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Feldkapelle St.Maria in Erlhausen


Beschreibung

Die Feldkapelle St.Maria wurde in den Jahren 2017/2018 von Josef Kreitmair auf seinem Grund und Boden zwischen alten Obstbäumen errichtet.

Grund für den Bau war einerseits, dass Erlhausen schon früher eine Kapelle besaß und das Grundstück, auf dem heute das Wohnhaus von Josef Kreitmair steht, die Flurbezeichnung "Kapellenacker" trug. Zum anderen ist die Kapelle auch ein Zeichen des Dankes für viele glückliche Momente in seinem Leben. Das kleine Gotteshaus wurde von Architekt Thomas Wallner aus Goppertshofen geplant und von der Fa. Arzberger aus Oberdorf errichtet. Den Dachstuhl erstellte der Zimmerer Uli Rattenstetter aus Aufhausen. Die umfangreichen Elektroarbeiten übernahm die Fa. des Sohnes Georg Kreitmair aus Scheyern.

Den Besucher überrascht der von Bäumen gesäumte dekorative Zugangsbereich mit Treppe und behindertenfreundlicher Rampe. Am Beginn des gepflasterten Vorplatzes steht eine Madonnenstatue aus Betonguss auf einem hohen kannelierten Sockel. Eine Bank bietet einen beschaulichen Ruheplatz.

Die Kapelle ist ein rechteckiger Bau mit einer Grundfläche von sechs mal vier Metern.
Das Satteldach ist mit Kirchenbiber gedeckt. Zwei hohe rundbogige Fenster im vorderen Teil der Längsseiten, die verglaste Eingangstüre sowie ein großes Rundfenster über dem Portal geben dem Raum Licht. Die Kapelle ist sogar mit einer modernen Audio/Video-Sprechanlage ausgestattet, die es erlaubt, die verschlossene Kapelle über ein Handy von ferne aufzu-schließen, wenn (bekannte) Besucher in das Gotteshaus wollen.
Die Kapelle ist ein Bau hoher technischer und handwerklicher Perfektion.


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Hinter der Kapelle steht ein acht Meter hoher Glockenturm auf quadratischem Grundriss. Er ist aus statischen Gründen nicht unmittelbar mit dem Mauerwerk der Kapelle verbunden. Im oberen Drittel sind die rundbogigen Schallfenster angebracht. Dahinter hängt eine 30 kg schwere Glocke, die schon weit über 100 Jahre alt ist; sie wurde 1895 von der Fa. Bachmair in Erding gegossen. Kreitmair hat sie in Hallbergmoos von einem Bauern erworben, der seine Kapellenpläne nicht umsetzen konnte. Die Glockenfirma Perner aus Passau, von der der Glockenstuhl stammt, stattete die Glocke mit einem neuen Klöppel aus, montierte sie im Turm und richtete ein elektrisches Läutwerk ein.

Auf die Spitze des Turms ist ein vergoldetes Kreuz mit zwei Querbalken, ein sog. Scheyrer Kreuz gesetzt. Der obere, kleinerere Querbalken symbolisiert die Tafel mit der Kreuzinschrift (INRI), die Pilatus bei der Kreuzigung Jesu anbringen ließ. Das Scheyrer Kreuz weist auf die vielfachen Beziehungen der Familie zum Kloster Scheyern hin. Kreuzreliquiare als Aufbewahrungsgefäß für Kreuzpartikel wurden früher oft in Form des Doppelkreuzes (auch Patriarchenkreuz oder Jerusalemkreuz genannt) gestaltet. So auch das Reliquiar, das um 1160 aus dem Heiligen Land über Umwege nach Scheyern kam und das die Kreuzreliquie enthält, die seitdem dort verehrt wird.



Innenausstattung

Der Innenraum macht einen hellen und freundlichen Eindruck. Dazu trägt neben den weit herabgezogenen Fenstern auch der Sichtdachstuhl bei, der -wie die Wände- weiß gestrichen ist.
Der Boden der Kapelle ist mit Natursteinplatten belegt (Fa.Schmalz).
Sechs Bänke aus Eichenholz bieten Sitzplätze für 12 Personen an.
Die Kniebänke können zurückgeklappt werden.
Bei Dunkelheit spenden dekorative klare LED-Glühbirnen, die von der Decke hängen, Licht.

zu den Kreuzwegstationsbildern zum Altargemäldezur Beschreibung des Altarszu den Kreuzwegstationsbildern St.Elisabeth

Blickfang des Innenraums ist ein großes Mariengemälde an der Wand hinter dem Altar. Es soll aus der Schule des berühmten Augsburger Malers Joh. Georg Bergmüller stammen.
Das Gemälde wird assistiert von Figuren der hl.Elisabeth von Thüringen (links) und des Evangelisten St. Lukas.
Der Altar ist aus Eichenholz in barocker Form errichtet. Auf dem Altartisch stehen das Altarkreuz und zwei Kerzen.
An den Wänden hängen 14 kleinere Kreuzwegbilder.
An der Rückseite, zu beiden Seiten des Eingangs, stehen Figuren der hl. Barbara und des hl.Franziskus.


Altar


Altar
Der Altar in Form eines geschwungenen Trapezes wurde von einem Schreiner aus Niederbayern gefertigt. Er besteht aus verschiedenfarbigem Eichenholz. An seiner etwas helleren Vorderseite ist ein gleichschenkliges Kreuz aufgesetzt.
Auf der mit einem weißen Altartuch abgedeckten Mensa stehen das Altarkreuz, das ein befreundeter Pfarrer gestiftet hat und zwei Leuchter mit Kerzen, die die Aufschrift "Kapelleneinweihung 22.7.2018" tragen.

Hier liegt auch das Gästebuch, in das die Besucher fleißig ihre Kommentare eingetragen haben. Der Buchdeckel ist besonders aufwändig gestaltet mit angedeuteten Reliefs der vier Evangelisten und von von biblischen Ereignissen.
    
Gästebuch

 

Altargemälde     

Über dem Altar ist an der Wand ein großes Gemälde angebracht. Es war früher das Altar-blatt in einer Haus- oder Hofkapelle im Raum Garmisch. Josef Kreitmair hat es von einem Restaurator erworben. Das Bild soll aus der Schule des berühmten Augsburger Malers Johann Georg Bergmüller (1688-1762) stammen. Bergmüller gehörte zu den großen Künstlerpersönlichkeiten des 18.Jh in Süddeutschland. Zusammen mit seinen Zeitgenossen Cosmas Damian Asam und Joh.Bapt. Zimmermann prägte er die Malerei in der Zeit des Übergangs vom Barock zum Rokoko. Im Dachauer Land ist sein Deckengemälde in der Schlosskapelle Haimhausen mit dem Thema "Rückkehr Christi auf den Thron der Dreifaltigkeit" bekannt.

Maria Immaculata
Das Bild in Erlhausen zeigt eine mit Rosen gekrönte Maria, die von Engeln in den Himmel gehoben wird, wo sie eine Heilig-Geist-Taube vor dem Dreieck der Dreifaltigkeit erwartet. Maria ist in einen blauen Mantel gekleidet. In ihrer Hand hält sie ein Zepter mit Blumenblüte. Der rechte Fuß ist auf dem Kopf der Schlange gesetzt, die die Weltkugel umschlungen hat. Die Schlange besitzt fledermausartige Flügel, die mit einem Pfauenmuster versehen sind. Der Pfau ist Sinnbild für den Hochmut Adams und Evas. Der linke Fuß Marias ruht auf einer Mondsichel.
Maria wird hier als die neue Eva dargestellt, als die Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb.12,1: "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen"). Die Schlange mit dem Apfel im rüsseligen Maul symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Maria steht über der Erbsünde, die ihr nichts anhaben kann (Maria Immaculata).

Heiligenfiguren

In der Kapelle stehen vier Heiligenfiguren aus dem Kunsthandel. Die ausgewählten Heiligen sind Namenspatrone von Angehörigen aus der Verwandtschaft und der Nachbarschaft der Familie Kreitmair.


St.Elisabeth

Die Assistenzfiguren zu beiden Seiten des Altargemäldes stellen
die hl. Elisabeth von Thüringen (links) und den Evangelisten Lukas (rechts) dar.
Elisabeth hält in ihrem Arm einen Bund Rosen und eine große Zinnkanne.
Die Attribute von Lukas sind Schreibfeder und Evangelienbuch. Zu seinen Füßen lugt ein Stier hervor.

Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen.


  St.Lukas
Lukas (von Beruf Arzt) begleitete Paulus auf verschiedenen Reisen. Er gilt als Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums und als Autor der zwischen 70 und 80 entstandenen Apostelgeschichte. Der Evangelist Lukas war bestrebt, Person und Wirken Jesu in einen weltgeschichtlichen Rahmen zu rücken; auch seine Geschichte und Vorgeschichte der Geburt Jesu (Lk 1 - 2,20) soll auf die universale Bedeutung Christi hinweisen. Sein Attribut ist der Stier (Opferstier), denn das Lukasevangelium deutet am innigsten auf den Opfertod Christi hin.




St.Franziskus

An der Rückseite, neben der Eingangstüre, stehen zwei weitere Heiligenfiguren auf Podesten. Links St.Franziskus in der Kutte seines Ordens mit einem Vogel in der einen und einen Rosenkranz in der anderen Hand. Rechts St.Barbara mit einem Krönchen auf dem Haupt, der Märtyrerpalme in der Hand und einem Turm zu ihren Füßen.

Der Vogel in der Hand von St.Franziskus (1181-1226) verweist auf folgende Sage:
Der Heilige kam mit seinen Brüdern an einer Schar Vögel vorbei. Franziskus sprach zu ihnen: "Seid gegrüßt, meine Brüder Vögel. Der Friede sei mit euch!" Die Begleiter waren erstaunt, weil die Vögel nicht wegflogen. Franziskus sagte weiter zu den Vögeln: "Meine Brüder Vögel, wie müsst ihr euren Schöpfer loben, der euch Federn als Gewand, Flügel zum Fliegen und alles gegeben hat, was ihr zum Leben braucht. Sogar in der Luft könnt ihr fliegen." Da fingen die Vögel an zu jubeln. Franziskus segnete sie.


St.Barbara    
St.Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er sofort von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen.

 

Kreuzwegbilder

Die Kreuzwegbilder, die an den Seitenwänden hängen, wurden von einem Maler aus dem Grödnertal in Südtirol geschaffen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

 


Quellen:
Heinz Nefzger, Ein kirchliches Kleinod geschaffen, Münchner Merkur vom 25.Juli 2018
Familie Kreitmair, Erlhausen, 2018
   
Bilder: 25

29.8.2018


Segnung der Kapelle
Am 22.Juli 2018 wurde die Kapelle unter großer Beteiligung der Bevölkerung von Dekan Dietz zu Ehren der hl.Maria eingeweiht. Wegen des strömenden Regens fand der Festgottesdienst im großen Zelt statt. Nur zur Segnung der Kapelle ging der Pfarrer mit den Ministranten zur die festlich mit roten Rosen geschmückte Kapelle hinüber, während die 500 Gäste sitzenblieben.