zur Landkreiskarte      zurück zur Hauptseite       

Hofmark in Schönbrunn

In der Hofmarkenbeschreibung aus dem Jahre 1689 ist bemerkt:
     "Hofmarch Schönprun, ist vor disem ain landtgerichtisches Dorf gewesen (darinnen 1 ganzer und 2 halbe Sedlhöfe), warbey das
      Landtgericht die Jurisdiktion exerciert gehebt, und haben die maisten Undtertanen dem Herrn Daniel Pfundtmayr des Innern
      Rhats in München gehörth, welche als dann der churf. Gehaimbe Raths-Canzler Herr Baron von Schmid 1674 an sich gebracht
      und volglich selbiges Dorf zu ainer Hofmarch gdist erhalten".
Mit diesen Worten ist in der Hofmarksbeschreibung von 1689 über die Anfänge der Hofmark Schönbrunn berichtet.

1674 überließ Kurfürst Ferdinand Maria dann noch den ganzen und halben zum Kastenamt Dachau gehörigen Urbarshof zu Schönbrunn dem Freiherrn von Schmid, der vier Jahre später gegen "anderweitige Satisfaktion" auch noch sämtliche kurfürstl. Urbarsuntertanen in den Orten Ampermoching, Röhrmoos, Riedenzhofen, Reipertshofen und Lotzbach erwarb. Über all diese Untertanen übte Kaspar von Schmid zunächst kraft der ihm 1672 zugestandenen Edelmannsfreiheit die Niedergerichtsbarkeit aus.

1688 wurde ihm noch die hofmärkische Jurisdiktion "nach Inhalt erclärter Landtsfreyheit" auf den mit der Grundherrschaft zu Ortskirchen, Stiftungen und Klöstern gehörigen Gütern in den Orten Ampermoching, Lotzbach und Kaltmühle unter Einbeziehung des Kirchensatzes von Ampermoching und sämtlicher "Vogteilichkeiten" von Kurfürst Max Emanuel zugesprochen. Seitdem galten diese Orte als Realpertinenzien (=Bestandteile) der Hofmark Schönbrunn.
Der Sohn des Kanzlers Kaspar von Schmid, Martin Joseph, der seit 1694 die Hofmark besaß, erkaufte 1707 vom Frh. von Zech Anwesen zu Purtlhof, (Durchsams-)Ried, Sulzrain und Arzbach.
Seit 1716 war der wirkl. geh. Rat und Conferenzrat, Oberste Kanzler und Lehenprobst Franz Joseph Freiherr von Unertl, Besitzer der Hofmark Schönbrunn. Dieser erwarb vom Kloster Fürstenfeld 1717 die Kaltmühle, die mit der niederen Jurisdiktion bereits seit 1688 zur Hofmark gehörte und ein Söldengütl zu Lotzbach.
1726 erkaufte er vom Domkapitel Freising Anwesen zu Ried und Rudelzhofen.
1725 erhielt der Hofmarksherr von Schönbrunn das Gesundbad Mariabrunn mit dem Kirchenschutz über die dortige Kapelle und der niederen Gerichtsbarkeit geschenkt. 1750 traten die Erben des Frh. Franz v. Unertl die Besitznachfolge an.
Seit 1764 ist als Besitzer Generalmajor Graf von Piosasque de Non belegt, dem der Kurfürst 1766 die Niedergerichtsbarkeit auf Lebenszeit über die einschichtig liegenden Güter zu Röhrmoos, Riedenzhofen, Reipertshofen, Purtlhof, Durchsamsried, Sulzrain, Arzbach und Rudelzhofen schenkte. 1781 besaß Graf Piosasque de Non nur mehr die einschichtigen Güter zu Purtlhof, Durchsamsried, Sulzrain und Arzbach, allerdings "unter Prozeß".
Seit 1777 hatte die Hofmark wieder ein Nachkomme Kaspars von Schmid, Reichsfreiherr Anton v. Schmid, inne, der jedoch um sein Besitzrecht längere Zeit prozessieren mußte. 1782 wurde ihm die niedere Gerichtsbarkeit auf den zur Hofmark Schönbrunn gehörigen Anwesen zu Röhrmoos, Riedenzhofen und Reipertshofen, 1789 auch auf die Güter zu Purtlhof, Durchsamsried, Sulzrain, Arzbach, Oberndorf und Rudelzhofen ausgefolgt.
1830 erwarb der Staat von den Erben des Frh. von Schmid die Dominikalien (Einkünfte aus dem Eigenbesitz der Grundherrschaft) des Landgutes Schönbrunn einschließlich des 1820 errichteten Patrimonialgerichtes II. Klasse.
Seit 1862 ist das Schloß Schönbrunn im Besitz der Dienerinnen der Göttlichen Vorsehung, die dort eine Pflege- und Erziehungs-anstalt unterhalten.

Verfolgt man die Geschichte des Ortes Schönbrunn einige Jahrhunderte zurück, so zeigt sich, daß der Ort im fünfzehnten Jahrhundert bereits einmal Hofmark war. Um 1440 berichtet der Landrichter von Dachau, daß der Ridler, ein Angehöriger des bekannten Münchner Bürgergeschlechts, "maint, Schönbrunn soll auch ain Hofmarch sein". Aus dieser Formulierung des Landrichters kann man schließen, daß ursprünglich nur ein Dorfgericht zu Schönbrunn bestand.
Um 1480 besaß Jörg Ridler den "Turn" und Sitz zu Schönbrunn sowie einen vom bayerischen Herzogtum lehenbaren Hof in diesem Orte.
In den Hofmarkenbeschreibungen aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. erscheint Schönbrunn nur mehr unter den gefreiten Sedelhöfen; der alte Sedelhof war damals schon in vier Bauerngüter aufgeteilt, die die Münchner Ratsgeschlechter der Ridler und Ligsalz innehatten. Um 1640 sind diese zum letzten Mal als Besitzer erwähnt. Ihr Besitz muß in den folgenden Jahren an den eingangs erwähnten Daniel Pfundtmayr gekommen sein, der ihn 1674 dem Freiherrn Kaspar von Schmid verkaufte.


Anwesen von Schönbrunn um 1760 (D, Gde), 14 Anw.:
Hofmarksherrschaft 4 je 1/1 (Schadl, Lenzbauer, Huber, Lambrecht), 1/2 (Waller), 2 je 1/4 (Zub. z. Huber, Sedlbauer),
2 je 1/16 (darunter der Wirt), 3 je 1/32; Kioster Schönbrunn 1/4 (Zub. z. Schadl); Hüthaus.

Einschichtig (=außerhalb der Hofmark liegende) Güter:
Hofmark Johanneskirchen (Ldg Wolfratshausen) 1/1 (Dreischl). Hofmarksschloß mit Schloßkapelle U.L.Frau, Schloßhofbau. Filialkirche Hl. Kreuz der Pf Röhrmoos.
"Ziegelstadel" (verm. abg.), 2 Anw.: Hofmarksherrschaft 2 je 1/16

Ampermoching (D, Gde), 46 Anw.: Hofmarksherrschaft 4 je 1/1 (Böckbauer, Glas, Weiherbauer, Neumayr), 1/2 (Sedlmayr),
1/4 (Wirt), 1/8 (Baader), 11 je 1/16, 7 je 1/32; Kirche Ampermoching 1/2 (Riedmayr), 1/8 (Schmied), 9 je 1/16,1/32, Pfarrei Ampermoching (Widum) 1/8 (Bäcker), 3 je 1/16; Domkustorei Freising 1/16; Katzmayrsches Benefizium bei U.L.Frau München 1/1 (Haller), 1/16 Hüthaus.

Einschichtig: Kloster Fürstenfeld 1/1 (Huber), 2 je 1/2 (Schäffler mit Zubau), 1/16 (Zub. z. Huber); Hofmark Haimhausen 1/8 (Fischer).
Pfarrkirche St. Peter, Pfarrhof mit Ökonomie und Widumsgründen.

Lotzbach (W, Gde Ampermoching), 6 Anw.: Hofmarksherrschaft 1/1 (Schmiedbauer), 1/16,1/32; Hl. Kreuzmesse bei St. Peter München 1/1 (Kuttenthreuer); Angerkloster München 1/2 (Winter); Kirche Unterweilbach 1/2 (Stoffl).
Unter Lotzbach erscheint in Konskription und Hofanlagebuch ferner

Kaltmühle (E, Gde Ampermoching), 1 Anw.: Hofmarksherrschaft 1/6 (Kaltmüller).

Einschichtige Güter der Hofmarksherrschaft:
Mariabrunn (W, Gde Röhrmoos), 1 Anw.: Hofmarksherrschaft 1/16;
Kapelle U.L.Frau der Pf Ampermoching.
Durchsamsried (E, Gde Schönbrunn), 2 Anw.: Hofmarksherrschaft 1/1 (Rieder), (Zubau).
Weitere einschichtige Güter lagen in den Orten Arzbach, Oberndorf, Purtlhof, Reipertshofen, Riedenzhofen, Rudelzhofen u. Sulzrain.