zur Landkreiskarte                Kirchen i.d. Gem.Petershausen


Filialkirche St. Stephan in OBERHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
Adresse: 85238 Petershausen, Oberhausen 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

 
Geschichte

Die Ortschaft Oberhausen liegt auf einem Höhenrücken zwischen dem Glonntal und dem Ilmtal. Oberhausen wird 1037 als "Rutpreht de Operanhusen" erstmals urkundlich erwähnt. Man nimmt aber an, dass Ort und auch Kirche noch wesentlich älter sind. In den Urkunden der Grafen von Ebersberg taucht Oberhausen erstmals um die Jahrtausendwende als bedeutender Ort auf 08).

Die Kirche St.Stefan in Oberhausen gehört zur Pfarrei St.Anna in Steinkirchen (Lkr. Pfaffenhofen und Dekanat Scheyern).
In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird sie als Filiale der Pfarrei Haunstetten ("Hausstetn cum Obernhausen") beschrieben. 01)
Auch in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 ist sie als einzige Filiale von Haunstetten erwähnt ("Habet filialem ecclesiam sine sepultura, videlicet s.Georgii in Obernhausen"). Oberhausen hatte also keinen eigenen Friedhof. Der Kirchenpatron war damals (und noch längere Zeit) der hl.Georg. 01)

Um 1400 übernahm das Kollegiatsstift Ilmmünster die seelsorgerische Betreuung. Am 30.4.1436 wurde die Pfarrei Haunstetten und damit auch Oberhausen dem Kollegiatsstift inkorporiert, d.h., die Pfarrei wurde mit allen Einkünften, Rechten und Gewohnheiten den Chorherren übergeben, die dafür aber auch den Bauunterhalt und die Seelsorge übernahmen.

Mit der Verlegung des Kollegiatsstifts an die neu erstellte Münchner Frauenkirche hatten auch in Oberhausen die Münchner das Sagen.
Ilmmünster wurde zur Pfarrei erklärt; von dort aus nahm einer der Chorherren oder ein beauf-tragter Priester (Vikare) die Seelsorge in den inkorporierten Kirchen wahr.
11)

In manchen Zeiten kamen die Seelsorger auch aus der benachbarten, nur eine halbe Wegstunde entfernten Pfarrei Pischelsdorf; vor allem in der Zeit des 30jährigen Kriegs und einige Jahrzehnte im 18.Jh.

Gottesdienste
Im 16.Jh. wurde in Oberhausen einmal in der Woche ein Gottesdienst gehalten. Dazu kamen Festmessen mit Predigt am Patroziniumstag des hl.Georg (23.4.) und am Namenstag des hl.Stephanus (26.12.). Dafür erhielt der Priester zwei Pfund Pfennig im Jahr. Den Mesnerdienst versah der Pächter des Pfarrwidums (HsNr. 4). 11)

1735 beschwerten sich die Oberhausener, dass der Pischelsdorfer Pfarrer die ihnen zustehende Wochenmesse nicht lese. Daraufhin wurde die Seelsorge wieder Ilmmünster übertragen. Aber nur für zwei Jahre. Dann wechselte das Vikariat wieder nach Pischelsdorf und zwanzig Jahre später zurück nach Ilmmünster.
1804 wurde das Vikariat Haunstetten und dessen Filiale Oberhausen mit der Pfarrei Pischelsdorf offiziell vereinigt. Nur 24 Jahre später fand auch die Selbstständigkeit der Pfarrei Pischelsdorf ein Ende. Die Pfarrei und damit Oberhausen wurde eine Filiale von St.Anna in Steinkirchen. Seit 1972 hat auch Steinkirchen keinen Pfarrer mehr. Sie Seelsorger kommen seither aus Jetzendorf, auch nach Oberhausen. 11)

Visitationsbericht von 1560 13)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Ilmmünster wird auch die Kirche Haunstetten mit ihrem "Zu-Kircherl Oberhausen" erwähnt. Vor allem wird die Armut der Kirchen betont. Die Kirche in Haunstetten hatte Einkünfte von 2 Gulden, Oberhausen von 3 Gulden pro Jahr
(zum Vergleich: die benachbarte Kirche in Hettenshausen 30 Gulden). Die Kirche in Oberhausen war so arm, dass die Ehalten, die Knechte und Mägde, Geld beisteuern mussten, damit ein Gottesdienst gehalten werden konnte ("... zuekirchel Oberhausen genant, welches vor zeiten so arm gewesen, das die eehalten dartzu steur gegeben, damit die wochenmeß erhalten ist worden."). Die Kirchenpröbste (Kirchenverwalter) gaben zu Protokoll:
   "Vorgemelter pfarr Haunstetten filialis Oberhausen khirchpröbst.
    Bestendigs einkommen 3 fl 1 Pfund
. Ableslicher gullten 2 fl. 15 kr. Hat kain ewig liecht noch mesenhauß. Das gottshauß ist
    nit paufellig. Wirt der gottsdienst vleissig verricht. Hat ain kelch. Rechnung nimbt auf gericht zu Crantsperg. Ist das
    gottshauß damit unbeschwert."


Dreißigjähriger Krieg

Im 30jährigen Krieg kamen die Schweden auch in diese Gegend. Sie brannten das Pfarrwidum (Hs.Nr. 4) ab. Was im Übrigen geschah, ist nicht überliefert. Jedenfalls, so Elisabeth
Mecking 11) , waren 1636 von elf Pfarreien im Gerichtsbezirk Pfaffenhofen sechs Pfarreien nicht besetzt. Auch Haunstetten musste bis 1672 von Pischelsdorf aus seelsorgerisch betreut werden.
1666 hat man die Altäre ausgebessert, der Leonhardsaltar sogar in Freising renoviert. Die Reparaturen standen wohl auch im Zusammenhang mit den Einwirkungen des Krieges. Die Soldaten hatten oft Altäre als Brennmaterial für ihre Lagerfeuer verwendet.

Aus dem 18./19.Jh. sind mehrere Handwerker bekannt, die Reparaturen durchgeführt haben:

- 1740 lieferte Zimmerer Falbermayer, 07) aus dem Ort drei Antependienrahmen für die Altäre und drei doppelte Stollen geliefert.
- 1766 führte Maurermeister Johann Rößle 05) aus Hohenkammer eine Kirchenreparatur durch, unterstützt vom Zimmermeister Michael Däbl aus Obermarbach 07)
- 1771 erstellte der Bildhauer u. Kistler Anton Herzenfroh 06) eine Kanzel (um 67 fl. ) sowie -ein Jahr später- zwei Heiligen-
figuren von St.Georg und St.Leonhard auf Postamenten. Zudem besserte er die Altäre und möglicherweise die
Kirchenstühle aus.
-  1775 deckte Zimmermeister Michael Öckhl aus Obermarbach den Turm neu (Kosten: 59 Gulden 59 Kreuzer). Öckhl ist auch von Arbeiten an den Kirchen von Mühldorf, Johanneck, Herrschenhofen u. Pelka bekannt. 07)
- 1836 
Reparatur des Daches, sowie Mauerer- und Glaserarbeiten. 11)
- 1923  Durchgreifende Instandsetzung der Kirche. 11)
- 1981 bis 1988   Gesamtrestaurierung (Fundamente, Kirche, Turm mit Kuppel, Kirchendach, Pflaster, Fenster, Gestühl, Altäre, Figuren, Turmuhr - 415.000 DM) 11)


Schmid'sche Matrikel 1739
01)
,
Die Schmidt'sche Matrikel ist eine Beschreibung aller Pfarreien der Diözese Freising aus den Jahren 1738 bis 1740. Verfasser war der bischöfliche geistliche Rath Franz Josef Anton Schmidt, Kanonikus bey St.Andreas in Freysing.
In seinem Bericht über Haunstetten schreibt er, der vom Kollegiat entsandte Seelsorger heiße Martin Huber. Die Pfarrei habe eine Filialkirche in Oberhausen ("habet filialem ecclesiam sine sepultura, videlicet s.Georgii in Obernhausen").
12) Patron der Kirche war somit immer noch St.Georg. Das zum Dekanat Weichs gehörende Haunstetten war übrigens eine kleine Pfarrei; sie hatte nur 100 erwachsene Gläubige. Die Kirche in Oberhausen wird als kleine Kirche mit drei Altären beschrieben. Der Hauptaltar war -wie heute- dem hl.Stephanus geweiht, die Seitenaltäre dem hl.Leonhard und dem hl. Georg. Gottesdienste wurden an den Festen der drei wichtigen Heiligen Stefanus, Georg und Leonhard gefeiert. Das Kirchweihfest fiel auf den 6.Sonntag nach Ostern. Auch damals fehlten Sakristei und Friedhof. An Meßgewändern war nur das Notwendigste vorhanden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte verwalteten der Pfarrvikar und der der Landrichter von Kranzberg. Das Vermögen betrug 500 Gulden.

Beschreibung 1820
In der Tabellarischen Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate von 1820 wird St.Stephan und St.Georg Oberhausen als Filialkirche der Pfarrei Pischelsdorf genannt. Dort lebten 41 Gläubige in 7 Häusern. Das Kirchweihfest wurde am 6.Sonntag nach Ostern gefeiert.
10)

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus den Jahren 1870 bis 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Steinkirchen als Nebenkirche auch St.Stephanus in Oberhausen enthalten: Im Dorf wohnten damals 52 Seelen (in 8 Häusern). Die Wege zur 1 km entfernten Pfarrkirche seien meist gut, links und rechts der Ilm aber hügelig, schreibt Westermayer. Und weiter über die Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt. Das Presbyterium mit schönem gothischen Gewölbe, das Langhaus styllos. Baupflicht hat die Kirchenstiftung. Kupppelthurm mit 2 kleinen Glocken. 3 Altäre ohne Altarsteine. Gottesdienste am Feste des hl.Georgius und des hl.Leonhard, wenn sie nicht auf einen Sonntag fallen. Stiftungen: 1 Jahrtag, 2 Jahrmessen, Meßner ist ein Bauer. Kirchenvermögen: 2.200 Mark". 02)


Baubeschreibung


6-geschossiger Turm

Der schindelgedeckte Zwiebelturm ist südlich am Chor angebaut. Er dürfte erst nach 1450 errichtet worden sein. Dabei wurde wahrscheinlich der frühere Turm auf der Ostseite über dem Altarraum abgebrochen und der Chor umgebaut.
Der Turm ist in den unteren drei Geschossen viereckig: Die Geschosse sind durch ein ziegelgedecktes und zwei schindelgedeckte Gurtgesimse getrennt.
Die oberen drei Geschosse sind achteckig. Sie sind durch runde und ovale Öffnungen sowie rundbogige Schallfenster und Blendfenster sowie durch akanthusverzierte Ziffernblätter der Turmuhr geschmückt. Lange Zeit hatte der Turm keine Uhr. Das Ziffernblatt war (noch 1923) nur aufgemalt. Erst in den 1980er Jahren hat man eine Uhr eingebaut, gestiftet von der Gemeinde Petershausen.
11)

Im Turm hängen zwei kleine Glocken, die zu den ältesten des Landkreises Dachau zählen.
— Die größere davon trägt die Inschrift "paulus anno d. MCCCCXII" (1412). Sie ist auf den Ton h''
   (andere Quelle: b") gestimmt und besitzt einen Durchmesser von 41 cm. Diese Glocke dürfte aus
    der Werkstatt des Münchner Gockengießers Paulus stammen.
— Die kleinere Glocke berichtet uns in gotischen Minuskeln IHS nacarenus rex ludeorum anno domini
    MCCCCLXIII" (1463). Sie klingt mit dem Grundton e''' und hat einen Durchmesser von 39,5 Zentimetern.
Vom Glockengeläute gibt es im Internet eine Tonaufnahme 09)
: klicken Sie hier...

Der im Kern noch romanische Bau besitzt einen quadratischen Chor, der möglicherweise zu einer früheren Chorturmkirche gehörte. Das Bodenniveau des Chores ist erhöht.


An der dem Altar zugewandten Ostseite des Chorbogens sind in einem freigelegten Wandgemälde ein Kruzifix, links und rechts davon ein Mann und eine Frau, vermutlich Stifterfiguren, undeutlich erkennbar. Ein weiteres Fresko (Christus?) wird an der Wand östlich des Choraltars unter der Tünche vermutet werden.

Der Kirchenraum wird durch barocke Ovalfenster erhellt. Sie haben runde und ovale Formen, wie man sie kaum mehr im Landkreis findet.
Der Chor schließt gerade. An der Ostseite befinden sich kleine Lichtschlitze, von denen einer eine (umgekehrte) Schießschartenform besitzt.


runde und ovale Fenster


Die Sakristei wurde 1713 errichtet.
Der Eingang zur Kirche befindet sich an der Langhaus-Nordwestseite.


Innenausstattung


Choraltar
Der Choraltar von 1718/20
11) ist eine Gemeinschaftsarbeit
- von Andreas
Ströber aus Kranzberg 03) (27 fl 30 kr),
- Bildhauer Anton Mallet aus Freising (11 fl. für St.Georg und St.Stephan) und
- dem Fassmaler Thaddäus Karpf aus Kranzberg (41 fl 30 kr. Bemalung mit "Guetten Gold). Karpf war auch in der Kirche von
   Mittermarbach künstlerisch tätig 04)
.

Auf dem von August Priller (1876-1972) aus Pfaffenhofen um 1925 gemalten Altarbild wird Maria mit dem Jesuskind dargestellt. Zu beiden Seiten des Bildes stehen die von Mallet geschnitzten Figuren der Heiligen Stephanus und Georg.
In dem runden Auszugsgemälde darüber findet sich eine halbfigurige Darstellung der hl. Barbara aus der Zeit um 1925.

Seitenaltäre
Das Gemälde im linken Seitenaltar zeigt einen sogenannten Hl. Wandel, das ist eine Darstellung der hl. Familie in der Horizontale, die wiederum zusammen mit der Hl. Dreifaltigkeit in der Vertikale eine Einheit bildet. Im Auszug darüber ist der hl. Georg zu sehen.

Das Gemälde im rechten Seitenaltar stellt den hl. Leonhard dar und ist signiert von "A Priller 1922", dem bereits genannten Pfaffenhofener Maler, der auch das Hochaltarbild gemalt hat. Im Auszug ist wiederum der beliebte Bauernheilige Leonhard abgebildet.


Im Jahr 2015 wurde am Karfreitag erstmals ein Heiliges Grab aufgestellt. Wenn Sie ein Bild davon sehen möchten, klicken Sie hier...


Quellen :
01)
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50 (§ 478)
02) Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
03) Max Gruber, Kistler, Schreiner u. Drechsler aus dem Amperland, Amperl 1975-S.91 (Ströber)
04) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland wirkende Maler, Amperland 1982 (Karpf)
05) Max Gruber, Für Dachau und die Umgebung bis 1800 tätige Architekten, Bau- u. Maurermeister, Amperland 1982 (Rößle)
06) Max Gruber, Kistler, Schreiner u.Drechsler aus dem Amperland, Amperl 1975-S.91 (Herzenfroh)
     Der Bildhauer u. Kistle  Anton Herzenfroh aus Kollbach lieferte 1771 eine Kanzel für Oberhausen (um 67 fl.) sowie 1772
    zwei Heiligenfiguren von St.Georg und St.Leonhard auf Postamenten. Zudem besserte er in Oberhausen die Altäre und
    möglicherweise die Kirchenstühle aus. Bekannt ist zudem, dass er um 1784 in Obermarbach tätig war und hier hier
    Seitenaltäre und ebenfalls eine Kanzel erstellte.
07) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 ( Däbl, Öckhl, Falbermayr )
08) Dr. Günther Flohrschütz, Hochmittelalterliches Herrenleben im alten Amperland, Amperland 1991/2
09) http://www.glockenklaenge.de/orte/bay/index.html, 2014-10-30 (Glockenläuten)
10 Dr.Martin v.Deutinger, Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate, 1820
11) Elisabeth Mecking, St.Stephan in Oberhausen, Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte u. Kultur, 2000
12) Anhang zu den Schmidtschen Matrikel Series et brevis descriptio Parochiarum ordine alphabetico , veröffentlicht im
    Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50, siehe FN 01
13)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986

4 Bilder: Horst Lachmann (2), Hans Schertl (2)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

4.9.2020