zur Landkreiskarte            ausführliche Beschreibg.           Kirchen in der Gemeinde Pfaffenhofen


Filialkirche St. Martin in UNTERUMBACH

Luftbild.

Adresse: 85235 Pfaffenhofen a.d.Glonn, Dorfstraße 28
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Obwohl die Ortschaft Unterumbach zusammen mit der Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn bis 1972 in Schwaben lag, gehörte die Kirche nicht zum Bistum Augsburg, sondern schon immer zum Bistum Freising.

Von einer Kirche St.Martin hier ist wahrscheinlich schon in einer Urkunde aus dem Jahr 814 die Rede.

Das dort genannte "Ominpach" könnte zwar auch Oberumbach bezeichnen, doch das Patrozinium spricht für Unterumbach.
Denn St.Martin war um 800 schon ein beliebter Kirchenpatron; St.Ulrich, der Patron von Oberum-bach (890-973), wurde erst später geboren.

Ganz sicher wird die Kirche aber in der Konradinischen Matrikel von 1315 erwähnt, in der der Ort "Nidernumpach" genannt wird. 1524 wird erstmals das Patrozinium des hl.Martin genannt. Die heutige Kirche wurde nach dem Abbrennen des Vorgängerbaues im Spanischen Erbfolgekrieg in den Jahren vor 1716 errichtet. Im Jahr 1927 wurde sie um eine Achse nach Westen verlängert.

Die Kirche steht im Dorf in der Nähe des Umbachs, umgeben von einem Friedhof. Zusammen mit der alten Linde, dem Maibaum und dem Dorfbrunnen bildet das Ensemble den Dorfmittelpunkt. Die Außenmauern sind gelb verputzt. Das Dach gleicht in seinen unterschiedlichen Formen einer bewegten Landschaft. Der Chor schließt halbrund. Auf dem Westgiebel sitzt als Turm ein Dachreiter mit Zwiebelkuppel; im unteren Teil quadratisch, oben ins Achteck übergehend.

Die beiden Vorbauten mit Schleppdach auf der Südseite der Kirche sind: links: das Vorhaus (Eingang), rechts: die doppel-geschossige Sakristei.

Innenausstattung

Der halbrund schließende Altarraum wird von einem Tonnengewölbe überspannt. Es ist mit einem Fresko "Hl.Martin über Unterumbach" bemalt.

Auf dem prächtigen, um 1712 entstandenen Säulen-Hochaltar steht eine Reiterfigur des hl.Martin mit Bettler, daneben Skulpturen des hl. Hieronymus (links) und des hl. Korbinian mit einem Bären. Über der Mittelnische eine vertikale Darstellung der Dreifal-tigkeit.

Auch das Gemälde an der Flachdecke des Kirchen-schiffs befasst sich mit dem Kirchenpatron (Tod des hl.Martin). In den Kartuschen sind vier Tugenden des hl.Martin als Personifikationen mit ihren Attributen dargestellt.

Die Seitenaltäre sind Themen um Christi Geburt gewidmet. Links der Muttergottesaltar (Altarblatt mit Bild von Maria und dem Kind in Windeln) und recht ein Altar mit dem Altarblatt "Kindermord von Bethlehem".

zur  Beschreibung des  Deckengemäldes klickenzur  Beschreibung des ChordeckenfreskosAllegorie: JustitiaAllegorie: Innocentiazur  Beschreibung der Kanzelzur  Beschreibung des linken Seitenaltarszur  Beschreibung des rechten Seitenaltarszur  Beschreibung des Choraltars per Mouseklick zu den Beschreibungen

Besonders prächtig ist die Kanzel an der Südseite gestaltet.

Im Kirchenschiff stehen auf Konsolen
eine Josefsfigur mit Beil und Hobel und
eine Muttergottesstatue - Maria mit Krone auf dem Haupt und Zepter in der rechten Hand.

Die Kirche gehört (mit den übrigen Filialen Oberumbach und Wagenhofen) zur Pfarrei Pfaffenhofen an der Glonn. Seit 1979 ist sie Teil des großen Pfarrverbands Odelzhausen, zu dem auch die Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Sittenbach und Sulzemoos zählen.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising. Klicken Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Frühzeit Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560
Matrikel 1740 Beschreibg 1874  
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl
  Choraltar Deckengemälde-1 Deckengemälde-2 Empore
Figuren Geschichte Gottesdienstzeiten Kanzel
  Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg Kreuzigungsgruppen
  Krippe Missionskreuz Orgel Opferstock
Seitenaltäre Tabernakel

Die Ortschaft Unterumbach kam zusammen mit der Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn 1972 zum Landkreis Dachau (vorher Lkr.Friedberg in Schwaben).
Der Überlieferung nach soll Unterumbach bis zum 12. Jh. Sitz eines herzoglichen Pfleggerichts und zudem einer Pfarrei gewesen sein (es gibt noch ein altes Pfarrhaus); dann habe der Pfarrsitz auf Bestreben des Adelsgeschlechtes von Graf Adaldero und seiner Gemahlin Gisela
07) nach Pfaffenhofen gewechselt, wo er sich heute noch befindet. 06)
Über diese Zeit hat Anton Mayer in seiner Beschreibung des Erzbistums Mch-Freising von 1880 einen Bericht verfasst. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie bitte hier...

Geschichte der Kirche

Erste Nennung 814 02), 12), 18)
Um das Jahr 790 wohnte im Umbachtal ein Adeliger namens Freido. Er ist seit 791 in Freisinger Urkunden bezeugt. Dieser Freido wurde zu einem uns unbekannten Zeitpunkt zum Priester geweiht. Am 18.September 814 übereignete er seinen Besitz im "Ominpach", zu dem auch eine Kirche gehörte, dem Freisinger Bischof. Dies ist in der Urkunde Nr. 324 der Sammlung Freisinger Traditionen belegt. Ob es sich dabei aber um Unterumbach oder um Oberumbach handelte, ist ungewiss. Für Unterumbach spricht das Patrozinium. Der hl. Martin war Patron der Franken, die ja kurz zuvor die Macht in Bayern übernommen hatten und die die Benennung von Kirchen nach ihrem Heiligen förderten. Der hl.Ulrich, der Patron von Oberumbach, hatte damals noch nicht gelebt; er wurde erst 76 Jahre später geboren.
Dr. Walter Kick hat die Urkunde vom 18.9.814 aus dem Lateinischen übersetzt; wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...

Freido übereignete übrigens 14 Tage später auch die (von ihm erbaute ?) Kirche einschließlich seines Bauernhofs in Odelzhausen dem Mariendom des Bistums Freising.

Aus der 24jährigen Regierungszeit des Bischofs Hitto (811-835) sind 258 Güter- u. Kirchenschenkungen an das Bistum Freising verbürgt 20). Zur damaligen Zeit wurden Kirchen in der Regel von Adeligen gebaut. Sie stellten auf eigene Kosten Priester ein, die die Seelsorge im Besitztum und Umgebung durchführten. Das Bistum hatte kein Mitspracherecht. Die Bischöfe versuchten, das Kirchenwesen zu organisieren und unter ihrer Hoheit Pfarreien einzurichten. Da das Recht auf der Seite der Adeligen lag und Zwang und Gewalt ausschieden, blieben als einzige Möglichkeit die Schenkung, um die Kirchen in die Obhut des Bistums zu bekommen. Dies gelang dadurch, dass den Adeligen als Gegenleistung die Vergebung ihrer Sünden versprochen wurde oder dass, wie hier in Umbach, ein adeliger Priester, der in der Regel ehe- und kinderlos war, sein Erbe aus Überzeugung ganz oder teilweise dem Bistum vermachte.

Konradinische Matrikel 1315 01)
Die Filialkirche St. Martin gehörte mit der Pfarrkirche Pfaffenhofen trotz der politischen Orientierung nach Schwaben schon immer zum Bistum Freising. Deshalb wird eine Kirche in Unterumbach erstmals im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel, dem ersten Verzeichnis der Kirchen in der Freisinger Diözese unter dem Namen "Nidernumpach cum sepultura" mit Friedhof als Filialkirche von Pfaffenhofen erwähnt. Ein Friedhof war zur damaligen Zeit Ausdruck einer gewissen regionalen Bedeutung. Dies ist die erste sichere schriftliche Nennung der Unterumbacher Kirche.
Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass die Kirche in Unterumbach schon erheblich früher urkundlich genannt wurde. In einer Urkunde vom 18.September 814 wird berichtet, dass der Priester Freido, ein Mitglied der Othold-Sippe, eine Kirche Ominpah (Umbach) dem Freisinger Bischofsstuhl übereignet hatte. Allerdings ist der Urkunde nicht eindeutig zu entnehmen, ob mit Umbach die Ortschaft Oberumbach oder Unterumbach gemeint war. Für Unterumbach spricht, dass Martinskirchen in der Regel sehr alt sind, dagegen spricht, dass auch die Konradinischen Matrikel von 1315 unter "Umbach" die Kirche in Oberumbach versteht.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 01)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird erstmals der Patron der Kirche, der hl.Martin erwähnt (Pfaffenhoven habet unam filialem ecclesiam cum sepultura, videlicet s.Martini in Nidernumbpach").


Visitationsbericht von 1560 10)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbeson-dere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Pfaffenhofen ist auch Unterumbach (damals unter der Bezeichnung "Niderumbbach") kurz erwähnt.
Der Pfarrer, die Pfarrei und die Gläubigen wurden im Bericht über Pfaffenhofen behandelt. Aber die Visitatoren kamen auch nach Unterumbach, haben den Kirchenpfleger befragt und die Kirche selbst besichtigt ("ocularis inspectio"). Daraus ergibt sich folgende Beschreibung:                                    

Filialis Niderumbbach khirchpröbst. Patronus s.Martinus
Die Einnahmen der Filialkirche waren nicht hoch. Sie betrugen rd. 5 Gulden. Davon gingen ab: für Wachs 1 Gulden, für Öl 3 Gulden.
In der vom Mesner sauber gehaltenen Kirche standen zwei "wol getzierte" Altäre. Auch ein Tabernakel war vorhanden, der -anders als in der Pfarrkirche- wohl verschlossen und mit einem Ewigen Licht versehen war.
Die Kirche besaß als liturgische Gerätschaften 1 "gueten" Kelch, 1 Corporale, 2 guete Messbücher, ein Beerdigungs-buch, 3 Messgewänder und eine Monstranz, von der aber niemand wusste, ob sie noch guet ist, weil sie bei der Inspektion nicht vorhanden war ["wissen nit, ob sy guet"].
Jeden vierten Sonntag werde in Unterumbah eine Singmesse abgehalten. Auch der Friedhof wird erwähnt.
In Unterumbach gab es ein eigenes Haus für den Mesner, dem eine kleine Landwirtschaft zugeordnet war.
Der Bericht endet mit der Bemerkung: "Sonst kain mangel".


...vollständiger Bericht
über die Pfarrei Sittenbach ...



Spanischer Erbfolgekrieg 1704-1714
Die alte Kirche wurde im Spanischen Erbfolgekrieg (Bayern gegen Österreich) geplündert und durch Brand zerstört.
14)
Der Wiederaufbau erfolgte nach dem Krieg bis 1716 unter Pfarrer Dionysius von Lampfritzham (1706-27) unter Verwendung alter Mauerreste in etwas veränderter Form. Dieser Bau besteht Im Wesentlichen noch heute, auch wenn er 1927 verlängert worden ist.


Schmidt'sche Matrikel 1738/40 01)
In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Martini in Unterumbach" bemerkte er, die Kirche sei nach dem feindlichen Brandangriff wieder renoviert. Sie habe drei Altäre: der Hochaltar sei dem Kirchenpatron St.Martin geweiht, ein Seitenaltar dem hl.Innocenz und der andere (noch nicht geweihte) Seitenaltar der Jungfrau Maria. (Offenbar war bei dem Brand nur ein Altar vollständig vernichtet worden). Gottesdienste würden an jedem vierten Sonntag, an Oster- und Pfingstmontag, an St.Innozenz (22.Sept), am Patrozinium (11.Nov) und am Kirchweihfest gefeiert, das auf den Sonntag vor Matthäi (21.Sept) falle. In der Sakristei seien die notwendigen Kelche und Messgewänder vorhanden. Im Friedhof stehe ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Pfarrer in Pfaffenhofen und Landpfleger von Friedberg. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses wirdet sich in diser Zeit gegen 2200 fl. (=Gulden) bezeigen ". Das war für so eine kleine Kirche sehr viel Geld.

Beschreibung 1874 03)
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Unterumbach als Filiale von Pfaffenhofen enthalten. Zu ihr gehörten 177 Dorfbewohner (Seelen), die in 31 Häusern wohnten. Unterumbach war damals größer als der Pfarrort. Mayer beschreibt die Kirche St.Martin wie folgt:
 
"Sehr alt. Erbauungsjahr unbekannt. Unansehnlich und durch bauliche Veränderungen stillos geworden. Geräumigkeit genügend. Etwas feucht. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre, eine Orgel mit 4 Registern. Gottesdienste jeden vierten Sonntag. Stiftungen: 8 (3) Jahrtage, 15 Jahrmessen. Meßner ist ein Gütler, Cantor der Lehrer. Kirchenvermögen: 5700 Gulden".

 


Beschreibung 1895

Die Kirche in Unterumbach ist sogar im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns genannt, das Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, im Jahr 1895 für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Dort heißt es:
  " Kirche. Deckenbild im Chor: S. Martin auf Wolken thronend; im Schiff: Tod des S. Martin; geringe Arbeit, bez. Joh. Leibrecht 1777. Zu beiden Seiten des Hochaltars zwei bemalte Holzfiguren vom Ende des 15. Jahrhunderts;
Links S. Hieronymus in goldener Mütze, die ausgestreckte Rechte hält den Stab, die Linke das Gewand. H. 90 cm.
Rechts S. Korbinian, die L. hält den Stab, die R. das Buch an die Brust. Neben dem rechten Fuss der Bär. H. 100 cm. Auf dem 1. Seitenaltar Gemälde des 18. Jahrhunderts. Maria, den Schleier von dem vor ihr liegenden Kinde lüftend; ziemlich gute Arbeit, doch sehr verdorben. H. 121, br. 71 cm. "
Im Jahr 1927 wurde das Kirchenschiff um eine Achse nach Westen verlängert. Dabei musste auch der Turm/Dachreiter versetzt werden, der schon vorher auf der Westmauer aufsaß. Das bestätigt das Bild der Kirche auf dem Deckengemälde im Altarraum, das 1777 gemalt worden war (siehe rechts).
Auch das Vorhaus und die Sakristei mit ihren Schleppdächern wurden damals wohl vergrößert.

Kirche 1777
Renovierungen:
1982: durch Hans Hausch, Fürstenfeldbruck. Malereien und Gemälde, neue Kirchenbänke und eine neue Orgel
         beschafft (450.000 DM) 06)
2011: Dachsanierung, Außenanstrich, Turmuhr.
2012: Innensanierung


Bittgänge 19)
Seit Mitte des 18.Jh. wallfahrten die Gläubigen aus Ober- und Unterumbach alljährlich am Pfingstmontag nach Inchenhofen /St.Leahart. Inchenhofen ist die größte Leonhardswallfahrt Deutschlands. Jedes Jahr finden sich etwa 30 Personen frühmorgens bei der Kirche ein, um die rund 29 km lange Strecke betend mitzugehen.
  Hinweis: Die Wallfahrt zum hl. Leonhard in Inchenhofen gilt als älteste und wichtigste Leonhards-Wallfahrt in Deutschland. Der Aufschwung begann, als 1283 das Kloster Fürstenfeld die bis dahin noch unbedeutende Wallfahrt in der kleinen Kapelle übernahm. Sie verhalfen ihr binnen weniger Jahrzehnte zu höchster Blüte. Die Wallfahrt selbst geht auf ein Wunder zurück: 1256 sollen Soldaten Votivgaben in der St.Leonhardskapelle gestohlen haben und daraufhin schwachsinnig geworden sein. St.Leonhard war bis dahin ein nur an wenigen Stellen verehrter französischer Heiliger, der als Patron der Gefangenen und der (damals ebenfalls angeketteten) Geisteskranken um Hilfe angerufen wurde. Seine große Bedeutung als Bauernheiliger erhielt er erst im 16.Jh., als die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten missdeutet/umgedeutet wurden. Diese Patronatserweiterung gab der Wallfahrt in Inchenhofen noch einen großen Schub. Bis 1803 unternahmen 167 Pfarreien eine alljährliche Wallfahrt nach Inchenhofen. Heute kommen aus etwa 60 Orten die Wallfahrergruppen, meist zu Fuß, nach "Leachad" , wie Inchenhofen auch genannt wird. Dabei ist nach wie vor der größte Wallfahrtstag des ganzen Jahres der Pfingstmontag, an dem zugleich das Hauptfest der 1659 vom Papst Alexander VII. genehmigten Erzbruderschaft des hl. Leonhard gefeiert wird. 13)

Statistik
2012 hatte Unterumbach 400 Einwohner



Baubeschreibung


Die Kirche liegt am Ortsrand inmitten eines ummauerten Friedhofs. Die Außenmauern sind gelb verputzt. Die Kirche dürfte wohl um 1770 erbaut worden sein. Im Jahr 1927 wurde sie um eine Achse nach Westen verlängert.

Der Chor ist etwas breiter als das Kirchenschiff; er schließt halbrund und wird von zwei Rundbogenfenstern erhellt. Er wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt, das auf Kämpfern und gemalten Pilastern gründet.

Halbrunder Chorbogen.
Fußboden mit neuen, diagonal verlegten quadratischen Solnhofener Platten

Die beiden Vorbauten mit Schleppdach auf der Südseite der Kirche sind:
               links: das Vorhaus (Eingang) rechts: die doppelgeschossige Sakristei.

Auf dem Westgiebel sitzt als Turm ein Dachreiter; im unteren Teil quadratisch, oben ins Achteck übergehend. Das Zwiebeldach ist mit Kupfer gedeckt. An drei Seiten sind über dem ovalen Schallloch Ziffernblätter der Uhr angebracht, die im Jahr 2004 neu vergoldet wurden. Der Turm dürfte aus dem Jahr 1927 stammen, als die Kirche nach Westen verlängert wurde.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

An der Langhaus-Südwand ein gusseisernes Missionskreuz, das im Zuge der Volksmission um 1880/90 11) angebracht wurde. An diese Volksmission erinnern auch Kreuze an der Pfarrkirche in Pfaffenhofen und an der anderen Filialkirche, in Oberumbach. Typisch für die Kruzifixe dieser Zeit sind die Dreipass-förmigen Kreuzbalkenenden und die Stellung der Füße nebeneinander und mit je einem Nagel fixiert (Viernagelkreuz).

Missionskreuz
Hinweis: Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Heutzutage wird die Volksmission durch neue Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.
2014 beging Unterumbach die 1200-Jahr-Feier. Vor 1200 Jahren, im Jahr 814, wurde die Ortschaft (zusammen mit Bergkirchen und Odelzhausen) erstmals in einer Schenkungs-Urkunde erwähnt.
Mehr zur Urkunde...

Brunnenanlage zur 1200-Jahr-Feier
In Vorbereitung auf dieses Fest hat man den Vorplatz der Kirche auf der Nordseite umgestaltet und eine Brunnenanlage sowie eine Erinnerungs-Stele errichtet.

Im Vorhaus, das den Eingang der Kirche vor den Unbilden der Witterung schützt, ist neben einem Infostand eine
Erinnerungstafel
für die Gefallenen der Ortschaft im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 angebracht:

Kriegerdenkmal 1871
Der Text lautet:
Zum Andenken der in den Jahren 1870 und 71 im Feld der Ehre im Deitsch (!)-Französischen Kriege
geblibenen Krieger aus der Gemeinde Unterumbach
I. Martin Ripl, Gemeiner beim 2ten Infanterie Regiment
II. Mathias Steinhart, Gemeiner beim 7ten Jäger Batall.
III. Martin Thurner, Gemeiner beim 4ten Artillerie Regiment.

 

Innenausstattung

 

Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Höhe: Kirchenschiff:5,50 m; Altarraum: >5 m

Altarraum

Der halbrund schließende, fünf Meter hohe Altarraum besitzt zwei Rundbogenfenster und ist etwas breiter (und zwei Stufen höher gelegen) als das Langhaus. Er wird von einem Tonnengewölbe mit angedeuteten Stichkappen und gemalten Pilastern überspannt.


Choraltar /Hochaltar
   

Der 2,60 m breite, um das Jahr 1712 11) entstandene hochbarocke Säulen-Hochaltar ist beige und rot marmoriert (= mit Marmor-Maserung bemaltes Holz).
Das mächtige Gebälk mit Sprenggiebel sitzt auf vier Säulen mit Kompositkapitellen.


Choraltar

Das Schnitzdekor ist vergoldet.

Altaraufsatz

Der prächtige Aufsatz mit Segmentbogengiebel über den vier Säulen wird von zwei Volutenengeln gesäumt. Über der Mittelnische eine vertikale Darstellung der Dreifaltigkeit: Im Auszug die Heilig-Geist-Taube. Darunter -in einem vergoldeten Rahmen- eine Skulptur von Gottvater, die fast vom roten Gewand des auferstandenen Christus verdeckt wird. Die Füße Jesu ragen in die Nische mit St.Martin hinein.


Hl.Dreifaltigkeit

Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im
  Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Mittelnische
In der Mitte des Altars steht in einer durch die Säulen und das Gebälk gebildeten Nische mit blauem Hintergrund eine Figur von St.Martin. Der Heilige sitzt mit gezogenem Schwert auf dem Pferd; am Boden kniet ein Bettler und streckt seine Hand hilfesuchend zu Martin empor.
      
St.Hieronymus - St.Martin - St.Korbinian
Darüber ist in einem Halbkreis Gewölk mit einem Putto angebracht. Auf den seitlichen Postamenten stehen außerhalb der Säulen Skulpturen des hl. Hieronymus (links, mit Stab) und des hl. Korbinian mit einem Bären zu seinen Füßen. Die Figuren könnten aus dem 15.Jh. stammen 06).
 
Hinweise: St. Hieronymus (347-420) war Einsiedler. Er übersetzte das Alte Testament aus dem Hebräischen und Griechischen und das Neue Testament aus dem Griechischen ins Lateinische. Nach der Legende hat Hieronymus einem Löwen einen Dorn aus seiner Tatze gezogen, worauf das Tier aus Dankbarkeit bei ihm blieb.
St.Korbinian (um 670 in Frankreich geboren) war der erste Bischof von Freising. Von hier aus missionierte er Südbayern. Als bei einer Romreise ein Bär seinen Esel tötete, band Korbinian die Traglast dem Bären um. Deshalb wird er - so wie in Unterumbach- meist mit einem Bären abgebildet.


Tabernakel

Der Barocktabernakel (1720) wird von zwei vergoldeten Säulchen eingerahmt. Sein Holz ist rot marmoriert, mit Akanthusdekoration versehen und mit einem Segmentbogengiebel überdeckt. Auf seiner Türe aus Stahlblech sind Ornamente und das Jesuszeichen "IHS" aufgesetzt.



D
eckenfresko im Altarraum

An der Decke im Chorraum (flache Kalotte mit angedeuteten Stichkappen) ist ein Fresko in gemalter Rahmung mit dem Thema: Hl. Martin über Unterumbach zu sehen.
Das Bild wurde von Johan Leibrecht 1777 (sign.) erstellt. Lebensdaten über den Maler sind mir nicht bekannt.
Das runde Gemälde mit einem Durchmesser von zwei Metern wird umrahmt von einem gemalten Blattkranz.

St.Martin über
Unterumbach
Im Bild kniet der hl.Martin in Bischofsornat auf einem wuchtigen Wolkenkranz. Neben ihm liegt sein Bischofs-stab ; hinter ihm lugt sein Attribut, eine Gans hervor. Im unteren Teil des Bildes sind die Kirche von Unter-umbach und einige Häuser rundum von Südwesten her gesehen abgebildet. Die Kirche hatte schon damals einen Turm wie den heutigen, der erst 150 Jahre später errichtet wurde. Der Sakristeianbau und das Vorhaus fehlen.



Langhaus / Kirchenschiff

Das von fünf Fenstern auf der Südseite und drei Fenstern auf der Nordseite erhellte Langhaus besitzt eine Flachdecke.

Deckenfresken im Kirchenschiff

Die Deckenfresken zeigen im Hauptgemälde den Tod des hl. Martin. Umgeben wird das Gemälde von vier Roccaille-Kartuschen, in denen die Personifikationen von Tugenden, die dem hl.Martin zugeschrieben wurden, dargestellt wind. Wie das Chorgemälde wurden auch die Langhausfresken von Johan Leibrecht 1777 gemalt. Sie sind eingerahmt von gemalten Stuckprofilen, die von einer dünnen Girlande umwunden sind.
Eine Signatur "H.Metzger/1905 München" verweist auf eine Restaurierung um die Jahrhundertwende. 1981 besserte Manfred Leitenmeier aus Augsburg die Gemälde letztmals aus. 14

Tod des hl.Martin
Im Hauptgemälde "Tod des hl. Martin" liegt der Heilige auf seinem Totenbett, in einem Raum, umgeben von hochaufragender Palastarchitektur. Sein Haupt ist von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlen-kranzes umgeben. In der Hand hält er die Sterbekerze. Um Sein Bett stehen fünf Personen, unter anderen ein Priester (links neben der Vase über der Signatur) mit dem Gesicht des damaligen Pfarrers Johann Bapt.Sieß. Auf einem Hocker am Fußende des Bettes sitzt ein Mönch; daneben steht ein Herr in vornehmer Kleidung. Auf einer Treppe im unteren Teil des Bildes kniet ein Ministrant. Unter einem Bogen an der Treppe lugt ein Drache hervor. Dieser Drache erinnert an die Legende,
  nach der St.Martin drei Tage vor seinem Tod, am 8.11.397, eine Teufelserscheinung zurückgewiesen habe. Über der Szene sieht man auf Wolken zwei Engel, die die Attribute des hl. Martin, den Bischofs-stab und die Gans halten.

In den Kartuschen sind als Personifikationen in grauer Farbe auf goldenem Hintergrund vier Tugenden des hl.Martin mit ihren Attributen dargestellt:

Frömmigkeit
Hinten links: Devotio (Frömmigkeit) mit Schriftrolle und Fackel


Tapferkeit

hinten rechts: Fortitudo (Tapferkeit) mit
Löwe, Keule und Säulenstumpf


Gerechtigkeit

vorne links: Justitia (Gerechtigkeit) mit verbundenen Augen, Waage und Schwert.


Reinheit

vorne rechts: Innocentia (Reinheit) mit Palmzweig und Lamm.
Gold ist die Farbe der Sonne, des Himmels und des göttlichen Lichts. Wird -wie hier- der Hintergrund eines Gemäldes in Gold gestaltet, soll damit eine himmlische Szene dargestellt werden.



Seitenaltäre

Die 158 cm breiten, rot marmorierten Seitenaltäre sind im Jahr 1712 nach einem Brand angefertigt worden, wie eine Konsekrations-tafel in der oberen Sakristei aus dem gleichen Jahr für den rechten Seitenaltar belegt. Die Altartische sind mit Holz verkleidet. Die glatten Säulen mit korinthischen Kapitellen tragen ein verkröpftes Gebälk mit Sprenggiebeln, auf dem zwei Engel sitzen.

Linker Seitenaltar

Altaraufsatz
Mittelpunkt des Altaraufsatzes ist ein ovales Gemälde mit dem Thema Mariä Heimsuchung (Maria trifft ihre Base Elisabeth und deren Mann Zacharias, die Eltern von Johannes dem Täufer) zu sehen.

Maria trifft Elisabeth
Der Termin für das Fest Mariä Heimsuchung (lat. Visitatio Mariae) wurde vom 2.Vatikanischen Konzil Ende der 1960er Jahre vom 2.Juli auf den 31.Mai vorverlegt. Begründet wurde dies damit, dass der 2.Juli nach dem Geburtstag von Johannes dem Täufer (24.6.) liegt, der beim Besuch von Maria ja noch nicht geboren war.
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn..)
Altarblatt

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar.
Auf dem 122 x 72 cm großen Altarblatt (Öl auf Lein-wand, 1720) ist die Muttergottes mit dem Jesus-kind dargestellt.


Maria mit dem Kind

Die noch relativ junge Maria ist in ein modernes Gewand gekleidet; auf dem Kopf trägt sie einen Haarreif. Sie blickt hinab auf das nackte Jesuskind, das mit einem Kreuz unter dem Arm auf ihrem Schoß liegt.
 
Krippe
In der Weihnachtszeit steht auf dem Altartisch des linken Seitenaltars eine Krippe.

Weihnachtskrippe
Wenn Sie sich für Krippen in den Kirchen des Dachauer Landes interessieren, klicken Sie hier..

Noch vorhanden ist auch ein Fatschnkindl in geklebtem Glaskasten (1.Hälfte 20.Jh). Die ca. 40 cm lange Figur besitzt einen Wachskopf und ist in ein Gewand mit Spitzen und Goldborten gekleidet. Der Glaskasten ist als Hintergrund grottenartig gestaltet, mit Steinen, Quarz- und Glassplittern sowie getrockneten Blüten.

 

Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz
Der rechte Seitenaltar befasst sich mit der frühesten Jugend Jesu. Im Altaraufsatz ein Bild mit einer Darstel-lung der Geburt Jesu (Heilige Familie im Stall mit den Hirten). Das Gemälde entstand mit dem Altar um das Jahr 1720.

Geburt Christi 1720
Vor dem Hintergrund eines offenen Stalls liegt das Kind auf einem großen Tuch und streckt Ärmchen und Beinchen in die Höhe. Maria und Josef knien andächtig davor. Von links kommen zwei Hirten und betrachten verwundert die Szene.
Altarblatt
Darunter als Altarblatt ein 132 x 78 cm großes Ölgemälde, das den Kindermord von Bethlehem durch Herodes darstellt (um 1720).


Kindermord
von Bethlehem 1720

Das Bild zeigt im Vordergrund in dramatischen Szenen das Morden der Soldaten des Herodes und das Bestreben der Mütter, ihre Kinder zu schützen. Im Hintergrund ist nicht nur römische Architektur zu sehen, sondern auch ein Rundbau, der einer byzantinischen Kirche gleicht. Noch weiter im Hintergrund sieht man Joseph sowie Maria mit dem Kind auf einem Esel flüchtend.



Kanzel

An der Südwand ist die grau und rot marmorierte Kanzel angebracht. Der Zugang liegt neben dem eigentlichen Kanzelkorb, dessen Brüstung dadurch an Länge gewinnt. Diese Brüstung ist mit fünf gedrehten Säulchen versehen, die vier Bilder umrahmen.

Am Kanzelkorb sind in Kartuschen die Bilder der vier lateinischen Kirchenlehrer gemalt:
Hieronymus
(mit Löwe),
Augustinus
(mit brennendem Herzen),
Papst Gregor
der Große und
Ambrosius
(mit Bienenstock).

An der Rückwand ein Bild von Jesus Christus mit einem offenen Buch, in dem er den Betrachtern die Buchsta-ben Alpha und Omega zeigt.

Kanzel
Die Kanzel ist mit einem Schalldeckel versehen, an dessen Unterseite ein Heilig-Geist-Taube im Strahlen-kranz befestigt ist. Zwischen Ziervasen sitzt ein Posaune spielender Engel.
Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt. Der Posaunen-engel ist auch Zeichen für das Jüngste Gericht. Der Engel bläst nicht zu den Kirchenbesuchern, sondern in Richtung Altarraum, also nach Osten. Aus dieser Richtung wird Christus am Weltenende erwartet. Nach der Bibel ist übrigens der Posaunenengel der einzige Engel, der fliegen kann. 05


Alpha u.Omega

Hinweise: Die beiden Buchstaben Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb.. 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagen wird und zum anderen, um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.
Die Darstellung der vier lateinischen Kirchenväter an den Kanzeln sollte im Sinne der "Gegenreformation" die Kontinuität der Tradition, auf die sich die katholische Kirche zusätzlich zur Bibel beruft, unterstreichen.
   
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Kreuzigungsgruppen

Gegenüber der Kanzel an der Nordwand hängt das sog. Kanzelkreuz mit dem Corpus des toten Christus, der sein Haupt neigt.
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist.


Kanzelkreuz
Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3),
in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
An der Südseite ist eine kleine barocke Kreuzigungsgruppe mit Kruzifix, Maria und Johannes und der Inschriftentafel "Es ist vollbracht" befestigt. Hier steht Maria (vom Kreuz aus gesehen) links unter dem Kreuz. Eine seltene Darstellung.


Kreuzigungsgruppe

Apostelleuchter              
An den Wänden des Kirchenschiffs sind die kunst-vollen Apostelleuchter vor den gemalten Apos-telkreuzen befestigt. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind.

Apostelkreuz



Kreuzwegbilder
           

Im hinteren Bereich hängen die 14 Kreuzweg-Stationsbilder.
Der Maler ist mir nicht bekannt. Doch die Bilder ähneln in starkem Maße den Bildern in Westerholzhausen und in Weißling; vor allem was die Bildkomposition sowie die Anzahl und Haltung der abgebildeten Figuren betrifft. Verschieden sind jedoch die Farben der Bekleidung und die Bildhintergründe.

Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


Kreuzwegbild



Figuren


St.Maria 1680
Im Kirchenschiff stehen auf Konsolen eine Josefsfigur mit Beil und Hobel (südlich, um 1920)
und
eine Muttergottesstatue - Maria mit Krone auf dem Haupt und Zepter in der rechten Hand. Auf dem Handteller der linken Hand sitzt das segnende Jesuskind (nördlich, um 1680).

St.Josef


Die Kirchenbänke (13 Reihen links und 12 Reihen rechts) wurden in neuerer Zeit gefertigt.


B
eichtstuhl

Auf der Nordseite steht unter der Treppe zur Empore ein geschlossener dreiteiliger Beichtstuhl.

Beichtstuhl
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgeho-bene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr
  öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh.20,22) zurück.



Opferstock

In unmittelbarer Nähe der Emporentreppe wird an einem hölzernen Opferstock um Gaben für die Kirchenrenovierung gebeten. Er ähnelt sehr stark den Opferstöcken in Odelzhausen.

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Opferstock


Empore und Orgel

Die Empore ist im Zuge der Kirchenerweiterung von 1927 entstanden: zwei Holzsäulen, rückwärtiger Treppenaufgang, Brüstung mit Holzkassetten, an der Emporenunterseite expressionistischer Rippendekor. An der Westseite hängt in einer Wandnische ein Kruzifix aus neuerer Zeit.

Auf der Empore steht ein dreiteiliger Orgelprospekt in neubarockem Stil mit seitlich erhöhten Teilen. Das Holz ist rot und grau marmoriert. Der Spieltisch steht nicht vor der Orgel, sondern an der Nordwand.
Die Orgel mit 11 Registern wurde um 1980 von der Fa. Offner aus Kissing erbaut (Kosten 48.000 DM) 06) und ersetzte eine 1929 von Leopold  Nenninger erbaute Orgel mit einem Manual und fünf Registern. Der Orgelbauer Offner hat auch die Orgel in den Kirchen von Egenburg, Gumpersdorf, Hilgertshausen und Hohenzell gebaut, sowie die Orgel in Arnzell restauriert. 15

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
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Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) H. Carl Roth, Örtlichkeiten des Bisthums Freising aus Kozrohs Handschrift in ganzen Sätzen ausgehoben, München 1856/57
03) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
04) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.324, 605, 692, 1239)
05) Bibel, Offenbarung 6,13): Und ich sah und hörte einen Engel fliegen mitten durch den Himmel und sagen mit großer
     Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen, vor den andern Stimmen der Posaune der drei Engel, die noch
     posaunen sollen!
06) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
07)
Infomaterial von Herrn Metzger aus Egenburg (1975)
06)
Dachauer Nachrichten vom 13./14.11.1982
09)
Dr.Wilhelm Liebhart, Klosterbesitz von St.Ulrich und Afra in Pfaffenhofen a.d.Glonn, Amperland 1983/1
10) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
11) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
12) Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992 (Urkunde 814)
13) Angelika Petitini, Leonhardsverehrung u. Wallfahrt in Inchenhofen, Augsburger Volkskundliche Nachrichten, 1995, Heft Nr.2
14)
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
15) Orgelbauer Maximilian Offner, 2003
16) Dachauer Nachrichten vom 16.11.2004,
17) Dachauer Nachrichten vom 2.11.2011 (Renovierung 2011)
18) Katharina Axtner 2008 (Urkunde 814)
19) Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn, Bürgerbroschüre, April 2012 (Wallfahrt)
20) Dachauer Rundschau v. 23.7.2014 (258 Schenkungen)

37 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

17.3.2018

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Wechsel des Pfarrsitzes
von Unterumbach nach Pfaffenhofen
  Erste Nennung von Umbach im Jahr 814
Urkunde Nr. 324

 


Die Schenkung des Priesters Freido zu Ominpach
Übersetzt von Dr. Walter Kick, Dachau

Dum et omnibus non habetur incognitum, qualiter ego Freido presbiter tradidi propriam hereditatem meam in loco Ominpach ad domum sanctae Mariae in loco Frigisinga, hoc est ecclesiam cum domo vel omnia quicquid ad ipsam ecclesiam legibus pertinebat, ego enim Freido presbiter eo modo hanc traditionem feci. Contigit autem mihi, ut ego valida infirmitate depressus vocavi ad me proximos et vicinos meos quorum nomina Hadolt, Adalleoz, Kysalrih, Cunzo, Ekkyhart, Kerhart, Ermanrih,

et in manus illorum totam dictam rem meam per uuadium posui, si ego Freido in ipsa infirmitate defunctus fuissem, ut ipsi perfecissent traditionem, quam ego ante dispositum vel cogitatum habui; hoc autem cum eis firmiter condixi et in illorum potestate indubitanter constitui. Hoc peractum praevalente infirmitate et die exitus animae illius adpropinquante defunctus est Freido presbiter ipsique supradicti aliquantum tempus detardaverunt hoc agere quod Freidoni presbitero promiserunt.

Veniens enim Hadolt advocatus Freidoni presbiteri et narravit Hittoni episcopo omnia sicut actum erat. Ipseque episcopus veniens in concilium Engilharti comitis et interpellabat eos de ipsa ecclesia quam Freido domui sanctae Mariae traditit per manus illorum.

Ipsique confitentes verum esse venerunt ad Frigisinga et perfecerunt, sicut eis iniunxit Freido presbiter et confirmaverunt traditionem eius in altare sanctae Mariae in praesentia virorum quorum nomina Ratolf clericus. Uuenilo. Hadurih. Adalperth. Perakis. Actum est haec die consule quod facit XIIII kal. octubris anno primo Hludouuici imperatoris indictione VII. Ego Tagabertus diaconus scripsi iussione Hittonis episcopi TRADITIO.

 

Alle mögen es auch wahrgenommen haben, wie ich, der Priester Freido, meinen eigenen Erbbesitz in der Ortschaft Ominpach an das Haus der Heiligen Maria im Orte Freising übergeben habe, nämlich die Kirche mit Haus und auch alles, was gesetzmäßig zur Kirche selbst gehört; ich also, der Priester Freido, habe dergestalt diese Schenkung gemacht. Es hat mich nämlich betroffen gemacht, dass ich von einer heftigen Krankheit danieder gedrückt zu mir meine Nächsten und Nachbarn gerufen habe. Ihre Namen waren Hadolt, Adalleoz, Kysalrih, Cunzo, Ekkyhart, Kerhart, Ermanrih.


Alles, was ich in dieser meiner Angelegenheit schon gesagt habe, habe ich in ihre Hände gelegt zur gerichtlichen Ausführung, wenn ich Freido in nämlicher Krankheit verstürbe, dass sie selber die Schenkung durchführten, die ich vorher schon geplant und vorbereitet habe. Dies habe ich mit ihnen als dauerhaft verabredet und zweifelsfrei in ihre Vollmacht gegeben. So ist es dann auch geschehen: als sich der Gesundheitszustand verschlechterte und der Tag seines Lebensendes nahte, verstarb der Priester Freido. Die Obengenannten aber ließen allzuviel Zeit verstreichen, um so zu handeln, wie sie dem Priester Freido versprochen hatten.

Da wandte sich der Sachverwalter des Priesters Freido an den Bischof Hitto und erzählte ihm, wie sich alles zugetragen hatte. Der Bischof selber wandte sich an seinen Vogt Engilhart, um sich mit ihm zu beraten und um ihre Einwände zu prüfen hinsichtlich dieser Kirche, die Freido dem Haus der Heiligen Maria übergeben hatte durch ihre Hand (d.h. der obengenannten).

Da kamen sie selber nach Freising und bestätigten, es sei wahr, und vollendeten, wie es ihnen der Priester Freido auferlegt hatte und sie bekräftigten seine Schenkung an den Altar der Heiligen Maria in Gegenwart der Männer, die heißen: der Geistliche Ratolf, Uuenilo. Hadurih. Adalperth. Perakis. Vollzogen wurde dies unter dem Datum vom 14. Tag vor den Kalenden des Oktober, im ersten Regierungsjahr des Kaisers Ludwig, im siebten Römerzinszahljahr. Ich, der Diakon Tagabertus, schrieb im Auftrag des Bischofs Hitto die Schenkung (s.Urkunde Cozroh S.198..)

Unter- oder Oberumbach?
Zum Zeitpunkt der Schenkung wurde noch nicht unterschieden zwischen Ober- und Unterumbach. Wie soll man sich nun erklären, welcher von den beiden Orten gemeint war? Nach einer Hypothese von Anton Haschner waren um 700-800 Siedlungen und Kirchen getrennt: es gab also den Ort Ominpach (Umbach), dessen damals noch hölzerne Kirche etwa 1 km flussabwärts erbaut war. Als der Platz bei der Kirche später auch besiedelt wurde, gab es Probleme der Unterscheidung und richtigen Zuweisung. Da die erste Siedlung flussaufwärts liegt, erhielt sie den Beinamen Ober- (umbach) und die ehemalige Kirchenstelle den Zusatz Unter- (umbach). Gewiss war die Kirche Freidos in Unterumbach und daß sein Wohnhaus neben der Kirche lag, ist wahrscheinlich, da die wörtliche Übersetzung lautet "Kirche mit Haus". Unterumbach wird auch von C. Roth und E. Wallner favorisiert. Wir müssen davon ausgehen, dass Freido ein Bauernhaus neben der Kirche besaß, im Sinne dessen, was später als Widum bezeichnet wird, oder noch moderner ausgedrückt: ein Ökonomiepfarrsitz. Wo aber hatte Freido dann seine "Nachbarn" ? Hatten auch sie bereits ein Haus im Bereich der Kirche oder waren es Ortsnachbarn in Oberumbach oder gar in Odelzhausen, weil in einer weiteren Urkunde (Bitterauf Nr. 327) auf seine zusätzlichen dortigen Besitzungen hingewiesen wird. Im Endeffekt läßt sich sein Wohnort nicht hundertprozentig festlegen, die Kirche ist aber mit großer Sicherheit in Unterumbach anzunehmen.

Dr.Walter Kick, Dachau