zur Landkreiskarte      ausführliche Beschreibg       Kirchen i.d. Gem.Petershausen


Kirche Mariä Geburt (Frauenkirche) in Kollbach

barocke Kapelle
Adresse : 85238 Petershausen, Dachauer Straße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

K
urzbeschreibung

Die Frauenkirche in Kollbach wurde 1288 wohl noch im romanischen Stil errichtet, in gotischer Zeit verändert, vielleicht auch neu erbaut und 1675, kurz nach dem 30jährigen Krieg, umgebaut und barockisiert.

Das Gotteshaus gehört heute nicht mehr zur Pfarrkirchenstiftung Kollbach; sie ist vielmehr eine Privatkirche der Gemeinde Petershausen (aus der Erbmasse der früheren Gemeinde Kollbach). Bei der Säkularisation im Jahr 1803 hatten nämlich die Kollbacher die Kirche erworben, um sie vor dem drohenden Abbruch zu retten.

Der kleine Turm mit achteckigem Überbau und Spitzhelm wurde erst 1883 errichtet; vorher saß ein kleiner Dachreiter auf dem Altarraum.

Im Süden an die Kirche angebaut sind die Sakristei (von 1765) sowie eine Vorhalle, beide mit einem barocken Schweifgiebel versehen.

Die Kirche war über längere Zeit das
Ziel einer Wallfahrt zur Gottesmutter. Gnadenbild war wahrscheinlich die Marien-statue im Strahlenkranz aus dem 17.Jh., die jetzt im Langhaus angebracht is
t.

Hinter der Kirche, im aufgelassenen Friedhof, steht eine offene barocke Kapelle aus der Zeit um 1700. Sie diente wohl als überdachter Freialtar bei großen Wallfahrts-Festen, wenn wegen der großen Pilgerzahl der Platz in der Kirche zu klein wurde (z.B. an Mariä Geburt am 8.Sept.).

Die Kirche wurde in den Jahren ab 1675, 1765, 1870, 1883, um 1900, 1917/18 und 1978/79 renoviert.

Innenausstattung

Den eingezogenen Altarraum mit 3/8-Schluss überdeckt ein Kreuzrippengewölbe. In den dreieckigen Chorjochen hängen Bilder, die der Form des Mauerwerks angepasst sind.

Auf dem Hochaltar steht eine Figur der Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm aus dem Jahr 1974 (nach Art der Patronin Bavariae) von Georg Sellmeier. Assistenzfiguren sind die Heiligen Josef und Joachim. Im Auszugsgemälde die halbfigurige Darstellung von Gottvater. Auf der Rückseite(!) des Altars ein großes Votivgemälde.

Über dem Chorbogen hängt ein Mariengemälde (Verkündigung) im barocken Rahmen.

Die Seitenaltäre sind der hl. Anna (Altarblatt mit Anna und Joachim) und dem hl. Johannes Evangelist geweiht.

Hinter der prächtigen Kanzel ist ein großes
Fresko
an der Wand zu sehen. Auf diesem Gemälde reicht Gottvater sein Zepter Maria zum Kuss: eine ikonographische Seltenheit.

zur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der Kreuzwegbilder zu r Beschreibung des Chorbogengemäldes zu r Beschreibung des Chorgestühls zu r Beschreibung des Anna-Altars zu r Beschreibung des linken Seitenaltars St.Johannes zu r Beschreibung der DreikönigsbilderChristi Geburtzu r Beschreibung des Hochaltars Vergrößerung von 11 Details (Altäre, Bilder, Figuren) per Mouseklick

An der Südwand der Kirche hängt ein großes Kriegergedächtnisbild, das 1918 von Josef Albrechtskirchinger geschaffen wurde. Im Aufsatz zu diesem Bild die erwähnte frühere Gnadenfigur.

Die Kirche wird nur noch selten im Jahr genutzt. Leider haben sich die Zusagen des früheren Bürgermeisters Götz, die er beim Abschluss der Renovierung im Mai 1979 abgab, nur zum Teil erfüllt: "Wir werden die Kirche, die alle Höhen und Tiefen Kollbachs mitgemacht hat, mit Leben erfüllen. Neben Gottesdiensten, sakraler Musik und Marienandachten sollen die Bürger auch zu Konzerten und bäuerlichen Messen eingeladen werden. Wir werden alles tun, um unseren bayerischen Lebensstil auch in der Kollbacher Frauenkirche zu erhalten und zu pflegen."

Derzeit (2014/15) wird über eine Renovierung der Kirche beraten und ein Maßnahmenkatalog erstellt. Problempunkte sind vor allem Löcher im Turmdach, Holzwurm im Gebälk und die Staunässe in den Mauern, die auch die Inneneinrichtung in Mitleidenschaft gezogen hat. Möglicherweise muss die Kirche für die Zeit der Renovierung zugesperrt werden. Die Kosten werden auf 850.000 Euro geschätzt. Fraglich ist noch, wer die Renovierung bezahlt. Die Gemeinde ist Eigentümer; die Pfarrei ist Nutzer. Auch das Landesamt für Denkmalpflege wird bei der Renovierung mitzureden haben. Im April 2016 gründeten die Kollbacher einen "Freundeskreis Frauenkirche", der die Sanierung unterstützen wird. Ein weiteres Problem ist die zukünftige Nutzung. Zwei Kirchen für ein 820-Seelen-Dorf sind für den liturgischen Gebrauch nicht sinnvoll.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte der Kirche

Die Frauenkirche wurde im Jahr 1288 vom 30. Freisinger Bischof Emicho Wildgraf (1283-1311) am Sonntag vor Matthäus (16.Sept) geweiht. So steht es auf einer Gedenktafel im Altarraum, die schon in der Barockzeit angefertigt wurde. Unter Bischof Wildgraf wurde 1294 das Bistum Freising zum Fürstbistum, also zum souveränen Staat erhoben.
Ob es sich beim Bau von 1288 um die erste Kirche in Kollbach handelte, ist nicht bekannt, aber doch unwahrscheinlich, weil die Ortschaft Kollbach schon um 1030 erwähnt wurde. Wahrscheinlich hatten sich die Siedler in Kollbach schon eine hölzerne Kirche für Gottesdienste gebaut. Der wohl noch im romanischen Stil aufgeführte Bau von 1288 dürfte aber die erste aus Stein errichtete Kirche gewesen sein.
Gedenktafel für Neubau 1288

Angeblich war die Frauenkirche sogar die ursprüngliche Pfarrkirche von Kollbach; das behauptet jedenfalls die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40. Erst als die Bevölkerung wuchs, sei die jetzige Pfarrkirche errichtet worden ("Haec ecclesia, in pago Kollbach sita, traditur olim fuisse parochalis, et ecclesia moderna parochalis putatur primum successive pro crescente populi multitudine fuisse adificata").

Freisinger Matrikel 1315 01)
Das erste, leider nur indirekte Zeugnis eine Kirche stammt aus dem Jahr 1311, als in einer Urkunde vom 24.Februar ein "Herr Chunr(ad) der Pf(arrer) von Cholbach" erscheint.

Unter dieser Bezeichnung ist Kollbach auch in der Konradinischen Matrikel von 1315 aufgeführt, mit zwei Friedhöfen (!) im Ort und einer Filialkirche in Petenbach (= "Amperpettenbach"), das 1 1/2 Gehstunden entfernt lag. Ob es sich bei der "Ecclesia in Cholbach" um St.Martin oder die Frauenkirche handelte, ist nicht bekannt. Wenn das Erbauungsjahr von 1288 stimmt, ist wahrscheinlich die Frauenkirche gemeint. Der Originaltext in der Matrikel von 1315 lautet: "Ecclesia Cholbach soluit VIII Pfund, habet in villa II sepulturas et filialem Petenbach".

Patronat der Kirche
In den ersten Jahrhunderten gehörte die Kirche -wie das Dorf- zum Kollegiatsstift Ilmmünster dessen Mutterkloster Tegernsee war.
Als die Münchner Frauenkirche gebaut wurde, hat man 1493 das Kollegiatsstift mitsamt seinem Vermögen (zu dem auch Kollbach zu rechnen war) an die Frauenkirche verlegt, wo es unter dem Namen Kollegiatsstift zu Unserer Lieben Frau in München weiter existierte. So gehörte Kollbach über 300 Jahre lang, von 1493 bis zur Säkularisation 1803 zur Frauenkirche.
Durch Aufhebung des Kollegiatsstifts München und die Veräußerung ihrer Güter im Zuge der Säkularisation verlor die Marienkirche in Kollbach ihren Patronatsherrn.

Gotischer Neubau
In gotischer Zeit (15./ 16.Jh) hat man die Kirche neu gebaut. Von der romanischen Kirche des Jahres 1288 ist wohl (über den Grundmauern) keine Bausubstanz mehr erhalten. Aber auch vom gotischen Neubau ist nur noch der Altarraum geblieben.


Freisinger Matrikel 1524
01)

Die Sunderndorfer'sche Matrikel aus dem Jahr 1524 beschreibt eindeutig eine Martinskirche als Pfarrkirche ("ecclesia s.Martini in Kolwach"). Die Wallfahrtskirche ist in dieser Matrikel nicht aufgeführt.

Beide Kirchen werden erst im Bericht über die Visitation von 1560 erwähnt.


Dreißigjähriger Krieg

Der 30jährige Krieg hat in Kollbach nach Aussage von Anton Mayer in seiner Beschreibung von 1874 schlimm gewütet. Es heißt, dass die Schweden fast alle Bewohner des damaligen Pfarrdorfs ermordet haben. Von den wenigen Überlebenden, die sich zunächst durch Flucht retten konnten, seien viele "ins Elendt gegangen und nicht zurückgekommen". Nach der Ortschronistin Frau Berberich soll damals auch "die Kirche ausradiert" worden sein, so dass sie (noch im gotischen Stil) neu errichtet hat. Selbst wenn der Schaden nicht so umfassend gewesen sein sollte, war in jedem Fall eine Restauration nötig. Denn es ist überliefert, dass gleich nach dem Krieg, 1650, der Turm der Frauenkirche restauriert werden musste. Dabei hat man statt des bisherigen Spitzturms eine Kuppel aufgesetzt, die die Kirche über 230 Jahre lang, bis 1883 zierte.


Barocker Umbau 1675

In der Zeit um 1675, also eine Generation nach dem 30jährigen Krieg, hat man die Frauenkirche großzügig im barocken Stil umgebaut. Damals hat man auch zwei neue Glocken angeschafft, von denen eine 1918 zum Einschmelzen abgeliefert werden musste. Dieser sicherlich kostspielige Umbau der zweiten Kollbacher Kirche lässt sich nur mit der florierenden Marienwallfahrt begründen. Was die Wallfahrt ausgelöst hat, ist nicht bekannt. Aber in den Matrikelbüchern wird von Gebetserhörungen, damals Wundertaten genannt, berichtet.

Am 8.Sept. 1703, am Fest Mariä Geburt, rückten im Gefolge des Spanischen Erbfolgekriegs die im Dienste der Österreicher stehenden Husaren (Reitersoldaten) in Kollbach ein. Dort wurde gerade das Patrozinium gefeiert. Mehrere versammelte Beichtherrn samt ihren Beichtkindern suchten das Weite, heißt es.


Gedenktafel
für Weihe der barocken Kirche im Jahr 1709

Im Jahr 1709 war jedenfalls der barocke Umbau abgeschlossen. Auf der Steintafel an der Nordseite des Altarraums ist vermerkt, dass Fürstbischof Johann Franz von Eckher (1695-1727) am 21.Mai 1709 die drei Altäre der Kirche geweiht hat.
Der Altar kann aber schon länger vollendet gewesen sein, denn der kunstsinnige Fürstbischof war ein vielbeschäftigter Mann. Er regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus und unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Jarzt) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.



Freisinger Matrikel 1738/40
01)
Auch in der Schmidt'schen Matrikel wird die Frauenkirche als Filialkirche von St.Martin genannt. In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis Beatae Mariae Virginis in pago (=im Dorf) Kollbach" bemerkt er, nach der Tradition sei diese Kirche früher die Pfarrkirche gewesen und die moderne Pfarrkirche habe wegen der wachsenden Bevölkerung diese Stelle eingenommen. In der Kirche standen 1738 drei Altäre: der Hochaltar mit dem Gnadenbild, eine Statue der Jungfrau Maria, die Seitenaltäre mit den Patronen St. Anna und Johannes Evangelist. Das Patronat der Altäre hat sich seither nicht geändert. Gottesdienste wurden in der Wallfahrtskirche an allen Marienfesten und an den Festen der Apostel gefeiert, außerdem viele Votivmessen, was auf eine florierende Wallfahrt hindeutet. Das Kirchweihfest fiel auf den gleichen Tag wie das der Pfarrkirche, nämlich auf den Sonntag nach Mariä Geburt. Das Kirchengrundstück war von einer Mauer umgeben. Ein Friedhof um die Kirche war nicht mehr vorhanden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.


Geplanter Abriss 1803

Bei der Säkularisation im Jahr 1803 wurde der Patronatsherr der Marienkirche, das Kollegiatsstift zu unserer Lieben Frau in München, aufgelöst und alle seine Güter veräußert. Dadurch war auch der Bestand der Marienkirche bedroht. Um die Kirche vor dem Abbruch zu retten, erwarben die Gemeinde Kollbach das Gotteshaus. Da nicht offen gesagt werden durfte, dass das Gebäude als Gotteshaus erhalten werden sollte, erwarb man es als Unterstellhalle für landwirtschaftliche Geräte. Damit übernahm die Gemeinde auch die Baulast für die Kirche.



Baulast seit 1803
05)

Trotz der Baulast der Gemeinde Kollbach erklärte sich Pfarrer Matthias Schwarzbauer (1850-1872) bei der Renovierung der Frauenkirche im Jahr 1870 bereit, die Rechnungen zu bezahlen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1.453 Gulden, wovon 60 % durch Spenden von Gläubigen, die restlichen 40 % aus dem Privatvermögen des Seelsorgers gedeckt wurden.
Deshalb wurde 1908 im Schriftverkehr mit der Regierung von Oberbayern und später 1960 nochmals durch das Ordinariat geklärt, dass dies kein Präjudiz sei und die Baulast weiterhin der politischen Gemeinde obliege.
Im Schreiben an das Pfarramt Kollbach vom 14. Oktober 1960 wird unter anderem festgehalten:
   " Die Pl.Nr.31 der Gemarkung Kollbach, auf der sich die Frauenkirche befindet, ist gemäß Eintragung im Grundbuch Dachau,
     Band 3, Blatt 199, S. 346, Eigentum der politischen Gemeinde Kollbach. Die sich daraus ergebende Baulast der politischen
     Gemeinde ist nicht bestritten und reicht in unvordenkliche Zeit zurück" (Pl.Nr.3, 5 Ar 90 qm groß, bebaut mit der Frauen-
     kirche und einer Kapelle und einer Umfassungsmauer - ehemaliger Friedhof, nach alter Beschreibung, heute Grünfläche als
     Eigentum der politischen Gemeinde vorgetragen. Besitztitel: "Unvordenklicher Besitz"
Bei der Gemeindegebietsreform im Jahr 1978 hat die Gemeinde Kollbach die Kirche als kulturell hochwertige, aber kostspielige Mitgift in die kommunale Ehe mit der Gemeinde Petershausen eingebracht. So ist nun die Gemeinde Petershausen Eigentümer und damit Träger der Baulast der Kollbacher Frauenkirche.



Große Renovierung 1870 05)

Die Renovierung der Frauenkirche wurde durch Pfarrer Matthias Schwarzbauer (1850-1972) veranlasst. In seinem Auftrag hatte schon 1859 Georg Beer aus Erling das "ruinöse Orgelwerk in der Frauenkirche mit einem Kostenaufwand von 130 fl. (quittierte Rechnung vom 30.Oktober 1859) instand gesetzt. Dabei wurde das Pfeifenwerk mit vier Registern (Gedeckt 8 von Holz, Fugara 8 von Zinn, Rohrflöte 4 von Holz und Prinzipal 2 von Zinn) weitgehend erneuert. In der handschriftlichen Pfarrchronik von Kollbach (Beilage zum Familienbuch, Pfarrarchiv Kollbach) berichtet Pfarrer Schwarzbauer:
  "Die Frauenkirche wurde unter Pfarrer Barthlmä Obermayer (1669-1716), weiter bis zu seinem Tod am 8. März 1721 als Kommorant in Kollbach) restauriert. Da aber seither nichts mehr geschehen ist, so ist natürlich alles zerfallen, so Gott will, soll aber heuer noch 1870 die höchst notwendige Reparatur und Restauration stattfinden, da ich meine Ökonomie verpachtet, das Inventar versteigert und so Geld erhalten habe, welches ich nicht besser verwenden kann als zur Ehre Gottes.
Ein weiterer Eintrag besagt, dass die Kirche wirklich 1870 um den Betrag von 1453 fl. restauriert wurde. Für die Gesamtrenovierung der Frauenkirche erstellte der Maler A. v. Horten aus Pfaffenhofen/Ilm zwei Kostenvoranschläge, von welchen sich der erste auf 1060 fl. , der zweite auf 1230 fl. belief. Pfarrer Schwarzbauer entschied sich für den billigeren. Die Gesamtausgaben betrugen nach der Abrechnung von Pfarrer Schwarzbauer vom 1. Mai 1871 auf 1453 fl. 59 kr, die mit einem Betrag von 884 fl. 54 kr. aus einer Kollekte bei den Gemeindeangehörigen gedeckt werden konnte. Den Rest von 569 fl. 5 kr. übernahm Pfarrer Schwarzbauer aus seiner eigenen Tasche. Neben der in den Kostenvoranschlägen nicht eigens aufgeführten Marienstatue auf dem Hochaltar (ehemaliges Gnadenbild?) wird "eine Madonna oberhalb dem Armenseelenbild" sowie ein "in der Mitte der Decke befindliches Muttergottesbild" (Madonna im Rosenkranz, das von der Decke hing?) genannt. Im Übrigen siehe die Auszüge aus der Pfarrakte.


Turmneubau 1883
Im Jahr 1883 war der kleine Kuppelturm, der Dachreiter über dem Altarraum der Frauenkirche, baufällig geworden. Die auf den Dachbalken drückende Last hatte die Mauern des Altarraums auseinander gepresst. Um zu verhindern, "dass während der kirchlichen Verrichtungen die Läuteseile der Glocken vor dem Hochaltar gezogen werden müssen, soll ein neuer Turm an der Westseite dieser Kirche hergestellt werden", heißt es in der Begründung zur Baumaßnahme. Wie bei so vielen anderen Kirchtürmen, die zur gleichen Zeit errichtet wurden, wurde er durch ein Spitzdach gekrönt.



Beschreibung 1895

Auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, das 1895 Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellten, finden sich einige Bemerkungen über die Frauenkirche in Kollbach. Dort ist auf Seite 304 zu lesen:
Frauenkirche. Gothisch, 14. Jahrhundert, Langhaus 17. Jahrhundert
Einschiffig mit eingezogenem, ein Langjoch und Schluss in fünf Seiten des Achtecks umfassendem Chor.
Thurm an der Westseite neu (1883).
Im Chor ein gothisches Kreuzgewölbe mit kräftigen, hohlprofilirten Rippen, welche da, wo Langjoch und Schlussgewölbe zusammentreffen, auf Kragsteinen ruhen, sonst ohne solche aus der Mauer vorspringen. Runde Schlusssteine.
Am Aeusseren des Chores Strebepfeiler.
Ausstattung um 1700
.Im Giebel des Portalvorbaues Holzbüste des S. Donatus mit der Jahreszahl 1716.
An der Rückseite des Choraltars ein gemaltes Epitaph mit jetzt unleserlicher Inschrift. Um 1700. Kostümlich interessant
An der Südwand Marienstatue von Holzarchitektur umgeben. Anfang des 18. Jahrhunderts.

 

Renovierung 1917/1918  05)
Eine neuerliche Renovierung der Kollbacher Marienkirche erfolgte unter Pfarrer Sebastian Huber (1915-1921) in den Jahren 1917/1918. Im Einvernehmen mit dem Kgl. Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns (späteres Bayer. Landesamt für Denkmalpflege). Referent war Konservator Schmuderer.
Mit der Gesamtrenovierung wurde der Kirchenmaler Ludwig Ametsberger (München, Atelier Schwanthalerstr. 69/1) beauftragt. Im Februar 1917 erstellte er hierfür einen Kostenvoranschlag über 2.780 Mark, gegen welchen das Generalkonservatorium keine Einwendungen erhob. Er beinhaltete:
- eine "Tönung" des Innenraumes durch Abkratzen der alten Leimfarbe,
- Neutönung mit Kalkweiß und der Orgelempore mit Kaseinfarbe (180 M);
- Renovierung des Hochaltars: neue Glanzvergoldung sämtlicher Ornamente nebst Tabernakel;
- Neufassung der Engel und Engelsköpfe, Wolken Glanzsilber (540 IM) ; von 3 Figuren (wohl der Muttergottes   in der Mitte und der beiden seitlichen Figurengruppen) Mäntel Glanzgold, Unterkleider Glanzsilber (140 M) ;
  sowie "Marmorierung nach   altem Befund" (60 M).

Renovierungstafel
von 1918
- Bei den beiden Seitenaltären ebenfalls neue Glanzvergoldung, Reinigen und Auffrischen der Bilder (840 M) sowie
  Marmorierung beim Hochaltar (110 M), desgleichen der Kanzel (280 M).
- Auffrischen der 14 Kreuzwegstationen sowie Instandsetzung und Vergoldung der Rahmen (350 M).
  "6 Rahmen nebst Bildern im Presbyterium, Rahmen Glanzvergolden und Lasieren, Bilder reinigen und auffrischen" (210 M),
  des gleichen das größere Bild im Chorbogen (70 M).
- Am 13. März 1917 forderte das Generalkonservatorium außer diesen Maßnahmen auch eine Behebung der Dachschäden und   Ausbesserungen am Mauerwerk.
Unterm 19. November 1917 äußerte sich das Generalkonservatorium zum Erfolg der Renovierung:
  'Die Restauration ist im allgemeinen sehr befriedigend ausgefallen. Die farbige Wirkung der Emporenbrüstung könnte etwas kräftiger gehalten sein. Die Leinwandbilder im Presbyterium dürfen trotz ihres schlechten Zustandes nicht dem Verfall preisgegeben werden, da gerade diese Spitzbogenbilder mit ihren geschnitzten Barockrahmen zu der eigentümlichen Dekorierung bzw. Raumwirkung speziell viel beitragen, so sollte die notwendige Instandsetzung dieser Bilder im Anschluß an die bereits ausgeführte Restauration des Kirchleins unbedingt im Auge behalten werden. ...Die notwendigen Ausbesserungen und Retuschen haben sich nur auf die beschädigten Stellen zu beschränken. Jede, auch die geringste Übermalung des Originals ist unzulässig"
Die Kosten wurden durch einen am 1. Juni 1917 bewilligten staatlichen Zuschuss von 300 M. sowie eine Kollekte bei den Gemeindeangehörigen von 3.558,29 M. gedeckt. An die Renovierung 1917/1918 erinnert eine Steintafel (siehe oben):
                   "Renoviert im Kriegsjahr 1918 v.d. Wohltätern der Pfarrei Kollbach unter Leitung d.H.H.Pfarrer Sebastian Huber,
                    Malerei ausgeführt v.Kunstmaler Ametsberger. Patrona Bavariae gestiftet von Freiherrn von Cramer-Clett
"
Marienstatue
Ein besonderes Anliegen scheint Pfarrer Sebastian Huber die Beschaffung einer neuen Marienstatue als Mittelfigur des Hochaltars gewesen zu sein. Am 8. Juli 1917 erstellte ihm der Bildhauer Johann Huber in München einen Kostenvoranschlag:
  1) Madonna Patrona Bavaria 1,40 hoch 600 M
  2) Strahlenschein um die ganze Figur 70 M
Um diesen Preis wird die Statue in Lindenholz im Stil des Altars schön und solid ausgeführt u. bitte ich höflichst um gütige Genehmigung dieses meines Anschlages. Der Preis bezieht sich ohne Fassung jedoch verpackt und portofrei bis Station Petershausen...". Ich muß", so schreibt er im beiliegenden Brief, "zur Statue ein eigenes Modell machen, da die Eigentümlichkeit des Altares, sowie der darinstehenden Figuren eine Anlehnung an diese notwendig machen, um eine Einheit zu erzielen. Das macht natürlich bedeutend mehr Ausgaben u. Arbeit, bitte daher höflichst, am Preise nicht zu erschrecken. ..."
Auf Bitten Pfarrer Huber übernahm Baron von Cramer-Klett (Schloß Hohenaschau) am 11. August 1917 die Kosten.
Diese Figur wurde 1954 "aus der verwahrlosten Frauenkirche" entfernt, weil sie der Pfarrkirchenstiftung Kollbach gehört.
Kriegergedächtnistafel
In seinem Brief vom 29. Mai 1917 unterbreitete Ludwig Ametsberger Pfarrer Huber u.a. das Angebot, Kriegergedächtnistafeln zur Anbringung in der Frauenkirche zu fertigen, von welchem letzterer aber nicht Gebrauch machte. Am 15. September 1917 verpflichtete sich der akad. Maler Josef Albrechtskirchinger (München) gegenüber dem Pfarramt Kollbach vertraglich, "das Votivbild (= Kriegergedächtnisbild) für das Frauenkirchlein in Kollbach mit einem endgültigen Betrag von 750 M einschließlich Materialkosten fertig zu stellen". Ein Jahr später, am 12. September 1918 teilte er mit, das Bild sei "am Vollenden". Der akad. Bildhauer Ferdinand M. Seit (München) schuf dazu zum Preis von 240 M den prächtigen Rahmen mit einem dem Stil der Altäre angepassten Aufsatz, unter dessen Baldachin eine Figur der Patrona Bavariae (nach G.Brenninger aus dem 17.Jahrhundert; bei diesem auch ausführliche Beschreibung des Gedächtnisbildes) Aufstellung fand. Möglicherweise handelt, es sich bei dieser Holzskulptur um das frühere Gnadenbild auf dem Hochaltar, die nun der neuen, größeren Statue Platz machen musste. Für die Gesamtrenovierung der Frauenkirche quittierte Ludwig Ametsberger am 21. Januar 1919 den Gesamtbetrag von 3.178 M.

 

Weitere Restaurierungen
wurden in den Jahren
1675 bis 1765 unter Pfarrer Barthlmä Obermayer, wurden die Fenster erweitert, eine Sakristei und ein Baldachin angebaut  

 

 
1870 unter Pfarrer Matthias Schwarzbauer durch Maler A. v. Horten aus Pfaffenhofen/Ilm (siehe Bericht oben...)
1883 Umbau des Turmes
um 1900 unter Pfarrer Spitzl für 1463 Mark 
1917/18 unter Pfarrer Sebastian Huber durch den Münchner
Kirchenmaler Ludwig Ametsberger für 3558 Mark und (siehe Bericht oben...)
1960 Sanierung des Turms, Kirchenschiff verputzt  
1978/79 Komplett-Sanierung (Kosten 258.000 DM) durchgeführt.


Früher wurde am Patroziniumstag, dem 8.September (Mariä Geburt) ein Markt abgehalten. "Die Buden der Fieranten säumten die Kreisstraße, im Gasthof drehte ein Karussell seine Runden", berichtete Gemeinderat Josef Gerer.

 

Baubeschreibung

Die Kirche wurde um das Jahr 1288 gebaut und später gotisch verändert. In den Jahren 1707 und 1765 scheinen aufgrund der beliebten Wallfahrt an der Frauenkirche innen und außen große Veränderungen in barockem Stil vorgenommen worden zu sein. 

Der Chor mit dem 5/8-Schluss wird außen durch relativ mächtige Stützpfeiler verstärkt.

An der Südseite der Kirche hängt außen ein für die Kirche fast überdimensioniertes Kruzifix. Es besitzt eine geschwungene Kupferüberdachung, die den Korpus vor Witterungseinflüssen schützen soll. Auf der Vorderseite der Überdachung sind um ein Schmuckkreuz herum 14 stilisierte Nägel aus Blech in Goldfassung angebracht. Sie erinnern an die 14 Kreuzwegstationen, die den Weg von Jesus nach Golgota beschreiben.

Wandkruzifix
Im Süden an die Kirche angebaut sind die Sakristei mit einem Schweifgiebel von 1765 sowie
eine Vorhalle, ebenfalls mit Schweifgiebel ausgestattet.
Der kleine Westturm mit achteckigem Überbau und Spitzhelm, in dem zwei Glocken hängen, ist eine Neuschöpfung von 1883.
Zuvor mussten die in einem östlichen Dachreiter hängenden Glocken vom Altarraum aus geläutet werden. Bis zum 30-jährigen Krieg hatte die Kirche übrigens schon einmal einen Spitzhelm. Der wurde dann im Krieg zerstört. 1650 hat man dem Turm dann eine barocke Kuppel aufgesetzt, die bis 1883 hielt. Nach dem Turmbau war der Dachreiter überflüssig.

Spitzhelm
seit 1883
Derzeit hängen im Turm zwei Glocken.
1675 waren zwei neue Glocken angeschafft worden, von denen eine 1918 zum Einschmelzen abgeliefert werden musste. Ob die andere Glocke noch bis in unsere Zeit überlebt hat, weiß ich leider nicht.

Über eine Glocke erzählt die Sage, sie sei von einer weidenden Kuh aus dem Boden gescharrt worden, worin sie vergraben oder versunken war.

Kirchenweihe-Gedenktafeln
Gedenktafel für
Neubau 1288
An die Weihe der Kirche im Jahr 1288 durch den Freisinger Bischof Emicho Wildgraf (1283-1311) und die Altarweihe am 21. Mai 1709 durch Fürstbischof Johann Franz von Eckher (1695-1727) erinnern barocke Solnhofener Platten.
Texte:
"Anno 1288 dominica ante Matthaeum dedicata est ista ecclesia et hoc altare
    in honor. B.V.Mariae et S.Nicolai a Domin. Emicone episcopo Frisingensi" und
"Anno 1709. 21.Mai. consecratum est hoc novum altare majus Francisco epis-
    copo Frisingensi". Früher war das Patronat also geteilt (Maria und Nikolaus);
    das Nikolauspatronat geriet später in Vergessenheit. Außerdem ist der Inschrift
    zu entnehmen, dass es wenigstens 1288 nur einen Altar gab.

Gedenktafel
für Weihe der barocken Kirche im Jahr 1709
  Noch eine Anmerkung zum Bischof Johann Franz von Eckher, der 1709 den neuen Altar geweiht hat.
Dieser kunstsinnige Bischof Franz von Eckher (der 57. in der Reihe der Freisinger Bischöfe) regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach und Westerholzhausen) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.
Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz Eckher nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe.

 


Kapelle hinter der Kirche

Etwas versteckt hinter der Kirche, im aufgelassenen Friedhof, der bereits 1315 erwähnt wurde, steht eine barocke Kapelle mit offener Vorhalle aus der Zeit um 1700.
Die Kapelle dürfte mit der Marienwallfahrt in Zusammenhang stehen.


barocker Freialtar

Sie diente wohl als Freialtar für große Feste, für die die Kirche zu klein war (z.B. an Mariä Geburt am 8.Sept.).
Doch ab 1749 musste sich Kollbach das Interesse der Wallfahrer mit Weißling (Notburgawallfahrt) teilen. Heute beschränkt sich die Wallfahrt auf Bittgänge aus der nächsten Umgebung (Peters-hausen, Asbach und Kammerberg).

Die Kapelle ist mit reichen barocken Stuckaturen versehen. Insbesondere an der Decke (Bild ganz rechts) und der Unterseite des Eingangsbogens (Bild links) dominieren die Akanthusmotive.


Stuck


Gemälde

Stuck
Die Wände sind sparsamer geziert. Einziger Schmuck sind kleine runde Gemälde, die an barocke Apostelkreuze mit Schleifchen erinnern.


Innenausstattung

Altarraum

Der eingezogene, kurze Altarraum schließt in drei Achteckseiten.
Das teilweise auf Kragsteinen aufsitzende Kreuzrippengewölbe mit zwei tellerförmigen Schlusssteinen stammt aus der spätgotischen Zeit. Die Erfindung des Kreuzrippengewölbes, das zum Kennzeichen des gotischen Kirchbaus wird, macht es möglich, die statischen Lasten zu reduzieren und so auch über verhältnismäßig dünne Wände mit großen Fenstern in Verbindung mit entsprechenden Strebewerken in die Fundamente abzuleiten. Symbolisch kann das Gewölbe mit seinem Netzwerk auch die Strukturen des gewölbten Himmels abbilden.
  Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eines Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgabe hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief (Eph. 2,19-22) : "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph. 2,20-22).
Um genügend Licht in den kleinen Kirchenraum fließen zu lassen, wurden bei der Barockisierung auch im gotischen Altarraum größere Fenster ausgebrochen, die oben und unten gerundet sind.

Bilder im Chorjoch
Im Altarraum hängen Leinwandbilder, die "mit ihren geschnitzten Barockrahmen zu der eigentümlichen Dekorierung bzw. der speziellen Raumwirkung viel beitragen", so das Generalkonservatorium.
Eine solche Bildkomposition ist im Landkreis Dachau einmalig. Leider sind die Bilder sehr schlecht erhalten.

Die Bilder in den Chorjochen stellen dar:

Heimsuchung Mariens (Besuch Mariens bei ihrer
Base Elisabeth)
 die Anbetung der Weisen  
 aus  dem Morgenland
die Vermählung Mariens (ein mit der  Pharisäermütze bekleideter Rabbi traut  Maria und Josef) dar.  sowie auf der  Südseite
 die Geburt Christi

Über den Fenstern hängen schmale, nach unten rundbogig, nach oben spitzbogig gestaltete Bilder. Sie haben das Bildthema "Maria Immaculata". Die Gemälde wurden von Bartholomäus Obermayr gestiftet, der von 1669-1716 Pfarrer in Kollbach war.
Unter seiner Leitung wurde die Kirche aufwändig barockisiert.

Maria Immaculata

Links die Muttergottes, über deren Haupt Engel die Krone halten. Rechts unten eine gemalte Inschriftenkartusche mit Kelch. Darum sind das Erstellungsjahr des Gemäldes 1685 und die Anfangsbuchstaben des Stifters B.O.(Bartholomäus Obermayr) gruppiert.
Auf dem rechten Bild kniet der Stifter im Priestergewand und spricht zur Muttergottes auf den Wolken den auf einem Schriftband notierten Text: "..dicnare me, laudare te, virgo Maria" (Würdige mich, dich zu loben, Jungfrau Maria).


Stifter Barth.Obermayr


Hochaltar / Choraltar

Die hochbarocken Altäre mit ihren dekorativen Knorpelwerkschnitzereien (Ausbuchtungen am Rand) im Stil der Zeit um 1675 sind im Wesentlichen in den Farben Schwarz und Gold gehalten.

Choraltar
Zwei Wendelsäulen stützen ein gekröpftes Gebälk, das von einem breiten Aufsatz mit Sprenggiebeln nach oben abgeschlossen ist.
In der Mitte des Aufsatzes befindet sich ein rundes Gemälde; auf dem Gebälk sitzen zwei Anbetungsengel. Die Assistenzfiguren stehen
in seitlichen Nischen auf Konsolen.
 Altaraufsatz
Im kleinen, runden Auszugsgemälde findet sich die halbfigurige Darstellung von Gottvater auf der Wolkenbank. mit segnender Rechten; in der linken Hand die blaue Weltkugel mit Kreuz.

Gottvater
Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahr-hunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater
erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Mittelteil
In der Mittelnische des Hochaltars steht die Figur einer Muttergottes. Sie trägt das nackte Jesuskind mit der Weltkugel auf dem linken Arm und hält in der rechten Hand ein Zepter. Ihr rechter Fuß ruht auf einer Mondsichel. Die mit Spendenmitteln beschaffte Figur aus dem Jahr 1974 wurde bei der Kirchenrenovierung 1978/79 aufgestellt. Die Figur entspricht in Gestalt und Haltung der "Patrona Bavariae", auf der Mariensäule in München.

Muttergottes
Geschnitzt wurde sie 1974 vom Bildhauer Georg Sellmeier aus Zolling, dessen Kunstwerke auch in den Kirchen von Vierkirchen, Jedenhofen und Pasenbach zu sehen sind.
Früher stand an gleicher Stelle eine ähnliche Statue aus Lindenholz, die vom Münchner Bildhauer Johann Huber 1917/1918 geschnitzt worden war (gestiftet von Baron Cramer-Klett auf Hohenaschau um 670 Mark). Diese Figur wurde 1954 "aus der verwahrlosten Frauenkirche" entfernt, weil sie der Pfarrkirchen-stiftung Kollbach gehört.
Assistenzfiguren

St.Josef mit Jesus
Assistenzfiguren in seitlichen rundbogigen Nischen sind der hl. Josef mit einem pausbäckigen Jesuskind (links) sowie sein Schwiegervater, der hl. Joachim mit einer Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) in der linken Hand; mit der anderen Hand weist er herab auf seine neben ihm stehende Tochter Maria, die die Hände zum Gebet faltet (rechts). Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.

St.Joachim mit Maria


G
emälde auf der Rückseite des Choraltares

An der Rückseite des Hochaltars hängt ein barockes Gemälde in der Art eines Votivgemäldes, das im oberen Teil die Muttergottes mit dem Jesuskind auf Wolken schwebend zeigt. Begleitet wird sie vom hl.Martin im Bischofsornat und mit einer Gans zu seinen Füßen sowie dem hl. Abt Leonhard mit Ketten in den Händen.


Votivbild

Das Bild wurde 1672 vom Göribauern Melchior Otteneder von Kollbach gestiftet Im unteren Teil des Bildes knien Menschen in zeitgenössischer Kleidung um einen Altar. Sieben der 15 Personen auf dem Bild sind mit einem roten Kreuz gekennzeichnet (drei Kinder, drei Frauen und ein Mann). Dies dürfte ein Hinweis darauf sein, dass sie im Zeitpunkt der Erstellung des Gemäldes bereits tot waren.

Männer u.Kinder
(Kreuz bezeichnet bereits Verstorbene)
Links die Männer und Kinder, rechts die Frauen.
Die Männer tragen einen sackartig geschnittenen, knielangen Rock, der durch Nesteln oder Hafteln geschlossen werden konnte. Dazu kommt ein nierenförmiger, nach der Kleiderordnung für den Kirchgang verbindlich vorgeschriebener Kragen aus steifem Leinen. Die Kinder tragen helle Kleidung und Umhänge mit Ärmellöchern sowie ebenfalls die Leinenkrägen. Die Frauen auf der anderen Seite sind ähnlich gekleidet. Zusätzlich umschließt ihren Kopf ein unter dem Kinn gebundenes, weißes Leintuch, auf dem ein breitrandiger, schwarzer Hut mit kegelförmigem Gupf (sog.Schwedenhut) sitzt.


Frauen mit Schwedenhüten

Die Mode entspricht nach Robert Böck der bürgerlichen oder ländlichen Kleidung, die vom spanischen Einflüssen geprägt war.

Das Gemälde ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 enthalten. Dort heißt es: "An der Rückseite des Choraltars ein gemaltes Epitaph mit jetzt unleserlicher Inschrift. Um 1700. Kostümlich interessant".


Im Chorschluss hinter dem Altar führt eine mit einem schönen alten Türschloss versehene Tür ins Freie. Sie ist mit einem massiven Querbalken gesichert. Vielleicht war dies früher (bis 1765) der Zugang zu einer an die Ostseite des Altarraums angebauten Sakristei.


D
onatusfigur


St.Donatus
Ehemals im Giebel des Portalvorbaues, jetzt in einer Mauernische in der Chorsüdseite, steht an Festtagen die Büste des Wetterheiligen Donatus, datiert auf 1716. 
Hinweis: Bei diesem Heiligen, dessen Name der Geschenkte (latein.) bedeutet, handelt es sich um einen Katakombenheiligen. Seine Reliquien kamen 1652 als Schenkung an das Jesuitenkolleg von Münstereifel. Strömender Regen verwandelte sich beim Herannahen der Reliquien in strahlenden Sonnenschein. In Euskirchen wurde am Tag des Überbringens der vom Blitz getroffene Pater durch Anrufen des Heiligen geheilt. Donatus gilt seither als Wetterheiliger.


Chorgestühl



Das hochbarocke Chorgestühl ist besonders reich gearbeitet, mit üppigem Schnitzwerk an den Pilastern und Feldern. 
In der Kirche befindet sich noch eine hölzerne Kommunionbank. Sie wird von den profilierten und in der Mitte stark geschwellten barocken Docken (= kleine Säulchen) getragen.


Chorgestühl
  Hinweis: Die Kommunionbänke entwickelten sich aus den Cancelli (lat.Gitter), den Altarschranken
altchristlicher Kirchen, die den Gemeinderaum, d. h. das Kirchenschiff, vom Altarraum trennten. An diese Kom-munionbank knieten sich früher die Gläubigen, die kommunizieren wollten. Der Priester reichte von der dem Altar-raum zugewandten Seite der Kommunionbank die Hostie aus dem Kelch. Ein Ministrant hielt unter das Kinn des Gläubigen die Patene, um ein Herunterfallen der Hostie zu vermeiden. Im Rahmen der Liturgiereform um 1970 wurde die Kommunionbank in den meisten Kirchen abgebaut, um so eine Einheit zwischen dem Priester und der Gemeinde zu schaffen. Zudem ist nach herrschender Auffassung der Altar auch Tisch des österlichen Mahles; von ihm empfangen die Gläubigen die Kommunion.


Chorbogen

Über dem Chorbogen schildert ein Gemälde die Verkündigung Mariens. Auf der rechten Seite des Bildes betritt -wolkenumhüllt- der Erzengel Gabriel den Raum.

Verkündigung Mariens

Zwei Fenster geben den Blick auf Balustraden frei. In der Linken hält Gabriel einen Strauß großer Lilien; diese Blumen sind Symbol für die Reinheit und Unbeflecktheit Mariens. Seine rechte Hand hat der Engel erhoben. Er grüßt damit Maria, die am

  linken Bildrand vor einem Tisch oder Pult kniet und die Hände in Gebetshaltung erhoben hat. Maria wendet sich überrascht dem Engel zu. In der Mitte wird die Botschaft des Engels bildlich dargestellt: Gottvater mit langem Bart schwebt auf Wolken und sendet die Heilig-Geist-Taube zu Maria.


Langhaus / Kirchenschiff

Das flachgedeckte Langhaus, ein Saalbau, trägt eine barocke flache Putzdecke. 


Johannes-Altar

Seitenaltäre     

Die beiden Seitenaltäre sind -wie der Choraltar- hochbarocke Retabel mit jeweils zwei glatten Säulen, verkröpftem Gebälk und einem Altarauszug, der von zwei auf Sprenggiebeln sitzenden Engeln umgeben wird. Die Grundfarben sind Schwarz und Gold.


Anna-Altar


Linker Seitenaltar

Altaraufsatz

Der Altaraufsatz besteht aus zwei Säulchen mit Kompositkapitellen, die einen Segmentgiebel tragen. Neben den Säulen sitzen Putten.

St.Margarete
Das ovale Auszugsgemälde stellt die halbfigurige hl. Margaretha dar, die mit dem Kreuz im Arm gegen den Lindwurm (das Böse) kämpft.
  Hinweis: Margareta (+305) aus Antiochien ist eine legendäre Märtyrerin. Wegen ihres christlichen Glaubens wurde die Tochter eines heidnischen Priesters vor Gericht gestellt. Die Richter begehrten die hübsche Angeklagte, wurden aber von ihr abgewiesen und rächten sich umso grausamer. Margareta wurde mit Fackeln angesengt und in siedendem Öl gekocht, aber sie blieb unverletzt. Die Menschen waren von diesen Wundern dermaßen beein-druckt, dass sie sich offen zum Christengott bekannten. Zur Strafe wurden sie geköpft, so wie schließlich auch Margareta. Nach anderen Überlieferungen soll ihr der Teufel als ein riesiger Drache erschienen sein, um sie zu verschlingen. Aber er wurde zerbrochen durch das Kreuzzeichen, das Margareta über ihn machte. Margareta gehört zu den 14 Nothelfern und ist Helferin bei Geburt und Unfruchtbarkeit.
Altarblatt
Beim nördlichen Seitenaltar ist auf dem Altarblatt der hl. Johannes Evangelist mit einem roten Mantel abgebildet. Zu seinen Füßen sitzt ein Adler, das Attribut des Heiligen.

Johannes-Evangelist
Diesen Vogel versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums. Als Beispiel dient dafür der Prolog des Evangeliums: "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".

Auf der Mensa des linken Seitenaltars steht die Skulptur des Christus in der Rast.
  Hinweis: Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie zeigen Jesus kurz vor seiner Kreuzigung, auf einem Stein sitzend, das Kinn in der Hand aufgestützt. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Aufsatzgemälde ist die hl. Barbara mit einem Kelch und dem Märtyrerpalmzweig in der Hand dargestellt.
Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern.


St.Barbara

Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst. Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinn-bildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion(Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
  Die Abbildung der hl.Barbara nur mit Kelch ist bei uns erst seit dem 15.Jh. üblich (vorher immer mit Turm). Der Palmzweig stellt den Sieg der Märtyrer über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo. 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".
Altarblatt

Der südliche (rechte) Seitenaltar, der der hl. Anna geweiht ist, zeigt im Altarblatt aus der zweiten Hälfte des 19. Jh die Großeltern Jesu (St.Anna und Joachim) mit ihrem Kind Maria. Die Familie geht unter einer Palme und vor einer weiten Landschaft im Hintergrund des Bildes spazieren. Diese früher beliebte Art der Darstellung nennt man auch den "Heiligen Wandel".
Allerdings wird auf denn Bildern dieses Genres meist die jüngere Familie Josef, Maria und Jesus dargestellt, so wie am Kanzelkorb hier in der Frauenkirche.


Anna, Maria, Joachim
Der Heilige Wandel symbolisiert theologisch das Schreiten auf dem Lebensweg und soll zu christlicher Lebensführung mahnen.

Hinweis: Nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden ihre Namen in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die Verehrung von Joachim und Anna.

Altartisch
Auf der Mensa des Altars (=auf dem Altartisch) steht in einem Glaskasten eine Kopie des Gnadenbildes von Altötting (18.Jh) 05). Die Muttergottes wie das Jesuskind tragen reich mit bunten Glassteinen verzierte Kronen, in Form von Klosterarbeiten . Maria hält das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. Das Jesuskind umgreift mit seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.

Muttergottes
von Altötting
Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschafts-anspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.


Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.

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Kanzel

Die im Rokokostil geformte und mit viel Rocaillen-schmuck verzierte Kanzel ohne Schalldeckel besitzt einen viereckigen Kanzelkorb, der auf einer Konsole sitzt. Die Frontseiten sind durch Felderungen gegliedert. Das Feld neben der Kanzelstiege enthält ein Gemälde mit der Darstellung der Hl. Familie, die unter einer Palme wandelt. Es ist die Ergänzung zum "Heiligen Wandel" am rechten Seitenaltar.
In die Palme ist der Hl.Geist in Form einer Taube im Gloriolenschein eingezeichnet.


Kanzelkorb

Hinter der Kanzel, an der Stelle des Dorsales, der Kanzelrückwand, ist an die Mauer ein Fresko gemalt, das die Krönung Mariens darstellt. Gottvater reicht Maria sein Zepter zum Kuss; eine ikonographische Seltenheit.


Krönung Mariens

Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit
-ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.

 

Opferstock

An den Kirchenbänken ist ein schöner Opferstock mit mehreren massiven Schließgurten angebracht. Der Name rührt daher, dass der Opferstock in der Regel aus einem großen ausgehöhlten Holzstock besteht, der mit Eisen beschlagen ist.


Opferstock
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche Opferstöcke.

Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



K
reuzwegstationen

Kreuzwegbild
Die vierzehn Bilder Kreuzwegstationen stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jh.

Hinweis: Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Die Kirchenbänke stammen ebenfalls aus dem Barock.



Kriegergedächtnisbild


Kriegergedächtnis
-Bild

An der Südwand der Kirche hängt ein großes, in heutiger Zeit etwas pathetisch wirkendes Kriegergedächt-nisbild, das 1918 von Josef Albrechtskirchinger gemalt wurde. Soldaten und ihre Frauen blicken in schwerer Kriegszeit betend zum Himmel empor. Für die Personen auf dem Bild standen Kollbacher Bürger Modell.
Nach Presseberichten aus dem Jahr 1918 ist das Gemälde "ein in seiner ganzen Aufmachung sehr stimmungs-volles Werk, das auch bereits schon in München bei Ausstellung von Kriegerdenkmals-Entwürfen sehr günstig beurteilt worden ist".
Der Text unter dem Bild lautet: "Zur Ehre Gottes, zum Danke für Mariens Schutz in der Heimat u. ihrer Krieger im Felde ließ die Pfarrgemeinde Kollbach dieses ehrwürdige Kirchlein verschönern im 5.Kriegsjahr 1918"

Der Maler Joseph Albrechtskirchinger wurde 1869 in München geboren. Mit 15 Jahren besuchte er die Akademie der Bildenden Künste in München (Antikenklasse). Neben dem Kriegergedächtnisbild hatte er einige Jahre zuvor die Deckenbilder in der Kirche von Pellheim, 1936 die Orgelempore in der Pfarrkirche St. Nikolaus von Bernbeuren (Episoden aus der Geschichte des Ortes) und 1940 die Deckengemälde in der Wallfahrtskirche "Unsere Liebe Frau im Moos" in Kicklingen geschaffen. Für das Bild in Kollbach erhielt er 750 Mark. Albrechtskirchinger malte auch viele Stillleben.
In einem zeitgenössischen Bericht des Dachauer Amperboten vom 3. März 1919 heißt es:
  "Kollbach, 3.März. Mutigen Wanderern möchte ein sehr angenehm überraschter Wanderer einen Gang zur uralten Marien-Wallfahrts- und ehemaligen Pfarrkirche allhier sehr empfehlen. Nicht nur, daß ihr Drum und Dran schon für den Kenner interessant ist, sie ist auch noch durch den Opfermut der Pfarrkinder unter Leitung des allzeit rührigen Pfarrherrn zu einem ebenso sinnigen als kostbaren Kriegerdenkmal umgeschaffen worden, wie man es kaum wieder in unserer Gegend für den Augenblick so trefflich wiederfinden kann. Im Innern fesselt vor allem an der rechten Wand ein Originalgemälde von Kunstmaler Alberchtskirchinger-München, in wertvollem Rahmen. Krieger und Kriegersfrauen blicken in schwerer Kriegszeit betend voll Opfermut und voll Hoffnung auf Hilfe zum Himmel und zur Friedenskönigin empor. Ein in seiner ganzen Aufmachung sehr stimmungsvolles Werk, das auch bereits schon in München bei Ausstellung von Kriegerdenkmals-entwürfen sehr günstig beurteilt worden ist. Das Bild ist umschimmert von Goldglanz der neu restaurierten Barockaltäre und der Kanzel; ihre feine Arbeit kommt erst jetzt wieder zur Geltung durch die Neufassung ausgeführt von Meister Ametsberger-München, ein Friedenswerk im Krieg um Friedenspreise. Der Hochaltar ist auch noch bereichert durch eine neue Statue der Patrona Bavaria. Alles in allem mitten in den Wirren dieser Zeit nach vierjähriger Kriegsnot eine Illustration zum Worte Ludwig I."
Über den Erwerb des Bildes gibt es einen Bericht. Klicken Sie hier..


früh.Gnadenbild
Im Aufsatz zu diesem Bild, den der Münchner Bildhauer Ferdinand M. Seitz um die gleiche Zeit geschaffen hat (240 Mark), steht eine weitere, kleinere Figur der "Patrona Bavariae" aus dem 17.Jh.
Bei dieser Marienstatue könnte es sich um das ehemalige Gnadenbild handeln, das 1685 als Mittelfigur im Hauptaltar stand 05)
.  Nach dem Bericht in der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 01) verehrte man die Marienstatue auf dem Hochaltar als wundertätiges Gnadenbild, vor welchem viele Votivmessen gelesen wurden. Die Gemeinde Giebing verlobte sich (=gelobte) zu einen jährlichen Kreuzgang zur Abwendung der Rinderpest.  Was die Wallfahrt ausgelöst hatte, ist nicht bekannt.
Die Figur dürfte spätestens bei der Renovierung der Frauenkirche 1917/18 vom Choraltar an die Seite gekommen sein.


Empore


Die in ungefasstem Holzton gehaltene Emporenbrüstung aus der zweiten Hälfte der 17.Jh ist reich verziert.

Emporengestühl
Das Gestühl auf der Empore ist sehr rustikal gearbeitet.


Die Orgel mit vier Registern aus dem Jahr 1859 ist nicht mehr erhalten.


Türschlösser

Die Kirchentüren aus Eichenbohlen waren früher mit massiven alten Schlössern gesichert. Sie sind mit rosettenförmigen Beschlägen verziert.

alte Türschlösser
Wenn Sie sich auch andere schöne alte Türschlösser an Kirchentüren des Dachauer Landes ansehen möchten, klicken Sie hier...


Aussichtspunkt mit Lochstein

Zwischen Asbach und Kollbach wurde im Rahmen der Flurbereinigung in den Jahren 1990 bis 1994 ein Aussichtspunkt mit Brotzeitplatz angelegt. Er hat -von oben betrachtet- die Form eines Drachens und soll damit die unzähmbare Natur symbolisieren. Am Kopf dieses Drachens steht ein sog.Lochstein. Der Besucher kann theoretisch durch die beschrifteten Gucklöcher neun Kirchtürme der Umgebung anvisieren. In der Praxis wird diese Zahl aber nicht erreicht, weil die Büsche und Bäume seither gewachsen sind und die meisten Kirchtürme verdecken. Aber die Kirchen in Petershausen und Kollbach sind noch gut zu erkennen.

rechts Marienkirche


Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
04) Klaus Freiherr von Andrian-Werburg, Hofmark Kammerberg, 1970
05) Akten des Pfarrarchivs Kollbach über die Kirchenrenovierungen von 1870, 1917/1918 und 1976/1978
06) Dachauer Nachrichten vom 23.5.1979
07) Wilhelm Neu, Volker Liedke, Otto Braasch, Denkmäler in Bayern,Oberbayern, 1986 (Bauzeit Friedhofskp)
08) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
09) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
10) Dr. Georg Brenninger und Robert Böck in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
11) www.webspace.st-michaelsbund.de/StMartinKollbach/martin.htm, 2001
12) Dachauer SZ vom 29.8.2006
13) Martin Sellmeier, Obersüßbach, 2011 (Georg Sellmeier)
14) Reinhard-Dietmar Sponder, Dachauer Nachrichten vom 17.10.2014 u.vom 15.1.2015 (Renovierung 15)
15) Petra Schafflik, Vor dem Verfall, DAH-SZ vom 17.11.2015 (850.000)
16) Petra Schafflik, Unsere Frauenkirche, DAH-SZ vom 4./5.5.2016 (1960,Gerer,Berberich)

46 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

16.3.2018