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Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung in MARIABRUNN


Kurzbeschreibung

Am Nordhang eines sanften Höhenzuges, zwischen Ampermoching und Schönbrunn liegt Mariabrunn mit einem efeuumrankten Brunnenhäuschen, einem renommierten Gasthaus mit großem Biergarten und der Kapelle der Verkündigung Mariens. Mariabrunn erlangte von 1863 bis 1878 unter der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester Weltruhm. Mehr dazu siehe unten..

Die Kapelle Maria Verkündigung, ein ovaler Zentralbau, dessen flache weiß gestrichene Lisenen sich vom beige-roten Farbton des Mauerwerks abheben, wurde in den Jahren 1662-1670 von dem Dachauer Pfleger Georg Teisinger errichtet. Der Stil ist von italienischen Einflüssen geprägt. Sie ist jetzt eine Privatkapelle der Familie Breitling.

Über dem Kapellendach aus Kupfer befindet sich ein sehr anmutiger Dachreiter mit Doppelzwiebel und offener Laterne aus dem 18. Jh., der mit Kupfer verkleidet worden ist. Dieses Kupferblech verleiht der Kirche eine gediegene Vornehmheit.
Der italienische Einfluss ist unverkennbar.

An der Rückseite, angeschmiegt an eine aufsteigende Leiter, befindet sich ein kleiner rechteckiger Anbau, der wohl ursprünglich eine Einsiedelei war und jetzt die Sakristei enthält.


Altarbild Mariä Verkündigung

Optischer Mittelpunkt der Rundkirche ist der in den Kuppelbereich reichende Hochaltar, dessen Retabel auf zwei glatte, marmorierte Säulen gestützt ist und nach oben durch Segmentgiebel abgeschlossen ist.

Das in einen wuchtigen Rahmen gefasste Hochaltargemälde ist eine Kopie des Gnadenbildes von St. Annunziata zu Florenz aus dem Jahr 1670. Es trägt den Titel: "Wahre Abbildung des Florentinischen Englischen Grueß, in welchem beede Angesichter unser lieben Frawen und des Engels,von einer Englischen Hand gemahlet worden".
Der prächtige, silbergetriebene Tabernakel darunter wurde von der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester gestiftet
Zu beiden Seiten des Hochaltars sind Oratorien angebaut, an deren nach vorn geschwungene Brüstungen jetzt Votivbilder gehängt sind. Seitenaltäre:
Der der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef (auf dem Altarblatt mit dem Jesuskind auf dem Arm), der rechte Seitenaltar dem hl.Johannes Nepomuk (mit Kruzifix und einem Kranz von fünf Sternen) geweiht.

An den Wänden hängen mehrere Bilder (darunter die Hammerthaler Madonna und der Evangelist Lukas) und zwei große Kruzifixe. Dort stehen auch Heiligenfiguren (Muttergottes und St.Florian).

ApostelleuchterApostelleuchterKreuzwegKreuzwegHochaltargemäldeAltaraufsatz: GottvaterTabernakelKreuzwegApostelleuchterMuttergottesEwig-Licht-Ampel

In der linken Wandnische sind die Krücken der jungen bayerischen Prinzessin Elise Ludovika, der späteren Königin von Preußen zu sehen. Die Prinzessin kam 1808 oder 1809 im Begleitung ihres Vaters König Max I. von Bayern nach Mariabrunn, wo sie bald von ihrem Leiden genaß. Die nicht mehr benötigten Krücken hat sie der Kirche überlassen.

Mariabrunn liegt am sog. Dachauer Jakobsweg, den Dachau-Agil mit dem europäischen Jakobswegzeichen ausgeschildert hat. Die Karte mit dem Verlauf des Weges finden Sie hier...

Die Wege der Jakobspilger sind ein System von ausgeschilderten und in Führern beschriebenen Pilgerwegen, die von vielen Ausgangspunkten kommend, quer durch Europa bis nach Pamplona und von dort in einer Route nach Santiago de Compostela führen. Sie orientieren sich in der Regel an den historisch nachweisbaren Routen mittelalterlicher Jakobspilger.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Ob Mariabrunn das unter Bischof Otto von Freising (um 800) genannte "Prunna" ist, wie einige Historikern meinen, ist unsicher; denn der Name ist zu verbreitet. Damit könnten auch andere Orte im Bistum gemeint sein.

Geschichte

Die Kapelle Maria Verkündigung jedenfalls wurde in den Jahren 1662-1670 von dem Dachauer Pfleger Georg Teisinger errichtet und mit einem Kapital von 900 Gulden (für eine ewige Wochenmesse) ausgestattet. Der Stil ist von italienischen Einflüssen geprägt. Sie ist seit 1907 eine Privatkapelle der Familie Breitling.

Der Münchner Kartograph Michael Wening hat in seiner um 1700 entstandenen Beschreibung des Landgerichts Dachau auch Mariabrunn erwähnt: "Ferner ist zwey Stundt von hier (von Dachau) nechst Mochin Anno 1662 ein Gnadenreicher Haylbrunn sonst Maria Brunn genannt entsprungen warbey (wobei) bishero nit wenig in jhren Gepresten (Krankheiten) und Anligen Hülff gefunden. Anno 1670 ist allda von Herrn Georg Teysinger Churfürstl. Geheimben Rath ein schöne Capell erbauet auch nachmals ein doppletes Bad mitverschydenen Zimmeren auffgericht und darbey der Armen nicht vergessen worden. Von Ursprung dises Haylbrunn ist Anno 1674 ein eygnes Tractätl außgangen".

Die erste ausführliche Beschreibung stammt aus der Schmidtschen Matrikel, die der Kanonikus Schmidt aus Freising in den Jahren 1738/40 erstellt hat. Unter der Pfarrei Ampermoching ist die "Capella filialis Beatae Mariae Virginis ad fontem prope Moching" zu finden.
Die Kapelle ist ein schöner und aufwändiger Bau, der von dem vornehmen Herrn Georgii Teisinger, Dachauer Pfleger und Berater des erlauchtigsten bayerischen Kurfürsten von Bayern, erbaut wurde. In der Kapelle steht ein Altar, der der Verkündigung Mariens geweiht war. Die Kapelle liegt im Wald an einem Brunnen, Maria-Prünl genannt, wo durch heilende Bäder verschiedene Krankheiten behandelt werden. Das Kirchweihfest wurde am 18.Oktober gefeiert. In der Sakristei waren schöne Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer von Ampermoching und der Dachauer Pfleger gemeinsam. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses wirdet dieser Zeit gegen 1400 fl. (=Gulden) auswerffen". Das war im Hinblick auf den guten Bauzustand des Gotteshauses ein großer Betrag.

Baubeschreibung

Die Kapelle Maria Verkündigung ist ein ovaler Zentralbau, dessen flache weiß gestrichene Lisenen sich vom beige-roten Farbton des Mauerwerks abheben. Über dem rechteckigen Eingangsportal, das ein einfacher Ohrenrahmen mit Gebälk umgibt, ist ein rundes Fenster, in der Kunst auch Ochsenauge oder "oeil de boeuf" genannt, platziert. Treppen führen zum hochgelegenen Eingang.

Über dem Kapellendach aus Kupfer befindet sich ein sehr anmutiger Dachreiter mit Doppelzwiebel und offener Laterne aus dem 18. Jh., der mit Kupfer verkleidet worden ist. Dieses Kupferblech verleiht der Kirche eine gediegene Vornehmheit.
Der italienische Einfluss ist unverkennbar.
Ob die 1791 von C.Karl Ellmayr aus München für Mariabrunn gegossene Glocke noch vorhanden ist, ist mir nicht bekannt.

An der Rückseite, angeschmiegt an eine aufsteigende Leiter, befindet sich ein kleiner rechteckiger Anbau, der wohl ursprünglich eine Einsiedelei war und jetzt die Sakristei enthält.

Inneneinrichtung

Hochaltar/Choraltar

Optischer Mittelpunkt der Rundkirche ist der in den Kuppelbereich reichende Altar, dessen Retabel auf zwei glatte, marmorierte Säulen gestützt ist und nach oben durch Segmentgiebel abgeschlossen ist.

Das in einen wuchtigen Rahmen gefasste Hochaltargemälde ist eine Kopie des Gnadenbildes von St. Annunziata zu Florenz aus dem Jahr 1670. Maria sitzt auf der rechten Seite des Bildes auf einer Bank. Sie ist in einen blauen Mantel gehüllt. Ihr ernster, sehr gefasster Blick geht hinüber zum Erzengel Gabriel, der über einem farbigen Teppich schwebt. Er ist von einem goldenen Strahlenkranz umgeben. Die Gesichter von Gabriel und Maria ähneln sich in hohem Maße. Zwischen den beiden Gestalten fliegt eine Taube hernieder, die Gnadenstrahlen in Richtung Maria sendet. Auf einer das ganze Bild durchmessenden Bank liegt auf einem Kissen die geöffnete Bibel. In großen Buchstaben wird der Beginn der Prophezeihung des Jesaias (Is 7,14) zitiert: "Ecce Virgo concipiet et pariet filium" = siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.

Unter dem Gemälde enthält eine -vom Tabernakel leider verdeckte Kartusche den Titel: "Wahre Abbildung des Florentinischen Englischen Grueß, in welchem beede Angesichter unser lieben Frawen und des Engels,von einer Englischen Hand gemahlet worden".

Dies geht auf die Legende zurück, bei der Herstellung des Freskos in der Kirche Annunziata in Florenz im Jahr 1252 habe ein Engel die Häupter von Maria und von Gabriel gemalt, während der Maler schlief. Man nennt solche Bilder auch Acheiropoieta (griechisch: "nicht von Menschenhänden gemacht")

Im Altaraufsatz ist Gottvater mit der Weltkugel dargestellt. Flankiert wird er von zwei Dachungsengeln, die auf den Segmentgiebeln sitzen.
 
Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.

Tabernakel
Der silbergetriebene Tabernakel wurde von der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester gestiftet. In seine seitliche Erweiterungen sind Klosterarbeiten eingearbeitet, die verzierte Reliquien und Wachsmedaillons enthalten. Der Mittelteil, der eigentliche Aufbewahrungsort der Hostien, ist ein Drehtabernakel.
Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.  
mehr über Amalie Hohenester siehe unten...
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig.Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Seit dem 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) können Tabernakel wieder selbstständig aufgestellt werden. Deshalb sehen wir in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel in die Außenwand eingelassen oder frei auf einer Säule stehen.


O
ratorien und Votivbilder

Zu beiden Seiten des Hochaltars sind Oratorien angebaut, an deren nach vorn geschwungene Brüstungen jetzt Votivbilder gehängt sind. Die Oratorien sind von der Sakristei aus begehbar. Obwohl in der Kirche viele Votivbilder zu sehen sind, stellen sie nur einen kleinen Teil aller Votivbilder dar; die künstlerisch und vom Alter her wertvollsten Votivbilder hängen nicht mehr hier; sie sind entweder in den Museen oder anderweitig sichergestellt.

 

Ewig-Licht-Ampel

Vor dem Altar hängt eine Ewig-Licht-Ampel aus getriebenem Silberblech und kleinen Vergoldungen.

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern.
Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.
  Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.


Seitenaltäre

Der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef, der rechte Seitenaltar dem hl.Johannes Nepomuk, geweiht.
Josef wird mit dem Jesuskind auf dem Arm dargestellt, das schon ein kleines Kreuz in Händen hält. In den linken Arm von Josef eingeklemmt ist ein Aaronstab. Johann Nepomuk betrachtet betend ein Kruzifix in seinen Händen. Um seinen Kopf ist ein Kranz von fünf Sternen gezeichnet.
  Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen.Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als moderner Heiliger häufig abgebildet worden.
Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Der Aaronstab wird in Legenden mit der Brautwerbung Josephs in Zusammenhang gebracht. Demnach war Maria Tempeljungfrau in Jerusalem und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unberührt lassen würde ("Josephs-Ehe"). Jeder Bewerber - allesamt waren Witwer - sollte einen Stab auf dem Altar des Tempels niederlegen; Josephs Stab grünte und blühte, zudem ließ sich eine Taube als Zeichen der göttlichen Bestätigung auf seinem Kopf nieder.
Auf dem Altartisch des rechten Seitenaltars (Nepomukaltars) steht ein vergoldeter Holzschrein mit Verzierungen im Stile der Neugotik und mit Vierpassöffnungen im Deckel. Er enthält Reliquien eines oder einer Heiligen.
Die durch Klosterarbeiten verzierten Reliquien machen den Anschein, als seien im Schein die Gebeine eines Kindes aufbewahrt. Um welchen oder welche Heilige es sich handelt, ist mir nicht bekannt.
Nach einer päpstlichen Überlassungsurkunde liegen in der Kirche u.a. Reliquien des hl. Bernhard v. Clairvaux, des grossen Kreuzzugpredigers, des hl. Philipp Neri, des hl. Rochus, des Patronus der Pestkranken und der der hl. Äbte Hilarius und Aegidius.

 

Ewig-Licht-AmpelApostelleuchterApostelleuchterKreuzwegbildKreuzwegbildKreuzwegbildKreuzwegbildSt.FlorianKruzifixLukasbildSteintafel SchleichKreuzwegbildKruzifixSteintafel BreitlingHammerthaler Muttergottes
Fenster
Von Amalie und ihrem Mann Benedikt Hohenester in Auftrag gegeben wurden auch die Glasgemälde mit den beiden Namenspatronen St.Amalia und St.Benedikt, dem Gründer des Benediktinerordens. Finanziert hat die Fenster aber die Kaiserin Sissi, die ebenfalls in Mariabrunn zur Kur war. Die Fenster wurden 1873 von R. UlKe aus München geschaKreuzwegbildffen. Sie sind mit Verzierungen im Stil des damals so beliebten Historismus versehen. St. Amalia ist als Klosterfrau mit Kruzifix in der Hand dargestellt. Auf einem Tisch liegen Krone und Zepter. Diese Attribute deuten darauf hin, dass die Heilige das Klosterleben einem herrschaftlichen Leben vorzog.
Hinweis: Die hl.Amalie erhielt ihre Erziehung durch ihre Tante Landrad im Kloster Münsterbilsen. Später wohnte sie auf ihrem Erbbesitz im benachbarten Tamise, wo sie nach einem heiligen Leben im 8. Jahrhundert starb.

Figuren, Bilder und Gegenstände an den Seitenwänden

Der hl. Florian über dem Eingangsportal hat leider keine Attribute (Kübel und Haus) mehr. Früher befand sich die Statue in der linken Nische, in der heute die Schwarze Madonna steht.
Diese Schwarze Madonna, eine Nachbildung der Mutter Gottes von Tschenstochau in Polen, stammt vermutlich aus der Zeit der Amalie Hohenester, die damals besonders viele Badbesucher nach Mariabrunn aus dem slawischen Raum angezogen hat
In der linken Wandnische sind die Krücken der jungen bayerischen Prinzessin Elise Ludovika, der späteren Königin von Preußen zu sehen. Die Prinzessin kam 1808 oder 1809 im Begleitung ihres Vaters König Max I. von Bayern nach Mariabrunn, wo sie bald von ihrem Leiden genaß. Die nicht mehr benötigten Krücken hat sie der Kirche überlassen.
An den Kirchenbänken ist eine schöne, fünfeckige Prozessionsfahne befestigt. Sie zeigt in farbiger Stickerei die Kirche von Mariabrunn. Darum herum ist der Text: "Mariabrunn - Wallfahrtskirche zu unserer lieben Frau" zu lesen. An den unteren drei Ecken sind Quasten befestigt.


In der Nähe des rechten Seitenaltars steht an der Wand eine große Marienfigur aus der Mitte des 18.Jh. Ihr Gewand ist mit einem überaus reichem Faltenwurf ausgestattet.


Die Figur stellt die Schmerzensmutter dar, wie der Ausdruck des Gesichts und die im Schmerz zusammengepressten Hände zeigen. Das sonst übliche Schwert in Marias Brust fehlt hier.

An der linken Seitenwand hängt ein großes Muttergottesbild. Nach Auffassung einiger Heimatforscher handelt es sich vermutlich das Geschenk einer polnischen Patientin an Amalie Hohenester und stellt eine Abbildung der Muttergottes aus Tschenstochau dar. Doch das Gesicht der schwarzen Madonna aus Polen stimmt mit dem auf dem Bild nicht überein. Möglicherweise ist es ein Gemälde der Hammerthaler Madonna, wie sie in Sigmertshausen als Gnadenbild verehrt wird.

Die Muttergottes ist zusammen mit dem Jesuskind in ein langes, glockenartiges Gewand gekleidet. Ein bunter Überhang im spanischen Stil wird durch Schmuckketten zusammengehalten, an denen große und kleine herzförmige Anhänger befestigt sind.

Von Maria und ihrem Sohn sind nur die gekrönten Häupter zu sehen. Auf dem Gewölk unter der Madonna liegt ein versilberter, zunehmender Mond mit Gesicht. Vier Englein, die ebenfalls Herzen in den Händen halten, umschweben die Gruppe.

Ein relativ großes Holzbild zeigt den Evangelisten St.Lukas mit seinem Attribut, dem Stier vor goldenem Hintergrund. Es handelt sich um Gemälde wohl aus dem 19.Jh im Malstil der Nazarener.
Hinweis: Nazarener nannte man Angehörige einer Künstlergruppe der Romantik (2.Hälfte des 19.Jh), die von Schülern der Wiener Akademie (dem Lübecker Friedrich Overbeck, dem Frankfurter Franz Pforr u. a.) 1809 nach dem Vorbild der Lukasgilden gegründet wurde. Den Namen erhielten sie, weil sie ihr Haar nach dem Beispiel Jesu Christi lang und in der Mitte gescheitelt trugen. Die Nazarener fanden auch in Briefen von J.W. von Goethe Erwähnung.
Gold ist die Farbe der Sonne, des Himmels und des göttlichen Lichts. Wird -wie hier- der Hintergrund eines Gemäldes in Gold gestaltet, soll damit eine himmlische Szene dargestellt werden.

Epitaphe

An den Stifter der Kapelle erinnert eine rote Marmortafel neben dem St.Josefs Altar. Sie hat folgenden Wortlaut:


"Der wol Edl und gestrenge Herr Georg Teissinger kurfürstl. Durchlaucht in Bayern, Geheimer Rat und Pfleger zu Dachau hat zu Gottes und Unserer Lieben Frauen Ehr, dem Nächsten zum Trost, und Heil diese Kapelle zu Mariabrunn auf seine Kosten erbaut, zugleich eine Ewige wöchentliche Messe da gestiftet. Im Jahre 167o."


Eine weitere Tafel erinnert an den letzten Pfarrer von Mariabrunn, Joseph Schleich, auch "Schleichvater" genannt (1882-1953). Auf der Gedenktafel ist der Text zu lesen:
"So schleudert den Satan ins Höllenreich - Herr Pfarrer selig Joseph Schleich.

In des Vaters und des Sohnes und des Hl.Geistes Namen - Requiescat in pacem in Ewigkeit Amen."
Die drastische Abbildung unterstreicht diesen Text.
Pfarrer Endres aus Röhrmoos schrieb am 30. April 1953 in die Pfarrchronik:
"In Schönbrunn starb heute früh H.H. Kommorant Josef Schleich (geboren am. 5.7.1882 in Inzell, zum Priester geweiht 29.6.1908). Der Verstorbene besaß ein großes allgemeines Wissen; er wurde als Beichtvater und zu Seelsorgeaushilfen gern in Anspruch genommen. R. I. P."

Die dritte Steintafel ist dem früheren Besitzer von Mariabrunn Herbert Breitling gewidmet.

Sie zeigt den Geehrten, der an einer Brüstung lehnt und auf Mariabrunn hinabschaut.
Text: "Hl.Mutter Gottes von Mariabrunn, segne uns alle um und um, bitt für unsre Elten um die Seligkeit. Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen. Herbert Breitling 9.7.1882-24.11.1956
Die zweite und dritte Steintafel wurden vom Münchner Urologen und Hobbybildhauer Dr.Franz-Josef Stier, dem Bruder von Monika Breitling sen., geschaffen.



Kruzifixe
Zwei Kruzifixe sind links und rechts des Eingangs angebracht. Beide Kruzifixe entstammen dem Barock. Beim etwas größeren, rechten Kruzifix haben die Kreuzbalken dreipassförmige Enden; das Haupt Jesu ziert ein dreistrahliger Heiligenschein. In beiden Darstellungen trägt Jesus, der mit drei Nägeln an das Kreuz genagelt ist, eine Dornenkrone. Die Seitenwunde auf der rechten Seite und die geschlossenen Augen zeigen ihn als Verstorbenen.
  Hinweis: Am Corpus des Kreuzes liegt -wie bei den meisten Kreuzigungsdarstellungen üblich- die Seitenwunde auf der rechten Seite des Brustkorbs. Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Da das Öffnen der Seite aber den Zweck hatte, zu prüfen, ob Jesus schon tot war, muss es sich um seine linke Seite gehandelt haben. Nach dem Tod eines Menschen sammelt sich im Herzen Blut und Wasser. Das herauslaufende Wasser war somit das Zeichen für den eingetretenen Tod. Die häufige Darstellung der Stichwunde auf der rechten Seite liegt in der mittelalterlichen Deutung begründet, dass es nur die rechte, die gute Seite sein konnte, durch die Blut und Wasser als Hinweis auf die kommenden Sakramente der Eucharistie und der Taufe auf die Menschheit herabströmte.

Kreuzwegbilder und Apostelkreuze

An den Seitenwänden hängen die Bilder der vierzehn Kreuzwegstationen.
Sie wurden vom Dachauer Künstler Anton Huber gemalt (sign.), der in vielen Kirchen des Dachauer Landes künstlerisch tätig war.
Im späten Mittelalter hielt man dann Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
An der Wand sind Apostelleuchter vor den Apostelkreuzen (in der Form von Radkreuzen) aus bemaltem Stuck angebracht. Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. Bei der Weihe der Kirche werden die Apostelkreuze einzeln mit Chrisam gesalbt.


Opferstock
Vor dem Gitter, das die Kirche in Zeiten außerhalb des Gottesdienstes schützt, aber den Besuchern dennoch einen Blick ins Innere gewährt, steht ein über einen Meter großer Opferstock. Er besteht im Inneren aus Holz. An seinem mit Rosetten versehenen Metallmantel sind vier Schlossgurten mit Sicherheitsschlössern angebracht.

Wenn Sie noch weitere schöne Opferstöcke aus den Kirchen des Dachauer Landes sehen möchten, klicken Sie hier...

Weihwasserbecken

Am Eingang ist auf der linken Seite ein fünfseitiges Weihwasserbecken aus Rotmarmor mit Steinrelief eingemauert. Das Relief ist ein Wappenschild mit einem gekrönten Löwen, der eine Kugel in der rechten Hand hält. Die Bedeutung dieses Wappens ist mir nicht bekannt.
Wenn Sie noch weitere schöne Bilder von Weihwasserbecken oder Weihwasserkesseln aus den Kirchen des Dachauer Landes sehen möchten, klicken Sie hier...


K
rippe

In der Weihnachtszeit steht an der linken Seite eine kleine Krippe vor einem als Sternenhimmel gestalteten blauen Vorhang.


Gottesdienste

In der Privat-Kirche werden viele Hochzeiten (rd. 40 jährlich) und Taufen (30 jährlich) abgehalten.
Die Fatima-Gottesdienste von 13. Mai bis 13. Oktober ziehen viele Gläubige an. Begründet wurden sie 1957 vom Jesuitenpater Karl Ott aufgrund eines Gelübdes während seiner Zeit in russischer Gefangenschaft nach dem 2.Weltkrieg.
Auch 30 Bittgänge aus der näheren Umgebung (z.B. aus Prittlbach) haben häufig das romantische Mariabrunn zum Ziel.

Der jetzige Besitzer, Florian Breitling, kümmert sich mit großem finanziellen und ideellem Einsatz um die Kapelle und führt manchmal auch Besuchergruppen durch das Gotteshaus.

Hans Schertl



Geschichte des Heilbads Mariabrunn


Am Nordhang eines sanften Höhenzuges, zwischen Ampermoching und Schönbrunn gelegen und von drei Seiten her durch Wald eingesäumt, liegt der malerische Ausflugsort Mariabrunn. Der Besucher findet dort nicht nur das efeuumrankte Brunnenhäuschen aus vergangenen Tagen, auch die von der Familie Breitling liebevoll gepflegte Kapelle und das inzwischen als Speisegaststätte renommierte Gasthaus mit großem Biergarten.
Die Kapelle erfreut sich eines regen Zuspruchs für Taufen und Eheschließungen. Die Fatima-Gottesdienste von Mai bis Oktober ziehen viele Gläubige an. Auch Bittgänge aus der näheren Umgebung haben häufig das romantische Mariabrunn zum Ziel.

Als Heilbad ist es seit 1670 bekannt


Auf der Südseite ist die 2stöckige Sakristei angebaut
Über die Gründung ist z. Zt. wenig bekannt. Es könnte das um 800 in den
Freisinger Kirchenbüchern erwähnte "Prunna" sein.

das efeuumrankte frühere Brunnenhäuschen

1662 beginnt für Mariabrunn eine sehr reichhaltige, aber auch eine von vielen Höhen und Tiefen geprägte Geschichte. Im Juli des Jahres 1662 arbeitet der Mochinger Bauer Stephan Schlairboeck im Wald beim heutigen Mariabrunn. Vom Durst geplagt, sucht er eine kleine Quelle auf und trinkt daraus. Bald darauf ist er von seinem Leiden befreit, welches ihn vorher jahrelang plagte. in großer Dankbarkeit bringt er bei der Quelle ein Marienbild an.

Diese wundersame Heilung spricht sich bald in der ganzen Gegend herum und es kommen viele Leidende zur Quelle, in der Hoffnung, durch den Genuss des wundersamen Wassers gesund zu werden. Viele dieser Heilungsuchenden erfuhren eine Linderung ihrer Krankheit, manche wurden sogar völlig geheilt. Mariabrunn wurde zu einem Wallfahrtsort.


Auch die Obrigkeit wurde auf die Heilungen von Mariabrunn aufmerksam. Kurfürst Ferdinand Maria ließ über den Kurfürstlichen Rat Teissinger aus Dachau die Quelle fassen, zudem ließ er eine Kapelle und ein Badehaus errichten.
1674 vergleicht "Ihrer Kurfürstlichen Durchlaucht in Bayern Rat und Leibmedicus Franz I.Thiermair" in einem Tractätlein über die Vorzüge des Heilwassers die Wirkung des Mariabrunner Wassers mit dem von Adelholzen bei Traunstein.

"Vor 1756 wurde das Badehaus vollkommen resta
urirt" stand 1852 in der Zeitung.

1790 analysierte der damalige kurfürstliche Leibarzt Dr. Anton Leuthner die Bestandteile des Wasser als Kalkerde, Erdsalz, Ockererde mit Eisengehalt (1852 hieß es dazu: "Das Wasser enthält Kohlenstoffsäure, kohlensaure Soda, kohlensaure und salzsaure Kalk- und Talkerde, kohlensaures Eisen und wird in Nieren-, Blasen- und Harnkrankheiten mit Erfolg gebraucht.").

Die Kranken
Josef Bogner hat in seinem Aufsatz "Die Mirakel von Mariabrunn" 48 Beispiele von Kranken aufgeführt, die in Mariabrunn in der Zeit zwischen 1674 und 1850 Heilung gefunden haben. Es waren 18 Fälle von Leibschaden, 5 Fälle von Wassersucht, 6 Bein- u.Fußleiden, 3 Augenerkrankungen, 2 dauerndes Seitenstechen, 2 Brustleiden, 2 Armschmerzen, 1 Blasenleiden, 1 Magenerkrankung und 1 Aussatz.
Meist berichten die Aufzeichnungen über "Leibschäden", die vor allem Behinderungen, aber auch Verletzungen bezeichnen.
Margarete Schaffl mit "einem Loch unter der Achsel". Sophie Sand aus Neukirchen mit "Gehbehinderung". Mathias Scheiber von Oberhausen mit "Leibschwellungen". Die blinde Zäzilie Voglberger aus Niedermarbach, "die am Leib ganz ausgefallen war", dem Bäcker Balthasar Brandl war "der Hinterleib 12 Jahre lang ausgegangen". Katharina Pücher aus Lotzbach hatte "stark geschwollene Beine, die das Anziehen von Schuhen unmöglich machten". Oswald Weninger aus Ampermoching war "durch einen Sturz schon zwei Jahre lang am Knie verletzt". Anna Stadler aus Geisenfeld litt "am grauen Star". "Augenleiden" plagten auch die Bierbräuin Ursula Hueber in Dachau, der erblindete Caspar Zehentmayr aus Ampermoching konnte nach dem Besuch von Mariabrunn "einen hellen Schein sehen und damit ohne fremde Hilfe auf Weg und Steg gehen". "Langjähriges Seitenstechen" hatte Elsbeth Sedlmayrin aus Ampermoching und Elisabeth Orthofer aus Purtlhofen geplagt. Barbar Stöger hatte sogar "Aussatz".


In den nächsten Jahren und Jahrzehnten war Mariabrunn dann weit
bekannt. 1808 und 1809 begleitete König Max I. von Bayern seine Heilung suchende Tochter Elise Ludovika, die spätere Königin von Preußen nach Mariabrunn, wo sie bald von ihrem Leiden genaß. Die Krücken der jungen Prinzessin sind noch heute in der linken Wandnische zu sehen.

Aber irgendwann muss dann ein Rückgang eingesetzt haben, denn 1846 wird berichtet: "Das Anwesen wird nicht mehr als Bad, sondern nur noch als Ökonomiegut betrieben".
Allerdings war im Geographisch-statistisch-historischen Handbuch des Königreiches Bayern 1852 zu lesen: "Vor 1756 wurde das Badehaus vollkommen restaurirt und erfreut sich nun eines größeren Zuspruchs... Derzeit ist der Privatier J.Hummel Besitzer".

Ab 1863 kam Mariabrunn zu seinem größten Glanz, als es von der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester gekauft und betrieben wurde. Ihre Diagnosen, woher immer sie diese auch nahm, verblüfften die Heilungssuchenden. Mit verschiedenen Teesorten, Kräutern, Bädern und kargem Essen erzielte sie viele Heilungen. In den damaligen Gästebüchern sind Adelige und sonstige reiche Leute aus ganz Europa verzeichnet, entsprechend vergrößerte sich auch ihr Besitz. Sie führte ein sehr strenges Regiment, der behördlich vorgeschriebene Badearzt spielte ebenso wie ihr Mann nur eine untergeordnete Rolle. Trotz ihrer Strenge war sie aber sehr sozial eingestellt. Es gab damals noch keine staatlichen Versorgungskassen; wurde von ihren ca. 80 Angestellten jemand krank oder zu alt zum Arbeiten, so durfte er in Mariabrunn bleiben und wurde versorgt. Ein großes Bild in der Gastwirtschaft in Mariabrunn gibt heute noch Zeugnis von dieser erfolgreichen, aber auch etwas geheimnisumwitterten Frau. Bald nach ihrem plötzlichen Herztod im Jahre 1878 ging es mit der Anziehungskraft von "Bad Maria Brunn" und damit auch wirtschaftlich steil abwärts, Mariabrunn wurde versteigert. Über ihre Beerdigung ist ein Zeitungsbericht erhalten; klicken Sie hier...


Das Brünnlein gibt auch heute noch Wasser

Bis zum Jahre 1907 folgten noch mehrere Besitzer, dann fing durch den 25-jährigen Brauer Heribert Breitling eine neue Ära an. 1912 baute er das neue Sudhaus und brachte den Betrieb wirtschaftlich wieder in die Höhe.

Hans Schertl

Quellen:
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701 Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, S.107, 1852 (auch 1756)
Amperbote vom 27.03.1878 (Beerdigung Hohenester)
Pfarrer Niklas/Endres - Röhrmooser Pfarrchronik 1933 - 1953
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Regionalanzeiger 1978
Kunstreiseführer "Von München zur Donau"
Dr.Gerhard Hanke, Die Mirakel von Mariabrunn, Amperland 1983
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Helmut Rumrich/Franz Thaler, Die Gemeinde Röhrmoos, 1986
Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996
Dachauer Nachrichten vom 29.4.2003, 8./9.9.2007
Peter Steiner u.a., Kreuz und Kruzifix, Ausstellungskatalog Dombergmuseum Freising, 2005
Flyer Mariabrunn, Fam.Breitling

37 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

 

17.1.2012

Beerdigung von Amalie Hohenester
Amperbote vom 27.03.1878

Am Dienstag den 26. März schloss sich das Grab über die in den weitesten Kreisen durch ihre Kuren berühmt gewordene Badebesitzers-Gattin, Frau Amalie Hohenester, früher in Deisenhofen und seit 15 Jahren Besitzerin des Bades Mariabrunn. Wir wollen uns nur auf die im Bezirk Dachau bekannt gewordene Tätigkeit der verlebten beschränken und halten uns auch nicht berufen den Maßstab der Kritik an ihr Wirken anzulegen, jedoch so viel steht bei ihren Freunden und Feinden fest, dass in ihrer Brust für ihre Mitmenschen und namentlich für Arme und Unglückliche ein warmes Herz schlug. Ihr vielbewegtes erfahrungsreiches Leben schoss ihr beträchtliche Summen vor die auch später sich in klingende Münzen umwandelten und zwar ausschließlich durch ihren Scharfblick und Energie, die sie auf allen Bahnen zu betätigen schien. Das ziemlich heruntergekommene Bad Mariabrunn hat die Heimgegangene in einer Staunen erregender Weise wieder in Flor gebracht und dasselbe durch mehrere Neubauten, noble und geräumige Badlokalitäten den renomiertesten Bädern gleichstellt. Noch vor wenigen Tagen ging sie ihren üblichen Geschäften nach und ein vorausgegangenes Unwohlsein, welches sie wenig zu beachten schien, machte plötzlich ihrem tatenreichen Leben am Sonntag früh 1 ¼ Uhr durch einen Herzschlag ein Ende, in einem Alter von 49 Jahren, welches nach menschlicher Berechnung gewiss ein allzu frühes genannt werden darf. Bei der stattgefundenen Beerdigung der irdischen Hülle der Verlebten im Friedhof von Ampermoching fanden sich zahlreiche Leidtragende aus allen Ständen ein und nachmittags kam aus Petersburg ein Kammerdiener der Großfürstin und legte einen Kranz auf das Grab der Verblichenen. Ein Menge Beileidstelegramme aus allen Weltgegenden bezeugen von der großartigen Teilnahme, die den Hinterbliebenen gezollt wird.