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Pfarrkirche St. Peter in WELSHOFEN

LuftbildSt.PetrusMissionskreuz
Adresse: 85253 Erdweg, St.-Peter-Straße 8
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Ortschaft Welshofen wurde im Jahr 1240 unter der Bezeichnung "Welfishoven" (Hof des Welfo) erstmals im herzoglichen Grundbuch genannt.

Die erste Erwähnung der Pfarrei Welshofen ist in der Konradinischen Matrikel von 1315 zu finden. Sie hatte keine Filialkirche, aber schon einen Friedhof. Welshofen war 1524 die kleinste Pfarrei in unserer Gegend; die Zahl der Gläubigen nahm aber nach dem 30jährigen Krieg (1618-48 und dem Spanischen Erbfolgekrieg 1704-14 überdurchschnittlich zu.

Die heutige Kirche St.Petrus ist zwar im Kern noch spätromanisch. Sie wurde aber im 16. Jh. im gotischen Stil erweitert, nach den Zerstörungen im 30jährigen Krieg ausgebessert und um 1750 im Stil des Rokoko auf die heutige Größe ausgebaut und ausgestattet.

Restaurierungen sind aus den Jahren 1868-1881 und 1972 bis 1973 bekannt.



Die Innenausstattung stammt im Wesentlichen aus der Zeit um 1750 und wurde im Rokokostil gearbeitet.
Mittelpunkt des Hochaltars ist eine lebensgroße, thronende Figur des Kirchenpatrons St.Petrus mit Himmelsschlüsseln in der Hand.

Zu seinen Füßen stehen Büsten der Heiligen Bischöfe aus Freising Korbinian (rechts mit Bär) und Lantpert (links mit Kirchenmodell). Im Altaraufsatz ein Auge Gottes im dreieckigen Rahmen (Sinnbild der Dreifaltigkeit) vor dem Hintergrund eines Strahlenkranzes.



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Neben dem Tabernakel stehen vier kleine Heiligenfiguren (Elisabeth, Notburga, Franziskus und Leonhard). Die 5 Deckengemälde und 2 Wandgemälde von Max Fürst (1880) stellen Szenen aus dem Leben des hl. Petrus dar.


Seitenaltäre
— Der linke Seitenaltar ist der Gottesmutter geweiht. Im oberen Abschluss ein kleines ovales Gemälde der hl. Notburga
    (mit Sichel).
— Auf dem rechten Seitenaltar ist der hl. Josef mit Stab und Lilie dargestellt. Im Aufsatz ein Bild des Bauernheiligen Isidor
   (mit Dreschflegel)

Die Figurenausstattung der Kirche entspricht dem bäuerlichen Lebensumfeld der Gläubigen.
Neben den bereits genannten
— Bauernheiligen Notburga und Isidor (in den Aufsatzgemälden) sind auch
— die Nothelferinnen St.Katharina (mit Schwert und Marterrad),
St.Barbara (mit Kelch) und natürlich auch
St.Leonhard zu sehen.
— Daneben noch Figuren der Apostel Simon (mit Säge) und Johannes (mit Kelch und Schlange) sowie
— von Bruder Konrad (mit Broten).
— Über dem Chorbogen in einer kleinen Nische die gekrönte Statue der hl.Helena, der früher ein Seitenaltar gewidmet war.

Die Kreuzwegstationen stammen aus dem 18. Jh.

Die Kirche kann in der Sommerzeit tagsüber durch ein verschlossenes Gitter betrachtet werden.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Beschreibung 1524 Beschreibung 1560 30jähriger Krieg Altarweihen 1707
Matrikel 1738 Barockisierung 1750 Beschreibung 1880 Restaurationen
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Chorbogen Deckengemälde
  Empore Epitaphe Figurenausstattung Kanzelkreuz Kirchenschiff
  Kirchenbänke Kreuzweg Krippe Orgel Oratorium
  Pfarrhaus Sakristei Seitenaltäre Tabernakel Vorraum
  Weihwasserbecken Zelebrationsaltar    

1240 wurde die Ortschaft Welfishoven (Hof des Welfo) erstmals im herzoglichen Grundbuch genannt. Damals bestand die Siedlung aus 2 Höfen und 7 Huben. Aus Welfishoven wurde Welfshoven und später Welshofen. Damals gehörte es bereits zum Wittelsbacher Besitz. Der Übergang von den Welfen an die wittelsbachischen Grafen von Scheyern-Dachau wird im Historischen Atlas von Bayern damit erklärt, dass die Frau des Grafen Arnold I. von Scheyern-Dachau, Beatrix, mit den Welfen eng verwandt war. Der bei den Grafen von Dachau auftretende Name Konrad (= Kuno) ist ein häufiger Name bei den Welfen und auch die Parteinahme für die Welfen unter den Babenberger Herzögen von Bayern weise in diese Richtung.

Geschichte der Pfarrei und der Kirche


Beschreibung von 1315

Das erste Gotteshaus wurde wahrscheinlich im 13. oder 14. Jh als kleine Kapelle errichtet. Das genaue Erbauungsjahr ist unbekannt. Aber es muss vor dem Jahr 1315 liegen, weil die Pfarrei Welshofen in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Welshoven schriftlich mit Friedhof genannt wird. ("Welshoven cum sepultura soluit XII solidos"). Später wurde dem Matrikeltext folgender Zusatz angefügt: "Est nunc de collatione episcopi unacum decima minori ex permutacione pro Ecclesia in Emering". Dies bedeutet, dass Abt Jodocus und sein Convent in Fürstenfeld das Patronatsrecht der Pfarrei Welßhoven mit dem großen und kleinen Zehent gegen das gleiche Recht des Freisinger Bischof auf die Pfarrei Emering tauschte. Das geschah am Tage des hl.Georgius 1474 (=26.April).

Im 16. Jh. wurde die Kirche erstmals im gotischen Stil umgebaut und erweitert.


Beschreibung von 1524

Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 war die Pfarrei "s.Petri in Welshoven" dem Pfarrherrn Joannes Daxberger übertragen. Er betreute nur 70 Communicantes, d.s. Gläubige nach der Erstkommunion. Damit gehörte Welshofen zu den kleinsten Pfarreien des Dachauer Landes. Sie hatte noch keine Filiale.

In der Kirchenrechnung für das Jahr 1630 ist angekündigt, dass als nächste Baumaßnahme der bestellte linke Seitenaltar errichtet werden sollte (Originaltext: "der angefrimbte seiten Altar uf der linckhen handt Zuerrichten"). Ob dies angesichts des Schweden-einfalls zwei Jahre später noch durchgeführt wurde, ist nicht sicher, aber auch nicht unwahrscheinlich. Denn 1640, mitten im Krieg, hat man sich noch nicht mit der Behebung von Schäden befasst, sondern weiter um die Kirchenverschönerung bemüht. Ein neuer Prozessionshimmel wurde gekauft, eine Monstranz aus vergoldetem Silber in Augsburg beim Goldschmied Gregor Leyder für 30 Gulden erworben und ein Kommuniongitter aus "guet aichen holz gemacht" eingebaut (17 fl).

Visitation 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Welshofen heißt es, dass Pfarrer Neumayr und die meisten Pfarrkinder gut katholisch geblieben waren. Auch wenn Ausnahmen genannt werden. Der Pfarrer hatte eine Lebenspartnerin und mit ihr vier Kinder. Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 (in heutigem Deutsch) lesen möchten, klicken Sie hier...

Dreißigjähriger Krieg
Während des 30-jährigen Kriegs von 1618-48 und des Spanischen Erbfolgekriegs von 1701-14 wurden die Pfarrgebäude und große Teile des Dorfes mehrfach niedergebrannt und wieder aufgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg gingen auch alle Kirchenbücher zu Grunde. Aus den wenigen Unterlagen, die im Staatsarchiv die Zeit überdauerten, ist zu entnehmen, dass 1650 geplant war, eine neue Monstranz zu kaufen, "weillen die alte blechene von den Reittern ganz zerbrochen unnd verderbt worden". Auch seien die "zwölf Apostl an der Porkhürchen (=Empore) zu renovieren". Von Bauschäden ist nichts bekannt. 1654 kaufte man für 40 Gulden einen "gannz von guetem Sylber und vergolten neuen Kölch" beim Goldschmied Andreas Grosern in Schrobenhausen.
Pfarrer Georg Faber berichtete um das Jahr 1655, dass die Pfarrei ein jährliches Einkommen von nur 14 Gulden und 23 Kreuzer hatte. Die Darlehen, die die Pfarrei ausgegeben hatte, waren von 1055 auf unter 360 Gulden gesunken, weil die Güter, "auf denen dies gelt ligt, thails abgebrendt, thails sonst übl ruinirt und deswegen umb einen geringen Werth verkaufft worden saind". Allerdings ist zu bedenken, dass im Jahr 1650 aus dem Kirchenvermögen 100 Gulden als Darlehen für den Bau der Walkertshofener Mariahilfkapelle ausgeliehen werden konnten.

Bernhard Ernst aus München goss im Jahr 1662 eine Glocke für Welshofen. Nikolaus Regnault hat im Jahr 1794 eine (diese?) Glocke mit einem Gewicht von 670 Pfund umgegossen. Ob diese Glocke(n) noch vorhanden ist/sind, ist mir nicht bekannt.
Eine Übersicht über die ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...

Im Spanischen Erbfolgekrieg wurden am 2.8.1704 die Pfarrgebäude mit dem größten Teil des Dorfes von den Feinden (Briten und Holländern) "weggebrannt". Die Dorfgemeinschaft floh mit dem Pfarrer Kaspar Seidl in die benachbarten Wälder. Unter Pfr. Seidl wurde dr Pfarrhof nach dem Krieg wieder von neuem aufgebaut.


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663

Altarweihe 1707
Der 25. Juli 1707 war ein großer Feiertag für die Pfarrei Welshofen. An diesem Tag war der Fürstbischof Johann Franz von Eckher zu Gast. Er weihte die drei Altäre in der Kirche und spendete 29 Kindern das Sakrament der Firmung. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass die Altäre erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - die Altäre von Soldaten entweiht und in den Jahren nach dem Krieg von den Welshofenern wieder hergestellt worden sind. Eine Altarweihe war damals nicht möglich. Ab 1652 saßen nämlich nacheinander zwei Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchenweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. Die Weihe der Altäre am 25.7. in Welshofen war Endpunkt einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach, Kleinberghofen, Westerholzhausen , Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenholzhausen und Welshofen führte. Auf dieser Reise weihte er die Kirche in Welshofen sowie in den anderen Kirchen 24 Altäre und spendete fünfmal die Firmung (an 416 Firmlinge).


Beschreibung von 1738/40
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'schen Matrikel. Über die Pfarrei "s.Petri in Welshoffen" berichtete er, der Pfarrer heiße Franz Koch; er sei 1738, also kurz vor dem Besuch, installiert worden. Der Pfarrer wohne in einem Pfarrhaus, das einschließlich der dazugehörenden Wirtschaftsgebäude in sehr gutem Bauzustand sei. Die Zahl der Communicantes hatte sich in den vergangenen 200 Jahren von 70 auf 250 mehr als verdreifacht. Und das trotz der Verluste durch Kriege und Pest. Zum Teil war dies aber auch der Tatsache zu verdanken, dass zwei Filialkirchen dazugekommen sind, nämlich "Hanshoffen et Pogenriedt", also Oberhandenzhofen und die Kapelle in Bogenried.
Die Pfarrkirche beschreibt Schmidt als durchschnittlichen Bau. Sie habe drei Altäre: Der Hochaltar sei dem Kirchenpatron St. Petrus geweiht, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und der hl. Helena. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach dem Fest des hl.Gallus (16.Okt.). Schmidt erwähnt ausdrücklich, dass in der Kirche ein Taufstein und die Hl.Öle vorhanden waren. In der Sakristei befänden sich hinreichende Messgewänder, schreibt er. Im Friedhof stehe ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Pfarrgottshauses ist in letzter Rechnung auf 2091 fl. (=Gulden) 22 kr. (=Kreuzer) 5 hl. (=Heller) gekommen". Das war zwar ein hoher Betrag, doch der war auch nötig, denn 10 Jahre später waren die nächsten Baumaßnahmen fällig.


Barockisierung um 1757

Um das Jahr 1755 wurde die Kirche auf die heutige Größe erweitert und neu ausgestattet. Der Choraltar und die Seitenaltäre wurden 1757 neu erstellt und bis zum Kirchweihfest fertiggestellt.

 

Neu-Besetzung der Pfarrei 1816
Vor der Säkularisation besaß das Recht zur Ernennung des Pfarrherrn der bayerische Herzog und der Bischof von Freising monatlich abwechselnd (sog. Monatspfarrei). Das Konkordat von 1817 (Art. XI Abs. 2) gewährte dem König das Präsentationsrecht auch für alle früheren Patronate der ehemaligen Fürstbischöfe. Das bedeutete für Welshofen, dass ab 1817 der König alle Pfarrer berufen konnte.
Dazu veröffentlichte die kgl.Verwaltung eine Annonce im Königlich-Bayerischen Intelligenzblatt für den Isarkreis.
So z.B. am 9.März 1816:
  Die erledigte Pfarrey Welshofen betreffend
Im Namen Seiner Majestät des Königs.
Die Pfarrey Welshofen, Königl.Landgerichts Dachau im Bisthum Freysing, ist durch den Tod des letzten Besitzers erlediget. Sie zählet in einem Umkreise von 1 1/2 Stund 300 Seelen, hat 2 Filialen, keine Schule, und bedarf keines Hülfpriesters. Die Renten (=Einnahmen) betragen beyläufig 500 fl., die Lasten dagtegen bey 75 fl.
München den 9.März 1816 - Königliches Genera-Commissariat des Isarkreises.
Freyherr von Schleich General-Commissär. Rainprechter Secretär.
Die Pfarrei wurde übrigens dem Priester Anton Schmidhofer, bisher Pfarrer zu Handzell aus dem Landgerichtsbezirk Aichach übertragen.


Beschreibung 1884
Kirche und Pfarrei Welshofen sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:

Geographie: " Die Pfarrei hat 307 Seelen in 51 Häusern. Davon wohnen 205 Gläubige (in 38 Häusern) in der Ortschaft Welshofen selbst, die Übrigen in Altstetten 20 (2), Bogenried 10 (1), Kappelhofen 22 (4), Lindach 11 (1), Oberhandenzhofen 39 (5). Der Umfang der Pfarrei beträgt 10 km. Die Wege sind meist nicht gut, weil sie aus Lehmboden bestehen.
Pfarrei
: "Das Präsentationsrecht liegt beim Domkapitel in Freising (=das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte. Lediglich weltliche Geschäfte war ihm verwehrt; dafür benötigte das Domkapitel einen Vogt). Die Kirchenrechnung weist bei 2095 Mark Einnahmen und 82 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 2013 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 70 Tagwerk (= 23 ha) der Bonität 10. Das Pfarrhaus wurde nach dem Brande 1704 neu erbaut, ist hinlänglich geräumig und passend, sowie auf der Westseite etwas feucht. Der alte Stadel wurde 1866 mit den Stallungen niedergelegt und 1867 eine (neue) Stallung für 3-4 Kühe hergestellt. Die Baupflicht bei Pfarrhaus und Ökonomiegebäuden liegt beim Pfarrer. Die Matrikelbücher beginnen 1666.
Pfarrkirche: Die Kirche liegt 2 km abseits der Hauptstraße von München nach Augsburg freundlich an den Höhen rechts der Glonn gelegen. Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1868 und 1881. Ohne ausgeprägten Styl. Geräumigkeit zureichend. Sattelthurm mit 3 Glocken; die größte gegossen 1871 von Schmid in Augsburg. 3 Altäre, Orgel mit 8 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Stiftungen: 30 Jahrtage, 19 Jahrmessen. Meßner und Cantor ist ein Gütler des Ortes; eigenes Meßnerhaus nicht vorhanden. Kirchenvermögen: 33.000 Mark".


Ansicht von Westen


Restaurierungen

Große Restaurierungen wurden durchgeführt:
1868-81 (aus dieser Zeit stammt das Deckengemälde) und
1972-73 (Kanzel entfernt und daraus Volksaltar und Ambo gestaltet, die Seitenaltäre zurückgesetzt, oberer Chor entfernt,
             neues Pflaster und neues Gestühl)  


Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.
1524: Pfarrei mit 70 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1560: Pfarrei mit 140 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1738: Pfarrei mit 250 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1852: Gemeinde Welshofen mit 57 Familien und 294 Einwohnern
1867: Gemeinde mit 282 Einwohnern, 97 Gebäuden
         Ortschaft mit 201 Einwohnern in 71 Geb. (dazu Altstetten 24/7, Bogenried 12/4, Oberhandenzhofen 45/15)
1874: Pfarrei mit 307 Seelen in 51 Häusern
         Ortschaft Welshofen mit 205 Gläubigen in 38 Häusern
1933: Gemeinde mit  356 Einwohnern
1939: Gemeinde mit  341 Einwohnern


Dekanatszugehörigkeit
Welshofen gehörte Jahrhunderte lang zum Dekanat Egenhofen. 1871 wurde sie mit den im Landkreis Dachau liegenden Pfarreien Oberroth, Schwabhausen, Walkertshofen und Arnbach dem Dekanat Sittenbach zugeteilt. Ab 1924 hieß dieses Dekanat Altomünster (wegen "der vormals angesehenen Abtei und der vom hl.Bonifatius geweihten Kirche") und seit 1973 Indersdorf.
Am 1.2.1970 schloss sich die Pfarrei Welshofen mit den Pfarreien Walkertshofen, Großberghofen, Arnbach und Hirtlbach zum Pfarrverband Erdweg zusammen, dem ältesten Pfarrverband in der Erzdiözese München und Freising.


Bittgänge

Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Welshofener alljährlich nach Inchenhofen zum hl.Leonhard wallfahrteten und dort übernachteten. Die Fahnenträger und die Sänger ("Vor-unnd Nachsinger") erhielten dafür ein kleines Zehrgeld (Originaltext: "Alß mann nach St.Leonhardt Kirchfahrten gangen und iber nacht außbliben, ist in Zährung aufgangen 1 f.").
  Hinweis: Die Wallfahrt zum hl. Leonhard in Inchenhofen gilt als älteste und wichtigste Leonhards-Wallfahrt in Deutschland. Der Aufschwung begann, als 1283 das Kloster Fürstenfeld die bis dahin noch unbedeutende Wallfahrt in der kleinen Kapelle übernahmen. Sie verhalfen ihr binnen weniger Jahrzehnte zur höchster Blüte. Die Wallfahrt selbst geht auf ein Wunder zurück: 1256 sollen Soldaten Votivgaben in der St.Leonhardskapelle gestohlen haben und daraufhin schwachsinnig geworden sein. St.Leonhard war bis dahin ein nur an wenigen Stellen verehrter fran-zösischer Heiliger, der als Patron der Gefangenen und der (damals ebenfalls angeketteten ) Geisteskranken um Hilfe angerufen wurde. Seine große Bedeutung als Bauernheiliger erhielt er erst im 16.Jh., als die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten missdeutet/umgedeutet wurden. Diese Patronatserweiterung gab der Wallfahrt in Inchenhofen noch einen großen Schub.  
Bis 1803 unternahmen 167 Pfarreien eine alljährliche Wallfahrt nach Inchenhofen. Heute kommen aus etwa 60 Orten die Wallfahrergruppen, meist zu Fuß, nach "Leachad" , wie Inchenhofen auch genannt wird. Dabei ist nach wie vor der größte Wallfahrtstag des ganzen Jahres der Pfingstmontag, an dem zugleich das Hauptfest der 1659 vom Papst Alexander VII. genehmigten Erzbruderschaft des hl. Leonhard gefeiert wird.



B
aubeschreibung der heutigen Kirche

Das Gotteshaus ist eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt. Der Bau liegt -etwas erhöht- in einem ummauerten Friedhof am Ortsrand mit weitem Blick über das Glonntal.

Die Kirche wurde wohl -wie schon erwähnt- ursprünglich im romanischen Stil erbaut, später aber, dem Zeitgeschmack folgend, gotisch umgestaltet und schließlich- wie heute deutlich sichtbar- barockisiert. Ein Werdegang, wie ihn die Kirche mit vielen anderen Gotteshäusern im Landkreis Dachau teilt. Zum Bau wurde Tuffstein aus der Aiblinger Gegend verwendet.

Innenmaße: Länge der Kirche 19,66 m (Kirchenschiff 12,24 m, Altarraum 7,42 m)
Breite der Kirche: Kirchenschiff: 7,73 m, Altarraum: 6,21 m
Höhe  der Kirche: Kirchenschiff: 7,93 m, Altarraum: 5,30 m

Der um eineinhalb Meter eingezogene, einachsige Chor schließt mit drei Seiten eines Achtecks.


Die Apsis wird von fünf Fenstern (je zwei an der Nord- u. der Südseite, sowie ein winziges im Chorscheitel), das Kirchenschiff von vier (geschweiften) Fenstern erhellt.
Einige Fenster waren bis in die 1950er Jahre mit Glasgemälden versehen.

Der massive, dreigeschossige Turm steht auf der Nordseite des Chorraums. Sein Grundriss ist quadratisch. Das obere, durch ein Gesims abgetrennte Geschoss, wird durch sieben Schallfenster, Felderungen und durch die vier Uhren gegliedert. Bedeckt ist der Turm von einem Satteldach mit kleinen Ecktürmchen.

In der Glockenstube hängen drei Glocken. Die größte davon wurde nach dem 2.Weltkrieg von Lorenz Rabl aus Oberhandenzhofen gestiftet. Die beiden anderen sind älter.


Gegenüber vom Turm, auf der Südseite des Chores, ist die Sakristei mit heruntergezogenem Pultdach angebaut.

An deren Westseite ist in einer Mauernische hinter Glas die Figur eines thronenden St.Petrus zu sehen. Petrus, der Kirchenpatron von Welshofen, hält den Himmelsschlüssel in der linken Hand; mit der Rechten segnet er den Betrachter. Dem Stil entsprechend dürfte die Figur aus der Zeit des Historismus, aus dem Ende des 19.Jh stammen. Die Petrusfigur hält nur einen Schlüssel in den Händen. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Die beiden Schlüssel symbolisieren die diese Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb drücken die Künstler ihren Petrus-figuren üblicherweise einen goldenen (für den Himmel) und einen silbernen (für die Erde) Schlüssel in die Hand.


Petrusfigur
in der Mauernische


E
pitaphe an der Außenmauer

Um das Missionskreuz sind in die Mauer mehrere Epitaphe eingelassen, die an ehemalige Pfarrer erinnern.

Epitaph für Pfarrer Josef Grünwidl.
Kalkstein mit Kelchrelief (Maße:52 x 39 cm)
Text: "Denkmal der Hochschätzung und des Dankes gesetzt Dem Hochwürdigen Hr.Josef Grünwidl, gewesenen Pfarrers in Welshofen. Verunglückt im Glonnfluße am 27.Febr. 1816. Eifrig in der Seelsorge, bieder im Umgange, munter in der Gesellschaft. So war er. War er als Mensch nicht Fehlerfrei, so wirf einen Stein ihm nach, du der du keinen Fehler hast. So ehren die Priester ihren Mitpriester, die Gemeinde ihren Seelsorger. R.I.P."


1816

1883

Epitaph für Pfarrer Pfaffermayr.
Kalkstein mit Kelchrelief (Maße: 66x43 cm).

Text: Gott ist die Liebe I Kän.IV,8
Liebe sein grösstes Gebot Kor III 13
Ruhestätte: des Hochwürdigsten Herrn Joh.Georg Pfaffermayr, Pfarrer in Welshofen geb.den 17ten Juny 1772, gest.den 3ten Novb. 1883
R.I.P.


Epitaph für Pfarrer Franz Stich
Kalkstein mit Kelchrelief (Maße:66 x 40 cm).
Text: Hier ruht der Hochwürdige Herr Franz Seraph Stich Pfarrer 20 Jahre dahier
geb.22.Mai 1822, gest.17.Sept.1886
nach Empfang der l.Sterbesakramente
Er liebte die Zierde des Gotteshauses.
Psalm 25.8



1822



1888


Epitaph für Pfarrer Eduard Geiger
Text: Hier ruhet im Frieden der Hochw.Herr: Eduard Geiger, Dr. der Theologie, Inhaber des eisernen Kreuzes v.1870 u. Pfarrer v.Welshofen. Geb.31.März 1843 zu Lauterbach u. gest. nach nur einjährigem Wirken dahier a.28.Jan.1888.RIP. unten: So wie hier die Inschriftsworte eingegraben sind auf Stein, so soll uns dein Angedenken tief ins Herz gegraben sein.

Epitaph für Pfarrer Otto Bader
Kalkstein mit Kelchrelief
Text: Andenken a.Hochw.Herrn
Otto Bader
Pfarrer i.Welshofen
1901 - 1931
R.I.P.

1931

1913
Epitaph f.Pfarrermutter Rosa Weißbartl.
Text: Hier ruht in Frieden Frau Ros Weißbartl, vewitw.Bader, Pfarrermutter, geb.zu Lauterbach am 4. Nov. 1858
gest.zu Welshofen am 23. Nov.1913
R.I.P.


Missionskreuz

An der Südwand der Kirche ist ein großes Missionskreuz angebracht. Das Kruzifix ist mit einer großzügig geschwungenen Kupferbedachung mit Blechverzierungen überdeckt.

Ein Gedenkstein erinnert an die Gemeindemission 1977 /1978
Text: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen.


Gedenkstein
an Mission 77

  Hinweis:  Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden. Dies geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge. Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht, da öfter einmal harte Schläge auf die Holzeinfassung erfolgten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.


I
nnenausstattung

Altarraum

Der eingezogene Altarraum ist nur ein Joch tief. Er ist von einem niedrigen, mittelalterlichen Gewölbe mit Stichkappen über den sieben Fenstern bedeckt. Das Gewölbe gründet sich an den Außenwänden auf kleinen, bandartigen Konsolen. Die Decke ist nur mit einem profilierten Vierpassrahmen verziert.

Gewölbe im Altarraum
Früher war dort das Auge Gottes im Dreieck als Fresko zu sehen, das wohl von Josef Schmidt aus Odelzhausen 1740 gemalt worden ist.

Im Chorscheitel, hinter dem Altar, befindet sich eine Wandnische.
In der Bistumsbeschreibung von Mayer/Westermayer aus dem Jahr 1880 wird darauf hingewiesen, "dass die Kirche einst mit einer Apsis ähnlich jener zu Petersberg abgeschlossen war, deren Ansätze man noch unter dem Dache des jetzigen Chores wahrnimmt".

Choraltar / Hochaltar


Choraltar -1720

Der Choraltar oder Hochaltar ist im barocken Stil mit glatten Säulen und seitlich vorschwingende Gebälkteilen gearbeitet.
Als Erstellungsjahr werden die Jahre 1720 und 1880 genannt. Es spricht viel dafür, dass der Altar 1720 erstellt und 1880 erneuert, überarbeitet oder umgebaut wurde. In jedem Fall stammt ein Großteil der Figuren aus dem Ende des 19.Jh.
Die Stipes, der Altartisch ist nicht -wie sonst üblich- gemauert; es besteht vielmehr aus einem grau marmorierten, sarkophagförmigen Holzkasten.
Über dem Tabernakel sind Heiligen- und Engelsfiguren angebracht. In der Mittelnische darüber sitzt der figürliche Kirchenpatron.

Im Altaraufsatz über dem Hochaltar wacht das symbolisierte Auge Gottes im Dreieck umrahmt von Schar von 11 Putten und 2 Engeln auf versilbertem Gewölk. Vom Auge gehen 19 Strahlenbündel aus.

Auge im Dreieck u.Putten
Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.

Mittelnische

Das Retabel (Altaraufbauten) wird beherrscht von einer lebensgroßen, sitzenden Figur des Kirchenpatrons, des hl. Petrus. Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf der Stirn und mit Bart dargestellt.

Petrusfigur

Die Figur wurde um das Jahr 1600 geschnitzt, aber erst in neuerer Zeit bemalt (Lüsterfassung=metallisch schimmernd). In der linken Hand hält Petrus zwei Schlüssel. Auf dem Sockel ist eine neubarocke Kartusche mit der Inschrift "S.PETRUS" angebracht. Ursprünglich stand an dieser Stelle eine andere Petrusstatue, die jetzt beim Hias-Bauern in Altstetten aufbewahrt wird.
Hinweis: Die zwei Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Assistenzfiguren


St.Lambert
und Kirchenmodell

 

Zu Füßen des hl. Petrus stehen zwei größere Halbfiguren:
Die rechte stellt den hl. Korbinian dar, den ersten Bischof und Patron des Erzbistums München und Freising. Unter seinem linken Arm lugt ein kleiner Bär hervor. Der Bär ist das Attribut des Heiligen. Dies ist auf eine Legende zurückzuführen, nach der -auf einer Romreise Korbinians- ein Bär das Maultier des Heiligen gerissen haben soll. Korbinian band dem Übeltäter kurzerhand das Gepäck auf und zwang ihn, es nach Freising zurückzutragen. Die Figur in Welshofen stammt aus der 2.Hälfte des 19.Jh.

Links ist der hl. Bischof Lambert (Lantpert) von Freising im vollen Ornat zu sehen. Auf einer Bibel trägt er ein Kirchenmodell. Der Legende nach soll Lambert durch sein inständiges Gebet den Dom von Freising vor dem Ansturm der Ungarn gerettet haben, indem er das Bauwerk mit Nebel umhüllte. Das dem Heiligen gegebene Modell einer Dorfkirche ist aber in seiner Form weit vom Freisinger Dom entfernt. Wenn auf dem Sockel nicht der Name Lambert stünde, würde man von der Darstellung des hl. Wolfgang ausgehen. Die hinten ausgehöhlte Figur wurde in der 1.Hälfte des 18.Jh geschnitzt und ist (teils mit Metallicfarben) neu gefasst.
Hinweis: Lambert (895-957) aus dem Geschlecht der Grafen von Ebersberg wurde 937 Bischof von Freising. Lambert wird bis heute in Bayern verehrt, im Dom von Freising steht sein 1973 gestiftetes Reliquiar.


St.Korbinian
mit Bär

 

Tabernakel
Der Tabernakel aus dem Ende des 18.Jh. besteht aus grau marmoriertem und vergoldetem Holz mit einer konvexen Türe, seitlichen Voluten mit Glöckchengehängen und Blättern.

Tabernakel
Oben abgeschlossen wird der Tabernakel durch ein verkröpftes Gesims und kniende Leuchterengel.

Zwischen Pilastern des Tabernakels stehen vier kleine Heiligenfiguren, die z .T. etwas laienhaft gefasst (bemalt) sind.


St.Elisabeth
die hl. Elisabeth, Landgräfin von Thürin-gen (dargestellt mit einem Brotlaib). Ihre Liebe und Zuneigung galt in aufopfernder Weise den Armen und Kranken. Als sie von ihrem Mann zur Rede gestellt wurde, hatte sich das Brot in Rosen gewandelt.
Festtag: 17.November
  die hl. Notburga, Patronin der Mägde und Dienstboten. Eine der wenigen Heiligen von einfachem Stand.
Als ihr Herr sie zur Arbeit nach dem Gebetläuten verpflichten wollte, warf sie ihre Sichel in die Luft, wo sie hängen blieb. Festtag: 20.September

St.Notburga

St.Franziskus
der hl. Franziskus, Gründer des Franziskanerordens und erfüllt von großer Liebe zu allen Geschöpfen.
Franziskus ist einer der berühmtesten Heiligen der Kath.Kirche. Er lebte um das Jahr 1200. Sein Orden nahm sich besonders der Armen an. Festtag: 4.Oktober
  der hl. Leonhard, Patron der Bauern und der Haustiere, besonders der Pferde; aber auch Schutzpatron der Gefangenen.
Leonhard war um 500 Abt in Frankreich und setzte sich beim König für die Frei-lassung von Gefangenen ein. Deshalb sein Attribut "Gefangenenketten".
Festtag: 6.November


St.Leonhard

Hinter dem Choraltar steht ein einteiliger Beichtstuhl aus der Zeit um 1900.

 

Ewig-Licht-Leuchte

Am Altar ist eine formschöne Ewig-Licht-Leuchte angebracht. Sie besteht aus kunstvollem Schmiedeeisen. In ihr befindet sich eine Vase aus rotem Glas, in der eine Öllampe brennt.
Das rote Öllämpchen gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Es entspricht uralter Tradition, an heiligen Stätten Licht brennen zu lassen als Zeichen der Verehrung und als Sinnbild des Segens, der von diesem Ort ausgeht


Ewig-Licht-Ampel

Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrer-gräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbe-wahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, in dem das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Nach can. 934 §1 CIC (Codex des Kanonischen Rechtes) ist in Pfarrkirchen die Eucharistie ständig aufzubewahren.
Durch sein dauerndes Brennen weist das Licht darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material, hier eine stehende Leuchte.



Zelebrationsaltar


Ambo
Der Zelebrationsaltar und der Ambo sind stilistisch dem Hochaltar angepasst. Sie wurden um 1973 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils.

Zelebrationsaltar
Das Antependium, die Vorderfront des Altars, ist durch marmorierte Felder und goldene Voluten-pilaster mit Blüten geschmückt.
Es wurde aus Teilen der früheren alten Kanzel erstellt, die bei der Renovierung 1973 entfernt worden war.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten ( Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

Der Ambo (griech. ambon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist der Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen.
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes'ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Sie sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel.


T
aufbecken

Unter dem Chorbogen steht seit einiger Zeit ein altes achteckiges Taufbecken aus Rotmarmor (Taufstein) auf einem Schaft aus neuerer Zeit. Ein Deckel fehlt. Ein Taufbecken ist nach can. 858 §1 CIC (Codex des Kanoni-schen Rechtes) für jede Pfarrkirche vorgeschrieben, denn die Taufen sollen in den Pfarrkirchen und nur in Aus-nahmefällen in den Filialkirchen stattfinden can. 857 § 2 CIC. Das Becken hat eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe wird auch als achter Schöpfungstag bezeichnet.
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein (deshalb "Taufstein").


Taufbecken


Vortragekreuze


Vortragekreuz

Gegenüber dem Taufstein steht unter dem Chorbogen ein schönes Vortragekreuz in barocken Formen. Das Holz ist blau und golden bemalt. Hinter dem Korpus ragen aus den Zwickeln von Längs- und Querbalken Gnadenstrahlen. Zwischen dem Kruzifix und der rotweiß gestrichenen Tragestange befindet sich ein birnenförmiger Nodus, eine Verdickung, die schon in Vorzeiten als apotropäisch (Unheil abwehrend) galt.

Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.



O
ratorium

Auf der Südseite des Altarraums - über der Sakristei - ist ein Oratorium eingerichtet. Dort sollen vor vielen Jahren aber nicht -wie sonst üblich- Edelleute oder Ordensangehörige der Messe beigewohnt ha-ben, sondern Personen mit - beruflich bedingtem - intensiven Körpergeruch (Hirten, Schweizer= Stall-arbeiter). Hier war auch der Platz für die ledigen Mütter. Uneheliche Geburten galten als Schande für die Mutter und das Kind. Auch in anderen Kirchen

Oratorium
Derzeit blickt durch das Oratoriumsfenster ein Aussetzungspodium aus dem 19.Jh, das wohl bei Fronleichnamsprozessionen benutzt worden ist. Es besteht aus Holz (mit Metallfassung). Inmitten des Sternenkranzes ist das Jesuszeichen IHS in Gewölk zu sehen.
- in katholischen wie protestantischen- waren für ledige Mütter besondere Plätze, entweder ganz hinten oder auf der Empore reserviert.  

 

Sakristei


Riegelschloss


An der Türe zur Sakristei ist noch eines der altes schmiedeeisernes Riegelschloss aus der Barockzeit mit den alten Beschlägen zu bewundern.
Übrigens: wenn Sie alte Türschlösser in anderen Kirchen des Landkreises sehen möchten, klicken Sie hier...
Auch das der Sakristei gegenüberliegende Portal im spitzbogigen gotischen Stil, das in das Untergeschoss des Turmes führt, hat schon ein hohes Alter. Schloss u. Beschläge sind einfacher gehalten als an der Sakristeitüre.

Tür zum Turm

 

Kirchenschiff / Langhaus

Das Kirchenschiff ist mit einem Tonnengewölbe überdeckt.


Chorbogen

Das Kirchenschiff ist um 2,60 m höher als der Altarraum. Da sich der ausgesparte Teil des Chorbogens an der Höhe der Altarraums bemisst, verbleibt über der Bogenöffnung eine große Mauerfläche, die man aus gestalterischen Gründen nicht völlig unverziert lassen konnte.
So grüßt in der Mitte der Fläche die Statue der hl.Helena mit Kreuz aus einer Nische. Begleitet wird die Figur von zwei Rundgemälden, die bereits Teil des Bildprogramms der Deckengemälde sind. Dieses Bildprogramm stellt Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons St.Petrus dar, die aus der Bibel bekannt sind.

St. Helena wird mit einer Krone auf dem Haupt, einem Zepter und einem Kreuz dargestellt. Ihre linke Hand fehlt. Helena war die Mutter Konstantins des Großen, des ersten christlichen Kaisers von Rom. Der Legende nach soll sie in Jerusalem das Kreuz Christi gefunden haben.


Jesus wäscht Petrus die Füße   - St.Helena -    Petrus verleugnet Jesus

Die Figur stammt, wie mehrere andere Figuren in der Kirche, aus dem Ende des 17.Jh. und wurde neu gefasst (= bemalt).
Festtag St.Helena: 18.August

Petrus-Zyklus
Auf den insgesamt sieben Bildern des Petrus-Zyklus werden bedeutende Szenen aus dem Leben von Petrus (meist mit Jesus) gezeigt, die uns aus der Bibel überliefert sind. Sie sind chronologisch geordnet, beginnend hinten links, weiter nach vorne und endend hinten rechts. Petrus wird auf allen Bildern in der beigen Tunika und der ockerfarbene Toga dargestellt.
 - Das erste Bild zeigt die Berufung zum Apostel.
 - Es folgt das Bild von Petrus und Jesus im Fischerboot,
 - dann das große Mittelgemälde mit der Prophezeihung der Schlüsselübergabe.
Vorne am Chorbogen werden Passionsszenen gezeigt:
 - Jesus wäscht Petrus beim Abendmahl die Füße
 - Petrus verleugnet Jesus nach dessen Gefangennahme im Hof des Hohen Priesters vor einer Magd
Die beiden Bilder auf der rechten Seite zeigen Szenen aus der Zeit nach der Himmelfahrt Christi:
 - vorne rechts die Pfingstpredigt von Petrus,
 - hinten rechts die Flucht aus dem Gefängnis in Rom, kurz vor seiner Kreuzigung.

Großes Deckengemälde

Das große Deckengemälde (sign. "Max Fürst 1880") stellt das Versprechen der Übergabe der Himmelsschlüssel an Petrus (in der bildenden Kunst auch donatio claves genannt) dar.

Darunter die Schrift:
"DIR WILL ICH DIE SCHLÜSSEL DES HIMMELREICHES GEBEN. MATTH. XVI. 19. ANNO D.MDCCCLXXX".


Maler war Max Fürst, der 1846 in Traunstein geboren wurde und 1917 in München als Historienmaler und Schriftsteller starb.


Übergabe der Himmelsschlüssel
Das Gemälde ist ungewöhnlicherweise in Blickrichtung vom Altar aus gemalt worden (so wie auch das Deckengemälde in Westerndorf).

Auf dem Bild steht Jesus am Ufer des Sees Genezareth auf einer spärlich bewachsenen Wiese und übergibt dem vor ihm knienden Petrus einen versilberten und einen vergoldeten Schlüssel.
Mit der rechten Hand weist er nach oben, um anzudeuten, dass die Schlüssel für den Himmel gedacht sind.
Die übrigen 11 Apostel stehen oder knien -zum Teil mit gefalteten Händen- um die beiden zentralen Personen. 

In das Bild der Schlüsselübergabe eingebaut ist das mit einer Taube bemalte sog.Heilig-Geist-Loch. Es ist von Wolken umgeben und lässt den Heiligen Geist am Himmel über der Schlüsselszene schweben. Umgeben ist er von einem prächtigen Strahlenkranz.


Heilig-Geist-Loch
Die runde Öffnung in der Langhausdecke mit einem Durchmesser von ca. 60 cm dient der Kirchenlüftung. Zwischen dem Strahlenkranz mit Taube und dem Loch ist in geringem Abstand der braune Deckel angebracht. Er hält den Schmutz zurück, kaschiert das Loch und lässt an der Seite die Luft durchströmen. Den Text auf dem Deckel konnte ich nicht entziffern.
  Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

Um das Deckengemälde sind 4 kleine runde Bilder mit Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons Petrus angeordnet:

- links vorne:
Jesus predigt vom Boot des Simon aus
(Lukas 05,03-11)

Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich

  - rechts vorne:
die Pfingstpredigt des Petrus

(Apo 2,14)

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in
und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede been-det hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten.
...
Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.
 
Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan,und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht be- trunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist's, was durch den Propheten Joel ge-sagt worden ist (Joel 3,1-5): "Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von mei-nem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töch-ter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.
- links hinten:
Jesus beruft Andreas und Simon Petrus zu Aposteln
(Markus 1,16)

Als er (Jesus) aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer
  - rechts hinten:
Ein Engel befreit Petrus aus dem Gefängnis
(Apostelgeschichte 12,1 ff.)

Petrus in jener Nacht zwischen zwei Solda-ten, mit zwei Ketten gefesselt, und Wacht-posten vor der Tür bewachten
das Gefäng-
warfen; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.   nis. Und siehe, ein Engel des Herrn trat heran und Licht erstrahlte in der Zelle. Mit einem Stoß in die Seite weckte er (den) Petrus und sprach: "Steh schnell auf! Da fielen ihm die Ketten von den Händen. Und der Engel sprach zu ihm: "Gürte dich und zieh deine Sandalen an!" Und er tat es.



Seitenaltäre



  Seitenaltar links
      Marienaltar

Die beiden großen Seitenaltäre sind schräg gestellt, um den Blick auf den Hochaltar nicht zu beeinträchtigen. Beide Altäre sind barocke Säulenretabel mit Gebälk, auf dem Putten sitzen. Die Auszüge enthalten ovale Bilder. Wie beim Choraltar ist auch das Alter bei den Seitenaltären nicht voll geklärt. 1720 oder 1880 werden als Herstellungsjahre für den Altaraufbau genannt.
Die künstlerische Gestaltung des Altaraufbaus mit vielen Rokoko-Elementen spricht für 1720. Die Figuren dagegen stammen dagegen aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Jedenfalls sollen sie vom Schnitzer Johann Evang. Stiefenhofer (1821-1874) erstellt und vom Maler Scheizach gefasst worden sein. Beide Künstler waren auch in der Kirche Mariae Himmelfahrt in Burg bei Tengling tätig.


Die grau marmorierten Antependien sind mit vergoldeten Girlanden und geometrischen Formen verziert.


Antependium

Sie harmonieren farblich nicht gut mit dem Altaraufbau. Es dürfte sich um Umbauten aus dem 19.Jh. handeln.



Seitenaltar rechts
Josefsaltar


Linker Seitenaltar

Im Altaraufsatz des linken Seitenaltars ein ovales Gemälde der hl. Notburga. Vor dem Hintergrund einer Berglandschaft (am Achensee) steht die Heilige, gekleidet in ein bäuerliches Gewand mit schwarzem Rock, weißer Bluse, rotem Mieder und weißer Schürze. In der einen Hand hält sie eine Laterne, in der anderen Hand eine Sichel sowie eine Lilie (die Lilie ist seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit).

hl.Notburga

Im oberen Bildteil vier gemalte Cheruben auf Wolken. Um das Bild gruppiert sind vier figürliche Putten.
Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforde-rung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. Festtag: 14.September

Der linke Altar ist der Gottesmutter geweiht. Unter einem angedeuteten Rocaille-Baldachin steht eine lebensgroße, gekrönte Marienstatue mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm (Ende des 19.Jh).
In der linken Hand hält sie ein Zepter.
Um die Statue herum ein Lichterkranz aus Glühlampen, der die Figur in ein magisches Licht taucht. Vor dem Altar Votivkerzen.

Muttergottes
Bis 1973 standen zu beiden Seiten der Mittelnische die Figuren von St.Margarete und St.Katharina (mit Schwert und Palmzweig).


Rechter Seitenaltar

Im Altarauszug ist ein Gemälde des hl. Isidor zu sehen. Der Bauernheilige ist in ein "Sonntags-gewand" gekleidet. Er hält einen Dreschflegel in der Hand.


St.Isidor
Isidor lebte im 12. Jh. als Knecht bei einem Baron. Seine Mitknechte verpetzten ihn, weil er ständig betete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er der Überlieferung nach zwei weiße Stiere, von einem Engel geleitet, pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete. Isidor wird häufig mit Pflug, Sense oder, wie in Welshofen, mit Dreschflegel dargestellt.  Gedenktag: 15.Mai
Der rechte Seitenaltar ist der Josefsaltar.
In der Mittelnische steht unter dem Baldachin die Ende des 19.Jh geschnitzte Statue des Pflege-vaters Jesu, in ein violett/goldenes Gewand gehüllt.

St.Josef
Josef hält einen Wanderstab und eine Lilie in den Händen.
Die Lilie ist Zeichen für die sexuelle Enthaltsamkeit des Heiligen, der Wanderstab weist wohl auf die Flucht nach Ägypten hin.
Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt. Josefstag: 19.März



K
rippe und Fatschnkindl


Weihnachtskrippe
An Weihnachten ist vor dem rechten Seitenaltar eine Krippe mit Figuren aus dem 20.Jh. aufgebaut.
Den Stall fertigte Peter Prunitsch aus Welshofen, die Figuren schnitzte Anton Westermeir aus Unterweikertshofen.
Wenn Sie sich auch für andere Krippen interessieren, klicken Sie hier..
  Die Pfarrei besitzt auch noch ein Fatschenkindl aus der Zeit um 1800. Es besteht aus Wachs und ist in reicher Klosterarbeit auf ein Kissen gefatscht.
Der Schrein mit einer Rückwandtraperie ist im klassizistischen Stil mit drei Glasfronten gearbeitet.

Fatschnkindl
Schon zu Zeiten des 30jährigen Kriegs war in der Pfarrkirche eine Krippe aufgebaut. Das wissen wir von der Kirchenrechnung des Jahres 1650 in der als Rechnungsposten die Ausbesserung der Krippe auftaucht (Originaltext: "Für das Khrüppl auf Weihnachten auß zubessern: 41 kr"). Auch später fielen Kosten an: 1654: "Von den Kripplsach außzubessern unnd davon aufzumachen geben 1 fl.30". 1730: "Von dem Weinnächt Krippl aufzumachen unnd wider abzubrechen bezalt 58 kr".



K
anzelkreuz mit Heiligenfiguren

An der linken Seitenwand der Kirche hängt ein Kruzifix aus den Ende des 17.Jh. Der Corpus des toten Christus ist 1,30 Meter groß und als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft das Blut.
Das Haupt Jesu ist von dem nur ihm vorbehaltenen dreistrahligen Heiligenschein umgeben.

Kanzelkreuz
Das Kreuz heißt auch Kanzelkreuz, weil es in den kath. Kirchen der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist.
In Welshofen gibt es seit der Renovierung 1973 zwar keine Kanzel mehr; doch das Kruzifix und die frühere Kanzel standen sich jahrhundertelang gegenüber.
 
Hinweis: Das Kruzifix an der gegenüberliegenden Wand erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Obwohl Paulus diese Worte in anderem Kontext aussprach (Wir glauben trotz des Spotts der Nichtchristen an einen Gott, der das üble Stigma des Gekreuzigten trägt) wurde es später so gedeutet, dass die Ansprache nicht weltlichen Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben sollen.

Direkt unter dem Kanzelkreuz stehen die Figuren von zwei der "drei heiligen Madln", der beiden Nothelferinnen St.Barbara und St.Katharina. Diese Konstellation ist sehr ungewöhnlich. Man erwartet an dieser Stelle Figuren von Maria und Johannes.


St.Barbara

Rechts unter dem Kanzelkreuz die Figur der hl. Katharina. Die Königstocher hält unter dem linken Arm ein Rad, in der rechten Hand ein langes Schwert. Katharina wurde wegen ihres Glaubens gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet. Festtag: 25.November

Links unter dem Kreuz steht die hl. Barbara. Sie hat eine Krone auf dem Haupt und hält in ihrer rechten Hand einen Kelch. Das Schwert in der linken Hand, das in früheren Beschreibungen noch genannt war, ist nicht mehr vorhanden.


St.Katharina
  Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst. Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Die Abbildung der hl.Barbara nur mit Kelch ist bei uns erst seit dem 15.Jh. üblich (vorher immer mit Turm). Gedenktag: 4.Dezember

weitere Figuren an den Seitenwänden


Evangel.Johannes
Aus dem Ende des 17.Jh stammt die Figur des bärtigen Heiligen mit Kelch in der rechten Hand. Dieser Kelch weist auf den Evangelisten Johannes hin, weil der in der Regel mit Kelch dargestellt wird (er überlebte durch ein Wunder einen Anschlag mit vergiftetem Wein). Die Fingerhaltung der Figur deutet im Übrigen darauf hin, dass sie früher in der linken Hand ein weiteres Attribut gehalten hat.
Festtag: 27.Dez.
Schräg gegenüber der Kreuzigungsgruppe an der rechten Seitenwand ist eine Figur des hl. Simon auf einer Konsole angebracht. Er war unter dem Beinamen "der Zelot" Apostel Christi und erlitt den Märtyrertod. Der Überlieferung nach ist er zersägt worden. Deshalb wird er mit einer Säge dargestellt. Simon ist Schutzpatron der Holz- und Waldarbeiter, weil diese Berufsgruppen mit Sägen arbeiten.
Die Figur wurde Ende des 17.Jh geschnitzt; die Fassung ist neu.
Gedenktag: 28.Oktober

Apostel Simon


Zur Beschreibung der Kreuzwegbilder Zur Beschreibung der ApostelleuchterZur Beschreibung der KIrchenbank-Wangen Zur Beschreibung der Firgur  des Apostels Simon Zur Beschreibung der Deckengemälde: Zur Beschreibung des KanzelkreuzesZur Beschreibung der Figur von St.BarbaraZur Beschreibung der KreuzwegbilderZur Beschreibung der Figru von Konrad von Parzham im VorraumZur Beschreibung der OrgelZur Beschreibung des rechten Seitenaltarszur Beschreibung des linken Seitenaltars
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Kirchenbänke

Die Kirchenbänke (neun Reihen) haben schön verzierte Wangen mit spätklassizistischen Verzierungen (Blüte und waagrechte Kette). Sie dürften somit aus dem Beginn des 19.Jh stammen.

Kirchenbank
Ein sehr ähnliches Muster haben noch die Kirchenbankwangen in Mitterndorf und Rumeltshausen.
Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer
  disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

 

Apostelleuchter

Die Apostelleuchter bestehen aus Schmiedeeisen-Ranken. An der Vorderseite ist ein Baumblatt, zwischen den unteren Ranken spitzt eine verschlossene Blüte hervor. Blatt, Blüte und der Rand des Kerzenständers sind vergoldet.

Hinweis: Die Apostelleuchter wurden an den Stellen angebracht, an denen die Kirche bei ihrer Weihe mit Chrisam gesalbt wurde. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind (Galaterbrief des hl.Paulus). Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. Am Kirchweihfest oder bei anderen hohen Festen werden die Apostelkerzen angezündet.

 

Kreuzwegstationen

Im hinteren Teil des Kirchenschiffs hängen unter der Empore die vierzehn Kreuzwegstationen.

Die Ölgemälde auf Leinwand sind 50 x 40 cm groß und stammen aus der Mitte des 18. Jh (andere Quelle: 20.Jh).
Die Rahmen sind grün marmoriert.
Die ersten Kreuzwegstationen in Welshofen
wurden 1739 angeschafft.

Kreuzwegbilder

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bild-lichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensge-schichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidens-weg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbe-sondere durch den hl.Franziskus von Assisi geför-dert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzweg-

andachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzweg-darstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die In-nenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unter- weisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...



E
mpore und Orgel

Die tiefe Empore ist neueren Datums. Bis 1973 hatte sie zwei Stockwerke; dann wurde der obere Teil mit der Orgel im Rahmen einer großen Renovierung der Kirche abgetragen. Die Brüstung besteht aus neun, roh belassenen Holzfeldern.
Die Orgel wurde 1975 von Guido Nenninger, München erbaut. Sie besitzt ein Manual und sieben Register mit insgesamt 450 Pfeifen.
Die Disposition lautet:
Schwiegel 7', Quint 2', Gedeckt 8', Principal 4', Rohrflöte 4', Mixtur 3fach 1 1/3, Subbass 16'

Orgel von 1975
  Die Vorgängerorgel stammte von Willibald Siemann, Mch, der sie im Jahr 1908 in Welshofen aufstellte (ein Manual, sieben Register).



V
orraum
Im überwölbten Vorraum der Kirche steht eine Figurengruppe aus der Mitte des 20.Jh.
Sie zeigt den Bruder Konrad aus Altötting, wie er einem hungrigen Knaben ein Brot reicht.

Bruder Konrad
Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vie-lerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggespro-chen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt. Festtag: 21.April



Weihwasserbecken

  Am Eingangsportal sind zwei Weihwasserbecken aus Stein in Muschelform angebracht.
  Hinweis: Weihwasserbecken (lateinisch Aspersorium), manchmal auch Weihwasserkessel, abgeleitet von der runden, kesselartigen Form des Behälters. In katholischen Kirchen befinden sich neben den Eingängen frei stehende oder an der Wand angebrachte schalenförmige Becken aus Stein, die mit vom Priester geweihtem Wasser gefüllt sind. Beim Eintritt in das Gotteshaus benetzen die Gläubigen gewöhnlich die Finger ihrer rechten Hand, um damit Stirn, Brustmitte sowie die linke und die rechte Brustseite zu berühren, eine Form des Kreuzzeichens. Diese Zeremonie soll an die Taufe erinnern.

Weihwasserbecken


Pfarrhaus

Das weit von der Kirche entfernt liegende Pfarrhaus bietet mit seinem Satteldach, den vielen Fenstern und den grün gestrichenen Fensterläden das Bild eines Bauernhauses im Dachauer Stil.
Im Jahr 2013 wurde es generalsaniert. Dabei hat man die Außenfassade neu gestaltet, die Türen und Fenster gestrichen, die Böden neu versiegelt und die Decken mit Akustikplatten versehen. Die Kosten beliefen sich auf 50.000 Euro.

Das 2013 renovierte
Pfarrhaus

Ein Pfarrhaus in Welshofen wird es wohl schon seit Gründung der Pfarrei geben. Die erste Nachricht, die ich gefunden habe, stammt aus dem Jahr 1560. Es heißt dort: "Hat ain pfarrhof, zimblich erbaut" [Es gibt einen Pfarrhof von angemessener Größe] und "Khirch und pfarrhof haben aller ding nit mangel" [Kirche und Pfarrhof haben keinerlei Mängel]. Während des 30-jährigen Kriegs von 1618-48 und des Spanischen Erbfolgekriegs von 1701-14 wurden die Pfarrgebäude und große Teile des Dorfes mehrfach niedergebrannt und wieder aufgebaut.

 

1738 berichtet Kanonikus Schmidt, der Pfarrer wohne in einem Pfarrhaus, das einschließlich der dazugehörenden Wirtschaftsgebäude in sehr gutem Bauzustand sei. Auch in einem Bericht aus dem Jahr 1884 werden Pfarrhaus und Pfarrhof erwähnt: "Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 70 Tagwerk (= 23 ha) der Bonität 10. Das Pfarrhaus wurde nach dem Brande 1704 neu erbaut, ist hinlänglich geräumig und passend, sowie auf der Westseite etwas feucht. Der alte Stadel wurde 1866 mit den Stallungen niedergelegt und 1867 eine Stallung für 3-4 Kühe hergestellt. Die Baupflicht bei Pfarrhaus und Ökonomie-gebäuden liegt beim Pfarrer".

Wenn Sie auch andere, insbesondere ältere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

Hans Schertl



Quellen:
Königlich-Bayerischen Intelligenzblatt für den Isarkreis vom 9.März 1816 (Pfarrerwechsel)
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca. 1950, unveröffentlicht (1757 )
Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 11/12, 1958 (Gerichtstag 850)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Dachauer Nachrichten vom 3./4. 2.1968 (Margareta)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Max Gruber, Im Amperland tätige Maler, Amperland 1982 (Joseph Schmidt)
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Faltblatt Pfarrkirche St.Peter, Welshofen Herausgeber: Pfarrgemeinderat Welshofen Herbst 1993
Angelika Petitini, Leonhardsverehrung u. Wallfahrt in Inchenhofen, Augsburger Volkskundliche Nachrichten, 1995, Heft Nr.2
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Krippe)
Mayr/Breitenberger, Arnbach einst und heute, 2004
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Alfred Bayer, Erdweg, 2007 (Fenster)
Krippenausstellung Erdweg 2009
Dachauer Nachrichten vom 12.6.2013 (Pfarrhausrenovierung 13)
Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
Theresia Rehm, Mesnerin, 2016 (Hirten, ledigeMütter)

78 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

23.2.2016

Feierliche Installation von HH. Pfarrer Johann Evangelist Seidl
Amperbote 21.02.1931

Welshofen - Hier fand am gestrigen Sonntag die feierliche Installation des hochwürdigen Herrn Johann Evangelist Seidl durch den Geistlichen Rat Leopold Schwaiger aus Altomünster statt. Ein strahlender Frühlingssonntag leuchtete über dem Fest. Weiß gekleidet standen die Mädchen vor dem Pfarrhaus, der katholische Dienstbotenverein, sowie die Feuerwehr Uniform und mit ihren Fahnen waren am Platz, ebenso die beiden Bürgermeister mit dem Abzeichen ihrer Würde und der Gemeinderat und die Kirchenverwaltung. Als der Pfarherr aus dem Haus trat, begrüßten ihn die Schüler mit Willkommensversen, die prächtig vorgetragen wurden und den kleinen Sprechern ohne Unfall gelangen, namentlich die kleine Müller machte ihre Sache trefflich. Nun ging der festliche Zug unter Vorantritt der Musikkapelle Loder zum Gotteshaus. Unter zwei Triumphbögen zog der von der Sonne strahlend beleuchtete Festzug weiter. Vor der Kirche hielt Hochwürden Herr Dekan Schwaiger eine Ansprache. Es wurde durch Hochwürden Herrn Pfarrer Weißinger aus Walkertshofen der Investiturbrief verlesen, wonach durch Seine Eminenz dem Herrn Kardinal Faulhaber, die Pfarrei Welshofen mit allen Rechten an Hochwürden Herrn Johann Evangelist Seidl, vorher Pfarrer in Ebertshausen, übertragen wurde. Hochwürden Herr Dekan nahm dann dem Gemeinderat und der Kirchenverwaltung das Gelöbnis ab, die Treue zu ihrem Pfarrherrn zu halten und ihm Ehrfurcht und Gehorsam zu leisten. Dieses Gelöbnis leisteten die Herren durch Handschlag ihrem neuen Pfarrherrn. Nun erfolgte die Übergabe des Kirchenschlüssels, da der Pfarrherr Eigentümer des Gotteshauses ist, und der Einzug in die Kirche. Mit dem Veni sancte Spiritus rief der Pfarrherr den Segen über die Gemeinde herab und erteilte, nachdem der Tabernakelschlüssel übergeben war, den sakramentalen Segen. Hochwürden Herr Dekan Schwaiger nahm die weiteren Übergaben vor, die Übergabe des Taufsteins, des Beichtstuhls, der Kanzel, des Spanglienbuches, des Messebuches unter den kurzen mahnenden Worten an die Gläubigen an all den Sakramenten fleißig teilzunehmen und das Wort Gottes eifrig anzuhören. Als letztes bat Hochwürden Herr Dekan Herrn Pfarrer, beim heiligen Messeopfer der Gemeinde zu gedenken und für Welshofen ein pflichteifriger, getreuer Seelenhirte zu sein. Es begann das heilige Amt. Der Kirchenchor Welshofen unter der rührigen Tätigkeit des Herrn G. Loder als Organisten des Herrn A. Loder als Dirigenten, gab sein Bestes her, den Gottesdienst zu verschönen. Es erklang vom geschulten Chor die Heiligkreuzmesse von Josef Dietrich, die namentlich im Gloria und Credo wuchtige, packende Stellen hatte, die verstärkt durch Hornbläser (Althorn) und zwei Trompeten der Musikkapelle Loder, prächtig zur Geltung gebracht wurden, nicht zu vergessen der tapferen Sängerschar, was umso mehr anerkannt werden muss, als es mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist einen tüchtigen Chor in so kleinen Gemeinden aufzustellen. Nach dem feierlichen Amt erfolgte durch Hochwürden Herrn Geistlichen Rat noch die Übergabe des Friedhofes. Damit war der neue Pfarrherr feierlich in sein Amt seine Würde eingeführt. Es ging der Zug zurück zum Pfarrhof unter Musikklängen. Hochwürden Herr Fahrer Seidl lud die Bürgermeister, Gemeinderat und Kirchenverwaltung noch zu einem kleinen Mahl im Gasthaus Kolbinger. Der Kirchenchor verschönte das Mahl mit Liedern. Unter flotten Klängen nahm die Feier ihr Ende. Herr Bürgermeister Unfried bedankte sich auf das herzlichste und bat den Pfarrherrn, ihnen das gleiche Vertrauen entgegen zu bringen, wie sie ihm. - Hochwürden Herr Pfarrer Seidl ist der Nachfolger des nach Landsberg verzogenen Hochwürden Herrn Otto Bader, der 30 Jahre segensreich in Welshofen gewirkt hatte. Die Gemeinde Welshofen wird auch in Freud und Leid zum neuen Pfarrherrn halten und ihn die Treue halten, wie es schon immer war und wünscht ihrem neuen Herrn eine fruchtbringende Seelsorgetätigkeit viele Jahre hindurch zum Besten der Gemeinde.

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen

Einzug des neuen Pfarrherrn
Amperbote vom 17.3.1931

Trotz der großen Schneeverwehungen des letzten Mittwochs ließ es sich Welshofen nicht nehmen, einen feierlichen Empfang für den neuen Seelsorger zu halten schon in aller Frühe ging der Schneepflug bis zur Hauptstraße nach Wiedenzhausen, ebenso Schneeschaufler. Um die Mittagszeit fuhr Herr Kirchenpfleger Simon Riepl im eleganten Schlitten, ein Paar rassige Pferde vorgespannt, nach Ebertshausen, um Hochwürden Herrn Johann Seidl abzuholen. Sechs Schlitten der umliegenden, zu Welshofen gehörenden Orte Altstetten, Bogenried auch von Welshofen, begleiteten ihn. Auf zum Teil sehr prächtigen Pferdematerial ritten ca. 32 Burschen und Landwirte dem Pfarrherrn bis Wiedenzhausen entgegen gegen 3:00 Uhr nachmittags traf die Vorhut am Pfarrhof ein, wo ganz Welshofen und Umgebung zur Begrüßung erschienen war. Schulkinder unter Führung des Herrn Schamberger trugen sinnige Gedichtlein vor, worüber Hochwürden Herr Pfarrer sich recht erfreut zeigte. Der Bürgermeister begrüßte mit kurzen, treffenden Worten den neuen Seelsorger und der Zug ordnete sich unter Vorantritt der "Loder Musikkapelle" zur Kirche. Hier hielt der neue Pfarrherr eine herzliche Ansprache, sprach für den ehrenden Empfang seinen Dank aus und bat die Anwesenden, ihm in seiner Seelsorgetätigkeit helfend zur Seite zu stehen. Er flehte mit der lauretanischen Litanei den Segen Gottes über die Gemeinde und seine neue Tätigkeit herab. Nach dem Absingen eines Volksliedes war die erhebende Feier beendet. Welshofen hat damit seine Anhänglichkeit an den Priesterstand erneut bekundet und wünscht dem neuen Seelsorger ein vieljähriges segensreiches Wirken in der Gemeinde.

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen

Priesterjubilare aus dem Dachauer Bezirk
Amperbote vom 04.01.1935

Auch im heurigen Jahr kann wieder eine Reihe von Hochwürdigen Herren aus dem Dachauer Land das Jubiläum des 40 oder 25jährigen Wirkens im Seelsorgeamt feiern. Ihr 40jähriges Priesterjubiläum feiern HH. Pfarrer Heinrich Schroll von Oberroth und HH. Pfarrer Johann Ev. Seidl von Welshofen. Unter den Jubilaren 40jährigen priesterlichen Wirkens finden wir auch Pfarrer Martin Oberndorfer von Salzburghofen, der vor etlichen 30 Jahren als Kooperator in Dachau wirkte. Das 25jährige Priesterjubiläum können feiern: HH. Pfarrer Andreas Furtner von Kreuzholzhausen, Hochwürden Herr Josef Niederhuber von Weichs und HH. Pfarrer Reinhardt von Odelzhausen. Den Priesterjubilaren schon heute unsere herzlichsten Glückwünsche!

Neuer Pfarrherr in Welshofen
Dachauer Nachrichten vom 19.08.1950

Durch den Dekan des Dekanats Altomünster, Geistlichen Rat Leopold Schwaiger, wurde der neue Pfarrherr Georg Engelbrecht feierlich in Welshofen installiert. In festlichem Zug wurde er unter Vorantritt der Musikkapelle Loder vom Pfarrhof in die Pfarrkirche geführt. Vor der Kirchentür wurde die Resignierungs- und Bestallungsurkunde verlesen und Pfarrer Engelbrecht die Schlüssel überreicht. In der Kirche las der neue Pfarrher ein feierliches Amt. Der Chor Welshofen brachte eine Messe mit Blechmusik zum Vortrag.

 

40 Jahre Seelsorger
Jubeltag für Pfarrer Johann Georg Englbrecht
Dachauer Nachrichten vom 03.05.1966

Welshofen - Pfarrer Johann Georg Englbrecht ist 40 Jahre Priester. Dies war für die Kirchenverwaltung und die Gemeinde Anlass genug, um ihrem beliebten Seelsorger das Jubiläum besonders festlich und schön zu gestalten. Am Vorabend des eigentlichen Festtages fand sich der Kirchenchor von Welshofen im Pfarrhof ein, um Pfarrer Englbrecht ein Ständchen darzubringen. Schulkinder sagten Gedichte auf und sangen Lieder. Bürgermeister Eisenhofer überbrachte die Glückwünsche der ganzen Gemeinde und sagte dem Pfarrer Dank für seine mehr als 16jährige Tätigkeit als Seelsorger der Pfarrei Welshofen und der Filiale Unterweikertshofen. Im Auftrag der Gemeinde schenkte der erste Bürgermeister ihm einen Radioapparat, während die Kirchenverwaltung einen schönen Geschenkkorb als Präsent übergab.

Am eigentlichen Jubeltag selbst wurde der Herr Pfarrer in einem festlichen Zug, begleitet von weiß gekleideten Mädchen und den Fahnen der Kirche, des Kriegervereins, der Freiwilligen Feuerwehr und des Burschenvereins, unter den Klängen der Kapelle Loder zum Gotteshaus geleitet. Unter dem Geläute aller Glocken und einer Jubelhymne, die der Kirchenchor sang, betrat der Jubilar die festlich geschmückte Kirche. Von der Decke herab hingen Girlanden. Der Altar war mit einem sehr schönen Blumenschmuck versehen. Das Amt zelebrierte der Jubilar selbst Die Gemeinde sang die Schubert-Messe, wobei sie von der Orgel und Bläsern wirkungsvoll begleitet wurde. In seiner Festpredigt sprach Pfarrer Englbrecht über 40 Jahre Priestertum und die Aufgabe, die einem Seelsorger von Gott und der Kirche gestellt sei.
Der Jubilar, am 1. August 1901 in Unterrohrbach bei Mühldorf geboren, ging im Kloster Scheyern zur Schule und wurde 1926 im Dom zu Freising zum Priester geweiht. Seine Wirkungsstätten nach der Priesterweihe durch Kardinal Faulhauber waren Steinkirchen, Vierkirchen, Niklasreuth. Dann war er Expositus in Lampferding, anschließend kam er als Pfarrer nach Welshofen. Nach dem Festgottesdienst, den die Gemeinde mit dem Lied "Großer Gott wir loben Dich" beendete, ging es zum Pfarrhof, wo ihm durch Bürgermeister Haas im Namen der Kirchenverwaltung und der Gemeinde Unterweikertshofen ein hübscher Sessel verehrt wurde. Bürgermeister Eisenhofer bedankte sich dann bei den Vereinen und all denen, die mitgeholfen hatten, wie dem Kirchenchor und der Kapelle Loder, dass Pfarrer Englbrecht ein so schöner Jubeltag bereitet werden konnte. Er erinnerte daran, wie sich der Pfarrer darum gesorgt hatte, dass ein neues Leichenhaus erstellt und die Kirchen neben dem elektrischen Geläut noch viele andere Verschönerungen erhielten.