zur Landkreiskarte                      Kirchen in der Gem.Erdweg


Pfarrzentrum St.Paulus in ERDWEG

 

Adresse: 85253 Erdweg, Pater-Cherubin-Straße 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

 
Geschichte des Orts

Der Ortsname Erdweg hat sich wahr-scheinlich aus Hertweg (harter Weg - Steinstraße) entwickelt. Dies weist auf die früher hier vorbeiziehende Römerstraße hin. Möglicherweise gab es schon damals an dieser Stelle eine Raststätte.  

Im Mittelalter bestand Erdweg nur aus "Taferne, Mühle und 3 Sölden". Auch in den nächsten Jahrhunderten blieb Erdweg eine unbedeutende Siedlung mit einem bedeutenden Wirtshaus an der Straße zwischen München und Aichach. Auch die Bahnstation um 1910 änderte daran kaum etwas.

Erst als Erdweg bei Gebietsreform 1972 wegen seiner Mittellage zum Sitz der neuen Großgemeinde bestimmt wurde, begann eine rasante Entwicklung:
Aus fünf Anwesen entstand ein aufstrebendes Kleinzentrum. Die Gemeinde hatte 2018 über 6000 Einwohner.

Geschichte der Kirche

In Erdweg stand schon im 9.Jh ein Bethaus. Dies ist einer Urkunde zu entnehmen, die an einem 5. oder 9. September eines Jahres zwischen 818 und 821 ausgestellt worden war. Darin ist eine Schenkung beurkundet: ein Priester namens Erchanperht übergab ein Bethaus nebst Eigenbesitz zu Ratinwege dem Bistum Freising. Das Jahr der Ausfertigung der Urkunde fehlt. Doch 818 war der Schenker Erchanperht noch Diakon. 01)

Diese Kirche in Erdweg hat sich im Laufe der Jahrhunderte nicht erhalten. Bis in die  1970'er Jahre gingen die wenigen Bewohner Erdwegs in die nahegelegene Kirche von Walkertshofen.

Als die Pläne reiften, die umliegenden politischen Gemeinden bei der Gebietsreform zur Gemeinde Erdweg zusammenzufassen, war im neuen Gemeindesitz Erdweg eine Großkirche ins Auge gefasst worden. Der damalige Pfarrer, Pater Cherubin Uhl, wollte nach dem Vorbild der französischen Zentralpfarreí einen gemeinsamen kirchlichen Mittelpunkt schaffen. Doch rückte man später wieder von dieser Idee ab, weil man sich bewusst wurde, dass die Kirchen in den Dörfern nach dem Verlust von Schule, Gemeinde, Wirtshaus und Kramerladen oft die einzige Zentren geblieben waren. 03)
Das neue Gemeindezentrum, in dem der Gottesdienstraum untergebracht ist, wurde drei Jahre nach der Gründung des Pfarrverbands Erdweg im Jahr 1973, errichtet. Architekten waren Steigle und Partner, München.
07)


Gründung des Pfarrverbands Erdweg

Am 1.Febr.1970 wurde in Erdweg unter der Leitung des 30jährigen Pfarrers Engelbert Wagner 08) der erste Pfarrverband der Diözese München-Freising unter der Bezeichnung "Verbandspfarrei Erdweg" gegründet. Er diente als Modell für eine inzwischen immer größer werdende Zahl von Pfarrverbänden, die Ausfluss des großen Priestermangels in Deutschland sind.  

Das Kirchenrecht erwähnt die Organisationsform eines Pfarrverbandes nicht ausdrücklich. Dennoch ermöglicht CIC §374 (2) diese Art des Zusammenschlusses von Pfarreien: „Um die Seelsorge durch gemeinsames handeln zu fördern, können mehrere benachbarte Pfarreien zu besonderen Zusammenschlüssen, z. B. zu Dekanaten vereinigt werden. Da der CIC die Dekanate nur als Beispiele nennt, sind auch andere Formen möglich. 09)
Im Pfarrverband wohnten im Zeitpunkt seiner Planung um 1970 insges. 3300 Katholiken (Walkertshofen: 500; Welshofen: 650; Großberghofen: 350; Kleinberghofen: 450; Hirtlbach: 650; Arnbach 700). 02)

Viele Aufgaben werden nun von sog. Laien wahr-genommen. Das ist -wie der frühere Landvolkpfarrer Zenner erklärte - ein großer Schritt nach vorne, von der "Versorgungs-Kirche" zur "Mitmach-Kirche". Dieser Schritt ist die Voraussetzung für die Gestaltung einer lebendigen Kirchengemeinde, der auch den Frauen viele Chancen zur Mitarbeit bot
08).
Im Eingangsbereich des Pfarrzentrums hängt ein Wandteppich, den Frauen aus dem Pfarrverband zur Einweihung des Pfarrzentrums angefertigt haben.

Wandteppich mit allen Kirchen des Pfarrverbands
Auf den Teppich sind Stoffbilder aller dazugehörender Kirchen genäht, die sich um ein Bild des hl.Paulus, des Patrons des Pfarrverbands, gruppieren.

 

Inneneinrichtung 05)

Das Pfarrzentrum enthält das Pfarrbüro, die Bücherei, Sozialräume, ein Kapelle und einen Mehrzweck-Gottesdienstraum.

Der quadratische Gottesdienstraum aus Fertigbauteilen wird von einer Flachdecke mit herunterhängender Stahlkonstruktion überdeckt. Große Glasfenster und -türen auf der Ost- und der Westseite erhellen den Raum. Der Altar ist ein einfacher Tisch, der auf einem Podium steht.

Das Altarkreuz hinter dem Altar hat vergoldete, gleich lange Kreuzbalken, mit einer quadratischen, grünen Glasplatte dazwischen.

Eine Vielzahl von gelben Stühlen, die halbkreisförmig um den Altar herum aufgestellt sind, bieten den Gottesdienstbesuchern Platz.
Der Gesang der Gläubigen wird von einer elektronischen Orgel begleitet.

Kreuzwegbild
Mehrzweck-Gottesdienstraum

Kreuzwegtafel
Kreuzweg
Rechts hinter dem Altar ist an der Rückwand ein 198 x 198 cm großes Glasgemälde mit Bleistegen angebracht. Das Bild wurde von Wolfgang Huss aus Hirtlbach 1974/75 geschaffen (sign.). 07)
In der Mitte wird Jesus am Kreuz dargestellt, von vielen weiteren Kreuzwegszenen umgeben.
Unten der Text: "Denk daran welchen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat
Er war wie Gott- aber er betrachtete diesen Vorzug nicht als unaufgebbaren Besitz. Aus freiem Entschluss gab er alles auf und wurde wie ein Sklave. Er kam als Mensch in die Welt und lebte wie eine Mensch - im Gehorsam gegen Gott ging er den Weg der Erniedrigung bis zum Tod. Er starb den Verbrechertod am Kreuze.
Dafür hat Gott ihn über alles erhöht und hat ihm den höchsten Ehrennamen verliehen, den es gibt - Alle Wesen, die Gott geschaffen hat, müssen vor Jesus niederknien und ihn ehren. Ob sie nun im Himmel, auf der Erden oder im Totenreich sind - Alle müssen feierlich zum Ruhm Gottes des Vaters bekennen: Jesus ist der Herr.

Krippe 06)

In der Weihnachtszeit wird seit 1989 im Pfarrzentrum eine Krippe mit großen Figuren aufgebaut.
Die Figuren hat der Bildhauer Anton Westermeir aus Unterweikertshofen geschnitzt. Die Kleidung wurde von Mitgliedern des Pfarrgemeinderats genäht. Die Krippe begann mit wenigen Figuren und wächst noch immer. 2009 kam z.B. ein Lama zu der Gruppe, die auch die Dreikönige umfasst. Diese Heiligen werden kunstgeschichtlich als Vertreter der Weltbevölkerung gedeutet, die dem Gotteskind huldigen. Während die Figuren üblicherweise die drei alten Kontinente Asien, Europa und Afrika verkörpern, wird in Erdweg durch einen Indio-König aus Lateinamerika auf den neuen Kontinent Amerika hingewiesen. Der Pfarrverband Erdweg unterstützt seit vielen Jahren soziale Projekte in der Diözese Riobamba im Hochland von Ecuador.

Krippe
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Kapelle

Der Altar in der kleinen Kapelle besitzt eine Steinplatte, die auf Metallfüßen steht. Dort ist auch der Tabernakel untergebracht, ein 1,70 cm hohes Stahlgestell mit kastenförmigem Einsatz. Auf dem Tabernakel befindet sich das Ewige Licht. Beide wurde vom
Altar und Tabernakel stammen vom Künstler Berchtenbreiter aus München (1973)
07)


Paulusbild
Das 300 x 120 cm große Bild an der linken Wand ist dem Kirchenpatron, dem hl.Paulus gewidmet. Auch dieses Bild stammt von Wolfgang Huss; er hat es mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt 07) .
In mehreren Einzelszenen werden wichtige Stationen aus dem Leben des Kirchenpatrons dargestellt:
- seine Bekehrung vor Damaskus,
- das Gespräch mit Petrus,
- die versammelte Gemeinde und
- die Missionsreisen.

Interessant ist ein Detail aus der Szene "versammelte Gemeinde": Ganz rechts streckt eine Katze den Schwanz in die Höhe. Es ist die Katze von Paulus, die einen untrüglichen Sinn für gute oder schlechte Stimmung der Menschen hatte. Paulus nahm das Tier gerne zu Versammlungen mit.
Paulusbild

Muttergottesfigur

Die schlanke Muttergottesfigur aus dem Ende des 17.Jh 07) ist eine Leihgabe des Hauses Petersberg.

Maria trägt Jesus auf dem Arm. In der Hand hält sie ein Zepter. Ihr Haupt ist von einer Helmkrone bedeckt und von einem Kranz von 12 Sternen umgeben. Ihre Füße ruhen auf einer Mondsichel.
Es handelt sich um eine Holzfigur mit (schadhafter) Lüsterfassung.

An der Rückwand ein teilweise emailliertes Bildnis des "Ecce Homo". Es ist ein Probestück für einen Kreuzweg 07) .

Hans Schertl

Quellen:
01) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.470)
02) Barthel Moosrainer in Dachauer Nachrichten, 21./22.2.1970
03) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
04) Dachauer SZ vom 30.9.2003
05) Anneliese und Alfred Bayer, 2007
06) Krippenausstellung Erdweg, Dezember 2009 '
07) Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1982
08) Joachim Burghardt, Wir tragen einen Schatz, Münchner Kirchenzeitung v. 23.2.2020 S.9
09) https://www.erzbistum-muenchen.de/pfarrei/pv-karlsfeld/cont/66422

10 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Pfarrverband Erdweg - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

24.2.2020