zur Landkreiskarte                   Kirchen in der Gemeinde Pfaffenhofen


Franziskus-Kapelle in WAGENHOFEN



Adresse : 85235 Pfaffenhofen a.d.Glonn, Landstraße 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


B
eschreibung

Die Ortschaft liegt auf einer kleinen Anhöhe über der Glonn. Wagenhofen, "Höfe des Wacho" 05) , dürfte schon im 7.Jh. gegründet worden sein. Es war in früheren Jahrhunderten eng mit Augsburg verbunden. Die erste schriftliche Erwähnung der Ortschaft stammt aus dem Jahr 1085 im Zusammenhang mit der Schenkung des Chorherrenstifts Habach bei Weilheim an das Bistum Augsburg. 08) Aus der Zeit um 1800 ist bekannt, dass fünf der damals neun Anwesen Abgaben an das Kloster St.Ulrich zu entrichten hatten. 05)

Die Kapelle in Wagenhofen wurde im Jahr 1844 erbaut und dient nach einer Bistumsbeschreibung von 1874 07) : "bloß zur Privat-Andacht". Sie ist -zumindest seit 40 Jahren- dem hl.Franziskus von Assisi geweiht.

Das 8,5 m lange und 4,5 m breite 05) Kirchlein liegt an der alten Ortsstraße von Odelzhausen nach Pfaffenhofen. Sie ist in gelber Farbe gestrichen und mit weißen Ecklisenen eingefasst.
Auf der Giebelmauer sitzt ein kleiner Dachreiter mit Schallloch auf. Dieser mit einem Satteldach bedeckte Dachreiter besteht aus drei Bauteilen unterschiedlicher Breite. Sie sind abwechseln in den Grundfarben der Kapelle (Gelb und Weiß) bemalt. Dadurch wirkt das proportional etwas zu hohe Türmchen optisch niedriger. 1938 brach von einer großen Linde ein riesiger Ast ab und beschädigte den Dachreiter. Bei der Reparatur entdeckte man die in den Stein eingravierte Jahreszahl 1844. Sie ist jetzt wieder vom Putz überdeckt. 05)

Im Dachreiter hängt ein 15 kg schweres Bronzeglöckchen, das mit einem Seilzug hinter der Eingangstür geläutet wird. Es trägt die Aufschrift: "1893 gegossen in Augsburg". Die geringe Größe hat die Glocke vor dem Einschmelzen in den beiden Weltkriegen bewahrt. 05).
Die Kapelle ist seit einiger Zeit mit einem Kupferdach bedeckt. Früher besaß das Dach eine Ziegeleindeckung.

Im Giebeldreieck ist eine Öffnung in Kreuzesform eingelassen. Sie sorgt, neben den vier Rundbogenfenstern an den Seitenwänden und im Chorschluss, für Helligkeit im Kapellenraum.

Bau- und Weiheerlaubnis

Einen interessanten Einblick in die Planungs- und Baugeschichte sowie in den Widerstand seitens des Pfarrers erlauben die Akten des Erzbistums 05) , die von den Autoren der Gemeindechronik Pfaffenhofen von 2014 05) ausgewertet wurden. In einem Brief vom 10.4.1843 an den Erzbischof Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel berichtete der damalige Pfarrer von Pfaffenhofen, Jakob Wimmer, von den Plänen für eine Kapelle in Wagenhofen:
  "Die dießseitigen Pfarrangehörigen des Ortes Wagenhofen beabsichtigen schon seit längerer Zeit die Erbauung einer Feldkapelle zunächst außer des Ortes und da selbe nun nach 3/4 Jahr Recherchen des Königl. Landgerichts Friedberg bald zur Ausführung kommen dürfte".
Dabei waren folgende Vereinbarungen getroffen worden:
"1. die Kapelle soll nur den Zweck haben, an Feyertagen eine nachmittägig Privatandacht zu halten und sohin
    etwa einen Raum für 12 Personen einnehmen, was aber nach dem Plann der Königl.Bauinspektion Ingolstadt
    etwas großzügiger ausgeführt werden sollte.
2. Die Erbauung und ferner Unterhaltung der Kapelle sol nach dem Übereinkommen so geschehen, daß die
    Großbegüterten 2/3 und die Kleineren 1/3 der Kosten tragen wollen.
3. Da der Ort nur 1/4 Stunde von der hiesigen Pfarrkirche entfernt und der Weg dahin sehr gut ist, auch alle
    Feyertage daselbst eine nachmittägige Andacht besteht, so stellte ich in meiner abgesonderten Erklärung an
    das Königl. Landgericht vom 14.9. 1842 das Unnöthige und für die pfarrliche Eineit Nachtheilige eines solchen
    Vorhabens dar und konstatierte nur, daß es nach der ursprünglichen Protokolar-Erklärung der Gemeinde blos
    bey einer Feldkapelle verbleiben würde, mit feyerlicher Verwahrung gegen alle nachtheiligen Folgen für die
    gemeinsame Pfarrkirche, da ohnedieß in dieser kleinen Pfarrey eine Filialkirche und Kapelle bestehe".

Schwierigkeiten gab es auch bei der Einweihung der Kapelle.
Pfarrer Wimmer, der sich inzwischen mit der Kapelle abgefunden hatte, versuchte in mehreren Briefen, u.a. vom 31.1.1845 die Erlaubnis für eine Benediktion des kleinen Gotteshauses zu erreichen. Doch im ablehnenden Bescheid (oberhirliche Resolution vom 14.2.1845) heißt es, dass ".... bey Kapellen, welche bloß der Privatandacht gewidmet sind, wie es bey der Feldkapelle in Wagenhofen... der Fall ist, eine Benediktion derselben nicht stattfindet". Dem Pfarrer wurde aber erlaubt, "ein in derselben (Kapelle) etwa aufzustellendes oder bereits aufgestelltes religiöses Bild ritualmäßig zu benedicieren".

Die Wagenhofener Bewohner wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und drängten den Pfarrer zu einem weiteren Versuch. Darin nennt der Pfarrer vier Gründe, die für eine Kapellenweihe sprechen:
  "1. Diese Kapelle, sehr zweckmäßig mit einem Thürrahmen verbaut und eingerichtet, eine wahre Zierde der
    Umgebung, hat im Auge des Volkes eine höhere Bedeutung, als eine gewöhnliche Feldkapelle.
2. Ganz nahe am Ort und knapp an der Straße von Odelzhausen nach Bruck gelegen, wird sie häufig von
    Andächtigen besucht werden.
3. Die Gemeinde Wagenhofen, hat zur Herstellung der Kapelle beträchtliche Opfer dargebracht.
4. Endlich wird vorgebracht, dass ja in der Gegend schon viel unwichtigere Kapellen mit außerordentlichem Ritual
    benediziert wurden und so glaubte man diesfalls um so inniger bitten zu können.
    Mögen diese maßgeblichen Punkte Eure Excellenz bewegen, dem frommen Wunsch der Gemeinde huldvollst zu
    begegnen und die Benedizierung besagter Kapelle gnädigst gestatten zu wollen, was die Freude und Ehrfurcht
    für das Heilige in den Gemüthern nur erhöhen würde."
Am 10. April 1845 schrieb Pfarrer Wimmer einen weiteren Brief, dessen Inhalt mir nicht bekannt ist. Schließlich gab das Ordinariat dem Drängen nach und erlaubte die Weihe.
  "Das Ordinariat des Erzbistums München und Freising will auf die bittliche Vorstellung des Pfarramtes Pfaffenhofen an der Glon vom 10ten des Monats hiermit ausnahmsweise bewilligt haben, daß die neuhergestellte Kapelle in Wagenhofen ritualmäßig benediciert werde; in dem Ritus sind aber diejenigen Stellen, welche sich auf die Altäre und das Messelesen beziehen, hinwegzulassen."

Inneneinrichtung

Im Inneren trennt ein Chorbogen den Altarraum vom "Kirchenschiff".

Dieser Altarraum, auch Chorraum genannt, ist vorne halbrund geschlossen. In ihm steht der wohl neubarocke Altar mit Säulenaufbau. Ein Segmentbogen verbindet die Säulen und schließt den Altar nach oben ab.

Der Raum zwischen dem Altar und den Seitenwänden ist durch Blenden mit Felderungen geschlossen.
     Hinweis: Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von
     Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb sind Säulenretabel eine beliebte Altarform.

Pieta-Figur am Choraltar
Mittelpunkt des rot-weiß marmorierten Altars ist eine Pieta, die Darstellung der trauernden Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Dem Datum im Sockel der Statue nach dürfte die Pieta im Jahr 1743 05)
erstellt worden sein. Woher die Figur nach Wagenhofen gekommen ist, ist nicht bekannt. Einige nehmen an, dass sie aus dem 1803 aufgelösten Kloster Taxa stammt.
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Franziskusbild

In der Mitte der hohen Predella befindet sich anstelle eines Tabernakels ein umrahmtes Gemälde. Das stark nachgedunkelte Bild zeigt den Patron der Kapelle, den hl. Franziskus von Assisi. Der Heilige betet vor einem Kruzifix und erhält die Stigmata, die Wundmale.
Hinweis: Diese Stigmatisation soll sich am 17. September 1222 auf dem Alvernerberg bei Assisi ereignet haben. Nach einem Bericht sah er einen Seraph (Engel), der ihm das Bild des Gekreuzigten entgegenhielt und ihm die heiligen Wundmale einprägte. An den Händen des Heiligen und an seinen Füßen seien die Male der Nägel sichtbar geworden. Auch seine rechte Seite sei mit einer roten Narbe überzogen gewesen. St.Franziskus ist der erste anerkannte Stigmatisierte der katholischen Kirche.


Gemälde im Antependium
Im Antependium, der Front des Altarblocks, ist ein Gemälde auf Goldgrund in die Felderung eingefügt, das an die Kreuzigung Christi erinnert. Es zeigt ein Kreuz mit der Tafel I.N.R.I, um das eine Dornenkrone gehängt ist. Neben dem Kreuz sind ein Hammer und eine Zange dargestellt. Der Goldhintergrund ist das Zeichen für den Himmel.

Franziskuskreuz
An der linken Wand im Schiff erinnert auch die Nachbildung des sog. Franziskuskreuzes an den Patron der Kapelle. Das Kreuz wurde von der Frauengemeinschaft gestiftet, die es von einer Wallfahrt nach Assisi mitgebracht hat.
Das Kreuz von San Damiano ist ein Tafelkreuz bzw. eine Kreuz-Ikone, vor dem Franz von Assisi den Auftrag vernahm, die Kirche von San Damiano wiederherzustellen. Das Originalkreuz hängt heute in der Basilica di Santa Chiara in Assisi.

An der rechten Wand hängt ein Kruzifix, wohl aus dem 19. oder 20. Jh. Die Kreuzbalken-Enden sind als Dreipass gestaltet.

          

Im Kirchenschiff bieten 8 Bänke 24 Besuchern Platz. 


Die Kapelle wurde 1976 von der Dorfgemeinschaft renoviert. Seitdem feiern die Wagenhofener jährlich das Patrozinium am 4. Oktober, dem Fest des hl.Franziskus, mit einer Messe und einem daran anschließenden Dorffest.


Während des Jahres wird monatlich eine Andacht oder ein Rosenkranz gebetet.

Die Kapelle gehört (mit den übrigen Filialen Oberumbach und Unterumbach) zur Pfarrei Pfaffenhofen an der Glonn. Seit 1979 ist sie Teil des großen Pfarrverbands Odelzhausen, zu dem auch die Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Sittenbach und Sulzemoos zählen).

Renovierungen
Die erste Renovierung fand 1934, die zweite 1957 statt. Bei der letzten Renovierung 1975-77 hat man das Dach erneuert und mit Kupfer neu eingedeckt, den Putz ausgebessert, die Wände neu gestrichen und sogar eine Bodenplatte eingezogen.
Alle Renovierungen wurden unter großer Mitarbeit und finanzieller Beteiligung der Dorfbevölkerung durchgeführt. Am 4.Okt.1977 wurde das Patrozinium mit Pfarrer Genau in der fertig gestellten Kapelle gefeiert. 05)

Hans Schertl  

Quellen:
01) Stefan Metzger, Egenburg 14.6.1979
02) Klosterbesitz von St. Ulrich und Afra in Pfaffenhofen a.d. Glonn.pdf
03) Monika Mittelhammer, Wagenhofen, 2005
04) Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn, Bürgerbroschüre, April 2012 (Franziskus)
05) Axtner/Liebert/Mittelhammer, Chronik der Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn, 2014
06)
AEM.Pfarramt Pfaffenhofen/Glonn, Kapelle Wagenhofen
07)  Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874:  Text: Wagenhofen, Dorf,
          68 Seelen, 9 Häuser, 1/4 Std. zur Pfarrkirche - In Wagenhofen ist eine kleine Capelle, bloß zur Privat-Andacht".
08) Axtner/Liebert/Mittelhammer, Chronik der Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn, 2014

3 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.8.2019