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Maria - Mutter der Schmerzen 
Mater dolorosa-Darstellungen 
-  in den Kirchen des Landkreises Dachau- 

 


Altaraufsatz in Einsbach  

Der Evangelist Johannes berichtet in seiner Leidensgeschichte (19, 25-27), dass Maria zusammen mit dem Lieblingsjünger Johannes unter dem Kreuz Christi stand. Diese Szene inspirierte seit dem 12. Jh. immer wieder die Kunst (so z.B. den franziskanischen Hymnus "Stabat Mater")

Maria steht aufgelöst in Trauer unter ihrem gekreuzigten Sohn. Wie ein Schwert durchdringt der Schmerz ihre Seele. Damit erfüllt sich die Weissagung des greisen Simeon im Tempel, wie sie Lukas in seinem 2.Kap, Vers 35 aufgeschrieben hat:

Dem Greis war prophezeit worden, dass er nicht eher sterben werde, bevor er den Messias geschaut habe. Jeder erstgeborene jüdische Knabe war als Priester vorgesehen und wurde, um dieser Verpflichtung nicht nachkommen zu müssen, mit der Opfergabe in Form zweier Tauben freigekauft.

Als Jesus, dem jüdischen Brauch entsprechend, als Erstgeborener am vierzigsten Tag nach der Geburt von Maria und Josef in den Tempel gebracht wurde, um der Darbringung des Opfers beizuwohnen, erkannte Simeon im Jesuskind den Messias und betete zu Gott: "Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden scheiden", und zu Maria gewandt sprach er: "Dieser wird gesetzt sein zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird - und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen..." .

Die Darstellung der schmerzhaften Muttergottes unter dem Kreuz, wie wir sie heute in den Kirchen und Kapellen des Landkreises Dachau (meist gegenüber der Kanzel) finden, ist erst seit der Barockzeit üblich.

                              
Kollbach-materdolorosa im Chor
                                               Prittlbach


Vorbild ist die von Tobias Pader 1651 geschaffene Marienfigur in der Herzogspitalkirche München.
Die Holzstatue der Schmerzhaften Muttergottes, die am 21. 1. 1690 "höchstlebendig die Augen bewegt" haben soll. Das Wunder war von einem Kind beobachtet worden und erhielt umgehend die kirchliche Bestätigung des Bischofs von Freising Joseph Clemens von Bayern (16851694). Die Figur wurde zum Ziel der wichtigsten Marienwallfahrt in der Münchner Region. In nur fünf Jahren wurden in der Spitalkirche 56.000 Messen gelesen und nicht weniger als 400 Wundertaten gezählt. Kurfürst Maximilian III. Joseph ließ sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen. Die Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitalkirche in der gleichnamigen Straße in München verehrt.

Die Figur in Unterweilbach (Bild rechts) reicht ikonographisch am nächsten an die Herzogspitalmadonna heran.


Petershausen
 
 Unterweilbach

     


Röhrmoos


Haimhausen-Schlosskp 



in Dachau-St.Jakob

Die Sieben Schmerzen Mariens

Die Darstellung der 7 Schmerzen Mariens geht ebenfalls auf das Simeonwort bei der Darstellung im Tempel zurück, auch wenn dort von keiner Zahl gesprochen wird. Es sind dies
1.die Darstellung im Tempel (Lk.,2,35)
2. die Flucht nach Ägypten (Mtt,2,13 ff)
3. die Suche nach dem 12jährigen im Tempel (Lk.,2,41)
4. die Begegnung Mariens auf dem Kreuzweg
5. die Kreuzigung (Luk,15,40)
6. die Kreuzabnahme und
7. die Grablegung Jesu (Luk,15,47) .

Die Wurzeln für die Darstellung der 7 Schmerzen Mariens reichen in das 13.Jh zurück. Im Laufe der Jahrhunderte schwankte die Zahl zwischen 5 und 50, ja sogar bis zu 1500 im Einzelnen beschriebenen Schmerzen (Alanus de Rupe, 1428).

Nach der Einführung des "Festes zum Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens" im Jahr 1423 verblieb es bei der "heiligen Zahl Sieben". Seither stellt die Kunst die volkstümliche "Mater dolorosa" mit einem oder sieben Schwertern in der Brust dar.

Die Zahl Sieben spielt in der Bibel und in der kirchlichen Tradition eine große Rolle. Sie gilt als Summe der himmlischen Zahl Drei und der irdischen Zahl Vier und somit als Sinnbild für die Fülle und Vollendung, als Vereinigung des Geistigen und der Materie.
Es gibt deshalb 7 Gaben des Heiligen Geistes, 7 Schöpfungstage, 7 Werke der Barmherzigkeit, 7 Sakramente in der kath.Kirche und 7 Todsünden.

Auch im Buddhismus und im Islam hat die Zahl Sieben eine besondere Bedeutung.



Quellen:
Ökumenisches Heiligenlexikon

Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Detailvergleiche insgesamt

 

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

27.1.2005