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Kalvarienberg in WENIGMÜNCHEN

KreuzigungsgruppeDismasSoldat LonginusSchächer Gestaszuur Beschreibung der Kapelle

Wenigmünchen, Kalvarienbergstraße
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Der Kalvarienberg Wenigmünchen ist eine weithin bekannte Stätte der besonderen Verehrung des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Er liegt auf dem leicht abschüssigen Plateau der höchsten Erhebung inmitten des Ortes und ist eine Oase der Besinnung und Meditation.

Auf dem 515 m hoch gelegenen dem Platz hat im Spätmittelalter wohl eine Höhenburg gestanden, deren Mauern heute völlig eingeebnet sind (Burgstall). Heute ist die Stelle als Bodendenkmal D-1-7733-0257 „Burgstall des hohen und späten Mittelalters“ vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erfasst. 01)

Die Anlage umfasst eine Kapelle mit einem Geißelheiland und einem Grabchristus, dreizehn gemauerte Kreuzweghäuschen sowie eine Steinfigurengruppe aus drei Kreuzen, der Gottesmutter Maria, dem Apostel Johannes, der knienden Maria Magdalena und dem römischen Centurio Longinus zu Pferd mit Lanze. In die Mitte des Platzes hat man einen Baum gepflanzt, der das Areal wie ein großer Schirm beschattet.


Öffnungszeiten

Die Fensterläden an den Kreuzwegstationen und die Kirche werden von der engagierten Betreuerfamilie Thurner an folgenden Tagen aufgesperrt:
  Von Palmsonntag bis Allerheiligen
An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen
von 9 Uhr bis 19 Uhr
Bei Regenwetter bleibt der Kalvarienberg geschlossen (wegen des Schutzes der historischen Kreuzwegbilder)
Die übrige Zeit kann der Kalvarienberg zwar betreten werden, die Kreuzwegbilder sind aber verdeckt und die Kapelle ist nur durch ein kleines Fensterchen zu besichtigen.

Geschichte

Der Kalvarienberg wurde unter Pfarrer Josef Wenig im Jahre 1740 angelegt.

Die erste Renovierung war schon 1769 notwendig, die letzte größere Renovierung erfolgte 1978. Seit 2008 wird von Mitgliedern der Pfarrei und von der Betreuerfamilie Thurner in vielen kleinen Schritten weiter an der Erhaltung gearbeitet. Dies ist ein kosten- und arbeitsintensives Unterfangen. Inzwischen führt neben der kurzen befestigte Treppe auch eine Rollstuhlrampe von der Straße zum Kalvarienplatz.

Beschreibung im Pfarrbuch ab 1740 02)

Die erste Beschreibung über den Bau des Kalvarienberges ist in den Pfarrbüchern der Pfarrei Wenigmünchen zu finden. Darin schreibt Pfarrer Josef Wenig:

Im Jahre 1740 ist alhier zu Wenigmünchen mit Consens und Verlaub hochgeistlicher und weltlicher Obrigkeit, dann auf grund der Herrschaft (Grafen Hundt von Lauterbach) willen, zu Ehr auch schuldiger Dankbarkeit für das bittere leiden und Sterben... Jesu Christi, unseres allerliebsten Erlösers aufgerichtet worden: Der Calvarienberg und dabei der hl.Kreuzweg, 12 gemauerte Stationes, den 8.Sonntag nach Pfingsten, am Feste des hl.Ignatius, den 31.Juli.

Der Grund, auf welchem der Calvarienberg erbaut, gehört zu dem Pfarrhof, hat jedannoch der Pfarrer die Nutznießung wie ansonst. Die Unkosten, solchen zu erbauen seynd aus purer Freigebigkeit frommer Personen hergenommen worden... ist khein ainziger Mensch umb bysteuer darzu angesprochen worden, alles klagen und murren zu verhüten. Wohltäter bei der Aufrichtung des Calvarienberges seynd gewesen: Die fünf stainern bilder (weit über Lebensgröße) seynd von Neuburg a./D. aus der Pfalz hergestellt worden, allwo der Bildhauer alldort und der von Ingolstadt.. haben in alweg gekostet: 102 fl.

Die 12 stations tafflen seyend gemacht worden in Aibling unter München von einem Maler aus der nachbarschaft zu Hiepersried (Hilpersried ?) gebürtig haben gekostet in all 62 fl. (Gulden) 13 kr. (Kreuzer) 4 hll. (Heller).

Das Bildnis unseres Herrn in der Grabkapelle, auch von dort hat gekostet 10 fl.,
Mauersteine bei 7145 Stück - hat also die Summa aller Materilalien und unterschiedlicher Handwerksleuth und ausgaben betroffen 312 fl. 21 kr. 4 hll.
Die Statue Longini ist anno 1741 den 1.Oktober von den bildhauern zu Ingolstadt und Neuburg verfertigt und am Rosenkranzfest aufgerichtet worden; diese Statue Longini hat gekostet 51 fl.
Die Kapelle hat ein zierliches Kuppeltürmchen mit dem sogenannten Apolloniglöckerl (Patronin gegen Zahnschmerzen) welches gerne von einzelnen Frauenspersonen des Wallfahrtszuges nach Andechs aus der Aichacher Gegend mit den Zähnen geläutet wird. Diese Wallfahrt findet statt am Montag nach dem 4.Sonntag nach Pfingsten Und beteiligen sich gegen 3-400 Personen, welche hier Mittagsrast machen; Rückkehr und Durchgang hier am Donnerstag der selben Woche. Dieses Glöcklein wird auch geläutet, wenn drohende Wetter aufsteigen..."

 

Kalvarienberggruppe

Die Kalvarienberggruppe an der Kalvarienbergstraße ist ein geschütztes Baudenkmal. Die Gruppe aus Jurasandstein 02) (Dehio: Jurakalk 03) ) besteht aus drei Kreuzen, der Gottesmutter Maria, dem Apostel Johannes, der knienden Maria Magdalena und dem römischen Centurio Longinus zu Pferd. Die Figuren waren ursprünglich bemalt. 02) Die beiden gekreuzigten Schächer haben Einschnitte in den Füßen und Armen. Diese weisen darauf hin, dass bei der Kreuzigung die römischen Soldaten den gekreuzigten Räubern die Gebeine zerschlugen. Bei Jesus unterließen sie das, weil der schon tot war (Joh 19,34).

 
    
Der gute Schächer Dismas
Der röm.Soldat Longinus
Maria - Magdalena - Johannes
Der uneinsichtige Schächer Gestas


Guter Schächer Dismas
Dismas war der Legende nach der reuige Schächer zur Rechten Christi, dem bei der Kreuzigung die Verheißung zuteil wurde: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein." (Lk 23, 43).
Im arabischen Kindheitsevangelium aus dem 6. Jh. wird er als der Räuber beschrieben, der der Heiligen Familie bei der Flucht nach Ägypten (Mt 2, 13-15) den Weg zeigte und sie in das Räuberhaus aufnahm.
Der Name Dismas wird erstmals im apokryphen Nikodemusevangelium (9, 4) genannt.
Dismas wurde nie offiziell kanonisiert, obwohl er seit der alten Kirche wie ein Heiliger verehrt und auch tituliert wurde. Kath. Gedenktag: 25. März
Dismas wird besonders in Zypern verehrt, wohin auch sein Kreuz gelangt sein soll.
Er gilt auch als Patron der zum Tode Verurteilten. Deshalb wurden am Fuße von Galgenbergen Dismasstatuen aufgestellt, an denen der Verurteilte vor der Exekution ein letztes Gebet sprechen konnte.

Longinus mit der Lanze

Longinus
Die Longinusstatue wurde erst ein Jahr später hinzugefügt. Sie war für 51 Gulden von Bildhauern aus Ingolstadt und Neuburg erstellt worden.
Longinus war nach dem apokryphen Nikodemusevangelium und nach der Legenda aurea jener römische Centurio, der Jesus nach dessen Tod einen Speer (die „Heilige Lanze“) in die Seite gestochen haben soll und der die Gottessohnschaft Jesu bezeugte. "Wahrlich das war Gottes Sohn" (Mtth 27, 54).
Die Heilige Lanze, die seit dem frühen Mittelalter zu den Herrschaftsinsignien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, den Reichskleinodien, gehörte, wurde erstmals in einem päpstlichen Schreiben aus dem ersten Drittel des 13. Jh. mit der Lanze des Longinus identifiziert. Sie enthält angeblich ein Stück des Nagels vom Kreuz Christi und befindet sich in der Schatzkammer im Kunsthistorischen Museum in Wien.
Gedenktag katholisch: 16. Oktober


Maria

Die Gottesmutter Maria stand nach dem Evangelium (Joh 19,25-27) zusammen mit ihrer Schwester, der Frau des Klopas, und Maria von Magdala unter dem Kreuz. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."
Die künstlerische Darstellung der unter dem Kreuz stehenden schmerzensreichen Mutter (Mater Dolorosa) bezieht sich auf das aus dem 13. Jh. stammende Gedicht Stabat mater:
    Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing.
    Durch die Seele voller Trauer, schneidend unter Todesschauer, jetzt das Schwert des Leidens ging.
    Welch ein Schmerz der Auserkornen, da sie sah den Eingebornen, wie er mit dem Tode rang.
    Angst und Jammer, Qual und Bangen, alles Leid hielt sie umfangen, das nur je ein Herz durchdrang.


Jesus am Kreuz
Kreuzigungsgruppen befinden sich in Kirchen, Klöstern, Bildstöcken, sind Stationen von Kreuzwegen, Kalvarienbergen wie hier in Wenigmünchen oder dienen als Flur- oder Gipfelkreuze. Die frühen Darstellungen bis in die Romanik zeigten Christus noch als König; der Gekreuzigte in der Gruppe der Seinen entwickelte sich bis zur Gotik. Je nach Art und Ort der Darstellung befinden sich in einer Kreuzigungsgruppe auch andere Figuren als Maria und Johannes, etwa der gute und der schlechte Schächer (Dismas und Gestas bzw. Kosmas), der Soldat, der den Schwamm mit Essig tränkt (Stephaton), die würfelnden Soldaten oder Longinus, der Jesus mit der Lanze die Seite öffnet.
Die künstlerischen Darstellungen lösten sich mit der Zeit vom Text des Evangeliums und nahmen Überlieferungen etwa aus der Legenda Aurea, Gestalten von Heiligen oder Inhalte von Privatoffenbarungen auf, etwa der Relationes de via et passione Jesu Christi der hl. Birgitta. Dazu gehören der Schädel Adams am Fuß des Kreuzes, Engel, der Palmesel, Heilige aus allen Zeiten sowie Stifterfiguren.


Maria Magdalena

Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Mit Jesus und den Jüngern zog auch Maria nach Jerusalem; zusammen mit zwei anderen Frauen flüchtete sie aber nicht wie die anderen Jünger, sondern blieb bei der Kreuzigung und dem Sterben Jesu dabei (Mtth 27, 55). Maria war an der Kreuzabnahme Jesu beteiligt und verharrte nach der Grablegung durch Joseph von Arimathaia weinend am Grab. Sie ging dann am Morgen nach dem Sabbat zusammen mit zwei anderen Frauen zum Grab, um den Leichnam Jesu einzubalsamieren; Dabei wurden die ersten Zeuginnen des leeren Grabes und der Botschaft des Engels: Erschrecket nicht! Er ist nicht hier, er ist auferweckt worden (Mk 16, 6) und erhielten den Auftrag, dieses den sich versteckt haltenden Jüngern zu berichten. Fest am 22.Juli


Johannes Evangelist
Der Apostel Johannes stand nach der Bibel (Joh 19,25-27) mit Maria und weiteren Frauen unter dem Kreuz. Als Jesus beide sah, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Sieh, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich." Johannes ist der einzige Mann, der sich sich im Zeitpunkt der Kreuzigung noch offen zu Jesus bekannte. Er hatte die Kraft und den Mut, sich zusammen mit den anderen Frauen unter das Kreuz zu stellen.
Johannes war der Bruder des Apostels Jakobus. Er wurde als vierter zum Jünger Jesu berufen (Mk 1, 19) und entwickelte sich zum Lieblingsjünger Jesu. Johannes wurde als erster der Jünger Zeuge des leeren Grabes am Ostermorgen (Joh 20, 4f) , als erster erkannte er auch den Auferstandenen bei dessen Erscheinung am See Genezaret, dem heutigen Jam Kinneret (Joh 21, 7). Fest am 27.Dezember

Schächer Gestas

Der uneinsichtige Schächer Gestas hängt mit versteinerter, verbitterter Miene am Kreuz.
In der biblischen Überlieferung (Mk 15,32) sind die Namen der Schächer nicht genannt. Sie finden sich zum ersten Mal im Nikodemusevangelium (9,4), einer apokryphen Schrift aus dem 4. Jahrhundert nach Christus, wo der "gute" Schächer als Dismas und der unbußfertige Schächer als "Gestas" benannt werden.
Nach der Passionserzählung des Evangelisten Lukas (23,39-43 EU) war es Gestas, der Jesus verhöhnte, worauf ihn sein Leidensgenosse auf der anderen Seite zurechtwies. "Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: 'Bist du denn nicht der Christus ? Dann rette dich selbst und auch uns!' Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott ? Dich hat doch das gleiche Urteil getrof-fen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten".

 

Kreuzwegstationen

Umgeben ist der Kalvarienberg von einem Kreuzweg mit 13 Stationen, die als gemauerte Bildstöcke gestaltet sind. Die steinernen Bildtafeln wurden in Bad Aibling hergestellt und von einem Maler aus dem benachbarten Hilpertsried bemalt. Sie kosteten 62 Gulden. 02) Früher waren es 12 Stationen; die 13.Station wurde erst später ergänzt. 02)
Kreuzwege haben heute in der Regel 14 Stationen. Die Funktion der fehlenden Station, hier die 12.Station (Jesus stirbt am Kreuz), wird durch die steinerne Kreuzigungsgrupppe übernommen.
Heute schützen hölzerne Fensterläden die auf Steinplatten gemalten Bilder. Die Fensterläden der Kreuzwegstationen und die Kapelle werden an Sonn- und Feiertagen im Sommer von der Betreuerfamlie Thurner aufgesperrt, um Besuchern und Wallfahrern die Möglichkeit für ein Gebet vor den Bildern zu geben. 02)

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach.
Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend.

Kreuzwegbilder

 


Grablegungskapelle

In der Mitte der bogenförmig angeordneten Kreuzwegstationen steht eine kleine barocke Grablegungskapelle. Sie ist der heiligen Apollonia geweiht.

Die Kapelle ist ein rechteckiger Bau mit Satteldach.
Auf der Vorderwand sitzt ein relativ großer
Dachreiter , der dem Gebäude sein Gepräge gibt. Im unteren Teil ist er viereckig mit einem sich verbreiternden Gesims. Der obere Teil ist achteckig, mit vier Schallfenstern in barocker Form Die Mauerecken sind mit gelb gefärbten Lisenen optisch herausgehoben. Gekrönt ist der Turm mit einer schönen gedrückten Zwiebel aus Kupferblech. Den oberen Abschluss machen eine vergoldete Kapsel und ein Kreuz.
Im Turm hängt seit 270 Jahren ein Glöckchen das der hl. Apollonia geweiht ist. In der Beschreibung von 1740 steht dazu: "Die Kapelle hat ein zierliches Kuppeltürmchen mit dem sogenannten Apollonieglöckerl (Patronin gegen Zahnschmerzen) welches gerne von einzelnen Frauenspersonen des Wallfahrtszuges nach Andechs aus der Aichacher Gegend mit den Zähnen (!) geläutet wird". Die hl.Apollonia wurde der Legende nach während der Christenverfolgung um das Jahr 250 auf vielfache Weise gefoltert. Unter anderem schlug man ihr alle Zähne aus.
Die Apolloniaglocke wird heute noch beim Aufziehen eines Gewitters geläutet (Wetterläuten). Damit sollen einerseits Unwetter abgehalten oder weggetrieben werden, andererseits dient das Läuten auch
als akustisches Warnsignal für die Bevölkerung vor der drohenden Gefahr. 02)

Der Boden um die Kapelle ist mit Pflastersteinen belegt.


Vor die Kapelle ist ein relativ großes Vorhaus gebaut, das den Eingang vor der Witterung schützt. Das Vorhaus besitzt ein kleineres Satteldach.
An der Frontseite des Vorhauses befindet sich eine Kreuzwegstation. Über ihr ist ein gelber Segmentgiebel angebracht. Zwei weitere Kreuzwegstationen sind an die Seitenwände der Kapelle im rechten Winkel angebaut.

Innenausstattung

Das Innere der Kapelle ist relativ dunkel. Der Raum wird nur von zwei kleinen Fensterchen und der Tür erhellt.

Neben dem Eingang steht ein schöner Opferstock aus behauenem Stein mit großen Eisenschließen zum Schutz der Opfergaben.

Blickpunkt im Inneren ist die Rückwand mit vier Nischen. In der mittleren oberen Nische steht die Figur eines Geißelhei-lands; in der unteren Nische liegt die Figur eines Grablegungschristus. Von der Decke hängt eine Öllampe.

An den Seitenwänden hängen drei reich verzierte Totenbretter, ein Gemälde der hl.Helena und mehrere Votivbilder.

zur Beschreibung der Votivtafelnzur BeschreibungGrabchristuszur Beschreibung der Votivtafeln

Der Boden ist mit roten Ziegelsteinen belegt. Vor dem hl.Grab ist ein Holzbelag angebracht; damit wird das Knien erleichtert.


Opferstock
Der Opferstock besteht aus einem ausgehöhlten Steinblock in den die Geldkassette eingelassen ist.
Massive Eisenschließen schützen die Opfergaben der Besucher vor unbefugter Herausnahme.
  Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden schon im Mittelalter. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte aber erst nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut.

Geißelheiland
   

Helena-Bild
An der südlichen Seitenwand hängt ein Bild, das die hl.Helena mit einem großen Kreuz in der Hand. Der Rah-men ist in der Art eines Kreuzweg-bildes gestaltet.
Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, war Christin und ließ um 326 das Kreuz Christi in Palästina ausgraben und als geteilte Reliquie nach Rom, Jerusalem und Byzanz bringen. Fest: 18. August
 

      
Grabchristus
Die Figur des im Grab liegenden Christus stammt aus der Zeit
um 1740.
Sie kostete 10 Gulden 02) (entspricht heutigen
500 €)

 

Totenbretter

Die drei Totenbretter waren früher an der Außenseite der Kapelle angebracht um an die Verstorbenen zu erinnern. 02)
Totenbretter wurden früher, als die Toten noch ohne Särge bestattet wurden -mit einem weißen Tuch bedeckt- zur Aufbahrung der Verstorbenen verwendet. Nach der Beerdigung hat man sie bemalt, mit dem Namen des Toten und meist auch mit Versen versehen. Nach dem Volksglauben konnte der Verstorbene seine Ruhe im Jenseits erst finden, wenn das Totenbrett vermodert war. Deshalb haben sich nur wenige Bretter erhalten. Die hier in Wenigmünchen aufbewahrten drei Bretter waren wohl nicht für die rasche Vermoderung vorgesehen, sie sind viel zu aufwändig verziert.

Totenbrett 1884

Der obere Teil des Totenbretts ist mit neugotischen Zierelementen (ohne Text) gestaltet.

Text unten:
Denkmal
für den ehr.und Tugedsammen
Georg Winkler.
Zimmerpalier von hier, geb. den 3.Juli 1823,
gestorben den 6.März 1884,
im 61.Lebensjahre. R.I.P.
Vorüber sind die Plagn all,
die mich alhier umgaben
die auf dieser Erdenschaft
mich oft schwer gedruckt haben.
Als Vater hatt ich viele Sorgen und Mühen,
meine Kinder ehrlich zu erziehen.
Und nun bricht der Tod über mir den Stab
und fordert mich zur Rechnung ab.

O ihr sollt ihn wiedersehen
Euern Vater den ihr beweint.
Sollt mit ihm am Throne stehen,
Wo euch Gottes huld vereint.
 

weiteres Totenbrett

Der obere Teil ist wie einer gotischer Altar (sogar mit Kerzen) gestaltet.
Text oben: Denkmal für...
(nicht mehr leserlich)

Text unten:
Nur 6 Jahre war sie im Ehestand
verbunden durch des Priesters Segensband
und jetzt von 2.Kind ist entbunden,
stand sie am Grabesrande.
Die Leiden wurde viele,
die Schmerzen wurden mehr,
so sank Sie in die Grabeshülle,
es half kein Arzt, kein Weinen mehr.
Sie nahm die Engelsspeise,
vereinte sich mit Gott
zur Stärkung auf die Reise
um leben nach den Tod.
Ihr Ehman den sie liebte,
stand weinend neben ihr.
Sie bath wenn sie ihn je betrübte,
dies er verzeihe Ihr.
Nun hat sie ausgelitten, ...
Gott Vater eilt sie zu.
 

drittes Totenbrett

Text im oberen Oval nicht mehr leserlich

 

Text unten:
Es ist noch nicht ganz 2 Jahr
als meine Mutter
gestorben war.
Auch ich muss
in der schönsten Zeit
Ihr folgen nach der Ewigkeit.
Ich war noch nicht
.... Jahre alt
macht schon der Tod
mich Atemkalt.

Rest nicht mehr zu entziffern.

 

Votivtafeln

In der Kapelle hängen noch drei Votivbilder zur Erinnerung an die Wallfahrt in früherer Zeit. Sie stellen nur einen kleinen Teil aller im Laufe der Jahrhunderte gestifteten Votivbilder dar; die künstlerisch wertvollen Votivbilder hängen nicht mehr hier; sie wurden sichergestellt. Daneben sind zwei Bilder aus einem Apostelzyklus zu sehen. Sie stammen wohl aus Frankreich; jedenfalls sind die umfangreichen Untertitel in französischer Sprache geschrieben.

Dass hier am Kalvarienberg in Wenigmünchen die Wallfahrer von Aichach auf ihrem Weg nach Andechs am Montag nach dem 4.Sonntag nach Pfingsten und am Rückweg drei Tage später Mittagsrast gemacht haben, ist schon im Bericht von 1740 erwähnt. Erstaunlich ist die große Zahl der Teilnehmer, die auf 300-400 Personen geschätzt wurde. Der Fußweg von Aichach nach Andechs ist 65 km lang.

Heute ist der religiöse Höhepunkt des Kalvarienberges der Karfreitag, an dem hier mit vielen Besuchern eine Kreuzwegandacht abgehalten wird. Danach tritt das Grab in den Vordergrund. In der Kapelle werden hinter bunten, wassergefüllten Gläsern Kerzen entzündet, die den Raum in stimmungsvolles mystisches Licht tauchen.

 
       
Apostel Jakobus
Apostel Philippus

Hans Schertl


Quellen:

01) Bay.Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in der Gemeinde Egenhofen
02) M.Obermeier, Faltblatt Kalvarienberg Wenigmünchen,2017
03) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990

Bilder: 42

10.10.2018