zur Landkreiskarte         ausführliche Beschreibung       Pfarrei Giebing


Filialkirche St.Johannes d.Täufer in Kammerberg


Adresse : 85777 Fahrenzhausen, Kirchstraße 25
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Kammerberg liegt zwischen Fahrenzhausen und Petershausen. Es gehört noch zum Landkreis Freising.

Bekannt ist der Ort durch das noch bestehende Schloss, das in früheren Jahrhunderten Sitz des Ortsadels-geschlechts der "Chammerberger" war. Seit 1826 ist es im Besitz der Familie der Freiherrn von Vequel-Westernach.
Das Schloss war Sitz einer Hofmark, die zum Landgericht Kranzberg gehörte.

Kammerberg hatte schon im Jahr 1315 eine Kirche. Sie wird in den Freisinger Matrikeln von 1513,1524 und 1738 als Filiale der Pfarrei Vierkirchen erwähnt.
1804 kam sie zur neu gegründeten Pfarrei Giebing.

Im Jahr 1885 wurde eine um das Jahr 1610 errichtete Kirche abgerissen und bis 1890 an ihrer Stelle der heutige Bau erstellt.
1902 hat man sie nach Westen verlängert.

Die heutige Kirche wurde im damals modernen Stil des Historismus erbaut. Der lehnt sich in idealisierender Weise an die mittelalterlichen Stile an, an Byzanz, die Romanik, die Gotik und teilweise auch an die Renaissance und den Barock. Aus allen diesen Stilepochen wurden Formenelemente herausgezogen und daraus ein historisierendes Bauwerk geschaffen. Hier in Kammerberg dominiert der neuromanische Stil.
Seit 1804 ist Kammerberg Filiale von Giebing. Damals wurde das vorher zur Pfarrei Vierkirchen gehörige Giebing eine eigene Pfarrei und erhielt die Kirchen von Kammerberg und Viehbach als Filialen. Seit 1990 bilden Giebing, Jarzt und der Kuratie Weng einen Pfarrverband, der im Okt. 2012 um die Pfarrei Haimhausen erweitert und in "Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen" umbenannt wurde.

Innenausstattung

Auch das Innere der Kirche wurde beim Neubau 1890 konsequent in den Stilformen des Historismus ausgestattet. Ob die wenigen älteren Kunstwerke in der Vorgängerkirche angebracht waren, ist nicht bekannt.

Die Kirche ist ein rechteckiger Saalbau mit fünf Fensterachsen. Der Altarraum ist nicht eingezogen und schließt gerade. Das Gotteshaus hat eine bemalte Flachdecke mit einer Hohlkehle zwischen Wand u. Decke.

ApostelleuchterKreuzwegbilderKreuzwegbilderKirchenbänkeApostelleuchterApostelleuchterKreuzwegbilderAltarDeckengemäldeKruzifixMater dolorosaTabernakelvier HeiligenfigurenOratoriumVortragekreuzZelebrationsaltarMuttergottesfigurFranziskusbild
per Mouseklick zu den jeweiligen Beschreibungen

Im dreiteiligen Altar werden in der Mittelnische der Kirchenpatron St.Johannes d.Täufer, in den Seitennischen St.Petrus und St.Paulus dargestellt.

Ein Oratorium an der rechten Seite, mehrere Epitaphe an der Wand und eine Gruft unter der Empore erinnern an die engen Verbindungen zu den früheren Schlossherren.

Große Kreuzwegbilder und eine Vielzahl von Heiligenfiguren, vorwiegend aus dem 19.und 20.Jh., prägen das Erscheinungsbild.

Im Chor hängt ein Ölgemälde aus dem 17.Jh., das noch aus der früheren Kirche stammt. Es zeigt die Stigmatisierung des hl. Franziskus.

Fünf Kirchenfenster und drei Sakristeifenster enthalten Glasgemälde von Bockhorni (1890).

Der um 1980 aufgestellte Zelebrationsaltar besteht aus einem hellen Marmorblock, der auf einer kreuzförmigem Konsole ruht


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte:  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  Matrikel 1740  Beschreibung 1874
    Neue Kirche 1610  Neubau 1885  Schlosskapelle  
Einrichtung:  Apostelleuchter

 Baubeschreibung

 Bild im Chor  Choraltar  Deckenfresken
   Empore  Epitaphe innen  Epitaphe außen  Ewig-Licht-Ampel  Fenstergemälde
   Gruft  Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg
   Krippe  Mater dolorosa  Orgel  Oratorium  Sakristei
   Schlosskapelle  Tabernakel  Turm  Vortragekreuze  Zelebrationsaltar

Der Ort Kammerberg wird urkundlich erstmals um das Jahr 1080 als Chamerperig erwähnt. Ein Herzog zu Ingolstadt soll den Ort seinem Hofjunker Cammerberger" geschenkt haben. Dies blieb so bis 1452, bis Cammerberg an die Familie der Freiyberg und später an die Freiherrn von Pürching und Günther von Pünau kam. Unter Letzterem brannte das Schloss ab. 1609 wurde es an Freiherrn Franz Füll von Windach, 1814 an den Posthalter Karl Paur und später an den Freiherrn von Vequel verkauft. 16)

Als 1818 in Bayern aus den 1808 eingeführten Steuerdistrikten die politischen Gemeinden gegründet wurden, entstand Kammerberg durch eine Teilung des gleichnamigen Steuerdistrikts in die neuen Gemeinden Kammerberg und Lauterbach. Vom Gemeindeteil Weißling gehörten bis 1887 18 Anwesen zur Gemeinde Lauterbach und 9 zur Gemeinde Kammerberg. Neue Gemeinden durften damals nur gebildet werden, wenn sie eine Bevölkerung von mindestens 20 Familien aufweisen konnten. 23)
.

Möglicherweise ist das erste Schriftstück über Kammerberg älter als die Urkunde von 1080. Nach dem Historiker Bitterauf soll der in der Freisinger Urkunde Nr. 1382 genannt Ort Perga mit Kammerberg identisch sein. 06) Damals vertauschte Bischof Egilbert mit dem Edlen Wolftregil Besitz zu Schönbrunn (Prunna) gegen andere in Hohenkammer (Chamara) und Kammerberg (Perga). Diese Urkunde wurde in der Zeit zwischen 1006 und 1039 ausgestellt. Das genaue Ausstellungsdatum wird nicht genannt. Das ist nicht unge-wöhnlich, weil zum einen die Zeitrechnung "nach Christi Geburt" damals noch nicht verwendet wurde 08) und zum anderen die auf römischen Brauch zurückgehende ausführliche Eingangsformel vereinfacht worden war. 09) Nach altem römischen Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine ausführliche Darstellung des Rechtsgeschäfts, die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 9.Jh. begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung und einer Aufzählung der Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund für die Vereinfachung war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist. Eine weitere zeitliche Begrenzung ist nur möglich, wenn man zusätzlich Lebensdaten von Zeugen kennt (z.B. Todesjahr eines Zeugen). Bischof Egilbert regierte von 1006-1039.

Geschichte der Kirche

Matrikel 1315  01)
Wann die erste Kirche errichtet wurde, ist ungewiss: Schriftlich ist das Gotteshaus erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Filiale von Vierkirchen erwähnt ("Viehchirchen...habet VIII filias: Chamerberch, Viehpach, Piperbach, Rudoltzhouen, Rübentzhouen cum sepulturis. Rotenbach, Uetenshouen, Alboltzhouen et Giebingen sine sepulturis"). Kammerberg hatte somit einen Friedhof, Giebing noch nicht. Ein Friedhof ließ auf eine hohe Bedeutung der Kirche schließen.


Matrikel 1524  01)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 wird Kammerberg (Camerberg) mit dem Johannespatrozinium genannt.

 

<<<-- Schloss Kammerberg mit Kirche von Apian 1568

 

Visitationsbericht von 1560  13)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.


Auszug aus dem Visitationsbericht S.289
"Kamerberg. Patronus Johannes"

Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Joannes Baptista in Chamerberg" erwähnt. Die Kirche hatte ein Sakramentshaus, das "herrlich beschlossen und gar wol beleucht" war. Unter Beleuchtung ist das Ewige Licht zu verstehen. Ein Sakramentshaus war der Hinweis auf die katholische Ausrichtung der Kirchengemeinde. Das Allerheiligste und die heiligen Öle waren liturgisch unrein aufbewahrt ("impure tranctantur"). Taufwasser war nicht vorhanden (die Taufen fanden in der Pfarrkirche statt). An Gerätschaften gab es: 2 Kelche mit Corporale ("hat zwen Kelch, zway Corporal"), eine Monstranz aus Messing ("ain messige Montrantz"), 2 gute Messbücher,ein Liturgiebuch, ein zerflettertes Psalmenbuch und 4 Messgewänder. Der Bericht endet mit den Worten: "Sonst an allen Dingen nit Mangel".


Auszug aus einer Karte von Philipp Finkh -1655
Kammerberg=Camerperg

Neue Kirche 1610
Nach den Unterlagen wurde in Kammerberg um das Jahr 1610 durch Franz Freiherr von Füll eine neue Kirche errichtet. Diese Kirche dürfte in etwa wohl so ausgesehen haben, wie sie der Hofkupferstecher Michael Wening im Jahr 1700 abgebildet hat (siehe Bild unten). Auch diese Kirche dürfte wohl keinen ausgeschiedenen Altarraum besessen haben. Der Turm ist viel zu groß als dass er auf dem Dach hätte gründen können; sein Unterbau musste aus statischen Gründen bis zum Boden reichen. Für einen Chorturm (Altarraum ist im Erdgeschoss des Turmes untergebracht) ist er wiederum zu schmal. Das Gebäude östlich des Turms (im Bild rechts) dürfte die Sakristei gewesen sein. Das Kirchenschiff hatte wie heute 5 Achsen.


Matrikel 1740
01)
In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikelauch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Joannis Bapt.in Cammerberg" bemerkte er, die Kirche bedürfe der Renovierung. Nach dem Bericht hatte sie damals drei Altäre: Der Hochaltar hatte wie heute den hl. Johannes d.Täufer zum Patron. Von den Seitenaltären war einer dem Sterben Christi (Agonizanti Christi), der andere drei Heiligen mit dem Namen Franziskus (Franziskus Seraph v.Assisi, Franz Xaver und Francesco de Paula) geweiht. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag nach Johanni (24.Juni). Patrozinium und Kirchweihfest fielen so fast zusammen. In der Kirche befand sich auch ein Taufstein. In der Sakristei wurden Messgewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen drei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Vierkirchener Vikar sowie der Hofmarkbesitzer, das war im Jahr 1740 Baron de Füll. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses ist aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit wüßlich". Der Baron ließ sich nicht in die Buchhaltung schauen.

Kirche um 1700


Teilung der Pfarrei Vierkirchen 1804


Kirche und Schloss Kammerberg 1721
1804 wurde der südliche Teil der Pfarrei Vierkirchen abgetrennt und zur selbstständigen Pfarrei Giebing erhoben. Kammerberg war jetzt neben Viehbach eine Filiale dieser neuen Pfarrei. Schon vorher war es als Filiale ein Teil der Kuratie Giebing.
Bis 1804 hielt der Cooperator von Vierkirchen in Kammerberg abwechselnd mit Giebing jeden 2.Sonntag eine Messe. Als Giebing eigene Pfarrei wurde, hat man die neue Filiale Viehbach in den Turnus einbezogen; deshalb wurde hier nur noch jede 3.Woche ein Sonntagsgottesdienst gefeiert. Dies verursachte bei den Kammerbergern große Unzufriedenheit. Zu deren Beruhigung hat man die Nachmittagspredigten in der Fastenzeit von Giebing nach Kammerberg verlegt.

Gemeinde Kammerberg 1867 02).
1867 war im Handbuch des Königreichs Bayern von 1867 über die Gemeinde Kammerberg folgendes zu lesen:
"Kammerberg, Gemeinde, 285 Einw. 97 Gebäude in 2 Orten:
Kammerberg, Dorf, Pfarrei Giebing, 247 Einw. 78 Gebäude, 1 Kirche, Schule, Schloß
Weißling, Dorf, Pfarrei Kollbach, 38 Einw. 19 Gebäude, 1 Kirche."

Statistik:

1750: (Mitte des 18.Jh.) Ortschaft mit 35 Anwesen
16)
1831: Gemeinde mit 240 Einwohnern in 43 Häusern
16)
1852: Gemeinde mit 265 Einw., 69 Familien 24)
1867: Gemeinde mit 285 Einw. in 97 Gebäuden
         Ortschaft mit 247 Einw
in 78 Häusern 02), 16)
1876: Ortschaft mit 275 Einw. in 55 Wohngebäuden, 58 Pferden, 268 Rindviechern, 28 Schafe, 43 Schweinen u. 2 Ziegen.
01)
1898: Gemeinde mit 300 Einw 16)
1925: Gemeinde mit 472 Einwohnern
1933: Gemeinde mit 426 Einwohnern 18)
1939: Gemeinde mit 361 Einwohnern 18)
1964: Gemeinde mit 332 Einw. in 62 Wohngebäuden 16)

Beschreibung 1874 03)
Die Kirche in Kammerberg ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es:
  "Kammerberg, an der Vicinalstraße (=Landstraße) von Kollbach nach Freising gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Genügende Geräumigkeit. Früher hatte die Kirche einen hübschen Sattelthurm, jetzt aber verunziert sie ein ganz moderner Thurm, vierseitig mit niedrigem Dache; unansehnlich. In selbem sind 3 kleine Glocken. Cons.dub. Patron Hl.Johannes d.Täufer. 3 Altäre; kleine Orgel. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienste: Abwechselnd mit Giebing und Viehbach jeden dritten Sonntag, am Patrocinium, Pfingstsonntag, Nachmittag Predigt, Peter und Paulfest. Stiftungen: 5 Jahrtage, 50 Wochenmessen, 1 Predigt, wofür dem Pfarrer an der Gradlwiese bei Kammerberg ein Stück Wiesengrund, der sog.Scheerbuckel überlassen wurde. Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer. Kirchen-Vermögen: 11.485 Gulden.
Kammerberg hatte 1874 genau 250 Seelen, die in 45 Häusern wohnten. Es war wie heute die größte Ortschaft der Pfarrei.

Um das Jahr 1880 hat man überlegt, für die Pfarrei Giebing eine neue Kirche zu errichten. Als Standort war der westliche Rand von Kammerberg vorgesehen. Dies wäre das Aus für die heute noch bestehenden Kirchen in Giebing und Kammerberg gewesen. Aus unbekannten Gründen wurde das Vorhaben aber nicht ausgeführt. So wurden die Kirchen in Kammerberg und in Giebing in den Jahren 1885/90 und 1902 umfassend renoviert (beide Kirchenschiffe neu gebaut und die Kirchen neu ausgestattet).

Neubau 1885
Die 1610 gebaute Kirche wurde 1885 abgerissen und bis 1890 an ihrer Stelle der heutige Bau erstellt. Der Kostenvoranschlag des Freisinger Maurermeisters B.Gräßl belief sich auf 12.900 Mark. Am Neubau wirkten mit: Glasmaler Ostermann (Freising), Fa.Bockhorni, Bildhauer Alois Riesenhuber (Altäre, Ausmalung), Gürtler Joseph Baumeister (Leuchter).
Die alte Kirche musste wohl schon sehr baufällig gewesen sein, da vom Kirchturm "nur noch ein unansehnlicher Stumpf übrig geblieben" sei. Nach Pfarrer Steinberger hat dieser "mit niederem Dach versehene, äußerst unkirchliche Thurm die ganze Ortschaft verunziert". Wahrscheinlich hat man den unteren Teil des Turmes, vielleicht auch den östlichen Turmanbau beim Neubau wieder verwendet.
In der neuen Kirche hat man 1891 eine Herz-Jesu-Bruderschaft errichtet (bischöfliche Genehmigung v. 12.3.1891, Aggregierung in Rom am 2.3.1891). Wenn Sie mehr über die Statuten dieser Bruderschaft erfahren möchten, klicken Sie hier...

Verlängerung 1902
Das Schiff der neuen Kirche wurde 1902, als man im nahen Giebing die Kirche errichtete, um eine Achse nach Westen verlängert.

Pfarrzugehörigkeit
Seit 1804 ist Kammerberg Filiale der neu gegründeten Pfarrei Giebing. Vorher gehörte es seit mindestens 500 Jahren zur Pfarrei Vierkirchen. In den letzten Jahrzehnten vor Pfarreigründung war Giebing schon eine Kuratie (zumindest der Funktion nach) und Kammerberg gehörte als Filiale dazu. Seit 1990 bilden Giebing (mit Kammerberg), Jarzt und Weng einen Pfarrverband, der 2012 um die Pfarrei Haimhausen erweitert und in "Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen" umbenannt wurde.

Auch im Schloss Kammerberg befand sich früher eine Kapelle.
Sie dürfte von Franz Freiherrn von Füll im Zuge des Schlossneubaus im Jahr 1609 errichtet worden sein. Dort war ab 1693 während der letzten Kartage ein Heiliges Grab aufgestellt. Am Gründonnerstag wurde nach der Messfeier das Allerheiligste in einer Prozession von der Kirche hinüber in die Schlosskapelle getragen, wo es bis Karsamstag blieb.

frühere Schlosskapelle um 1700
Für diese Kapelle waren zwei Wochenmessen gestiftet, die der Kooperator von Giebing hielt. In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 wird erwähnt, dass die Kapelle dem hl.Georg, dem Patron der Ritter, geweiht war. Im Altar war eine Kreuzreliquie "bestattet". Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Baulast trug der Hofmarksherr. Als Giebing 1804 eine eigene Pfarrei wurde, schloss man die Kapelle und brach sie 1808 ab.

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Glockenweihen, Priesterjubiläen, Orgelweihen oder Primizen beschrieben, wie hier auf der Seite für Kammerberg.
Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...

Renovierungen
sind mir bekannt aus:
1855 (vier bemalte Fenster und Baureparaturen, Teil-Vergoldungen von Figuren)


Baubeschreibung

Die 1890 erbaute Kirche liegt am südöstlichen Ortsrand von Kammerberg, inmitten eines ummauerten Friedhofs. Die Kirche wurde im Jahr 1885 im damals modernen Stil des Historismus erbaut. Der lehnt sich in idealisierender Weise an die mittelalterlichen Stile an, an Byzanz, die Romanik, die Gotik und teilweise auch an die Renaissance und den Barock. Aus allen diesen Stilepochen wurden Formenelemente herausgezogen und daraus ein historisierendes Bauwerk geschaffen.

Bei der Kirche in Kammerberg handelt sich um einen rechteckigen Saalbau (einschiffige, im Wesentlichen nur aus einem großen saalähnlichen Raum bestehende Kirche), der von 11 Rundbogenfenstern und 3 Rundfenstern erhellt wird. Die Sakristei mit dem Oratorium im ersten Stockwerk ist an der Südostseite angebaut. Der Bau ist an den Kanten durch Lisenen farblich gegliedert. Bis 2008 waren sie rot, seither sind sie gelb. Auch der Beginn des Erweiterungsbaus von 1902 ist farblich markiert. Die sonst bei Kirchen schmucklose Westseite wird in Kammerberg durch ein großes Kreuz in der gelben Farbe der Lisenen geziert.

bis 2008

Der schlanke Kirchturm ist an der Ostseite angebaut. Er hat einen quadratischen Grundriss und über den rundbogigen Schallfenstern einen schiefergedeckten Spitzhelm über vier Giebeln.
Früher hatte der Kirchturm ein anderes Aussehen:
Um das Jahr 1700 zeichnete Michael Wening in einem Stich einen hohen Zwiebelturm. Später wurde ist die Spitze wohl geändert, denn 1874, kurz vor dem Neubau, klagte Anton Mayer in seiner Bistumsbeschreibung: "Früher hatte die Kirche einen hübschen Sattelthurm, jetzt aber verunziert sie ein ganz moderner Thurm, vierseitig mit niedrigem Dache; unansehnlich, von dem nur noch ein unansehnlicher Stumpf übrig geblieben ist". Und nach Pfarrer Steinberger (1879) war er ein "äußerst unkirchlicher Thurm, der die ganze Ortschaft verunziert".

Die alte Turmuhr aus der Erbauungszeit von der Maschinenfabrik Eduard Strobl in Regensburg ist ausgelagert. Wann die derzeitige Uhr eingebaut wurde, ist mir nicht bekannt.


ab 2008


Wahrscheinlich sind die drei Glocken, die Pfarrer Steinberger in seiner Chronik von 1879 beschreibt, nicht mehr vorhanden. Sie stammten alle aus dem Jahr 1699 und trugen die Aufschrift "Im Jahre 1699 goß mich Johann Baptist Divall in München". Auf der größeren Glocke war das Füll'sche Wappen, auf der mittleren ein Kreuzigungsbild und auf der kleineren Glocke das Bild der Mater dolorosa zu sehen.
Joh. Bapt. Divall (*1672 in Sigleto; + 22. November 1746 in Wien) ist ab 1709 in Wien nachweisbar und wohnte "Bei den sechs Schimmeln" - heute Ulrichsplatz 12, im 7. Gemeindebezirk Wiens. Seine Glocken sind heute noch in der Wiener Karlskirche und in anderen Kirchen Österreichs erhalten. Im Dachauer Land sind mir von ihm nur die früheren Glocken in Kammerberg bekannt. 12)
.

Die heutigen Glocken in Kammerberg dürften im 20.Jh gegossen worden sein; jedenfalls existieren Fotos von der Weihe von drei Glocken.


Epitaphe an der Außenmauer


 
 
 
Pfarrer Georgius Morz
Pfarrer Max Eberl
Gastwirt Josef Hiller
Anna M.Krause
Josepha Pfab
 
 
gestorben 13.8.1723
Rotmarmor 45 x 34 cm
gestorben 5.4.1790
Kalkstein, 46 x 46 cm
gest. 3.3.1815 Rotmarmor u. Kalkstein 115 x 62 cm
gest. 22.11.1827
Rotmarmor u. Muschelkalk
116 x 78 cm
gest. 3.2.1887
Kalkstein
 


M
ariengrotte


Mariengrotte
An die Ostmauer der Sakristei ist eine Mariengrotte angebaut. Sie ist etwa 3 m hoch und aus Natursteinen errichtet. In dieses "Felsengebilde" ist eine mit einer Glastüre abgeschlossenen Nische eingebettet.
Darin steht seit 2015 eine neue Muttergottesfigur, die am 8. Februar 2015 im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes von Pfarrer Christoph Rudolph gesegnet wurde. Die von Gläubigen aus der Pfarrei gestiftete Statue ist der Gnadenfigur aus Medjugorje nachgebildet; im Sockel wird in einer Umschrift darauf verwiesen (Kralijica Mira Medjugorje = Maria die Königin des Friedens). Die Figur wurde im Wallfahrtsort Medjugorje im Devotionalienhandel erworben.


Einweihung der Mariengrotte 2015

In Medjugorje soll seit dem 24. Juni 1981 die Gottesmutter jeden Monat erscheinen und Botschaften verkünden, die von Frieden, Glauben, Umkehr, Gebet, Fasten und Buße handeln. Die Botschaften werden an jedem 25.eines Monats vom Informations Center öffentlich verkündet. Bis zu schätzungsweise einer Million Pilger besuchen jährlich diesen Ort in Bosnien. Die Marienerscheinungen sind von der kath.Kirche nicht anerkannt.

Früher stand in der (damals dicht mit Efeu bewachsenen) Nische eine Muttergottesfigur aus der Zeit um 1930 aus Ton. Sie war durch Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Inzwischen hat man sie renoviert und im Leichenhaus aufgestellt. Neben der Marienfigur kniet die Statue des Seherkindes Bernadette Soubirous, dem vom 11. Februar 1858 an die Muttergottes an der Grotte von Massabielle beim Fluss Gave du Pau wiederholt erschien.
      
    Lourdesmadonna im Leichenhaus

 

Innenausstattung

Die Kirche besteht aus einem fünfachsigen , ungegliederten Saalraum.
Der Altarraum ist nicht eingezogen
und nur durch eine Treppenstufe vom Kirchenschiff abgesetzt. Er schließt gerade .
Die Form des Kircheninneren ist durch die Lage des Kirchturms unmittelbar an der Ostseite bedingt.
Die Kirche besitzt eine hölzerne Flachdecke, die durch eine bemalte Hohlkehle (= rinnenartige Ausformung) mit den Wänden verbunden ist.


Deckenmalerei

Die Decke und die Hohlkehle sind mit vierfarbiger Schablonenmalerei (Blattranken) geschmückt und gegliedert. In die vier Felder sind Symbolgemälde eingefügt:

Über dem Altarraum ist ein vierpass-förmiges Medaillon zu sehen, mit dem Lamm Gottes in der Mitte und den Symbolen der vier Evangelisten in den äußeren Feldern.

 


Decke über dem Altar
Die Darstellung des Lammes auf dem Buch mit den 7 Siegeln greift ein Thema aus den Geheimen Offenba-rungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin be-schreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buch-rolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden
  war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda oder Lamm Gottes genannt wird.
  Hinweis: Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst bildete man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus ab. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200). Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt
  (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der
  Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und
  Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit
  dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums,
  das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".

Die Gemälde an der Decke des Kirchenschiffs stellen die Dreifaltigkeit in ihren Symbolen dar. Das vorderste (östliche) Feld ist Gott Vater, das mittlere Christus und das hinterste (westliche) dem Heiligen Geist gewidmet.

Das erste (östlichste) Feld der Langhausdecke enthält ein Rundgemälde. Mehrere Rahmen -einer davon mit Blumenblüten- umgeben das Bildnis des Auge Gottes im Dreieck vor dem Hintergrund von Feuerzungen.


Gottvater -Auge Gottes

Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz als Bildtypus der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren, also als Person darzustellen. In der Frühzeit des Christentums hat man Gottvater in Form einer Lebensquelle, später als Hand aus der Wolke abgebildet. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt.
Im zweiten Feld der Langhausdecke ist ein gleichschenkliges Kreuz vor hellblauem Hintergrund zu sehen, dessen Mitte von einem Strahlenkranz umgeben ist. Die vier Kreuzarme mit Blumenmustern enden in Vierpasskreuzen. Das Bild ist von einem Rahmen umgeben.

Jesus-Symbol IHS
In die Mitte des Kreuzes sind die Buchstaben IHS gemalt. Das ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.

Das dritte Feld enthält das Heilig-Geist-Loch. Es ist durch einen Deckel verschlossen, der mit der Heilig-Geist-Taube bemalt ist. Um das Loch herum sind mehrere bemalte Stuckrahmen gelegt. Ein Feld enthält rote stilisierte Blumenblüten.


Heilig-Geist-Taube
Das Heilig-Geist-Loch in der Decke dient in erster Linie der Entlüftung der Kirche. An Pfingsten und an Christi Himmelfahrt wurde es früher aber auch für eine Art Schauspiel genutzt: Während des Gottesdienstes wurde von oben entweder eine lebende weiße Taube freigelassen oder eine hölzerne Taube als Symbol für den Hl. Geist an einer Schnur herabgelassen. An Christi Himmelfahrt wurde eine Christusfigur hinaufgezogen (derzeit noch in der Nachbarkirche Viehbach üblich).

Das fünfte Feld der Decke über der Empore, das erst 1902 durch den Anbau entstand, ist nicht bemalt.

Altar


Altar 1895
Die Kirche hat -neben dem modernen Zelebrationsaltar- nur einen Altar; Seitenaltäre, die wegen der Form der Kirche längs stehen müssten, sind seit 1950 nicht vorhanden. Eine gleichzeitige Zelebration am Hauptaltar und an den Seitenaltären (damals noch bei Beerdigungen üblich) war nicht nur aus räumlichen Gründen schwierig, sondern auch theologisch nicht mehr erwünscht. Ziel des Gottesdienstes war nicht mehr die Beziehung des Einzelnen zu Gott, sondern eine gemeinschaftliche Feier des Gottesdienstes.

Auch der Choraltar ist ein Werk des Historismus. Sein Aufbau ist mehr im neuromanischen Stil (Rundbögen) gehalten. Der hölzerne Altaraufbau besteht aus drei durch Säulen getrennte Nischen, von denen die mittlere etwas höher und breiter ist. Die Nischen sind von einem geschnitzten und vergoldeten Palmettenfries umgeben. Den Unterbau, die Predella bilden der spitzgiebelige Tabernakel, der etwas in die Mittelnische hineinragt und zwei breite, verzierte Sockel.
Das Antependium, der hölzerne Vorbau des steinernen Altarblocks ist mit farbiger Schablonenmalerei verziert.
In der Mittelnische ist vor dem Hintergrund einer südländischen Berglandschaft mit Palmen und Pyramiden (!) ein Verwandtschaftstreffen zu beobachten.
In der Mitte steht der Patron der Kirche, Johannes der Täufer im Fellgewand, mit einem Kreuzstab in der Hand.

Johannes d.Täufer
mit Verwandtschaft
Links neben ihm sind wahrscheinlich seine Tante Maria mit ihrem Sohn Jesus (Cousin von Johannes) postiert. Rechts stehen Onkel Josef, der Vater Jesu, und Vater Zacharias. Es könnte sich aber auch links um St.Anna, rechts um St.Joachim und Zacharias handeln.

Darüber schwebt Maria, begleitet von sechs Putten, auf himmlischem Gewölk.

St.Petrus
In den beiden Außennischen stehen blau/weiß/rot gefasste Holzfiguren von St.Petrus und St.Paulus.
Petrus hält ein Buch und zwei Himmelsschlüssel (einen versilberten und einen vergoldeten), Paulus ein Buch und ein Schwert in den Händen.
Hinweise: Das (Evangelien-)Buch ist das Zeichen für die Verkünder des Glaubens.
Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrusfigur in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel die Vollmacht, auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. Das Schwert des hl. Paulus erinnert an seine Enthauptung, die nach ungesicherten Berichten im Jahr 67 stattfand.

St.Paulus

Der Tabernakel hat einen zweigeschossigen Aufbau.
Er wird von einem Spitzgiebel, der etwas in die Mittelnische hineinragt, bekrönt.
Zwei Barockengel mit Leuchtern in Form eines Füllhorns umgeben ihn. Die Engel sind älter als der Tabernakel; sie stammen aus der 1.Hälfte des 18.Jh.
Hinweis: Die Engelsfiguren stellen nicht nur eine Verzierung dar; sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei Engeln (Cherubim) eingerahmt; sie mussten aus Gold bestehen (Ex,37,7-9). 17)


Tabernakel

Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes.
Das Antependium und die Predella des Choraltars sind mit Ranken- und Maßwerkornamentik in farbiger Schablonenmalerei verziert.

Antependium
Schablonenmalerei ist eine Maltechnik, bei der mit  Hilfe von Schablonen Wände, Decken sehr einfach
-im doppelten Wortsinn- gestaltet werden. Sie kommt dort zum Einsatz, wo viele gleiche Ergebnisse erzielt werden sollen. Für echte Gemälde ist sie ungeeignet.

Hinter dem Altar führt eine alte, aus Bohlen gezimmerte Türe in das Untergeschoss des Turmes.
An der Türe sind noch die alten Beschläge und das Schloss aus dem 17.Jh montiert. Sie stammen noch aus der 1610 erbauten Vorgängerkirche.

Türschloss
Bei diesem Schloss ist der Schlossmechanismus in einem unterhalb der Türklinke befindlichen Metallkästchen untergebracht (Kastenschloss).



Vortragekreuze


Vortragekreuz 1

Seitlich des Choraltars steht ein größeres Vortragekreuz noch aus barocker Zeit (um 1700).
Das Haupt Christi ist mit einem dreistrahligen Heiligenschein geziert; der Körper wird blutüberströmt dargestellt. Die Borte des Perizomas, des Lendentuchs, ist vergoldet. (Bild links).

An den Kirchenbänken ist ein weiteres Vortragekreuz von 1890 befestigt. Es handelt sich dabei um einen sog. Viernageltypus, d.h., beide Hände und beide Füße sind einzeln angenagelt. Der Corpus hat eine Inkarnatfassung (fleischfarbig).


Vortragekreuz 2
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug in und aus der Kirche zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Sakristei


Die Sakristei ist an der Südseite angebaut. Sie wurde schon im Jahr 1890 mit der Kirche errichtet. Neben der Türe zwischen Altarraum und Sakristei hängen die Chorglocken, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes anzeigen.

Chorglocke
Es handelt sich um vier kleine Glocken in kunstvoll geschmiedeten Gitter. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.


Monstranz
Auch in der Sakristei sind Fenster mit Glasgemälden verziert. Sie stammen noch aus der Erbauungszeit. Abgebildet ist im Erdgeschoss eine gotische Monstranz mit Türmchen; sie gleicht der Monstranz, die St.Klara im Glasgemälde im Kirchenschiff in der Hand hält.

St.Maria
Des weiteren dargestellt sind in einem Vierpassrahmen eine betende Muttergottes, im Obergeschoss eine Herz-Jesu-Figur.
Die Fenster sind vom Glasmaler Bockhorni 1890 geschaffen worden.

Herz-Jesu-Figur

Joseph Peter Bockhorni (1832-1905), Sohn eines Münchner Glasermeisters, hatte 1864 die "Münchner Kunstanstalt Josef Bockhorni" gegründet. Er war Mitglied des Vereins für christliche Kunst in München. Bockhorni arbeitete oft mit dem bekannten Münchner Architekten Johann Marggraff (1830-1917) zusammen. Zahlreiche Aufträge erhielt er auch aus Frankreich, Rumänien, Österreich und dem Elsass. Im Dachauer Land hat er auch die Fenster der Kirche in Viehbach, Rettenbach und Prittlbach gestaltet. 20)



Oratorium

Im ersten Stock der Sakristei ist das Oratorium untergebracht, dessen Seite zum Kirchenraum hin aus einer Holz-Glas-Konstruktion besteht.

Oratorium
Von hier aus hatten die Barone des nahe gelegenen Schlosses einen freien Blick auf den Altar, ohne dass sie von den Gläubigen im Kirchenschiff gesehen oder gar belästigt werden konnten. Das Oratorium wird schon seit langem nicht mehr benutzt.


Epitaphe in der Kirche

Die Nordwand des Altarraums enthält eine 170 x 90 cm große Grabplatte (Epitaph) aus Rotmarmor mit völlig verwitterter oder -falls die Platte früher in den Fußboden eingelassen war- abgeschliffener Inschrift. Hinweise auf das Alter können nur die großen Wappen im unteren Teil geben, von denen eines der Familie Barth gehörte. Der Stein wird auf ein Alter von 400 Jahren geschätzt.

17.Jh
Daneben ist ein 160 x 90 cm großes Epitaph aus Rotmarmor für Barbara von Freyberg, geborene von Schaudorf eingelassen. Nach dem teilweise nicht mehr lesbaren Text im Rahmen ist Frau von Freyberg am Freitag nach einem Marienfest (Mariä Himmelfahrt ?) 1520 (?) gestorben. An den vier Ecken des Epitaphs sind Wappenschilde, in der Mitte die Gestalt einer Frau (der Toten?) und einem Kind in Reliefgravur abgebildet. Bei der Reliefgravur wird das die Buchstaben umgebende Material in gleicher Höhe weggestochen. Die Buchstaben sind dadurch erhöht und wirken gleichsam appliziert (aufgesetzt).

1520
An der Westwand ist das über einen Meter hohe und 75 cm breite Epitaph aus hellem Plattenkalk für den Freiherrn Ferdinand von Füll zu sehen, der am 22.August 1772 gestorben ist. Der obere Teil besteht aus der Inschrift "Dominus Providebit" (= der Herr wird vorsorgen) und einem Wappen, das von heraldischen Motiven umgeben ist. Im unteren Teil ist folgender Text in schwungvoller Zierschrift angebracht:
    "Allhier Ligt Begraben der Hochwohlgebohrne Herr Donn Ferdinand von Füll, von und zu Windach, Freyherr auf
     Cammerberg, Grünertshofen, Ereßing und Piflitz, Sr. Churfürstl. durchl.in Bayrn etc. etc. Cammerer und
     Infanterie Hauptmann. So gestorben den 22.aug Ao 1772".

1772

Jesus am Ölberg


Jesus am Ölberg
Am Übergang vom durch eine Stufe erhöhten Altarraum zum Kirchenschiff kniet an der Nordseite die Figur von Jesus am Ölberg, der seinen Vater händeringend bittet, der Kelch möge an ihm vorübergehen (aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe). Jesus ist in ein blaues Gewand gekleidet. Die Figur ist auf einen Sockel mit Ornamenten des Historismus gestellt.
Nach dem Letzten Abendmahl zog sich Jesus mit den Jüngern Johannes, Jakobus d. Ä. und Petrus in den Garten Gethsemani am Abhang des Jerusalem gegenüberliegenden Ölbergs zurück, um zu beten. Das Thema von Jesus am Ölberg zählt zu den frühen Motiven der christlichen Kunst. Aus welchem Grund die Figur hier in Kammerberg aufgestellt wurde, ist mir nicht bekannt.


Zelebrationsaltar

Der um 1980 aufgestellte Zelebrationsaltar besteht aus einem hellen Marmorblock,
der auf einer kreuzförmigen Konsole ruht.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 50 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 19)


Ewig-Licht-Ampel

Über dem Zelebrationsaltar hängt die prachtvolle Ewig-Licht-Ampel aus getriebenem Silberblech. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. Neben Weintrauben und Ähren an den Henkeln ist auf der Ampel ein Engel abgebildet, der eine breites Inschriftenband -allerdings ohne Text- vor sich hält.

Ewig-Licht-Ampel
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet: Johanniter-Ritterorden hatten das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.

Die kirchlichen Vorschriften haben das Material für die Ewig-Licht-Ampeln zwar nicht explizit festgelegt; doch sollte es, so die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563), "der Würde der Kirche" entsprechen. Silberblech erfüllt diese Voraussetzung. 25)

                                     
   
Weihnachtskrippe

In der Weihnachtszeit steht an der Stelle der früheren Kommunionbank vor der Marienfigur auf der rechten Seite eine interessante Krippe. Sie wurde vor rd. 30 Jahren von Kammerberger Schülern unter Anleitung von Frau v.Vequel-Westernach erstellt.

Die Figuren tragen Stoffkleider; die sichtbaren Teile des Körpers, insbesondere die Köpfe und Hände sind aus Wachs modelliert.


Krippe


Kirchenschiff / Langhaus

Kirchenfenster

Fünf Kirchenfenster enthalten Glasgemälde. Sie wurden von der Münchner Glasmalerfirma Bockhorni im Jahr 1890 angefertigt.
mehr über Bockhorni siehe oben...


Christus
Auf der Nordseite (links) ist im vordersten Fenster ein Bild von Christus, der die Kinder segnet. Es erinnert an die Bibelstellen Mtt, 18,3 oder Lk.18,6: "Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es ihnen nicht; denn für solche ist das Reich Gottes."
Die Inschrift am Fuß des Bildes lautet: Gestiftet von Nikolaus Kollmeier.
 

Auf der Südseite ist im vordersten Fenster ein (offiziell unbekannter) heiliger Bischof zu sehen, der einem vor ihm knienden Mann die Hand auflegt und ihm mit einem Kruzifix segnet. Im Hintergrund die Silhouette einer Stadt mit Kuppeldom. Es könnte sich um den hl. Theodor handeln, der Bischof von Canterbury war und als 2. Gründer der Kirche in England gilt (602-690). Theodor war der 2.Namenspatron des damaligen Barons Richard Johann Theodor Freiherr V. Vequel-Westernach (1850-1925).


hl.Bischof

St.Klara
Das zweite Fenster zeigt die hl.Klara mit Buch und Monstranz.
Die hl.Klara hielt 1241 den anstürmenden Sarazenen die Monstranz in ekstatischem Gebet entgegen, und schlug die davon Erschreckten in die Flucht.
  Im zweiten Fenster erkennt man einen (offiziell ebenfalls unbekannten) hl. König vor dem Hintergrund einer befestigten Stadt. Er hält einem Pilgerstab in der Hand und hat die Augen andächtig zum Himmel erhoben. Es könnte sich um den hl. König Richard von England handeln, der im Jahr 720 auf der Pilgerfahrt nach Rom starb. Richard war Namens-patron des damaligen Barons Richard Johann Theodor Freiherr V. Vequel-Westernach.

hl.König

St.Elisabeth

Das dritte Fenster stellt die hl. Elisabeth von Thüringen dar, die einen Bettler segnet. Im Hintergrund die Wartburg. Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg.

 

Weitere vier Fenster sind mit einem umlaufenden Band neuromanischer Flecht-werkornamentik verziert. Vielleicht sind das die Fenster, die in der Kirchenrechnung von 1855 aufgeführt sind; danach hat Anton Ferstl aus München vier gemalte Fenster gesetzt (für jew.100 Gulden).  22)

 




Heiligenfiguren an den Wänden des Kirchenschiffs

Am Übergang vom Chor zum Kirchenschiff stehen an der rechten Wand vier Figuren auf Konsolen. Sie stammen von den früheren Seitenaltären, die in Längsrichtung an der Nord- und Südwand des Altarraums aufgebaut waren. Da diese Seitenaltäre schlecht einsehbar waren und nach dem 2.Weltkrieg dort auch keine Messen mehr gelesen wurden, hat man sie in den 1950er Jahren entfernt.


St..Aloisius - zwei weibliche Heilige - St.Franz Xaver
Die Heiligenfiguren standen auf diesen Seitenaltären. Sie wurden um 1890 geschnitzt und sind polychrom (mehrfarbig) gefasst. Dargestellt sind links der hl.Aloisius mit dem Kruzifix in der Hand, zwei weibliche Heilige mit Büchern und den hl.Franz Xaver mit einem flammenden Herzen und einer Lilie.
 
Hinweise: Aloisius, Erbprinz derer von Gonzaga, gelobte schon im Alter von zwölf Jahren ewige Keuschheit, trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete er sich theologischen Studien und der Krankenpflege. In zahlreichen Briefen betrieb er auch Seelsorge für Jugendliche. Luigi starb während einer Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung geholt hatte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei.
Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission (Gedenktag:3.Dezember).

  
Muttergottes
Vor den Kirchenbänken auf der rechten Seite ist eine bunt gefasste Muttergottesfigur platziert. Es ist die thronende Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm; sie ist mit den königlichen Reichsinsignien geschmückt. Maria trägt eine Krone auf dem Haupt, hält in der rechten Hand ein Zepter und das auf ihrem Schoß sitzende Jesuskind umgreift mit seiner linken Hand den Reichsapfel. Maria trägt ein rotes Kleid und darüber einen zweiteiligen blauen Mantel mit Goldborte.
Hinweis: Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli). Gold symbolisiert das Ewige, die himmlische Herkunft, den himmlischen Glanz und höchste Herrlichkeit.
   

unbekannte Nonne
In Nischen an der Wänden des Kirchenschiffs stehen zwei Figuren aus dem 20.Jh.
Links eine unbekannte Nonne mit einem Kruzifix und Rosen im Arm.
Wen die rechte schwarz glasierte Tonfigur darstellt, ist bekannt: es ist der Bruder Konrad von Parzham. Der Mönch (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen.


Bruder Konrad

  
Immaculata

Am Nordeingang sind unter der Empore zwei bunt gefasste Schnitzfiguren angebracht, die um 1900 entstanden sind: Links eine Marienfigur mit einer Herzdarstellung an der Brust. Um das Herz ist ein Kranz von Rosen gelegt. Rechts die entsprechende Herzjesu-Figur mit einem Dornenkranz um das Herz.
Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII. im Jahr 1765. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe.


Herz-Jesu-Figur

Auferstandener
An Ostern steht die lebhaft wirkende Figur des Auferstandenen in der Kirche. Er ist in ein rotes
Gewand gekleidet und hält die Siegesfahne über den Tod in der rechten Hand. Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockzeit erfreute sie sich als Attribut des Auferstandenen großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik. 17)
Hinweis: Man nennt diesen Figurentypus auch "Urständ Christi". Er entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärmde-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

An der Nordwand hängt in Höhe des Übergangs vom Altarraum zum Kirchenschiff ein großes Ölgemälde auf Leinwanduntergrund. Es wurde in der 2.Hälfte des 17.Jh. gemalt und hing schon in der früheren Kirche vor 1890. Das Thema des Gemäldes, die Stigmatisierung des hl. Franziskus, findet man in unseren Kirchen eher selten.
Es könnte sich hier um das Altarblatt des früheren Seitenaltars handeln, der ein Franziskus-Altar war.

Stigmatisierung
des hl.Franziskus

Im unteren Teil des Bildes stehen vor einer südländ-ischen Landschaft die Heiligen Antonius von Padua und Ignatius von Loyola und blicken hinauf zu Franziskus, der auf dunklem Gewölk über ihnen steht. Helle Linien führen vom Himmel zum Heiligen herab. Es sind Gnadenstrahlen, die auf die Wundmale an Händen und Füßen gerichtet sind. Zwei Gnadenstrahlen, ausgehend vom IHS-Zeichen und von einem Herzen, gehen durch Franziskus hindurch zu den beiden unten stehenden Heiligen. Das IHS-Zeichen (für den Namen Jesus) ist

  Attribut von Ignatius, der eine starke Zuneigung zum Namen Jesu zeigte und die von ihm gegründete Gemeinschaft "Gesellschaft Jesu", Jesuiten nannte. Das flammende Herz, das Attribut des Antonius, weist nicht nur auf seine Liebe zu Gott hin, sondern auch auf die Legende, nach der Antonius einem Geizhals bei der Suche nach seinem Herzen half und es in einer Geldtruhe fand. Antonius war Franziskanermönch. Als solcher ist er auf dem Bild in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.
KreuzwegbilderGlasfensterApostelleuchterKirchenbankwangenKreuzwegbilderApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchterKreuzwegbilderKirchenbankwangenHeilig-Geist-LochAbgang zur GruftVortragekreuzSt.KonradNonne mit RosenZelebrationsaltarEmporenbrüstungOrgelKanzelkreuz
per Mouseklick zu den jeweiligen Beschreibungen

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke
(je 10 Reihen auf beiden Seiten) ha-ben alte Wangen aus Eichenholz. Diese stammen
aus
der Zeit um 1750/1760 und sind mit geschnitz-tem Rocaille-Dekor, der typischen Zierform des Rokokostils, versehen.


Wenn Sie sich für die Wangenmuster in den übrigen Kirchen des Dachauer Landes interessieren, klicken Sie hier...




Kanzelkreuz und Mater Dolorosa


An der Nordseite des Langhauses hängt ein großes Kruzifix. Der Corpus ist lebensgroß. Um die Stirn Jesu windet sich die weit herabgezogene Dornenkrone.
Hinweis: Die Dornenkrönung im Rahmen der Verspottung Jesu ist in den Evangelien genannt (z.B. Mtth 27, 28-30).
Ob Jesus auch am Kreuz die Dornenkrone getragen hat, ist der Bibel nicht zu entnehmen. Dies wird aber in den Apokryphen erwähnt. Auch die hl.Birgitta, die Patronin Altomünsters, schrieb in ihren Offenbarungen, die Dornenkrone sei Jesus nach dem Anheften an das Kreuz aufgesetzt worden.
Das Kruzifix ist von zwei etwas unbeholfen wirkenden Anbetungsengeln umgeben.

Kanzelkreuz
Unter dem Kreuz steht die Mater dolorosa, die schmerzhafte Muttergottes. Sie hat ihre Arme zum Zeichen der Trauer über der Brust gekreuzt. In ihrem Herzen steckt ein langes Schwert. Das Haupt ist von einem Kranz von 12 Sternen umgeben.
Hinweis: Das Schwert in Marias Brust entspricht dem Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben; über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeit als Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.

Mater dolorosa

 

Kreuzwegstationen

Über den gesamten Kirchenraum verteilt hängen die großen Bilder der Kreuzwegstationen an den Wänden. Es handelt sich um Ölbilder auf Leinwand in einem teilweise farbig gefassten Rahmen aus Eichenholz (um 1890).
Die Kammerberger Kreuzwegstationen gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) die Vorlage geschaffen hat.

Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine Kreuzwegbilder (1844/46) international bekannt geworden. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über ganz Europa und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber für Petershausen, Franz Mayr für Kreuzholzhausen und Anton Rick für Röhrmoos) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln. Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 23 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße.

Der erste Kreuzweg wurde in Kammerberg übrigens durch Pfarrer Gröbmaier um 1760 eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstationen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...



Apostelleuchter

Zwischen den Kreuzwegbildern sind die kunstvoll gestalteten Apostelleuchter aus Messingguss angebracht.
An die Wand ist als Ersatz für das erforderliche Apostelkreuz ein großer grüner Kreis mit vier kreuzförmig angeordneten braunen Kreisen gemalt, die wiederum vier hellbraune kleinere Kreise enthalten.
Die Leuchter sind mit
Akanthusblättern und Weinreben verziert. Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Apostelleuchter

 


Empore und Orgel

Die 1902 nach Westen im Zuge des Anbaus verlängerte Empore ruht auf zwei Gusseisensäulen.


Emporenbrüstung

Die Emporenbrüstung ist in 28 Rundbogenfelder aufgeteilt, die mit Schablonenmalerei (hier Blumen) verziert sind.
  
Orgelprospekt- fehlende Pfeifen hinten
Die Orgel mit ihrem dreiteiligen Prospekt wurde wohl kurz nach dem Neubau um 1900 installiert. Allerdings steht nur noch der Prospekt mit der ersten Reihe Pfeifen; dahinter ist die Orgel leer geräumt.
Der Gesang der Kirchenbesucher wird durch ein Harmonium seitlich an der nördlichen Wand begleitet.


Harmonium

 


Familiengruft

Unter der Emporentreppe liegt der Zugang zur Familiengruft der Barone von Vequel-Westernach zu finden. Hinter einer Gittertüre, die einseitig mit Blech beschlagen ist (in sog. Durchstecktechnik), führen Treppen hinab zur Gruft.


Gruft der Fam.
Vequel-Westernach

Dort sind drei große Muschelkalk-Tumben (= Überbau eines Grabes mit Grabplatte) zu sehen. Sie erinnern an Theodor Frhr. von Vequel-Westernach (1888-1916), Richard Frhr. von Vequel-Westernach (1850-1925), und an Adele Frfr.von Vequel-Westernach (1865-1952). Die Barone wohnten im nahe gelegenen, von einer Mauer umgebenen Schloss, das im 16.und 17.Jh ein Wasserschloss gewesen ist. Von der Vierflügelanlage sind noch der Süd- und Westflügel geblieben.
An der Ostseite der Gruft zeigt ein Sandsteinrelief eine Pieta , die Figur von Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß und dazu ein Spruchband: "Ao: 1922 - Gott will es - Selig die Toten die im Herrn sterben; Sie ruhen - aus von ihren Mühsalen".


Pieta in der Gruft

Hinter den Kirchenbänken trennt ein großes Gitter den Eingangsbereich vom vorderen Kirchenschiff.

 

Portal

Die Eingangsportal besteht aus einer Doppeltüre, die mit sehr dekorativen Beschlägen versehen ist. Sie dürften aus der Zeit der Verlängerung des Kirchenschiffs (1902) stammen.


Portalbeschlag

 

Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Handbuch des Königreichs Bayern, 1867 (Gemeinde Kammerberg)
03) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
04) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern S.105, 1876 (Statistik)
05) Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
06) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1382)
07) Amperbote vom 27.07.1922 (Primiz)
08) Konrad Beyerle, Übersetzung der Handschrift Lex Baiuvariorum, 1926 (nach Christi Geburt)
09) Josef Widemann: Die Traditionen der bayerischen Klöster, 1928, ZBLG 1, S. 225-380 (Einleitungsformeln)
10) Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
11) E. H. GOMBRICH, Ornament u. Kunst, Stuttgart 1982
12) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Divall)
13) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
14) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
15) Leben in Fahrenzhausen, Bürgerinformationen der Nachbarschaftshilfe, 1999
16) Josef Bogner, Achtzig Jahre Post in Kammerberg, Amperland 1978
17) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel, Ostersymbolik)
18) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
19) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)
20) http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Peter_Bockhorni, Stand 2015
21) Florian Freiherr von Vequel-Westernach, Kirchenführung Juni 2015
22) Georg Brenninger, Zur Ausstattung der Kirchen des Lkr. Freising im 19.Jh, Amperland 1984 (Ferstl, Schweighart, Gräßl)
23) Historischer Atlas v.Bayern, Die Landgerichte Dachau u. Kranzberg Bd.I, Hefte 11/12, Landkreis Dachau, 1952 (1818)
24) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
25) Sigrid Gensichen, Auratisierte Materie, in: Die Eremitage von Schloss Favorite Rastatt, 2018


84 Bilder: Hans Schertl (83), Pfarrei Giebing (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.3.2018

 

Herz-Jesu-Bruderschaft
in der St.Johann Bapt.Filialkirche Kammerberg, Pfarrei Giebing, Dek.Dachau

Das Hochwürdigste Ordinariat des Erzbistums München-Freising hat unterm 13.Februar 1891 die Herz-Jesu-Bruderschaft in der St.Johann Baptist Filialkirche zu Kammerberg oberhirtlich bestätigt.
Am 2.März 1891 wurde diese Bruderschaft der Erzbruderschaft vom hl.Herzen Jesu in der Kirche vom Frieden im Rom aggregiert.


Urkunde

A.
Oberhirlicher Erlaß

vom 13.Februar 1891

Das Ordinariat des Erzbistums München-Freising gibt hiemit zu vernehmen, was folgt:
Beseelt vom Verlangen, Seelen für Jesus zu gewinnen, hat der Pfarrer von Giebing, Pr.Carl Borromä Hirner die Bitte gestellt, in der Filialkirche zu Kammerberg eine Bruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu zu errichten, die hiefür entworfenen Statuten zu approbieren, dieselben auch der gleichnamigen Erzbruderschaft in der Kirche U.L. Frau vom Frieden in Rom aggregieren zu lassen.
Da die genannte Bruderschaft den vorgelegten Statuten gemäß nichts Anderes bezweckt, als die Gläubigen anzuleiten zur eifrigen und treuen Verehrung des heiligsten Herzens Jesu, und somit ganz geeignet ist, eine Pflanzschule der Anbetung, Liebe und Nachfolge des göttlichen Heilandes zu werden, die Ehre Gottes, die Erhöhung und Ausbreitung der heil.Kirche, sowie das Heil der unsterblichen Seelen zu befördern: so willfahrt das Oberhirtenamt gerne dem gestellten Ansuchen und errichtet anmit kraft spezieller Ermächtigung Seitens des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofes Antonius in der Filialkirche zum hl.Johannes dem Täufer in Kammerberg die Bruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu, approbiert als geistlichen Vorstand derselben den jeweiligen Pfarrer von Giebing zugleich mit dem Rechte, in der Aufnahme von Mitgliedern sich nötigenfalls durch einen anderen Priester nach eigener Wahl vertreten zu lassen, und erteilt endlich die Erlaubnis, die neuerrichtete Bruderschaft behufs Erlangung von Ablässen und Teilnahme an den Gebeten und guten Werken der Hauptbruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu in der Kirche U.L. Frau vom Frieden in Rom aggregieren zu lassen.
Dabei ergeht an den jeweiligen Vorstand der Bruderschaft die Mahnung im Herrn, um den seiner Obsorge und Leitung anvertrauten frommen Verein allezeit mit Liebe und Eifer sich anzunehmen, für eine würdige und erbauliche Feier seiner Feste und Gottesdienste Sorge zu tragen, die Gläubigen zur Teilnahme einzuladen, dieselben aber auch über die Geheimnisse und Tugenden des göttlichen Herzens, sowie über den Sinn und Geist der Andacht zu demselben zu belehren und zu deren eifrigen Uebung anzuleiten, damit so das hohe Ziel der Bruderschaft von allen Einverleibten auch wirklich angestrebt und mehr und mehr erreicht werde.

B.
Statuten der Bruderschaft

1. Zweck

Diese Bruderschaft hat sich zur Aufgabe gesetzt, ihre Mitglieder anzuleiten, dem göttlichen Herzen Jesu Anbetung und Verehrung zu widmen, die Liebe, von der es zu uns Menschen entflammt ist, mit Liebe zu erwidern und die Tugenden, in denen es glänzt, mit Eifer nachzuahmen, insbesondere aber ihm für die Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes zu danken und für die Gleichgiltigkeit, den Undank und die Beleidigungen, mit denen seine unendliche Liebe im heil.Sakramente so oft vergolten wird, Abbitte und Ersatz zu leisten.


2. Regeln und Uebungen für die Mitglieder

1.  Mitglied dieser Bruderschaft kann jeder Katholik werden, der den Willen und das Verlangen hat, das göttliche Herz Jesu, des Erlösers, auf die angegebene Weise zu verehren und die Uebungen der Bruderschaft anzunehmen. Der Eintretende hat seinen Tauf- und Familiennamen in das Bruderschaftsbuch eintragen zu lassen und erhält von dem geistlichen Vorstande, d.i. dem Pfarrer von Giebing oder dessen bevollmächtigtem Stellvertreter eine Aufnahmsbescheinigung.

2.  Täglich sollen die Mitglieder zur Verehrung des göttlichen Herzens ein Vater unser, Gegrüßt seist du, Maria und den Glauben beten samt der Anrufung: "Süßes Herz meines Jesu, gib, daß ich dich immer mehr liebe !"

3.  Wöchentlich wenigstens einmal und zwar am Freitage soll jedes Mitglied seine Gebete, seine Arbeiten, seine Leiden, seine Abtötungen aufopfern dem göttlichen Herzen Jesu zur Abbitte und Genugthuung.

4.  Monatlich soll jedes Mitglied, soviel es ihm möglich ist, der nachmittägigen Bruderschaftsandacht beiwohnen oder zu Hause einige Gebete zum göttlichen Herzen verrichten.

5.  Vierteljährlich d.i. von 3 zu 3 Monaten längstens soll jedes Mitglied entweder am ersten Sonntage im Monat oder auch an einem andern die hl.Sakramente der Buße und des Altares empfangen und nachmittags Jesum im hl.Sakramente besuchen und anbeten oder den hl.Kreuzweg beten.

6.  Jährlich sollen die Mitglieder das Fest des heiligsten Herzens Jesu, welches am 6.Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird, mit besonderer Andacht begehen und an diesem Tage die heiligen Sakramente der Buße und des Altares empfangen.

7.  Jedes Mitglied soll auch ein Bild des göttlichen Herzens Jesu in seiner Wohnung haben und in Ehren halten, noch mehr aber das göttliche Herz im allerheiligsten Altarsakramente als Glühofen der Liebe, als Spiegel aller Tugenden und als lebendige Quelle aller Gnaden über Alles lieben, demütig anbeten und durch öfteren, andächtigen Empfang und treue Nachfolge erfreuen und ehren.

3 .Feste und Gottesdienste

1.  Jeden Monat wird am 1.Sonntage nachmittags vor ausgesetztem Allerheiligsten der Herz-Jesu-Rosenkranz mit der Litanei vom heiligsten Namen Jesu nebst Abbitte und Aufopferungsgebet gebetet; wann möglich wird auch ein Lied vom heiligsten Herzen Jesu gesungen.

2.  Das Hauptfest der Bruderschaft wird am 3.Sonntage nach Pfingsten gefeiert mit Predigt, Hochamt vor ausgesetztem Allerheiligsten und Prozession.

3.  Wenn die Opfergaben der Mitglieder es möglich machen, wird am ersten Feiertage im Monat ein Amt zu Ehren des göttlichen Herzens gehalten und in der Allerseelenoktav ein Seelenamt für die verstorbenen Mitglieder.


Primiz von HH. Josef Ziller in Kammerberg  07)
Amperbote vom 27.07.1922

Düstere Regenwolken zogen am Sonntagmorgen über Kammerberg und ab und zu setzte ein Regenschauer ein, aber trotzdem fanden sich zahlreiche Festteilnehmer aus der näheren Umgebung ein, um der Primizfeier des HH. Josef Ziller, des Sohnes der Schuhmacherseheleute Martin und Kreszenz Ziller beizuwohnen.
Bald nach halb 9 Uhr fanden sich die Vereine vor dem Haus des HH. Primizianten ein, um ihn in feierlichem Zug zum festlich geschmückten Gotteshaus zu geleiten, voran die Schuljugend, die Freiwillige Feuerwehr von Kammerberg und Giebing, die Veteranen- und Kriegervereine der beiden Ortschaften, die Jungfrauen, endlich der Klerus mit dem HH. Primizianten.

In der Filialkirche Kammerberg, die lange schon vor Beginn der Feier bis auf den letzten Platz gefüllt war, angekommen, bestieg nach dem "Beni sancte Spiritus" der HH. Stadtpfarrer Hugo Benl von Freimann, vormaliger Pfarrer von Giebing, die Kanzel und entwarf zunächst ein kurzes Bild vom Studiengang des HH. Primizianten, kam sodann auf dessen Studienkollegen Tobias Singer zu sprechen, der auch heuer am Primizaltar stehen würde, der jedoch im Frühjahr 1918 bei Soisson sein Blutopfer dem Vaterland darbrachte und zeigte endlich in formvollendeter Rede den andächtigen Zuschauern die 3 Sterne im christlichen Leben, die wunderbar strahlen bei der hl. Taufe, die heller leuchten am ersten Kommuniontag und die sich in ihrer ganzen Schönheit zeigen im hl. Priestertum: Glaube, Hoffnung, Liebe. Und über diesen drei Sternen steht gleichsam wie zu ihrem Schutz der Meerstern, Maria, die Priestermutter. Mit herrlichen Beispielen reicher Lebenserfahrung wusste der Prediger die aufmerksamen Zuhörer von Anfang bis zum Schluss zu fesseln.
Hierauf feierte der HH. Primiziant, levitiert von den beiden H. Primizianten Kreutmair, Asbach und Lang, Hohenkammer als Diakon bzw. Subdiakon und assistiert von HH. Pfarrer Eberl, Giebing, als Patrinus sein Erstlingsopfer, wobei der verstärkte Kirchenchor Kammerberg unter Leitung des Herrn Lehrer Wagatha die Loretto-Messe von Goller für gemischten Chor und Blechmusik zur Aufführung brachte. Nach der hl. Kommunion spendete der HH. Primiziant zum ersten mal seinen Eltern und Geschwistern den Leib des Herrn, ein feierlicher Augenblick für alle Festteilnehmer. Nach dem Anbinden der Erinnerungsbänder und nach Erteilung des Primizsegens durch den HH. Primizianten erscholl ein mächtiges "Großer Gott wir loben Dich" durch die Kirche, worauf weißgekleidete Mädchen in sinnigen Versen das Erstlingsopfer des Neugeweihten verherrlichten, während Frl. Fanny Hellmair in gebundener Rede, die Bedeutung des Tages würdigte.
Nachdem Herr Zahnarzt Schwarzfischer, Petershausen, namens der Regimentsvereinigung des Rerservere-Infanterie-Regiments 19 dem treuen Kriegskameraden die Glückwünsche übermittelt hatte, setzte sich der Festzug wieder in Bewegung zum Elternhaus. Ein gutbesuchtes Primizmahl vereinigte am Nachmittag die Festgäste im Gasthof zur Post, wobei die Kapelle Kreitmair, Hohenkammer, vortreffliche Musikstücke zur Aufführung brachte, während der Kirchenchor unter der Direktion des Herrn Lehrers Wagatha hübsche Gesangsstücke zum Vortrag brachte und so den Primiztag verschönern halfen, auf dass er unvergesslich bleibe allen Primizgästen, vor allem aber dem HH. Primizianten, der in den nächsten Tagen seinen ersten Posten als Coadjutor in Moosen an der Vils antreten wird, während die beiden anderen Primizianten Kreutmair, Asbach, nach Zolling an der Amper und Lang, Hohenkammer, nach Kolbermoor Anweisung erhielten.