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Klostereintritt
Den gelehrten Priester Ökolampadius, der zeitlebens von schwächlicher
Gesundheit war, quälten schon lange Zweifel über die Sicherheit
der überkommenen und der neuen Glaubenssätze. Seine Neigung
zu Mystikern wie Johannes Gerson, verstärkte die Unsicherheit.
Um Ruhe in der Seele zu finden und aus Sehnsucht nach klösterlicher
Stille, trat er für alle Bekannten überraschend, am Weißen
Sonntag 1520 als Birgittenmönch in den Konvent von Altomünster
ein.
Entsetzen
der lutheranischen Freunde
Die humanistischen und lutherischen Freunde von Ökolampadius
waren enttäuscht bis entsetzt. Die Begründung der "Ruhe
in der Seele" fand keine Anerkennung. Erasmus v.Rotterdam schrieb
Willibald Pirkheimer: "Jetzt, da es nicht mehr zu ändern
ist, muss man beten, dass es sich für ihn und uns zum Besten
wendet".
Wolfgang Capito teilte Melanchthon mit:
"Der Mann, der sonst so vorsichtig und klug
ist, hat unbedacht gehandelt. Er hat seinen Geist, der an und für
sich schon
zu wenig energisch ist, um der Religion
willen mit ungewohntem Joch belastet. Wenn er seinen Leib noch so
kasteit mit
Stillschweigen, Nachtwachen, Fasten:
durch das Beispiel seines Lebens hätte er mehr genützt,
wenn er unter Menschen
gelebt hätte. Jetzt gehorcht er einigen
Weiblein, müht sich ängstlich in ihrem Dienst ab, zeigt
sich ihnen bereitwillig zu
allem wie ein Schüler seinen Lehrern;...
es ist nämlich das Kloster der hl. Brigidda, wo die Frauen
über die Männer gesetzt
sind, in ganz verkehrter Weise"
In einem Schreiben an Pirckheimer verurteilte auch der Domherr Adelmann
den Klostereintritt:
"... Ich fürchte, sein Vorhaben reut
ihn in kurzer Zeit. So lange er bei uns war, klagte er, er sei in
eine Stampfmühle
verstoßen; nun möge er sehen,
ob er nicht sich selbst in einen Kerker verstoßen hat... Noch
dazu Altomünster, das nicht
Überfluss hat, sondern des Notwendigsten
entbehrt. Die Mönche leben elend, auch Frauen leben dort und
leiten alles".
Als schlechtes Vorzeichen sah er den Fluchtversuch von drei Laienmönchen
am Tag der Einkleidung.
Klosterleben
Ökolampadius hatte sich bei seinem Klostereintritt versichern
lasse, dass es ihm freistehe, nach dem Wort Gottes zu leben. Auch
wenn die Klosterleitung darunter wohl etwas anderes verstand als
der neue Mönch. Zudem wurde ihm erlaubt, das Kloster zu Zwecken
der Predigt zu verlassen. Das Kloster schätzte sich glücklich,
einen so angesehenen Mönch gewonnen zu haben, der auch beim
Bischof große Verehrung genoss. Johannes fühlte sich
anfangs sehr wohl als Mönch. Er genoss die Ruhe und Weltabgeschiedenheit.
Er erhielt auch Besuch von seinen lutherischen Freunden, die ihn
zu Übersetzungsarbeiten animierten. Doch Ökolampadius
war nicht gesund. Die Strenge des Birgittenordens und die Kälte
der ungeheizten Zellen ließen ihn vor allem in den Wintermonaten
schwer erkranken und raubten ihm die Freude am Klosterleben.
Abschied vom Kloster
Nach dem Reichstag von
Worms im Frühjahr 1521 (mit dem Bannspruch gegen Luther) wandte
sich der Reformator in seiner vielgelesenen Schrift "De votis
moansticis" gegen die Ordensgelübde und gegen die Ehelosigkeit
der Priester, weil sie gegen das göttliche Recht der "evangelischen
Freiheit" verstießen. Diese These fand überwältigenden
Anklang bei Weltpriestern und Ordensleuten, die nun in großer
Zahl zu den Protestanten überzulaufen begannen. Nun wurde die
kirchliche Trennung real.
Der Birgittinermönch Ökolampadius, der nach wie vor der
lutherischen Gedankenwelt nahestand, schrieb z.B. im Jahr 1520 (Iudicium
de Luthero):
"Luther kommt der Wahrheit des Evangeliums
näher als seine Gegner. Ich habe nicht alles (von ihm) gelesen,
aber was ich
gelesen habe, wird mit Unrecht verworfen.
Das Meiste, was er sagt, ist für mich so klar, dass auch die
Engel des Himmels
mich nicht von meiner Meinung abbringen
würden."
Auch in seinen überlieferten Predigten vertrat er lutherische
Thesen, leugnete den Opfercharakter der Messe und wandte sich gegen
die Ohrenbeichte. Dies führte zu Ärger mit Professor Dr.Johannes
Eck, dem Verteidiger des katholischen Glaubens. Er intervenierte
bei den Oberen und machte die Stellung von Ökolampadius im
Kloster unhaltbar. Die Mitbrüder bezeichneten ihn als Abtrünnigen
und Häretiker und hielten Abstand. Immerhin gingen sie nicht
gewaltsam gegen ihn vor.
Das Kloster gab Ökolampadius en Entlassbrief und hinreichendes
Reisegeld. Ich sagte Lebewohl und war frei".
In einem Brief schrieb er zu seiner Flucht aus dem Kloster:
"Ich habe den Mönch
aufgegeben und den Christen gefunden, aber es ist nicht verlorengegangen,
was innerlich den Mönch
ausmacht»
Altomünster blieb ihm trotz allem in guter Erinnerung, umgekehrt
nicht: Vier Priestermönche, fünf Laienbrüder und eine Nonne verließen
gleichfalls das Kloster. Eine weitere Sympathisantin, die Nonne
Katharina Greulich, verblieb, kam aber in lebenslange Klosterkerkerhaft.
Sie verstarb 1566 als 'Ketzerin'. 155)
Bewertung des Klosteraufenthalts
Ökolampadius verließ Altomünster am 23.Jan.1522.
Trotz seiner häretischen Ansichten blieb er aber in Altomünster
in guter Erinnerung, ja man war über den Weggang des gelehrten
Mitbruders sogar traurig. Lange Zeit wurde von ihm erzählt,
er habe bei seinem Abschied zum Pfortenbruder gesagt: "Ihr
seid glücklich. Ihr in eurer Einfalt steigt in den Himmel und
wir Doktoren fahren mit unserer Gelehrsamkeit zur Hölle".
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Reformer von Basel
Ökolampadius fand nach seinem Klosteraufenthalt vorübergehend
eine Anstellung als Schlosskaplan bei Franz v. Sickingen auf
der Ebernburg. Im Herbst 1522 kehrte er nach Basel zurück.
Hier übersetzte er weitere Schriften der Kirchenväter
(patristische Schriften) und wurde zu einem der bedeutendsten
Wortführer der reformatorischen Bewegung. Wegen seiner
exzellenten Fähigkeiten als Exeget mit Vorlesungen für
Laien in deutscher Sprache wurde er vom Rat der Stadt Basel
1523 gegen den Willen der Universität zum Professor ernannte.
Daneben wirkte er als Prediger und seit 1525 als Leutpriester
bei St. Martin, bevor er 1529 Münsterpfarrer und Leiter
der reformierten Kirche von Basel wurde.
Nach langwierigen, teils gewalttätigen Auseinandersetzungen
führte der Basler Rat auf Druck der Zünfte 1529
die Reformation ein. Ökolampadius bemühte sich um
die Neuordnung der Basler Kirche. Er wandelte er sich vom
Anhänger Luthers zum Anhänger des Schweizer Reformators
Huldreich Zwingli (Lebenszeit 1484-1531), was Luther
erregte: "Was neu ist, gefällt der Welt, darum fallen
einige vorwitzige Disputierer Zwinglis Deutelei zu, jedoch
nicht ohne Scheu, bis Oekolampad, der ein gelehrter Mönch
zu Altomünster in Baiern gewesen ist.."
Einen Ruf als Nachfolger Zwinglis nach Zürich schlug
Ökolampadius aber aus. Im Abendmahlstreit beim Marburger
Religionsgespräch 1529 war er neben Zwingli Luthers wichtigster
Gegner. Während Luther an der traditionellen Lehre von
der leiblichen Gegenwart Christi im Brot und Wein des Abendmahls
festhielt, verstanden Zwingli und Ökolampadius die Abendmahlsfeier
als rein symbolische Gedächtnishandlung. 165)
Das besondere theol. Interesse von Ökolamadius galt Fragen
der Kirchenzucht (z.B. Predigt und Abendmahlzwang), der Rückkehr
zu einer öffentlichen Bußdisziplin und einer allein
kirchlich verantworteten Bannpraxis, die aber ein grausames
Gericht an den Täufern zur Folge hatte.
1528 heiratete Johannes Ökolampadius die 22 Jahre jüngere
Witwe Wibrandis Rosenblatt. Der Ehe entstammten drei Kinder
(Eusebius, Irene und Aletheia).
Nach dem Tod von Ökolampadius am 24.11.1531)
heiratete Wilbrand übrigens nacheinander zwei weitere
bedeutende Reformatoren und frühere Freunde ihres Mannes:
1531 den Wolfgang Capito (1478-1541) und 1542 den Martin Bucer
(1491–1551), die ihre Ehefrauen durch die Pest verloren hatten.
Nach vier Ehen war Wilbrand Rosenblatt noch 14 Jahre Witwe,
bis sie 1564 im Alter von 60 Jahren ebenfalls an der Pest
starb.
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Ökolampadiusstatue
in Basel
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