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Wallfahrten gehören
schon seit Jahrhunderten zu den beliebten geistlichen Übungen
der bayerischen Bevölkerung. "Das bairisch Volk … ist
geistlich, schlecht und gerecht, geht, läuft gern kirchferten,
hat auch viel kirchfart." schreibt um 1530 der Geschichts-schreiber
Johannes Thurmair alias Aventinus (aus Abensberg).
07)
Darin spiegeln sich die Verhältnisse
vor der Reformation wieder, denn viele Wallfahrten entstanden im
15. oder zu Beginn des 16. Jh. Zwar hat sich Luther heftig gegen
das Wallfahrts-wesen sowie die Heiligen- und besonders die Marienverehrung
gewandt. Doch im katholisch
gebliebenen wittelsbachischen Baiern führte dies zu keinen
Einbußen. Die Worte Luthers bewirkten eine gegenteilige Reaktion
der bayerischen Herzöge, die im Zuge der Gegenreformation das
Wallfahrtswesen sogar förderten.
In den alten
Unterlagen wird nur selten zwischen Wallfahrten und Bittgängen
bzw. Kreuzgängen unterschieden. Meist werden sie dort "processio"
genannt.
Wallfahrten hatten in der Regel eine Wallfahrtskirche zum
Ziel, die aufgrund einer Wundertat erbaut worden war. Die Menschen
kamen oftmals einzeln mit ihren Gebrechen und Alltagssorgen zu den
Gnadenorten und erhofften sich dort Trost und Hilfe. Oder sie wollten
ein religiöses Gebot, eine Buße oder ein Gelübde
durch eine Wallfahrt zu weit entfernten Orten (Jerusalem, Rom, Santiago)
erfüllen.
Kirchfahrten oder Kreuzgänge werden Prozessionen von
Dorf- und Pfarrgemeinden genannt, die meist zu näher gelegenen
Wallfahrtsorten führten.
Bittgänge sind Prozessionen durch die umliegende Feldflur,
mit denen die Teilnehmer um gutes Wetter und um eine gute Ernte
bitten. Sie finden vorzugsweise in der Bittwoche, um das Fest Christi
Himmelfahrt herum, statt.
Pilgern
Während das Wallfahren eine Art "kollektive Gebärde einer
Kultgemeinde"
ist, bei dem nicht der Weg, sondern das Zeil im Vordergrund steht,
sind es beim Pilgern eher die Begegnungen und Erlebnisse von Einzelreisenden,
die den Reiz der Pilgerfahrt ausmachen. Grund des Pilgerns ist oftmals
auch eine Reise zu sich selbst. 11)
Vor
allem in der Barockzeit waren Wallfahrten beliebt. Da sie für
die Kirche in der Regel finanziell lukrativ waren, richtete man in vielen Pfarreien und vor allem Klöstern Wallfahrten ein. Mittelpunkt
einer solchen Wallfahrt konnte ein Wunder sein oder Reliquien von
Heiligen (Knochen, Gewänder oder Haushaltsgegenstände).
"Die Konkurrenz war hart", erklärte Heimatpfleger
Prof.Dr.Göttler, "wer sich durchsetzen wollte, musste
liefern.
Der Barockmensch neigte dazu, etwas mit der Hand berühren zu
können. Ganz oben in der Hierarchie standen Reliquien, die
direkt mit Christus zu tun haben (z.B. Kreuzesholz). Gleich darunter
kamen Marienwunder, wenn Maria selbst eingegriffen hat" (z.B.
Marienerscheinung). 04)
Wenn Wenn man Pilger aus größerer
Entfernung anziehen wollte, musste man mit einer besonders großen
Menge von Reliquien aufwarten. Am besten von Heiligen, deren Hilfe
besonders begehrt war.
Eine
Wallfahrt war auch immer ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis;
die Pilgerreisen brachten Abwechslung in den Alltag und stärkten
die Gemeinschaft. Sie sollten in Erinnerung bleiben, und man wollte
den Nachbarn und Freunden davon erzählen können. Oftmals
waren sie aber auch mit übermäßigen Zechereien in
den Gasthäusern und Pilgerherbergen verbunden. Zudem klagte
1773 Peter Hehel in seiner Christlichen Glaubenslehr, dass das Wallfahrten
von Jungfrauen und Jungmännnern "fast nie ohne Gefahr
geschehen kan, wegen vilen Umständen und Zufällen, die
sich bey längeren Kirchfahrten ereignen und nicht zu vermeyden
seynd; deren sich der höllische Feind gebraucht, als bester
Gelegenheit, die Unschuld zu verführen". 08)
Und nicht zuletzt fehlten wallfahrende
Ehalten (Gesinde) den Bauern bei der Arbeit. Deshalb waren Wallfahrten
in der Erntezeit nicht gern gesehen. In der von den Jesuiten herausgegebenen
Glaubenslehr von 1737 heißt es dazu: "Kirchfahrten ist
ein heiliges Werck, wanns geschihet: Erstens mit guter unverfälschter
Meynung. Andertens selten, und nur zu seiner bequemlichen Zeit...
und ohne Vernachlässigung ihres Dienstes und Verabsaumung dessen,
was besser ist." 08)
|
aus
Altomünster

Vorderseite

Rückseite
|
An vielen Orten wurden
für die Pilger Wallfahrtsmedaillen oder Wallfahrtsandenken
geprägt. Dies war einerseits ein gutes Geschäft
für die jeweilige Wallfahrtskirche, entsprang andererseits
aber auch dem Bedürfnis der Pilger, mit diesen Medaillen
von der Wallfahrt ein Stück Heiligkeit in die eigenen
vier Wände mitzubringen.
Die Wallfahrtsmedaillen wurden häufig am Hals getragen
und sind deshalb eher als Anhänger zu bezeichnen. Wegen
ihrer Münzähnlichkeit hat sich aber auch für
sie der Begriff Medaille eingebürgert. 09)
Nach Wikipedia soll
der Glaube an die heilkräftige Wirkung so weit gegangen
sein, dass man das Pilgerzeichen zur Heilung auf ein erkranktes
Körperteil auflegte. Ebenso habe man den Kranken Wasser
oder Wein zum Trinken gegeben, in die man das Abzeichen getaucht
hatte.
| Die
Medaillen galten auch als Amulette zur Abwehr des Bösen
und wurden zu diesem Zweck im Haus oder Stall aufgehängt
(zum Schutz des Viehs vor Krankheiten), auf dem Feld vergraben
(für eine gute Ernte) oder an den Rosenkranz gehängt
(zum eigenen Schutz). |

Aufschrift:
Pipinsried St.Wolfgang |
Brauchtumsreferent
Robert
Gasteiger aus Dachau besitzt in seiner volkskundlichen
Sammlung auch einige Wallfahrtsmedaillen aus dem Dachauer
Gebiet. Darunter aus Altomünster, Pipinsried und
Taxa. |
|
aus
Taxa

Vorderseite

Rückseite
|
Viele
der von oben eingerichteten Wallfahrten (z.B. Kloster Indersdorf
in Pipinsried, Albersbach, Straßbach oder in der Klosterkirche)
haben nicht überlebt oder sind unbedeutend geblieben.
Von Dauer waren letztlich vor allem die Wallfahrten, die aus dem
Volk entstanden sind und die durch Mundpropaganda als besonders
hilfreiche Wallfahrtsstätte bezeichnet wurden (z.B. Ainhofen).
Dr.Gerhard Hanke und
Robert Böck haben die Wallfahrten, die die Dachauer Bürger
unternahmen, erforscht und publiziert (siehe Quellen 01),
03).
Sehr
interessant sind die Mirakelbuecher
des Wallfahrtsortes Inchenhofen von 1659
Wallfahrtsorte
für Gläubige aus dem Dachauer Land
Andechs 02)
| Die älteste
Wallfahrt der Dachauer führte nach Andechs (zum
großen Reliquienschatz, Heiltum genannt, darunter auch
den "drei Hosten"). Jedenfalls ist sie schon 1618
in einem Schriftstück der Münchner Hofkammer beschrieben.
Damals wurde sie am 23.August durchgeführt. Veranstalter
war nicht die Pfarrgemeinde, sondern der Markt Dachau. In den
Jahren 1632 und 1634, als Dachau zweimal von den Schweden geplündert
wurde, konnten keine Kreuzgänge oder Wallfahrten durchgeführt
werden. Als die Kriegsereignisse um 1635 eine Wallfahrt nach
Andechs aus Sicherheitsgründen nicht mehr zuließen,
pilgerten die Dachauer ersatzweise zum Kloster Taxa, zum Gnadenbild
Maria Stern. Gleiches geschah 1649, als in Dachau die Pest grassierte;in
den Rechnungsbüchern heißt es dazu: "wegen sterbender
Läuff und uhnvermögenheit halber" wird nicht
auf den heiligen Berg "gewallfahrtet", sondern zu
"Unserer Lieben Frau in das Täxet". Die Wallfahrt
nach Andechs wurde 1636 wieder aufgenommen; von da an fand sie
alljährlich in der Kreuzwoche, um den 3.Mai herum, statt.
|
Wallfahrtsmedaille
von 1700
|
Die Kosten
für diese Wallfahrt (rd. 8 Gulden) wurde von der Pfarrkirchenstiftung
getragen; nach dem 30jährigen Krieg größtenteils
von der Dachauer Marktkammer. Zu den Kosten gehörte auch die
Entlohnung des begleitenden Pfarrers. Meist waren es Kapläne
(Gsellpriester), die dafür 2 Gulden erhielten. 1636 wurden
dem begleitenden Pfarrer von Mitterndorf 3 Gulden bezahlt, "alleweilen
alle Sachen gar teuer". Manchmal nahmen die Geistlichen zu
Pferde an der Wallfahrt teil. Im 17.Jh. erhielten die Fahnenträger
30 Kreuzer, der Kruzifixträger 12-45 Kreuzer und der Vorsänger
2 bis 3 Gulden. Außerdem war in manchen Orten, durch die man
zog, Ein- und Ausläutgeld und in Andechs selbst ein Anzündgeld
für die Wallfahrtskerze zu zahlen. Denn es war üblich,
eine große, prächtig geschmückte Votivkerze mitzubringen,
die in Andechs im Wachsgewölbe ausgestellt wurde. Die 1718
vom Dachauer Maler Joh.Georg Hörmann für 7 Gulden im Auftrag
des Marktes Dachau angefertigte Votivkerze ist noch heute in Andechs
zu bewundern (mit der falschen Jahreszahl 1715). Das förderte
einen Wettstreit der Wallfahrergruppen aus größeren Städten
um die größte und schönste Kerze. Auch Einsbach
hatte schon im 17.Jh. eine große Kerze gestiftet.
Die Wallfahrt
nach Andechs ist schon sehr alt. Sie dürfte schon im 12./13.Jh.
bestanden haben. Ziel dieser Wallfahrt war der "Heilthumschatz".
Unter diesem Begriff wurden die vielen verschiedenen Reliquien zusammengefasst.
Es handelte sich dabei um die Herren-Reliquien, die die Grafen von
Andechs (darunter auch der hl.Rasso) von den Kreuzzügen und
Wallfahrten aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Darunter waren
Kreuzpartikeln, Teile der Dornenkrone Christi, ein Stück vom
Tischtuch des Letzten Abendmahles und viele weitere Erinnerungsstücke
an das Leben und Leiden Christi. Dazu kamen noch Blut- bzw. Gregoriushostien
(Dreihostienmonstranz) sowie das Brautkleid und Brustkreuz der hl.Elisabeth
und ein Kopfreliquiar der hl.Hedwig. Auch ein Stück aus dem
Gewand des hl.Nikolaus und das Siegeskreuz Karls des Großen
gehörten zum Heilthumschatz. Die Reliquien waren in einzelne
Monstranzen aufbewahrt, die den Pilgern vom Fenster der heutigen
Hedwigskapelle aus einzeln gezeigt wurden (Weisung der Heilthümer).
Dazu wurden unterschiedliche Gebete und Litaneien gesprochen und
Lieder gesungen, je nachdem, ob es sich um das Reliquiar eines Heiligen
oder eine Herrenreliquie handelte.
Bekannt sind
Wallfahrten/Kreuzgänge der Pfarreien Dachau und Einsbach.
Grafrath
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Auf
dem Weg nach Andechs liegt Grafrath, wo die Gebeine
des hl. Rasso liegen. Dort machten die Dachauer Wallfahrer
regelmäßig Station, lasen eine Messe und opferten
am Grab von St.Rasso. Die Marktgemeinde Dachau unterhielt
dort eine große Wachskerze im Gewicht von 12 Pfund.
In den Unterlagen des Markts sind immer wieder Kosten für
die Kerzenerneuerungen in Grafrath erwähnt.
Rasso (900-954), nach
der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter,
berühmter Feldherr und unternahm einen erfolgreichen
Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er
nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien
mit und ließ hierfür im heutigen Grafrath ein Benediktinerkloster
bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder
in dieses Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet,
seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt.
Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden heute in Andechs
am Ammersee gezeigt. Festtag: 19.Juni
Das Grab von St.Rasso war das Ziel vieler Wallfahrten, "da
seine heiligen Gebeine große Wunderzeichen vollbringen
Tag und Nacht ohne Unterlass an kranken Menschen, die das
Grab aufsuchen", wie es in einem alten Bericht heißt.
Die Wallfahrt nach Grafrath hatte im Mittelalter und bis in
die Neuzeit großen Zulauf. Aufzeichnungen der Wunder
aus den Jahren 1444 bis 1728 sind erhalten mit 12.131 Einträgen.
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St.Rasso
in Grafrath
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Wallfahrtsmedaille
St.Rasso |
Nach der Erhebung der
Gebeine 1468 wurden sie in einem Hochgrab über dem Bodengrab
wieder beigesetzt.
Beim Bau der heutigen Barockkirche in Grafrath 1688 bis 1695
wurde das Hochgrab wieder abgetragen, die Grabplatte auf den
Boden gelegt und die Gebeine selbst auf den Hochaltar erhoben,
wo sie in einem Glasschrein ruhen. Bis 1778 wurden 17.500
Gebetserhörungen auf Rassos Fürsprache dokumentiert;
sie werden seit 1444 aufgezeichnet. 1867 wurden die Reliquien
von den Räubern der daraufhin berühmt gewordenen
Rasso-Bande entwendet, nur den Kopf ließen sie in der
Kirche zurück. Die andern Gebeine nahmen sie mit und
vergruben sie, nachdem sie den Schmuck abgenommen hatten,
in einem Wald in der Nähe, wo sie später durch Zufall
entdeckt und dann in Augsburg wieder zusammengefügt wurden.
|
Fest des hl.Rasso:
19.Juni
Inchenhofen 06)
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Die Wallfahrt zum hl.
Leonhard in Inchenhofen gilt als älteste und wichtigste
Leonhards-Wallfahrt in Deutschland. Der Aufschwung begann,
als 1283 das Kloster Fürstenfeld die bis dahin noch unbedeutende
Wallfahrt in der kleinen Kapelle übernahm. Es verhalf
ihr binnen weniger Jahrzehnte zu höchster Blüte.
Die Wallfahrt selbst geht auf ein Wunder zurück: 1256
sollen Soldaten Votivgaben in der St.Leonhards-kapelle gestohlen
haben und daraufhin schwachsinnig geworden sein. St.Leonhard
war bis dahin ein nur an wenigen Stellen verehrter französischer
Heiliger, der als Patron der Gefangenen und der (damals ebenfalls
angeketteten) Geisteskranken um Hilfe angerufen wurde. Seine
große Bedeutung als Bauernheiliger erhielt er erst im
16.Jh., als die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten
missdeutet/umgedeutet wurden. Diese Patronatserweiterung gab
der Wallfahrt in Inchenhofen einen großen Schub. Bis
1803 unternahmen 167 Pfarreien eine alljährliche Wallfahrt
nach Inchenhofen. Heute kommen aus etwa 60 Orten die Wallfahrergruppen,
meist zu Fuß, nach "Leachad" , wie Inhenhofen auch
genannt wird. Dabei ist nach wie vor der größte
Wallfahrtstag des ganzen Jahres der Pfingstmontag, an dem
zugleich das Hauptfest der 1659 vom Papst Alexander VII. genehmigten
Erzbruderschaft des hl. Leonhard gefeiert wird.
Der erste Kreuzgang
der Dachauer Pfarrei St.Jakob nach Inchenhofen wurde erst
spät, 1753, durchgeführt, und zwar aufgrund eines
Gelöbnisses der Dachauer Bürgergemeinde anlässlich
einer grassierenden Viehseuche. Man zog mit einer großen
Wachskerze im Wert von 6 Gulden zu St.Leonhard. Im weiteren
zeitlichen Verlauf Inchenhofen nur bei entsprechenden Anlässen
abgehalten. 1753 war dies eine grassierende Viehseuche, 1766
"eine leidige Seuche unter dem Hornvieh", 1780 die
Tierseuche "gelber Schelm" unter Rössern und
Hornvieh in den Nachbargemeinden. Der Kreuzgang sollte ein
Übergreifen der Seuche auf Dachau verhindern. Damals
wurde auch vereinbart, dass die Wallfahrt künftig in
dreijährigem Turnus stattfinden sollte. In den Jahren
dazwischen wollte man nach Sigmertshausen und Webling gehen.
Das wurde nur noch kurze Zeit verwirklicht. Nach 1804 ist
kein Kreuzgang der Dachauer nach Inchenhofen mehr bekannt.
|

Votivgabe
aus Sulzemoos
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Im Mirakelbuch
von Inchenhofen 1659 ist ein Bericht über den Dachauer Stephan
Heigel enthalten, dem im Winter des Jahres 1641, mitten im
30jährigen Krieg, ein zweijähriges Fohlen in einen über
15 m tiefen Brunnen gestürzt war. Man zog das Tier an Seilen
wieder herauf, doch es gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Da versprach
Stephan Heigel dem hl.Leonhard eine hl.Messe sowie eine Gabe in den
Opferstock von Inchenhofen. Bald darauf erwachte das Fohlen und wurde
wieder gesund. Stephan
Heigel wallfahrtete nach Inchenhofen und ließ das Wunder ins
Mirakelbuch eintragen. Der Text lautet: 10)
| |
"Den
22.Febr. ist Stephan Heigel, Burger und Gastgeben zu Dachaw
ein 2 jähriger Foll in einen achthalb Klaffter tieffen
Bronnen gefallen, an welchem als man jhn an Sailen herauffgezogen,
kein Leben zuvermercken war. Der doch nach verlobter H.Meß
und Opffer in Stock allhero bald
wider genesen und zu voriger Gesundheit kommen, wie glaubwürdig
bezeugen Stephan Ortholffer, Wagner und Balthasar Sam, Bawmaister,
neben andern unfehlbar 200 jung unnd alten Personen."
|
1846
wurde die Gegend von Ampermoching von einer verheerenden Rinderseuche
heimgesucht, der "bis auf einige wenige Stück der ganze
Viehbestand zum Opfer fiel". Die Menschen nannten sie damals
"Egelpest". Viele nahmen Zuflucht zum hl. Leonhard, dem
Patron der Haustiere, und gelobten einen jährlichen Bittgang
nach Inchenhofen, dem sich in den Folgejahren auch Gläubige aus
der Umgebung, vor allem aus Sigmertshausen, anschlossen. Und die Ampermochinger
hielten ihr Versprechen rd 100 Jahre lang. Jedenfalls ist im Amperboten
von 1931 zu lesen, dass die Wallfahrt "seither treu gehalten"
worden sei.
Weitere Wunderheilungen durch St.Leonhard für Gläubige aus
der Dachauer Gegend finden
Sie hier...
Inhausen
Die Kirche
in Inhausen besitzt das Patrozinium Mariä Himmelfahrt.
Man nimmt an, dass schon beim Bau der Kirche, um 1450, eine
Marienwallfahrt bestand. Sicher nachweisbar ist die Wallfahrt
ab der zweiten Hälfte des 17. Jh. Dies bestätigen
auch die Kirchenrechnungen ab 1694 bis 1756, wo mit wenigen
Ausnahmen Wallfahrten verzeichnet sind. So schrieb 1660 der
Haimhauser Pfarrer Johann Krauthofer (1656-1666) an das Fürstbischöfliche
Ordinariat in Freising, dass sich auf dem Choraltar zu Inhausen
eine Liebfrauenstatue befinde, die schon seit etlichen Jahren
von Personen hohen und niederen Stands aus der näheren
und weiteren Umgebung als wundertätiges Bild [miraculos
bilt] verehrt" werde.
Zu diesem Personenkreis habe auch der verstorbene (Haimhauser)
Graf Johann Albrecht gehört, zu dessen Andenken der Sohn
Franz Albrecht zu den neuen Altären 600 Gulden gestiftet
habe.
Bei einem florierenden Wallfahrtsbetrieb wäre die Wortwahl
bei der Schilderung erheblich euphorischer ausgefallen. Immerhin
hat die Wallfahrt 1637/38, mitten im Dreißigjährigen
Krieg, 66 Gulden im Jahr an Spenden (Opferstockgefälle)
eingebracht. Dies war ein recht ansehnlicher Betrag.
Im Jahr 1712 verlieh Papst Clemens XI. der Kirche in Inhausen
zum Fest Mariä Himmelfahrt einen vollkommenen Ablass für
die Dauer von 7 Jahren, der die Wallfahrt zumindest am 15.August
stärkte.
Mitte des 19.Jh. dürfte die Wallfahrt nicht mehr existent
gewesen sein, weil man das Gnadenbild durch eine neue Figur
im Stil des Historismus ersetzt und das alte Gnadenbild nicht
aufgehoben hat. Es gilt als verschollen. |
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Mariabrunn
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Im Juli des Jahres 1662
arbeitete der Mochinger Bauer Stephan Schlairboeck im Wald
beim heutigen Mariabrunn. Als er Durst bekam und nach Wasser
suchte, habe er dort "ein kleines Läckl vorgefunden".
Nachdem er einen Monat lang davon getrunken hatte, ist sein
schmerzhafter Bruch, den er seit 18 Jahren hatte, "von der
Größe eines Huts auf die Größe einer
Faust zusammengeschrumpft und hinweg gefallen". Aus Dankbarkeit
brachte er bei der Quelle ein Marienbild an.
Auch andere Personen haben Wasser nach Hause getragen und
man sagt, ihnen sei geholfen worden. Dies wird als Beginn
der Wallfahrt angesehen. Schon ein Jahr später wird von 1000
Personen berichtet, die den Brunnen aufsuchten und von 100
Gulden, die sich im inzwischen aufgestellten Opferstock befanden.
Das Wasser habe vor allem Personen geheilt, die "Augenverletzungen,
Leibschäden und verkrümmten Füße" hatten. Schon bald wurde
ein großer Badebetrieb eingerichtet, der unter der Doktorbäurin
Amalie Hohenester sogar Weltruf erreichte.
Daneben florierte der Wallfahrtsbetrieb. Die
Dachauer kamen jedenfalls in den Jahren 1693-1698 sechsmal
hierher, zur Abwendung der "Hochgewitter" hieß
es. Dazu kamen natürlich die Ampermochinger und viele
Privatwallfahrer.
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Mitterndorf
Die Wallfahrt nach Mitterndorf war eine Marienwallfahrt.
Gnadenfigur war eine Muttergottesfigur, die heute an der Stelle
des linken Seienaltars steht. Über die Dauer und die
Größe des Wallfahrtsbetriebs ist mir nichts bekannt.
Die
Holzplastik aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt
Maria thronend, mit einer Krone auf dem Haupt, als "zweite
Eva''. Mit dem rechten Arm trägt sie das Jesuskind, das in
seiner rechten Hand eine Traube hält, während es mit der linken
Hand nach dem auf den Sündenfall im Paradies bezogenen Apfel
greift, den ihm seine Mutter zeigt. Die Geste symbolisiert
seine Bereitschaft zum Erlösungswerk. Die Muttergottes von
Mitterndorf war in den Jahren 1626, 1636 und 1648, also während
des Dreißigjährigen Krieges, das Ziel von Kreuzgängen der
Marktgemeinde Dachau und von Ampermoching.
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Münchner Frauenkirche
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Die
Dachauer nahmen am 18.Juni 1780 am "St.Benno Translations
Jubelfest" teil. 200 Jahre vorher waren die Gebeine Bennos
feierlich die Frauenkirche überführt worden.
Die Frauenkirche war damals noch nicht Dom/Bischofskirche,
sondern Stifts- und Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau. Dort
war nicht Maria das Ziel der Wallfahrt, sondern die Gebeine
des hl.Benno, des Stadtpatrons Münchens.
Benno
war von 1066 bis 1106 Bischof von Meißen, also zur Zeit
des Investiturstreits. In diese Zeit fällt der berühmte
Gang von König Heinrich IV. nach Cannossa. Benno wurde
in den Streit zwischen Kaiser und Papst hineingezogen, wurde
mehrfach abgesetzt, exkommunziert und wieder eingesetzt. Als
er 94jährig starb, hat man ihn im Dom zu Meißen
bestattet. 400 Jahre später wurde er am 31. Mai 1523
durch Papst Hadrian VI. als "Apostel der Wenden"
heiliggesprochen.
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Bild Wikipedia
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Luther sah darin den Versuch, der Ausbreitung der Reformation in
Sachsen entgegenzuwirken, und schrieb die Streit-schrift "Wider
den Abgott und Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden".
1539 wurde die Reformation in Sachsen eingeführt. Bennos Grab
wurde aufgebrochen. Seine Gebeine sollten in die Elbe geworfen werden;
doch man hatte sie angeblich bereits vorher aus dem Sarg entfernt.
Mit einem Echtheitszertifikat versehen wurden sie 1576 nach Bayern
überführt und 1580 in der Frauenkirche in München
beigesetzt.
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Titel:
"Warhaffte
Beschreibung etlich, sonderbarer Wunderzeichen vnd Genaden,
so Gott der Allmächtig durch Fürbitt deß H. Bischoffe Bennonis
Anno 1606.
vnd 7. Jar, im Fürstl. Stifft bey vnser lieben Frawen,
der Hauptstatt München gewürcket"; herausgegeben 1608
|
Der Kreuzgang der Dachauer
an dieser 200-Jahres-Feier in München wurde etwas getrübt
vom Verhalten des Chefs der Mission. Der Dachauer Marktschreiber
Ignaz Steyrer berichtet dazu in der Marktkammerrechnung, Pfarrer
Franz Felix Sigler habe sich nicht nur alle religiösen
Verrichtungen während der Wallfahrt, sondern auch die
weit überhöhten Lebenshaltungs- und Bekleidungskosten
in München bezahlen lassen. Er schreibt: ... er "habe
sich, um sich allenthalben im Glanz und als ein äusserlicher
Seelen-Eyferer zu zeigen, so kostbar angerichtet, daß
man wahrhaftig nicht zur Ehre unseres großen heil. Benno,
sondern lediglich, damit der Sigler, mit einem ganz Ornat-Goldstück
angethan, seinen Hoffahrtsgeist erlustigen nkonnte; wie er
dann von eitler Aufgeblasenheit strotzend, den Sitz nach schon
geschehener Absingung des Hymnus gloria noch nicht verlassen
wollte, sondern zum endlichen Aufstehen gemahnt werden musste".
Daraufhin hat man in
Dachau die vom Markt zu tragenden Kosten begrenzt: bei künftigen
Kreuzgängen nach München sollte der Herr Pfarrer
nur 3 Gulden bekommen und auch das nur unter der Bedingung,
dass er oder sein Vertreter sich nicht von der Wallfahrt entfernt
und in der Münchner Frauenkirche das Messopfer für
die Kreuzgänger feiert. Die Mesnerfamilie sollte für
das Aus- und Einläuten der Wallfahrer bei Weggang und
Rückkehr 36 kr, für das Begleiten des Kreuzgangs
1 Gulden erhalten. Auch für Schullehrer und Kruzifixträger
waren je 1 Gulden vorgesehen, für den Fahnenträger
1 Gulden 30 Kreuzer, den Vorgeher 36 Kreuzer und schließlich
als Spende für den Opferstock in München ebenfalls
36 Kreuzer.
Wie bei anderen Wallfahrtsorten
auch, wurden in München die Gebetserhörungen und
Wunder in Mirakelbüchern aufgeschrieben (s.Bild links).
Dem
in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg aufbewahrten Mirakelverzeichnis
(= Aufzeichnung der Wunder) der Bennowallfahrt
ist zu entnehmen, dass Haimhauser Pilger schon Anfang des
17.Jh. die Hilfe des Heiligen gesucht und gefunden haben.
1606 wurde die 15jährige Tochter des Haimhauser Schneiders
Hans Zollner von der "fallenden Krankheit" (Epilepsie)
befreit. Als sie in der Kirche von Hohemberg einen Anfall
hatte und beinahe starb, verlobte sich der Vater dem Hl.Benno;
sofort kehrte das Mädchen wieder ins Leben zurück
und war für mindestens die nächsten 2 Jahre geheilt
(Eintrag ins Mirakelbuch nach 2 Jahren).
|
Noch
interessant:
Hans Hipp schreibt in seinem Buch Wachs
zwischen Himmel und Erde 12),
dass "in
der Bennokapelle der Frauenkirche zwei lebensgroße, sicherlich
portraitgerecht gearbeitete Wachsfiguren erhalten sind. Die beiden
jugendlichen Prinzen, in spanischer Tracht auf Kissen kniend, stellen
einen besonderen Schatz religiöser, barocker Frömmigkeitgeschichte
dar. Anlass für ihr Entstehen war der Umstand, dass der bis dahin
kinderlose Kurfürst Maximilian im Alter von 63 Jahren und noch
einmal im Alter von 65 Jahren in zweiter Ehe doch noch Vater geworden
war. Aus Dankbarkeit ließ er seine beiden Söhne Ferdinand
Maria (geb. 31. Oktober 1636) und Maximilian Hieronymus Phillip (geb.
30. September 1638) vermutlich von dem Wachsbildner und Hofbildhauer
Alessandro Abbondio in Lebensgröße portraitgerecht anfertigen.
Der bayerische Herrscher führte den späten Kindersegen auf
die Führbitten des Heiligen Benno zurück, weshalb die Wachsprinzen
1644 unter dem Bennobogen in der Vierung der Frauenkirche aufgestellt
wurden."
Kreuzgänge
zu St.Benno in der Frauenkirche wurden von den Pfarreien Dachau
und Einsbach durchgeführt.
Neufahrn
St.Kümmernis
05)
Eine weitere Wallfahrt führte -ebenfalls schon vor dem
30jährigen Krieg- nach Neufahrn bei Freising zur hl.Wilgefortis
(St.Kümmernis), jeweils am Pfingstdienstag über Ottershausen
und Inhausen.
St.Kümmernis war eine fiktive Heilige, die ihre Existenz
einer Verwechslung verdankte. Man glaubte in einem Bildnis des
gekreuzigten Christus mit Tunika eine andere Heilige zu erkennen.
Die Besonderheit von Wilgefortis war der Bart, der ihr der Legende
nach gewachsen sein soll, damit sie für Männer nicht
mehr attraktiv war. Als Wilgefortis wurde sie 1583/86 ins Martyrologium
Romanum aufgenommen, inzwischen aber wieder gelöscht. St.
Kümmernis wurde von Frauen und Männern angerufen:
in Liebesangelegenheiten, bei Beziehungs-problemen, Familienzwist,
Sorgen um Fruchtbarkeit in Haus und Hof oder bei Krankheiten
(spezifisch Frauenkrankheiten).
Von Männern wurde sie zusätzlich bei Kriegsgefahr
und Gefangenschaft um Fürbitte gebeten. Die ersten Nachweise
stammen aus den Jahren 1626-29. In den Kriegs- und Pestjahren
1632, 1634 und 1649 fiel die Wallfahrt aus. In allen übrigen
fast 150 Jahren bis 1786 aber gingen die Dachauer nach Neufahrn,
das aber von der Besucherzahl nur ein kleiner Wallfahrtsort
war. Im 18.Jh. kamen immerhin 60 Bittprozessionen im Jahr dorthin. |
St.Wilgefortis
bzw. St.Kümmernis am Kreuz
|
Pipinsried
|
Am
5.Mai 1613 begaben sich mehrere Pipinsrieder zur Feier der
Translation des hl.Wolfgang nach Regensburg, von wo sie papierene
Bildnisse des hl.Wolfgang nach Hause mitnahmen. Einer dieser
Wallfahrer habe, wird erzählt, "ein solches Bildniß
in die Höhlung eines Baumes eingesetzt". Als der
Baum nach Jahren gefällt wurde, fiel das Papierbild heraus
und wurde auf den Altar der Pfarrkirche gelegt.
Aber des anderen Tages hat man das Bild nicht mehr auf dem
Altar, sondern wieder auf dem Stock des umgehauenen Baumes
gefunden. Dieser wundersame Vorgang wiederholte sich noch
zwei bis drei Mal.
Das erregte großes Aufsehen im Volk, zumal der Finder
des Bildes verkündete, er habe nach Anrufung des hl.
Wolfgang Hilfe bei seinem langjährigen körperlichen
Leiden gefunden. Man fügte das Bild
in die Vertiefung einer hölzernen Säule ein, die
an der Stelle der heutigen Kirche aufgestellt worden war.
So erhielt das Bild den
Namen bei "St.Wolfgang in der hl.Saul" (s.Bild rechts).
Die nun entstehende kleine Wallfahrt brachte soviel Geld ein,
dass 1637 eine hölzernen Kapelle und im Jahr 1693 sogar
ein stattliches steinernes Kirchlein gebaut werden konnte.
Die Wallfahrt wurde intensiv von den Indersdorfer Mönchen
gefördert, die sich davon nicht nur geistlichen, sondern
auch materiellen Gewinn versprachen. Trotz
dieser Unterstützung von oben entwickelte sich die Wallfahrt
nicht so gut wie z.B. in Ainhofen, Taxa oder gar Inchenhofen.
Sie erreichte nur regionale Bedeutung. Überliefert sind
Wallfahrten und Bittgänge aus 16 Pfarreien, darunter
aus Indersdorf, Langenpettenbach, Westerholzhausen, Altomünster,
Tandern, Hilgertshausen und Randelsried.
Eine Fördermethode von Indersdorf war die Einladung an
hochgestellte Persönlichkeiten zu einer Wallfahrt nach
Pipinsried. Es
kamen z.B. am 12.8.1656 die in Schloss Schleißheim wohnende
Kurfürstin Maria Anna, die Witwe von Kurfürst Maximilian
I. und Tochter von Kaiser Ferdinand II. in Wien und bat den
Heiligen um Hilfe. Nach Pipinsried wallfahrtete am 10.Mai
1660 auch die aus Savoyen stammende 24jährige Kurfürstin
Adelheid Henriette (1636-1676), die Frau des seit 1651 regierenden
Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern (1636-1679). Mirakelbücher
haben sich leider nicht mehr erhalten. Doch Prof.Liebhart
weiß, dass es zwischen 1734 bis 1773 im Durchschnitt
pro Jahr zu 29 Gebetserhörungen oder "Wunder" kam.
Der in Pipinsried verehrte St.Wolfgang wurde meist mit einem
Beil dargestellt. Denn auf der Suche nach einem Ort, an dem
er seine Einsiedlerkapelle bauen konnte, warf er am Wolfgangsee
von einem Berg aus sein Beil nach unten. Dort wo es steckenblieb,
errichtete er den Bau.
Hierher nach Pipinsried kamen die Gläubigen vor allem
wegen Fuß- und Handleiden. Dies legen jedenfalls die
Votivgaben nahe, die noch heute in der Kapelle aufbewahrt
werden (Holzfüße, Holzhände und Krücken).
Die Wallfahrer konnten -wie auch an anderen Wallfahrtsorten-
Medaillen als Andenken an die Wallfahrt erwerben. In Pipinsried
hatte die Medaille die Form eines Beiles (s. Bild rechts).
Das war außergewöhnlich.
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St.Wolfgang
in der hl. Saul

Aufschrift:
Pipinsried St.Wolfgang
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Altomünster
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Nach
Altomünster kamen die Menschen vor allem wegen der umfangreichen
Reliquiensammlung. Denn
der Reichtum eines Klosters des Mittelalters bestand nicht
nur in seinem Grundbesitz und seinen Rechten, sondern auch
aus vielen Reliquien, die von den Gläubigen der Region
und von Wallfahrern verehrt wurden. Solche Wallfahrten und
Bittgänge haben zur Verbesserung der Einkommenssituation
des Klosters beigetragen. In Altomünster verehrte man
(teilw.zu unterschiedlichen Zeiten):
- von Klostergründer St.Alto
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die
Hirnschale,
sein Rodungsmesser,
zwei Bücher (heute in der Staatsbibliothek)
sonstige Gebeine
den berühmten Altokelch (später bei der Säkularisation
eingeschmolzen) |
- von der hl. Birgitta
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ein
"großes Röhrenstück" der Gebeine
einen schwarzen Ärmel ihres Rockes
ein Stück ihres Tisches
ein Agnus Dei, das Birgitta am Hals getragen hat
eine Trinkschale und den Wanderstab. |
- von St.Catharina,
der Tochter von Birgitta, ein "Beinlein wohl ein Spann
lang"
- weitere Reliquien
im Kloster
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ein
Kreuz, das Kaiser Karl IV. 1356 dem Kloster geschenkt
hat
sieben "Heilige Leiber", die hinter den Altarbildern
angebracht sind
eine am Original berührte Kopie des Turiner Leichentuchs
drei Kreuzpartikeln,
zwei Dornen aus der Dornenkrone Christi
Haare von der Gottesmutter Maria
heilkräftiges Wasser aus der von St.Alto wundersam
erweckten Quelle |
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Hirnschale
von St.Alto
St.Alto
St.Birgitta
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Rothschwaige
und Allach
| Ebenfalls
jährlich und zwar am Freitag vor oder nach Pfingsten unternahm
man einen Kreuzgang zum "Heiligen Kreuz im Moos" bei
Allach, "zur Abwendtung allerley Suchten" wie es hieß.
Der erste Kreuzgang fand am 3.Juli 1683 statt, als die Türken
Wien belagerten und die Pest letztmals Bayern heimsuchte. Doch
nicht diese Plagen, sondern die Bitte um Abwendung von Viehseuchen
war offfizieller Anlass des Kreuzgangs. Die Prozession zog zur
Rothschwaige und weiter zur Kapelle mit dem "guttätigen
Kreuzbild auf dem Moos" bei Allach. Dieser Kreuzgang wurde
zum festen alljährlichen Brauch. Nachdem das Kreuzbild
1794 wegen Abriss der Kapelle in die Pfarrkirche von Allach
gebracht worden war, wurde die Wallfahrt geteilt: Am Pfingst-dienstag
nach Allach, am Freitag nach Christi Himmelfahrt in die Rothschwaige.
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Rothschwaige
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1803, bei der Säkularisation,
wurde die Rothschwaigkapelle abgetragen. Auch der Kreuzgang nach
Allach wurde eingestellt. Dazwischen gab es in den Hungerjahren
1770-1772 (drei verheerende Missernten) an 19 Dienstagen "zur
Erbittung einer gesegneten Ernte" und "zur Abwandlung
der andauernden Hungersnot" Kreuzgänge zur Rothschwaigkapelle.
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Straßbach
Straßbach ist eine Filialkirche des Klosters Indersdorf,
wo besonders die heilige Ottilia verehrt wird, die vor allem
wegen Augen-, Ohren- und Kopfleiden um Hilfe angerufen wurde.
Die um 660 geborene Odilia war eine Tochter des Herzogs Athich
aus dem Elsass. Sie gründete 690 das später nach
ihr benannte Kloster Odilienberg als Augustiner-Chorfrauenstift
und stand ihm als Äbtissin vor. Die Legende berich-tet,
dass der Vater seine blind geborene Tochter Odilia töten
lassen wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte.
Odilia wurde das Augenlicht wieder geschenkt, als der durch
einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg
sie taufte. St.Ottilie widmete sich in ihrem Leben der Fürsorge
der Armen und Kranken. Sicher nachweisbar ist in Straßbach
das Siechenhaus seit dem Jahre 1435, wo die Leprakranken fernab
der Ortschaft untergebracht waren. Ottilia ist Patronin der
Blinden und der Winzer (wegen ihrer Heimat Elsass).
Der Sorge um die Kranken
und Armen widmete sich seit 1435 auch das Siechenhaus in Straßbach,
das vom Kloster Indersdorf in sicherer Entfernung eine Leprastation
eingerichtet worden war
Straßbach war das Ziel von Bittgängen aus verschiedenen
Pfarreien. So wallfahrteten Ende des 18.Jh die Pfarrgemeinden
Ampermoching (am Tag des heiligen Medardus - 8.Juni), Weichs,
Vierkirchen, Röhrmoos, Hebertshausen, Pellheim, Niederroth,
Rumeltshausen, Kreuzholzhausen, Schwabhausen, Oberroth, Oberbachern
(Mittwoch der Pfingstwoche) Arnbach, Hirtlbach, Westernholzhausen
und Indersdorf alljährlich nach Straßbach.
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St.Ottilia
in Straßbach
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Kloster
Taxa
Als die Kriegsereignisse
um 1635 eine Wallfahrt nach Andechs aus Sicher-heitsgründen
nicht mehr zuließen, pilgerten die Dachauer ersatzweise
zum Kloster Taxa, zum Gnadenbild Maria Stern. Gleiches geschah
1649, als in Dachau die Pest grassierte;in den Rechnungsbüchern
heißt es dazu: "wegen sterbender Läuff und uhnvermögenheit
halber" wird nicht auf den heiligen Berg "gewallfahrtet",
sondern zu "Unserer Lieben Frau in das Täxet".
04) 1683, im Jahr der
Türkenbelagerung von Wien, unternahmen sie "wegen
Abwendung der Vichsucht" erneut einen Kreuzgang nach Taxa.
Ab 1695 wurde daraus eine jährliche Wallfahrt, jeweils
um den 10.Juli herum. Grund war die Bitte zur Erhaltung der
Feldfrüchte, Roß und Vieh. Nur 1698 (aus mir unbekannten
Gründen) und 1704 (wegen des Spanischen Erbfolgekriegs)
fiel sie aus. Die Wallfahrt bestand bis zum Abriss des Klosters
Taxa im Jahr 1803. |
Kloster Taxa
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Wallfahrtsmedaillen
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Die Wallfahrt
zum Kloster Taxa war in erster Linie eine Marienwallfahrt. Doch
in der Klosterkirche befand sich auch eine Kreuzreliquie, die
viele Pilger anzog. Die Kirche hatte sogar beide Patrozinien:
der Altarraum war St.Maria, das Kirchenschiff dem hl.Kreuz geweiht.
Hauptanziehungspunkt war aber die Muttergottesfigur mit Kind,
die von einer sternförmigen Aureole umgeben war. Die Wallfahrt
war ja entstanden, weil 1618 ein Hühnerei mit dem Relief
eines Strahlenkranzes gefunden worden war. Zudem glaubte man,
darin auch noch einen Frauenkopf zu erkennen. Im 18.Jh wallfahrteten
bis zu 60.000 Pilger alljährlich nach Taxa. Es war damals
-noch vor Altötting- die größte Marienwallfahrt
Bayerns. |
Die meisten kamen wegen akuter
oder überstandener Krankheiten, Gefahren und Schäden aller
Art. Viehseuchen sind seltener verzeichnet; zweimal ist von einer
Hühnerkrankheit die Rede. "Die Wallfahrt in Taxa, so schrieb
Hans Grassl, war über den Petersberg und Altomünster hinaus
das eigentliche geistliche Zentrum des Dachauer Hinterlands, wirklich
der Ort, an dem sich das bäuerliche und monastische Leben (Mönchsleben)
am innigsten berührten". Die wohl dreischiffige Kirche mit ihren
13 Altären war größer als die Kirche im Kloster Indersdorf.
Aus dem
Mirakelbuch aus Taxa ist das Versprechen der Dachauer Gemeinde bekannt:
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Am
14 Juni 1666 kam die Gemein von Dachau wegen ihren krancken
Vieh, welches sehr umgestanden ist, mit einer Kirchfahrt vnd
(einem) Creutzgang nach Taxa. Dachau hatte in diesem
Jahr so sehr an der Ybergail (= Rinderpest) gelitten, daß
man solches (Rinder) gantz eingraben muessen. Eine Häufung
derartiger Verlöbnisse fällt im Landgericht Dachau
in den Jahren 1690 1707/08, 1736 und 1746 besonders auf. Aber
auch bei Erkrankung einzelner Pferde und Rinder nahmen die Bauern
ihre Zuflucht zu Maria Stern. |
Herzogspitalkirche in München
Für die um 1570 gebaute Kirche beim "Herzogspital" in
München schuf der Münchner Bildhauer Tobias Bader 1651 ein großes
Kruzifix mit einer darunter stehenden Statue der Schmerzhaften Muttergottes.
Rd. 40 Jahre später beobachtete die zehnjährige Maria Franziska
Juliana Schott während des Litaneigebets, dass die Schmerzhafte
Muttergottes ihre Augen bald nach oben zum gekreuzigten Christus,
bald nach unten auf die Erden, bald auf beide Seiten und "zum
Kripplein gar anmüthig und kläglich gewendet" hat. Das Wunder soll
sich, wie auch andere Kirchenbesucher bestätigten, am folgenden
Tag wiederholt haben. Dieses Ereignis und die daraufhin geschehenen
Gebetserhörungen und Krankenheilungen veranlassten das Ordinariat
in Freising zu einer Untersuchung. Mit Urkunde vom 6. April 1692
bestätigte Fürstbischof Joseph Clemens den Vorgang als,Wunder" und
empfahl den Gläubigen die Verehrung der Muttergottes in diesem Gnadenbild.
Die Wallfahrt war nun offziell eingerichtet und blühte auf.
Zeitgenössische Quellen berichten, daß von 1690 bis 1695 in
der Herzogspitalkirche 56.000 heilige Messen gelesen wurden und
die Zahl der Spenden so groß war, dass von den gestifteten Votivtafeln
das ganze Innere der Kirche überdeckt wurde. " 1696 erschien das
erste Mirakelbuch im Druck. Ein weiteres Buch von 1750 enthielt
400 Heilungsberichte aus den Jahren 1696 bis 1729.
Weitere Wallfahrten bzw.
Kreuzgänge
Weitere Wallfahrten bzw. Kreuzgänge der Dachauer
wurden nur sporadisch organisiert oder bestanden nur für kurze
Zeit. Zum Beispiel nach Etzenhausen (am Markustag 25.April)
und Günding, Bergkirchen, Sickertshofen,
Schönbrunn (St.Katharinen-Kirche), Weyhern, Puch
(am Bennofest 16.Juni), Niederroth, Kreuzholzhausen
(am Kreuzauffindungstag 3.Mai und am Kreuzerhöhungstag 14.Sept.),
Prittlbach, Mitterndorf, Altomünster und
Aufkirchen. Im Kriegsjahr 1704 unternahm die Bürgerschaft
Dachau eine Extrawallfahrt nach München in die Theatinerkirche
zum hl.Kajetan, damit "die schon allgemach herbeynahente feindtliche
Einfähl, Sengen und Prennen von unserm Markht und Gegent mechte
gnediglich abgewendt" werden. Im Hungerjahr 1772 zog man aus
Dachau nach Webling und legte dort einen Gulden in den Opferstock
ein.
Die Rosenkranzbruderschaft ging nach Ampermoching (1644)
und nach Indersdorf (1671). Lange Zeit war die Franziskus-Klause
in Schleißheim das Ziel am 2.August, dem Portiunkulafest.
Besonders prunkvoll war die Wallfahrt nach Maria-Hilf in der Au
nach dem 30jährigen Krieg.
01)
Einzelwallfahrten
Auch über Einzelwallfahrten zu entfernten Zielen gibt es ein
paar Aufzeichnungen, weil die Wallfahrer dazu einen Pass benötigten.
So wallfahrtete der Bäckermeister Paul Reißer 1775 nach
Rom und der Hufschmiedsohn Joh.Wimmer nach Maria Einsiedeln in der
Schweiz. Und nicht zuletzt geben die noch erhaltenen Mirakelbücher
der Wallfahrtsorte Auskunft über Heilungen, die Gläubige
nach Anrufungen der jeweiligen Heiligen in Notsituation erfahren
haben. Die Gläubigen wallfahrteten danach noch einmal oder
erstmals an den Wallfahrtsort und gaben die mirakulösen Heilungen
zu Protokoll. Erst die Eintragung ins Mirakelbuch garantierte nach
Meinung der Leute den dauerhaften Bestand der Wunderheilung. 12)
Mirakelbücher aus Inchenhofen,
Taxa und München/St.Benno
Ende der Kreuzgänge
In der Zeit der Aufklärung, gegen
Ende des 18.Jh., nahm die Zahl der Wallfahrer ab. Im Jahr 1800 beklagte
sich der Dachauer Pfarrer Joseph Stöger, dass sich fast nur
Kinder und junge Leute beteiligten, nicht aber Hausväter. Das
Kloster Andechs habe sich geweigert, die Marktfuhre, die die Prozession
begleitete, über Nacht zu behalten. Der Magistrat beschloss
deshalb am 25.April 1800, den Kreuzgang nach Andechs einzustellen.
Die Wallfahrt war nun Privatsache. Lediglich das Aus- und Heimläuten
wurde den Wallfahrern zugestanden.
Mit kurfürstlicher Verordnung vom 4.12.1801 wurden diese
Bittgänge/Wallfahrten wegen "Müßiggang« verboten.
Aufgrund dieser Anordnung entstanden im darauffolgenden Jahre 1802
Unruhen, die das Gepräge eines Aufruhrs hatten. Die Pfarrer
hielten sich an das Verbot und setzten die Kreuzgänge ab. Das
erzürnte so manche begeisterte Wallfahrer so, dass sie die
Pfarrer fast mißhandelten und mit Grobheiten überhäuften.
Pfarrer Hueter (1786-1814) von Niederroth beschrieb in seiner Pfarrei-Chronik
auf den Seiten 180-183 mehrere Vorfälle:
Manche
Gemeinden bemächtigten sich der Kirchenschlüssel, nahmen
die Fahnen mit Gewalt aus den Kirchen, und unter dem Geläute
der Glocken verrichteten sie ohne Priester ihre Kreuzgänge.
Dies tat die Pfarrgemeinde von Pellheim am sogenannten Schauerfreitage.
Man hörte sie schon von weitem plärren. Während ich
(Pfr. Hueter) die Messe las, zogen sie hier durch nach Weyhern,
wo sie die Kirche gesperrt fanden, und also mit der langen Nase
abziehen mußten.
Am
nämlichen Tage gingen auch die Sigmertshauser abends mit dem
Kreuz um die Felder und hatten bei ihrem vermeinten Gebete
ein solches Geschrei, daß ich es in meinem Zimmer hörte...
Die
widerspenstigen Gemeinden bekamen, sobald ihr Vergehen am rechten
Orte kundbar wurde, auf der Stelle eine Exekution von
einigen Soldaten, welches aber noch keinen Eindruck machte, bis
endlich ganze Kompanien auf Exeklution ausgeschickt wurden,
wie dieses in unserer Nachbarschaft Niederroth nur gar zu empfindlich
erfahren hatte.
Die
Oberrother verrichteten den 20. Mai 1802 ungeachtet aller Vorstellungen
ihres Pfarrers, den Kreuzgang um die Felder, wie sie
ihn vormals gewöhnlich verrichtet hatten. Bald nachher rückten
bei der Nacht um 12 Uhr 300 Soldaten auf Exekution im Dorfe
ein. Nebst der Kost und dem Trunk mußten sie jeden Mann 1
Gulden geben, welches ihnen Kosten von mehr als 400 Gulden
verursachte. Da dieses (finanzielle) Unglück mehrere
Ortschaften getroffen hatte, so nahmen dergleichen Unfüge auf
einmal ein Ende....
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