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Wieskapelle in TANDERN


Luftbild
Kapelle auf der Landkarte...


Beschreibung

Die Wieskapelle von Tandern liegt nördlich von Tandern in Richtung Oberdorf -weithin sichtbar - auf einem Bergrücken.
Sie wurde kurz nach dem 30jährigen Krieg, um das Jahr 1650, erbaut.

Das Gebäude steht auf geschichtlich interessantem Boden. Hier befand sich einst -durch Tradition und Funde belegt-der Pestfriedhof für die Pfarrei Tandern, und eine wohl uralte Kapelle, die dem hl. Nikolaus geweiht war.

Pestfriedhöfe mussten aus hygienischen Gründen außerhalb der Ortschaft angelegt werden.

Nach der Pestepidemie hat man eine Kapelle errichtet, um aus dem Pestfriedhof nachträglich eine "geweihte Erde" zu machen.


halbrunde Apsis

Örtliche Sagen vom feurigen Ross und Reiter, einen Hund ohne Kopf sowie vom "Umgehen" und Geisterspuk am Alllerseelentag erzählen von der etwas gruseligen Tradition der Kapelle. 02) , 05)
Die Sage vom Schwarzen Reiter ist gleichzeitig die Gründersage. Mehr darüber...

Im Jahre 1748 ließ die Baronin Sibylle Sophie von Tandern von der Frauenkirche zur Pestkapelle
einen Kreuzweg anlegen.

Wenig später wurde in der neuen Kapelle eine Holzplastik "Christus an der Geiselsäule" vom Bauern Gamperl aus der Wies 02) aufgestellt; die Kapelle hat man sodann in Wieskapelle umbenannt.

Baubeschreibung

Die Kapelle besitzt eine runde Apsis. Als Turm sitzt ein kleiner Dachreiter auf der Südostmauer. Die rötlich gestrichene Fassade ist durch weiße Pilaster gegliedert


Der Raum wird durch vier rundbogige Fenster auf der Seite erhellt.

Blickpunkt im Kapellenraum ist der große, funktionsfähige Altar mit Mensa, bemaltem Antependium und hohem, das Halbrund füllenden Altaraufbau (Retabel) ohne begleitende Figuren. In der erhöhten Mittelnische ist ein modernes Gemälde angebracht, das durch eine Lücke im Vorhang zu sehen ist.

zur Vergrößerung  der Figur des hl. Nikolaus  bitte klickenzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Michael  bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Stephanus  bitte klicken Vergrößerte Ansicht des Chortaltars per Mouseklick

Vergrößerte Ansicht des Altarbilds per Mouseklick

KunstFoto
     Der Künstler Max van Allen hat von der Kapelle ein schönes Foto gemacht und bei Google+
      im Internet veröffentlicht. Wenn Sie es sich anschauen möchten, klicken Sie hier...
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Die Kapelle ist ein markanter Punkt auf dem "Beste-Gegend-Pfad", den der Verein "Zukunft Tandern" im Jahr 2020 einrichtet. 04)

Hans Schertl

Quellen:
01) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
02) Kreitmeir/Anneser/Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
03) Festschrift zum 75. Bestehen des Schützenvereins Schützenlust Tandern, 1984
04) Franz Hofner, Dachauer Nachrichten vom 2.11.2019 (Beste-Gegend-Pfad)
05) Reinhard Haiplik, Geheimnisvolle Plätze in der Hallertau, Band 3, S.28, 2019, ISDN 978-3-936990-76-8

3 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

13.3.2019

 

Die Sage vom Schwarzen Knecht 05)

Die Sage spielt im 30jährigen Krieg.
1634 kamen die Schweden nach Tandern. Die Soldateska verwüsteten das Dorf, ermordete Bewohner und raubte das Vieh. Der Schlossherr und der Pfarrer konnten noch rechtzeitig fliehen. Der Schwarze Knecht stellte sich den Soldaten entgegen und verteidigte heldenhaft den Pfarrhof. Im hitzigen Kampf tötete er zwei Schweden und schlug acht von ihnen in die Flucht. Dann versteckte auch er sich in den umliegenden Wäldern. Der Feind kam wieder und nahm bittere Rache. Er ermittelte den Hof des Schwarzen Knechts und löschte dort jegliches Leben aus, trieben das Vieh weg und zündete den Hof an und brannte das ganze Dorf ab.
Nach Abzug der Schweden kamen die Tanderner aus den Wäldern zurück und fanden überall nur Trümmer vor. Der Schwarze Knecht kümmerte sich an vorderster Stelle um den Wiederaufbau. Es schien wieder aufwärts zu gehen.
Doch dann kam die Pest und viele der Bewohner, die den Krieg überlebt hatten, starben an dieser schlimmen Krankheit. Niemand wagte die Toten zu begraben. Auch dabei half der Schwarze Knecht. Er lud die Toten auf den Karren und fuhr sie hinauf auf den Ziegelberg. Einer der Bewohner nach dem anderen starb. Als letzter Bewohner von Tandern starb auch der Schwarze Knecht.

Danach musste man Zuwanderer aus dem Alpengebiet holen, die die freien Hofstellen wieder neu besetzten.
An der Stelle, an der die Pesttoten begraben worden waren, wurde um 1650 die Pestkapelle erbaut.
Ein Jahrhundert später hat man eine neue Kapelle errichtet, die dem Gegeißelten Heiland auf der Wies gewidmet wurde.
Das Patronat war damals neu: Die Wallfahrt zum Heiland auf der Wies bei Steingaden entstand 1739.