zur Landkreiskarte           ausführl.Beschreibung                 Kirchen in der Gem.Hilg.-Tandern

Pfarrkirche St. Peter und Paul in TANDERN

Luftbild

86567 Tandern, Schloßplatz 2
Lage der Kirche auf der Karte ...


Kurzbeschreibung

Tandern war Hauptort des einst von Altomünster aus besiedelten Waldgebiets der "Tannaro-Marcha". Der Ort wurde erstmals im Jahr 843, die Kirche erstmals 849 erwähnt. Damals fand in Tandern ein Gerichtstag statt. Das spricht für die große Bedeutung des Orts in früher Zeit.

Im 13.Jh wurde wohl eine romanische Kirche aus Stein gebaut, von der kleine Reste noch heute erhalten sind. Den Turm hat man in der Spätgotik, um 1500, errichtet.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Tandern schwer heimgesucht. Die Höfe wurden niedergebrannt, viele Menschen verloren ihr Leben. Danach kamen Zuwanderer aus dem Alpengebiet, die die Hofstellen wieder neu besetzten.
Um das Jahr 1730 hat man eine neue Kirche im barocken Stil errichtet. Von dieser Kirche steht noch der alte Chorraum.

1974 hat man das Kirchenschiff abgetragen und im modernen Stil wieder aufgebaut. Grund für den Neubau war der schlechte Bauzustand, der aus Bausünden der Vergangenheit resultierte.


Das neue Kirchenschiff ist praktisch eine eigene Kirche. Der optisch abgetrennte und nur durch einen niedrigen Durchgang zu erreichende alte Altarraum hat keine liturgische Funktion mehr.
Der Altarraum musste aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden.


Die Turmuhr

Der 1974 angefügte moderne Anbau gleicht einem Zelt mit weit herabgezogenem Dach. 
Diese Form wurde nach Aussage des Architekten gewählt, weil sich das Zeltdach perfekt in die Dachlandschaft Tanderns, wie sie sich von Pipinsried aus präsentiert, einfügt. Die dominierenden Bestandteile dieses bemerkenswerten Baues sind Beton, Holz, Eisen und Glas.

Der 25 x 25 Meter umfassende Kirchenraum wird von einer genialen Dach- und Deckenkonstruktion überspannt, die keine Stützpfeiler im Kircheninnenraum benötigt. Durch den relativ niedrigen, aber breitflächigen Fensterkranz strömt genügend Tageslicht ins Innere des Raumes.
Das "Zelt Gottes in Stahlbetongotik", umfasst ca. 400 Sitzplätze und außerdem ca. 350 Stehplätze.

Der moderne Zelebrationsaltar im neuen Kirchenraum steht frei auf einer um zwei Stufen erhöhten Altarinsel. Der mächtige Steinblock ruht auf einem Metallgestell. Um die Altarinsel sind die Bänke für die Kirchenbesucher gruppiert.

Im Hintergrund des modernen Kirchenraums sind auch die alten Seitenaltäre aus der Barockzeit angebracht.
- Der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht (mit der seltene Darstellung des schreitenden Josefs);
- auf dem rechten Seitenaltar steht eine Figur des Heilands an der Geißelsäule
.

Der durch einen niedrigen Durchgang mehr abgegrenzte, als verbundene alte Altarraum entspricht noch voll dem barocken Zustand aus der Zeit um 1730.

Am prachtvollen, von vier Säulen gestützten alten Hochaltar sind der hl.Johannes Nepomuk im Bild und die Kirchenpatrone Petrus und Paulus sowie St.Christophorus und Johannes d.Täufer als Figuren zu sehen.

Die Wände des alten Altarraums sind mit heraldischen Motiven verzierten Wappen aus Stuck sowie einer Vielzahl von prächtigen Epitaphen geschmückt. Sie zeigen, dass die Hofmarksherren von Tandern auch in der Kirche eine wichtige Rolle (möglicherweise auch als Geldgeber) gespielt haben.
Dort im alten Chorraum steht die frühere Kanzel im prächtigen Barockstil mit Stuckverzierung.

Zwei schöne Taufsteine aus Rotmarmor aus gotischer und barocker Zeit stehen im alten und neuen Kirchenraum.


 

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: 9.Jahrhundert Dreißigjähriger Krieg 18.Jahrhundert Verzeichnis 1895
  Neubau 1974      
Ausstattung: Alter Altarraum Apostelzyklus Baubeschreibung Choraltar
Deckengemälde Durchgang Epitaphe Kanzel
Kirchenbänke Kreuzweg Neuer Kirchenraum Orgel
Opferstock Pfarrhof Seitenaltäre Tabernakel
barocker Taufstein gotischer Taufstein Vorhalle Zelebrationsaltar


Tandern war Hauptort des einst von Altomünster aus besiedelten Waldgebiets der "Tannaro-Marcha" (tan=Wald, Tannaro-marcha = Waldmark = Hauptort des Waldgebiets ,  09) ). Der Ort wurde erstmals im Jahr 843 als Tannara urkundlich erwähnt. Damals kauften der Bischof Josef Erchanbert von Freising und sein Neffe Reginbert von einem Mann namens Balderich Güter in Hilgertshausen, Tandern, Klenau und Singenbach. Der Vertrag wurde übrigens in Dungeih bei Verdun geschlossen, wo zur gleichen Zeit auch der Reichsteilungsvertrag zwischen den Enkeln Karls d.Großen unterzeichnet wurde. Tandern ist im Kauf-vertrag an erster Stelle genannt, mit Hofhaltung und Herrensitz. 09) Es war im Jahr 843 also ein längst bestehender, als Herren-hof ausgebauter Ort. Im gleichen Jahr übergab/verkaufte ein Herr Paldricus seinem Besitz zu Tandern, Hilgertshausen, Klenau und Singenbach dem Bistum Freising und erhielt dafür 250 Pfund (Silberpfennige). Dies ist der Urkunde vom 10. August 843 zu entnehmen, die im berühmten Codex Cozroh", einer Freisinger Handschrift, aufgeführt ist. 05)
Insgesamt fünfmal wird Tandern vor dem Jahre 1000 in Urkunden genannt; ein weiterer Hinweis auf die große Bedeutung der Ortschaft.

Um die erste Jahrtausendwende herrschen Tandern die Grafen von Scheyern, die sich bald Wittelsbacher nannten. Sie gaben später den Ort einem Adelsgeschlecht zu Lehen, das sich nach Tandern nannte. Ulrich von Tannarn ist um 1100 als erster aus diesem Geschlecht erwähnt. Ab dem 13. Jh. folgten verwandte Geschlechter, die Adelshofer, Egenhofer, Steyrer, Eisolzrieder und Kemnater.09)
1487 kauften die (späteren ?) Landpfleger von Aichach, die Herren von Lung das Schloss und die Hofmark. 09)

Durch die Verwüstungen Tanderns beim ersten Schwedeneinfall 1632 verloren die Hofmarksherren von Lung ihren Besitz. Völlig verarmt starb der letzte Hofmarksherr aus diesem Geschlecht, Hans Sebastian Lung, im Jahr 1639; seine Familie lebt bis heute in Frankreich weiter. 09) Noch 1639 ging der Besitz auf die Freiherrn von Mandl aus Deutenhofen über, die Tandern bis 1803 besaßen. 09)

Bei der Neuordnung Bayerns unter Montgelas Anfang es 19.Jh. erlangten die Bauern in der Hofmark Tandern volle Besitzfreiheit und kauften nach und nach den Feld- und Waldbesitz des Schlosses auf. Hundert Jahre später, 1907, erwarb Pfarrer Anton Mayr den Schlosskomplex und übereignet ihn dem katholischen Fürsorgeverein, der von 1910 bis 1970 ein Mädchen-Fürsorgeheim betrieb. Später war das Schloss ein Heim für Mutter und Kind, ehe es von 1990 bis 2007 ein Übergangswohnheim für Aussiedler beherbergte. 09) Inzwischen werden im Schlosshof sehr erfolgreich Schlosskonzerte abgehalten.


Statistik
:
1876: Gemeinde mit 475 Einw.(davon 2 Protestanten) in 195 Gebäuden,88 Pferde, 447 Rinder, 98 Schweine, 9 Ziegen, 44
          Schafe Ortschaft mit 457 Einwohner in 186 Gebäuden,

          (dazu Reichel 4 Einw./3 Gebäude; Obertsloh 6/5; Ziegelberg 8/1)
02)
1933
: Gemeinde mit  534 Einwohnern
13)
1939: Gemeinde mit  614 Einwohnern
13)

Geschichte der Kirche

Eine Kirche in Tandern wurde erstmals am 9.Januar 849 (ein zweites Mal am 30.6. des gleichen Jahres) erwähnt. Damals fand in Tandern ein Gerichtstag statt, mit vielen Adeligen, darunter "plurimi de Hosis", also mit vielen Angehörigen der Sippe der Huosi. Auch vom Grafen Richo von Schrobenhausen ist die Rede. 09) Gerichtstage wurden nur in bedeutenden Pfarreien abgehalten, zu denen damals eben auch Tandern gehörte. Im Bericht über dieses Ereignis wird auch von einer "basilica " gesprochen 09). Vermutlich war die Kirche schon 70 bis 100 Jahre vorher zu Beginn der Christianisierung des Gebietes östlich von Altomünster gebaut worden. Es dürfte sich dabei um einen Holzbau gehandelt haben, da bei späteren Umbauten kein Fundament des ursprünglichen Gotteshauses gefunden wurde.


Apian -1568
Im 13.Jh wurde wohl eine romanische Kirche aus Stein gebaut, von der kleine Reste noch heute erhalten sind. 09)

Der Kirchturm wurde in der Spätgotik errichtet; jedenfalls stand auf einer der Glocken, die 1942 zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden musste, die Jahreszahl 1494.

Im Jahr 1568 stellte der Geograph Philipp Apian auf den sog. Bairischen Landtafeln Tandern (Dannern) als winzig kleinen Holzschnitt symbolhaft dar. Zwischen dem alten Bergfried der Burg (links) und dem durch einen überdachten Holzsteg verbundenem Schloss (rechts) ragt der Spitzturm der Kirche heraus. Der Mühlstein-ähnliche Kreis am Schloss zeigt übrigens nur die genaue Lage der Ortschaft auf der Landkarte an.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Tandern schwer heimgesucht. Bekannt ist die Geschichte vom "Schwarzen Knecht", der den Pfarrhof gegen die Schweden mutig verteidigte und dabei zwei Soldaten erschlug. Die Schweden rächten sich für den Tod ihrer Leute an der ganzen Ortschaft. Die Höfe wurden abgebrannt, viele Menschen verloren ihr Leben. Danach musste man Zuwanderer aus dem Alpengebiet holen, die die freien Hofstellen wieder neu besetzten.

Um 1700, als der Kupferstich (Bild rechts) von Michael Wening erstellt wurde, stand neben der Kirche noch der von tiefen Gräben umgebene Burgturm des alten Wasserschlosses. Der von einem Wetterhahn gekrönte Kirchturm hatte große Ähnlichkeit sowohl mit dem 1568 dargestellten als auch mit dem heutigen Turm. Der gerade schließende Chor war höher und breiter als das Kirchenschiff.
  Michael Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München) erstellte in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 Kupferstiche bayerischer Schlösser, Klöster und Kirche. Finanziell lohnte sich die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000 Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos nit hab genüßen können, sodaß ich die Zeit seither schier hätt krepieren muessen".


Tandern um 1700

Um das Jahr 1730 wurde eine neue Kirche im barocken Stil erbaut. Das Baumaterial kam zum Teil aus dem mächtigen Burgturm (im Bild ganz rechts), der zum Kirchenneubau abgebrochen wurde. Von dieser Kirche aus dem Jahr 1730 steht heute noch der Chorraum.

Als 1842 der Pfarrer und Dechant Johann Kastl aus Tandern starb hinterließ er den Kirchen seines Pfarrsprengels Geldbeträge in nicht unerheblicher Höhe. In der Zeitschrift "Landbötin" 17) war zu lesen:
  Schlüßlich nachstehende Königlich Allerhöchste Zufriedenheits-Bezeigungen:
Der verstorbene Pfarrer, Dechant Johann Evangelist Kastl, zu Tandern, hat nachstehende Vermächtnisse gemacht:
 1) der Pfarrkirch von Tandern zur Stftung zweier Jahrtage 1300 fl.
 2) eben derselben ohne Belastung 3555 fl. 52 kr.
 3) der Filialkirche Metzenried 100 fl.
 4) der Filialkirche Alberzell 100 fl.
 5) dem Armenfond zu Tandern 1527 fl. 41 1/14 kr.
 6) dem Armenfond zu Alberzell 200 fl.
 7. dem Armenfond zu Oberndorf (sic) 100 fl.
 8). dem Distrikts-Armenfond zu Aichach 100 fl.
 9). dem Krankenhause in Aichach, zum Behufe der Umwandlung in eine Distrikts-Krankenanstalt 500 fl.
10). dem Schulfonde zu Tandern 1477 fl. 41 1/14 kr.
11). dem Schulfonde zu Alberzell 300 fl.
in Summa 9051 fl. 14 kr.


Beschreibung 1895  04)

Die Kirche von Tandern - insbesonders die darin enthaltenen Epitaphe- sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Aichacher Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
  Pfarrkirche. Erbaut 1730.
Chor, bestehend aus 2 Jochen mit Abschluss in drei Achtecksseiten. Tonnengewölbe
Langhaus mit Flachtonne und Stichkappen.
Thurm nördlich vom Chor gothisch.
Die Wände sind in Chor und Langhaus mit Pilastem gegliedert, das Gewölbe ist zierlich stuckirt.
  An der Nordwand im Chor:
1. Grabstein des Wolf Christoff Lung zu Danern + 1617 und seiner Gemahlin Sabina von Flizing (Todesdatum fehlt). Platte von Solnhofner Stein; oben Christus am Kreuz, darunter die beiden Verewigten knieend mit ihren Wappen. Gute Arbeit. H. 163, br. 82 cm
2. Ebenda Grabstein des Seb. Lung zu Dandern + 1589 und seiner Gemahlinen Clara, geb. v. Spaner +1555 und Barbara, geb.v. Gumpenbg 1589 - Renaissance-Aedicula in der Mitte die Auferstehung an den Pilastern zur Seite je vier Sippschaftswappen, unten die Verewigten mit Familie. H. 170, br. 103 cm
3. Im Schiff an der Nordwand: Grabstein des Jos. Anton Mandel Freiherr von Teuttenhoven Herr uf Tandern +1728. Platte von rothem Marmor, schön eingefasst, unten das Wappen. H. 173, br. 94 cm.
4. Gegenüber Gedenkstein des Joh. Christof Mandel Frhr. von Deutenhoven + 1711 und seiner Gemahlin Maria Anna Margaretha geb. Löse hin, begraben zu Krain. Platte von rothem Marmor mit Wappen der beiden Familien. H. 155, br. 90 cm.
5. Im Chor Grabstein des Joh. Jos. Wilh. Mandel + 1734 und seiner Gemahlin Maria Fei. Jul. geb. Sandtin. Denkmal von grau- rothem und schwarzem Marmor mit Wappen der beiden Familien. H. 30, br. 115 cm.
6. Am Eingang zur Kirche als Schwelle Grabplatte von Sandstein. H. 184, br. 76 cm aus der Zeit um 1500. Die Worte Wilhalm Emser Decan noch zu entziffern.
  Im Pfarrhof
Monstranz, datirt 1710. Kelch, Messkännchen, zwei silberne Leuchter und eine silberne Ewig-Licht-Lampe mit dem Wappen der Mandel und Vöhlin. Sämmtlich gute Arbeiten vom Anfang des 18. Jahrhunderts.


Neubau des Kirchenschiffs 1974


Der Grundriss der Kirche

1974 wurde das Kirchenschiff abgetragen und im modernen Stil neu errichtet. Grund für den Neubau des war der schlechte Bauzustand, der aus Bausünden der Vergangenheit resultieren soll:  Beim Bau der Kirche um 1730 seien Steine aus dem abgetragenen Wehrturm des Schlosses verwendet worden; ein schlechtes Baumaterial, das seinen Teil zur Baufälligkeit im Jahr 1967 beigetragen hat. Zudem sei der Bau 1730 so schlecht ausgeführt worden, heißt es, dass schon damals der Architekt und der Maurermeister ohne Entgelt fluchtartig das Weite suchen mussten.

Das neue Kirchenschiff ist praktisch eine eigene Kirche. Der optisch abgetrennte und nur durch einen niedrigen Durchgang zu erreichende alte Altarraum hat keine liturgische Funktion mehr; er musste aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden.

 


Baubeschreibung

In dem 45 Meter hohen, schlanken Turm sind im unteren Teil romanische, im mittleren Teil gotische und im Aufsatz barocke Bauteile enthalten. Der Turm hat vier kunstvoll geschweifte Giebel mit integrierter Turmuhr und ein schmal zulaufendes, achteckiges Spitzdach.

Die Zahl der heutigen Glocken ist mir nicht bekannt. 1922 waren -wohl als Ersatz für die im 1.Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken- fünf neue Glocken beschafft worden. Von der Weihe dieser Glocken hat sich ein Zeitungsbericht vom 4.12.1935 erhalten. Danach war
— die erste Glocke den Aposteln Petrus und Paulus geweiht (39,6 Zentner, in C gestimmt, mit der Inschrift: "Zum Gedächtnis
    der im Weltkrieg gefallenen Helden der Pfarrei Tandern");
— die zweite Glocke dem zweiten Kirchenpatron St.Ulrich (22,8 Zentner, in S gestimmt; Inschrift: "Das Geläute wurde beschafft
    unter der Kirchenverwaltung Dr.Lechner, Pfarrer, Lutz Josef, Höß Johann, Kreitmair Josef, Birkl Nikolaus und unter
    Bürgermeister Huber")
— die dritte Glocke hat St.Josef als Patron (15,4 Zentner)
— die vierte Glocke ist St.Johannes Nepomuk geweiht (9,2 Zentner, As)
— die fünfte Glocke ist eine Marienglocke und trug die Inschrift: "Gestiftet von Familie Ostermair,Winterried" (4,6 Zentner,
    Ton C).
Ob und ggf. wie viele Glocken den 2.Weltkrieg überstanden haben, ist mir nicht bekannt.

Der Kirchenraum in Tandern besteht seit dem Umbau in den Jahren 1972-1974 aus zwei optisch sehr unterschiedlichen Teilen: Dem barocken Chor der alten Kirche und einem modernen Anbau.  
Der Chorraum stammt noch aus der im Jahr 1730 errichteten barocken Kirche. Er musste (wie der Turm) beim Neubau des Gotteshauses 1974 aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden. Der alte Altarraum besitzt zwei Joche, schließt halbrund und ist durch rosa bemalte Pilaster gegliedert.

An der äußeren Ostseite ist vor einer Mauernische ein großes Kruzifix (wohl 19./20.Jh) befestigt. Es besitzt eine geschwungene Kupferüberdachung, die den Korpus vor Witterungseinflüssen schützen soll. Die Kreuzbalken haben dreipassförmige Enden. Der Corpus ist weiß-grau gehalten. Nur die blauen Adern im Brustbereich und das rote Blut der Wunden sind koloriert. Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier; daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christen-tums die Regel, später waren sie in der Zeit des Historismus, im 18.Jh, wieder üblich.  

 

Der 1974 angefügte moderne Anbau gleicht einem Zelt mit weit herabgezogenem Dach.  Diese Form wurde nach Aussage des Architekten gewählt, weil sich das Zeltdach perfekt in die Dachland-schaft Tanderns, wie sie sich von Pipinsried aus präsentiert, einfügt.

Die dominierenden Bestandteile dieses bemerkenswerten Baues sind Beton, Holz, Eisen und Glas. Der 25 x 25 Meter umfassende Kirchenraum wird von einer genialen Dach- bzw. Deckenkonstruktion überspannt, die jegliche Stützpfeiler im Kircheninnenraum erübrigt.

Durch den relativ niedrigen, aber breitflächigen und die ganze Süd- und Westseite der Kirche umfassenden Fensterkranz strömt genügend Tageslicht ins Innere des Raumes. Die innere Höhe des Kirchenschiffs beträgt 13, die äußere Höhe 16 Meter. Sichtbeton und Holz im Inneren der Kirche bilden eine harmonische Einheit, was durch die gelungene Farbkombination noch verstärkt wird.

Das "Zelt Gottes in Stahlbetongotik", wie die Kirche auch von Fachleuten genannt wird, umfasst ca. 400 Sitzplätze und außerdem ca. 350 Stehplätze. Der Raum bietet damit ausreichend Platz für die Gottesdienstbesucher aus Tandern und Umgebung, schrieb der Architekt im Grußwort zur Einweihung.

Innenausstattung im früheren Altarraum

Der frühere Altarraum wurde erst beim Neubau um 1730 errichtet. Vorher stand hier ein Presbyterium, das höher war als das damalige Kirchenschiff und das mit einer geraden Mauer geschlossen war.

Deckenfresko

Die mit einem Gemälde verzierte Decke des Chorraums besitzt ein Tonnengewölbe mit Stichkappen und zierlichem Bandelwerkstuck.
Die Wände sind durch Pilaster gegliedert.

Die Decke ist mit einem Gemälde geschmückt, das von einem geschwungenen Stuckrahmen umsäumt wird.
Das Bild ist erst um 1950 entstanden. Es stellt einen Bittgang in Tandern dar.



Hochaltar/ Choraltar

Der prachtvolle Hochaltar im alten Chorraum aus der Zeit um 1730 besitzt einen hohen Aufbau, der durch viele Säulen mit korinthischen Kapitellen gestaltet ist. Auf dem mächtigen Gebälk sitzen zwei Volutenengel; das Aufsatzbild wird durch zwei weitere Engel gestützt.
Gekrönt wird der Altar von einem goldenen Dreieck, in dem das Auge Gottes dargestellt ist. Umkränzt wird es von einem dreibündeligen Strahlenkranz.
  Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. In der Kunst unserer Gegend ist es seit dem 18.Jh verbreitet. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt.
  
   St.Agatha
Das hochovale, leider schon sehr abgedunkelte Aufsatzgemälde zeigt die hl.Agatha bei ihrem Marty-rium. Sie steht mit abgeschnittenen Brüsten vor einem lodernden Feuer. Um sie herum machen sich die Häscher daran, die Heilige auf die glühenden Kohlen zu legen.
  Hinweis: Agatha ist eine legendäre Person. Sie soll im 3.Jh einen Heiratsantrag des Statthalters Quintianus zurückgewiesen ha-ben, weil sie Christin war und bleiben wollte. Der Abgewiesene ließ sie verhaften und martern: Er ließ ihr die Brüste mit Fackeln brennen, mit Zangen Stücke abreißen und schließlich abschnei-den; danach wurde Agatha auf spitze Scherben und glühende Kohlen gelegt. Als am ersten Jahrestag ihres Todes ihre Geburts-stadt Catania auf Sizilien bei einem Ausbruch des Ätna von Lava bedroht wurde, zogen die Christen mit dem Schleier der Heiligen dem Lavastrom entgegen, der daraufhin zum Stillstand kam. Das machte die Heilige zur Patronin gegen Feuersbrünste. Sie gilt auch als Helferin bei Brusterkrankungen, Viehseuchen und Erd-beben. Der Schleier der heiligen Agatha wird, wie einige andere Reliquien, im Dom von Catania aufbewahrt. Früher gab es "Agathenkerzen", die vor Feuer schützen sollten. In der Kunst wird St.Agatha (jedoch erst seit dem 14.Jh) meist mit einem Teller, auf dem abgeschnittene Brüste liegen, dargestellt. Festtag: 5.Februar
zur Vergrößerung  der Figur des hl. Nikolaus  bitte klickenzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Michael  bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Stephanus  bitte klicken
Johannes d.TäuferSt.PetrusSt.NepomukSt.PaulusSt.ChristophorusAufsatzbild St.AgathaTabernakel
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Mittelpunkt des Altars ist das Altargemälde in vergoldetem Rahmen mit der Darstellung des hl. Nepomuk, des zweiten Patrons der Kirche. Vor einer säulengestützten Architektur, bei der es sich um eine Kirche handeln könnte, sitzt Maria mit dem Jesuskind auf Wolken. Sie ist in Gewänder mit den typischen Marienfarben Blau und Rot gekleidet. Ihre Füße ruhen auf einer Mondsichel. Maria sendet in einem Gnadenstrahl fünf Sterne zu dem auf Erden wartenden St.Joh.Nepomuk hinab. Der Heilige reicht der Muttergottes vergoldete Lippen, die durch ein Bügelschloss verbunden sind, hinauf; sie gelten als Sinnbild der Verschwiegenheit, des Beichtgeheimnisses. Die fünf Sterne markierten den Ort, an den Nepomuks Leichnam am Flussufer gefunden wurde.

Flankiert wird das Altarbild von in Porzellan eingefassten Figuren der Kirchenpatrone Petrus mit Himmelsschlüsseln (links) und Paulus mit dem Schwert in der Hand (rechts).


Petrus



Hinweis: Der Fischer Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach der Himmelfahrt Jesu hatte Petrus zusammen mit Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt. Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, wirkte dort als Leiter der Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod. Er wurde auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero umgekehrt ans Kreuz geschlagen. Die Petrusbriefe im Neuen Testament dürften nicht von Petrus stammen. Seine Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom direkte Nachfolger des Petrus sind. Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen. Petrus schließt in mittelalter-lichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor auf. Diese himmlische Rolle macht ihn zum "Wetterheiligen". Festtag: 29.Juni
Die zwei Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum auch zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.

Hinweis: Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Saulus verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Die Legende erzählt, Paulus sei unter Kaiser Nero zum Tode verurteilt worden. Weil er das römische Bürgerrecht besaß habe man ihn nicht gekreuzigt, sondern enthauptet. Wahrscheinlich ist er aber eines natürlichen Todes gestorben. 2006 hat man in der Kirche St.Paul vor den Mauern sein Grab gefunden. Festtag: 29.Juni
Auf den äußeren Sockeln stehen Figuren
des hl.Johannes des Täufers mit der Kreuzfahne in der Hand und einem Lamm zu seinen Füßen (links) und
des hl.Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter und einem Baumstamm als Stock in der linken Hand. (rechts).
Hinweis: Johannes der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet. Festtag: 24.Juni
Hinweise: Christophorus ist eine Legendengestalt, die seit 1969 im aktuellen Heiligenkalender nicht mehr enthalten ist. Christophorus wird in der Kunst meist mit einem Kind auf dem Arm und einem Baumstamm in der Hand abgebildet. Der Legende nach suchte er unter seinem früheren Namen Reprobus (spätere Legenden: Offerus) den mächtigsten Herrscher der Welt um ihm zu dienen. Doch bald bemerkte er, dass der König den Teufel fürchtete und der Teufel Christus. Deshalb diente er auf Anraten eines Einsiedlers Christus, indem er seine Riesenkräfte sozial einsetzte und Leute über einen gefährlichen Fluss trug. Eines Tages transportierte der Heilige einen kleinen Knaben, der mit jedem Schritt an Gewicht zunahm, sodass Reprobus zu ertrinken fürchtete. Da erkannte er, dass er Christus trug. Reprobus wurde von Jesus auf den Namen Christophorus (Christusträger) getauft, und der als Stütze verwendete Baumstamm begann zu grünen. Christophorus gilt als Patron der Reisenden, Pilger, Fuhrleute und Schiffer sowie seit etwa 1900 auch der Kraftfahrer. In der Vorstellung früherer Jahrhunderte war Christophorus vor allem für die Bewahrung vor einem jähen Tod zuständig. Die Volksfrömmigkeit besagte, wer ein Bild oder eine Figur von St.Christophorus erblickt, werde an diesem Tag nicht unversehen sterben. "Unversehen" ist nicht ein Synonym für "plötzlich", sondern bedeutet: ohne Empfang der Sterbesakramente. Gedenktag: 25. Juli
Tabernakel
Der zweistöckige, wohl aus dem 19.Jh stammende Tabernakel ist fein gearbeitet. Die beiden vergoldeten Türen zeigen Reliefbilder:
— oben ist das Letzte Abendmahl dargestellt,
— unten erinnern Weinreben und Getreideähren an
   den Leib und das Blut Christi im Inneren.

Tabernakel
Die Engelsfiguren, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird.
Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).
  Auf dem Tabernakel in Tandern sitzt ein Pelikan, der sich mit dem roten Schnabel die Brust aufreißt, um seine Jungen mit seinem Blut zu ernähren. Es ist ein Sinnbild für Christus, der uns mit seinem Blut erlöste. Thomas v.Aquin (1225-1275) schreibt in seinem Hymnus "Adoro te devote": "Frommer Pelikan, Herre Jesus, reinige mich Unreinen durch dein Blut, davon ein Tropfen erlösen kann die ganze Welt von jeder Sünde". 16)
Das Beispiel des Pelikans beruht auf der falschen zoologischen Annahme in früheren Jahrhunderten. Tatsächlich ist die Rötung des Brustgefieders nicht auf das eigene Blut, sondern auf das Blut der Beute zurückzuführen.


Kanzel im Altarraum

Im alten Altarraum ist auch die frühere Kanzel im prächtigen Barockstil mit Stuckverzierung untergebracht. Der Kanzelkorb ist mit Einbuchtungen versehen, in denen Reliefs mit Szenen aus dem neuen Testament (u.a. Übergabe der Himmelsschlüssel an Petrus) eingearbeitet sind.
Besonders auffällig ist der Schalldeckel. An seine Unterseite ist die Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz als Stuck aufgetragen. Drei geschwungene Bögen, auf denen Putten sitzen, erweitern den Schalldeckel nach oben. Darauf steht eine Figur des segnenden Christus mit einer Weltkugel in den Händen.

Kanzel


Taufstein im Altarraum


gotisches
Taufbecken

 







Unter der Kanzel steht ein schönes Taufbecken aus Rotmarmor auf einer sehr schmalen gedrehten Metallstütze. Das Becken ist in Form einer achteckigen Schale gestaltet. Das große Wappen auf der Vorderseite deutet auf eine Verbindung zu den Hofmarksherren hin. Leider ist über die Herkunft des Taufbeckens nichts bekannt. Es dürfte noch aus gotischer Zeit stammen.

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken besteht in der Regel aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat üblicherweise -so wie in Tandern- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"

 

Kirchenstühle im Altarraum

Die Kirchenbänke im alten Altarraum haben schöne Wangen, in die Muster von Akanthusblättern geschnitzt sind. Diese Muster entsprechen dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land.


Kirchenstühle

Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen, Westerndorf und hier in Tandern verwendet.

  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


Prozessionslaternen

An den Kirchenbänken sind Prozessionslaternen in neubarockem Stil befestigt, die heute bei Prozessionen z.B. Fronleichnamsprozession nur noch dekorative Zwecke erfüllen.


Prozessions-laternen



Türbeschläge

Kunstvoll sind auch die Türbeschläge an der Türe zum Turmuntergeschoss gearbeitet.

Türbeschlag
Wenn Sie sich für solche Beschläge interessieren und eine Zusammenstellung aus Kirchen im Dachauer Land sehen möchten, klicken Sie hier...



Epitaphe
im Altarraum

An den Wänden des alten Altarraums ist ein Wappen aus Stuck angebracht. Es ist durch Formen aus Akanthusblättern und heraldischen Motiven verziert.

Dort sind auch eine Vielzahl von prächtigen Epitaphen zu sehen. Sie zeigen, dass die Hofmarksherren von Tandern auch in der Kirche eine wichtige Rolle (möglicherweise auch als Geldgeber) gespielt haben.


Wappen      

  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

Die einzelnen Epitaphe im Altarraum
:



1589

 

 

Epitaph für Sebastian Lung und seine beiden Gattinnen Clara und Barbara
Dieses Epitaph (
170 x 103 cm) im Renaissancestil ist das größte und schönste in der Kirche. Ein Steinrelief im Mittelteil zeigt die Auferstehung Christi. Umrahmt wird das Bild von Wappen verschiedener Familien wie z.B. der Lung, der Spaur, der Liechtenstein, der Egnhauser und der Adlßhauser. Unter dem Bild kniet mit gefalteten Händen die Familie des Stifters: Links Sebastian Lung mit seinen drei Söhnen, rechts die beiden Frauen Sebastians, Clara und Barbara (mit Rosenkränzen in den Händen) und die sieben Töchter (darunter zwei Nonnen). Alle sind in höfischer Tracht (damals nach spanischer Mode) gekleidet.

Im oberen Teil ist in eine ovale Kartusche folgender Text eingraviert:

  "Anno Domii. 1589 den 19. Juny starb der Edel und ... Sebastiian Lung zu Danderen ein Zeit lang Pfleger zu Aichach gewesen. Anno Domii. 1555 den 11.März starb die Edel und Dugenthaft Frau Clara Lungin ein geborne von Spaur sein Erste hausfrau. Anno Domii.1569 den .... starb die Edel und Dugenthaf Frau Barbara Lungin. Ein geborne von Bumpbenperg sein andere Hausfrau dere und alle Christgläubigen sellen Gott genedig sein Welle. Amen."
Hinweis: Die edle Familie Lung erwarb die Hofmark Tandern 1486. Ein Viertel hatten sie erheiratet, drei Viertel kauften sie dem Hochstift Freising ab. Die Lungs dienten den Herzögen von Bayern als Landrichter, Pfleger und Stadtrichter in München, Ingolstadt und Aichach. Sie herrschten in Tandern bis 1639, als die Hofmark auf die Gant kam und von den Mändls (siehe Deutenhofen) erworben wurde.

1617

Epitaph für Wolf Christof Lung
Das Epitaph (163 x 82 cm) besteht im oberen Teil aus einem großen Steinrelief. Mittelpunkt ist ein Kruzifix. Aus den Armwunden Christi fließt Blut, das von zwei Engeln in Kelchen aufgefangen wird. Darunter knien mit gefalteten Händen die Stifter in der Tracht ihrer Zeit. Die Frau hält einen Rosenkranz in ihrer Hand. Zwischen dem Ehepaar sind ihre Wappen mit heraldischen Verzierungen zu sehen.
Darunter ist folgender Text eingraviert:
  "Hie Ligt Begraben der Edel und Gestreng Herr Wolff Christoff Lung zu danern Fre?? in Bairn Rath und Pfleger zu Aicha(ch) Gewessen. Starb den 18.Sept. ?? A(nno) 1617 auch der Edlen F... Sawina Lungin, Geborne von ... . Frau denen Gott Genedig und Barmherzig sein . Amen"


1728

Epitaph für Joseph Anton Mändl
Freiherr von Teuttenhoven Herr uf Tandern +1728
Platte von rothem Marmor, schön eingefasst, unten das Wappen. Höhe 173, Breite 94 cm.
Zwischen einem Totschädel und dem Wappen des Toten ist folgender Text zu lesen:
  " Siste Viator & Precare.
Hier ligt begraben der Hoch und Wollgebohrne Herr Herr Ioseph Antoni Mändl, Freyherr uon Teuttenhouen, Herr uf Tanderen, Mezenried und Alberzell, dan Pföttrach. Ser (=Seiner) Hochfrtl.(=hochfürstlichen) Drrl.(=Durchlaucht) Bischouen (=Bischof) zu Freysing und Regensburg, Herzog in Bayrn &c(=etc.) Hoff.unnd Cammerrath, Seines Alters 42.Iahr. Gestorben zu Freysing den 11.Merzen, Ao 1728. DeroseLL WoLLe rVehen(=ruhen) In Den eWIgen FrIDen. "
Hinweis: Die Familie der Mändl, Besitzer der Hofmark in Deutenhofen bei Hebertshausen, erwarb 1640 auch die Hofmark Tandern um 20.000 Gulden, nachdem die Familie Lung, auch wegen der Kriegseinwirkungen, auf die Gant kam.


1734

Epitaph für Johann Joseph Wilhelm Mändl
und seiner Gemahlin Maria Fel. Jul. geb. Sandtin. Grauroter und schwarzer Marmor mit Wappen der beiden Familien. H. 30, br. 115 cm.
Unter den Wappen der beiden Toten ist folgender Text eingraviert:
  " Siste Viator & Precare. Hier ligt Begraben Der Hoch und Wolgebohrne Herr Herr Johann Joseph Wilhelm Mändl, Freyherr von Teuttenhofen, Herr auf Tandern, Mezenried und Alberzell, seines Alters 56 zu München Gottseelig verschiden den 10ten Jenner Ao 1734.
Auch dessen Frau Gemahlin die Hoch. und Wolgebohrne Frau ?? Maria Felicitas Juliana Freyin von Mändl, ein gebohrne Sandtin welche in Gott Christlich entschlaffen den ___ Ao 17__ Ihres Alters __ Jahr. Dennen Gott ein glickseelige Auferstehung genedigst verleihen wolle.
Jezt ist an alle unser bitt, barmherzig zu gedencken, von dannen doch zu weichen nit, sondern ein Ave schencken"


1748
Epitaph für Pfarrer Johannes Baptist Harter
Im Durchgang zum neuen Teil wurde eine Steinplatte zum Andenken an den Pfarrer Johannes Baptist Harter angebracht. Der als "restaurator" bezeichnete Pfarrer hat wohl den Anlass zum Bau der Kirche im 18. Jahrhundert gegeben, worauf auch die Figur seines Namenspatrons auf dem Hochaltar hinzudeuten scheint. 
Text auf dem Epitaph:
  "Hic situs est homo Missus a Deo cui nomen erat IOANNES BAPTISTA HARTER. Huius Ecclesiae per 24. Annos Parochus Et Restaurator munificus. Oculus fuit caeco Pes claudo Pater Pauperum. Anno Aetatis 56.die 16.May 1748. In festo S.Ioannis Nepomuceni obiit velverius ad suum Patronum abiit. Illius festum completurus in coelis quod solennissime celebrare In choav (?) erat in terris. R.I.P."

1809
Epitaph für Pfarrer Karl Senng
Text:
  "Hier ruhet Karl Senng, Gebohren zu Wittelsbach den 20ten Okt.1727. Gestorben zu Tandern den 2ten Juni 1809. 82 Jahre alt, 58 Priester, 46 Pfarrer, 21 Kapitel Kammerer, auch Senior und Jubilaeus. Mitglied des Civil-Verdienst Ordens der baierischen Krone IVten Klaße.
Er hat den Armen wohlgethan, der Schule gab Er ihren Flor. Ihm zeuget Gutes jederman und gerne hört des Pilgers Ohr die guten Thaten frommer Weisen der Nachwelt noch als Muster preisen."

1763

Epitaph für einen unbekannten Toten
Text:
"P.T.
M.D.
O.M. Aug. A(nno) MDCCLXIII (1763)
R.I.P."


1826
Johann Theodor Edlen von Lippert
Text:
  " In dem Gottesacker dieser Kirche ruhen die Gebeine Seiner Hochwohlgeborn des Titel Herrn Johann Theodor Edlen von Lippert, gewesenen Hofkammerrath und Landrichters zu Dachau, dann Rentbeamtens zu Rain, ordentlichen Mitgliedes der kameralistisch-ökonomischen Societät in Erlangen, Besitzer der Hofmarkt Tandern, Metzenried und Appertshausen; geboren zu München den 8ten Augst.1768, gestorben zu Tandern den 2ten Jänner 1826. Dieses Denkmal ließen als Liebe und Dankbarkeit dem Verstorbenen dessen Gattinn und beiden Söhne setzen. R.I.P."

1826
Epitaph für Johann Theodor und Anna von Lippert
Text:
  "Familien Begräbniß der Edlen von Lippert.
Ihren schon längst in die Ewigkeit vorangegangenen theuren Kindern folgten deren Eltern J.Hochwohlgeborn Herr Theodor Edler von Lippert auf Tandern, geboren zu München am 8ten August 1768, gestorben am 2ten Jänner 1826 und deßen Gattin Maria Anna, geborne Auer, geboren zu N??sensteig am ?? May 1771, gestorben am 23ten März 1837.
Maria Anna Edle von Lippert, geborne Auer, Gutsbesitzer-gattin, geboren zu Traunstein am 2.May 1811 gestorben zu Tandern am 23.September 1863"

1864

Epitaph für Max Edlen von Lippert
Text:
  "Gedenkstein für Max Edlen von Lippert
gestorben in Tandern am 8.November 1864 im 71.Lebensjahr R.I.P."


1901
Epitaph für Theodor Oskar Jakob von Lippert
Text:
  "Auf der Heimreise von China am 4.September 1901 fand in der Straße von Korea sein Seemannsgrab der Seeoffizier Theodor Oskar Lysander Jakob Edler von Lippert.
geb.zu Tandern am 14.Juni 1876, beweint u.geliebt von allen, die ihn kannten.
Gott sei seiner Seele gnädig und barmherzig. R.I.P."

Im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 ist noch zwei weitere Epitaphe erwähnt:
"Gegenüber Gedenkstein des Joh. Christof Mandel Frhr. von Deutenhoven + 1711 und seiner Gemahlin Maria Anna Margaretha
    geb. Löse hin, begraben zu Krain. Platte von rothem Marmor mit Wappen der beiden Familien. H. 155, br. 90 cm.

Am Eingang zur Kirche als Schwelle Grabplatte von Sandstein. H. 184, br. 76 cm aus der Zeit um 1500. Die Worte Wilhalm
    Emser Decan noch zu entziffern.
"

Von einem Epitaph für Hanns den Kemnater aus dem Jahr 1463 berichtet ein Aufsatz von Ernest Geiß 01) über den Bruder von Hanns, Ulrich den Kemnater. Dort heißt es:
  "Sein Bruder Hanns der Kemnater starb in dem Jahre 1463, wie aus seinem, auf der Evangelien-Seite nächst dem Hochaltar in der Pfarrkirche zu Tandern befindlichen, aber sehr abgenützten Grabstein erhellt: "Anno Domini 1463 iest gestorben der edl und vest Hanns Kemnater zu Tanern."
Die Familie der Kemnaters hatte 1449 einen Teil der Herrschaft Tandern erworben. Sie wohnten wohl auch auf dem Schloss/Guts-hof, weil der Sohn Ulrich, der Bruder von Hanns und spätere Domdechant zu Freising, "wahrscheinlich bald nach Verheirathung seiner Eltern zu Tandern geboren wurde." Nach dem Tod von Hanns Kemnater verkaufte seine Witwe Dorothea ihren Anteil an der Herrschaft Tandern um die "nicht geringe Summe von 1300 Gulden" dem Schwager und Domdechant Ulrich, der damit die alleinige Herrschaft innehatte. Über das Bistum fiel sie letztendlich dem Christoph Lung zu, dessen Epitaph sich ebenfalls in der Kirche befindet.


Durchgang zum neuen Kirchenraum


Vortragekreuz

Im niedrigen Durchgang vom alten in den neuen Teil der Kirche ist ein barockes Kruzifix angebracht, das als Vortragekreuz benutzt wird oder wurde, worauf der lange senkrechte Kreuzbalken hinweist. Der Corpus Jesu ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Die Adern schimmern blau unter der Haut hindurch. Jesus hat sein dornengekröntes Haupt im Tode nach rechts geneigt; es ist von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben, der in der Kunst den göttlichen Personen vorbehalten ist. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft Blut. Das um die Hüften geschlungene Lendentuch, in der Kunst auch Perizoma genannt, ist vergoldet. Die Beine Jesu sind seitlich nach links gebeugt; dadurch ergibt sich eine S-förmige Körperlinie. Die Füße sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus).


Neuer Kirchenraum

Der neue Kirchenraum wirkt innen ebenso modern wie sein Äußeres. Er wird durch das das hohe Dach und das weit nach unten gesetzte Fensterband im Süden und Westen des Raumes geprägt

An der Ostseite liegt der niedrige Durchgang zum Altarraum der alten Kirche. Er wird von den beiden früheren Seitenaltären im barocken Stil flankiert.



Seitenaltäre


Linker
Seitenaltar
Die alten, barocken Seitenaltäre stehen im modernen Kirchenbau, links und rechts vom Übergang zum alten Teil (also an ihrem früheren Standort). Es handelt sich um schmale Säulenretabel mit hohem Aufbau. Früher hatten beide Altäre große Altarbilder als Mittelpunkt; sie verschwanden schon vor vielen Jahrzehnten bei einer Renovierung. Auch ihre Nachfolgebilder, Nazarenermalereien, wurden beim großen Umbau 1974 entfernt und durch Figuren, die damals erworben wurden, ersetzt. Am rechten Altar ist aber das Größenverhältnis zwischen Altarnische und Figur nicht stimmig.

Rechter
Seitenaltar

Linker Seitenaltar

St.Josef
Der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht. In der Mittelnische steht eine Figur des Heiligen mit dem Jesuskind auf dem Arm. Eine Besonderheit ist die sonst seltene Darstellung des schreitenden Josefs; üblicherweise werden Heiligenfiguren im Stehen oder Sitzen abgebildet.

Im Auszugsbild wird die Taufe Jesu durch Johannes Baptist gezeigt. Vor dem Hintergrund einer Stadt steht Jesus aufrecht im Jordan. Johannes gießt ihm aus einer Muschel Wasser über das Haupt. Hinter den beiden hält ein Engel ein Badetuch zum Trocknen bereit. Aus dem Himmel schwebt die Heilig-Geist-Taube auf Gnadenstrahlen auf Jesus herab.

Johannes Bapt.

Rechter Seitenaltar

Heiland a.d.
Geißelsäule

Auf dem rechten Seitenaltar steht eine Figur des Heilands an der Geißelsäule. Sie ist für die Mittelnische etwas zu klein. Jesus ist mit beiden Armen an die Säule aus grau-blauem Marmor gekettet. Die Figur ist von einer Aureole, einer besonderen Form des Heiligenscheins umgeben, die als Strahlenkranz die ganze Gestalt kreisförmig umschließt und damit deren Heiligkeit unterstreichet.

Das Auszugsbild soll den hl.Nepomuk zeigen, den zweiten Patron der Kirche. Er ist von vier Putten umgeben.


St.Nepomuk


Zelebrationsaltar

Der moderne Zelebrationsaltar im neuen Kirchenraum steht frei auf einer um zwei Stufen erhöhten Altarinsel, d.h., auf einem großzügig bemessenen Podium.
Der mächtige Altar-Steinblock ruht auf einem Metallgestell.


Madonna

Neben dem Altar finden auf der Altarinsel auch eine Madonnenfigur (Maria als Königin mit dem Jesuskind auf dem Arm), der Ambo, die Sitze für Priester und Ministranten sowie eine Herz-Jesu-Figur Platz.

Darüber hängt -als vertikale Komponente- ein großes Kruzifix, dessen Corpus aus der alten Kirche stammt.


Herz Jesu-Figur

Um die Altarinsel sind die Bänke für die Kirchen-besucher gruppiert. Diese Gestaltung war in den Jahren nach dem 2.Weltkrieg in ganz Deutschland sehr beliebt; sie trägt dem Gedanken des Miteinander-Feierns des Messopfers in besonderer Weise Rechnung. Letztendlich ist diese Gestaltungsform aber an der Praktikabilität gescheitert. Niemand möchte gerne hinter dem Altar und im Rücken des Priesters sitzen.
Linker SeitenaltarRechter SeitenaltarZum alten KirchenbauMuttergottes
neues Kirchenschiff



Kreuzwegstationen

An der hohen Nordwand hängen viele Bilder. Es handelt sich im unteren Bereich um die 14 Kreuzwegstationen, im oberen Bereich um alte -inzwischen wieder renovierte- Tafelbilder mit Darstellungen aus dem Leben des hl. Petrus. Sie waren -mit der Bildseite nach oben- als Teile der Kassettendecke im alten Kirchenschiff verwendet worden. Auf den Bildern sind die Namen der Stifter bzw. das dargestellte Thema verzeichnet.
Petrusbild 5Petrusbild 4Petrusbild 3Petrusbild 2Petrusbild 1




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Bilder



Orgel

Über dem Durchgang ist die Orgel mit der Sängerempore eingebaut. Das Instrument wurde beim Neubau der Kirche 1974 von der Fa. Sandtner aus Dillingen aufgestellt und setzt sich aus zwei gebrauchten Orgeln aus Mickhausen und Landsberg zusammen. Das Werk mit Freipfeifenprospekt ist von zwei Spieltischen (einer Richtung alte Kirche, einer Richtung neue Kirche) aus zu betätigen. Es besitzt (nach Brenninger Stand 1976 18) ) die Disposition:
 

I. Manual (C-g'''):  Principal 8', Holzflöte 8', Octav 4', Quintade 4', Nachthorn 2', Mixtur 5fach 1 1/3,
II. Manual (C-g'''): Principal 8', Gedeckt 8', Kleingedeckt 4', Nasard 2 2/3, Octav 2', Mixtur 4fach 1 1/3,
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16', Oktavbass 8', Choralbass 4', Pommerbass 2'
Koppeln:
             II-I, I-P, II-P

Nach Aussage von Pfarrer Riesinger ist geplant, die Orgel an die Nordwand zu verlegen und damit den Blick vom neuen Kirchenteil zum alten Teil wieder freizugeben.
Vorgängerorgeln:
—  1848 hat J.Bohl aus Augsburg die damals schon alte Orgel für 18 Gulden repariert. Bei dieser Gelegenheit reichte er einen
     Kostenvoranschlag für eine neue Orgel in Höhe von 600 Gulden ein.
—  1921 errichtete Willibald Siemann, Mch, eine neue pneumatische Orgel als zweimanualiges Werk mit 12 klingenden Registern.
     Über die Einweihung am 3.Oktober 1921 existiert ein Zeitungsbericht....
06) .
  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.
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Opferstock
In der Nähe des Eingangs steht der schöne alte Holz-Opferstock mit Eisenbeschlägen. Ins Auge fallen die leuchtenden neuen Sicherheitsschlösser aus dem Baumarkt.
Hinweis: Der Opferstock dient der Aufnahme von Geldspenden in Kirchen. Der Name bezieht sich auf das erbetene (Geld-) "Opfer" und den "Stock", der ursprünglich aus einem großen, ausgehöhlten Holzstock bestand.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke.
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Taufstein im Kirchenschiff
Im neuen Kirchenschiff ist steht ein großer, barocker Taufstein aus Rotmarmor mit Metalleinsatz. Die achteckige Taufschale ruht auf einem kurzen, ebenfalls achteckigen Sockel.
Das Achteck wird als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen und wird bei Taufsteinen oder Taufkapellen häufig verwendet.

Taufstein     


Vorraum   der Kirche

Im großzügigen Vorraum der Kirche sind eine Figur des hl.Florian, das Epitaph für Joh.Christoph Mändl sowie die Bilder eines Apostelzyklus' untergebracht.

Die barocke Figur des hl.Florian ist in ein römisches Soldatengewand gekleidet. Der Heilige hält die Siegesfahne in der linken Hand, während er mit dem Schöpfgefäß in der rechten Hand Wasser über ein brennendes Haus zu seinen Füßen gießt.
  Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.

St.Florian   
 

Der mit heraldischen Motiven geschmückte Grabstein des Johann Christoph Mändl (gest. 1711 im 59. Lebensjahr) und seiner ersten Ehefrau Maria Anna Margarete, geb. Lösch (gest. 1701 im 45. Lebensjahr) enthält folgenden Text:


Epitaph Mändl
"Anno 1711, den 17.Aug. ist in Gott Seelig entschlaffen der Hoch:und wollgeborne Herr, Herr Iohann Christoph Mändl Freyherr von Deytenhoven auf Tandern, der Churfrst.Drt.zu Cölln Cammerer S(ein)er Hochfürstl: gd:Bischovens zu Freysing Hoff: und Cammer Rhat, Statt: und Landtpfleger, auch Haubtman der Freysingischen Herrschafft, und StattLaagKh (?) in Crain. Seines alters 59.Jahr. Dann ligt begraben in Crain sein erste Ehegemahlin, die Hoch:und wollgeborne Frau,
  Frau Maria Anna Margareta Mändlin, Freyfrau v.Deytenhoven, auf Tandern, geborne Löschin, freyin von und zu Hilgerzhausen, so gestorben den 14.Sept.1701 Ihres alters 45.Jahr. denen gott gnedig sein wolle Amen."

Weitere Epitaphe sind an den Wänden im Altarraum des alten Teils zu sehen. Klicken Sie hier...



Apostelzyklus

 
     
  Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.


Pfarrhof

Nördlich der Kirche steht auf einer kleinen Anhöhe der stattliche ehem. Pfarrhof, in dem derzeit die Pfarrverwaltung untergebracht ist. Das Gebäude wurde 1938 an der Stelle eines abgebrochenen Vorgängerbaus errichtet

Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis
sehen möchten, klicken Sie hier....

Der Vorgängerbau des heutigen Pfarrhauses (ein Pfarrhof) stammte aus dem Jahr 1611; er wurde 1938 abgebrochen.
Im Wening-Kupferstich von 1701 ist das Pfarrhaus neben zwei Handwerkerhäusern sehr gut hinter der Kirche zu erkennen. Das Dach ist an der Vorderfront mit gotischen Schwalben-schwanzzinnen geschmückt.

Pfarrhaus 1701
Im Okt.1877 fand im Pfarrhof eine Versteigerung von Vieh und landwirtschaftlichem Gerät statt. 03)  
Die hohe Zahl der angebotenen Objekte könnte bedeuten, dass der landwirtschaftliche Betrieb des Pfarrbauernhofs aufgegeben worden ist. Falls dies zutrifft, kann vom Angebot auch auf die damalige Größe und Ausstattung des Hofs geschlossen werden.

Versteigerungsanzeige 1877
Versteigert wurden:
3 Pferde, 8 Rinder, 2 Schweine, 30 Hennen, 54 Schober Getreide, über 400 Schober Heu, 3 Wägen, 3 Eggen und Pflüge, ein Odlfass sowie Haus- und Kücheneinrichtung.
Im Amperboten v. 8.10.1877 hat der Gerichtsschätzer eine entsprechende Zeitungsannonce mit Zeichnungen veröffentlicht. Wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...


Die Pfarrei Tandern und der gesamte Pfarrverband (Tandern, Hilgertshausen, Pipinsried) haben auch eine interessante Homepage (http://www.pfarrei-hilgertshausen.de/pipin/indexp.htm). Wenn Sie mehr über die Gottesdienstzeiten und die sonstigen Aktivitäten der Pfarrei Tandern erfahren wollen: klicken Sie hier...



Hans Schertl

Quellen:
01) Ernest Geiß, Ulrich der Kemnater, Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, 2.Band, 1840
02) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern 17, 1876
03) Amperbote v. 8.10.1877 (Versteigerung am Pfarrhof)
04) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895, Seite 230
05) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.661, 834, 1126)
06) Amperbote vom 03.11.1921 (Orgel)
07) Amperbote vom 4.12.1935
08) Historischen Atlas von Altbayern Reihe I Heft 11-12-Die Landgerichte Dachau und Kranzberg-S.2, 1958
09) Kreitmeir/Anneser/Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
10) Festschrift zum 75. Bestehen des Schützenvereins Schützenlust Tandern, 1984
11) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
12) Kirchenbeschreibung 199?
13) Wilhelm Liebhart in "Hilgertshausen-Tandern, Bilder aus vergangenen Tagen", 2003
14) Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Ambrosius-Vers, Tabernakel)
15) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
16) Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters, 1919, S. 348, ISBN 978-3-15-020366-8
17) Die Bayerische Landbötin, München, vom 3.1.1843
18) Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1


73 Bilder: Hans Schertl (71), Hubert Eberl (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - eine Internetserie des Katholischen Landvolks Dachau


15.3.2018


Neue Orgel für Tandern
Amperbote vom 03.11.1921

In der Pfarrkirche von Tandern wurde durch die Firma Siemens aus München ein neues Orgelwerk aufgestellt. Am 18. Oktober wurde durch den staatlichen Orgelrevidenten, Herrn J. Kopfmüller, die technische Prüfung des Werkes vorgenommen. Wegen Raummangels auf der Empore musste das Pfeifenwerk und das elektrisch betriebene Gebläse in einer Tonhalle über dem Kirchengewölbe untergebracht werden. Dieser Umstand beeinträchtigt die Klangwirkung und -stärke nicht unerheblich.
Die Orgel enthält 12 klingende Stimmen, die auf zwei Manuale und Pedale verteilt sind. Die Mechanik ist pneumatisch mit Kegelladesystem. Selbstverständlich sind alle modernen Koppelungen und Schweller vorhanden. Die Prüfung ergab, das insbesondere der Spieltisch praktisch angelegt und solide gearbeitet ist. Auch das übrige Material ist gediegen und die Ausführung sauber und gut. Die Intonation ist gut gelungen und trägt feierlichen kirchlichen Charakter. Die Ansprache ist sicher und präzise. Durch Mischung der verschiedenen Stimmen können sehr schöne Klangwirkungen hervorgebracht werden. Das volle Werk erscheint genügend an Kraft für die Raumverhältnisse der Kirche.

Auf den 30. Oktober hatte Herr Chorregent, Lehrer Reitmayr, die Musikfreunde von Tandern und Umgebung zu einem Kirchenkonzert zwecks Vorführung der neuen Orgel eingeladen. Mit seinem musikalischen Verständnis hatte er ein schönes, abwechslungsreiches Programm zusammengestellt und durch Beiziehung bewährter Kräfte den Hörern einen edlen musikalischen Genuss bereitet. Solisten waren Fräulein Dassler und Fräulein Hengler, sowie die Herren Link, Schmid und Schlagmann. Die Chöre dirigierte Herr Lehrer Wagner. Zunächst führte Herr Lehrer Reitmayr die einzelnen Register und Kombinationen vor und erwies sich dabei als gewandter, feinfühliger Organist. Die von Erb ließ die Orgel als gutes Begleitinstrument für kräftigen gemischten Chor erscheinen. Der Vortrag des Finale aus der Sonate von Rheinberger zeigte sie auch als gediegenes Soloinstrument. Sehr ansprechend war die Begleitung der hervorragend gespielten Cello- und Violinvorträge. Tiefen Eindruck hinterließ "Der Engel Lied" für Sopran, Violine, Cello und Orgel. In dem von ihm vertonten 150. Psalm konnte man Herrn Lehrer Reitmayr auch als Komponisten kennen lernen, der für 6stimmigen Chor gediegen zu schreiben versteht und die vorhandenen Mittel wirkungsvoll zur Geltung zu bringen weiß. - Die zum Teil aus weiter Ferne herbeigekommenen Musikfreunde erlebten Stunden edlen Genusses und verließen voll Dank gegen Herrn Lehrer Reitmayr sowie alle Mitwirkenden die heilige Stätte. Möge diese Aufführung, die ein so schönes Zeugnis uneigennütziger Hingebung für die heilige Kunst abgelegt hat, auch da und dort Ansporn geben zu unverdrossenem Schaffen zu Gottes Ehre und der Menschen Freude!

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)