zur Landkreiskarte         ausführl.Beschreibung     Kirchen i.d. Gem. Röhrmoos


Filialkirche St. Martin in BIBERBACH

   

Für Navi-Nutzer: 85244 Röhrmoos, Dachauer Str.12 (=Nähe Kirche)
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Der Ort Biberbach wird Mitte des 8.Jh erstmals als Piparabach erwähnt.
Damals verlief hier eine Römerstraße (von Oberndorf und Westerndorf kommend), die über Altomünster nach Augsburg führte. Ausgrabungen belegen eine Siedlung schon zur Hallstattzeit (800-475 v.Chr.). Von einer dem hl. Martin geweihten Kirche wird schon aus der Mitte des 8.Jh berichtet. Biberbach ist die am frühesten genannte Kirche im Dachauer Land.

Biberbach gehört seit alters her zur Pfarrei Vierkirchen; als Filialkirche in "Piperbach" ist sie auch in der Konradinischen Matrikel von 1315 erwähnt.

Die derzeitige Kirche dürfte -wie so viele Kirchen im Landkreis Dachau- in gotischer Zeit (im 15.Jh) erbaut und später barockisiert worden sein. Im 19.Jh wurde sie mit neugotischen Altären ausgestattet

Die Kirche hat einen eingezogenen, gotisch überwölbten und mit drei Seiten eines Achtecks schließen-den Chor sowie ein flach gedeck-tes Langhaus.

In dem mit einer schönen Zwiebel-haube gekrönten Turm hängen drei Glocken.

Die mit einem Kreuzgewölbe versehene Sakristei wurde 1672 angebaut.

Innenausstattung

Schon der erste Blick in die Kirche zeigt dem Besucher, dass die Innenausstattung der Kirche stilistisch zwei Epochen zuzuordnen ist: Der Altarraum mit seinem gotischen Gewölbe enthält einen neugotischen Hochaltar (2.Hälfte 19.Jh), das Kirchenschiff mit seiner Flachdecke wurde in barocker Zeit (1.Hälfte 18.Jh) ausgestattet.

Der Hochaltar von 1880/90 mit schönen Gemälden am Antependium und der Tabernakel sind neugotisch. Auf ihm stehen aber gotische Figuren des hl. Martin (mit Gans) und des hl. Nikolaus (mit 3 Goldkugeln) sowie
-in der Mitte etwas erhöht- die barocke Figur des
hl. Korbinian
(mit beladenem Bären).

An der linken Chorwand befindet sich eine Grabplatte mit dem Biberbacher Wappen aus dem Jahr 1466.
An der Innen-Westseite der Kirche ist ein übermaltes Sandsteinrelief "Christus am Ölberg" (16.Jh) einge-mauert.

Chor und Langhaus werden durch einen spitzbogigen Chorbogen getrennt.

Die Seitenaltäre stammen -wie auch die Kanzel- aus der Zeit um 1660/1710 und sind der heilige Großfamilie: Anna, Joachim, Maria und Jesus (links) und dem hl.Bartholomäus (rechts -Folter und Martyrium) geweiht. Die Patrone sind auf Altarblättern dargestellt (1710/20).

Über die ganze Kirche verteilt sind Büsten der zwölf Apostel über den Apostelleuchtern angebracht. Sie wurden gegen Ende des 18.Jh geschnitzt.

Apostel Paulus Beichtstuhl Epitaph von 1466 Fenster Fenster St.Konrad von Parzham Kreuzwegbilder Kanzel Apostelbild Thaddäus Altarraum-Decke und Leuchter Kreuzweg
Vergrößerung von 21 Details (Altäre, Figuren) per Mouseklick

Die Figurenausstattung entspricht dem bäuerlichen Umfeld:

- St.Florian (mit Wasserschaff und Siegesfahne)
- St.Franz-Xaver (mit Kruzifix, als Symbol für die Missionsarbeit, die Franz Xaver in Asien verrichtete)
- St.Sebastian (mit Pfeilen in der Hand)
- St.Katharina (mit dem zerbrochenen Marterrad)
- St.Konrad von Parzham (in Franziskanerkutte mit den Klosterschlüsseln in der Hand)
- Vesperbild (Pieta) aus dem 17.Jh.
- Christus auf der Rast (Jesus rastet vor der Kreuzigung)
Blickfang ist eine Mater dolorosa vor einem mantelartigen Baldachin, der von Putten mit Leidenswerkzeugen gehalten wird.




Ausführliche Beschreibung  
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:
           Beschreibung 1895
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Choraltar
 Deckenfresken-1  Deckenfresken-2  Epitaphe außen  Epitaphe innen  Fenster
 Figuren im Schiff  Kanzel  Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kreuzweg
 Lourdesgrotte  Mater dolorosa  Orgel  Opferstock  Portal
 Seitenaltäre  Tabernakel  Taufstein  Zelebrationsaltar  

Die Ortschaft Biberbach (475 Meter Meereshöhe, rd. 600 Einwohner) wird um das Jahr 749 erstmals als Piparabach schriftlich erwähnt. Damals führte hier schon länger eine Römerstraße (von Oberndorf und Westerndorf kommend) nach Augsburg vorbei. Mehrere Jahrhunderte lang glaubte man, dass zwei Gedenksteine, in sich in einer Altertumssammlung in Augsburg befinden, in unserem Biberbach gefunden worden seien. Dies schreibt Pfarrer Steinberger in seiner Chronik der Pfarrei Vierkirchen von 1879; 15) auch im Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte von 1845 wird das behauptet. 27)
inzwischen steht wohl fest, dass die Steine aus dem Ort Biberbach im Landkreis Wertingen bei Augsburg stammen.
17)

Die Gegend um unser Biberbach ist aber schon viel früher besiedelt worden. Auf dem Schlachtberg, einer Anhöhe neben dem heutigen Dorf, hat man bei Grabungen eine Siedlung aus der Hallstattzeit (800-475 v.Chr.) gefunden. Dort wurden auch Reste jüngerer Siedlungen aus vorgeschichtlicher und frühgeschichtlicher Zeit (Römerzeit) entdeckt. Man darf annehmen, dass Biberbach seit 3000 Jahren kontinuierlich besiedelt ist.
31)

Im Mittelalter war der grundherrliche Besitz in Biberbach sehr zersplittert; d.h., die Bauernhöfe gehörten vielen unterschiedlichen Besitzern. Damals bestand auch noch eine Burg des Geschlechts der Biberbacher, das aber Mitte des 15.Jh. ausgestorben ist.
17) 1844 waren im Friedhof von Biberbach noch ein Grabstein der Familie aus dem Jahr 1442 zu sehen. Das herrschaftliche Schloss lag einige hundert Schritte von der Kirche auf einer Anhöhe; von ihm ist nichts mehr zu sehen. 02), 15)

Bei der Bildung politischer Gemeinden im Jahr 1818 wurde Biberbach (zusammen mit Milbertshofen und den Wiedenhöfen) selbstständig. 1972, bei der Gebietsreform, kam die Biberbach zu Röhrmoos, Milbertshofen und die Wiedenhöfe nach Vierkirchen.

Geschichte der Kirche

Erste Kirche um 750
Auch von einer dem hl. Martin geweihten Kirche wird bereits aus der Mitte des 8.Jh berichtet. Damals sollen in Biberbach zwei Kirchlein und ein weiteres in Milbertshofen bestanden haben, die unter Bischof Joseph von Freising (749-764) in einem größeren Bau in Biberbach zusammengefasst wurden. Diese Biberbacher Kirche habe schon drei Altäre besessen, die den Patronen der drei Vorgängerkirchen geweiht worden seien. Die Kirche wurde vom Freisinger Bischof Ermbert/Erembert (739-747/748), dem Halbbruder des hl.Korbinian (möglicherweise auch nur ein Verwandter), geweiht ("consecrirt"). Diese Weihe ist urkundlich gesichert; angeblich findet sich unter dem Bild von Ermbert in der Freisinger Bischofsgalerie ein entsprechender Hinweis.

Aus dem Jahr 806 oder 808 ist bekannt, dass Erzpriester Ellanod, berufener Abt von Kloster Schlehdorf, als Vertreter des Freisinger Bischofs die Biberbacher Kirche von den Edlen Mochingera (aus Ampermoching) zurückforderte. Die hatten die Kirche als ihr Eigentum angesehen, konnten das aber im Gerichtsverfahren nicht beweisen. Sie verzichteten in einer Urkunde (Nr.235 der Freisinger Traditionen
12), 37)) in Gegenwart des Bischofs Atto und des Grafen Luitpold förmlich auf ihre Ansprüche. 15)
In der Regel hatten damals die Bischöfe Eigenkirchen nur geweiht, wenn die Eigentümer versprachen, sie spätestens bei ihrem Tod dem Bistum zu überschreiben.

Freisinger Matrikel 1315 und 1524 04)
Biberbach gehört von alters her zur Pfarrei Vierkirchen; in der Konradinischen Matrikel (= Kirchenverzeichnis) von 1315 ist sie als Filialkirche "Piperbach", in der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 als "s.Martini in Biberpach" jeweils mit Friedhof erwähnt.


Visitationsbericht von 1560 21)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Martinus in Piberbach" erwähnt. Das eigene Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug 18 Gulden und 2 Schilling. Es gab kein eigenes Mesnerhaus. Der Mesner, der als "vleissig" geschildert wird, wohnte in einem der Bauernhöfe. Die Kirchenmauer war offenbar reparaturbedürftig ("Khirchmaur dörfft pesserns"). In der mit "aller Zier" ausgestatteten Kirche gab es ein Sakramentshäuschen, "wol beschlossen und beleucht". An Gerätschaften waren vorhanden: 3 Kelche mit Corporale, eine Monstranz aus Messing ("ain messinge monstrantz"), 3 Messbücher, ein Liturgiebuch, ein Gesangsbuch, und 5 Messgewänder ("5 ornät"). Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden liturgisch rein aufbewahrt. Der Bericht schließt mit dem Sätzen, dass "aller ding kain mangl" sei und dass es sich bei der Kirche um ein wohlhabendes Gotteshaus handle ("ist, wie meßner antzaigt, ain reich gotshauß").

Dreißigjähriger Krieg
Auch wenn über Beschädigungen der Kirche im Dreißigjährigen Krieg nichts beschrieben ist, hat doch die Bevölkerung stark gelitten. Darauf deutet auch ein Eintrag in der Kirchenrechnung von 1650
25) hin, der den Kauf eines neuen Kelches damit begründet, dass der frühere Kelch bei den Fluchten (in den Wald bei Ankunft der Soldaten) zerbrochen sei.
  Originaltext: "Weil der Kelch von Langen gebrauch abgenossen, und in den fluchten Zusambt dem Cäpsl pro Sacris Hostijs Zerbroch, ist solches bei Thoman Lackhner Goltschmidt Zu Freysing wider gemacht und Jme Lauth Zetls dafir Zalt worden: 13 fl. "

Aus dem Jahre 1645 ist bekannt, dass der berühmte Bildhauer Konstantin Pader, der damals in München (früher in Dachau) wohnte, einen Choraltar erstellt hat. Dies ist einem Brief vom 27.Januar 1645 zu entnehmen, den Architekt Max Gruber ins heutige Deutsch übersetzt hat  11). Der Choraltar hat sich übrigens nicht erhalten.
  "Edl und Vester ! Demselbigen seien meine allzeit willigen Dienste und Grüße ! Zunächst kann ich nicht lassen, vielgeliebter Herr Gerichtsschreiber, Ihnen zu schreiben, dass meine letzte Reise nur geschehen ist, um zu einem rechten Haus zu kommen. Nun was unsere Verhandlungen wegen des Choraltares nach Biberbach betrifft, so hoffe ich, dass es bei den 110 Gulden verbleibt. In drei oder längstens vier Wochen will ich dem Herrn Holtzmair die Bildhauerarbeiten dazu aushändigen und die Schreinerarbeiten auf Mittfasten. Ich bitte den Herrn Gerichtsschreiber also, was die 60 Gulden betrifft, mir davon wie vereinbart 30 Gulden zukommen zu lassen, die anderen 30 aber zurückzubehalten, bis ich die Arbeit abliefere. Mit den restlichen 50 Gulden soll es, so wie ich gebeten habe, sein Verbleiben haben. Da ich schon ziemlich vorangekommen bin, bräuchte ich auch die Entwürfe des Malers.
Weiters wäre meine allergrößte Bitte, mir halt wegen meiner Sache den Bericht zukommen zu lassen, damit ich doch einmal von meinem Kummer befreit würde. Ich will es auch treulich halten, dass ich nichts mehr gegen den Befehl meines lieben Herrn tue.

Immerhin scheint das Vermögen der Kirche St.Martin durch den Krieg nicht so stark vermindert worden zu sein, wie bei den anderen Kirchen. 1661 hat der Freisinger Bischof die Besitz- u. Einkommensverhältnisse der Pfarreien geprüft. Nur fünf Kirchen des Amtes Dachau wurden als vermögend eingestuft (und mussten eine Bausteuer für das abgebrannte Reformatenkloster in Freising bezahlen). Dazu zählten neben den Kirchen von Etzenhausen und Ampermoching (mit je 15 fl. Steuer), auch Fahrenzhausen 12 fl., Prittlbach und Biberbach mit je 10 fl (Steuer) 39)


Sturmschäden  1672
1672 hatte ein Sturmwind das Turmdach abgedeckt. Maurermeister Balthasar Mittermair aus Haimhausen
 19) erstellte zur Behebung des Schadens zunächst einen Überschlag (=Kostenvoranschlag). Es ist anzunehmen, dass die Baumaßnahme auch entsprechend durchgeführt wurde.
1706 war das Dach der Kirche zu erneuern. Dazu hat sich ein Überschlag durch Maurermeister Georg Wolfgang Weigl
 19 ) aus Vierkirchen erhalten.


Altarweihe 1710


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
Am 3.Juli 1710 hat der Fürstbischof von Freising Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck drei Altäre in der Biberbacher Kirche geweiht. Das muss nicht bedeuten, dass die Altäre in diesem Jahr errichtet worden wären. Denn zum einen ließen sich die Bischöfe mit der Altarweihe oftmals viel Zeit und warteten, bis sie ohnehin in die Nähe der Kirche kamen (das Reisen war beschwerlich), zum anderen waren die Vorgänger von Fürstbischof Eckher nicht zum Priester und Bischof geweiht und hatten somit keine Befugnis zur Altarweihe. Damals war auch 40 Jahre lang keine Firmung gespendet worden. In der Kirchenrechnung von Vierkirchen 25) wird von drei neuen Altären gesprochen, für deren Weihe man das althergebrachte Honorar ("gebreuchige Honoraria") von je 7 Gulden an den Bischof zu entrichten hatte.
Außerdem fanden folgende Kosten Eingang in die Rechnung: für die Verpflegung des Bischofs ("praetentirte Cosst"), für die Altartücher, für die Kerzen ("Wax"), für den Wein ("1 Mass Wein zur Altarwey"), für Gips und Kalk und Salz sowie für die drei Altarsteine aus Marmor ("2 Altarstain von Marmal") und für den Maurer, der die Altarsteine einmauerte. Heute bedarf es dazu keines Maurers mehr; das macht der Bischof im Rahmen des Weiheritus selbst.
Die Altarweihen 1710 bedeuten, dass man wohl einige Zeit nach dem 30jährigen Krieg, auf jeden Fall aber vor 1710, die Kirche barockisiert hat.

Schmidt'sche Matrikel 1738/40 04)
Die Schmidt'sche Matrikel die der Kanonikus Schmidt in den Jahren 1738 bis 1740verfasst hat, enthält eine kleine Beschreibung der Ecclesia filialis s.Martini in Biberbach. Dort standen damals drei frisch renovierte Altäre: Der Hochaltar war dem Kirchenpatron St.Martin geweiht, die Seitenaltäre der hl.Anna und dem hl.Bartholomäus. Messen wurden an jedem zweiten Sonntag im Monat gefeiert, sowie am Palmsonntag, Ostern, Pfingsten und an den Marienfesten, an St.Bartholomäus (24.8.) und an Johannes Evangelist (27.12). Kirchweihfest wurde am Sonntag vor Mariä Geburt (vor 8.9.) gefeiert, das Patrozinium am Martinstag (11.11.). Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Vierkirchner Pfarrer zusammen mit dem kurfürstl. Präfekten aus Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses solle sich diser Zeit gegen 2500 fl. (=Gulden) bezeigen". Das war für die damalige Zeit sehr viel Geld; die Pfarrkirche in Vierkirchen besaß 1500 Gulden, Röhrmoos nur 400 Gulden.



Beschreibung 1792 10)
Kurz vor 1792 besuchte der Schriftsteller und Historiker Lorenz Westenrieder auf seinen Reisen durch das Landgericht Dachau auch den Ort Biberbach besucht und sich in seinem Buch Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau auf Seite 54die Kirche St.Martin beschrieben:
  ... In der Folge besuchte ich eine der nächstliegenden, die etwa 1/4 Stunde von Vierkirchen entfernte Filial Biber(b)ach. Das Kirchlein daselbst ist uralt, und die Dorfstradition sagt, daß selbes vom Bruder des heil.Corbinian eingeweiht worden seyn soll. Es wohnte hier einst ein Erzpriester. Inwendig ist alles neu, frisch, wohlgeordnet und schön. Die oberste Decke, sowohl als das Chorblatt, worauf der heil.Martin, wie er einen Armen die Hälfte seines Mantels abgiebt, vorgestellt ist, hat der eben genannte Deyrer gemalt, und dieß letztere soll das beßte Stück dieses wackeren Künstlers seyn. An den Chorfenstern sieht man das in gefärbtes Glas gebrannte Wappen der Herren von Biber(b)ach, welche hier wohnten und in der Kirche ihre Ruhstätte nahmen. Ich sah einen Grabstein mit der Jahreszahl 1442 und ein paar hundert Schritte von der Kirche erblickt man die Anhöhe, worauf das Schloß der Biber(b)acher stund."

Dorfbrand 1836
Im Juni 1836 vernichtete ein Brand, der beim Zaunbauer ausgebrochen war, 12 Wohnhäuser und 8 Stadeln. Drei Menschen kamen ums Leben. Die Kirche überstand die Katastrophe unversehrt.
17)
In der Zeitschrift "Landbötin" von 1836 war dazu folgender Bericht zu lesen: 38)
  "Aus Biberbach.
Am 22.Juni früh Morgens brach im Dorfe Biberbach, LG Dachau plötzlich Feuer aus, welches vom Winde angefacht so schnell um sich griff, daß binnen einer Stunde 13 Familien all ihrer Wohn-, Oeconomie Gebäude und auch fast all ihrer übrigen Habseligkeiten beraubt wurden. Unter diesen Unglücklichen befindet sich einer, welcher nun schon zum drittenmale vom Feuer heimgesucht worden ist. 3 Knechte verloren dabey ihr Leben, mehrere andere wurden bedeutend beschädiget. Da nun diese Unglücklichen gewiß einer Hülfe bedürfen, die Umgegend aber durch das Unglück, welches vor Kurzem Vierkirchen getroffen hat, bedeutend in Anspruch genommen worden ist, so werden menschenfreundliche Herzen gebeten, auf was immer für eine Weise diesen Unglücklichen beyzuspringen.
A.Braun, Coop. (Hab ja bereits begonnen. Die Landbötin). "


Beschreibung Biberbachs 1844
27)
im Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte
, die im Verlag des Historischen Vereins veröffentlicht wurde.
Wenn Sie die Beschreibung, die sich vor allem mit der mittelalterlichen Herrschaft über Biberbach befasst, lesen möchten,
klicken Sie hier...



Beschreibung 1874 07)
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Biberbach als Filiale von Vierkirchen enthalten. Zu ihr gehörten 189 Dorfbewohner (Seelen), die in 33 Häusern wohnten. Dazu kamen Gläubige in Hörgenbach 23 (2) und in Unter- u. Mitterwiedenhof 20 (2). Mayer schreibt über die Kirche St.Martin:
  "Erbauungsjahr unbekannt. Feuchte Lage. Presbyterium gothische Reste, Schiff stillos. Geräumigkeit genügend. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre. Keine Orgel. Kein Baptisterium, aber Tauföle. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienste regelmäßig durch den Cooperator (=Kaplan). Stiftungen: 41 Jahrtage u. Jahrtagsmessen sowie 12 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) . Der Mesner wohnt in seinem Hause. Kirchenvermögen 1870: rd. 8400 Gulden.

Sakristeianbau


Beschreibung 1895
09)
Auch in der Buchreihe "Kunstdenkmale des Königreichs Bayern", die 1895 von Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellt worden ist, sind im ersten Band "Kunstdenkmale des Regierungsbezirks Oberbayern"
auch einige Details der Kirche St.Martin in Biberbach behandelt.
 

"Kirche. Restaurirt von Pfarrer Joh. Bapt. Graf Edling von Vierkirchen (1779-1791).
Deckengemälde, bez. 1786: St Martin empfiehlt Biberbach dem Schutze der hl. Dreifaltigkeit.
Das Choraltarblatt: St. Martin reicht dem Bettler die Hälfte seines Mantels, ist (unten auf einer Trinkschale) bezeichnet Deyrer Pinx, f/Sy. Ziemlich unbedeutend.
Innen an der Nordwand des Chores Grabstein mit dem Biberbach'schen Wappen und verwitterter Inschrift; rother Marmor. 16. Jahrhundert. H. 167, br. 58 cm.
Als Thürschwelle zur Sakristei dient ein Grabstein aus dem 15. Jahrhundert mit zwei Wappen und ganz unleserlicher Inschrift. Außen an der Südwand Gedenkstein des Wolff Angermair und seiner Frau ApoUonia, gesetzt 1606. Rother Marmor.
Ueber dem Vorzeichen an der Südwand Christus am Oelberg, Sandsteinrelief, unbedeutend, wohl 17. Jahrhundert.
In der Sakristei Monstranz mit gefälligem silbernem Rankenwerk. Anfang des 18. Jahrhunderts. H. 66 cm.
Litteratur: Mathias Steioberger, die Pfarrei Vierkirchen, München 1879, p. 38 ff., p. 66. Lorenz Westenrieder, Beiträge z. vaterl. Historie IV, p. 294"

Brand 1945 34)
Als im Frühjahr 1945 die Amerikaner in Biberbach einrückten, leisteten einige Leute Widerstand. Die Amerikaner beschossen das Schulhaus, in dem das Ortsarchiv untergebracht war. So kann auf diese Quelle für die Geschichte Biberbachs nicht mehr zugegriffen werden.


Bittgänge
Nach den Eintragungen in den Kirchenrechnungen (z.B. 1695) haben die Biberbacher Bittgänge (Creuzgäng) nach Neufahrn und Taxa verrichtet. Denn die Sänger und Fahnenträger erhielten in der Regel eine kleine Vergütung.

Renovierungen
- 1672 (Überschlag zur Kirchendach- und Kirchturmerneuerung (Sturmschaden) durch Maurermeister Balthasar Mittermair
           aus Haimhausen (+1693)
 19)
- 1706 (Überschlag zur Kirchendacherneuerung durch Maurermeister Georg Wolfgang Weigl aus Vierkirchen
 19))
- um 1940 (Innenrenovierung)
36)


Statistik

In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft, teils auf die Gemeinde, die Pfarrei oder die Filialkirchengemeinde.
1500: Ortschaft mit 31 Anwesen (14 Vollbauern, 4 Kleinbauern, 13 Sölden)
17)
1587: Ortschaft mit 41 Anwesen (11 Vollbauern, 5 Kleinbauern, 25 Sölden)
17)
1760: Ortschaft mit 35 Anwesen (12 Vollbauern, 5 Kleinbauern, 18 Sölden)
17)
1840:
Ortschaft mit 267 Einwohnern
17)
1823:
Ortschaft mit 31 Familien und 200 Einwohnern
17)
1852
: Gemeinde Biberbach mit 51 Familien mit 280 Seelen
05)
1868: Gemeinde mit 281 Einwohnern in 75 Gebäuden in 5 Orten
         Ortschaft mit 214 Einwohnern in 61 Gebäuden; dazu Milbertshofen (34 Einw 7 Gebäude), Wiedenhöfe (29 E., 6 Geb.)
06)
1871: Ortschaft mit 309 Einwohnern
17)
1874: Dorf Biberbach mit 189 Seelen in 33 Häusern, Filialkirchengebiet: dazu Hörgenbach 23 Seelen in 2 Häusern,
         Wiedenhöfe 20 Seelen in 2 Häusern.
07)
1900: Ortschaft mit 355 Einwohnern
17)
1919: Ortschaft mit 363 Einwohnern
17)
1933: Gemeinde mit 350 Einwohnern
33)
1939: Gemeinde mit 319 Einwohnern
33), 17)
1946: Ortschaft mit 460 Einwohnern
17)
1950: Ortschaft mit 471 Einwohnern
17)
1961: Ortschaft mit 340 Einwohnern
17)
1970: Ortschaft mit 360 Einwohnern 17)

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Abschiedsfeiern von Pfarrern oder Fahnenweihen beschrieben. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die derzeitige Kirche liegt am Ostrand des Dorfes in einem ummauerten Friedhof. Sie dürfte -wie so viele Kirchen im Landkreis Dachau- in gotischer Zeit (im 15.Jh) erbaut und im 18.Jh barockisiert worden sein. Im 19.Jh wurde sie mit neugotischen Altären ausgestattet.
Der mit einer Zwiebelhaube gekrönte Turm auf der Westseite ist in seinen Untergeschossen quadratisch; im oberen Teil achteckig. Er ist durch grau gestrichene Lisenen gegliedert. Die im Verhältnis zur Turmlänge hohe Zwiebel ist mit 34.000 Holzschindeln 34) gedeckt. Wann der Turm erbaut wurde, ist mir nicht bekannt. Die Spitze wird durch eine Messingkugel (mit einem Durch-messer von 62 cm 34)) mit aufgesetztem Kreuz gebildet.
Aus der Kirchenrechnung von 1630 ist überliefert, dass er in diesem Jahr verputzt worden ist. 1672 deckte ein Sturmwind das Turmdach ab. 1706 wurde ein Kostenvoranschlag für eine weitere Erneuerung der Eindeckung eingeholt. 1717 wurde der Turm als "sehr baufällig" bezeichnet.

Turmschindeln
In der Glockenstube hängen drei Glocken.
• Eine, die dem hl.Martin geweihte "Kriegergedächtnisglocke, wurde 1922 von der Fa. Halm und Sohn in Landshut,
• die anderen beiden 1902 und 1906 von der Gießerei Bachmair in Erding gegossen.
Über die Glockenweihe am 10.9.1922 hat der Amperbote einen Bericht geschrieben; klicken sie hier...

Leider sind die im Jahr 1560 von Wolfgang Steger aus München gegossenen Glocken für Biberbach mit den Inschriften:
"Wolfgang Steger goß mich - Maria heiße ich" und
in Latein "Den Ehren unserer Frau und Sanct Martin"
nicht mehr erhalten; 1879 hing Letztere noch im Turm
 15). Möglicherweise sind die Glocken im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden. Denn auch die Biberbacher mussten 1917 ihre Glocken zur Abholstation in Dachau abliefern. Gottseidank waren bei Kriegsende noch nicht alle Glocken eingeschmolzen. Die kleinste Glocke hatte überlebt und konnte, -"eigenmächtig" wie es heißt- heimgeholt werden.
Im Erdgeschoß des Turmes auf der Westseite befindet sich das Kirchenportal.


Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen". 28)
An der Südwand hängt ein großes Kruzifix, das mit einem geschwungenen, mit Kreuzorna-menten geschmückten Kupferdach vor Wit-terungseinflüssen geschützt ist. Das Kreuz wurde 1774 aufgestellt. Darauf weist eine Tafel am unteren Ende des Kreuzesstamm mit folgendem Text hin: "Christus segne dieses Gotteshaus. Zur Allg. Mission Anno 1774. Frieden und Freude, Wetter und Segen".
         
Kruzifixe an der Südwand
und am Leichenhaus
 Am Leichenhaus nordöstlich der Kirche ist ein weiteres Kruzifix angebracht. Es ist im Stil der Neoromanik gestaltet und dürfte aus der Zeit des Historismus (Ende 19.Jh) stammen.

In einem walmgedeckten Anbau an der Südseite ist hinter einer vergitterten Nische eine kleine Lourdesgrotte eingerichtet. Mittelpunkt ist eine Figur der Lourdes-Madonna.

Lourdesgrotte
Hinweis: Am 11. Februar 1858 an erschien dem Mädchen Bernadette Soubirous an der Grotte von Massabielle beim Fluss Gave du Pau wiederholt die heilige Maria. Während einer dieser Visionen entsprang in der Grotte eine Quelle, deren Wasser als heilkräftig gilt. Die offiziellen Vertreter der Kirche sahen diese Erscheinungen zunächst mit Argwohn an. Erst nach einiger Zeit glaubten auch Pfarrer und Bischof dem Hirtenmädchen. Als der Pfarrer Bernadette aufforderte, die Erscheinung nach ihrem Namen zu fragen, und Bernadette ihm den Namen "unbefleckte Empfängnis" - ein theologischer Terminus, den Bernadette nach ihrer Meinung nicht wissen konnte - überbrachte, war er von der Authentizität der Erscheinung überzeugt. Bald entstand bei der Grotte ein "heiliger Bezirk" mit mehreren großen Kirchen und einem Prozessionsplatz. Der Ort zieht seither Millionen von Pilgern an, darunter viele Kranke, die sich vom vermeintlich wundertätigen Wasser Heilung versprechen. Tatsächlich kommt es immer wieder zu Spontanremissionen und angeblichen Wunderheilungen.
In die Südmauer ist ein 53 x 50 cm großes Epitaph, eine Steinplatte aus Rotmarmor zum Gedenken an einen Verstorbenen eingelassen. Die Sandsteinplatte wurde 1606 zum Andenken an die Familie Angermair, die auch einen ewigen Jahrtag gestiftet hat, erstellt.

Epitaph v. 1606
 

Sakristei
Die mit einem Kreuzgewölbe versehene zweigeschossige Sakristei wurde 1672 angebaut.
Als Türschwelle vom Altarraum zur Sakristei dient ein Grabstein aus dem 15. Jahrhundert mit zwei Wappen und ganz unleserlicher Inschrift 09).
Hinweis: In der Sakristei werden die Paramente (Messgewänder) und die für die Kirche benötigten Gerätschaften aufbewahrt. In der Sakristei ziehen sich Priester und Ministranten vor dem Gottesdienst die liturgischen Gewänder über. Im Begriff Sakristei steckt übrigens das lateinische Wort "sacer", mit der Bedeutung "heilig, geweiht".

1954 wurde die Kirche renoviert.

Innenausstattung

Altarraum

Der gotisch überwölbte und gelb bemalte Altarraum mit rosa Stichkappen ist etwas eingezogenen und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Er ist mit seinen drei schmalen Achsen nahezu ebenso lang wie das Kirchenschiff.
In gotischer Zeit war der Altarraum, wie vielleicht die gesamte damalige Kirche, mit Wandgemälden überzogen. Einige Reste hat man bei Renovierungsarbeiten freigelegt.

Gemäldereste



Deckengemälde

Das Deckengemälde im zeigt zwei kreisrunde Gemälde, die von einem Kranz von Strahlen umgeben sind. Sie enthalten zwei Buchstabenfolgen, die Christus repräsentieren: Im vorderen Teil IHS und im hinteren Teil die Buchstaben Alpha und Omega.

Deckengemälde
Hinweise: Die beiden Zeichen Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin der Erste und der Letzte, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen auch auf Christus

bezogen um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.

 

Fenster

Die Rundbogenfenster sind mit farbigen Glaseinsätzen und einem umlaufenden Rahmen verziert. Sie enthalten kleine Glasgemälde, die die Herzen von Jesus (mit einem Dornenkranz umgeben) und von Maria (mit einem Kranz von Rosen) darstellen. Die Fenstergemälde dürften aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20.Jh stammen. Die Fensterumrahmung ist noch spitzbogig und stammt aus gotischer Zeit.
Als 1792 der Schriftsteller und Historiker Lorenz Westenrieder Biberbach besuchte, sah er "an den Chorfenstern das in gefärbtes Glas gebrannte Wappen der Herren von Biberbach"
03),10) . Aber das waren noch die Vorgängerfenster.

Fenster mit
Farbglaseinsätzen


Hochaltar / Choraltar

Der 2,50 Meter breite Hochaltar ist neugotisch. Er wurde 1880/90 geschnitzt, mit reichem Maßwerkschmuck an den Nischen und mit Pfeilern und Fialen am Gesprenge (= Bekrönung des Altaraufsatzes).

Der Altar vermittelt einen Eindruck davon, wie die Ausstattung des Chors zu Zeiten seiner Erbauung ausgesehen haben könnte.


Im Verzeichnis der Kunstdenkmale in Bayern von 1895 ist noch das frühere Altarblatt beschrieben, das heute in der Kirche von Giebing hängt:
"St. Martin reicht dem Bettler die Hälfte seines Mantels, ist (unten auf einer Trinkschale) bezeichnet Deyrer Pinx, f/Sy. Ziemlich unbedeutend.


Auf dem Altar stehen unter gotischem Maß- werk-Baldachinen drei gleich große Heiligen-figuren. Alle drei waren zu ihren Lebzeiten Bischöfe. Als solche sind sie auch dargestellt. Die Mittelfigur stammt aus dem 18.Jh., die beiden Assistenzfiguren aus dem Ende des 15.Jh.

St.Martin
St.Korbinian


St.Nikolaus
• Links der hl. Martin, Bischof von Tour
   (mit einer Gans auf der Bibel),
• rechts der hl. Nikolaus, Bischof von Myra
  (mit 3 Goldkugeln);
• In der Mitte. etwas erhöht, der hl.
   Korbinian
Bischof von Freising,
  ( mit dem beladenem Bären).

 

 

 

 

Hinweise: Der hl. Korbinian wurde um 670 bei Melun (Frankreich) geboren, lehrte das Evangelium in Bayern und wurde erster Bischof in Freising. Nach der Legende wurde auf einer Romreise Korbinians Lasttier von einem Bären angefallen. Korbinian zwang daraufhin den Bären, selbst die Last zu ragen. Links ein Bild des Bären mit der Traglast im weißen Tuch mit roten Bändern.

Bär des Korbinian
Martin begegnete als Soldat hoch zu Ross am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler.
Er schenkte ihm die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels. In der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus, mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte. .Martin wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.
Der volkstümliche Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, basiert auf dem Martins-tag als Hauptzinstag: Am Martinstag begann das neue Wirtschaftsjahr des Bauern. An das Gesinde wurden die Löhne bezahlt, Pachtverträge geschlossen und Steuern abgeführt, Knechte und Mägde konnten, wie an Licht-mess, den Dienstherrn wechseln. Zu Martini wurde das Vieh geschlachtet, das aus Kostengründen nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden konnte: dazu gehörten die Gänse.
Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Eine weit verbreitete Legende erzählt, Nikolaus habe einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, geholfen, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution bewegen musste.

Das Antependium des Hochaltars ist durch Säulen gegliedert und in den Säulenzwischenräumen mit Gemälden geschmückt. Sie zeigen Opfer-Themen aus dem Alten Testament. Die Bilder wurden mit Ölfarbe auf Blech gemalt.

Links das Opfer des Melchisedek. Vor dem Hintergrund der Stadt Jerusalem begrüßt der Priesterkönig Melchisedek  den Abraham, der mit einem Speer be-waffnet, von einem Kampf zurückkehrt. Auf einem Steinaltar stehen schon die Gaben für das Dankopfer bereit: Brot und Wein. 
  
Melchisedek - Opferung des Isaak - Moses mit Schlange
Das rechte Bild zeigt Moses, vor dem auf einer Säule befestigten Schlangenbildnis aus Erz. Im Vordergrund winden sich  mehrere  Israeliten auf der Erde, die von roten Schlangen angefallen werden. Im Hintergrund sieht man tote Menschen liegen.
  In der Mitte des Antependiums wird die Beinahe-Opferung des Isaak durch seinen Vater Abraham  gezeigt. Abraham holt mit dem Dolch zum tödlichen Stich gegen seinen Sohn Isaak aus, der verängstigt vor dem Opferaltar kniet. Vom Himmel stürzt sich förmlich ein Engel dem Abraham entgegen und fällt ihm in den Arm. Im Dornengestrüpp auf der linken Seite hat sich das spätere Opfertier, ein Widder mit seinen Hörnern verfangen.  


Opfer des
Melchisedek


Abraham u.Isaak


Moses u. die
eherne Schlange

Hinweise: Melchisedek war zu Zeiten Abrahams Priesterkönig von Salem (=Jerusalem). Er segnete den Abraham, als der von seinem Sieg über Kedor-Laomer zurückkehrte und brachte im anschließenden Dankopfer für den Sieg Brot und Wein als Opfergaben dar (Gen. 14,18-20). Wegen der Übereinstimmung der Opfergaben wurde er im Christentum als Vorläufer von Christus angesehen. In der christlichen Kunst soll die Darstellung des Opfers des Melchisedek auf die lange Tradition des Messopfers mit Brot und Wein hinweisen.


Der Name Abraham ist abgeleitet von dem nordsemitischen Namen Abram, volksetymologisch gedeutet als "Vater einer Menge" (Nachkommen). Abraham wurde von Gott auf die Probe gestellt und sollte seinen einzigen (legitimen) Sohn Isaak opfern. Als Abraham tatsächlich den Isaak als Opfer darbringen wollte, griff Gott ein und wies Abraham an, anstelle des Knaben einen Widder zu opfern, der sich im Gestrüpp verfangen hatte. Neben der Aussage, dass Gott keine (damals übliche ?) Menschenopfer wünscht, wird die Begebenheit als Vorbild für den Opfertod Christi (Gott opfert seinen einzigen Sohn) gesehen.

Die Geschichte, die auf dem rechten Bild dargestellt wird (Moses und die eherne Schlange), ist in der Bibel (Buch Numeri 21, 4-9) aufgezeichnet. Auf dem langen Weg durch die Wüste murrten die Israeliten über Jahwe und über Moses. Zur Strafe schickte der Himmel feuerrote giftige Schlangen, an deren Bissen viele starben. Moses betete für sein Volk, und Gott befahl, eine eherne Schlange zu gießen und an einem Pfahl zu befestigen; beim Anblick dieses Zeichens würden Gebissene am Leben bleiben. Die Eherne Schlange aus dem Alten Testament wird gern der Kreuzigung Christi des Neuen Testaments gegenübergestellt. Den Legenden nach soll das Holz, an dem die Eherne Schlange befestigt war, von jenem Baum stammen, der auf das Grab Adams gepflanzt worden war. In weiterer Folge soll das Holz im Jerusalemer Teich (Bethesda) gelegen und schließlich an die Oberfläche gestiegen sein, wo es dann der Legende nach zur Herstellung des Kreuzes Christi verwendet wurde.


Tabernakel am Hochaltar

Neugotisch wie der Altar ist auch der zweistöckige Tabernakel. Dem Stil entsprechend ist er mit vielen Türmchen und Spitzen farbenfroh verziert. Zwei Anbetungsengel stehen in seitlichen Nischen.
 
Tabernakel
Der Tabernakel scheint geradezu für den Altar in Biberbach geschaffen worden sein. Dabei stand er bis 1939 in der barocken Kirche von Pasenbach. Als die Pasenbacher einen barocken Tabernakel kaufen konnten, kam er hierher nach Biberbach, wo er stilistisch viel besser passt.
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Maria und Gabriel
Zu beiden Seiten des Tabernakels, in der Predella des Altars, sind weitere Bilder - mit Szenen aus dem Marienleben -zu sehen. Auch diese Bilder wurden mit Ölfarbe auf Blechuntergrund gemalt.

Maria u. Elisabeth

Links: Die Verkündigung Mariens. Ein weiblich wirkender und in das Gewand eines Diakons gekleideter Engel Gabriel  (hebräisch=Stärke Gottes) erscheint bei Maria. Er schwebt auf Wolken und hält in der Hand eine Lilie als Zeichen der Keuschheit und Unversehrtheit. Maria  kniet vor einem Lesepult und hält ein Buch, in dem sie soeben gelesen hatte, in der Hand. Üblicherweise ist es die Seite der Bibel, auf der geschrieben steht: "siehe eine Jungfrau wird empfangen"(Jesaja 7:14).
Maria -mit offenem langem Haar- hat fast mädchenhafte Züge. Sie blickt zu Boden und scheint sich auf die Worte des Engels zu konzen-trieren. Über der Szene schwebt eine Heilig-Geist-Taube und sendet Gnadenstrahlen auf Maria herab.

Rechts: Mariä Heimsuchung. Maria besucht ihre schwangere Base Elisabeth, die den späteren Johannes den Täufer im Leib trägt. Die in die traditionellen Farben rot und blau gekleidete Maria (mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken) steht am Hauseingang. Elisabeth kniet vor Maria und streckt die Hände fast abwehrend aus. Neben Elisabeth steht ihr Mann Zacharias. Josef, der Begleiter Mariens, wartet vor dem Tor.
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..)

Früher Choraltar:
Der um 1645 vom Bildhauer Konstantin Pader und dem Maler Thomas Holzmair (Fassung)
35) errichtete Barockaltar hat sich leider nicht mehr erhalten.
Wegen der Finanzierung hatte Pader einen Brief an den Gerichtsschreiber Jakob Berchtold geschrieben. Lesen sie hier...
Das Altarbild mit dem hl. Martin von dem Maler Joh.Bapt. Deyrer (1738-1789) kam um 1920 nach Giebing.

Altes Altarbild-1787


Epitaph im Altarraum

Epitaph v. 1466

In die linke  Chorwand ist ein 163 x 56 cm großes Epitaph (Rotmarmor) aus dem Jahr 1466 eingelassen. Die Schriftzeichen sind kaum noch lesbar. Es handelt sich wahrscheinlich um die Grabplatte für einen der Burgherren von Biberbach. Darauf deutet das Wappen mit dem stilisierten Biber im unteren Teil des Epitaphs hin, das jedoch ebenfalls mehr zu erahnen als zu sehen ist.

Beichtstuhl

Im Altarraum steht rechts ein neugotischer Beichtstuhl aus Eichenholz geschnitzt mit feuerroten Vorhängen (Höhe 255 cm, Breite 210 cm). Er ist oben mit Zinnen und Fialen bekrönt. Der spitzbogige Mittelteil, in dem der Priester sitzt, wird durch zwei filigrane Säulchen begrenzt. Die Seitenteile für die Beichtenden haben Flamboyantbögen (= überlängerter Bogen, der an Flammen erinnern soll). Der Beichtstuhl wurde um 1880/90 erstellt.
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser beson-ders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Ein-richtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem

Beichtstuhl
Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und
Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh.20,22) zurück.

 

Am Chorgestühl, beim Zugang zur Sakristei, das erst vor wenigen Jahrzehnten erstellt wurde, ist das Biberbacher Wappen (mit einem aufrechtem und einem sitzenden Biber) aufgemalt. Leider ist es schon nach so kurzer Zeit verblasst.
Der Biber war das Wappen des Edelgeschlechts der Biberbacher.
27)


Zelebrationsaltar


Der neue Zelebrationsaltar wurde vom bekannten Fassmaler Wagner aus Prack dem neugotischen Stil des Hochaltars angepasst. Wagner hat auch in den Kapellen von Oberhandenzhofen, Albersbach, Durchsamsried und Höfa sowie in der Kirchen von Ebertshausen und Weyhern Gemälde erstellt.


Zelebrationsaltar
An seiner Front- und seiner Rückseite befinden sich intensiv-blaue Felder mit einem Kreuz im Strahlen-kranz.   
Der Altar wurde in den 1970er Jahren aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
 
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar 32).

Der Altarraum und das Kirchenschiff (Langhaus) werden durch einen spitz zulaufenden Chorbogen getrennt. Er bildet den Abschluss des vorderen gotischen Teils der Kirche. Der Bogen ist derzeit nur durch Lisenen strukturiert; ältere Aufnahmen zeigen, dass er früher auf der Innenseite und der dem Kirchenschiff zugewandten Seite mit Ornamenten und Schriftbändern bemalt war.


T
aufstein

Am Chorbogen steht der 88 cm hohe Taufstein aus grauem Marmor in Kelchform mit einem spitz zulaufenden Bronzedeckel. Er wurde im Jahr 1925 erstellt. In den Stein sind die Worte: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen" graviert. Es sind die Worte, die bei der Taufe gesprochen werden.

Taufstein
Auf dem Deckel sind acht eingravierte Dreiecke mit gleichschenkligen Kreuzen zu sehen.

Taufsteine in Filialkirchen sind selten; meist werden die Kinder in der Pfarrkirche getauft.

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament.

 

Kirchenschiff / Langhaus

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.

Decke

Die Flachdecke des Kirchenschiffs (Langhaus) zeigt eine einfache Felderteilung durch Stuckrahmung aus der Zeit um 1785. In das mittlere Feld ist ein ebenfalls von Stuckrahmen umgebenes kreisrundes Fresko gemalt, das das göttliche Auge im Dreiecks-symbol zeigt.

Deckengemälde im Chor
Im Rahmen wird ein übertünchtes Fresko von Deyrer (1786) vermutet, mit dem Bild "St. Martin empfiehlt den Ort der hl Dreifaltigkeit".
Hinweis: Das Auge im Dreieck ist eine Darstellung der "Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit". Dieses Motiv hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.


Das Kirchenschiff wird über vier Rundbogenfenster erhellt. Das künstliche Licht kommt von einem großen Leuchter mit acht (elektrischen) Kerzen.


Seitenaltäre

Linker
Seitenaltar
Die 2,10 Meter breiten, rot, grau und grün marmorierten Seitenaltäre stammen aus der Zeit um 1660 (andere Quelle: 1710). Sie sind sog. Säulenretabeln, d.h., der Altaraufbau ist von Säulen flankiert, die das Gebälk tragen. Säulen in der Kirche haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb ist die Säule vor allem an Altären eine beliebte Bauform.
Die in der Zeit um 1710/20 gemalten Altarblätter (Öl auf Leinwand -je 180 x 120 cm) befinden sich in Mittelnischen; darüber ein Putto. Die Auszugsbilder sind von seitlichen Pilastern umgeben. Auf den Sprenggiebeln sitzen große Engel.

Rechter Seitenaltar

 

Linker Seitenaltar

 
'
Marienmonogramm
Als Spitze des Altars ein Marienmonogramm im Strahlenkranz. Die Buchstaben M, R, I und A sind ineinander geschrieben. Sie sind die Buchstaben, aus denen sich der Name "Maria" zusammensetzt.
Altaraufsatz
Im Auszug des linken Seitenaltars ein Ölbild der hl. Barbara (1660), flankiert durch zwei Volutenengel u. einen Puttenkopf. Barbara ist in ein wallendes Gewand gehüllt und trägt eine Krone auf dem Haupt. In der Hand hält sie einen Kelch. Im Hintergrund ist ein Turm mit drei Fenstern zu sehen.


St.Barbara
Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als
  Zeichen der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Vor dem Tod bat Barbara Gott, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
Mittelteil
Das Altarblatt auf dem linken Seitenaltar zeigt Mariä Heimsuchung. Elisabeth, die Base Marias, stützt ihren Sohn Johannes, den späteren Täufer, der auf ihrem Schoß steht. Maria, mit Blumen gekränzt, liebkost den Arm ihres Neffen. Im Hintergrund betritt St.Josef, mit einer Lilie in der Hand, das Zimmer.

Maria u.Elisabeth
Hinweis: Nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden ihre Namen in Marien-legenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die Verehrung von Joachim und Anna. Die Schäferschaufel Joachims führt zum apokryphen Jakobusevangelium, nach dem ihm ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete.
 
Auf der Predella ein eindrucksvolles Vesperbild (Pieta) aus dem 17.Jh. Die Muttergottes beugt sich mit schmerzerfülltem Gesicht über den auf ihrem Schoß liegenden Jesus. Ein Bild von Mutterliebe und Mutterleid. Der Leichnam ist dennoch so gelagert, dass alle fünf Wunden sichtbar sind und verehrt werden können. 18)

Vesperbild -17.Jh.
..mehr zu Pieta -Darstellungen in den Kirchen des Landkreises Dachau ....
 


Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietas in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper.18) Der Begriff "Pieta" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.


Rechter Seitenaltar


An der Spitze dieses Altars ein Jesus-monogramm im Strahlenkranz bzw. umgeben von Feuerzungen.
Über dem Monogramm ein Kreuz, unter dem Monogramm drei Nägel; beides weist auf die Kreuzigung hin.


Jesusmonogramm
Hinweise: IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen
Namens Jesus (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" verstanden; das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen". 
Altaraufsatz
Im Aufsatz ist zwischen zwei Volutenengeln und einem Puttenkopf ein Ölbild der hl. Katharina (um 1660) zu sehen. Die in wallende Gewänder gehüllte Heilige wird auf einer Grünfläche vor einer Burg dargestellt. Ihr Haupt mit einer kleinen Krone wird von einem Heiligenschein umgeben.
' St.Katharina - 1660
In der Hand hält Katharina den Märtyrerpalmzweig. Zu ihren Füßen liegt ein Teil des Marterrads, das bei ihrem Martyrium zerbrochen ist. Im mächtigen Gewölk hat sich eine Lücke aufgetan, durch die das Jesusmonogramm IHS scheint.
 
Hinweis: Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.
Mittelteil

Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist das Altarbild, das das Martyrium des hl. Bartholomäus zeigt. Vor dem Hintergrund einiger Ruinen legen die Henker den Heiligen auf eine Bank, um ihm danach die Haut abzuziehen. Im Vordergrund stehen edle Herren, die die Szene interessiert betrachten. Hinter den Henkern eine bewaffnete Schar.


St.Bartholomäus
Auch Bartholomäus war einer der 12 Apostel und zog nach dem Tod Jesu als Missionar durch Armenien, Indien und Mesopotamien. Er wirkte zahlreiche Wunder und heilte Kranke. Unter den Geheilten war auch die Tochter des armenischen Königs. So konnte die königliche Familie für das Christentum gewonnen werden. Der Bruder des Königs jedoch hetzte die Priester des alten Glaubens gegen Bartholomäus auf, ließ ihn gefangen nehmen und foltern und schließlich zu einem besonders grausamen Tod verurteilen:
  bevor Bartholomäus gekreuzigt wurde, hat man ihm mit einem Messer die Haut abgezogen. Deshalb wird er oft mit einem Messer dargestellt. Das Häuten bei lebendigem Leib war damals im Persischen Reich eine der üblichen Todesstrafen.
Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.
Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrers über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo. 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".
Altartisch
Auf dem Altar noch die Figur eines sitzenden Schmerzensheilands aus dem 16. Jh. (andere Quelle: 18.Jh), eine sog. Darstellung des sog. Christus auf der Rast (Jesus rastet vor der Kreuzigung). Er hält sein Haupt mit der Hand und stützt den Arm auf seinem Knie ab.

Jesus auf der Rast
Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Kollbach, Haimhausen, Bergkirchen, Kleininzemoos, Röhrmoos, Rumeltshausen und Westerholzhausen.
Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen
  und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letztere stellen Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".

Kanzel Florian Kreuzwegstationsbilder Kruzifix aus dem 17.Jh Vortragskreuz aus dem 18.Jh Opferstock Sebastian Taufstein Ölbergrelief Deckengemälde und Leuchter Zelebrationsaltar Apostelfigur

per Mouseklick zu den Beschreibungen
Kanzel

Die barocke Kanzel entstand um 1670 (andere Quelle: 1710). An der Rückseite (Dorsale) sind die Gesetzestafeln Mose mit den 10 Geboten bildlich dargestellt. Der sechsseitige Kanzelkorb aus marmoriertem Holz ist mit Rocaille-Flachschnitzereien verziert, der schwere Schalldeckel mit zahlreichen Profilen und vier Voluten bekrönt. 
Hinweis: Die Predigt wurde in altchristli-cher Zeit -ähnlich wie heute- von einem

Kanzel 1670
Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man
Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.

Kruzifixe

An den Seitenwänden hängen 3 Kruzifixe.
- Hinten links ein Kruzifix aus dem 17. Jh. (andere Quelle:  18.Jh)
- Gegenüber hängt ein Vortragekreuz aus dem 18.Jh.
- Das größte Kreuz ist das sog. Kanzelkreuz an der Mitte
   der rechten Wand. (18.Jh). Die Füße des Corpus Christi
   sind seitlich gebeugt.

Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

Mater Dolorosa

Eines der markantesten Bildnisse in der Biberbacher Kirche ist die unter dem Kanzelkreuz stehende Mater dolorosa mit großer Krone auf dem Haupt (18.Jh). In der Brust Mariens steckt ein Schwert. Dieses Schwert erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Die Schmerzensmutter ist umgeben von einem mantelartigen, grünen Baldachin nach Art eines Ziboriums. Der Baldachin, der die Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt hervorhebt, wird von sechs Putten gehalten.


Mater dolorosa
Drei dieser Putten tragen Leidenswerkzeuge (Arma Christi) in den Händen:
• links oben ein Engel mit einer Beißzange
• darunter ein Engel mit den Leinenbällchen auf einer Ysopstange, die -in Essigwasser getaucht- Jesus
   am Kreuz als Mittel gegen den Durst angeboten worden waren und
• rechts oben ein Engel mit einer Lanze in der Hand, die an den Lanzenstich des römischen Soldaten Longi-
  nus in das Herz Jesu nach dessen Tod erinnert ("und sogleich floss Blut und Wasser heraus"-Joh 19,33-35).
   Damit wurde bezeugt, dass Jesus tatsächlich tot war.


Engel mit Leidenswerkzeugen

  Hinweis zum Ysop-Schwamm mit Essigwasser:
Der 60 cm hohe Ysop ist ein aromatisch duftender Halbstrauch mit meist blauen Blüten. Er gehört zu den Mysterienpflanzen des Altertums und wird im Mittelmeerraum seit etwa 2000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Personen und Dinge, die mit einem Leichnam in Berührung gekommen waren, wurden mit dem Ysopbüschel besprengt. "Reinige mich mit Ysop und ich werde frei von Schuld sein" steht in der Bibel (Psalm 51,7). In der frühen christlichen Tradition war Ysop Symbol für die Taufe. Der essiggetränkte Schwamm, mit dem Jesus am Kreuz gelabt wurde, war auch auf einen Ysopstengel gesteckt. Der 60 cm hohe Ysop findet an vielen Stellen der Bibel Erwähnung. Bis heute weiß man aber nicht, ob es sich dabei um das selbe Kraut handelt, das wir zur Zeit unter diesem Namen kennen. Dass dem sterbenden Jesus am Kreuz Wasser mit Essig vermischt gereicht wurde, war für diese Zeit üblich. Leicht gesäuertes Wasser wurde viel getrunken. So erhielten z.B. die Soldaten auf ihren Fußmärschen größere Mengen verdünnten Weines oder Weinessigs. In der Passionsgeschichte ist deshalb davon auszugehen, dass die Soldaten Jesus das Getränk reichten, das sie gerade zur Verfügung hatten. 29 )


Heiligenfiguren an den Seitenwänden des Kirchenschiffs

In Nischen stehen barocke Halbfiguren der Heiligen Sebastian (mit Pfeilen in der Hand)  und Florian (mit Wasserschaff und Siegesfahne) aus der Zeit um 1720.

St.Sebastian
1720
Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.  

St.Florian
1720

Jünger sind die Figuren der Heiligen Franz Xaver und Katharina (mit dem zerbrochenen Marterrad). Sie stammen aus der Zeit um 1890 und dürften mit der neugotischen Ausstattung des Altarraums in die Kirche gekommen sein.


St.Franz Xaver
1890

 

 

Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Am 3. Dezember 1552 starb der Heilige auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission.
Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.


St.Katharina
1890


Aus dem 20.Jh stammt die Figur des hl.Konrad von Parzham in Franziskanerkutte mit Schlüsseln in der Hand.
  Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.

Konrad von Parzham
20.Jh

 
Apostelleuchter und Apostelfiguren

An den Seitenwänden über die ganze Kirche verteilt sind die Apostelleuchter mit einem an die Wand gemalten Kreuzzeichen als Plakette. Aus den Winkeln der Kreuzbalken wachsen Blüten heraus. Es sind stilisierte Lilien. Lilien und Kreuz sollen Schöpfung und Erlösung symbolisieren.

Apostelkreuze
Hinweis: Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Eine Besonderheit der Kirche sind die über den Apostelleuchtern angebrachten Büsten der 12 Apostel angebracht. Sie wurden gegen Ende des 18.Jh geschnitzt.
  Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias kam nach dem Tod von Judas hinzu; Paulus erhielt die Apostelwürde im Jahr 258 zuerkannt. In der Biberbacher Darstellung der 12 Apostel wird Paulus ein Platz eingeräumt; Matthias, der nachgewählte Apostel wird weggelassen.

Andreas mit Balken des sog. Andreaskreuzes.

Andreas
Der Apostel Andreas war der Bruder des Simon Petrus, wie dieser von Beruf Fischer; er stammte aus Bethsaida (Johannesevangelium 1, 14) oder Kapernaom (Markusevangelium 1, 29), Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief; zuvor war er Anhänger Johannes', des Täufers (Johannesevangelium 1, 35 - 40). Nach Jesu Himmelfahrt lehrte er in Griechenland und wirkte zahlreiche Wunder. Als er die Frau des röm.Statthalters Ägeas zum Christentum bekehrte und ihr eheliche Enthaltsamkeit anriet, ließ ihn Ägeas an ein X-förmiges Kreuz binden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb.

Bartholomäus

Bartholomäus
zog nach dem Tod Jesu als Missionar durch Armenien, Indien und Mesopotamien. Er ist in der Biberbacher Kirche auch auf dem Altarbild des rechten Seitenaltars zu sehen (Lebensbeschreibung dort).

Jakobus der Ältere mit Muschelpailletten an den Schultern


Jakobus d.Ältere

 

 

 

Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Apostels Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.

Jakobus der Jüngere


Jakobus d.Jüngere
In der kirchlichen Tradition werden die Lebensdaten von zwei Heiligen mit Namen Jakobus zu einer Vita vermischt. Jakobus der Jüngere, der Sohn des Alphäus war Apostel. Über seinen weiteren Werdegang nach Christi Himmelfahrt ist nichts bekannt. Vielleicht war das der Grund, ihm das Martyrium zuzuschreiben, das Jakobus, der "Bruder des Herrn" und spätere Bischof von Jerusalem erleiden musste. Der wurde im Jahr 62 von der Mauer Jerusalems gestürzt und mit einer Walkerstange (für die Filz-Herstellung) erschlagen.

Johannes, der sog. Lieblingsjünger Jesu. Er ist der einzige Apostel, der ohne Bart abgebildet ist.



Johannes

 

Dies soll auf seine Jugend hinweisen. Üblicherweise wurden früher erfolgreiche Männer immer mit starkem Bartwuchs dargestellt, auch wenn dies in Wirklichkeit nicht zutraf. Der Bartwuchs war damals Symbol für Alter, Weisheit und Würde sowie für Männlichkeit und Stärke.
Johannes der Apostel und Johannes der Evangelist werden in der Überlieferung und in der Kunst häufig gleichgesetzt, obwohl es sich um zwei verschiedene Personen handelt. Der Apostel Johannes, der unter dem Kreuz stand, war der Bruder des Jakobus' des Älteren und von Beruf Fischer. Er war erst Anhänger Johannes' des Täufers und wurde dann Jesu "Lieblingsjünger" (Joh.19, 26). 

Matthäus
mit einer Hellebarde in der Hand.



Matthäus

Matthäus hieß ursprünglich Levi. Die ersten drei Evangelien erwähnen, dass er Zöllner in der antiken Hafenstadt Kapernaum war - also einer der von den Juden verachteten - weil im Dienst der römischen Besatzungsmacht stehenden - Steuereintreiber. Markus nennt ihn "Levi, den Sohn des Alphäus" (Markusevangelium 2, 14), Den Namen Matthäus erhielt er von Jesus. Im Neuen Testament wird nur erwähnt, dass er einer der zwölf Apostel war (z.B.Luk. 6, 15). Matthäus soll bis zum Jahr 42 das erste Evangelium geschrieben haben. Danach zog er nach Parthien um das Evangelium zu verkünden. Dort wurde er am Altar von rückwärts mit dem Schwert oder mit der Hellebarde erstochen. Die Redensart "es ist Matthäi am letzten" ist seit dem 16. Jahrhundert verbreitet und meint, der Betreffende habe bald kein Geld mehr - das bezieht sich auf Matthäus' Beruf als Steuereintreiber.

Petrus mit den beiden Himmelsschlüsseln. Diese sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.



Petrus

Petrus: Der Fischer Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach der Himmelfahrt Jesu hatte Petrus zusammen mit Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt.  Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, wirkte dort als Leiter der Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod indem er  auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero umgekehrt ans Kreuz geschlagen wurde. Die Petrusbriefe im Neuen Testament dürften nicht von Petrus stammen. Seine Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom direkte Nachfolger des Petrus sind. Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen. Petrus schließt in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor auf. Diese himmlische Rolle macht ihn zum "Wetterheiligen".


Philippus


Philippus
Philippus wurde, ebenso wie das Brüderpaar Andreas und Petrus, von Jesus in Bethsaida zum Jünger berufen. Vor der Speisung der Fünftausend stellte Jesus ihn auf die Probe (Joh.6, 5-7)
Bibeltext: "Als nun Jesus die Augen aufhob und sah, daß eine große Volksmenge zu ihm kommt, spricht er zu Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, daß diese essen? Dies sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er selbst wußte, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, daß jeder auch nur ein wenig bekomme".
Philippus nahm am Abendmahl teil und wurde dabei von Jesus gerügt, weil er dessen Sendung offenbar noch immer nicht verstanden hatte (Joh.14, 8 - 9). Nach der Legende predigte Philippus 20 Jahre lang in Skythien. Dort wirkte er Wunder, vertrieb einen Drachen, erweckte Tote und heilte Kranke. Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Deshalb wird er häufig mit einem Kreuzstab dargestellt. Manchmal trägt er einen Brotlaib, um an das neutestamentliche Wunder der Brotvermehrung zu erinnern.

Simon mit Säge


Simon

Simon trägt den Beiname "Zelotes", deutsch "der Eiferer" - weil er der politisch radikalen Bewegung der Zeloten angehörte, die gewaltsam die römischen Fremdherrscher aus Israel vertreiben wollte. Das Neue Testament nennt ihn in Aufzählungen der 12 Jünger (z.B.Mk. 3,18) besondere Erwähnung findet er hier sonst nicht.  Manche Überlieferungen nennen Simon als Apostel unter den Juden und erzählen von seinem Martyrium, er sei zersägt worden (deshalb die Säge als Attribut). Die Legende nennt Simon und Judas Thaddäus Brüder von Jakobus, dem Jüngeren, Söhne des Alphäus und der Maria Kleophas. Nach der Legenda Aurea wirkte Simon in Syrien und Mesopotamien zusammen mit Judas Thaddäus, dann in Persien. Nach zahlreichen Wundertaten, mit denen sie die Machtlosigkeit der Zauberer bewiesen und die Abgötter stürzten, entfachten die Zauberer im Lande einen Aufstand der Priester, die beide Apostel erstachen, nach anderen Legenden enthaupteten oder Judas mit einer Keule, Simon mit einer Säge zu Tode martern ließen. 


Judas Thaddaeus 

Judas Thaddäus
Judas Thaddäus war einer der Jünger Jesu; er ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Judas Thaddäus wird im Neuen Testament sonst nur einmal erwähnt im Johannesevangelium (14, 22) mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den Jüngern und nicht der ganzen Welt offenbare. Nach anderen Überlieferungen wirkte Judas in Babylon. Dort forderte er mit Wundertaten die örtlichen Zauberer heraus, die Judas mit einer Keule erschlagen ließen.

Thomas mit Lanzenspitze.


Thomas
Thomas war bis zu seiner Berufung als Jünger Fischer. Thomas wird in den Apostellisten aller vier Evangelien erwähnt, so auch im Bericht über das Abendmahl (Johannes 14, 1-7). Berühmt wurde Thomas durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: "Mein Herr und mein Gott!". Nach der Legende soll Thomas der Zwillingsbruder Jesu sein. Nach der Auferstehung hat er in Indien missioniert. In Madras wurde er von feindlich Gesinnten mit einer Lanze ermordet. Die Thomas-Christen in Indien sehen ihn als Gründer ihres Bekenntnisses an.

Paulus


Paulus
Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Er verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer   Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wieder entdeckt. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben.  Im Jahr 258, noch zu Zeiten der römischen Christenverfolgungen, wurde ihm durch die Urkirche die Apostelwürde verliehen.
 


Kreuzweg-Stationsbilder

Die 61 x 54 cm großen Bilder der Kreuzwegstationen (Öl auf Leinwand) hängen über die gesamte Kirche verteilt an der Außenwand. Der weiße Rahmen im barocken Stil wurde zum Teil und nur unvollständig übermalt. Es sind noch die Kreuzwegbilder, die Pfarrer Gröbmayr im Jahr 1757 in der Kirche aufstellen ließ. Nach der Chronik von Pfarrer Steinberger 1879 war dies der erste Kreuzweg in der Kirche.


Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstationen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich. Max Gruber schreibt aber in seiner Chronik von 1979 (ohne Quellenangabe), ein Kreuzweg sei bereits um 1700 erwähnt. Ob der aber in der Kirche hing oder außerhalb aufgestellt war, ist nicht bekannt.

 


Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidens-geschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidens-weg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbe-sondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert,
der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.
1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...

Die Kirchenbänke sind neu. Die gedrechselten Wangen werden durch Kreuze geschmückt.

  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Eine Ausnahme macht bei uns die Kirche in Altomünster; dort ist die rechte Seite die Frauenseite. Grund dafür ist, dass im bis 1803 bestehenden Gemeinschaftskloster Altomünster die Frauen das Sagen hatten.
Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch in Biberbach (links Mariä Heimsuchung, rechts St.Bartholomäus).


Sandsteinrelief

An der Innen-Westseite der Kirche ist ein übermaltes Sandsteinrelief "Christus am Ölberg" (16.Jh) einge-mauert, das früher an der Kirchenaußenwand ange-bracht war. Die Verlegung nach innen soll der starken Verwitterung, der der Sandstein ausgesetzt ist, entgegenwirken. 

Sandsteinrelief
Jesus betet am Ölberg, während die drei Jünger, die ihn begleiten, schlafen. Aus dem Himmel segnet Gottvater seinen Sohn.
Im Verzeichnis der Kunstdenkmale in Bayern von 1895 ist darüber zu lesen: "Ueber dem Vorzeichen an der Südwand Christus am Oelberg, Sandsteinrelief, unbedeutend, wohl 17. Jahrhundert." 09)


Opferstöcke


Opferstock
An der Emporentreppe ist ein rustikaler Opferstock aus der Zeit um 1700 befestigt. Er ist mit Eisenbändern und massiven Vorhängeschlössern gesichert. Der Name rührt daher, dass der Opferstock aus einem großen ausgehöhlten Holzstock besteht, der von Eisenblechen umgeben ist.
Ein weiterer Opferstock an der Westwand aus Eisen stammt aus dem Ende des 19.Jh.
Er ist mit den Worten "Liebesgaben für den hl.Vater" beschriftet.

kleiner Opferstock
                  In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke.
Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Orgel

Auf der Empore steht ein zweimanualige elektronische Orgel, mit dem der Gesang der Gläubigen begleitet wird.
Die Lautsprecher sind in die Emporenbrüstung eingebaut.

Orgel
 

In die Rückwand  ist eine Stifterplatte des Wolf Angermair und seiner Frau Apollonia eingelassen (1606).


Portal

Türbeschlag
Der Eingang liegt unter dem Kirchturm auf der Westseite. Die Eingangstüre ist noch mit schönen, fast 200 Jahre alten Beschlägen und mit einem rustikalen Türschloss aus dem 19.Jh ausgestattet, das in seiner Funktion von einem modernen Schloss unterstützt wird.

Türschloss

Weihwasserbecken

Interessant ist auch das Weihwasserbecken aus Stein vor dem Eingang.

Weihwasserbecken
 

Hans Schertl

Quellen:
01) Lorenz v.Westenrieder, Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau,1792
02) Johann Nepomuk Buchinger, Geschichtl.Nachrichten über die ehmalige Grafschaft und das Landgericht Dachau,1844, S.43
         (Zahl aus: Handbuch für Oberbayern 1839)
03) Joseph von Obernberg, Reisen durch das Königreich Baiern,
S.397, 1816
04) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
05) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
06) Heyberger, Landes- und Volkskunde des Konigreichs Bayern ,1868
07) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
08) Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
09) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
10) Lorenz Westenrieder, Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau, 1792 S. 54
11) Max Gruber, Ein Brief Konstantin Paders, Amperbote 1971 (1645)
12) Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen u. Adelsgräber-Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
13) Dr. Gerhard Hanke, Festschrift 1200 Jahre Vierkirchen, 1979
14) Biberbach weiht sein Kriegerdenkmal Dachauer Nachrichten vom 25.06.1963

15) Wolfgang Lanzinger, Aus der Chronik der Pfarrei Vierkirchen über das letzte Jahrhundert, Amperland 1979
16) Max Gruber, Die Pfarrkirche Vierkirchen und ihre Filialkirchen sowie die Pfarrkirche Giebing, 1979
17) Nikolaus Reichlmayr, Die frühere Gemeinde Biberbach, Amperland 1979
18) Heinrich u.Margarete Schmidt, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 1981 (Pieta 5 Wunden)
19) Max Gruber, Für Dachau u.sein Hinterland bis 1800 tätige Architekten, Bau-u. Maurermeister, Amperl.82 (Mittermair,Weigl)
20) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
21) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
22) Josef Mass, "Das Bistum Freising im Mittelalter" aus dem Buch "Geschichte des Erzbistums Mch+Freising", 1988
23) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1990
24) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
25) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (neuer Kelch 1650, Altarweihen)
26) Röhrmoos Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1998
27) Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, herausgegeben v.historischen Verein von und für Obb.-1844
28) Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
29) Eduard Kopp in Chrismon 06.2007 (Essigwasser)
30)
Glockenweihe in Biberbach, Amperbote vom 23.9.1922
31) Klaus R.Witschel, Vor-u.frühgeschichtliche Siedlungsspuren im Umland v.Röhrmoos, Röhrm.Heimatbl.13 (Urnengräberzeit)
32) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)

33) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verw.Geschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
34) Gregor Schiegl, Zwei Welten in einem Dorf, Dachauer SZ vom 1.9.2017
35)
Max Gruber, Die Künstlerfamilie Holzmair, Amperland 1969/1
36)
Georg Mayr, Erinnerungen an meine Kinderzeit in Biberbach, Röhmooser Heimatblätter 2015
37) Theodor Bitterauf, Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 234, 235, 881, 992,1017,1091,1097,1100,1147,1335)
38
) Die Bayerische Landbötin, München, 1845, S.14
39) Georg Werner, Ortschronik des Pfarrsprengels Ampermoching, 2018


88 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

12.3.2018

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Brief von Konstantin Pader wegen des Hochaltars Reisen durch das Königreich Baiern, 1816
Biberbach weiht sein Kriegerdenkmal Glockenweihe in Biberbach
Beschreibung im Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte vom Historischen Verein Oberbayerns 1844


Brief von Konstantin Pader wegen des Hochaltars  11)

Konstantin Pader (1605-1681) hatte in Dachau gewohnt, bis die Schweden 1634 sein Haus zerstörten. 10 Jahre später verkaufte er es, das immer noch eine Brandstatt war. 1645 schrieb er von München aus einen Brief an den Dachauer Gerichtsschreiber Jakob Berchtold (im Amt 1638-1653) in dem er auch den neuen Choraltar in Biberbach ansprach.
(Auszug aus dem Brief, ins heutige Schriftdeutsch übertragen von Max Gruber, Bergkirchen)

.... Nun,was unsere Verhandlungen wegen des Choraltares nach Biberbach betrifft, so hoffe ich, daß es bei den 110 Gulden verbleibt. In drei oder längstens vier Wochen will ich dem Herrn Holtzmair die Bildhauerarbeiten dazu aushändigen und die Schreinerarbeiten auf Mittfasten. Ich bitte den Herrn Gerichtsschreiber also, awas die 60 Gulden betrifft, mir davon wie vereinbart 30 Gulden zukommen zu lassen, die anderen 30 aber zurückzubehalten, bis ich die Arbeit abliefere. Mit den restlichen 50 Gulden soll es, so wie ich gebeten habe, sein Verbleiben haben. Da ich schon ziemlich vorangekommen bin, bräuchte ich auch die Entwürfe des Malers.....

Quelle: Max Gruber, Ein Brief Konstantin Paders, Amperbote 1971

 

Glockenweihe in Biberbach 30)
Amperbote vom 23.9.1922

Am Sonntag, den 10. September, fand in Biberbach die Weihe der neuen Kriegergedächtnisglocke statt. Unter großer Anteilnahme von nah und fern wurde dieselbe in feierlichem Zug zum Kirchplatz geleitet. Herr Bürgermeister Huber wies in seiner Festrede auf die Bedeutung des nun zu Stande gekommenen Werkes hin, das für alle Zeiten ein Denkmal des Dankes an die im Weltkrieg gefallenen Helden sein soll. Zugleich dankte er auch allen denen, die in opferwilliger Weise ihr Scherflein zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Sein Dank galt vor allem Hochwürden Herrn Kooperator Hörl, der keine Mühe und Anstrengung scheute bis das Werk in seiner Vollendung geschaut werden konnte. Nachdem einige Schulmädchen in sinnreichen Versen die Festesfreude zum Ausdruck brachten, richtete Hochwürden Herrn Kooperator Hörl an die Festteilnehmer eindrucksvolle Worte, die in der Mahnung, Friede in jedem Haus und auch in der Gemeinde zu halten, gipfelten. Hierauf nahm Hochwürden Herr Pfarrer Spötzl von Vierkirchen die Weihe der Glocke vor. Alsbald konnte die versammelte Menge den Tönen der Martinsglocke lauschen. Mit einem Konzert im Huber'schen Gasthaus nahm die würdige Feier ihr Ende.

(Recherchiert von Hubert Eberl )

Biberbach weiht sein Kriegerdenkmal 14)
Feldgottesdienst beim Anwesen Bertold - 44 Vereine erschienen - Auf Initiative von Josef Fuß
Dachauer Nachrichten vom 25.06.1963

Biberbach - Nachdem Steinmetzmeister Wächter aus Indersdorf in den vergangenen Monaten im Auftrag des Biberbacher Krieger- und Veteranenvereins vor dem Friedhof in Biberbach ein neues Mahnmal für die 34 Gefallenen und zehn Vermissten dieser Gemeinde geschaffen hatte, wurde es nunmehr am Sonntag feierlich eingeweiht. Das moderne, in klaren und einfachen Linien gehaltene Denkmal besteht aus einem 2,75 Meter hohen Obelisken aus Anröchter Dolomit, der die Bleiinschrift "Unseren gefallenen und vermissten Kriegern zu Ehren" enthält, sowie zwei symbolische Grabplatten aus Italienischem Bale-Marmor, die die Namen der Biberbacher Kriegsopfer tragen.

Nach dem feierlichen Empfang der insgesamt 44 erschienenen Vereine hielt der Pfarrer Lanzinger im Hof des Anwesens Bertold den Feldgottesdienst, wobei zu den Klängen der Massenhausener Blaskapelle die Deutsche Schubertmesse gesungen wurde. In seiner wohldurchdachten Ansprache stellte der Geistliche drei Grundgedanken heraus: Die furchtbaren Kriege der Vergangenheit hätten bewiesen, dass der Mensch des Menschen größter Feind sei, die Liebe Christi aber mache deutlich, dass Gott des Menschen bester Freund sei, aus welchen beiden Erkenntnissen heraus sich die Verpflichtung ergäbe, dass der Mensch durch Versöhnlichkeit und Nächstenliebe des Menschen echter Freund werden müsse.

Vor dem neuen Kriegerdenkmal sprach er im Anschluss an den Gottesdienst die kirchlichen Weihegebete. Schulleiter Mayer hielt darauf die weltliche Festansprache, in der er darlegte, dass dieses neue Mahnmal weniger ein rein dekoratives Anliegen, als vielmehr eine echte religiöse, politische und moralische Verpflichtung zum Guten hin sein müsse. Mit den Worten: "Diese Toten sind nicht von uns, sondern nur vor uns gegangen. Der Herr möge ihnen und uns dereinst ein gnädiger Richter sein! Über dieser Stätte aber, sowie über unserem ganzen Vaterland lasse er drei Sterne niemals untergehen: Den Stern des Glaubens, den Stern der Liebe und den Stern des Friedens!" beschloss der Redner seine Ausführungen.
Anschließend konnte er den Festversammelten noch ein eben eingetroffenes Glückwunschtelegramm von Staatsminister Junker verlesen, sowie die mündlich übermittelten Glückwünsche des Landrats, Dr. Schwalber, vortragen.
Sinnreiche Worte für die Gefallenen und Vermissten der Heimat fand auch Bürgermeister Reichlmayr, der nach deren Namensverlesung für die Gemeinde Biberbach einen Kranz niederlegte. Weiterhin wurden Kränze niedergelegt von Vorstand Josef Fuß für den Biberbacher Krieger- und Veteranenverein, vom Vizepräsidenten des Bayerischen Soldatenbundes, Jansen, der bei dieser Gelegenheit die Glückwünsche des Präsidenten übermittelte, sowie von Heinz Schmid, dem Vorsitzenden der Kreisgemeinschaft Dachau des Bayerischen Soldaten- und Kriegerbundes. Dann übergaben die weißgekleideten Festjungfrauen Amalie Sedlmair, Rosa Wallner, Hildegard Gutjahr und Marianne Pfeil die reich bestickten Fahnenbänder, wobei sie passende Worte der Widmung zum Ausdruck brachten. Nachdem Vereinsvorstand Josef Fuß, der Initiator des Denkmalbaues, allen, die mitgeholfen hätten, diese Gedenkstätte zu errichten, sowie allen, die an der Gestaltung dieser Denkmalweihe Anteil gehabt hätten, seinen Dank ausgesprochen hatte, wurden, die Gefallenen mit dem Lied vom guten Kameraden (Bittserchoral) und einer dreifachen Salve aus der Böllerkanone geehrt.

Nach dem Festmahl in der Gastwirtschaft Scherm, in dem eigens aufgestellten Bierzelt und in der Gastwirtschaft Baumeister beendete zu den Klängen der Massenhausener und Jetzendorfer Blaskapelle der feierliche Umzug durch das festlich geschmückte Dorf diesen großen Tag für Biberbach. Michael Burghardt aus Dachau in einer altehrwürdigen Chevauleger-Uniform eröffnete hoch zu Ross den Festzug, gefolgt von einem Ponygespann mit den beiden Altveteranen Deichl und Lechner und allen 44 Vereinen mit ihren dekorativen Fahnen, an die nach einem launigen Gedicht durch die Festjungfrau Lina Wildgruber (leider im allgemeinen Getümmel etwas untergegangen) die Erinnerungsbänder geheftet wurden.

Recherchiert von Hubert Eberl

 

Reisen durch das Königreich Baiern, 1816 03)
von Joseph von Obernberg

Unter den zehen Filial-Kirchen der genannten Pfarre (Vierkirchen), welche der Herr Graf von Edling auf gleiche Weise verschönern ließ, befindet sich das uralte Kirchlein Biberach (!), etwa 1/3 Stunde von Vierkirchen entfernt. Die Dorfs-Tradition, welche sagt, dieses Kirchlein habe der Bruder des heil.Corbinian, Erimbert zweyter Bischof zu Freising eingeweiht, ist in der Wahrheit begründet; Meichelbeck in seiner Freisingischen Geschichte bestättiget sie. Des Ortes Nahme war ursprünglich Biberbach, und sein hohes Alter beurkundet sich durch eben jenen Umstand der Einweihung, welche vor dem Jahr 749 geschah, indem Erimbert in diesem schon mit Tode abging.
Sie können sich nun vorstellen daß Vierkirchen, als Mutterkirche, noch älter sey; wie denn überhaupt eine sehr große Zahl altbaierischer Ortschaften bey nähern Untersuchungen ungleich älter erfunden werden, als sie insgemein geachtet sind; zumal da die Ansiedlungen natürlich lange vorhanden seyn mußten, ehe an den Bau eines Gotteshauses konnte gedacht werden.

Biberbach hatte übrigens seine eigenen Herren, die Biberacher. Ein Grabstein führet die Jahrzahl 1442 auf; ein Paar hundert Schritte von der Kirche erblickt man die Anhöhe, worauf ihr Schloß gestanden hatte, und an den Chorfenstern der Kirche sieht man das, in gefärbtes Glas gebrannte, Wappen der Herren von Biberach".

 


Biberbach


Beschreibung
im Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte

vom Historischen Verein Oberbayerns 1844
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Der Ort Biberbach, ehemals Piperbach und Piparbach, ist sehr alt, und nicht minder die St.Martins-Kirche daselbst. Diese weihte schon der nächste Nachfolger St. Corbinians auf dem bischöflichen Stuhl zu Freysing, Bischof Erimbert, und Bischof Joseph baute sie aus. Bischof Atto nahm sie und ihre Güter in seinen besonderen Schutz, und Luitpolt der Graf und Eilanbert der Richter schützten sie gegen die Männer, welche genannt wurden Mochingara, wahrscheinlich weil sie von Moching (=Ampermoching) waren, oder dasselbe besassen. Sie hatten die Kirche in Biberbach als Eigenthum angesprochen, konnten den Besitz nicht erweisen, und mußten daher in Gegenwart des Bischofs Atto und des Grafen Luitpold auf ihre Ansprüche verzichten. Zur Zeit des Bischofs Waldo in Freysing, der zwischen 883 und 906 regierte, saß zu Piperbah der edle Mann Heimbert. Nachhin erscheint der Ort als Angehörung und Eigenthum eines mit demselben gleichnamigen Edelgeschlechts, nemlich der von Biberbach, und das Wappen derjenigen Herrn, die daselbst sassen und begraben wurden, wurde in gefärbtes Glas gebrannt. Am Ausgang des vorigen Jahrhunderts war noch ein Grabstein eines Herrn von Biberbach vom Jahr 1442 zu sehen. Einige hundert Schritte von der Kirche auf einer Anhöhe lag das herrschaftliche Schloß. Der Pfarrherr zu Vierkirchen, Graf von Edling, verschönerte diese mit mehreren andern unter seinem weitschichtigen Pfarrsprengel als Filial gestandene Kirche gleich seiner Pfarrkirche.
Dem Geschlechte der von Biberbach folgten andere Familien im lehenbaren Besitze des Orts Biberbach. Um die Mitte des XVII.Jahrhunderts gehörte dieser Ort und lehnbare Sitz dem Karl Keck von Mauerstetten, der ihn i.J. 1654 in Folge Aufsandbrief an die Churfürstin Maria Anna, an Johann Mandl von Deutenhofen auf Münchsdorf, churfürstl. geb. Rath, Kammer-Präsidenten und Pfleger zu Dachau verkaufte. (Urkundlich).

(der restliche Teil der Beschreibung ist nicht richtig; die römischen Steine wurden in Biberbach bei Augsburg gefunden)

Zu Biberbach wurden acht römische Alterthümer gefunden. Man entdeckte daselbst den Denkstein eines Rittmeisters des III. slavischen Reiterflügels, eines Beneficiars in der Conjulagarde, der mit der Priesterbinde geschmückt war (flamine decoratus). Seine Ala war der dritten italienischen Legion zugetheilt. Diser Stein ist nun im Antiquarium zu Augsburg. Daselbst fand man auch einen Grabstein der Römerin Pervinca und ihrer Söhne von E.Julianus Julius, Decurione Municipii quatuorviralis (Vierhern des Municipialraths). Er wurde in das Peutingerische Haus nach Augsburg gebracht.