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Antoniuskapelle in ZILLHOFEN

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
Navi-Adresse: 85258 Weichs, Zillhofen 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kapellenbeschreibung
Zillhofen besaß bis Mitte der 1970er Jahre zwei Kapellen. Die kleinere am südlichen Ortsrand, die um 1700 erbaut worden war, wurde abgerissen, nach-dem Diebe sie völlig ausgeraubt hatten.

 


B
eschreibung 

Zillhofen wurde 1146 als "Zillenhoven" schriftlich erwähnt. Dies könnte "Höfe an der Grenze" bedeuten. Hier verlief früher die Grenze zwischen dem Gebiet der Herren von Weichs und von Indersdorf.
Alois Angerpointner hat eine weitere Deutung eingeführt: Zillhofen könnte sich aus dem Wort "Zeus" entwickelt haben. Dafür spreche die vermutete Anwesenheit der Römer in Weichs und der Verlauf der Römerstraße.

Über Jahrhunderte waren die Höfe im Besitz des Klosters Indersdorf. Kirchlich gehörte es seit jeher zur Pfarrei Vierkirchen. Erst 14.2.1867 wurde Zillhofen auf Betreiben von Pfarrer Georg Baustädter "wegen der größeren räumlichen" Nähe in die Pfarrei Weichs "umgesprengelt".

   


Die heute noch bestehende Votivkapelle St.Antonius in der Ortsmitte wurde von der Fam. Eberl in den Jahren 1947/48 erbaut.
Auf einer Widmungstafel an der Südostseite steht der Grund für den Kapellenbau:
  "Frau Theres Eber, Bäuerin in Zillhofen
errichtete diese Kapelle im Jahr 1947/48 zur frommen Erinnerung an
Thomas Schmid, Bauer in Zillhofen, gefallen 1915 in Frankreich
und seinen Sohn Josef Schmid, gefallen 1944 in Estland
und Georg Schmid, Bauer in Zillhofen, gest. 1918 in Zillhofen,
Anton Eberl, Bauer in Zillhofen und seinen Sohn Anton,
beide ermordet am 12. Juni 1945 in Zillhofen."


Am Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sich im Norden des Landkreises Dachau Banden gebildet, die gezielt einsam gelegene Bauernhöfe ausraubten.

Außergewöhnlich an dem Vorfall in Zillhofen war, dass die Mörder es nur auf Männer abgesehen hatten und dass sie nichts raubten.

Eine detaillierte Schilderung des Überfalls können Sie einem Zeitungsbericht entnehmen, in dem die Bäuerin die Schrecken der Nacht am 12. Juni 1945 schildert. Klicken Sie hier...

Ausstattung der Kapelle

Die Kapelle besitzt eine schöne, mit Blumenmotiven bemalte Balkendecke. Die Inschrift auf dem Querbalken über dem Altar lautet: Heiliger Antonius, bitt für uns.
Auf dem blau bemalten Holzaltar mit dem Christusmonogramm im Antependium ist eine einfache Schnitzfigurengruppe aufgestellt. Es zeigt den sitzenden hl.Antonius mit einer Bibel in der rechten Hand. Vor ihm steht das Jesuskind, das seine linke Hand segnend erhebt.

Die Kapelle wurde dem hl.Antonius geweiht, weil die beiden Ermordeten mit ihrem Vornamen 'Anton' hießen und zudem noch an ihrem Namenstag, dem 12. Juni, umgebracht wurden.


Kreuzigungsszene

An den Wänden der Kapelle hängen zwei Bilder in Glasrahmen:

- links wird die Kreuzigung Jesu dargestellt, mit Maria und Johannes unter dem Kreuz;

- rechts ist die Muttergottes mit dem Kind auf dem Arm zu sehen. Sie schwebt, umgeben von Engeln, auf einer Wolke über einer kleinen Ortschaft.



Maria über Zillhofen


Hinweis: Der Patron der Kapelle, St. Antonius, lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

Hans Schertl

Quellen:
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Gemeinde Weichs, So war's bei uns, 1989 (Zeus, 1867)
Dachauer Nachrichten vom 12.06.1995 (Hofchronik)
Dachauer Nachrichten v. 15./16.11.2003
Dr.Norbert Göttler im Rahmen der Veranstaltung "Krieg und Frieden" am 11.9.2005

5 Bilder: Hans Schertl (2001,2005)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018


Mordnacht von Zillhofen bis zum heutigen Tag ungesühnt

Vater und Sohn Eberl von Banditen erschossen - Einladung zur Gedenkmesse
Dachauer Nachrichten vom 12.06.1995

Weichs-Zillhofen (jn) - In den letzten Monaten gab es unzählige Gedenkfeiern, die an die schlimmen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges erinnerten. Am heutigen 12. Juni, also genau vor 50 Jahren, geschah auch in Zillhofen auf dem „Hanslpeterhof“ eine bis heute ungeklärte Mordtat.

Der Bauer Anton Eberl und sein Sohn gleichen Namens wurden von einer umherziehenden "Bande" erschossen. Simon Eberl, der heutige Besitzer des Hofes, war zu dieser Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft und erfuhr erst nach seiner Rückkehr im Jahre 1950 vom Mord an seinem Vater und dem Bruder. Vielleicht wäre auch er ein Opfer dieser Mordnacht gewesen.

Die überlebende Bäuerin Theres Eberl konnte zum Nachbarhof vom "Gorebaur" fliehen, wo sie sofort versteckt wurde. Auch dort wurde geschossen, aber niemand verletzt. Thomas Schmid, Stiefbruder von Simon Eberl, schrieb in einer Hofchronik die Ereignisse der damaligen Zeit detailgenau nieder.
Hier ein Auszug:
 

"Am 12. Juni spät nachts stieg eine Gruppe wilder Burschen, denen die Haare über das Gesicht hingen, durch die Türe der "Altane", eines Balkons über dem vorderen Eingang, ins Haus ein. Sie rammten alle Türen mit Gewalt, die ihnen im Wege waren. Sie gingen nach unten und brachen die Kammertüre auf, wo Bauer und Bäuerin schliefen.
In den Händen hielten sie Pistolen und schossen wild in der Gegend herum.
Anscheinend hatten sie es nur auf die Männer abgesehen. Sie trafen den Bauern Anton Eberl, der tot auf dem Hausgang liegen blieb, zwischen Küche und Kellertreppe. Dem Sohne Anton gelang es noch, aus dem Haus zu fliehen. Sie verfolgten ihn. Man fand ihn erst nach einigen Stunden im Kartoffelfeld hinter dem Garten des Nachbarn.
Die sonst im Hause wohnenden Leute, vor allem die Tochter Theres Schmid und die Flüchtlinge, hielten sich in ihren Zimmern verschlossen. Es ist ihnen nichts geschehen. Man konnte auch sonst im Hause nicht feststellen, dass die Mörder Sachen, mitgenommen hätten. Sie schienen sich längere Zeit in der Küche aufgehalten zu haben, könnten vielleicht sogar gekocht haben.
Die Frau Theres Eberl flüchtete bei den furchtbaren Ereignissen zum Nachbarn, der sie im Haus aufnahm. Nach einiger Zeit kam H. Kooperator Lanzinger auf den Hof, um den Toten noch die heilige Ölung zu spenden. Den Sohn Anton Eberl musste er erst mittels einer Kerze in der finsteren Nacht suchen.
Später kam ein Kommando amerikanischer Soldaten, die aber von den Tätern keine Spur mehr fanden. Amerikaner bewachten auch in der folgenden Nacht den Hof.
Die Bewohner der Bauernhöfe in der Umgebung, die nicht in geschlossenen Ortschaften lagen, getrauten sich nicht mehr, auf ihren Höfen zu schlafen. Auch unsere Nachbarsleute gingen nachts nach Weichs zum Schlafen. Der Vorfall auf dem Hanslpeterhof wiederholte sich in der Umgebung in ähnlicher Weise. Bloß wurde in den meisten Fällen auch auf den betroffenen Höfen geplündert. Überall lebte man in größter Angst, es war eine schreckliche Zeit. "

Dies der Bericht aus der Hofchronik.

Die Witwe Theres Eberl entschloss sich nach den schweren Ereignissen der zwei Weltkriege, in denen sie ihre zwei Ehemänner und drei Söhne verlor, eine Kapelle zur Erinnerung zu errichten.
Weil der Doppelmord in der Nacht zum Antoniustag geschah, und die beiden Opfer Anton hießen, sollte es eine Antoniuskapelle werden. Sie wurde zum dritten Jahrestag, 1948, soweit fertiggestellt, dass die Einweihung stattfinden konnte. Sie wurde feierlich vom Kooperator Thomas Schmid, der mittlerweile aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, vorgenommen.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1992, bis dahin war er Pfarrer in Walpertskirchen, wurde jährlich am 12. Juni eine heilige Messe von ihm abgehalten. Heute, am 50. Jahrestag, wird Dekan Georg Reichl um 19 Uhr in der Antoniuskapelle in Zillhofen die Gedenkmesse zelebrieren, zu der er auch alle Pfarreibürger eingeladen hat.

recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen