zur Landkreiskarte        ausführliche Beschreibung      Kirchen i.d.Marktgem. Altomünster

Pfarrkirche St. Georg in THALHAUSEN

Kruzifix

Navi-Adresse: 85250 Altomünster, Am Mühlberg 3
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Der Ort Thalhausen wurde schriftlich erstmals um 1030 als "Talenhus" (Häuser des Talo) erwähnt.

Die Pfarrei Thalhausen, die noch die Einöden Teufelsberg und Schielach umfasst, wird seelsorgerisch vom Pfarramt Klingen betreut. Sie gehört seit jeher zum Bistum Augsburg.

Der erste schriftliche Hinweis auf eine Kirche in Thalhausen ist in einer Urkunde des Jahres 1487 enthalten. Damals weihte der Augsburger Weihbischof und Franziskanermönch Ulrich einen neuen gotischen Chor zu Ehren des hl.Georg. Dieser Heilige ist immer noch der Kirchenpatron.

Während des 30-jährigen Krieges brannte der alte Bau wohl aus und wurde dann erneuert.
1842
wurde die Kirche nach Westen verlängert.

Als im Jahr 1892 Teile der Decke herab fielen, beschloss man den völligen Neubau einer Kirche im damals modernen Stil des Historismus (hier Neuromanik). Die Weihe fand am 16.5.1905 statt.

Die Kirche in Thalhausen ist eine der wenigen Kirchen im Dachauer Land, die sowohl außen als auch innen in einem einheitlichen Stil erbaut und ausgestattet sind. Vergleichbar sind lediglich die zur gleichen Zeit errichtete Kirche in Kammerberg und die etwas ältere Kirche in Unterbruck, die aber beide schon zum Lkr. Freising gehören.

Inneneinrichtung

Die Wände des Altarraums sind, dem Stil des Historismus entsprechend, voll bemalt. Engel spielen hier eine bedeutende Rolle.

Die Deckenmalereien schuf Karl Döttl.

Die Altäre stammen vom Bildhauer Balthasar Schmitt (1858-1942).

Der Hochaltar ist dem hl. Georg, dem Patron der Kirche geweiht. Er besteht im Wesentlichen aus einem schreinähnlichen Stein-Tabernakel.

Die Seitenaltäre bestehen jeweils aus einem Triptychon von Heiligenbildern über den Steintabernakeln.

Die Fenster sind mit Glasgemälden im Jugendstil verziert.

Das Langhaus ist mit einer Kassettendecke gedeckt.

An den Wänden dominieren die großen Kreuzweg-Stationsbilder.


Details (Altäre, Chorwand, Chordecke) per MouseklickKirchenbankwangenKirchenbankwangenWand- und DeckengemäldeKreuzwegbilderTriumphbogengemäldeAnbetung der drei WeisenLeuchterWand- und DeckengemäldeSt.GeorgLinker Seitenaltarrechter SeitenaltarAbendmahlAuferstehungTabernakelSt.Wolfgang

Im Kirchenschiff stehen Skulpturen
der hl.Barbara (mit Krone, Turmmodell und Kelch) sowie
des hl. Wolfgang (im Bischofsornat mit Bibel und Kirchenmodell).

Die Pfarrei Thalhausen gehört mit den Pfarreien Mauerbach und Gallenbach zur Pfarreiengemeinschaft Klingen. Die Gottesdienstordnung können Sie hier lesen...



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Kirche  30jähriger Krieg  Neubau 1895  Orkan 1958
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Choraltar
 Chorgestühl  Chorbogen  Empore  Ewig-Licht-Ampel
 Fenster  Figuren im Schiff  Geschichte  Kirchenschiff
 Kirchenbänke  Kreuzweg  Kreuzigungsgruppe  Krippe
 Orgel  Seitenaltäre  Taufstein  Gottesdienstordnung


Der Ort Thalhausen liegt im Tal der oberen Weilach. Er wurde erstmals um 1030 als "Talenhus" (Häuser des Talo) erwähnt. Damals schenkte die Witwe Udalscalch von Elsendorf Güter in Talenhus dem Kloster Kühbach. Im 13.Jh nannte man den Ort Talnhusen, 1346 Tallenhausen, 1517 Talnhausen und 1737 Thallhausen. Das Dorf war bis 1803 überwiegend dem Kloster Kühbach grunduntertan.
Thalhausen war von 1818 bis zum 1.5.1978 eine selbstständige Gemeinde im Landkreis Aichach mit den Orten Arnberg, Haag, Schielach, Schmelchen, Thalhausen und Teufelsberg. Seither gehört es zur Marktgemeinde Altomünster. 15)

 

Geschichte der Kirche

Eine Kirche war jedenfalls schon im 14.Jh vorhanden. Nach Prof.Liebhart bestimmte die Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Kühbach den Pfarrer bis 1335, danach das Domkapitel in Augsburg. Das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte. Lediglich weltliche Geschäfte war dem Domkapitel verwehrt; für diese Aufgaben benötigte es einen Vogt.

Die erste ausdrückliche schriftliche Benennung einer Kirche in Thalhausen stammt aus dem Jahr 1487. Damals weihte der Augsburger Weihbischof und Franziskanermönch Ulrich einen neuen Chor zu Ehren des hl. Georg. Es handelte sich damals um einen romanischen Bau mit einem sehr niedrigen Sattelturm, der um den neuen Chor im spätgotischen Baustil erweitert worden ist.

Von 1460 bis 1507 war die Pfarrei Thalhausen mit der Pfarrei Haag vereinigt.

Apiankarte 1568

Kartograph Philipp Apian hat in seiner Bayerischer Landtafel Nr. 13 auch den Ort und die Kirche von Thalhausen unter der Bezeichnung "Tallnhausen" dargestellt (siehe Landkarte rechts). Damals hatte die Kirche noch einen Turm mit einer Bedeckung in Form eines Zeltdachs, denn Apians Zeichnungen sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der dargestellten Gebäude.

Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen Karte stellen die "24 Bairischen


Apian-Karte von 1568
Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568 vom Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wurden. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern. Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589.


Dreißigjähriger Krieg
Während des 30-jährigen Krieges, der im Gebiet um Altomünster besonders grausam gewütet hat, brannte der alte Bau wohl aus und wurde dann erneuert. Das Taufbuch der Kirche beginnt mit Angaben ab dem Jahr 1590. Entweder konnte es vor dem Brand gerettet werden, oder man hat es nach dem Krieg durch Befragen der Überlebenden teilweise rekonstruiert.

Zur Größe der Ortschaft Thalhausen im 19.Jh. ist im geographisch-statistisch-historischen Handbuch des Königreiches Bayern von 1852 folgende Eintragung zu finden: "Thalhausen mit 53 Familien und 283 Seelen".


Auszug aus einer Landkarte von Finkh
aus dem Jahr 1655


1842
hat man den Kirchenbau nach Westen verlängert.
Als 50 Jahre später, 1892, Teile der Decke herabfielen, wurde beschlossen, die Kirche völlig neu zu errichten.

Neubau 1895
Man entschied sich für den Bau einer neuen Kirche an der bisherigen Stelle. Den Plan zeichnete Amtstechniker Kober aus Aichach auf der Grundlage einer Skizze des Amtstechnikers Hertinger aus München. Zur (Mit-)finanzierung führten die Thalhausener eine Bausteinaktion durch, die 80.000 Steine und 150 Stämme Bauholz erbrachte. Der Abbruch begann Anfang Mai 1895, der Grundstein wurde am 9. Juni 1895 gelegt und die Weihe der Raumschale fand schon am 3. Dezember statt (ähnlich schnell verlief der 7 Jahre später der Bau der Giebinger Kirche). Die Ausstattung der neuen Kirche dauerte noch einige Jahre. Den Entwurf fertigte der Münchner Architekt Jakob Angermair, die Bildhauerarbeiten besorgte 1898/1899 Balthasar Schmitt. Am 16. Mai 1905 konnte der Augsburger Bischof Maximilian von Lingg das neue Gotteshaus einweihen.

Die Pfarrei, die schon seit alter Zeit die Einöden Teufelsberg und Schielach umfasst, gehört zum Bistum Augsburg und wird von Klingen aus seelsorgerisch betreut.

Orkan 1958
Am 16. Juli 1958 raste ein Orkan mit bis zu 200 km/h über die Gegend, begleitet von einem halbstündigen Hagel-Wolkenbruch. Ober- und Niederdorf bei Tandern lagen im Zentrum; doch auch in Thalhausen war der Sturm so stark, dass das Steinkreuz auf dem Kirchendach herabstürzte und es schwer beschädigte. Auf dem Friedhof fielen mehrere Grabsteine um.

 

Baubeschreibung

Die Kirche ist in den Stilformen des Historismus erbaut, der 1905 bei Sakral- und Repräsentati-onsbauten noch modern war. Der Historismus lehnte sich in idealisierender Weise an die mittel-alterlichen Stile an, an Byzanz, die Romanik, die Gotik und teilweise auch an die Renaissance und den Barock. Aus allen diesen Stilepochen wurden Formenelemente herausgezogen und daraus ein historisierendes Bauwerk geschaffen. Bei der Kirche in Thalhausen handelt es sich um eine neuromanische Kirche, d.h. es wurden vorwiegend Stilelemente der Romanik, die bei uns von 1100 bis 1400 dauerte, verwendet. Gut erkennbar ist dies außen an den Bogenfriesen und im Inneren an den bogenförmigen Elementen (Kirchenstuhlwangen, Tabernakel, Oratoriumsfenster).

Die drei Glocken im Turm finanzierte der Austragsbauer Jakob Schormair aus Schielach.
Die Kirche wird von 12 Fenstern mit rundbogigem Abschluss erhellt.
Die sonst bei Kirchen schmucklose Westseite wird in Thalhausen durch Rundbogenfriese über Lisenen und einem Rundfenster verziert. Auch dies ist eine Besonderheit des neuromanischen Baustils.

Auch die Vorhalle über dem Eingangsportal trägt zur Strukturierung der Westseite bei.

Die Sakristei mit dem Oratorium im ersten Stockwerk ist an der Südostseite an den Chor angebaut.


Sakristei und Chor/Altarraum


Kriegerdenkmal
An der Südseite der Kirche steht mit einigem Abstand zur Mauer ein großes Kruzifix mit vergoldetem Corpus und dreipassförmigen Kreuzbalkenenden. Seitlich dahinter sind an der Kirchenmauer die Steintafeln mit den Namen der in den Weltkriegen Gefallenen aus Thalhausen angebracht.

Hinweis: Ein Kruzifix (crux= Kreuz, fixum= angeheftet) ist die Darstellung des am Kreuz hängenden Christus. In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus (Körper) des Gekreuzigten angebracht, weil die Kreuzigung als eine schändliche und würdelose Art der Hinrichtung galt (wie vor kurzem bei uns der Galgen). Auch in der jüdischen Tradition war nach dem Alten Testament (Buch Dtn 21,22) jeder Gekreuzigte (ans Holz Gehängte) ein "von Gott Verfluchter".Ab dem 4.Jh wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden oder toten Gekreuzigten und damit die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.



Innenausstattung

Altarraum (Chor)

Der halbrund schließende Altarraum besitzt zwei Achsen. Die Decke und die Wände sind, dem Stil des Historismus entsprechend, voll mit Fresken in kräftigen Farben bemalt. Die Deckenmalereien aus dem Jahr 1898 stammen von Karl Döttl.

Apsisgemälde
Im Mittelpunkt der bemalten Apsis (dem östlichen Teil des Chors) ist -vor einem tiefblauen Hintergrund- in einem Rundbild das Auge Gottes im Dreieck, umgeben von einem Strahlenkranz zu sehen. Zwischen die beiden äußeren Rahmen des Bildes ist der Text
"In aeternum Domine, verbum tuum permanet in coeli" (Dein Wort o Herr, wird im Himmel für alle Ewigkeit bestehen) geschrieben.

Auf einer Blumenwiese stehen Engel mit vergoldeten Flügeln und halten geöffnete Bücher vor ihrer Brust. Mit den Händen weisen sie auf die Namen der vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes), die in griechischer Schrift zu lesen sind.

Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. In der Kunst unserer Gegend ist es seit dem 18.Jh verbreitet. Es symbolisiert gleichzeitig die Dreifaltigkeit und wird deshalb oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.



Chorwände
Auch der westliche (dem Kirchenschiff zugewandte) Teil des Altarraums ist bemalt. Mittelpunkt des quadratischen Deckengemäldes ist ein Rundbild mit der Darstellung des Gotteslammes. Vier Engel stützen dieses Bild, von dem Strahlen in die vier Ecken des Jochs ausgehen. Diese Strahlen sind mit Blumenmustern ausgefüllt. Die Rahmen, die das Deckengemälde umgeben, bestehen aus Ornamentmalerei. Hintergrund des Deckengemäldes ist ein blauer Sternenhimmel, wie er im 19.Jh gerne gemalt wurde, um die Unendlichkeit Gottes vor Augen zu führen.

Chordecke

Die Wände des Altarraums sind mit blaugrüner Farbe bemalt. Sie sind durch weiße Linien in Felder eingeteilt, die mit christlichen Motiven wie Jesusmonogramm oder Kreuze ausgemalt sind. An der Südseite ist über der Sakristei ein Oratorium eingebaut. Das Verbindungsfenster zwischen Oratorium und Altarraum ist durch einen Pfeiler in zwei Rundbögen geteilt. Das Oratorium ist eine vergitterte oder verglaste Loge mit Blick zum Altar, die es den hohen Herrschaften erlaubte, unbeobachtet vom Volk der Messe beizuwohnen.


Hochaltar / Choraltar

Die Altäre stammen vom Bildhauer Balthasar Schmitt (1858-1942) und gehören zu den qualitätsvollsten der damaligen Zeit. Der Hochaltar im Stil strenger Romanik besitzt kein Retabel. An dessen Stelle ist der große Tabernakel aus Stein getreten, der mit seiner schreinähnlichen Form und den beiden Relieftafeln die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Solche Schreinaltäre waren in der Frühgotik große Mode. In der ersten gotischen Kathedrale in Saint Denis und im Kölner Dom stehen die Reliquienschreine direkt auf dem Hauptaltar. An den beiden äußeren Teilen des Tabernakelschreins in Thalhausen sind Reliefs angebracht:
links die Anbetung der drei Weisen mit den Überschriften "Ecce signum magni regis" und "Inquiramus eum" (auf deutsch: "siehe das Zeichen eines großen Königs und lasset uns nach ihm suchen"),

Choraltar
rechts die Beweinung Jesu nach der Kreuzabnahme mit den Inschriften "Tolle filium unigenitum" und "offeres in holocaustum" (auf deutsch: nimm den einzigen Sohn - du sollst ihn als Brandopfer darbringen). In der Münchener Kunstszene erhielt der Altar hervorragende Kritiken; in Thalhausen soll man weniger begeistert gewesen sein.

Dreikönige
Prof. Liebhart zitiert in der Chronik der Gemeinde Altomünster dazu einen Zeitungsbericht von 1899: "Das Ganze gleicht einem romanischen Reliquienschrein, dessen Mitte den Tabernakelraum in Doppeltheilung enthält und von einem St. Gregorius (Georgius ?) gekrönt wird. Die Evangelien-seite enthält die Anbetung der hl. 3 Könige in erschütternder Einfachheit und Kindlichkeit (...). Die Grabesruhe des Herrn im Schoße der Mutter, als Seitenstück der Anbetung, atmet bei allem Realismus doch christliche, geläuterte Tragik, welche im Schmerze nicht untergeht".

Grabesruhe

Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt die gesonderte Aufstellung wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Der Hochaltar ist dem hl. Georg, dem Patron der Kirche geweiht. Auf dem Tabernakel steht die Figur des Namens-patrons in Ritterrüstung. Er stützt sich auf eine mächtige Lanze, die einen Drachen zu Füßen des Heiligen durch-bohrt. Die Figur soll nach einem Vorbild im Freiburger Münster gestaltet sein.

St.Georg
Hinweise: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikode-mien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war und tötete das Untier. Fest: 23.4. 
Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als Glück bringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperung des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.

 

Chorgestühl und Chorglocken


Chorgestühl
Im Altarraum ist das neugotische Chorgestühl, verziert mit ornamentalen Mustern, noch gut erhalten.
 
Am Zugang zur Sakristei hängen die Chorglocken, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes geben. Es handelt sich um drei kleine Glocken sowie um drei Schellen, die mit einem Metall-Zug-band zum Klingen gebracht werden.
Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor/Altarraum betreten.

Chorglocken



Ewig-Licht-Ampel

In der Nähe des Chorbogens hängt die Ewig-Licht-Ampel, wohl aus versilbertem Messing.

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholi-schen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem


Ewig-Licht-Ampel
Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Chorbogen

Auch die Innenseite des Chorbogens ist bemalt. Das Rundgemälde im Scheitelpunkt stellt Christus dar, mit Heiligenschein und den auf ihn gemünzten Buchstaben Alpha u. Omega.


Chorbogenbemalung
Hinweis: Diese beiden Zeichen sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt."


Rosenkranz-
madonna
Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagte und zum anderen, um die von den Arianern bestrit-tene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.

Unter dem Chorbogen ist eine Stange mit der Rosenkranzmadonna befestigt. Die bäuerliche Schnitzarbeit stellt die Muttergottes dar, die im rechten Arm ihr auf der Weltkugel stehendes Kind hält. Maria ist in das traditionelle rot-blaue Gewand gekleidet. Ein Kranz von 20 kleineren und 4 größeren Kugeln umgibt die Figurengruppe.
....mehr zum Rosenkranz finden Sie hier....
Hinweis: Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli).

 

Kirchenschiff bzw. Langhaus

Langhausdecke

Das Kirchenschiff besitzt eine Kassettendecke mit braunen Rahmenleisten und blauer Hintergrundfarbe.
Die Felder sind mit ornamentalen Zeichnungen ausgemalt.

Deckenleuchter
Von der Decke hängt ein runder Leuchter im malerischen Stil des Historismus, der aber mit Glühlampen bestückt ist.


Fenster

Das Kirchenschiff wird durch 10 rundbogige Fenster (an der Süd- und der Nordseite jeweils vier, an der Westseite zwei) erhellt. An der Westseite befindet sich noch ein Rundfenster, das innen durch die Orgel verdeckt wird. In der Architektur werden Rundfenster auch "oeil de boeuf" (Ochsenauge) genannt.
Sechs der Fenster im Kirchenschiff und die beiden Fenster im Altarraum sind mit Glasgemälden ausgestattet.
Im Kirchenschiff sind links weibliche, rechts männliche Heilige zu sehen. Die Heiligen sind -dem Zeitgeschmack um die Jahrhundert-wende vom 19. ins 20.Jh entsprechend- in makelloser Schönheit dargestellt.

(hinten links): St.Elisabeth trägt auf dem Kopf eine Königskrone. In ihrem Schurz birgt sie einen Bund Rosen.
Hinweis: Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden. Festtag: 17.Nov.
(mitte links): Notburga hält im rechten Arm eine Getreidegarbe und in der Hand eine Sichel.
Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol. Die Getreidegarbe ist ein Hinweis auf das sog. Sichelwunder: Als sie der Bauer, entgegen geltender Abmachungen anwies, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, warf sie die Sichel in die Luft, wo sie zum Entsetzen des Bauern hängen blieb. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. Festtag: 14.Sept.
(vorne links): Theresia von Avila ist als Klosterfrau dargestellt. Sie hält drei Attribute in den Händen: Eine Schreibfeder und ein Buch sowie einen Pfeil.
Hinweis: Theresia (1515-1582) war Klosterfrau bei den Karmelitinnen und erlebte eine Reihe von Visionen. Sie reformierte den Orden und gründete die "unbeschuhten Karmelitinnen" mit strenger Klosterzucht. Ihre Schriften bezeugen Teresa als Mystikerin von einer nie zuvor oder danach erreichten Tiefe des Erlebens. Der Pfeil erinnert an die "Transverberation", (mystischer Ausdruck für die Durchbohrung des Herzens durch einen Engel), die sie ständig körperliche Qualen erdulden ließ. Festtag: 15.10
(Altarraum links): Jesus mit dem dreistrahligen Heiligenschein, der nur den göttlichen Personen zugeordnet wird, hält in seiner linken Hand ein Herz, das von einer Dornenkrone umwunden wird. Die Rechte erhebt er segnend.
Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.
(Altarraum rechts): Maria ist mit gesenktem Blick abgebildet. In der linken Hand hält sie -als Zeichen ihrer Königswürde- ein Zepter. Das brennende Herz in ihrer rechten Hand ist von einem Kranz aus Rosenblüten umgeben; im Herz steckt ein Schwert, zum Zeichen für die Schmerzen, die sie entsprechend der Weissagung Simeons erdulden musste. Das Herz Mariens gilt auch als Zeichen für die mütterliche Liebe.
(vorne rechts): Josef hält in der Hand eine Lilie. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.
Hinweis: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. Festtag: 19.März

(mitte rechts): St.Isidor hat seine Hände zum Gebet gefaltet. Im Arm hält er einen Holzrechen.
Hinweis: Isidor lebte im 12. Jh. als Knecht bei einem Baron. Seine Mitknechte verpetzten ihn, weil er ständig betete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er der Überlieferung nach zwei weiße Stiere, von einem Engel geleitet, pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete. Der Rechen weist ihn als sog. Bauernheiligen aus. Festtag: 15.Mai
(hinten rechts): St.Florian mit gelocktem, langem Haar ist in eine römische Rüstung gekleidet. In der Hand hält er ein hölzernes Wasserschaff.
Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.
Festtag: 4.Mai

 


Seitenaltäre

Die Retabel (= Altaraufbauten) der Seitenaltäre sind dreiflügelige Tafeln mit erhöhten Mittelteilen, auf denen Maria und Anna dargestellt sind. In den Außenflügeln der Seitenaltäre sind vier männliche Heilige, links zwei Ordensleute (Dominikus?), rechts zwei Bischöfe (Ulrich?), zu sehen. Die Altartafeln in Thalhausen haben große Ähnlichkeit mit denen in der Pfarrkirche von Giebing, die zur gleichen Zeit entstanden sind.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar.
Auf dem Mittelteil des Flügelaltars sitzt die Mutter-gottes als Königin gekleidet auf einem Thron und hält ihr Kind auf dem Schoß. Jesus hebt seine rechte Hand segnend; in der Linken hält er den Reichsapfel als Zeichen seiner Königswürde.

Maria mit Jesuskind
Hinweis: Der meist vom Kreuz bekrönte Reichsapfel ist Teil der Insignien christlicher Herrscher. Er versinnbildlicht den Erdball. Die ersten Darstellungen stammen aus dem Konstantinopel des 4./5. Jh. In Deutschland fand der Reichsapfel erstmals 1191 bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. Erwähnung.
In der Predella des Altars zeigt ein Steinrelief in der Nische hinter zwei Säulchen die Muttergottes, die um ihren toten Sohn auf ihrem Schoß trauert (Pieta). Maria hält die Hand ihres auf dem Boden liegenden toten Sohnes Jesus. Mit ihr trauern vier Putten, die den Kopf Jesu stützen.

Vesperbild/Pieta
Die Inschrift im roten Band darüber lautet: Sehet ob ein Schmerz gleich meinem Schmerze.
Auch dieses Relief soll -wie der Hochaltar- vom Künstler Balthasar Schmitt stammen.

...mehr zu Pieta -Darstellungen in den Kirchen des Landkreises...


Rechter Seitenaltar

Patronin des rechten Seitenaltars ist die hl. Anna.
Ihr Bild ist in der Mitte des Flügelaltars zu sehen.
Anna hat nach den Apokryphen erst nach zwanzig-jähriger kinderloser Ehe ihre Tochter Maria geboren. Deshalb wird sie in der Kunst immer als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch abgebildet.
Festtag: 26.Juli

St.Anna
Das Buch in ihren Händen geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt.
Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an.
In der Predella wird über dem Tabernakel eine Kreuzigungsgruppe sowie in silberüberzogenen Reliefs das letzte Abendmahl und die Auferstehung von den Toten dargestellt.

Auferstehung
Auf dem Auferstehungsrelief sind Christus und die beiden zutiefst erschrockenen Wächter
   am Grabe zu sehen.
Beim Abendmahl-Relief sind die nicht sehr konzentriert wirkenden Apostel -wohl an einem
   runden Tisch sitzend- um Jesus herumgruppiert. Jesus hält eine Schüssel oder Patene in    der Hand und spricht die Worte "dies ist meine Fleisch".

Abendmahl
  Hinweis: Die Abendmahldarstellungen sind heute die wichtigste künstlerische Ausdruck für die Einsetzung der Eucharistie. In den ersten Jahrhunderten waren dies -wie Darstellungen auf den frühchristlichen Sarkophagen zeigen- das Weinwunder von Kana und die Brotvermehrung. In die Bildende Kunst fand das letzte Abendmahl erst im 5./6. Jh. Eingang. Ursprünglich wurde Jesus an der linken Ecke der Tafel sitzend wiedergegeben, ab dem 11. Jh. meist in der Mitte thronend, flankiert von seinen Jüngern, wie hier in Thalhausen.

Taufstein

Vor dem rechten Seitenaltar steht der achteckige Taufstein aus Marmor auf einem hohen Schaft. Er ist mit neuromanischen Ornamenten verziert. Auch sein kupferner Deckel besteht aus acht Feldern. Er besitzt oben eine kleine Erhöhung, auch Laterne genannt, die von einem Kreuz gekrönt ist.


Taufstein
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehen-des Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Tauf-becken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weit-gehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige
  Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.



Figuren und Bilder
an den Wänden des Kirchenschiffs

Aus der Spätgotik (Ende 15.Jh) stammen die beiden Skulpturen
der hl.Barbara (mit Krone auf dem Kopf sowie einem Turmmodell und einem Kelch mit Hostie in der Hand) sowie
des hl. Wolfgang (im Bischofsornat mit Bibel und Kirchenmodell) auf der Langhausseite. Sie standen schon in der Vorgängerkirche.

SS.Barbara u.Wolfgang
Hinweise: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie
  geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Vor dem Tod bat Barbara Gott, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. Festtag: 4.Dez.

Wolfgang
lebte im 10.Jh erst Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 Bischof von Regensburg. die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben am nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, sodass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde, danach kehrte er nach Regensburg zurück. Festtag: 31.Okt.


Kreuzwegbilder
Die Kreuzwegbilder (Ölgemälde auf Holz) wurden 1904 von Georg Steiniger aus Schielach gestiftet. Der Maler ist mir nicht bekannt.
Jesus wird auf allen Bildern konsequent in einem weißen Gewand dargestellt. Die Häupter der heiligen Personen (Jesus, Maria, Johannes, Veronika, Magdalena) sind von einem goldenen Heiligenschein umgeben. Ein Kind trägt in den Bildern 7 und 8 die Inschriftentafel in der Hand, die später über Jesus am Kreuz befestigt wurde.

 

1. Station
Jesus wird
zum Tod verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf sich
3. Station
Jesus fällt das erste Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner betrübten Mutter
5. Station
Simon v.Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch
7. Station
Jesus fällt das zweite Mal
unter dem Kreuze
             
8. Station
Jesus redet zu den
weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt das dritte Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird an das
Kreuz genagelt
12. Station
Jesus stirbt am Kreuze
13. Station
Der Leichnam Jesu
wird vom Kreuz
herabgenommen
14. Station
Jesus wird
in das Grab gelegt


Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus 14 Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen.
Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolo-rosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuz-wegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unter-weisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

Mehr über Kreuzwege und ihre Darstellung erfahren Sie hier....


ProzessionslaterneKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderKirchenbankwangenApostelleuchterReliefs der vier EvangelistenReliefs der vier EvangelistenApostelleuchterChristusfigur an der EmporeKruzifixKirchenbankwangenKreuzwegbilderMater dolorosaProzessionslaterneOrgel
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Apostelleuchter

Unter den Kreuzwegbildern sind die Apostelleuchter angebracht. Die dazu-gehörenden Apostelkreuze sind -zusammen mit um-gebenden ornamentalen Verzierungen- als Fresken auf die Wand gemalt.

Apostelleuchter

Hinweis: Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.
Eine Zusammenstellung der schönsten Apostelleuchter in den Kirchen des Landkreises Dachau sehen Sie hier....

Kreuzigungsgruppe

An der nördlichen (linken) Seitenwand hängt ein großes Kruzifix. Der Künstler hat sich dabei an alte romanische Vorlagen gehalten: Die Beine des Korpus liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Dar-stellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen wiedergegeben. Das Lenden-tuch (Perizoma), das Jesus trägt, gleicht einem Rock. Es weist, wie in der Zeit der Romanik, nur Längsfalten auf und unterscheidet sich nachdrücklich von den vergoldeten Lendentüchern aus der Barockzeit mit ihren gebauschten, flatternden, manchmal auch gedrehten Enden. Ganz in der Tradition der Romanik hängt Christus auch in hoheitsvoller Haltung am Kreuz; er ist nicht als Schmerzensmann dargestellt.

Unter dem Kreuz steht die schmerzhafte Muttergottes, die Mater dolorosa. In ihrer linken Brust steckt ein Schwert. Es erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".


Kanzelkreuz


Mater dolorosa



Kirchenbänke

Die Kirchenbänke haben unterschiedlich gestaltete Wangen. Wenn Sie auf die kleine Bilder klicken, können Sie sich diese Muster ansehen.

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es übrigens viele interessante Muster von Kirchenbank-Wangen.

Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier...


P
rozessionslaternen


Prozessions-laterne
An den hintersten Kirchenbänken sind die Prozessionsstangen mit den schön gestalteten Prozessionslaternen befestigt. Sie werden heute nur noch bei der Fronleichnamsprozession mitgeführt.


Empore

Die tiefe Empore wird durch zwei Holzsäulen gestützt. Die Brüstung ist durch 13 unbemalte Felder gegliedert.
In der Mitte der Emporenbrüstung ist eine Figur von Christus als himmlischer Herrscher (Pantokrator) ange-bracht. Er ist in ein rotes Gewand und einen weißen Um-hang gekleidet und hat auf einem Sessel Platz genommen. Sein rechter Fuß ist etwas zurückgesetzt; damit verleiht der Künstler der Figur eine gewisse Lebendigkeit. Nach der Tradition geht die Gestalt des Pantokrators auf das Bild des Menschensohnes zurück, das im 7.Kapitel des Buches Daniel zu finden ist.

Pantokrator
Jesus wurde in den Evangelien mit dem Menschensohn identifiziert. Als Figur in Thalhausen hält Christus mit würdevollem Gesichtsausdruck in der Linken ein offenes Buch mit den Buchstaben Alpha und Omega und hebt die rechte Hand mit dem Segensgestus (drei gestreckte und zwei zurückgebogene Finger). Die drei gestreckten Finger weisen auf die Dreifaltigkeit, die beiden geknick-ten  Finger auf die beiden Naturen Christi (göttlich und menschlich) hin.
  Hinweis: Die beiden Zeichen Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omega-zeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagte und zum anderen, um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.

Evangelistenattribut
In einigen der Felder sind kleine Reliefs der Attribute der vier Evangelisten (geflügelter Mensch für Matthäus, geflügelter Stier für Lukas, geflügelter Löwe für Markus und Adler für Johannes) angebracht. Das Missverhältnis zwischen der Größe der Reliefs und der Felder gibt zur Annahme Anlass, dass die Reliefs nicht für diese Emporenbrüstung geschaffen wurden. Nach ihrer Art könnten sie früher evtl. eine Kanzel geschmückt haben. Dass auch Thalhausen früher eine Kanzel hatte, ist sehr wahrscheinlich.

Evangelistenattribut

 

Orgel

Die Orgel besteht aus einem dreifeldrigen Prospekt mit erhöhtem Mittelteil. Die Rahmenhölzer sind mit Goldschrift verziert: "Exultate iusti in Domino rectus decet collaudatio".

Orgel

Die Pfeifen kamen 1896 aus dem Kloster Seligenthal bei Landshut, für das die Orgel 1857 von Johann Ehrlich aus Landshut errichtet worden ist. Inzwischen ist die Thalhausener Orgel aber etwas umgebaut worden. Sie besitzt (nach Brenninger , 1976) die Disposition:
 

Manual (C-g'''): Bourdon 16', Principal 8', Gamba 8', Octav 4', Flöte 4', Mixtur 3fach 2'
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16'

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  Hinweis: Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen aus Holz oder Metall, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Die Pfeifen sind verschieden groß. Die kleinsten Metallpfeifen sind rd. sechs Zentimeter lang, während manche Holzpfeifen mehrere Meter hoch sein können. Die verschiedenen Register fassen bestimmte Pfeifen zusammen und erzeugen verschiedene Klangfarben (z.B. Flöten, Hörner). Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Krippe

In der Weihnachtszeit steht auf dem linken Seitenaltar eine kleinere Krippe mit geschnitzten, unbemalten Figuren und einem großartigen Panoramahintergrund.

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Weiihnachtskrippe
 

 

Hans Schertl
 

Quellen :
01) Pleickhard/Stumpf, Bayern ein geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches 1852 (Statistik)
02) Kirschbaum, Lexikon der christlichen Ikonographie, 1968
03) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
04) Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
05) Festschrift zum 75. Bestehen des Schützenvereins Schützenlust Tandern, 1984
06) Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
07) Prof. Dr.Liebhart, Zur Geschichte von Thalhausen, Zeitschrift Amperland Nr. 3/1997
08) Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster 2002
09) Werner Eberth, Der Bildhauer und Maler Balthasar Schmitt, Zeitschrift Amperland 2003/4
10) Diözese München-Freising, Gästebrief 2005
11) Dachauer Nachrichten vom 17.7.2008 (Sturm)
12) Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Rosen)
13) http://www.altomuenster.de/Kirche,Kultur-Verein/Kirche/KatholischesPfarramt.aspx (Pfarramt)
14) Dr.Thomas Horst, Gericht und Herrschaft in Bayern, aus dem Buch Fürstliche Koordinaten, 2014 (Apian)
15) http://wiki-de.genealogy.net/Altomünster#Katholische_Kirchen, Zugriff 2016

64 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11,1,2016