze des iranischen Hofzeremoniells des 5.Jh.v.Chr. In den ersten Jahrhunderten des Christentums waren Papst und Klerus barhäuptig. Die Tiara wurde erstmals im 8.Jh erwähnt. Ihre heutige Form stammt aus dem 14.Jh. Es gibt mehrere Deutungen für die dreifache Krone:
— Die eine besagt, sie sei das Gegenstück zu den weltlichen drei Kronen des Kaisers (Königskrone von Aachen,
    Krone der Langobarden und die Kaiserkrone von Rom).
— Eine andere Deutung weist auf das dreifache päpstliche Amt hin: lehren, lenken und heiligen.
— Wieder eine andere bezieht die Tiara auf die drei Reiche der Kirche: Die streitende Kirche auf Erden, die leidende
    Kirche im Fegefeuer, die triumphierende Kirche im Himmel.
— Schließlich werden die drei Kronen auch als Symbol der Dreieinigkeit Gottes gesehen.
Früher wurde dem neugewählten Papst die Tiara mit den Worten überreicht: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist". Seit 1964 trägt der Papst keine Tiara mehr. Paul VI. schenkte seine Krone den amerikanischen Katholiken als Dank für die großherzigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt.

Nicht mehr feststellbar sind eine Urständ Christi (Auferstehungsdarstellung), die 1710 von einem Dachauer Bildhauer geliefert wurde und drei Antependia, die 1740 von Kaspar Leithner gestaltet wurden.

Hans Schertl


Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1133, 1147, 1149)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Max Gruber, Eine gezeichnete Landkarte aus dem Jahre 1721 mit Orten der Landkreise DAH, FS und PAF, 1969 (1721)
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Kistler, Schreiner u.Drechsler aus dem Amperland, Amperl 1975, S.91 (
Leithner)
Dr. Gerhard Hanke, Festschrift 1200 Jahre Vierkirchen, 1979
Andreas Berthold, Die Orte der früheren Gemeinde Vierkirchen, 1979
Wolfgang Lanzinger, Aus der Chronik der Pfarrei Vierkirchzen über das letzte Jahrhundert, Amperland 1979
Max Gruber, Im Dachauer Land wirkende Bildhauer, Amperland 1982/1
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Weigl)
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Steger)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Kreisbote Dachau vom 6.9.2001
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Gerhard Hanke / Wilhelm Liebhart, Der Landkreis Dachau, S. 126, 1992 (Erding)
Dr.G.Brenninger, Kirchenabbrüche im Gebiet des Amperlandes als Folgen der Säkularisation v.1803, Amperland 1992/1
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgang, Altarweihe 1710, Turm 1729)
Georg Michl, Kirchenpfleger, 2004
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Eduard Kopp in Chrismon 06.2007 (Essigwasser)
Dachauer Nacharichten vom 27.8.2009 (Glocken, Altar), v. 13./14.9.2014 (Friedhofsauflösung)

28 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

24.11.2015