zur Landkreiskarte              ausführl.Beschreibg           Kirchen i.d.Pfarrei Haimhausen


Filialkirche St.Margareta in Großnöbach

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür

Adresse : 85777 Fahrenzhausen, Römerstraße 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Der Ort Großnöbach (rd. 400 Einwohner) liegt an der Bundesstraße 13 südlich von Fahrenzhausen.
Der Ort und die Kirche wurden erstmals in der Zeit zwischen 972 und 976 in einer Tauschurkunde als "Neninpah" erwähnt. Die Kirche St.Margareta ist auch in der Konradinischen Matrikel des Jahres 1315 unter der Bezeichnung Nembach aufgeführt. Schon damals war sie - wie heute- eine Filialkirche der Pfarrei Haimhausen.

Von der damaligen Kirche könnte noch der romanische Chor mit quadratischem Grundriss stammen. Auch das rundbogige Fenster auf der Ostseite entstammt romanischer Zeit.
Der Historiker Hartig nimmt an, dass der heutige Chor früher der untere Teil eines massigen Turms gewesen ist. Danach wäre die frühere Kirche eine Chorturmkirche gewesen.

Das Kirchenschiff und die Sakristei stammen aus späterer Zeit; das genaue Datum ist nicht bekannt.
Die Kirche wurden 1719 restauriert, war aber 33 Jahre später schon wieder baufällig.

Nach der Reparatur des Mauerwerks erhielt die Kirche 1753 auch eine neue Ausstattung.


Engel auf dem Hochaltargebälk


Der 28 m hohe Turm wurde im Jahr 1880 errichtet, nachdem sein Vorgänger aus spätgotischer Zeit eingestürzt war. In ihm hängen zwei Glocken aus neuerer Zeit.

Inneneinrichtung

Die Einrichtung der Kirche gehört zum Rokokostil. Die drei Altäre sind 1753, im Jahr der Neuausstattung, entweder entstanden oder doch stark überarbeitet worden.
Die Altarblätter sind aber viel jünger. Sie stammen aus der Zeit der Nazarenermalerei im 19.Jh.

Auffallend ist, dass in der Kirche viele der in Bayern sehr verehrten vierzehn Nothelfer - im Bild und als Skulpturen- dargestellt sind:
Der Hochaltar ist den drei weiblichen Nothelfern gewidmet.
- St.Margareta als Patronin der Kirche mit dem besiegten Drachen zu ihren Füßen im Altarblatt.
       Als Assistenzfiguren die beiden Königskinder
- St.Barbara mit dem Kelch in der Hand, der als Symbol für die dem Sterbenden gereichte letzte Kommunion gilt.
- St.Katharina, die in der linken Hand ihr Marterwerkzeug, das Schwert und in der rechten Hand den Palmzweig der Märtyrer hält.

Einige der männlichen Nothelfer zeigt ein großes Ölgemälde, das an der Südseite des Kirchenschiffs hängt.
Maria reicht den Bauern-Heiligen Wendelin und Leonhard im Beisein der Heiligen Barbara und Katharina einen Rosenkranz.


zur Beschreibung des rechten SeitenaltarsEwig-Licht-Ampelzur Beschreibung des ChoraltarsChristusMuttergotteszur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung des Tabernakels 
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Die Seitenaltäre sind der Muttergottes (links) und dem hl.Franz Xaver (rechts) gewidmet.
— Auf dem von Peter Elmer aus Freising 1851/52 gemalten Ölbild auf Leinwand im Nazarenerstil, steht die Muttergottes auf
    Gewölk und präsentiert dem Betrachter ihr lachendes Jesuskind.
In dem vom Maler Rothenfusser aus Laufen gemalten Altarblatt am rechten Altar steht vor einem Meereshintergrund der
    hl.Franz Xaver. Mit der rechten Hand weist er auf ein Kreuz, das er in der Linken hält. Das Kreuz erinnert an den Eifer, mit
    dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete

An den Seitenwänden des Kirchenschiffs stehen Figuren der Muttergottes mit den königlichen Insignien und von Christus als Christkönig. Dahinter hängen die Kreuzwegbilder.

Bemerkenswert sind noch die beiden Reliquiare, die auf den Seitenaltären stehen.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen

Geschichte Matrikel 1315 Kirchenneubau 1350 Matrikel 1524 Visitation 1560 Matrikel 1738
Neubau 1752 Beschreibg 1874 Beschreibung 1895 Beschreibg 1900
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Deckengemälde Empore
  Ewig-Licht-Ampel Figuren und Bilder Kanzelkreuz Kreuzweg Reliquien
  Sakristei Seitenaltäre Tabernakel Turm Zelebrationsaltar

Großnöbach war von 1818 bis 1972 eine selbstständige Gemeinde mit den weiteren Ortschaften Weng, Gesseltshausen, Großeisenbach, Kleineisenbach, Kleinnöbach und Unterbruck. 14) Im Zuge der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre wurde die Gemeinde erst vergrößert (am 1.1.1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Jarzt eingegliedert; am 1. 4. 1972 kamen Teile der Gemeinde Lauterbach hinzu), dann verlor sie am 1. Juli 1972 den Status als selbständige Gemeinde und wurde nach Fahrenzhausen (seit 1972 Landkreis Freising, vorher Dachau) eingemeindet. Kirchlich gehört Großnöbach seit Jahrhunderten zur Pfarrei Haimhausen. Großnöbach


Geschichte der Kirche

Eine Kirche Großnöbach wurde erstmals in der Zeit zwischen 972 und 976 erwähnt. Bischof Abraham (957-994) tauschte von dem Edlen Dietricus Grundbesitz zu Hezinhusa (Hetzenhausen) und Neninpah (Großnöbach)gegen einen Zehent der Kirche in Großnöbach.
Der Ort ist auch auf einer Karte mit Besitzungen der Ebersberger Grafen aus dieser Zeit eingezeichnet.

Kaplan Hugo Straßer erwähnt in seiner Haimhausener Pfarrbeschreibung von 1901 eine Sage:
  "Alte Leute erzählten mir, daß in früheren Jahrhunderten in Kleinnöbach, bei einem Gehöfte von 2 Bauernhäusern, das nun zur Pfarrei Fürholzen gehört, eine Kirche mit Friedhof gestanden sein soll. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Filialkirche v.Großnöbach erst gebaut wurde, nachdem in Kleinnöbach Kirche und Gottesacker verschwunden waren".
Diese Sage wird durch historische Funde nicht untermauert.

Konradinische Matrikel 1315  01)
Die erste Kirche in Großnöbach ist in der Konradinischen Matrikel des Jahres 1315 genannt. Dort ist unter dem Dekanat Freising die Pfarrei Haimhausen aufgeführt: "Haimhausen soluit (bezahlt) X Pfund, habet IIII filias: Ünnhausen, Herentshausen, Nembach & Atershausen cum sepulturis (= mit Friedhof)". Großnöbach hatte damals auch schon einen Friedhof, was auf eine gewisse Bedeutung schließen lässt.

Kirchenneubau 1350
Die heutige Kirche besitzt noch einen sehr alten Teil. Der rechteckige Chor soll aus romanischer Zeit (bis 1350) stammen. Der Historiker Hartig nimmt an, dass es sich dabei um den unteren Teil eines früheren massigen Turms handelt. Danach wäre die frühere Kirche eine Chorturmkirche gewesen, d.h., der Altarraum war im Erdgeschoss des Turmes untergebracht. Dafür spricht auch das kleine romanische Fenster auf der Ostseite des Chors. Leider sind die Quellen über den Kirchenbau sehr rar. Sicher ist nur, dass die Kirche 1719 vom Maurer Georg Schmid aus Weißling und Zimmerermeister Thomas Mayr aus Großnöbach restauriert wurde.


Matrikel von 1524  01)
Die Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 nennt erstmals auch das Patronat der Kirche: "... s.Margaretae in Nennbach cum sepulturis (= mit Friedhof) ".


Visitationsbericht von 1560  07)

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte.
Im Bericht über die Pfarrei Haimhausen ist auch Großnöbach kurz erwähnt. Die Filialkirche "St.Margreta in Nenbach" liege im Bezirk des Massenhausener Gerichts, das auch die Kirchenrechnung kontrolliere; sie besitze alle "pfarrliche Recht". Das Gotteshaus sei baufällig und könnte mit einem Aufwand von 8 Gulden repariert werden. Das Einkommen der Kirche betrage 4 Gulden und 6 ß. Gottesdienst werde durch den Pfarrer von Haimhausen "wie vor Allter verricht (=wie früher gehalten)".


Auszug aus einer Karte
von Apian 1568



Matrikel von 1738/40  01)
In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel beschrieben. Bei der Pfarrei St.Nikolaus in Haimhausen wird auch die Filialkirche "s.Margaritae in Grossen-Neebach" erwähnt. Schmidt beschreibt das Kirchengebäude als völlig ruinös und das zwanzig Jahre nach der Reparatur von 1719. Sie enthielt damals zwei Altäre: der Hochaltar war der Kirchenpatronin St.Margarita geweiht, der andere Altar der Heiligen Familie. Gottesdienste fanden alternierend mit Hörenzhausen jeden zweiten Sonntag statt, außerdem an den Marienfesten. Kirchweih wurde am Fest der hl.Catharina (25.Nov.) gefeiert. Im Friedhof stand ein Beinhaus. In der Sakristei wurden Messgewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Massenhausen. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses mechte etwan gegen 200 fl. (Gulden) diser Zeit ausmachen". Das war auch für eine kleine Kirche ein geringer Betrag. Vor allem wenn man den Zustand des Gebäudes in Betracht zieht.


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655: Nenbach

Umbau 1752
Es dauerte noch zwölf Jahre, bis 1752 die notwendigen Gelder für die Reparatur zusammen-kamen. Längere Zeit konnten keine Gottesdienste mehr gefeiert werden. Es war beabsichtigt, die Kirche abzureißen und völlig neu zu bauen. Der Münchner Baumeister Leonhard Matthias Gießl und der Freisinger Baumeister Ignaz Reiser hatten schon Pläne für einen Neubau erstellt. Aber aus Geldmangel musste man sich mit einer Reparatur begnügen.
Im Zuge dieser Reparatur erhielt die Kirche 1753 neue Altäre.


Statistik

1852: Gemeinde mit 395 Einw., 68 Familien 16)
1867: Zur Größe der Gemeinde Großnöbach war im Handbuch des Königreichs Bayern von 1867 zu lesen:
02)
        "Großnöhbach, Gemeinde 402 Einw., 130 Gebäude in 7 Orten:
        Gesseltshausen, Dorf, kath.Pfarrei Gremertshausen, 111 Einwohner, 40 Gebäude, 1 Kirche
        Großeisenbach, Dorf, Pfarrei Fürholzen, 57 Einw., 18 Gebäude, 1 Kirche
        Großnöhbach, Dorf, Pfarrei Haimhausen, 58 Einw., 20 Gebäude, 1 Kirche
        Kleineisenbach, Pfarrei Gremertshausen, 25 Einw., 7 Gebäude
        Kleinnöhbach, Dorf, Pfarrei Fürholzen, 22 Einw. (5 Mennoniten), 8 Gebäude
        Unterbruck, Dorf, Pfarrei Jarzt, 56 Einw. 12 Gebäude, 1 Kirche
        Weng, Dorf, Pfarrei Gremertshausen, 73 Einw. 25 Gebäude, 1 Kirche, 1 Benefiziatenhaus".
1874: wohnten in Großnöbach 67 Seelen (Gläubige) in 12 Häusern. Die Kinder gingen nach Fahrenzhausen in die Schule.
1925: 621 Einwohner
1933: 615 Einwohner
12)
1939: 597 Einwohner
12)

Beschreibung 1874 03)
Die Kirche in Großnöbach ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es:
  "Großnöbach liegt an der Straße nach Ingolstadt. Erbauungsjahr unbekannt. Baustil romanisch.  Baupflicht: An der Kirche die Kirchenstiftung, am Cm. (=Friedhof) die Gemeinde.  Geräumigkeit: genügend. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken.  Cons.dub.  Patronin Hl.Margaretha.  3 altar. p.Ss.  Cm. ohne Cap. (= Friedhof ohne Kapelle) Gottesdienste: Abwechselnd mit Hörenzhausen durch den Cooperator. Stiftungen: 7 Jahrtage mit Vigil und Libera, wovon 2 mit 2, u. 5 mit 1 Beimesse; 1 Amt. Meßner: Ein Gütler. Kirchenvermögen: Rent. 1042 fl. (=Gulden), nicht rent. 876 fl. "


Im Jahr 1874 wohnten in Großnöbach 67 Seelen (Gläubige) in 12 Häusern. Die Kinder gingen nach Fahrenzhausen in die Schule.


Beschreibung 1895  
 15)
Auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1895 Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellten, finden sich einige Bemerkungen über die Großnöbacher Kirche. Dort ist zu lesen:
 

"Gross-Nöhbach. Kirche.
- Monstranz, massige Arbeit des 17. Jahrhunderts. H. 52001. Silber, vergoldet. R GrosB-Viecht.
- In der Sakristei: Maria stehend hält in der Linken eine Traube, auf dem rechten Arm das Kind. Gute, bemalte
   Holzfigur um 1500.
- Die von Sighart in der Kunst der Erzdiöcese München-Freising S. 194 erwähnten grossen Statuen der
   hl. Magdalena und des hl. Nikolaus sind nicht mehr vorhanden; in seinem Eisenbahnbüchlein von München
   nach Landshut erwähnt Sighart P.79 ebenfalls diese Figuren und zwar als "Holzstatuen des 15. Jahrhunderts
   von grosser Schönheit."



Beschreibung 1900
 04)
In den Jahren 1900 und 1901 hat der Haimhausener Kaplan Hugo Straßer unter dem Titel "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria" (=Neues und Altes aus der Pfarrei Haimhausen) eine umfangreiche Pfarrbeschreibung verfasst. Im Abschnitt Filialkirchen ist auch Großnöbach aufgeführt. Wenn Sie am Text interessiert sind, klicken Sie hier...


Restaurierungen wurden durchgeführt:
1674 -   neuer Katharinenaltar durch Freisinger Künstler für 112 fl 05)
1719 -
  durch Maurer Georg Schmid auf dein Weißling und der Zimmermeister Thomas Mayr von Großnöbach 05)

1975/77- Gesamtrenovierung. Madonna mit Kind und der Salvator wurden auf Konsolen an die Seitenwände gerückt.
             Auf den Kreuzwegtafeln wurde eine ältere barocke Fassung freigelegt. Restaurator Kirchenmaler Heinrich Götz, Mch 05)



Kirchenbau

Die Kirche ist außen (mit Vorhaus) rd. 21 Meter lang. Sie liegt an der Hauptstraße im Dorf inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Der nur wenig eingezogene Altarraum schließt gerade. An seiner Ostseite befindet sich ein kleines Rundbogenfenster aus romanischer Zeit. Der Historiker Hartig nimmt an, dass der heutige Chor früher der untere Teil eines massigen Turms gewesen ist. Danach wäre die frühere Kirche eine Chorturmkirche gewesen.
05)
Das 12,5 m (innen) lange Kirchenschiff erstreckt sich über drei Achsen. In die rundbogigen Fenster ist Antikglas mit Rundverbleiung eingesetzt.
Die Zeichnung der Kirche von Michael Wening aus der Zeit um 1700 lässt einige interessante Details erkennen. U. a. führte neben dem Eingang auf der Nordseite eine Treppe hinauf zum Oratorium, in dem die Hofmarksherren und -damen sich ohne Kontakt zur Bevölkerung der Messe beiwohnen konnten.
Turm
Der 28 m hohe Turm im Westen besitzt in den unteren drei Geschossen einen quadratischen Grundriss. Die nächsten zwei Geschosse haben einen achteckigen Aufbau. Die Spitze bildet ein Pyramidendach mit Schindeldeckung. Der Turm wurde im Jahr 1880 errichtet, nachdem sein Vorgänger aus spätgotischer Zeit mit einer Kuppelbedachung "dem Einsturze nahe war und abgebrochen werden musste".
In ihm hängen zwei Glocken übereinander, die 1920 und 1921 von Ulrich & Weule in Apolda/Thüringen gegossen wurden. Die größere Glocke (Ton d') hat ein Gewicht von 450 kg und einen Durchmesser von 110 cm, die kleinere Glocke (Ton h') wiegt 250 kg; ihr Durchmesser beträgt 85 cm.
Vor dem ersten Weltkrieg hingen hier zwei ältere Glocken: Eine stammte aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg, die andere war 1887 von Josef Straßer aus München gegossen worden und trug ein Bild der Kirchenpatronin St. Margarethe. Diese Glocken mussten wohl im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden.
08)
Eingang


Weihwasserbecken
Der Eingang ist an der Südwestseite im Turmuntergeschoss. Dort ist neben einem Marienbild das Kriegerdenkmal für die Gefallenen aus Großnöbach in den beiden Weltkriegen an der Wand angebracht.
Das Weihwasserbecken in ovaler Muschelform aus Rotmarmor an der Eingangstüre war im 18.Jh sehr beliebt. Wenn sie sich auch andere interessante Weihwasserbecken in den Kirchen des Dachauer Landes ansehen möchten, klicken Sie hier...

Sakristei
Die Sakristei ist an der Südseite zwischen Chor und Langhaus angebaut. Die Sakristeitüre aus Eichenholz mit den alten Beschlägen stammt noch aus dem 18.Jh., vielleicht wurde sie 1753 mit den Altären angefertigt. Die Türe ist zwar breit, aber nur rd. 1,70 Meter hoch. Ein Zeichen dafür, dass die Menschen vor 250 Jahren doch wesentlich kleiner waren. Das Türschloss ist rd. 100 Jahre alt.

Sakristeitüre  
Außenbereich

An den Außenwänden der Kirche sind zwei Kreuze angebracht.
Ein Kruzifix besitzt die Form eines Wegkreuzes und ist mit einem Blumenkranz geschmückt.


Kreuze im Außenbereich
Das zweite Kreuz steht in einer Nische hinter dem Treppengitter des Sakristeieingang. Es besitzt keinen Corpus. Am Schnittpunkt der Kreuzesbalken ist ein Schild angebracht, in dem folgender Text steht: Was Ihr seid, das waren wir, was wir sind, das werdet Ihr". Es ist ein alter Spruch über die Vergänglichkeit des Lebens, der schon auf einem römischen Grab aus der Antike gefunden wurde ("Quod sumus, hoc eritis. Fuimos quandoque, quod
  estis"). Auch die "Legende von den 3 Toten und den 3 Lebenden" rankt sich um diesen Satz. Sie tauchte im 12.Jh in Frankreich auf und fand ab dem 14.Jh auch in Deutschland Verbreitung. Sie handelt von 3 jungen Männern, die in den Wald reiten und dort drei Alte von knochigem und heruntergekommenen Aussehen treffen. Die alten Männer stellen sich als die Väter der jungen Reiter vor und mahnen sie mit den Worten: Was Ihr seid, das waren wir, was wir sind, das werdet Ihr".


In einer verglasten Wandnische ist eine Figur der Altöttinger Muttergottes aufgestellt. Sie steht unter einem blau-weißen Baldachin.
Hinweis: Das Gnadenbild von Altötting wurde wohl um 1330 am Oberrhein geschnitzt und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Früher ging man davon aus, dass die schwarze Farbe durch den Kerzenrauch entstanden ist. Inzwischen glauben Historiker und Theologen, dass sie bewusst gefärbt wurde; schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig.


Altöttinger Madonna

Innenausstattung

Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Länge des Kirche 15,45 m (davon Kirchenschiff: 10,37 m ; Altarraum: 4,43 m; Chorbogen 0,65 m); Vorhaus 2,15 m
—  Breite der Kirche: Kirchenschiff: 6,84 m; Altarraum: 4,90 m
—  Höhe: Kirchenschiff: 6,18 m; Altarraum: 5,60 m (Altarstufe 0,20 m); Empore beginnt in 2,62 m Höhe

 


Altarraum

Der Altarraum ist flach gedeckt mit einer ockerfarbigen Hohlkehle

Choraltar / Hochaltar

Der 1753 errichtete Hochaltar ist im Stil des Rokoko gestaltet. Der Altaraufbau (Retabel) steht auf einem Unterbau (Predella), vor dem der Tabernakel steht. Er ist nach vorne gerundet.
Der Altar besitzt außen zwei Säulen mit Kompositkapitellen und innen vier Pilaster, die ein verkröpftes Gebälk tragen.

Der Altar ist außen blaugrau, innen rosa marmoriert, mit vielen vergoldeten Rocaille-Ornamenten.
Der Altaraufsatz ist trapezförmig gestaltet.

Altaraufsatz/Altarauszug
Mittelpunkt im Aufsatz des Altars ist das Auge im Dreieck vor blauem Hintergrund. Es ist von einem Strahlenkranz, Gewölk und drei Putten umgeben. Der obere Putto ist kahlköpfig. Umrahmt wird der Auszug von Rocailleornamenten.
 
Altaraufsatz
Zu beiden Seiten des Auszugs sitzen auf dem Gebälk Voluten-Engel und halten Blumengirlanden in den Händen, die über Ziervasen bis zum Auszugsbild reichen.
  Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.
Altarblatt
Das Altarblatt zeigt die Patronin der Kirche, die hl. Margareta. Das Ölgemälde (auf Leinwand) wurde von dem Künstler Rothenfusser aus Laufen 1899 gemalt. Der vergoldete Rahmen stammt noch aus dem 18.Jh.
St.Margareta -in ein blau-rotes Gewand gehüllt- stößt mit der linken Hand einen als Kreuzstab gestalteten Spieß in den Leib eines Drachens beachtlicher Größe, der sich zu ihren Füßen windet.

St.Margareta
In der rechten Hand hält Margareta einen Palmzweig als Zeichen für ihr Martyrium.
Das Bild fand nicht ungeteilten Beifall. Kaplan Hugo Straßer schrieb 1901 in seiner Haimhausener Pfarrchronik: " Die Bilder am Hochaltar und linken Seitenaltar (St. Margarethe und St.Franz Xaver) zeigen die mehr als zweifelhafte Dürftigkeit des 'Künstlers' an".

Hinweis: Margareta (+305) aus Antiochien ist eine legendäre Märtyrerin. Wegen ihres christlichen Glaubens wurde die Tochter eines heidnischen Priesters vor Gericht gestellt; die Richter begehrten die hübsche Angeklagte, wurden aber von ihr abgewiesen und rächten sich umso grausamer. Margareta wurde mit Fackeln angesengt und in siedendem Öl gekocht, aber sie blieb unverletzt. Das Volk war von diesen Wundern dermaßen beeindruckt, dass die Menschen sich offen zum Christengott bekannten - dafür aber geköpft wurden wie schließlich auch Margareta. Nach anderen Überlieferungen soll ihr der Teufel als ein riesiger Drache erschienen sein, um sie zu verschlingen. Aber er wurde zerbrochen durch das Kreuzzeichen, das Margareta über ihn machte. Margareta ist eine der "Stimmen", von denen Jahrhunderte später Jeanne d'Arc geführt wurde. Sie gehört zu den 14 Nothelfern und ist Helferin bei Geburt und gegen Unfruchtbarkeit.
Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als Glück bringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperung des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.
In der Hand hält sie einen Palmzweig. Die Palme ist -schon seit der Antike- Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb.7,9).
Assistenzfiguren
Als Assistenzfiguren stehen die beiden Nothelferinnen St. Barbara und St.Katharina neben den Säulen. Die Figuren wurden um 1760 geschnitzt und gehörten zur Erstausstattung des Altars. Beide Heiligen sind in edle, figurbetonte Gewänder gekleidet und tragen Kronen auf ihren Häuptern.
  
St.Barbara und St.Katharina
St. Barbara hält in ihrer Hand einen Kelch mit Hostie.
St.Katharina
stützt sich auf ein Schwert und trägt in der anderen Hand einen großen Palmzweig.

Hinweise: Die hl.Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst. Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Die Abbildung der hl.Barbara nur mit Kelch ist bei uns erst seit dem 15.Jh. üblich (vorher immer mit Turm).
Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist ebenfalls eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.
Tabernakel
Der vergoldete Tabernakel ist im Stil des Rokoko gestaltet und reich verziert. In die Tabernakeltüre ist ein Kelch mit Hostie, umgeben von einem Strahlenkranz, eingraviert. Auf seitlichen Voluten sitzen Anbetungsengel.

Tabernakel
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war.
 
Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.



Ewig-Licht-Ampel



Ewig-Licht-Ampel

Am Chorbogen ist an der linken Seite die Ewig-Licht-Ampel aus der 2.Hälfte des 17.Jh befestigt. Das Material besteht aus versilbertem Messingblech. Die Ampel wurde aus ehemaligen Ministrantenglöckchen gefertigt.

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, in das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Das Ewige Licht war vom Johanniter-Ritterorden von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht worden.Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist aus Holz gefertigt. Die beiden senkrechten Seitenflächen sind durch ein mittiges Kreuz verbunden. Dieses Kreuz
ist aus kleinen Würfeln verleimt, die durch unterschiedliche Holzfarbe wiederum eine Kreuzform haben. Der Zelebrationsaltar wurde 1970
aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils

Zelebrationsaltar
Hinweis: In der Anfangszeit des Christentums konnte zur Eucharistiefeier zunächst jeder beliebige Tisch dienen, doch bereits im 4. Jahrhundert wurde ein fester Altar in die Kirchen eingebaut. Er war frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altar-aufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die
  Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 13)

Kirchenschiff / Langhaus

zur Beschreibung des DeckengemäldesKreuzwegbilderAuferstehungschor JarztWeng

Deckengemälde

Das Kirchenschiff oder Langhaus hat ebenso wie der Altarraum eine Flachdecke mit umlaufendem Muldengewölbe.
Das runde Fresko an der Decke zeigt Gottvater als Halbfigur auf Gewölk. Ein dreieckiger Heiligenschein umgibt sein Haupt. In der linken Hand hält er ein offenes Buch, in dem die Buchstaben Alpha und Omega zu lesen sind. Die Rechte hat er segnend erhoben. Das Gemälde dürfte Ende des 19.Jh entstanden sein.


Gottvater

  Hinweis: Diese beiden Zeichen Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb.. 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagte und zum anderen, um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.


Seitenaltäre


   Marienaltar
Die Seitenaltäre wurden 1753 erstellt. Damals waren sie noch Maria und Josef geweiht. Aus dem Josefsaltar wurde seither ein Franz-Xaver-Altar.
Beide Seitenaltäre haben Aufbauten mit Pilastern, die die hohen Auszüge tragen. An den Pilastern sind Engel angebracht.
Die Stipes, die Altartische, sind gemauert; die früheren Holz-Antependien wurden wegen ihres schlechten Zustands bei der letzten Renovierung entfernt.

Interessant ist ein Vergleich der beiden Seitenaltäre: Obwohl sie auf den ersten Blick gleich wirken, sind sie doch in jedem Detail verschieden. Die größere Höhe der Retabel links wird durch einen kleineren Aufsatz ausgeglichen. Die Form der Altarblätter, die Haltung der Engel, die Textkartuschen, die Säulenkapitelle, bekrönenden Kreuze, die Ziervasen und alle Rocaillen-Verzierungen unterscheiden sich.


Franz-Xaver-Altar

Linker Seitenaltar

Im Auszug des linken Seitenaltars ist in einer Schriftkartusche das Marienmonogramm zu sehen. Es ist von einem Strahlenkranz und fünf Putten umgeben. Ein Putto hat in sein Haar eine Rosenblüte gesteckt. Auf beiden Seiten der Kartusche stehen auf den Voluten Ziervasen mit bunt blühenden Blumen.

Altaraufsatz mit
Marienmonogramm
Hinweis: Im Marienmonogramm sind die vier verschiedenen Buchstaben des Namens "Maria", die Buchstaben M, R, I und A ineinander geschrieben.
Die Kartusche hat -wie fast alle Kartuschen in Kirchen- eine unregelmäßig Form; sie hat sich aus einer Schnur entwickelt, die ursprünglich um Inschriften, Wappen und Namen geschlungen wurde. Deshalb sind die meisten Einrahmungen von Kartuschen nicht rechteckig, sondern kurvig.

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar. Zentraler Schmuck ist das Altarblatt, ein Ölgemälde auf Leinwand im Nazarenerstil, das von Peter Elmer aus Freising 1851/52 gemalt wurde. Es zeigt die Muttergottes auf Gewölk, die dem Betrachter ihr Jesuskind präsentiert. Maria ist in ein Gewand mit den traditionellen Marienfarben rot und blau gekleidet. Auf dem Haupt trägt sie eine Krone über offenem Haar.

Muttergottes
Das Jesuskind sitzt mit ausgebreiteten Armen auf dem Arm Mariens und schaut dem Betrachter ins Gesicht.

Hinweis: Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli).


Reliquienpyramide

An der Predella des Altars steht eine Reliquienpyramide. Es handelt sich dabei um eine Klosterarbeit des 18.Jh, die lange Zeit auf dem Speicher der Kirche gelagert war und erst bei der letzten Renovierung wieder ihren Platz in der Kirche fand. Die Rahmen bestehen aus Holz und sind vergoldet.

Reliquienpyramide

Im Hauptteil des Reliquiars befindet sich ein Textilteil, in den in der Mitte das Bild des Apostels Andreas mit dem Schrägkreuz eingestickt ist. Umgeben ist es von vier Reliquien mit den Namen der Heiligen auf den blauen Cedulae. Genannt werden u.a: St.Eurphein, St.Felicis. Darüber ein Wachsmedaillon mit dem apokalyptischen Lamm.

Im Sockel der Reliquienpyramide sind enthalten. Der untere Teil des Reliquiars enthält mehrere Wachsmedaillons mit Brustbildern von verschiedenen Heiligen und einer Partikel von St. Bonus.

  
Wachsbild eines hl.Priesters - Partikel v. St.Bonus



Rechter Seitenaltar


Altaraufsatz
In dem mit einem Kreuz gekrönten Auszug des rechten Seitenaltars ist in einer Schriftkartusche das Jesusmonogramm (IHS) zu sehen. Es ist von einem Strahlenkranz, Gewölk und vier Putten umgeben. Auch in diesem Auszug stehen auf den Voluten Ziervasen mit Blumen.
Dieser Aufsatz ist rd. 30 cm höher als der Aufsatz auf dem linken Seitenaltar.


Altaraufsatz
Hinweis: IHS das ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden:
- als die Anfangsbuchstaben des in griechischen
  Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu   (JHSOUS);
- als die Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum
   salvator" mit der Bedeutung: "Jesus, Erlöser der
   Menschen"
Altarblatt
Der rechte Seitenaltar ist dem hl.Franz Xaver gewidmet. Früher war es ein Josefialtar. Das Altarblatt enthält ein gerahmtes Gemälde (Öl auf Leinwand) aus dem Ende des 19.Jh, das vom Maler Rothenfusser aus Laufen gemalt worden ist. Der Rahmen ist älter; er stammt aus dem 18.Jh. Franz Xaver ist im priesterlichen Gewand abgebildet.

St.Franz Xaver
Mit der rechten Hand weist er auf ein einfaches Kreuz, das er in der Linken hält. Im Hintergrund sind das Meer mit exotischen Schiffen und eine Festung auf einem Bergrücken zu sehen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Landschaft in Asien, wo Franz Xaver Missionar war. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete.
 
Hinweis: Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Am 3. Dezember 1552 starb der Heilige auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission.

Festtag: 3.Dezember
Reliquienpyramide

Reliquienpyramide

Auch an der Predella des rechten Altars steht eine Reliquienpyramide, bei der es sich um eine Klosterarbeit aus dem 18.Jh. handelt. Der textile Teil in Form eines Schildes zeigt einen hl.Apostel mit einer Lanze in der Hand. Das Attribut weist auf den hl.Thomas hin. Rings um das gestickte Bild sind mehrere Reliquien mit Gold- und Silberlahn eingearbeitet.

Sockel der Reliquienpyramide
Der Unterbau der Pyramide enthält ebenfalls eine Reliquie, dazu zwei Medaillons mit Wachsbildern, die wohl Christus und Maria darstellen.
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Figuren und Bilder in der Kirche

Vor dem Zelebrationsaltar steht in der Osterzeit die Figur des Auferstandenen. Christus, in ein gold-rotes Gewand gekleidet, hält in seiner Linken die Kreuzfahne, die seit Zeiten des Kaisers Konstantin als Siegeszeichen dient. Die rechte Hand mit dem Wundmal der Kreuzigung ist segnend erhoben. Deutlich zu sehen ist dabei der lateinische Segensgestus: drei Finger der Hand sind ausgestreckt, zwei Finger zurückgebogen. Die Kreuzfahne ist ein in Kreuzform endender Stab, an dem eine Fahne oder ein Banner angebracht ist. Sie gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik.
 
Auferstandener
Hinweis: Zu Anfangszeiten des Christentums segnete man durch Erhebung oder Auflegen der Hände. In unserer lateinischen Kirche hat sich um das Jahr 400 das Ausstrecken von Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger und das Zurückbiegen der beiden anderen Finger durchgesetzt. Papst Innocenz III. (1198-1216) schrieb diesen Segensgestus vor. Die drei gestreckten Finger weisen auf die Dreifaltigkeit, die beiden gebogenen Finger auf die beiden Naturen Christi (göttlich und menschlich) hin. In der Ostkirche berühren sich Ringfinger und Daumen, während die übrigen drei Finger ausgestreckt bleiben.

An den Seitenwänden des Kirchenschiffs sind zwei Figuren angebracht, die früher auf den Seitenaltären gestanden haben sollen:


Muttergottes
1. Auf der linken Seite sitzt auf einer von Gewölk bedeckten Konsole die frühbarocke Figur einer Muttergottes in kostbarem rot-blauen Gewand. Ihr Haupt ist von einer großen Krone bedeckt; in der rechten Hand hält sie ein Zepter. Sie trägt auf dem linken Arm das Jesuskind, das einen Reichsapfel in der Hand hält. Krone, Zepter und Reichsapfel waren die kaiserlichen Insignien und weisen hier auf die königliche Würde Mariens hin. Der linke Fuß von Maria steht auf einer Mondsichel, die an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes erinnert ( "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen -Offb.12,1). Die große Krone auf dem Haupt von Maria gleicht der neuen Helmkrone, die sich 1602 der Kaiser in Wien neu machen ließ. Schon wenige Jahre danach waren auch viele Marienstatuen (z.B. auf dem Marienplatz in München-1640 ) mit dieser Form der Krone ausgestattet.

2. Auf der gegenüberliegenden Seite sitzt eine Christusfigur mit einem Zepter in der rechten Hand. Sein Haupt ist von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben, der allein den göttlichen Personen Gottvater und Christus vorbehalten ist.
  Hinweis: Der Nimbus oder Heiligenschein ist eine kreisförmige Fläche um das Haupt göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum

Christus
  Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus. Später wurde er
auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben. Die Unterschiede in Farbe (gold, grün, rot ) oder Form (radförmig, reifenförmig, diskusförmig, dreieckig, viereckig) haben in der Regel keine besondere Bedeutung. Allerdings ist der dreieckige Nimbus Gottvater vorbehalten. Das ist sehr schön an dem Deckenfresko im Langhaus der Kirche in Großnöbach zu sehen. Einen viereckigen Nimbus tragen nur (zum Zeitpunkt der Malerei) lebende Personen. Christus und Gottvater war ein dreistrahliger Nimbus (als Zeichen der Zugehörigkeit zur Dreifaltigkeit) vorbehalten.

Frühere Figuren
Der Kunsthistoriker und Theologe Prof.Joachim Sighart hat in seinem Buch die Mittelalterliche Kunst der Erzdiöcese München-Freising aus dem Jahr 1855 "grosse Statuen der hl. Magdalena und des hl. Nikolaus" erwähnt und als künstlerisch wertvoll hervorgehoben
06) . Auch in seinem Eisenbahnbüchlein von München nach Landshut hat er sie als "Holzstatuen des 15. Jahrhunderts von grosser Schönheit" bezeichnet. Sie waren schon 1895 nicht mehr vorhanden. 15) Wo sie sich befinden ist mir nicht bekannt.
An der Südwand des Kirchenschiffs hängt ein großes Gemälde, das Maria als Rosenkranzkönigin zeigt. Sie trägt das sehr lebhaft wirkende Jesuskind auf dem Arm. Ein Engel hält einen Korb bereit, aus dem Maria und das Kind Rosenkränze nehmen und sie an die unter ihnen stehenden Heiligen Leonhard, Wendelin, Barbara und Katharina verteilen. Die Heiligen sind an ihren Attributen zu erkennen:
Leonhard im Abtsgewand mit Viehketten, Wendelin mit dem Hirtenstab, Katharina mit dem Marterrad und einem Schwert sowie Barbara mit Kelch und Turm. Auch dieses Gemälde lag viele Jahre auf dem Speicher und wurde bei der letzten Renovierung 1975/76 wieder in die Kirche gebracht. Dabei erhielt es einen neuen Rahmen.
Rosenkranzkönigin

 

Kanzel
Die Kirche besaß früher auch eine Kanzel. Sie wurde bei einer der Renovierungen entfernt. In der kleinen Kirche war eine Kanzel nicht notwendig. Doch konnte man sich in barocker Zeit eine Kirche ohne Kanzel nicht vorstellen. Von hier aus konnten die Prediger von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte.

Kanzelkreuz

Kanzelkreuz
Geblieben ist noch das schöne Kanzelkreuz auf der Nordseite aus dem 18.Jh. Der aus Holz bestehende Korpus ist in bläulicher Farbe gefasst, zum Zeichen dafür, dass hier der tote Jesus gezeigt wird. Die Tafel mit dem INRI-Zeichen, der Heiligenschein (dreistrahlig) und das von nur einem Band gehaltene und im Wind flatternde Lendentuch (perizoma) sind vergoldet.

Kreuzweg-Stationsbilder

Die Kreuzwegstationsbilder (Öl auf Holz) stammen aus der Rokokozeit. Sie waren schon einmal übermalt worden. Bei der letzten Renovierung hat man die obere Malschicht entfernt. Nun sind die Originalbilder wieder sichtbar; sie sind aber keine große Zierde mehr.

. Kreuzwegbild
Hinweis: Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von
Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzweg-andachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen,
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Empore
Die durch zwei Säulen gestützte Empore wurde erst im 19.Jh errichtet. Auf ihr stehen sechs kurze Bankreihen.

Die kleine Kirche hat keine Orgel. Den Gesang der Gottesdienstbesucher begleitet ein Harmonium. Es wird von Kunsthistorikern als "echtes Museumsstück" hoch eingeschätzt. 10)

Harmonium


Kreuzreliquien-Monstranz


Kreuzreliquien
Monstranz

Außerhalb der Kirche ist eine schöne Kreuzreliquienmonstranz verwahrt, die zur Kirche in Großnöbach gehört. Die Monstranz selbst ist als Kreuz gestaltet, mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden, in denen je ein Edelstein und eine Silberapplikation angebracht sind. Den Balken entsprießen 12 Strahlen, die Christus als den strahlenden Heilsbringer und Lebensspender sybolisieren.

Die Kreuzreliquie ist das kleine schwarze Kreuz auf goldenem Untergrund. Es ist in ein erheblich größeres, durchsichtiges Kreuz aus
Bergkristall eingebettet. An den Zwickeln und Balkenenden des Bergkristallkreuzes sind Blumen aus Silberdraht (Blätter) und Perle (Blüte) angesetzt. Die Kreuze werden von einem prächtigen Rocaillerahmen umgeben.


Kreuzreliquie
in der Mitte

Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland; die meisten wurden aber im 17. und 18.Jh erworben. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.


Hans Schertl


Quellen :
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Handbuch des Königreichs Bayern, 1867 (Gemeinde Großnöbach)
03) Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
04) Hugo Straßer, "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria", 1901
05) Dr. M. Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938
06)
Prof.Dr.Joachim Sighart, Die mittelalterliche Kunst in der Erzdiöcese München-Freising, 1855
07) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
08) Hans Schnell und Karl Wilhelm, Die Glocken der Pfarrei Haimhausen, 2002
09) Michael Fertl, Mesner, 2004
10) Dachauer Nachrichten vom 11.1.2013 (Harmonium)
12)
Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
13) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)
>
14) Historischer Atlas von Bayern, Landgerichte Dachau und Kranzberg, Kap. 5 (Gemeindebildung)
15) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
16) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852

56 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

24.102018