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Pfarrkirche Heilig Kreuz in Dachau

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür

85221 Dachau, Sudetenlandstr. 62
Lage der Kirche auf der Karte ...
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alle Kirchen und Kapellen in der Stadt Dachau auf der Landkarte


Beschreibung

Die Geschichte der Pfarrei Heilig-Kreuz hängt eng mit dem doppelten Kreuz von Konzentrationslager Dachau und Vertreibung zusammen. Der Stadtteil Dachau-Ost und damit die Pfarrei Heilig Kreuz ist aus dem ehemaligen Konzentrationslager hervorge-gangen, das nach dem Krieg zunächst Internierungslager für SS-Angehörige und NS-Parteigenossen und später lange Zeit Auffanglager für Heimatvertriebene war.

"Die Kirche Heilig Kreuz ist in Geschichte, Bau und Ausstattung ein beispielhaftes Zeugnis für den inneren Neubeginn und Aufbruch im Geiste der Menschlichkeit nach der menschenverachtenden Katastrophe des Nationalsozialismus. Inmitten des II.Vatikani-schen Konzils entstanden, steht sie sinnbildlich für die geistige Erneuerung und Neuausrichtung der katholischen Kirche.
Architekt und Künstler schufen einen Kirchenbau, dessen Klarheit, Strenge und Ernsthaftigkeit der besonderen Vorgeschichte dieses Ortes Rechnung tragen. Die auffällige Reduktion, vor allem er-sichtlich in der Malerei Franz Nagels, versteht sich als bewusster Gegenentwurf zur aufgeblähten Bildsprache des Nationalsozialis- mus. Konzentration auf das Wesentliche, Kraft ohne Pathos und Gemeinschaft statt Ausgrenzung zeichnen diesen Kirchenbau aus.

Liturgisch steht Heilig Kreuz an einem Wendepunkt im Sakralbau. Sie ist noch als traditionelle Wegekirche mit konsequenter Ausrichtung zum Tabernakelaltar in der Apsis konzipiert. Später wurden Circumstanz-Lösungen bevorzugt, als sichtbarer Ausdruck der sich um den Altar versammelnden Gemeinde".
31)

Frühere Hl.Kreuz-Kirchen

Die erste Heilig-Kreuz-Kirche in Dachau wurde 1945 im früheren Konzentrationslager auf dem ehem. Appellplatz gebaut und diente der Seelsorge für die internierten Nazis. Erster Seelsorger war Pater Leonhard Roth, ein ehemaliger KZ-Häftling. Er kümmerte sich um seine früheren Peiniger. Schon diese 1946 geweihte Kirche trug den Namen "Heilig Kreuz".

Als das Lager 1948 in ein Flüchtlingscamp umgewandelt wurde, errichtete man eine zweite Barackenkirche für die Flüchtlinge und Vertriebenen. Pfarrer Roth blieb am Ort und übernahm das Amt eines Kuraten für die neu entstehende Pfarrgemeinde Heilig Kreuz.

Kinosaal-Kirche
1956 wurde das Lager in eine Gedenkstätte umgewandelt; die Lagerbewohner zogen nach und nach in die neu gebauten Wohnungen in Dachau-Ost. Deshalb erwarb im Jahr 1960 das Erzbistum Müchen-Freising das früheren Capitol-Kino an der Sudetenlandstraße 22), schräg gegenüber der heutigen Heiligkreuz-Kirche (das Haus wurde 1971 an die Knabenkapelle verkauft und wird immer noch als Übungsraum genutzt). Dort richtete der Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Pater Roth, der neue Kurat Josef Lechner (vorher Kaplan in München-Allach) schließlich in einem "ärgerlich langen und schleppenden Arbeitsgang von über zwei Monaten", so Lechner, 22) einen Gottesdienstraum, die dritte Notkirche der Pfarrei, ein. Die 356 Sitzplätze, die Beleuchtung, der Vorhang und die Warmluftheizung blieben erhalten. In die Ostwand wurden drei große Fenster eingebaut, die Eingänge über der Westseite überdacht und die Leinwandbühne umgebaut (siehe Bild rechts). Architekt dürfte Hansjakob Lill (1913-1967) aus München gewesen sein 26)
.
Die Weihe durch Pfr. Lechner fand am 28.10.1960 (Christkönigsfest im Beisein aller Volksschüler "in einfacher Weise" statt. 22).

Gottesdienste wurden aber auch noch im Lager abgehalten.
So lautete damals die Gottesdienstordnung:
  "7.30 Uhr Frühmesse in der Barackenkirche,
   8.30 Uhr Hochamt und 10.00 Uhr Kindermesse in der Kino-Notkirche.
   Wochentags um 6.45 Uhr hl.Messe im täglichen Wechsel zwischen Kino-
   Notkirche und Baracken-Notkirche".
Die Lagerkirche auf dem Appellplatz, in der von 1956 bis 1960 noch Sonntags-gottesdienste stattfanden, wurde abgerissen. 30)
Mehr über die verschiedenen Lagerkirchen erfahren Sie hier...

Als die Pfarrgemeinde 1964 vom Kinosaal in die neu erbaute Pfarrkirche umzog, erklärte Pfarrer Lechner "... ich glaube, dass wir uns später einmals gerne an die Jahre zurückerinnern werden, da wir im Kino-Notraum Pfarrfamilie geworden sind. Wir werden uns gerne erinnern an das äußere Gewand der einzelnen Jahreszeiten, gerne an die Gesänge des nun schon ganz schön gefestigten kleinen Kirchenchores und unser aller, immer wieder angeleitet und geübt durch unseren unermüdlichen und tüchtigen Chorleiter Fritz Koeniger, gerne auch, so darf ich doch hoffen, an manches priesterliche Wort hier vom Altare aus.... 22)


Kinosaal-Kirche 1960
Kino bis 1960-Kirche bis 1964-jetzt Übungsraum der KKD

Pfarrei Heilig Kreuz
Schon 1949 war eine Kuratie Heilig Kreuz unter der Verwaltung der Pfarrei St.Jakob eingerichtet worden. Sie umfasste nur das Flüchtlingslager. Ein weiterer Schritt folgte 1962, als sie zur Pfarrkuratie erhoben und nun für einen selbstständigen Seelsorgebezirk in Dachau-Ost zuständig wurde. Die Grenzen des Pfarrbezirks sind in der "Urkunde über die kanonische Errichtung der kath. Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Dachau" vom 17.7.1962 festgelegt:
29)
Im Süden: Schleißheimer Str. von der Bayernstr. an bis zur Pfarrgrenze von Ampermoching, aber so, daß die Hausnummern rechts und links der Schleißheimerstraße zur Pfarrei St.Peter gehören
Im Westen: Bayernstrasse bis zur Wotanstrasse, diese westlich bis zur Roßwachterstrasse.
Im Norden: Roßwachterstrasse, Westgrenze des amerikanischen Camp, südl. der Würmmühle vorbei an die Amper
bis zur Pfarrgrenze von Ampermoching
Im Osten: Pfarrgrenze von Ampermoching

Die Zahl der Gemeindemitglieder betrug 3700.


H
eutige Kirche


an dieser Stelle wurde
die Kirche Hl.Kreuz gebaut

Die heutige Kirche Hl. Kreuz wurde 1963/64 von der Baufirma Otto Reischl nach Plänen Friedrich Haindls erbaut. Der Architekt plante auch den Bau der Kirche Mariä Himmelfahrt in Dachau und von Sankt Anna in Karlsfeld.

Am 14.September 1962, dem Patroziniumstag, legte Weihbischof Joh.Neuhäusler unter großer Anteilnahme der Bevölkerung den Grundstein. Darin eingemauert ist eine Urkunde, deren Text Sie hier lesen können...
Der 7300 qm 29) große Platz für die Kirche auf dem Fluren des Liebhofs war bereits 1958 von der Pfarrei St.Jakob im Tauschverfahren von der Stadt Dachau erworben worden. Kurze Zeit später hat man den Platz mit einem Gottesdienst im Freien für seine zukünftige Bestimmung öffentlich eingeweiht und ein Kreuz aufgestellt (siehe Bild links). Zu diesem Kreuz hat Frau E.Philipp interessante und beeindruckende Häftlingsberichte gefunden und zur Verfügung gestellt; wenn Sie interessiert sind, klicken sie hier...

Am 12. April 1964 wurde die Kirche durch Kardinal Julius Döpfner geweiht. "Der Kirchbau sticht wie ein riesiger Ozeandampfer in Richtung Osten vor. Ex oriente lux, aus dem Osten kommt das Licht. Christus ist das wahre Licht", so Pfarrer Lechner in der ersten Pfarrbeschreibung von 1964.
Wie verläuft die Einweihung einer Kirche ? mehr darüber erfahren Sie hier...

In den 1960er Jahren folgte der Kirchenbau in Deutschland den Leitthemen "Schiff" und "Zelt". Die Kirche Heilig Kreuz besitzt den Charakter eines Schiffs. Er manifestiert sich in den über den gesamten Kirchraum hinweg von hinten nach vorne ansteigenden Linien: der Außenmauern, der Decke und der Fenster, die auf die bugartige Apsis mit ihrem parabelförmigen Grundriss hinstreben (siehe Bild rechts).
Auch der Prediger der Einweihungsfeier war auf diesen Vergleich eingegangen und wies darauf hin, dass sich das Schiff der Kirche auf großer Fahrt befindet.
Das Kirchenschiff ist quadratisch (Seitenlänge etwas über 25 1/2 m) mit halbrunder Ostseite, auf der ein vergoldetes Kreuz befestigt ist.


Der mit einem Kreuz gekrönte, frei stehende Turm ist über 30 Meter hoch. Früher war er mit einer roten Farbe bemalt.

Im Turm hängen fünf Glocken, die 1963 bei der Fa. Perner in Passau gegossen und vom Domkapitular Prälat Joachim Delagera geweiht wurden. Sie kosteten zusammen mit dem Glockenstuhl, den elektrischen Läutemaschinen und der Schaltautomatik 47.666 DM. 29)
Ein Bild von der Weihe finden Sie hier...


Kirche von Osten mit der "bugartigen" Apsis

Patronat
Aufschrift auf der Glocke
Ton
Gewicht
Kreuzglocke
"Im Kreuz ist Heil" und "Gestiftet von der Baufirma Otto Reischl und Zimmerei Franz und Theobald Lachner, Anno domini 1963"; darunter ein Kreuzbild
c'
2200 kg
Marienglocke
"Maria, Erlöserin der Gefangenen, bitte für uns!" und "Stiftung der bayerischen Landsleute und Dachauer Großbetriebe - Anno domini 1963" sowie ein Marienbild
e'
1163 kg
Josefsglocke
Unter dem Bild des hl.Josef: "St.Joseph, patronus ecclesiae, ora pro nobis: Ut omnes unum sint" und "St.Josef, Patron der Kirche, bitte für uns, auf daß alle eins seien!" und "Stiftung der Stacheldrahtseminaristen von Chartres 1945-1947 im Jahre des II.Vat.Konzils 1963" und "In memoriam etc. zu deutsch: Zum Gedächtnis Papst Johannes XXIII., des Bischofs von Chartres Harscouet, der Priester Le Meur und Franz Stock".
g'
680 kg
Hedwigsglocke
Unter dem Bild der hl.Hedwig: "St.Hedwig, du große Herzogin, vereine unser Volk und Land in Frieden!" und "Stiftung der sudetendeutschen und schlesischen Landsleute - Anno domini 1963"
a'
475 kg
Stephansglocke
"St.Stephan, du edler König, schenk uns einen guten Heimgang!" und "Stiftung der südostdeutschen Landsleute aus Jugoslawien, Ungarn und Rumänien - Anno domini 1963". Darüber ein Bild des Heiligen.
h'
331 kg
Pfarrer Josef Lechner hat bei
Auch die elektrische Turmuhr wurde zusammen mit den Glocken von der Fa. Perner in Passau geliefert (4600 DM).


K
reuz im Innenhof

Der Zugang zur Kirche führt unter dem Turm hindurch in einen Innenhof vor der Kirche. In der Mitte dieses Hofes steht ein Betonkreuz, das aus vielen einzelnen, nicht zueinander passenden Teilen zu bestehen scheint. So soll an die Verletzung und Misshandlung von Menschen erinnert werden, die im KZ Dachau eine besonders schlimmes Ausmaß erreichten.

Dieses Kreuz ist nach Meinung von Kunstexperten eines der besten religiösen Kunstwerke, die wir aus den 1960er Jahren im Erzbistum München-Freising besitzen.


Betonkreuz

Michael Buchmann und Michael Raz beschreiben in ihrem "Geistlichen Kirchenführer" 07) das Kreuz mit den Worten: "Ein Kreuz aus Beton, das wie aus verschiedenen Felsbrocken zusammengesetzt scheint, massiv, kantig, wenig gefällig. Es wirkt fast so, als ob es jeden Moment aus dem Gleichgewicht geraten könnte und einzelne Teile herunterkippen würden. Irgendwie wollen sie nicht zusammenpassen. Aber so ist eben: Kreuz, Leid "passt" nie und hinterlässt immer Narben und Einschnitte. Und es begegnet uns immer, wir kommen daran nicht vorbei. Aber es ist auch so:
  Mit dem Kreuz können wir manchmal -vielleicht gegen den äußeren Anschein- stehen bleiben, standhaft bleiben und vieles, was uns begegnet, überstehen. Vielleicht kann dieses "zusammengewürfelte" Kreuz auch ein Bild für unsere Gemeinde abgeben, die sich aus vielen verschiedenen Menschen zusammengesetzt, und die in ihrer Vielheit und Buntheit den Namen "Heilig Kreuz" trägt: Unter seinem Kreuz, durch sein Kreuz kommen all diese Menschen zusammen - überall auf der Welt".
Das Kunstreferat des Erzbistums würdigte 2011 das Kreuz kunsthistorisch wie folgt: 31)
"Ein mächtiges Betonkreuz von Johannes Leismüller (*1936), dessen schroff aufgetürmte Blöcke an Franz Wotruba (einen der bedeutendsten österreichischen Bildhauer des 20. Jh.) erinnern, beherrscht die Mitte des Innenhofsund gibt die ernste Grundstimmung der Anlage vor".

 

 
Gedenktafel

Eingangsvorraum 

Im Eingangsvorraum der Kirche ist eine Gedenktafel für den ersten Pfarrer der Pfarrei in die Wand eingelassen.
Text: "Zum Gedenken an den ersten Pfarrer von Heilig Kreuz Msgr. Josef Lechner (1960-1982), unter dem diese Kirche 1964 erbaut wurde."
Lechner wurde am 24.3.1916 geboren und im Juni 1947 zum Priester geweiht.
Lechner starb am 25.10.1982 und wurde im Priestergrab am Waldfriedhof begraben.


Priestergrab am Waldfriedhof

Weitere Pfarrer: 28)
Pater Leonhard Roth, Kurat von 1945-1960, +26.6.60
 Kaplan Xaver Gröppmair von 1967-1970
 Kaplan Manfred Reupold, 1970-1975
 Kaplan Erich Lang, 1975-1977
 Kaplan Franz Stadler, 1977-1982
Kaplan Engelbert Wollmann (vic.oec.) von 1982-1985
Pfarrer Mathias Wögerbauer von 1985-2000
Pfarradministrator Cabraja von 2000-2005.
Pfarrer Reinhold Langenberger, von Sept.bis Dez. 2005
Pater Franz Felber Pfarradministrator von 2005-2010
Ab 9/2010 Pater Cornelius Heinrich Denk (seit 2012 Leiter des neuen Pfarrverbands mit St.Peter, seit 2017 Dekan)


Liste von über 1500 Priestern
des Dachauer Landes aus 8 Jh., geordnet nach dem Alphabet ...


Innenmaße
23)

Länge der Kirche 32,85 m (Kirchenschiff 25,55 m, davon 2,50 unter der Empore Marienkapelle, Altarraum 7,30 m)
Breite der Kirche: Kirchenschiff: 25,78 m, Altarraum: 10,33 m
Höhe  der Kirche: Kirchenschiff: 9,85 bis 15,20 m, Altarraum: 16,25 m (+ Höhe von 4 Altarstufen)


Inneneinrichtung

Der Altarraum ist stark eingezogen und schließt in einem Halbkreis. Der einzige Schmuck ist ein riesiges Kreuz, das von Prof. Franz Nagel in düsteren Farben an die Wand der Apsis gemalt ist. "Unten dunkel, blutbefleckt... oben wird es heller und stößt durch das spitze Dornengeflecht hindurch in die anbrechende himmlische Herrlichkeit", schreibt Pfarrer Lechner 29)

Das schlank aufragende Kreuz mit dem Titel "Kreuz und Kosmischer Horizont" wird durch den bis zur Gänze abstrahierten Corpus durchbrochen. So ist das Kreuz nicht leer; es lässt den am Kreuz hängenden Christus erahnen. 31)
Über dem Kreuz erinnert die große Dornenkrone in ihrer Gestaltung an das Mahnmal, das in ähnlicher Form in der KZ-Gedenkstätte steht: eine metallene Dornenkrone aus geschundenen und gequälten menschlichen Leibern. Ob es sich tatsächlich um eine Dornenkrone handelt oder -wie andere sagen- um ein Bombergeschwader oder einen Stacheldraht, hat der Künstler offen gelassen. Die Bedeutung liege im Auge des Betrachters.
Über das Kreuz hat der Künstler ein farbiges Feld gesetzt, ein "reduziert kraftvolles Gemälde", wie es heißt, das den Raum an seinem höchsten Punkt zu öffnen schein. Es stellt den "kosmischen Horizont" als Hintergrund des Kreuzes dar.

Tabernakel- bitte klickenAltar - bitte klicken

Die Wände sind mit Dispersionsfarbe gestrichen, die sie licht und transparent erscheinen lässt und die sie "optisch zum Atmen bringt". Die Führung der Wandflächen und die Linien der Decke lenken den Blick unwillkürlich auf die Hermitte einer kath.Kirche, den Opfertisch des Herrn". 28)


Zelebrationsaltar 
zur Vergrößerung bitte klickenDer von Johannes Leismüller aus Partenkirchen entworfene und von der Steinmetzfirma Scheck aus München erstellte Altar ist ein Steinquader mit schrägen Einschnitten, die auf die zweite Funktion als Tisch hinweisen. Leismüller war Stipendiat der Villa Massimo in Rom. 1977 erhielt er den Schwabinger Kunstpreis im Fach Plastik/Bildhauerei.
Ebenfalls von Leismüller entworfen sind der Ambo und die Sedilien, die Sitze für Priester und Ministranten. "Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes' ein hoher Rang
zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Ambos sind der Ersatz für die nicht mehr benutzten Kanzeln.

Unter dem Kreuz ist der Tabernakel in die Wand eingelassen, mit einem Edelstein als Mittelpunkt.

  

Tabernakel   
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


Kreuzwegstationen

An den Seitenwänden sind die Bronzedarstellungen von 15 Kreuzwegstationen angebracht.

 
1. Station
Jesus wird von Pilatus
zum Tod verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene hilft Jesus
das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch dar
 
 
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet die
weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
 

Die 28 x 28 cm großen Kreuzweg-Reliefs wurden von dem in München lebenden Bildhauer Roland Friederichsen im Jahre 1968 in Bronze gegossen. Das kleine Format wurde dem Künstler vorgeschrieben; er hätte gerne größere Stationen geschaffen.
Die Güsse sind durchbrochen gearbeitet, d.h., Öffnungen im Bild um die maßgeblichen Personen herum geben den Blick zum Hintergrund frei und schaffen damit eine höhere Plastizität.

In allen Szenen, in denen das Kreuz zu sehen ist, ragt dieses über den Bildrand hinaus. Am deutlichsten geschieht dies im zwölften Bild. "Das Kreuz sprengt den Rahmen".
Gleiches gilt für den auferstandenen Christus im letzten Bild, denn die 14 Hochreliefs der Passion werden durch die 15. Station in Form einer etwas größer gestalteten Figur des Auferstandenen ergänzt.
 
13. Station
Jesus wird vom Kreuz abgenommen
14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt
15. Station
Jesus ersteht vom Grabe
 
Zu einzelnen Stationen (Bemerkungen von Prof.Dr.Ottilie Thiemann-Stoedner 03)):
Die 5.Station ist Diagonalkomposition, die Personene folgen dem schräg stehenden Kreuz
In der 8.Station wird Jesus größer dargestellt als die Frauen (Bedeutungsmaßstab)
Die 9.Station ist wieder eine Diagonalkomposition, in der der Künstler die ganze Figur Jesu im Quadrat unterzubringt
In der 11.Station wird der Kriegsknecht, der Jesus annagelt, in den Vordergrund gerückt
In der 12.Station wird der Sterbende in Dreiviertelfigur, Maria u. Johannes als Halbfiguren abgebildet.
Die 13.Station besticht durch die Ausgeglichenheit der Komposition.
In der 14.Station ist der Ausdruck der Trauer in de Gesichtern erkennbar.
Alles in allem erschüttert uns die Einfachheit, verbunden mit seelischer Tiefe der Darstellungen. Sie beruhen auf der Meditation des Künstlers über das jeweilige Geschehen.

 
Der Künstler Roland Friederichsen wurde 1910 in Greifswald geboren. Er studierte in München u.a. bei Olaf Gulbransson und bei Adolf Schinnerer. Friederichsen war Gestalter von Kirchenräumen und Schöpfer zahlreicher sakraler Kunstwerke. Er starb 1992 in München. Im Landkreis Dachau stammt neben den Kreuzwegstationen in Hl.Kreuz noch der Tabernakel in Karlsfeld Sankt Anna von ihm.
An der 14.Kreuzwegstation ist die Signatur des Künstlers (68 - RoFried.) angebracht.
 

Über den Kreuzwegbildern hängen 12 große Apostelleuchter als Sinnbild für die 12 Apostel. Die Kerzen werden nur an hohen Festtagen und am Weihetag der Kirche angezündet.

Apostelleuchter

Die mit Holz verkleidete Decke der Kirche steigt nach vorne an.
Die Fenster, Lampen und Lautsprecher stellen die Funktionalität in den Vordergrund und sind in dieser Deutlichkeit auch raumgestaltend. Nach Aussage von Buchmann/Raz erinnern sie stilistisch an Elemente einer Industriehalle.

Der Kirchenraum wird seit 1999 nach hinten durch einen Zwischen-Querriegel abgeschlossen, hinter dem unten die Kapellen und Beichtstühle, oben die Orgel und der Platz für den Kirchenchor eingerichtet sind. Dieser Querriegel besteht aus Eisenträgern, die mit Holzbrettern verbunden sind. Kritiker sprechen von der Optik eines Hobbyraums.
Vorher stand hier eine gläserne Membran. Sie hatte zur Folge, dass die Werktagskapelle optisch nicht abgeschlossen war und der Blick in den Kirchenraum reichte. Direkt hinter der Glaswand stand der Kapellenaltar. Jede Bewegung im Kirchenraum spielte sich somit hinter dem Kapellenaltar ab und störte die Andacht, Nach 25 Jahren befand man diese Situation als nicht mehr sachgerecht und baute um.
MarienkapelleTaufkapelle

              Orgel  05)
Die 11 Meter breite, 2,30 m tiefe und 4,80 m hohe Orgel stammt aus dem Jahr 1999 und wurde von der Fa. Anton Staller (1923-2008) aus Grafing erbaut. Sie verfügt über 2 Manuale, Pedal und 27 Register. Die Orgel besitzt 1740 Pfeifen: 1568 aus Metall, 172 aus Holz.
Die längste Pfeife ist fast 5 Meter, die kürzeste nur 12 mm lang.
Kosten: 700.000 DM.

"Der mehrteilige Prospekt ist relief- artig in verschiedene vertikale Schichten gegliedert, wodurch eine interessante Optik entsteht", schreibt die Orgelbaufirma Staller.
"Die Orgel ist in mechanischer Schleifladentechnik mit elektrischer Registertraktur und Setzeranlage gebaut. Eine Besonderheit stellen die Schwellerklappen dar: Sie sind hier nicht verborgen im Gehäuse unter-gebracht, wie normalerweise üblich. Sie bilden vielmehr die sichtbare Hintergrundgestaltung des gesamten Orgelprospekts. Der Spieltisch ist hier seitlich zur Orgel angeordnet und bietet dem Organisten den direkten Blickkontakt zu Chor und Orchester."

Die Orgel mit mechanischen Schleifladen hat folgende Disposition:

Hauptwerk:

Prinzipal 8', Oktav 4', Superoktav 2', Mixtur 4-fach 1 1/3', Bourdon 16', Rohrflöte 8', Spitzflöte 4',
Cornet 3-fach 2 2/3', Trompete 8', Koppel II/I

Schwellwerk: Gedeckt 8'Salicional 8'Vox coelestis (ab c) 8'Koppelflöte 4'Fugara 4' Nasard 2 2/3'Flageolet 2'Terz 1 3/5'Quinte 1 1/3'Cymbel 3-fach 1'Oboe 8'Tremulant
Pedal: Prinzipalbaß 16'Subbaß 16'Oktavbaß 8'Flötbaß 8'Choralbaß 4'+2'Bombarde 16' Baßtrompete 8'Koppeln I/P, II/P

Die langjährige Organistin und Chorleiterin Irmgard Reichl bezeichnete die Orgel in Heilig Kreuz als " modernes Instrument, das sich mit seiner singulären Gestaltung harmonisch in den schlichten Kirchenraum einfügt". Es sei aus besten Materialien gebaut, gut intoniert und wenig störanfällig. So müsse es nicht so häufig nachgestimmt werden.

In der Kirche finden immer wieder Konzerte mit religiöser Musik statt, die weit über die Pfarrei hinaus Beachtung finden.
Der Platz des (ausgezeichneten) Kirchenchors befindet sich neben der Orgel (im Bild links oben).

Die kleine Vorgängerorgel aus der alten Kirche mit einem Manual und 5 Registern war 1957 von E.F. Walcker aus Ludwigsburg geliefert worden. Eine spätere Orgel stammte von der Firma Carl Schuster & Söhne aus München und besaß 12 Register (um 1982).


H
eiliges Grab

Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist an der rechten Seite ein Hl.Grab aufgebaut. Der Brauch des "Hl.Grabes" und des sog. "Graberlschauns" stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens.
Wenn Sie sich die übrigen "Heiligen Gräber" in den Kirchen des Landkreises anschauen wollen, klicken Sie hier....


Heiliges Grab


Kapellen in der Kirche

Unterhalb der Empore sind zwei Kapellen eingerichtet: eine größere Taufkapelle, in der werktags auch Gottesdienste gefeiert werden, und eine kleinere Marienkapelle neben dem Eingang.

Marienkapelle

Mittelpunkt der Marienkapelle ist eine barocke Muttergottesfigur aus dem 18.Jh. vom Figurentyp "Maria vom Siege", so wie sie Ignaz Günther für Weyarn geschnitzt hat.  
Die 1,5 Meter große Figur stammt aus Zangberg bei Mühldorf. Die Pfarrei erwarb sie 1968 um 15.000 DM und ließ sie um 1977  29) neu fassen (=bemalen). Maria steht auf der Erdkugel, die von einer züngelnden Schlange als dem Symbol des Bösen umfangen ist.

Muttergottes
Die Darstellung der Schlange weist auf die Bibelstelle im Buch Genesis Kap.3, Vers 15 hin, nach der eine Frau der Schlange den Kopf zertreten wird. Die Kirche sieht in dieser Frau Maria. Die Hände des lebhaften Jesuskindes haben früher sicher einen Gegenstand (Kreuz ?) gehalten.

Taufkapelle /Werktagskirche

Taufkapelle-Blick zum Altar
Die Taufkapelle wird neben den Tauffeiern vor allem für Gottesdienste an den Werktagen genutzt, wenn die Zahl der Besucher für den großen Kirchenraum klein ist.
Die Kirchenbänke mit rd. 40 Plätzen stehen sich in einem doppelten Halbkreis gegenüber und bilden eine Ellipse, an deren beiden Brennpunkten sich der Altar und der Ambo befinden. Der Zwischenraum bleibt leer, als Platz für den unsichtbaren Gott in der Mitte der Gläubigen. Ambo und Altar sind nicht auf einer Achse, sondern leicht versetzt. Auf diese Weise bleibe eine Spannung im Raum, sagt Pastoral-referent Michael Raz. Es stehe eine Tür offen, durch die Gott eintreten könne.

Taufkapelle-Blick zum Ambo

Früher standen in dem Raum noch zusätzlich vier dunkle Beichtstühle und verdüsterten ihn zu einem "schäbigen Kapellenraum", in dem sich die Gläubigen nicht wohl fühlten. 1999 hat man die Kapelle im Zusammenhang mit dem Orgeleinbau im Kirchenraum umgestaltet. Und zwar so erfolgreich, dass sie im Juni 2010 von der Bayerischen Architektenkammer als herausragendes Beispiel gelungenen Bauens geehrt wurde.
Das Ordinariat schrieb damals:
"Die Neukonzeption der Werktagskirche von 1999 (Planung Felix Schürmann, Ellen Dettinger) versteht sich bewusst als räumliche , liturgische und bildnerische Ergänzung zum großen Kirchenraum von 1964 mit dem Ziel der Erweiterung der pastoralen und liturgischen Möglchkeiten der Pfarrei (Tauffeiern, Andachten, Vespern...). Sie verwirklicht antithetische Positionen zur großen Kirche: Wegekirche (Kirchenraum) - Circumstanz (Werktagskirche),  Gerichtetheit - Bipolarität,  Ernst - Heiterkeit,  Massigkeit - Transparenz, feste Ordnung - Flexibilität.
Demzufolge wurde demr Raum als liturgisches Konzept eine bipolare Struktur zugrunde gelegt. Altar und Ambo stehen sich dialogisch gegenüber und markieren die beiden geistigen Zentren. Ihre jeweils leicht gegen die Raumachse verschobene Stellung verleiht dem starren Raumgefüge eine feine Dynamik, die durch deie in segmentförigen Bogenreihen platzierten Hocker unterstrichen wird." 31)

Altarbild
Blickfang der Kapelle ist das drei mal sechs Meter
(andere Quelle: 4,05 x 2,40 m) große Altarbild des Professors an der Akademie der bildenden Künste Jerry Zeniuk (* 1945).

Der Bildträger, eine Wandscheibe, verstellt einem Paravent gleich den Blick auf die durch mehrere Türen optisch gestörte Eingangswand zur Hauptkirche. Er scheint trotz seines Volumens im Raum zu schweben. Die ungrundierte, grau-beige Leinwand ist nach allen Seiten über den weißen Bildträger gespannt, wodurch sich das Gemälde von vorne wie ein ungerahmtes, zweidimensionales (60 cm tiefes) Bildwerk präsentiert. 31)

Altarbild


Das Gemälde besteht aus vielen leuchtend bunten Punkten, die wie in mehreren Schichten hinge-streutes Konfetti wirken.
"Die auf den ersten Blick zufällig anmutende Verteilung der Farbpunkte offenbart sich bei längerer Betrachtung aber als feinsinnig austariertes Spiel von Grund- und Komplementärfarben. Die Wiederkehr der verschiedenen Farben verknüpft die Punkte zu vielgestaltigen Ketten, die sich zu einer geradezu tänzerischen Gesamtkomposition verbinden und einen nicht endenen Farbraum verbinden", schreibt Dr. Alexander Heisig. 31)

 

Nach Auffassung von Diakon Raz ist der ungewöhnlich farbige Raum "nicht erbauend oder kontemplativ, eher fröhlich und lebhaft. In ihm ist kein Heiliger dargestellt, keine Figur, nicht einmal ein religiöses Symbol".
Die Farbtupfer tanzen Rhythmik, setzen heitere Akzente, auch als Gegensatz zum Hauptraum.
In den vielen Punkten könne man die Mitglieder der Gemeinde entdecken, die alle zum Bild der Kirche gehören und in denen allen Gott sichtbar werde, so Raz. Manche der Punkte stünden ganz nahe beieinander, andere eher allein. Aber alle gehörten dazu. Auch Gott setze immer wieder Punkte in unserem Leben. Er werde immer wieder spürbar, nicht andauernd, doch punktuell, in guten und schlechten Zeiten.

Übrigens: Jerry Zeniuk hat 2020 die farbenprächtigen Glasgemälde in der zur Aussegnungshalle umgebauten St.Georgs-Kirche in Hebertshausen gestaltet. ...siehe dort ...

Altar und Ambo
Altar der Taufkapelle

Den Altar und den Ambo hat Prof.Nikolaus Gerhart (geb.1944), der Professor und zeitweilige Rektor der Münchner Kunstakademie, aus hell eingefärbtem Beton geschaffen. Er wollte durch die besondere Methode des "Aushöhlens" den Stein selbst zum Sprechen bringen und seine Tiefendimensionen unterstreichen. Auf dem luftigen Unterbau liegt die schwere Altarplatte, die Mensa, aus Jurakalk. Diese Platte stammt vom Vorgänger-Altar und wurde neu zugeschnitten.
Aus einer kreuzförmigen Grundplatte wächst ein orthogonales Rahmengerüst empor, das vom Kreuz zum Quadrat übergeht und im Umriss einen kubischen Körper beschreibt. Der von den Streben umschlossene Leerraum ermöglicht den Durchblick auf die Malerei der Rückwand. 31)

Diese bildhauerische Form symbolisiere: Das Schwere werde leicht getragen, sagt Prof.Gerhard, den Kreisheimatpfleger Göttler als "personifizierten Meister des Steins" bezeichnete.
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Ambo der
Taufkapelle

Der gegenüberstehende filigrane Ambo ist als Lesepult der "Tisch des Wortes". Auch er greift die Form des Kreuzes als horizontale Grundform auf. Die Betonstreben sind komprimiert und zu einer schlanken, pfeilerartigen Stele gestreckt.

Die liturgische Ausstattung wird vervollständigt durch das silberne Vortragekreuz von Matthias Larasser-Bergmeister aus Erding. In seiner Gestaltung nimmt es unmittelbar Bezug auf das große Kreuz von Franz Nagel in der Apsis des Kirchenraums. So wird der Brückenschlag zwischen Haupt- und Werktagskirche, Vorhandenem und Neuem sichtbar. 31)

 


Der Gesang der Gottesdienstbesucher wird von einer kleinen Truhenorgel begleitet. 2006 wurde das alte Instrument durch eine neue Truhen-orgel der Fa. Staller aus Grafing ersetzt. Das Instrumtent besitzt 6 Register.
29)


Truhenorgel
Die Orgel wird auch bei Kirchenkonzerten als zusätzliches Instrument eingesetzt.
Am westlichen Ende, über dem Taufbereich steigt der Raum abrupt empor und wird durch ein farbkräftiges Glasfenster mit der symb. Darstellung des Heiligen Geistes in ein blaues Licht getaucht.
Darunter steht der Taufstein.


Taufstein
Das Fenster ist mit einer Phönixdarstellung bemalt. Es stammt vom Münchner Kunstmaler Hans Dumler (*1922). Die beherrschende Farbe Blau ist die Farbe des Wassers und des Himmels. Pfarrer Lechner schrieb dazu 1964: "Das leuchtende Himmelsblau des Farbfensters, in das der aus der Asche neugeborene Vogel Phönix hineinschwingt, gibt dem Raum die besondere Note. Die Phönixdarstellung ist aber für die Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Hl.Geiste ein gutes Gleichnis".


Phoenix- Hl.Geist

Hans Dumler studierte von 1948 bis 1953 an der Akademie München und war danach Meisterschüler bei Franz Nagel. Dumler erhielt ein Stipendium des Französischen Staates, studierte bei Goetz und Singier in Paris und errang 1965 den Förderpreis für Malerei der Stadt München. 1976 übersiedelte Dumler nach Landsberg am Lech, 1992 nach Utting/Ammersee.

Die sog. Heiligen Öle werden in einer Glasvitrine aufbewahrt, die in einen Mauervorsprung eingebettet ist. Bei den Ölen handelt sich um Chrisam und Kathechumenenöl, die bei der Taufe verwendet werden.

Hl.Öle in der Glasvitrine
Chrisam besteht aus Olivenöl, dem wohlriechende Balsame beigemischt sind. Es wird bei der Spendung verschiedener Sakramente und Sakramentalien verwendet. Das Katechumenenöl wird nur zur Salbung eines Taufbewerbers ("Katechumene") während seines Katechumenats bzw. eines Täuflings vor der Taufe verwendet.


Renovierungen
1999  bis 2001
im Rahmen des Orgeleinbaus 1999 und der Pfarrhausrenovierung
2008 Umbauarbeiten in der Kapelle
29)
2009 behindertengerechter Zugang
29)

Die Kirche Heilig-Kreuz ist trotz ihres geringen Alters unter Denkmalschutz gestellt.

Seit einigen Jahren bilden die Dachauer Pfarreien St.Peter und Heilig Kreuz einen Pfarrverband.
Die Gottesdienstordnung für diesen Pfarrverband finden sie hier...
Die Gottesdienstordnungen aller Pfarreien im Landkreis Dachau können Sie hier erfahren...

Hans Schertl


Quellen:
01) Kirchenführer Heilig Kreuz Dachau, Pfarrkuratie, 1964
02) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
03) Prof.Dr. Thiemann-Stoedtner, Der Bildhauer Roland Friederichsen und Dachau, Amperland 1984/2
04) Dachauer Nachrichten v. 8./9.4.1989 (Kuratie)
05) Festschrift zur Orgelweihe und Umgestaltung der Pfarrkirche, 1999 (Orgeldaten)
06) Katholische Pfarrgemeinde Heilig Kreuz in Dachau, Info 2001
07) Michael Buchmann/Michael Raz, Die Kirche Heilig Kreuz in Dachau - Ein geistlicher Kirchenführer, Link...
08) Michael Raz, Kirchenführer für Kinder
09) Eleonore Philipp, Die Blechbüchsenorgel in der Dachauer Lagerkirche Heilig Kreuz, Amperland 2003/1
10) Dachauer Nachrichten v. 8.9.2003
11) Dachauer Nachrichten v. 17.9.2003
12) Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
13) Franz Pawelka, Dachau, 2006
14) Dachauer Nachrichten v. 19.9.2006,
15) Dachauer Nachrichten v. 8.11.2006,
16) Kreisheimatpfleger Prof.Dr.Norbert Göttler in der Dachauer SZ vom 14.9.2009 (Altar in der Werktagskirche)
17) Dachauer Nachrichten v. 25.2.2010 (Nik.Gerhart)
18) Dr.Bärbel Schäfer in den Dachauer Nachrichten vom 7.1.2010 (Gebetsraum)
19) Dachauer SZ vom 10.6.2010 (Ehrung durch Architektenkammer)
20) Eleonore Philipp, Die ehemaligen Dachauer Gutshöfe Liebhof u. Pollnhof, Amperland 2010/4,
21) Eleonore Philipp, Feldkreuz auf dem Gelände des ehem. Liebhofes, Dachau, 2012
22) http://www.staller-orgelbau.com/, Zugriff 2015 (Orgeldaten)
23) Innenmaße: Messung durch den Verfasser Apr.2016
24) Dorothea Friedrich, Die himmlische Konzertmaschine, Dachauer SZ vom 27. Dezember 2017 (Orgel)
25) Matthias Schneider, Willm ich meines Amts würdig erweisen, Dachauer Nachrichten v. 21.12.2017 (Heinrich Denk)
26) mediaTUM Gesamtbestand,Architekturmuseum-Sammlung, https://mediatum.ub.tum.de/930435
27) Gedenkbuch für die Toten des Konzentrationslagers Dachau, herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Dachau 2011.
     Dort auf Seite 9: "Von 33.205 Todesopfern konnten die Namen ermittelt werden. Unbekannt bleiben 8.300 Menschen, die
     zwischen 1933 und 1945 im KZ Dachau und den Außenlagern zu Tode kamen." - recherchiert v.Ludwig Schmidinger, Dachau
28) Brief des Pfarrers an seine Gemeinde, Festschrift zur Weihe der Kirche am 12.4.1964
29) Kreuzschnabel, Pfarrbrief der Gemeinde HeiligKreuz, Dachau, April 2014 (Pfr. J.Lechner, Festschrift zur Weihe d.Kirche)
30) Barackenkirche wird dem Erdboden gleichgemacht, Dachauer Nachrichten vom 28.10.1960
31) Dokumentationen des erzbischöflichen Ordinariats München, Zeitgenössische christliche Kunst: Dachau Pfarrkirche
      Hl. Kreuz – Werktagskirche, Ausgabe 1 _2011


39 Bilder: Hans Schertl (37), Rudolf Fischer (1), Pfarrei (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

13.2.2021


Text der Urkunde im Grundstein

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl.Geistes. Am Feste Kreuzerhöhung, dem 14.Sept., im Jahre des Herrn, 1962, wurde der Grundstein für die neue Pfarrkirche in Dachau-Ost gesegnet und gelegt. Das Fest Kreuzerhöhung hat seinen Ursprung in Jerusalem. Dort war von Kaiser Konstantin über dem Heiligen Grab eine Basilika erbaut und am 13.Sept.335 eingeweiht worden. Einen Tag später, am 14.September, wurde in dieser Kirche das von St.Helena auf Golgota aufgefundene Kreuz dem Volk gezeigt (=erhöht) und zur Verehrung dargereicht.

Die Kirche soll den Namen der im Jahre 1946 im Gebiet des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau erbauten Notkirche hl.Kreuz und der dazu errichteten Kuratie fortführen. Es war ja ein schweres Kreuz, was rund 200 000 KZ-Häftlinge in der Zeit von 1933-1945 tragen mussten. An die 30.000 * von ihnen mussten dort ihr Leben lassen.
Schwer und bitter war auch das Elend der Tausende von Flüchtlingen aus dem Sudetenland, aus Schlesien und aus dem südostdeutschen Raum, die in den KZ-Baracken seit 1948 notdürftige Unterkunft fanden. Der Kirchplatz liegt inmitten der Neuansiedlung jener Flüchtlinge, die im KZ-Lager untergebracht waren.

Der Beginn der Bauarbeiten erfolgte am Feste Mariä Heimsuchung, den 2.7.1962. Dieses bedeutungsvolle Ereignis des Kirchenneubaus Heilig Kreuz Dachau trat ein:
Im vierten Jahr des Pontifikates unseres Hl.Vaters Papst Johannes XXIII., im zweiten Jahr, da Erzbischof und Kardinal Julius Döpfner als 71.Nachfolger den Hirtenstab des hl.Korbinian im Erzbistum München-Freising führt.
An der Spitze der Stadt Dachau stehen als 1.Bürgermeister Franz Böck, als 2.Bürgermeister Adolf Hällmayer. Landrat des Landkreises Dachau ist Staatsminister a.D. Dr.Josef Schwalber.
Als Pfarrkurat wirkt Hochw.Herr Kurat Josef Lechner, der Nachfolger des 1.Seelsorgers der Kuratie Hl.Kreuz, Hochw.Herrn Paters Leonhard Roth.

Den Grundstein und die Grundmauern weihte Se.Excellenz der Hochw.Herr Weihbischof Dr.Johannes Neuhäusler. Bauherr ist die Erzbisch.Finanzkammer unter Leitung von H.H.Prälat Franz Stadler. Die Pläne wurden entworfen von Architekt Friedr.F.Haindl. Das Gotteshaus wird erstellt durch die Baufirma Otto Reischl Dachau. Die Bauleitung liegt in Händen des Herrn Architekten Dipl.-Ing. Berchtold. Polier ist Herr Anton Karl.

Der Segen des Allmächt.Gottes des Vaters und des Sohnes und des Hl.Geistes komme herab auf dieses Gotteshaus und ströme von ihm aus über die Pfarrgemeinde !

Joh.Neuhäusler,  Weihbischof  
i.V. Josef Veit  Erzb.Finanzkammer  Heps, Erzb.Bauamt
  Walter Mularcyk,  Kirchenverwaltung  

* = tatsächlich 41.500 27)


Verlauf der Kirchenweihe
am 12.April 1964

(nach dem ersten Kirchenführer von Heilig Kreuz 1964)

Der Tag vor der Weihe ist für die Gemeinde ein Fasttag. Am Abend um 18 Uhr werden die Reliquien feierlich eingebracht und in der Notkirche aufbewahrt. Davor wird Nachtwache gehalten bis 24 Uhr.

I.Teil
Segnung der Kirche


Äußere Besprengung, Einzug in die Kirche, Innere Besprengung, Reinigung des Altares, Besitzergreifung und Weihe.
Die Kirche, die gleichsam getauft wurde, wird für Gott in Besitz genommen. Nach altem Brauch wird dabei das Alphabet in griechischer und lateinischer Sprache in ein Aschenkreuz am Fußboden vor der Kommunionbank eingetragen. Christus ist Alpha und Omega, der Anfang und das Ende.

II.Teil
Beisetzung der Reliquien

Übertragung aus der Notkirche in feierlicher Prozession durch den Bischof, Klerus und Vertreter des Volkes. Beisetzung der Reliquien im Altar.

III.Teil
Konsekration

Konsekration der Kirche:    Salbung der Wände und des Portales mit Christus.
Konsekration des Altares:
 der Bischof macht 5 Kreuze mit Chrisam auf den Altar, beräuchert dann denselben in der Mitte und an den vier Ecken, formt aus Weihrauchkörnern fünf Kreuze und entzündet darüber fünf Drahtwachskerzen.
Nach Anrufung des Heiligen Geistes erfolgen das Weihegebet und die Weihepräfation.


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