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Lourdeskapelle in REICHERTSHAUSEN


Beschreibung

Das an der Straße von Pipinsried nach Asbach bzw. Schmarnzell gelegene Reichertshausen gehört zur Pfarrei Pipinsried.

Die stattliche Hofkapelle beim "Bräu" (früher "beim Graf") hatte mehrere Vorläufer. Die schon im 15.Jh gebräuchliche Flurbe-zeichnung "Heiligengärtl" für das Grundstück, auf dem die Kapelle steht, deutet darauf hin. Auch aus dem 19. Jahrhundert gibt es mehrfach Hinweise auf Kapellenbauten an dieser Stelle.

Die heutige Kapelle stammt aus dem Jahr 1901. Über dem Eingang des neuroma-nischen Baus ist eine Inschrift mit der
Jahreszahl, den Namen der Erbauer "Kaspar u. Cresc.Riedlberger" und der Widmung "Alles zur Ehre Gottes und seiner unbefleckten Mutter Maria" angebracht.

Die Fam.Riedlberger hatte den Bauernhof um 1900 erworben. Weil beim beim Kauf etwas Geld übrig blieb, entschloss man sich, es für einen Neubau der Kapelle zu verwenden.

Das mit vielen Blatt- und Ranken-Reliefs verzierte Eingangsportal ist mit dem Text "Hl.Maria bitte für uns" überschrieben.


Eingangstür
An der Vorderseite des Turmes ist eine Uhr angebracht.

Innenausstattung

Der Chorraum der Kapelle besteht aus einer kunstvoll gebauten Lourdesgrotte mit Statuen der Muttergottes und des Sehermädchens Bernadette Soubirous.

Unter dem weißmarmornen Altar befindet sich eine Marmorschale für eine Wasserquelle.


Lourdesmadonna

Auf Inschriftentafeln über der Statue sind die Anrufungen zu Maria eingraviert:
("O Maria sei gegrüßt, der du voll der Gnaden bist" und
"O Maria süß und mild, sei meine Rettung, sei mein Schild").
Im Februar, dem Monat, in dem die Muttergottes 1858 erschienen ist, wird alljährlich eine hl. Messe in der Kapelle gefeiert.

Hinweis: Am 11. Februar 1858 an erschien dem Mädchen Bernadette Soubirous an der Grotte von Massabielle beim Fluss Gave du Pau wiederholt die heilige Maria. Während einer dieser Visionen entsprang in der Grotte eine Quelle, deren Wasser als heilkräftig gilt. Die offiziellen Vertreter der Kirche sahen diese Erscheinungen zunächst mit Argwohn an. Erst nach einiger Zeit glaubten auch Pfarrer und Bischof dem Hirtenmädchen. Als der Pfarrer Bernadette aufforderte, die Erscheinung nach ihrem Namen zu fragen, und Bernadette ihm den Namen "unbefleckte Empfängnis" - ein theologischer Terminus, den Bernadette nicht wissen konnte - überbrachte, war er von der Authentizität der Erscheinung überzeugt. Bald entstand bei der Grotte ein "heiliger Bezirk" mit mehreren großen Kirchen und einem Prozessionsplatz. Der Ort zieht seither Millionen von Pilgern an, darunter viele Kranke, die sich vom vermeintlich wundertätigen Wasser Heilung versprechen. Tatsächlich kommt es immer wieder zu Spontanremissionen (= unerwartet eintretende Besserung oder Genesung).

12.Kreuzwegstation13.Kreuzwegstation14.Kreuzwegstation2.Kreuzwegstation1.KreuzwegstationLourdesgrotte

 

Kreuzwegbilder

Neben der Grotte sind die Kreuzwegbilder der Blickfang in der Kapelle. Die Bilder sind mit mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt. Sie besitzen einen kunstvollen Rahmen mit geschnitztem Aufsatz, in den die Stationsnummer eingetragen ist. Durch den goldfarbenen Hintergrund (der Symbol für das Himmlische ist) wirken sie wie Ikonen der Ostkirche.

Die Kreuzwegbilder in Reichertshausen sind nach der gleichen Vorlage gemalt wie die in
den Kirchen von Gundackersdorf (1870/80), Oberroth (1894) und Hörenzhausen bei Haimhausen (1890).

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidens-geschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen.

Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidens-weg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen.
Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde.
Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus
verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum 1. Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene hilft
Jesus d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt zum 2. Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet die
weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt zum 3. Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird vom
Kreuz abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...

Sechs Bankreihen bieten rd. 20 Personen Platz in der Kapelle.

St.LeonhardPortal

An der Rückseite hängt ein Bild des heiligen Leonhard, im Abtsornat mit Viehketten in der Hand. Leonhard war der wichtigste Heilige der Landbevölkerung und durfte in keiner Kapelle oder Kirche fehlen.


Leonhardsbild
Leonhard (in Bayern einer
der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frank-reich. Regelmäßig besuchte er die Gefan-genen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutz-patron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutsch-land kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete.
In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

Zuletzt wurde die Kapelle in den Jahren 1987/1988 restauriert.

Hans Schertl

Quellen:
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
21 Bilder: Hans Schertl (2001,2005, 2013)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

3.8.2013