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Vorläufige kurzgefaßte Nachricht von einigen Klöstern
der H.Schwedischen Birgitte auserhalb Schweden besonders in Teutschland

von Christian von Nettelbladt, 1764 163)

Teil 8.  MARIA - ALTO-MÜNSTER

Titelblatt

§ 198. Die Durchleuchtigste Regenten des Chur-Bayerischen Hauses haben die Verehrung der heiligen Schwedischen Birgittę so hoch gehalten, daß selbige annoch das vom heiligen Altone, welcher ein Schottländer gewesen, an dem Ort, wo die alten Bayern der Dianę jährlich eine Jungfer geopfert, erbautes Kloster Alto-Münster, nachdem es an die Ordens-Geistlichen St. Benedicti gekommen, und bey selbigen bis 1487 verblieben, mit Bewilligung des heiligen Vaters zu Rom dem Orden St. Salvatoris & Birgittę gewidmet haben.

§ 199. Das Lob hievon gebühret Georgio Comiti Palatino Rheni & Duci Bavarię, welcher, nachdem er vom Pabst Innocentio im Jahr 1487 die Erlaubniß erhalten, das schon 1480 von denen Sanctimonialibus Benedictinis verlassene, und dem Ruin sehr nahe Kloster Alto-Münster, für die Geistliche Ordinis St. Birgittę repariren zu lassen, auf Anrathen seiner Gemahlin Hedewig, Königs Casimiri von Pohlen Prinzeßin Tochter, solches im Stand zu stellen nicht ermangelt. Die Urkunde hievon hat GEWOLDUS in Nor. ad HUNDII Metropol, Salisburg. Tom. 2. pag. 57. mitgetheilet.

§ 200. Um die Reformation dieses Klosters für die Birgittiner-Geistliche zu bewirken, soll Wolfgang Sandizeller, welcher aus adelichem Bayerischen Geschlecht entsprossen, dessen Bildniß Raderus aufbehalten hat, nach Rom verschicket worden seyn, woselbst er für die Birgittiner-Geistliche viel Gutes ausgerichtet, anbey nicht unterlassen Herzog Georgen mehr und mehr für selbige zu disponiren. Er hat dem Kloster nicht allein einen ansehnlichen thesaurum reliquiarum (Reliquienschatz) procuriret, sondern ist selbst 1517 als Bruder ins Kloster gegangen, und hat darin den 18.April 1525 sein Leben beschlossen.

§ 201. Nach errichtetem Gebäude hat der Bischof Sixtus zu Freisingen den 12. Jan. 1497 oder vielmehr 1494 den 11ten die Consecration (=Einweihung) verrichtet, und 15 Schwestern aus dem Kloster Marien-Meyingen, im Oettingischen gelegen, und auch 10 Brüder in dieses neue Kloster eingeführet.

§ 202. Es lieget fast in gleicher Weite von der Chur-Bayerischen Residenz Stadt München, und der Reichs-Stadt Augsburg, jedoch näher an Augsburg in Ober-Bayern, Bischofthums Freisingen, Renth Amts München, Pfleg-Gerichts Ausa, und ist vom heiligen Altone in einem dicken Walde zuerst angeleget worden.

§ 203. Der heilige Vater Julius hat im Jahr 1504 dieses Kloster in nostram & Beati Petri protectionem genommen, wie auch mit vielen Exemptionen und Freyheiten versehen, und Herzog Albertus V. hat die von seinen Vorfahren diesem Kloster ertheilte Freyheiten, Handvesten und Herkommen im Jahr tin 1551. bestätiget.

§ 204. Nach Anordnung des Pabstes Innocentii VIII. ist es in einem für Schwestern und Brüder abgesonderten Gebäude zu 60 Kloster-Frauen und 25 Mönchen angeleget worden; das Absterben aber des Stifters Georgii, welches den 1. Dec. 1503 erfolget, soll verursachet haben, daß die Anzahl unvollkommen verblieben, dahero Raderus bemerket, wie im Jahr 1624 nur 36 Schwestern und 13 Brüder, wegen Theurung und anderer Umstände, sich darin befunden hätten.

§ 205. Gegenwärtig soll der Conventus Fratrum aus 22 bis 23 bestehen, als 13 Sacerdotibus (=Priester), 4 Diaconis (=Diakone) und 5 Laicis (=Laien); Hingegen der Conventus derer Schwestern bis auf etliche 40 samt denen Focariis sich belaufen.

§ 206. Die Einkunfte bestehen aus dem, was von beyden ersteren Fundationen und Acquisitionen übrig verblieben, nachhero aber dahin vermachet, geschenket und erworben worden, so daß es ein reiches und ansehnliches Kloster seyn soll.

§ 207. Die Kirche des Klosters soll ebenmäßig prächtig seyn, und findet man darin verschiedene Monumenta, hölzerne Statuen und Gemählde, von welchen allen R. P. SCHECKH eine Verzeichniß gegeben, anbey die anniversarias fundationes, was der Kirche geschenket, die reliquias und indulgentias umständlich anzeiget, denen er cap. 20 pag. 55 einen Vorrath von MSCt. und Literis Principum, Cardinal. u. s. w. beyfüget, sonderlich aber eine ziemlich vollständige Sammlung derer verschiedenen Editionen von denen Revelationibus St. Birgittę.

§ 208. Das Kloster har ERTEL in Kupfer stechen lassen; die Verzeichniß aber derer Abbtißinnen findes man beym HUNDIO, welche vom P.Scheckh bis auf seine Zeiten fortgesetzet worden, dahero dessen Verzeichniß derer Abbtißinnen und Priorum allhier beyfügen will.

§ 209. Die Abbtißinnen werden in folgender Ordnung angeführet (mit Sterbedatum):

1) Anna Huetterin de Nordling      obiit:
21. Junii 1527
 
2) Cath. Oertlerin de Augusta
20. May 1530
 
3) Ursula Kloblin de Norimb.
 4. Dec. 1537
 
4) Ottilia Oefflerin de Wendling
28. Febr. 1557
 
5) Marg. Petschnevin de Monachio
 9. April  1563
 
6) Barb. Steudlin de Landishuto
29. April 1570
 
7) Cath. Ploicherin de Alto-Münst.
21. Januar 1582
 
8) Anna Preussin de Ingolstadt
28. Nov. 1609
 
9) Anna Dietherin de Augusta
19. Nov. 1623
 
10) Anna Mayerin de Ingolstadt
4. May 1635
 
11) Apollon.Wagnerin de Hechenkirchen
3. Jun. 1649
 
12) Maria Magdalen. Carlin de Polling
25. Dec. 1668
 
13) M. Birgitta Stöblerin de Manh.
7. Mart. 1669
 
14) M. Febronia Kömlin de Monach.
21. Jun. 1676
 
15) M. Clara Zeuschlin de Monach.
23. Sept. 1704
 
16) M. Candida Schraivogelin
11. Sept. 1715
 
17) M. Rosa Köglin de Monachio
 
18) Candida Schnidin
 
19) Victoria Hueberin, moderna Priorissa
 

§ 210. Die Rev.Priores & Confessores generales sollen in dieser Ordnung gefolget haben:

1) Petrus Alber de Blumenthal      obiit
3. May 1512
2) Stephan. Eemann
10. Jan. 1521
3) Andr. Paumann
1513
   gest.in Maingen ubi & defunctus
4) Joh. Balgmacher, Franco
3. Aug. 1148
 
5) Alto Siver Alto-Monast
4. Junii 1547
 
6) Simpertus Pocksberger, Augustan.
6. Mart. 1568
 
7) Georg Karch, de Kuebacha
17. Apr. 1573
 
8) Andr. Neumaier, de Kuebacha
11. Nov. 1605
 
9) Joh. Günther, Monacens.
23. Julii 1625
 
10) Lucas Bruiers, Juliacens.
22. Mart. 1644
 
11) Joh. Vent, Alto Monast.
8. Octob. 1649
 
12) Joh. Walfisch, Monacens.
23. Mart. 1669
 
13) Sim. Hörman, Alto-Monast.
20. May 1701
 
14) Carol. Schmidthamer, Pfaffenhovens.
29. Mart. 1744
 
15) Jacob Scheckh
 
16) R. P. Clemens G. Schwender
 
17) Simon Boeckh, modernus R. Prior &
Confessor Gen.
 

§ 211. Von diesem Kloster ist mir sonst keine besonders gedruckte Nachricht bekannt, ausser der oft berührte Tract. des R. P. P. SCHECKS; wiewohl ich wünschen möchte, daß er einige Stücke umständlicher ausgeführet, und die Urkunden nebst denen Siegeln hätte beydrucken lassen, da aus dieser Schrift zu ersehen, wie zu Marien-Alto-Münster ein schöner Vorrath von Nachrichten, welche die Birgittiner-Klöster betreffen, vorhanden seyn müsse, womit diese Geschichte noch besser erläutert werden können.