zur Landkreiskarte                  Ausführl.Beschreibg          Kirchen i.d. Gem. Röhrmoos


Filialkirche St. Margareta in KLEININZEMOOS

mehr über St.MargaretaMissionskreuzSonnenuhr

Adresse: 85244 Röhrmoos, St.-Margareth-Straße 1 (=Nähe Kirche)
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die erste Erwähnung einer Ortschaft Inzemoos stammt aus dem Jahr 1150. Ob es sich dabei um Großinzemoos oder Kleininzemoos handelte, wissen wir nicht. Vielleicht gab es damals tatsächlich nur einen gmeinsamen Siedlungsraum Inzemoos. Erst 1446 wurde  "Cleinen Intzemosen" von Großinzemoos (Intzemosen) unterschieden.

Das Erbauungsjahr der Filialkirche St.Margareta der Pfarrei Großinzemoos in Kleininzemoos ist nicht bekannt. Aber der gotische Stil des eingezogenen Altarraums spricht dafür, dass diese Kirche schon um 1500 bestanden hat.

Dafür spricht auch die  Sundern-dorfer'schen Matrikel von 1524, aus der die erste Nachricht über die Kirche stammt. Dort wird sie als Filialkirche St.Margareta der Pfarrei Inntzemoss beschrieben.

Um die Zeit von 1700 hat man das Kirchenschiff erweitert und das Innere barockisiert.


Opferstock

Zur Zeit der Säkularisation (1803) war die Kirche schon für den Abbruch bestimmt, doch als die Gemeinde sich
verpflichtete, die Unterhaltung des Gebäudes und die Bestreitung aller Bedürfnisse auf sich zu nehmen, konnte die Kirche "diesem Kultzwecke gewidmet" bleiben. 

An der Außenwand des dreiachsigen Kirchenschiffs steht in einer Nische eine Figur des hl.Antonius (19.Jh). Daneben ist ein Missionskreuz aus dem 19.Jh. angebracht. Im Zwiebelturm hängen zwei Glocken von 1706 und 1921.
An der Südseite des Chores ist die kleine Sakristei angebaut. 


Innenausstattung

ChoraltarBeschreibung des rechten SeitenaltarsBeschreibung des linken SeitenaltarsBeschreibung des Volksaltars
per Mouseklick zu den Beschreibungen

Der gotische Altarraum ist von einem Gewölbe überdeckt.
In ihm steht der zweisäulige, barocke Choraltar (1670). Im Altarblatt ist die Hinrichtung der Kirchenpatronin St. Margareta darstellt (Maler Anton Huber).
Assistenzfiguren sind links der hl.Nikolaus (mit Bischofsstab und drei Goldkugeln auf der Bibel) sowie die hl.Barbara mit dem drei-fenstrigen Turm in der Hand. Die Figuren stammen noch aus gotischer Zeit.

Die Seitenaltäre sind dem hl.Sebastian (Altarblatt: Sebastian von Pfeilen durchbohrt, am Marterbaum) und dem hl.Silvester (Altarblatt: Silvester tauft Kaiser Konstantin) geweiht. Maler war ebenfalls Anton Huber.

Die Kanzel aus der Zeit um 1700 besitzt keinen Schalldeckel. Am vierseitigen Kanzelkorb ist der Gute Hirte in einem Bild dargestellt.

Figurenausstattung:

- St. Florian mit Siegesfahne und Wasserschaff. Zu seinen Füßen ein brennendes Haus (18.Jh).
- die Muttergottes mit dem liebkosenden Jesuskind; eine Nachbildung des Gnadenbildes Maria del populo in Rom (um 1520).
- St.Josef als Halbfigur mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm und einer Lilie, dem Symbol für Reinheit und Keuschheit   
   in der linken Hand (18.Jh). 
- Christus auf der Rast". Jesus ruht sich sitzend vor der Kreuzigung aus und stützt dabei sein Haupt mit der rechten Hand
  (17.Jh.) 

Kirchenführung:
Wenn Sie eine Führung durch die Filialkirche St.Margareta wünschen, können Sie sich an Frau Ursula Mehr wenden:



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1524 Visitation 1560 30jähriger Krieg Umbau 17.Jh Matrikel 1738
Säkularisation 1803 Beschreibung 1874 Beschreibung 1895 Pferderennen
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar Chorglocke
  Empore Figur St.Florian Figur Christus a.Rast Kanzel Kirchenbänke
  Kreuzweg Kreuzigungsgruppe Opferstock Portal Seitenaltäre
  Tabernakel Turm Zelebrationsaltar

Über die Gründerzeit von Kleininzemoos ist noch nicht viel bekannt. Inzemoos wird erstmals um 1150 erwähnt, doch erst 1446 wurde  "Cleinen Intzemosen" von Großinzemoos unterschieden, das bis ins 18.Jh hinein weiter Inzemoos genannt wurde. Der Ort bestand über Jahrhunderte aus 5 oder 6 Anwesen. Lediglich nach dem 30jährigen Krieg (1649) war die Zahl auf 3 Höfe gesunken.

Geschichte der Kirche


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524

In der Konradinischen Matrikel
von 1315 ist Kleininzemoos noch nicht enthalten.

Erst die Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 erwähnt die Kirche St.Margareta als Filiale von Inntzemoss ("Item habet unam filialem ecclesiam s.Margaretae in Klein-Inntzemoss") im Dekanat Hebertshausen/Dachau.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Großinzemoos ist auch die Filiale St.Margareta in Kleininzemoos unter dem Namen "Khlein Intzemoß" kurz erwähnt. In einem der Berichte wird fälschlicherweise als Patron St.Silvester aufgeführt. Immerhin ist ein Seitenaltar diesem heiligen Papst geweiht. Das Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug 5 Gulden. Der Pfarrer erhielt davon 32 Pfennig. Die Kirchenrechnung erstellte das Gericht zu Dachau. An liturgischen Geräten waren vorhanden: 2 Kelche aus vergoldetem Silber,
1 gutes Messbuch, ein Psalmenbuch, ein zerrissenes Kantorenbuch und fünf Messgewänder, darunter zwei minderer Qualität
("5 ornät, seyn darunder zway nit vasst guet"). Das "Sakramentsheusl" war "nit wol beschlossen, aber wol beleucht" (=EwigLicht). Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden liturgisch rein behandelt. Das Taufwasser war in einer Flasche aufbewahrt ("Baptismus ist in aim fleschl"). Ein Mesnerhaus war nicht vorhanden. Der als "vleissig" beschriebene Mesner war wohl ein Bauer. Der Bericht endet mit gegensätzlichen Erkenntnissen: Der Kirchenpfleger sah "das gotshauß zimblich wol erpaut und mit aller zier zimblich versehen"; dagegen schrieb der Visitator nach der Inaugenscheinnahme ("ocularis inspectio") des Gotteshauses: "Khirch und freithofmaur seind paufellig. Sonst kain mangel".

Dreißigjähriger Krieg

Im 30jährigen Krieg waren drei der sechs Bauernhöfe zerstört worden. Über den Zustand der Kirche nach dem Krieg ist nicht viel bekannt. Die Kirchenrechnung von 1650 enthält aber einen indirekten Hinweis auf einen Unglücksfall. Dort heißt es, dass zwei zerschmolzene Glocken nach der Prunst (Feuersbrunst) bei M.Ernsten in München umgegossen werden mussten. Da scheint das Feuer von den Höfen auf die Kirche übergegriffen zu haben. 1654 hat man zur Ausbesserung der Kirchen- und Friedhofsmauern 48 Gulden ausgegeben.

Silvester-Pferderennen
Die noch erhaltenen Kirchenrechnungen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg enthalten auch Posten, die auf "Renneth an Silvester" hinweisen. Es geht hier um ein Pferderennen, das jeweils am letzten Tag des Jahres abgehalten wurde. Diese Rennen werden wohl keine originär kirchliche Veranstaltungen gewesen, sondern nur anlässlich der Feiern zu Silvester veranstaltet worden sein. Aber die Tatsache, dass die Einnahmen und Ausgaben in den Kirchenrechnungen auftauchen, legt doch eine enge Verbindung mit dem kirchlichen Bereich nahe. Die Reiter hatten als eine Art Teilnahmegebühr Getreide zu spenden, das sie vor den Altar schütteten; dafür wurden Ross und Reiter gesegnet. Das Getreide verkaufte die Kirche und nahm dadurch Geld ein. Der Sieger des Rennens erhielt ein großes rotes Tuch (s.o. 1654: "rott Tuech") als Siegerpreis, das damals neben dem ideellen auch einen hohen wirtschaftlichen Wert hatte; der rote Farbstoff war teuer. Die Nächstplatzieren dürften Schweine als weitere Preise erhalten haben (sog.Rennsäue).
Wenn Sie mehr über die Pferderennen in Kleininzemoos erfahren möchten, klicken Sie hier....


Umbau 17.Jh

Das Erbauungsjahr der Filialkirche St. Margaretha in Kleininzemoos ist unbekannt. Aber der gotische Stil des eingezogenen Altarraums spricht dafür, dass diese Kirche vielleicht schon im 15. Jh bestanden hat.
In der 2. Hälfte des 17.Jh, einige Jahre nach dem 30jährigen Krieg, wurde das Kirchenschiff grundlegend umgestaltet und die Kirche im Stil des Barock ausgestattet. Die Erhöhung und gleichzeitige Erweiterung sind im Kirchenspeicher am Chorbogenaufbau erkennbar.
Ein paar Jahrzehnte vorher, im Jahr 1630 hatte der Dachauer Bildhauer Constantin Paader zwei "schöne hohe Crucifix geschnitzlet, weilln khains verhandten gewest". Allerdings spricht der Lohn von 3 Gulden nicht für große Kreuze. Dies berichtet die Kirchenrechnung von 1630. Darin ist auch die Rede, dass der "Silvesstrj Altar gahr schlecht und Paufellig" sei, "mueß ein anderer gemacht werden" heißt es. Wann dies geschehen ist, ist nicht bekannt, denn zwei Jahre später kamen die Schweden.
Aber die in der Kirchenrechnung vermerkte Weihe eines Altars im Jahr 1710 könnte den Silvesteraltar betreffen. Der große zeitliche Zwischenraum zwischen dem Ende des 30jährigen Krieges und dem Weihejahr ließe sich damit erklären, dass die Freisinger Fürstbischöfe von 1652 bis 1695 nur Fürsten waren und keine Bischofsweihe (z.T. nicht einmal die Priesterweihe) empfangen hatten. Der Kirchenrechnung von 1710 ist jedenfalls zu entnehmen, dass Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck(1695-1727) die "Neuweihe des Altars" vorgenommen hat.


Schmidt'sche Matrikel von 1738/40
Etwas ausführlicher beschreibt die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 die Kirche in ("Klein-Inzemos"). Sie hatte auch damals drei Altäre; der Hochaltar war "der jungfräulichen Märtyrerin St.Margareta", der Patronin der Kirche geweiht, die Seitenaltäre dem hl.Silvester und der Heiligsten Dreieinigkeit (jetzt Sebastiansaltar). Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Damals gehörte die Pfarrei zum Dekanat Hohenkammer. Die eingefallene Kirchenmauer sowie das Kirchenpflaster waren schon 1730 repariert worden.


Säkularisation 1803
Zur Zeit der Säkularisation (1803) war das Kirchlein schon für den Abbruch bestimmt (wie auch die Kirchen in Edenholzhausen und Jedenhofen). Aber als sich die Gemeinde verpflichtete, die Unterhaltung des Gebäudes und die Bestreitung aller Bedürfnisse auf sich zu nehmen, wurde "genehmigt, dass die Kirche diesem Kultzwecke gewidmet" bleibt. Maßgebend war auch, dass sich in Kleininzemoos eine Sepultur (= Begräbnisstätten) befand.  


Beschreibung 1874

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Kleininzemoos als Nebenkirche von Großinzemoos enthalten. Damals wohnten in Kleininzemoos 47 Gläubige in 5 Häusern. Mayr schreibt: "Nebenkirche Klein-Inzemoos, an der Ingolstädter Bahn gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Stil des Presbytheriums gothisch, Anbau modern, Plafond der Zopfzeit. Geräumigkeit genügend. Baupflicht: an der Kirche und am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Kuppel-Thurm mit 2 Glöckchen. 3 Altäre. Keine Orgel. Gottesdienste: Am Patrocinium, Mariä Geburt, Weihnachten-Missa in aurora (= Frühmesse), zweiten Sonntag nach Dreikönig (Sebastiansfest), Markustag, Pfingstmontag und Fronleichnams-Sonntag. Stiftungen: 2 Jahrtage. Cemeterium ohne Capelle, mit Ossuar (=Beinhaus). Meßner: ein Gütler. Kirchenvermögen 1870: rd. 1200 Gulden.


Beschreibung 1895 
36)
Die Kirche von Kleininzemoos ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern kurz erwähnt, dessen Dachauer
Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde
:
   "Kirche. Der Choraltar um 1670; die denselben schmückenden Holzfiguren: S. Nikolaus und S. Maria Magdalena wohl noch aus
    der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
"


Baubeschreibung

Die kleine Kirche liegt am westlichen Rand des Dorfes, etwas erhöht, in einem ummauerten Friedhof.
Der einachsige Chor aus der gotischen Zeit schließt in drei Seiten eine Achtecks und ist eingezogen
.
Das im 17.Jh erhöhte und erweiterte Kirchenschiff /Langhaus erstreckt sich über drei Achsen (Joche).

hl.Antonius
An der Ostseite des Chors steht in einer rundbogigen Nische hinter Glas eine Figur des hl.Antonius aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Früher befand sie sich in der Pfarrkirche Großinzemoos. Antonius war Franziskanermönch. Deshalb ist er hier in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht traditionell für Demut und Bescheidenheit. Das Jesuskind erinnert an eine Erscheinung, die Antonius beim Bibellesen hatte.
An der Südseite des Langhauses hängt ein Missionskreuz aus dem 19.Jh mit einem gegossenen und früher vergoldeten Korpus. Missionskreuze erinnern an Volksmissionen, die in längeren zeitlichen Abständen in den Pfarreien durchgeführt werden.
Die Vorderseite des Bleches ist gezackt. Dies hat eine über die reine Verzierung hinausgehende Bedeutung: Die Zacken beschreiben den täglichen Lauf der Sonne vom Aufgang im Osten bis zum Niedergang im Westen. So wie die Sonne wieder aufgeht, so ist auch Christus auferstanden und so wird auch der Mensch vom Grabe auferstehen.

Missionskreuz
  Hinweis: Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. In Bayern wurde die erste Volksmission 1843 in Tuntenhausen von den Redemptoristen abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle.
Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden. Dies geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge. Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht, da öfter einmal harte Schläge auf die Holzeinfassung erfolgten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Bei diesen Volksmissionen wirkte bis zum 2.Vatikanischen Konzil noch ganz die alte Frömmigkeitshaltung des Barock nach, auch seine starre Liturgie, bald als dunkle Wucht, bald als feierliche Pracht. Christliche Verkündigung, die Lebensfülle der hl.Schrift, wurde verengt auf moralische Verbote. Damals wurden das 6.Gebot und die Kirchengebote (Keuschheit, Sonntagsgebot, Fasten und Abstinenzen) zum wichtigsten Inhalt katholischen Lebens gemacht. Tugendbündnisse und Jungfrauenkongregationen entstanden. Der Zulauf zu den Volksmissionen war dennoch groß.
Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.

Der Turm auf der Westseite hat einen viereckigen Grundriss und einen sich verjüngenden achteckigen Aufbau mit jeweils einem Schallfenster auf jeder der acht Seiten. Unterhalb der schön gestalteten Zwiebelhaube mit Kupferblech-Deckung hängen zwei Glöckchen. Sie wurden 1706 von der Gießerei Langenegger in München und 1921 von der Gießerei Anton Bachmair in Erding gegossen.

Im unteren Bereich ist eine Sonnenuhr aufgemalt.


Sonnenuhr
  Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

In den Werkverzeichnissen der Glockengießer wird der Münchner Glockgießer Christoph Thaller (Daller) genannt, der für Kleininzemoos in den Jahren 1705 und 1712 Glocken gegossen haben soll. Wo diese verblieben sind, ist mir nicht bekannt. Thaller, der in der Zeit von 1698 bis 1736 als Glockengießer genannt wurde, hat auch für Vierkirchen (1731) und Kollbach (1732) Glocken und für das KLoster Indersdorf ein Rauchfass (5 fl. 15 kr.)geliefert.

An der Südseite des Chores ist die kleine Sakristei angebaut. 

Innenausstattung

Das Kirchenschiff besitzt nur wenig Wandmalereien. Insbesondere die Decken (gotische Gewölbedecke im Altarraum und die bemalte Flachdecke mit umlaufendem Gesims im Kirchenschiff) sind lediglich getüncht. Die einzigen Malerein sind die im Langhaus verteilten Apostelkreuze, die bis vor kurzem ebenfalls übertüncht waren; einige von ihnen wurden bei einer der letzten Renovierungen freigelegt.


Altarraum

Der gegenüber dem Kirchenschiff um eine Stufe erhöhte Altarraum aus gotischer Zeit ist eingezogen und schließt in drei Seiten. Er ist mit einem Gewölbe versehen, in das Stichkappen einschneiden.  

Beschreibung des rechten SeitenaltarsBeschreibung des rechten SeitenaltarsBeschreibung des rechten SeitenaltarsApostelkreuzAltargemälde MargaretaBeschreibung des linken SeitenaltarsBeschreibung des rechten SeitenaltarsBeschreibung der KanzelZelebrationsaltar
Altargemälde MargaretaFigur NikolausFigur BarbaraAltargemälde SebastianDie berühmte Halbfigur der Muttergottes Altargemälde St.SylvesterSt. Josefper Mouseklick zu den Beschreibungen


H
ochaltar / Choraltar

Altaraufsatz

Der rechteckige Altaraufsatz mit dem Gottvaterbild sitzt auf einem verkröpften Gebälk. Er wird von einem gesprengten Volutengiebel gestützt und von einem Segmentgiebel gekrönt.


Gottvaterbild
Das Aufsatzbild zeigt eine Halbfigur von Gottvater, der nachdenklich auf die Weltkugel in Form des Reichsapfels vor ihm blickt. In der Hand hält er ein Zepter als Zeichen für seine Herrschaft. Das göttliche Haupt ist von einem dreieckigem Heiligenschein (Nimbus) umgeben.
  Hinweis: Der Nimbus oder Heiligenschein ist eine kreisförmige Fläche um das Haupt göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus. Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben. Die Unterschiede in Farbe (gold, grün, rot ) oder Form (radförmig, reifenförmig, diskusförmig, dreieckig, viereckig) haben in der Regel keine besondere Bedeutung. Allerdings ist der dreieckige Nimbus Gottvater vorbehalten; einen viereckigen Nimbus tragen nur (damals) lebende Personen. In der Barockzeit verbreitete sich die Form eines Strahlenkranzes. Christus war ein dreistrahliger Nimbus (als Zeichen der Zugehörigkeit zur Dreifaltigkeit) vorbehalten.
Altarblatt
Mittelpunkt des zweisäuligen, barocken Hochaltars aus dem Jahr 1670 ist ein großes Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund), das die Hinrichtung der Kirchen-patronin, der hl. Margareta darstellt. 
Margareta, im vornehmen Gewand und mit einer Krone auf dem Haupt, kniet vor ihrem Henker, der mit dem rechten Arm zum tödlichen Schwertstreich ausholt. Ein Putto über den Wolken hält schon den Märtyrerkranz und den Märtyrerpalmzweig bereit.

Martyrium von
St. Margareta
Das 150 x 92 cm große Altarbild im versilberten Holzrahmen dürfte von Anton Huber dem Älteren (1799 -1868) aus Dachau gemalt worden sein, ist also jünger als der Hochaltar.
Hinweis: Margareta (+305) aus Antiochien ist eine legendäre Märtyrerin. Wegen ihres christlichen Glaubens wurde die Tochter eines heidnischen Priesters vor Gericht gestellt; die Richter begehrten die hübsche Angeklagte, wurden aber von ihr abge-wiesen und rächten sich umso grausamer. Margareta wurde mit Fackeln angesengt und in siedendem Öl gekocht, aber sie blieb unverletzt. Das Volk war von
diesen Wundern dermaßen beeindruckt, dass die Menschen sich offen zum Christengott bekannten - dafür aber geköpft wurden, wie schließlich auch Margareta. Nach anderen Überlieferungen soll ihr der Teufel als ein riesiger Drache erschienen sein, um sie zu verschlingen. Aber er wurde zerbrochen durch das Kreuzzeichen, das Margareta über ihn machte.

Assistenzfiguren

St.Nikolaus

Als Assistenzfiguren stehen der hl. Nikolaus mit Bischofsstab und drei Goldkugeln auf der Bibel (links) sowie die hl. Barbara mit dem drei-fenstrigen Turm in der Hand (rechts) unter den baldachinartigen Ausschwüngen beiderseits des Altarblatts. Die Figuren stammen noch aus gotischer Zeit.
Die beiden Skulpturen sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt. Dort heißt es: "Der Choraltar um 1670; die denselben schmückenden Holzfiguren:
S.Nikolaus und S. Maria Magdalena wohl noch aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
"


St.Barbara
 
Hinweise: Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Eine weit verbreitete Legende erzählt, Nikolaus habe einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, geholfen, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution bewegen musste. 
Barbara
ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen.

Tabernakel
Der barocke Tabernakel stammt aus dem Jahr 1720. Zwei Wendelsäulchen auf Sockeln umgeben die rundbogige Türe, auf der ein großer Kelch mit Hostie vor einem Strahlenkranz zu sehen ist.


Tabernakel
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung
  und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Die Stipes, der Altarblock, ist gemauert. Das Antependium des Altars besteht aus einer marmorierten Holzverkleidung; es ist mit klassizistischen Ornamenten verziert. Das Mittelfeld schmückt ein vergoldetes Holzkreuz.



Floriansfigur im Chorraum

Neben der Sakristeitüre steht auf einem Podest eine Schnitzfigur des hl.Florian aus der 1.Hälfte des 18.Jh.

Der Heilige ist in ein römisches Gewand gekleidet. In seinen Armen hält er die Siegesfahne. Mit einem Wasserschaff löscht er ein brennendes Haus zu seinen Füßen.
Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus.


St.Florian

Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.




C
horglocke


Chorglocke
Am Zugang zur Sakristei auf der Südseite des Altarraums hängt die Chorglocke aus Bronze, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes gibt. An den schmiedeisernen Metallrahmen sind zwei rot gefärbte Blechobjekte geschweißt, deren Bedeutung ich nicht kenne. Beim unteren Objekt handelt es sich um die Darstellung eines Hufeisens.
Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten.



Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist ein ungefasster Blocktisch. In das Antependium ist durch Schnitzwerk mit einem Kreuz in der Mitte gegliedert. Inmitten der drei alten Barockaltäre in hellblauem Grundton wirkt der Altar etwas fremd.

Zelebrationsaltar
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier
  konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten ( Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar.

 

Kirchenschiff /Langhaus

Das Kirchenschiff besitzt eine flache Putzdecke. Sie ist nicht bemalt.


Seitenaltäre

Die Seitenaltäre sind spätbarocke Säulenaufbauten mit Wendelsäulen aus der Zeit um 1730. Sie besitzen ein verkröpftes , vorgezogenes Gebälk. Die Antependien sind aus marmoriertem Holz mit versilberten Kranzleisten. Im de von seitlichen Voluten gestützten Altarauszügen sind Herz-Jesu-Symbole zu sehen.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist dem hl.Sebastian geweiht. Auf dem Bild im versilberten Rokokorahmen wird sein Martyrium dargestellt. Sebastian ist an den Marterbaum gefesselt. Fünf Pfeile stecken in seinem Körper. Der Helm liegt vor ihm auf dem Boden. Zwei Englein mit dem Märtyrerkranz und Ölzweigen in den Händen umschweben die Szene. Auch dieses Gemälde stammt von Anton Huber (1847). Über dem Bild eine Schriftkartusche mit dem Heiligennamen "St.Sebastian".
Das Gemälde in Kleininzemoos entspricht in seiner Gestaltung in hohem Maße dem Sebastiansbild in Dachau St.Jakob, das dem Maler Joh.Georg Hörmann (1672-1749) zugeschrieben wird.   Vergleich ?

St.Sebastian
Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pest-epidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

 

An der Predella unterhalb des Bildes die berühmte Halbfigur der Muttergottes mit dem liebkosenden Jesuskind (um 1520), einer Nachbildung des Gnadenbildes Maria del populo in Rom. 

Muttergottes
Es handelt sich um eine innige Darstellung der Muttergottes, die auf dem linken Am das Jesuskind hält, das seinen Kopf an Maria schmiegt und mit der linken Hand an den Hals Marias greift.


Rechter Seitenaltar

Das Bild auf dem rechten Seitenaltar (ebenfalls von Anton Huber, Dachau 1847 gemalt) stellt den hl.Papst Silvester bei einer Taufe dar. Der Täufling beugt sich über ein Taufbecken in Form eines Kelches. Der Papst tauft ihn mit einer Muschelschale. Dahinter steht ein Kleriker mit brennender Kerze in der Hand. Drei geflügelte Engelsköpfe blicken auf die Szene herab.


Papst Silvester
Silvester I. war der Papst, unter dem das Christentum Staatsreligion wurde. Der Täufling könnte der Kaiser Konstantin sein. Beide haben Anfang des 4.Jh gelebt.
Der Vorgänger dieses Altars wurde im Jahr 1650 als "gahr schlecht und Paufellig" bezeichnet mit der Mahnung "mueß ein anderer gemacht werden". Ob und wann dies verwirklicht wurde, ist mir nicht bekannt.
 
Auf dem Altartisch steht eine Halbfigur des hl. Josef mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm und einer Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) in der linken Hand (2.Hälfte 18.Jh). Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage". 

St.Josef
Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.


Kanzel

Die Kanzel aus der Zeit um 1700 ist an der Nordwand angebracht. Der Schalldeckel fehlt. Eine Treppe mit Balustrade führt zum vierseitigen Kanzelkorb, auf dem ein Bild von Jesus als dem guten Hirten (46 x 29 cm) zu sehen ist.
  Hinweis: Die Darstellung des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern ist schon seit der Frühzeit des Christentums bekannt. Sie bezieht sich nicht auf das Gleichnis vom Guten Hirten, der sich schützend vor die Herde stellt und sein Leben für die Tiere einsetzt, sondern auf die Erzählung


Kanzel

  "vom verlorenen Schaf" (Lk 15, 3). Darin heißt es, dass sich Jesus über einen Sünder, der zur christlichen Gemeinde zurückfindet, mehr freut, als über 99 Gerechte. In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.


Kreuzigungsgruppe

Auf der Südseite, gegenüber der Kanzel, hängt ein großes Kruzifix, das sog.Kanzelkreuz. Es wurde im 17.Jh geschnitzt. Der Korpus wird blutüberströmt dargestellt. Geschaffen wurde das Kruzifix wohl vom Dachauer/Münchner Bildhauer Constantin Pader. Jedenfalls ist dem Werkverzeichnis des Künstlers zu entnehmen, dass Pader im Jahr 1630 zwei Kruzifixe für Kleininzemoos hergestellt hat. Sie kosteten drei Gulden.
      
Kanzelkreuz - Mater dolorosa
Unter dem Kanzelkreuz steht die Figur der schmerzhaften Muttergottes (mater dolorosa) in rot-blau-goldenem Gewand. In ihrer Brust steckt ein Schwert. Das Gesicht ist noch sehr jugendlich dargestellt. Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegen- über an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.  

 

KanzelApostelkreuzApostelkreuzzur Beschreibung der ApostelkreuzeChristus auf der RastApostelkreuzGitterHarmoniumKreuzwegbilder v.Anton HuberOpferstockTürklinkeZelebrationsaltar
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Stationsbilder

Die 14 Kreuzwegbilder wurden um die Emporenbrüstung herum angebracht. Die ersten beiden Stationsbilder hängen an der südlichen Seitenwand, die nächsten zehn Bilder an der Emporenbrüstung und die beiden letzten Bilder an der nördlichen Wand.


Kreuzwegbilder

Die 66 x 49 cm großen Stations-
bilder wurden 1850 in Öl auf Leinwand gemalt; sie sind von einem teilvergoldeten Rahmen umgeben. Als Maler könnte wieder Anton Huber in Betracht kommen, von dem schon die drei Altarbilder stammen. Interessant ist, dass die Kreuzweg-bilder hier in Kleininzemoos, in Obermarbach und in der Klosterkirche von Altomünster nach der gleichen Vorlage gemalt sind:
Es handelt sich dabei um den vom italienischen Künstler Giovanni Domenico Tiepolo (1727-1804) im Jahr 1747 für das Oratorium von San Polo in Venedig gemalten Kreuzweg, der übrigens der erste Kreuzweg für Kircheninnenräume in Venedig war.
 

Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...



Apostelkreuze

Apostelleuchter sind heute nicht mehr vorhanden. Einige der auf dem Putz aufgemalten Kreuze wurden freigelegt; die übrigen sind noch unter der Wandfarbe verborgen.
Hinweis: Die Apostelleuchter und -kreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Apostelleuchter


Opferstock

Am Eingang steht ein sehr urtümlich wirkender Opferstock.  Es handelt sich um eine 44 cm hohe schmiedeeiserne Arbeit mit zwei massiven Schlossgurten auf einem Holzpflock. Es sieht aus, als könnte er schon im Jahr 1630 hier gestanden haben, als sich nach der ersten erhaltenen Kirchenrechnung am Jahresende im Stock 21 Gulden und 17 Kreuzer befunden haben.

Opferstock
Der Name rührt daher, dass der Opferstock aus einem großen ausgehöhlten Holzstock besteht. Dieser Block wird durch einen Metallmantel abgesichert. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Kirchenbänke und Kreuzstange

Die Kirchenbänke (acht durchgehende Reihen) stammen aus dem 19.Jh und sind einfach gestaltet. Sie sind hellbraun lackiert und gemasert.
An der vordersten Kirchenbank ist eine hohe, rotweiß bemalte Stange mit einem Vortragekreuz befestigt. Unterhalb des Kruzifixes ist eine vergoldete Verdickung zu sehen. Dabei handelt es sich um einen Nodus, wie er auch an den Schäften von Kelchen und Monstranzen und an Hirtenstäben zu sehen ist. Dieser Nodus stammt aus vorchristlicher Zeit, war früher ein Knoten und hatte ursprünglich eine unheilabwendende (apotropäische) Bedeutung.

Vortragekreuz


Christus auf der Rast

An der Nordwand steht unter der auf einer Holzsäule ruhenden Empore eine für den Kirchenraum unverhältnismäßig große, teilvergoldete Figur "Jesus auf der Rast" (Mitte 17.Jh., andere Quelle 16.Jh). Sie stellt Jesus dar, der sich, sein Haupt mit der rechten Hand stützend, vor seiner Kreuzigung ausruht. Die Größe der Figur lässt vermuten, dass sie nicht für Kleininzemoos geschaffen wurde.


Jesus auf der
Rast

 

Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Kollbach, Haimhausen, Röhrmoos, Rumeltshausen und Westerholzhausen. Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letztere stellen Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott". Die Kleininzemooser Figur ist die älteste dieser Darstellungen im Landkreis Dachau.



Empore

Emporengitter
Die Empore mit der verputzten Brüstung ruht auf einer Stützsäule. Der Treppenzugang (um 1965) kann durch ein umklappbares Gitter abgesperrt werden.
Eine Orgel fehlt heute. Ihre Funktion wird von einem kleinen Harmonium wahrgenommen.
Vor 125 Jahren stand auch in Kleininzemoos eine Orgel. Aus den Aufzeichnungen von Pfarrer Schanderl ergibt sich, dass die Röhrmooser im Jahr 1891 eine neue Orgel aufstellten und ihre alte Orgel für 100 Mark an Kleininzemoos verkauften. Käufer waren die beiden Kleininzemooser Bauern.

Harmonium


Türschloss

Die Kirchentüre wurde in den 1960er Jahren gefertigt. und mit einer modernen Alarmanlage ausgestattet. Der Türdrücker wurde von der Vorgängertüre übernommen.

Türschloss
Wenn Sie sich für alte Schlösser und Beschläge an den Kirchentüren interessieren, klicken Sie hier....


Neben der Kirche wurden Geheimgänge aus der Schwedenzeit gefunden.

Kirchenführung:
Wenn Sie eine Führung durch die Filialkirche St.Margareta wünschen, können Sie sich an Frau Ursula Mehr wenden:

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895

Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.97, 441, 697a)
Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des Landgericht Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte, 1925 (3 Höfe 1649)
Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1 (1630)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Thaller)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Gerhard Hanke, Volks- und heimatkundliche Findlinge aus dem Amperland, Amperl.1986-S.167 (Rennet)
Röhrmoos Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1998
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes , 1991
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Umbau 17.Jh)
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Manfred Bergmeister, Grabkreuzausstellung Hebertshausen, 2007 (Missionskreuz-Überdachung)

Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)

31 Bilder: Hans Schertl (2005)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

25.2.2017