zur Landkreiskarte         ausführl.Beschreibung        Kirchen in der Gem.Haimhausen


Klausenkapelle St.Maria in HAIMHAUSEN


Die Kapelle ist unmittelbar an die Schlossklause angebautzur Kirchentür


Kurzbeschreibung

Die Klausenkapelle zu Ehren der Muttergottes gehört zum Schlossbereich in Haimhausen. Unmittelbar hinter dem Einfahrtstor zum Schlosspark in Haimhausen steht sie hinter Bäumen und Büschen versteckt, hinter dem Restaurant "Schlossklause".

Wahrscheinlich wurde sie kurz um 1695 vom Hofmarksherrn Franz Ferdinand Reichsgraf von und zu Haimhausen (1687 - 1724) erbaut.

Der Bayerische Kartograph Michael Wening hat sie in seinem Kupferstichwerk über das Rentamt München von 1701 in einem der Haimhausener Schloss-Stiche dargestellt. Das Mauerwerk ist in den Formen des Barockstils errichtet.

Die Kapelle lag 1701 im Obst- und Baumgarten des Schlosses, der von einer kunstvoll beschnittenen, kreisförmigen Hecke umfriedet war. Dort wurden auch Fasane und Rebhühner gehalten. Über viele Jahre hinweg bewohnten Klausner (= Schlosskaplan) die Gebäude hinter der Kapelle.


arme Seele vor Rindenwand

Die Kapelle besitzt ein Zeltdach mit achteckiger Laterne, deren Öffnung oberhalb des runden Deckenbildes liegt. Über dem Eingang ist in einer Kartusche die Jahreszahl 1701 zu lesen.

Innenausstattung

Die Inneneinrichtung wurde fast ausschließlich unter Verwendung von Baumrinde, Schuppen von Tannenzapfen, Muscheln, Perlen und Kieselsteinen äußerst originell gestaltet. Dies hat dem kleinen Gotteshauses den volkstümlichen Namen "Butzküahkapelln" (Butzküah = Tannenzapfen) eingebracht. Sie entspricht der barocken Neigung zur optisch und haptisch anziehend gestalteten Oberfläche. 12)

Ihr Schöpfer war der dort als Klausner lebende Norbert Scheidler (gest.1792). Da der Klausner aber in der Zeit von 1722 bis 1792 lebte, bedeutet dies, dass die jetzige Ausstattung erst mehrere Jahrzehnte nach dem Kapellenbau entstanden ist.

Die Klause soll der Muttergottes von Loreto geweiht sein. Das Marienbild ist aber nach neueren Erkenntnissen eine Kopie des Gnadenbildes von Neukirchen beim Heiligen Blut in der Oberpfalz. Es steht in einem reich verzierten Rokokoschrein aus der Zeit des Grafen Karl (1724-1775). Darüber schwebt in den von Engelsköpfen belebten Wolken der gekrönte Namenszug Mariens.

Flankiert wird der Schrein von Gestalten der Heiligen Franziskus und Antonius. Den Körben, die sie auf ihren Köpfen tragen, entsprießen aus Muscheln geformte Blumen. Ihre Kutten sind aus Tannenzapfenschuppen gebildet. Beide Heiligen, die sich persönlich kannten, gehörten dem Orden der Minoriten (Franziskaner) an, der von Franziskus gegründet worden war. Dieser Orden zeichnet sich durch persönliche Armut aus. Dies zeigt sich auch am Gewand: die Kutte der Franzis-kaner ist braun; diese Farbe steht traditionell für Demut und Bescheidenheit. Der Gürtel, den Mönche und Nonnen als Zeichen geschlecht-licher Enthaltsamkeit tragen, ist bei den Minoriten ein Strick.

Unter dem Marienbildnis liegen zwei grob geschnitzte hölzerne Hände, die sicherlich als Votivgaben in die Kapelle gebracht wurden.

Selbst das Deckengemälde wird umrahmt von kunstvoll gestalteten Ornamenten aus Baumrinde, Schuppen von Tannenzapfen, Muscheln und Kieselsteinen.

St.Franziskus aus Baumrinde und SteinenSt. Antoniusdie MuttergottesstatueGeduldflascheGeduldflasche
Der Altar mit der Muttergottesstatue im Schrein
links und rechts St.Franziskus und St.Antonius mit Körben


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Unmittelbar hinter dem Einfahrtstor zum Schlosspark in Haimhausen steht die ehemalige "Klause", in der jetzt ein Restaurant untergebracht ist. Die an die Schlossklause angebaute, der Muttergottes geweihte Kapelle mit achteckigem Grundriss und kleinem Kuppelturm, ist im Sommer kaum zu finden, so sehr ist sie von Büschen und Bäumen umwachsen.


Kapelle im Stich von Wening 1701
Erläuterung Nr. 2 (siehe Dach) bedeutet:
"2. Die Schöne und Wolgeziehrte Capellen und Clausen,
so mit Zimmern, Kuchel, Keller und Garttl versehen ist"

Michael Wening hat die Kapelle und die Klause in seinem Kupferstichwerk über das Rentamt München von 1701 dargestellt. Wahrscheinlich wurden sie um 1695 vom Hofmarksherrn Franz Ferdinand Reichsgraf von und zu Haimhausen (1687-1724) erbaut. Jedenfalls bemühte sich der Graf um "Haltung eines bestendigen Schloss Caplan" für seine 1695 erbaute und 1697 mit dem Jus celebrandi (der Erlaubnis zum Zelebrieren von hl.Messen) ausgestattete Schlosskapelle. Er fand auch einen Geistlichen. In der Instructio vom 14.4.1700 können wir eine Art Arbeitsvertrag sehen: Der Schlosskaplan erhielt für seine Verrichtungen neben Kost, Trunk, Holz und Licht auch eine Barentlohnung in Höhe von 75 Gulden im Jahr. Er wohnte mietfrei in der Klause neben der Kapelle, in einer "aignen Wohnung sambt seinem Diener oder Mösner".

Wenings Beschreibung der Kapelle war in eine allgemeine Lobpreisung Haimhausens verpackt:
  "Schließlich und kurtz zu sagen, ist dises Haimbhausen ein so Edles gesundes Lustorth, daß die Natur und Kunst nicht allein zu einer guten Würthschafft, gut Luft und genug Wasser verschaffet, sondern auch die Menschen sich mit allerhand groß und kleiner Jagdbarkeit auch stattlichen Fischereyen erquicken können wie dann das schöne Kunst gebaute Vogl- und Fasanen-Hauß nebst schönen Alleen. Bluem Kräutl und grossen eingemaurten Baumgarten, darinn ein schöne und mit einer Capell wol gebaute Clausen ist. Die Schöne und Wolgeziehrte Capellen und Clausen, so mit Zimmern, Kuchel, Keller, und Garttl versehen ist."

Die Kapelle lag 1701 im Obst- und Baumgarten des Schlosses, der von einer kunstvoll beschnittenen, kreisförmigen Hecke umfriedet war. Dort wurden auch Fasane und Rebhühner gehalten.


Beschreibung 1900
In den Jahren 1900 und 1901 verfasste der Haimhausener Kaplan Hugo Straßer unter dem Titel "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria" (=Neues und Altes aus der Pfarrei Haimhausen) eine umfangreiche Pfarrbeschreibung. Im Abschnitt Nebenkirchen ist auch die Klausenkapelle aufgeführt. Wenn Sie am Text interessiert sind, klicken Sie hier...

Baubeschreibung

Die Klausenkapelle hat das ursprüngliche Aussehen verhältnismäßig gut bewahrt. Die Kanten des Achteckes sind lisenenartig verziert. Über dem kräftigen Gesims erhebt sich die Laternenkuppel mit ihrer im Landkreis einzigartigen Gestalt. Das Dach und namentlich die Kuppelverkleidung wurden natürlich im Laufe der Zeit mehrmals erneuert, ebenso das an eine Scheune erinnernde Doppeltor. Über dem Eingang befindet sich eine Kartusche mit der Jahreszahl "1701". Vielleicht ist dies das Jahr der offiziellen Weihe.

 
Kapelle einem weiteren Stich von Wening 1701

Innenausstattung

Decke
An der 5,50 m hohen Kapellendecke befindet sich ein Gemälde, das dem Gläubigen einen Blick in den Himmel ermöglicht. Es zeigt die Taube des Heiligen Geistes, umgeben von Engeln mit rosa Flügeln. Hintergrund ist der hellblaue Himmel mit gelblichen Wolken. Umrahmt wird auch dieses Deckenbild von kunstvoll gestalteten Ornamenten aus Baumrinde, Schuppen von Tannenzapfen, Muscheln und Kieselsteinen.  09)

Deckengemälde
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach kam "der Heilige Geist sichtbar auf ihn herab, wie eine Taube" (Lk., 3,22). Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hatte diese Darstellung empfohlen.

Durch die Verwendung dieser unbearbeiteten natürlichen Materialien holte der Erbauer die Natur in den Sakralraum.
Sigrid Gensichen schreibt dazu:
     "Das künstliche Blumengerank aus Muscheln und Zapfen schenkte den Besuchern einen kleinen Vorschein zum Paradies.
      Die Baumrinde aber erinnerte mit ihrer haptischen Rauheit und Härte spielerisch an die mühselige Realität eremitischer
      Wohnverhältnisse, wo der Einsiedler auf das angewiesen wr, was er 'in den Wildnüssen finden / und durch eignen Fleiß zur
      Auszierung seiner sonst greulichen Wohnung zusammen setzen kann."
12)


W
ände

Auch die Seitenwände der Kapelle sind wie alle Architekturformen, die den Raum abteilen (auch Sockel, Pilaster und das Kranzgesims), aus Muscheln und Steinen gebildet.

Seitenwand
Diese Art der Grottendekoration war in früherer Zeit eine beliebte Verbindung von Natur und Kunst, wie wir sie auch in der Magdalenenklause in Nymphenburg und in den meisten barocken Schlossanlagen finden können.

Wand-Detail

Ihr Schöpfer war der dort als Klausner lebende Norbert Scheidler. Wie Kooperator Hugo Strasser in seiner handschriftlichen Chronik Haimhausens (1900/01) ausführt, "kleidete sich Norbert Scheidler in eine schwarze Kutte, verpflegte sich selbst, hielt Schule, gab den Leuten in ihren Nöten Rat und für ihre Kranken auch Medikamente". Er verstarb am 1. Juni 1792 im Alter von 70 Jahren an den Folgen eines Schlagflusses (=Schlaganfall). Der Eintrag im Totenbuch lautet: "1 juni mortus et 3.Juni sepultus Haimhusii Frater Norbertus Scheidler, eremita hic bei 70 annorum, ex affective paralitica".


Wand-Detail
Nach anderer Überlieferung sollen zwei Eremiten in der Klause gelebt und die Kapelle ausgestaltet haben. Vielleicht war der zweite der am 23. Januar 1794 verstorbene Ägidius Mädl, von dem bekannt ist, dass er einige Zeit in der Kapelle die Messe las.


A
ltar

Blickpunkt der Kapelle ist natürlich der Rokokoaltar. Sein Retabel besteht aus Holz. Es hat die Form eines großen, geöffneten Mantels. Dieser umgibt den vor-gesetzten Mittelteil, der wie ein großes, silbernes Rokokoreliquiar mit Rocaillenschmuck (in Pyramiden-form auf Füßen stehend) gestaltet ist.


Altar
Im Zentrum dieses "Reliquiars" befindet sich eine Nische mit der Muttergottesfigur hinter Glas. Umrahmt wird alles von einem Strahlenkranz. Gegenstand der Andacht in der Klausenkapelle war die im Rokokoschrein auf dem Altar stehende Muttergottesfigur mit dem Jesuskind auf dem Arm. Beide Figuren tragen auf dem Haupt eine Krone.
 

Lange Zeit glaubte man aufgrund früherer Beschrei-bungen, die Statue sei eine Nachbildung des "schwarzen" Gnadenbildes von Maria-Loreto.
Nachforschungen haben aber ergeben, dass es sich
um eine Kopie des Gnadenbildes von Neukirchen beim Heilig-Blut nahe der deutsch-tschechischen Grenze handelt, die auch in Böhmen hochverehrt wurde.

 



Muttergottes
Neunkirchen/Hl.Blut

Die Haimhausener Grafenfamilie Viehpeckh hatte wegen ihrer Besitzungen in Böhmen enge Beziehungen zu dieser Gegend.
Die Besonderheit der Figur ist das Schwert, das im Haupt Mariens steckt und das den Kopf der Figur in zwei Teile spaltet. Dieses Schwert ist das Relikt des Attentats eines Husitten, das sich um 1450 ereignet hatte und durch das die Gnadenfigur zerstört werden sollte.
Mehr über das Gnadenbild v. Neukirchen finden Sie hier..

Am Sockel der Figur ist folgende Inschrift zu lesen: P:LAMBERT - MONAC: CAPVC - 1700 OKTOB - F.SEB ALD.
Dies bedeutet, dass die Figur im Oktober 1700 geschnitzt wurde. Sie ist damit nach heutigen Erkenntnissen die erste Kopie des Gnadenbildes von Neukirchen Heilig-Blut
.

Flaschen-
kreuzigungsgruppe

In der Nische stehen zu Füßen der Muttergottesfigur zwei Flaschen. In ihnen sind, als modellhafte Dar-stellungen, eine Kreuzigungsszene und eine Figur der Altöttinger Madonna gebastelt (sog. Geduldflaschen).


Madonna in der Flasche

Über der Marienfigur ist aus Baumrinde eine Inschriftenkartusche gebildet. Darin sind die Worte "Mater admirabilis" (wunderbare Mutter) gebildet. Der Text ist der lauretanischen Litanei entnommen.
Über der Kartusche schwebt in den von Engelsköpfen belebten Wolken der gekrönte Namenszug Mariens.

Inschriftenkartusche
Hinweis: Die Kartusche hat -wie fast alle Kartuschen in Kirchen- eine unregelmäßig Form; sie hat sich aus einer Schnur entwickelt, die ursprünglich um Inschriften, Wappen und Namen geschlungen wurde. Deshalb sind die meisten Einrahmungen von Kartuschen nicht rechteckig, sondern kurvig.

St.Franziskus

Flankiert wird die Marienfigur von Figuren der Heiligen Franziskus von Assisi und Antonius von Padua. Sie sind als Hermen gestaltet; das sind atlasähnliche Halbfiguren vor Pfeilern oder Pilastern: Im Gegensatz zum Atlas haben sie aber keine Tragefunktion. Um die Lenden ist ein mit einem Rosenkranz behangener Gürtel gebunden. Ihre Kutten sind aus Tannenzapfenschuppen gebildet und den Körben, die sie auf ihren Köpfen tragen, entsprießen aus Muscheln geformte Blumen. Auf diese Art hat der Künstler die Heiligenfiguren dem Raum angeglichen.


St.Antonius
Klausner Scheidler, so berichten die Dachauer Nachrichten 1983, hat zunächst Konsolen aus Holz geschnitzt, dann mit Rinde überzogen und diese muschelartig verziert. Auf die Konsole setzte er eine Halbfigur des Heiligen und bekleidet sie ebenfalls mit einem aus Rinde gefertigten und recht rauh behandelten Habit. Um die Lenden knüpfte er aus Stoff den mit einem Rosenkranz behangenen Gürtel. Auf den Kopf setzte er einen Korb mit künstlichen Blumen. Auf diese Art wollte er die Heiligenfiguren etwas mehr dem Raum angleichen. 06)
  Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

Gemälde im Rindenrahmen

Auf dem Altartisch stehen zwei Gemälde in schon etwas löchrigen Rinden-Rahmen. Sie zeigen Jesus an der Geißelsäule und die trauernde Muttergottes, die zusammen mit Johannes (?) der Geißelung zuschauen muss. Die beiden Bilder dürften eine Einheit bilden; verbindendes Element in beiden Gemälden ist die Marmorsäule.


Gemälde im Rindenrahmen
Hinter dem Altar liegt der ehemalige Zugang zur Kapelle von der Klause her.

Vor dem Altar ist in den Fußboden ein großes Epitaph eingelassen. Es enthält mindestens drei Wappen, aber keinen Text.
Das große mittlere Wappen zeigt als einzige Darstellung einen nach rechts stolzierenden Hahn.

Epitaph
 

Ewig-Licht-Ampel
Über dem Epitaph hängt eine Ewig-Licht-Ampel. Auch sie ist -wie der größte Teil der übrigen Einrichtung- aus Tannenzapfen, Rindenteilen, Muscheln und Perlen hergestellt. Ob darin tatsächlich eine Ewig-Licht-Lampe gebrannt hat, ist eher unwahrscheinlich.

Eine weitere Bodenplatte erinnert an den ehem. Schlossherrn. Der Text lautet: "Hier ruhte bis zur Überführung in das Mausoleum (sog.Rockerl) vom März 1904 bis 8.November 1905 Eduard James Haniel von Haimhausen".


Votivgaben


Votivgaben

Noch erhalten sind auch zwei grob geschnitzte hölzerne Hände, die sicherlich als Votivgaben in die Kapelle gebracht wurden. Nach einer volkstümlicher Überlieferung soll es sich um Nachbildungen der Hände der Klausner handeln, die sie nach vollendeter Ausstattung der Kapelle opferten; nach einer weiteren Version soll ein früherer Kaplan der Kapelle ein Adeliger gewesen sein, "dessen Hände mit Blutschuld befleckt waren''.
Er habe deshalb gelobt, "die Kapelle mit diesen Händen zur Ehre Gottes und Marias auszuschmücken und zur Erinnerung daran zwei hölzerne Hände zu stiften".
Auch die beiden Messer, mit denen die Schnitzereien angeblich ausgeführt wurden, sind noch vorhanden.

Hans Schertl


Quellen:
01) Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
02) Hugo Straßer, "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria", 1901
03) Dr. M. Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938
04) Robert Böck, StA München, K 596-Hofmark Haimhausen (Kapellenbau u.Kaplan)
05) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
06) Dachauer Nachrichten vom 24.08.1983
07) Markus Bogner, Chronik von Haimhausen, 1991
08) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
09) Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
10) Robert Plötz, Unsere Wallfahrtsstätten, 2001 (Madonnenstatue)
11) Johann Schnell, Die Schlossklause mit Kapelle, 2007
12) Sigrid Gensichen, Auratisierte Materie, in: Die Eremitage von Schloss Favorite Rastatt, 2018

21 Bilder: Johann Schnell (1), Ortsarchiv Haimhausen (1), Hans Schertl (19)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9,4,2018

Die Wallfahrt Neukirchen beim Heiligen Blut

Neukirchen beim Heiligen Blut liegt in der Nähe von Furth im Wald an der der Grenze zur Tschechei.

Am Anfang der Wallfahrt in stand ein Hostienwunder:
Ein Bauernsknecht, der am Samstagabend zuviel getrunken hatte, ging bei der Sonntagsmesse zur Kommunion und musste sich auf dem Heimweg übergeben. Die Hostie blieb auf einem Eichstock liegen. Der für Neukirchen zuständige Pfarrer von Eschlkamm brachte sie gereinigt wieder in die Kirche zurück; doch am nächsten Tag lag die Hostie wieder auf dem Eichstock. Daraufhin baute man dort eine kleine Kapelle zur Heiligsten Dreifaltigkeit.

Das Marien-Gnadenbild befand sich ursprünglich in der Kirche des Dörfchens Laucim bei Klatau in Tschechien (25 km von Neukirchen entfernt). Es stand im Ruf der Wundertätigkeit. Als nach dem ersten Prager Fenstersturz 1419 die Reformbewegung der Hussiten die religiöse und weltliche Macht übernahmen, fürchteten die Katholiken um die Sicherheit des Gnadenbildes und brachten es nach Neukirchen. Hier wurde sie in der Feldkapelle zur Heiligsten Dreifaltigkeit aufgestellt und geriet als Gnadenbild wohl in Vergessenheit.

Um 1450 geschah das Wunder, das die bis heute währende Marienwallfahrt begründete:
Der Chronist Fortunat Hueber berichtete in drastischen Worten von einem "gottlosen Menschen,
- seiner Nation ein Böhamb,
- seines Irrthumbs ein Hussit,
- seiner Sitten ein Barbar und
- seiner Aigenschaft ein Bößwicht",
der an der Kapelle vorbeiritt und die Marienstatue entdeckte. Beim ihrem Anblick "fangt er an, von innerlichem Gift auffzublasen, aus den Augen zu funcken, die Stirn einzuziehen, alle Glider zum Laster loßzulassen, vor Zorn und Unwillen sich auffzubäumen und mit vermainten Eyfer geschwind ein bestürztes Übel anzustifften".
Der Übeltäter warf die Statue in einen nahegelegenen Brunnen. Doch sie kehrte jedes Mal wieder auf ihren Platz zurück. Da zückte der Mann seinen Säbel, hieb auf die Statue ein und spaltete "das Haupt bis in die Stirn". Aus der Wunde floss rosenfarbiges Blut, worüber der Frevler so stark erschrak, dass er fliehen wollte. Doch sein Pferd blieb wie angewurzelt stehen und war nicht fortzubewegen. Da bekehrte sich der Hussit und verkündete der herbeiströmenden Bevölkerung, was geschehen war. Die neue Wallfahrt zum Muttergottes mit dem gespaltenen Haupt war geboren. Die Zeit war günstig. Die Marienverehrung erreichte damals, im Jahrhundert vor der Reformation, einen ersten Höhepunkt (mit manchen Übertreibungen).

Nach der Reformation war Neukirchen zwar als Teil des Pflegamts Kötzting katholisch geblieben, die ganze Umgebung aber, die Oberpfalz und Böhmen, war vom Calvinismus geprägt, der für Marienwallfahrten überhaupt nichts übrig hatte. Da griff die Politik ein: die bayerischen Herzöge bauten die Wallfahrt aus mit dem Ziel der "Rückführung protestantischer Landschaften zur wahren Kirche". Die Kapelle wurde zur Kirche erweitert. Daneben hat man Kloster gebaut. Im Jahr 1671 kamen fast 70.000 Pilger, ein Drittel aus Böhmen. In der Zeit der Aufklärung ging die Wallfahrt zurück, doch sie hat die Jahrhunderte bis heute überdauert.