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Schlosskapelle in UNTERWEIKERTSHOFEN



G
eschichte des Schlosses

Das Schloss Unterweikertshofen wurde in den Jahren 1610 bis 1616 auf den Grundmauern einer früheren Burg erbaut, die schon im 12.Jh. vom Edelgeschlecht der Weikertshofener angelegt und später von den bayerischen Herzögen erweitert worden war.
1597 wurde das frühere Schloss als "Edlmannsitz vnd ein alter Purchstall" bezeichnet.
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Schon 17 Jahre nach seiner Fer-tigstellung, im Jahr 1632, wurde das Schloss im 30jährigen Krieg von den Schweden zerstört. Eine Steintafel im Erdgeschoss des Schlosses trägt die Inschrift:
"Dis Schloß So Ano 1632 von den Schwedischen Kriegsvolkh ist Abgebrent und Ano 1657 wider REPARIERT worde, durch den Hochwolgebre hh John Franz von Preysing ... "
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Das 1657-61 wieder errichtete Schloss steht heute noch. Auch wenn die vier zwiebelgedeckten Ecktürmchen (aus Holz ?) inzwi-schen wieder abgetragen wurden. Es handelt sich um einen einflügeligen Bau mit mächtigem dreigeschossigen Dach in der Form eines Schopfwalms (= Walmdach mit hochgesetzter Traufhöhe am Giebel) .
Seit 1800 ist das Schloss im Besitz der gräflichen Familie von Hundt zu Lautterbach; zunächst als kurfürstliches Lehen, seit 1848, nach der Allodifizierung, als Eigentum. 08)

Der Münchner Kartograph Michael Wening in seinem um 1718 herausgegebenen Buch, "Historico-topographica descriptio Bavariae" auch das Schloss in Unterweikertshofen beschrieben: 01)
  "Ligt einer seyts gantz eben an dem Glon Fluß ander seyts aber an Bergigen Gehülzen. Das Schloß ist schön und groß in vier Eck und mit vier saubern kleinen Thürnen erbauet. Vor disem haben dises Landguet die Adlzhauser hernach aber Herr Johann Warmund von Preysing Churfürstl. Cammerer und Vicedom zu Straubing inngehabt. Dermahlen besitzet solches Herr Frantz Ferdinand Graf von Preysing etc. wohnet selbst allda. Der Traidtboden ist hierumb fruchtbar und die Glon ein gutes Fischwasser. Sonsten hat das Orth die hohe Jagdbarkeit und demVernemmen nach alsein Erb-Gejayd. Die Kirch bey der Hofmarch ist ein Filial nach Sittenbach gehörig daselbst haben auch die Herrn Grafen von Preysing jhre eygenthumbliche Grabstätt."

Schloss Unterweikertshofen um 1700
Michael Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München) hat in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 (!) Kupferstiche bayerischer Schlösser, Klöster und Kirche erstellt. Finanziell lohnte sich die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000 Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos nit hab genüßen können, sodaß ich die Zeit seither schier hätt krepieren muessen". 01)

 

Schlosskapelle

Die Schlosskapelle wurde mit dem Wiederaufbau des Schlosses nach dem 30jährigen Krieg um 1657 fertig gestellt. Damals war sie vor allem ein Ort des Gebetes für die Schlossbediensteten und deren Angehörige. Ein Schlosskaplan las die Messen. Das führte zu Ärger beim erzbischöflichen Ordinariat. Der Pfarrer von Unterweikertshofen (Sittenbach) beschwerte sich über fehlende Einnahmen im Klingelbeutel, da immer mehr Dorfbewohner die Messe bei der Konkurrenz im Schloss besuchten. (Originaltext aus SZ v. 8.9.2007).

In einer Gruft im kirchlichen Friedhof sind zwei Schlossgeistliche beerdigt: 07)

-   Pfarrer und Hofmeister Johann Evang.Riel *21.12.1757 in Wemding, vor Unterweikertshofen Pfarrer in Bonsal, gestorben
    03.05.1823 in Unterweikertshofen
-   Emanuel Fenneberg *08.05.1800 in Zinneberg/Glonn, in Unterweikertshofen wohl nach der Priesterweihe ab 1823, später
    Stadtpfarrer in Erding.

Am Faschingsdienstag des Jahres 1987 stürzte die Kapelle bei Untersuchungsarbeiten über die Statik des Schlosses ein und wurde in den folgenden Jahren wieder aufgebaut.

Derzeit ist die Kapelle wegen Restaurierungsarbeiten ausgeräumt.

Innenausstattung

Die Kapelle ist -von außen nicht erkennbar- im Innern des Schlosses untergebracht. Der rechteckige Raum ist mit einem Gewölbe überdeckt. An der Stirnseite steht -in einer Nische- der Altar. Er wurde um das Jahr 1700 von der Freiherrnfamilie Maendl aus Deutenhofen bei Hebertshausen erworben.

Der Altaraufbau besteht aus vergoldeten Pilastern und einem Sprenggiebel mit Puttenkopf.

Das Altarblatt zeigt im Vordergrund die Heilige Familie. Maria sitzt auf einem grün gepolsterten Hocker und gibt dem Jesuskind die Brust, während der daneben sitzende Josef einen Apfel hält. In seinem Schoß liegt ein Buch.
Am äußersten Rand stehen die Eltern von Maria, die hl.Anna mit einer Schale voll Obst und St. Joachim. Zu Füßen des Jesuskindes spielt ein kleines Kind (vielleicht der gegenüber Jesus um 6 Monate ältere Johannes d.Täufer) mit der leeren Wiege. Im Mittelteil umschweben Engel die Szene, während

Altarblatt
im Hintergrund ein Blick bis in den Him-mel reicht. Von dort aus blicken Gott-vater (mit dreieckigem Heiligenschein und Zepter und Weltkugel) sowie der Gnadenstrahlen aussendende Heilige Geist (in Gestalt einer Taube) segnend herab.
Das Gemälde ist wahrscheinlich nicht für diesen Altar geschaffen worden, weil es größer ist als die Öffnung

zur Vergrößerung  der Figur des hl. Nikolaus  bitte klickenzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Michael  bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Stephanus  bitte klicken
Altarblatt - zum Vergrößern klickenKatharinenbild

zwischen den Pilastern. Möglicherweise ist aber auch der Altar beim Kauf verändert worden, damit er in die Mauernische passt.

Das Antependium des Altars ist in Felder eingeteilt, die innen marmoriert und außen mit vergoldeten Rahmen umgeben sind. Im mittleren Feld ist das Jesusmonogramm IHS angebracht.
  Hinweis: Das Jesusmonogramm ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden:
- als die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS);
- als die Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" = "Jesus, Erlöser der Menschen"


Katharinenbild


Katharinenbild

An der rechten Seitenwand hängt ein Gemälde, das vor dem Hintergrund einer Säulenhalle mit rotem Vorhang die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm und die daneben sitzende hl.Katharina die Große zeigt. Der kleine Johannes der Täufer (im Fellgewand und Kreuzstab mit der Text... Ecce Agnus Dei) kitzelt das Jesuskind an den Füßen. Maria ist in ein rot-blaues Gewand (=traditionelle Marienfarben) gekleidet. Das Jesuskind ist nackt. Katharina stützt sich mit Ihrem linken Arm auf das zerbrochene Marterrad und ist dadurch als Katharina die Große erkennbar. In der Hand hält sie als Zeichen ihres Märtyrertodes einen Palmzweig. Ihr Blick ist auf Jesus gerichtet.
Das Gemälde soll im 19. oder 20.Jh in Italien geschaffen worden sein.
Bildthema ist die mystische Verlobung von St.Katharina mit Jesus.
Einer Überlieferung zufolge hatte Katharina aufgrund der Weissagung eines Eremiten die Vision einer sposalizio mistico, einer mystischen Anverlobung mit Christus. Maria und Johannes der Täufer sind die Trauzeugen.

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Orgel

Die kleine Orgel im Barockdekor ist noch nicht so alt, wie ihr Äußeres vermuten lässt. Sie wurde erst vor wenigen Jahren als Geburtstagsgeschenk für den Grafen erworben.
Allgemeines zur Orgel - Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen aus Holz oder Metall, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei.

 

Paramente

Im Schloss sind auch noch eigene Paramente, schön bestickte Messgewänder vorhanden. Sie wurden von den Priestern genutzt, die Messfeiern, Taufen oder Andachten in der Kapelle gehalten haben.

Frühere Anna-Hand-Reliquie

Früher soll in der Kapelle auch eine Reliquie der hl.Anna, die sog. Anna-Hand, aufbewahrt worden sein. Ob sie noch existiert oder wo sie aufbewahrt wird, ist mir nicht bekannt.
Dabei könnte es sich um eine Berührungsreliquie gehandelt haben, die an der Original-Anna-Hand, der angeblichen mumifizierten rechten Hand von St.Anna in Wien angelegt worden war. Diese Originalreliquie war 1678 aus Istanbul nach Wien gekommen, wo sie zunächst im Kaiserhof aufbewahrt und später der Kirche St.Anna übereignet wurde. Heute wird sie im Jesuitenkolleg in Wien aufbewahrt. Die Verehrung von St.Anna stand im 17.Jh noch hoch im Kurs und so entstanden in kurzer Zeit viele Nachbildungen, meist aus Wachs, verziert mit bunten Steinen und Gold-und Silberlahn. Sie werden in Glaskästchen aufbewahrt. Im Landkreis Dachau sind weitere Annahand-Reliquien im Annaaltar der Hofmarkkirche zu Schönbrunn, im rechten Seitenaltar von Schwabhausen und insbesondere in der Kirche von Feldgeding aufbewahrt.

Hans Schertl

Quellen:
01) Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
02) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
03) Dachauer SZ v. 8.9.2007 (Geschichte d.Kapelle)
04) Dr. Georg Graf von Hundt zu Lautterbach, 2005
05) Ausstellung Schloss Unterweikertshofen, 2010
06) Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Rosen)
07) Frau Irene Loibl, 2016 (Schlossgeistliche)
08) Eberl/Hartl, Die Ortsgeschichte Bergkirchens bis zur Gegenwart, Ortschronik 2014, S. 30
09) Dr.Michael Losse, Das Burgensterben im Dachauer Land, Röhrmooser Heimatblätter 2019

7 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür


6.1.2020