Kirchen und Kapellen im Dachauer Land            Kirchen i.d.Marktgem. Altomünster

Marienkapelle in ÜBELMANNA



Navi-Adresse: 85250 Altomünster, Übelmanna 1 (100 Meter entfernt)
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Der aus 4 Höfen und 3 weiteren Anwesen bestehende Weiler Übelmanna wurde urkundlich erstmals im Jahr 1260 als "ze den ubelen Mannen" (Bedeutung: üble Männer ?) im Urbar des Klosters Altomünster genannt. Über die Herkunft des Namens gibt es viele Sagen.
Bis 1803 war das Kloster Grundherr des Ortes.

Die Ortschaft Übelmanna gehört kirchlich zur Filiale Oberzeitlbach der Pfarrei Altomünster und damit zum Bistum München und Freising. Politisch war Übelmanna von 1818 bis 1978 Teil der Gemeinde Hohenzell. Im Jahr 1876 lebten hier 32 Einwohner, 6 Pferde und 51 Rinder.

Die kleine Kapelle, die der Muttergottes geweiht ist, liegt am östlichen Dorfrand. Pfarrer Bachbauer erklärt sich ihre abseitige Lage damit, dass für die Erbauer etwas Abstand vom Leben nötig war, um zu beten. Sich loslösen und zu sammeln, sei die Grundlage zum Gebet und dazu sei immer ein Stück Weg zu Gott zurückzulegen.


Altarinschrift: 1677 (1000+500+100+50+10+10+5+1+1)

Über die Geschichte der Kapelle ist kaum etwas bekannt. Möglicherweise wurde sie 1677 erbaut; jedenfalls ist diese Jahreszahl am unteren Ende des Altars zu sehen. 

Immerhin wurde die Kapelle sogar im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern genannt, das von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es: "Kapelle. Auf dem Altar zwei flache, bemalte Holzfiguren um 1500. Brustbilder zweier gekrönter Heiligen. H. 34 und 35 cm.

Aus weiteren Jahreszahlen über der Mittelnische des Altars schließt man, dass die Kapelle 1868 und 1912 erneuert wurde.  Die letzte Renovierung fand 1999 bis 2002 unter starker finanzieller und handwerklicher Beteiligung der Ortsbewohner statt. Am 22.September 2002 wurde die Kapelle mit einem Festgottesdienst und einer großen Feier wieder ihrer Bestimmung übergeben.

Im Turm hängt eine Glocke. Sie musste 1942 zwar abgeliefert werden, blieb aber vom Einschmelzen verschont und kam nach dem Krieg unbeschadet zurück. 

Auf dem frisch renovierten Altar mit einem Säulenaufbau und einem flachen Segmentbogen steht eine Muttergottesfigur. Die bekrönte Maria hält in der rechten Hand ein Zepter und auf dem linken Arm das Jesuskind.
Zu ihren Füßen knien andächtig zwei kleine Engelsfiguren, zwei weitere außerhalb der mit einem korinthischen Kapitell geschmückten Säulen.
Anstelle von Assistenzfiguren sind zwei Engelbilder an die Altarwand gemalt.

Im Jahr 1895 enthielt die Kapelle noch zwei Holzfiguren aus der Zeit um 1500; sie sind heute leider nicht mehr vorhanden.

Vergrößerung des Altars
Vergrößerung des Altars per Mouseklick

Eine interessante Regelung wurde in Übelmanna für den Mesnerdienst getroffen. Jedes Jahr übt eine andere der insgesamt sieben Familien dieses Ehrenamt aus. Schlüsselübergabe ist jeweils am Lichtmesstag (2.Februar).

Im Jahr 2015 renovierten die Einwohner des Dorfes in Eigenleistung die Kapelle. In 87 Arbeitsstunden wuschen sie das Dach, besserten das Mauerwerk und die Holzteile aus und strichen Türe und Außenfassade. Die Materialkosten wurden von der Marktgemeinde Altomünster übernommen.

Hans Schertl

Quellen:
Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern von 1876
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895

Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
Anton Mayr, Altoland, 1998
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Dachauer Nachrichten vom 25.9.2002
Frau Münch, Mesnerin 2002
Festschrift FF-Oberzeitlbach, 2005
Dachauer Nachrichten, Beilage Alto vom Sept.2015 (Renovierung 2015)

5 Bilder
: W.Münch (1), Hans Schertl (4)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

25.3.2018