zur Landkreiskarte                      Kirchen in der Gem.Röhrmoos

Hofkapelle St.Michael in RÖHRMOOS

Innenausstattung

Die Kapelle ist mit einer dekorativen Holzdecke versehen. Das Innere ist hell und freundlich gehalten. 

In der Mitte des dreiseitig schließenden Chorraums steht ein kleiner Altar. Darüber hängt ein großes Kruzifix an der Wand, das das Innere der Kapelle maßgebend prägt.

Zu beiden Seiten des Kreuzes stehen auf Podesten Figuren des hl. Florian (links, mit Wasserschaff und brennendem Turm) und der hl.Mutter Anna, die ihrer Tochter Maria eine Lehrstunde gibt, wie das Buch unter ihrem Arm ausweist. 

 
Beschreibung

Die dem hl. Michael geweihte Kapelle der Familie Westermayr in Röhrmoos wurde am Sonntag, den 21. Juli 1996 von Pfarrer Maric eingeweiht. 

Ihre Entstehung verdankt die Kapelle einem Gelübde, als der Sohn der Familie Westermayr schwer verunglückt war.
mehr dazu siehe Bericht der SZ.....

 
4 Details (Figuren, Fenster) per Mouseklick

Die beiden Rundfenster im Chor sind mit Glasgemälden aus der Werkstatt der Franz Mayer'sche Hofkunstanstalt GmbH für Glasmalerei und Mosaik verziert. ...mehr zur Hofkunstanstalt...

Das linke Fenster zeigt den hl. Michael, der mit dem Spieß einen Drachen (als Symbol für den Teufel) durchbohrt.
Rechts ist der hl.Josef, mit einer Lilie in der Hand, zu sehen. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.

Im hinteren Teil der Kapelle stehen 6 Kniebänke. Darüber links eine Figur der hl. Barbara (?) mit Buch unter dem Fuß und einem Turm in der Hand sowie eine Muttergottesstatue (rechts).

Hans Schertl

Quellen:
Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1998
Fam. Westermayr, 2002


6 Bilder: Hans Schertl 

 
Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

8.5.2015


Bericht der SZ über den Bau der Kapelle
von Sonja Siegmund

"Röhrmoos - Im Jahre 1966 verunglückte der 7-jährige Michael aus Röhrmoos bei einem Unfall sehr schwer. Wochenlang lag der Junge im Koma, die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben. Seine Eltern wußten sich keinen Rat mehr - Hoffnung und Verzweiflung wechselten von einer Stunde zur anderen. Am schlimmsten war die Ohnmacht, nichts tun zu können als zu beten und auf ein Wunder zu hoffen. Endlich besserte sich der Zustand und der Junge erholte sich langsam. Die Eltern waren überglücklich und als Michael völlig gesund aus dem Krankenhaus entlassen wurde, wollten Anna und Josef Westermayr Gott für dieses Wunder danken. Sie fassten den Entschluß, für die Rettung ihres einzigen Sohnes eine Kapelle bauen zu lassen.

Viele Jahre verflossen, Alltag und Beruf traten wieder in den Vordergrund. Aber in Vergessenheit geriet der Plan trotzdem nicht. Jetzt, nach 30 Jahren, verwirklichten die Eltern ihr Vorhaben. Die Familie setzt damit eine alte Tradition fort. Noch in unserer Zeit ist Bayern wegen seiner Frömmigkeit und Heimatliebe weithin bekannt. Vor allem im Dachauer Land findet sich kaum ein Dorf ohne Kirche oder nur ein Weiler ohne Kapelle. Von "Verlöbnissen" zur Heilung von schwerer Krankheit oder Rettung aus höchster Not berichten auch alte Chroniken der zahlreichen Wallfahrtskirchen im Landkreis.

Als schwierig erwies sich die Wahl des schönsten und geeignetsten Platzes für die neue Kapelle. Der Röhrmooser Wald war zu weit entfernt, die kleine Kirche wäre vor Einbruch oder Vandalismus schlecht zu schützen gewesen. An einer befahrenen Straße war die Sicherheit in der Nacht ebenfalls nicht gegeben, denn die Türe sollte jederzeit geöffnet sein. Auch der Hof des Westermayr-Anwesens wurde in Erwägung gezogen, aber für nicht einheimische Besucher wäre das Betreten privaten Grundes sicher befremdend gewesen.
Nach langen Überlegungen einigte man sich auf eine Wiese südlich des Ortes, abseits der Straße nach Unterweilbach. Hier, am sogenannten Kreuzacker, steht schon seit vielen Jahren ein geschnitztes Feldkreuz. Der Weg wird gern von Spaziergängern und Wanderern genützt und ist vom Hof aus gut zu sehen.

Im vergangenen Herbst begann eine örtliche Firma mit dem Bau, der inzwischen kurz vor der Vollendung steht. Die Kapelle mit dem kleinen Sattelturm beeindruckt schon von außen durch ihre klare Form und Schlichtheit. Von Birken eingerahmt, fügt sich die kleine Kirche harmonisch in die liebliche Landschaft.

Wie ein heller Strahlenkranz breitet sich der Dachstuhl über den kleinen Betraum im Inneren - ein Meisterwerk des hiesigen Handwerks. Auf dem Fußboden sind handgeschlagene Solnhofener Platten verlegt. Schmuckstücke der sonst kargen Einrichtung sind zwei halbrunde Fenster mit Glasmalereien, von der Franz Mayer'schen Hofkunstanstalt München gefertigt. Links ist der heilige Michael als Drachentöter dargestellt, gegenüber St. Josef mit einer weißen Lilie als seinem Attribut (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit). Das schlichte Holzkreuz für den Altar wurde beim örtlichen Schreiner in Auftrag gegeben, wie die SZ / Dachauer Neueste von Anna Westermayr erfuhr. Auch die Bänke werden demnächst fertiggestellt, denn im Juli wird die kleine Kirche eingeweiht. Dann wird auch einmal am Tag die kleine Glocke geläutet und zu besonderen Anlässen Andachten oder Messen gelesen werden. "Unsere Kapelle soll ein Ort des Gebets und der stillen Betrachtung werden. Aber auch Spaziergänger und Wanderer dürfen sich dort ausruhen und verweilen, wünscht sich die Familie Westermayr".

Dachauer Neueste Frühjahr 1996

Mayer'sche Hofkunstanstalt

Die Fenstergemälde stammen aus der Mayer'schen Hofkunstanstalt in München. Dieser Betrieb war im ausgehenden 19.Jh. die bedeutendste Werkstatt für religiöse Kunst in Bayern. Sie wurde von Joseph Gabriel Mayer 1844 gegründet, um begabten Behinderten eine Möglichkeit zu geben, ihr Talent in eine berufliche Tätigkeit einzubringen. Mayer war vorher Vorstand der staatlichen "Anstalt für Erziehung und Unterricht krüppelhafter Knaben". Unter Anleitung des Bildhauers Prof. Joseph Knabl (1819-1882) wurden im Betrieb Heiligenstatuen, Kreuzwegstationen und andere christliche Plastiken hergestellt und gefasst sowie Altaraufbauten produziert. Bereits kurze Zeit später beschäftigte Mayer 100 Mitarbeiter, für die er sogar Kranken- und Unterstützungskassen schuf. 1882 verlieh der bayerische König Ludwig II. dem Unternehmen den Titel "Königliche Bayerische Hofkunstanstalt". 1892 folgte der Titel "Institut des Heiligen Apostolischen Stuhles", verliehen durch Papst Leo XIII. (1878-1903). Die Hofkunstanstalt besteht als führende Werkstätte für Glasgestaltung und Mosaik in der Architektur in der Münchner Seidlstraße noch heute.