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Die Wandgemälde in der Basilika auf dem PETERSBERG


Pantokrator Christus in der Mandorla über dem Hochaltar
(daneben Petrus und Paulus)
darunter die Symbole der vier Evangelisten, die vier apokalyptischen Wesen: Mensch, Löwe, Stier und Adler. 

Vor 1000 Jahren konnte fast kein Gläubiger lesen. Diese Kunst war im Wesentlichen der Geistlichkeit vorbehalten. Auch viele  Adelige waren Analphabeten. Der Kirchenraum sollte deshalb den Besuchern die Religion bildhaft erklären sowie durch figürliche Darstellung verdeutlichen und einprägen.

So um die Jahrtausendwende kam der erzählende farbige Bildstreifen in der Malerei in Mode. Deshalb wurde die Mittelapsis auf dem Petersberg in dieser Weise ausgemalt. Die Bilder müssen bis 1119 gemalt gewesen sein, da in diesem Jahr der Konvent die Stammburg der Grafen von Scheyern, die sich damals schon Wittelsbacher nannten, zum Geschenk erhielt und bald darauf dorthin umzog. Möglicherweise unterblieb wegen dieses raschen Umzugs die Ausmalung der beiden Nebenapsiden, obwohl man bei Untersuchungen um 2006 festgestellt hat, dass auch die Gemälde in den Apsiden nicht einheitlich sind, sondern aus verschiedenen Zeiten stammten 13).

Bei der großen Restaurierung 1907 aus Anlass der 800-Jahr-Feier der Kirche- entdeckte man in der Hauptapsis unter sieben Farb- und Putzschichten 13) romanische Wandmalereien, aber nur noch in Bruchstücken. So waren z.B. durch den Abbruch des oberen Teils der Hauptapsis und den Einzug einer Flachdecke vom Bild des Pantokrators und der danebenstehenden Apostel Petrus und Paulus nur noch die Füße und der unterste Teil der Apostel sowie Reste der vier Evangelistensymbole erhalten 12) . Durch den Ausbruch der beiden Fenster waren die Martyriumsszenen verstümmelt. Gut zu erkennen, war nur die unterste Zone mit dem Marienbild und den Engeln. Unter dem Mäanderband konnte aber noch ein Teil der Inschrift mit den Namen Petrus und Paulus entziffert und vom Chorbogen, der in den Dachraum hineinragte, die aufsteigenden Rauchfassengel freigelegt werden 12). Am besten erkennbar waren noch die Gemälde der untersten Zone, die thronende Gottesmutter mit vier assistierenden Engeln 12).


Wie Professor Haggenmiller feststellen konnte, war die originale Ausmalung der Apsis erst nach und nach erfolgt; denn es ließen sich dort die Lichtspuren von allen 12 Apostelkerzen nachweisen. Das Muttergottesbild mit den Engeln soll sogar erst nach der zweiten Kirchenweihe von 1110 entstanden sein 12).

Ob die Restauratoren auch in den Seitenapsiden Spuren von Malerei zu entdecken, ist nicht sicher bekannt. Bisher schloss man dies aus und glaubte, dass Prof. Haggenmiller die Seitenapsiden im Auftrag des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege mit völlig neuen Bildern ausgestattet hat, die dem Hauptbild nachempfunden waren. Doch bei Untersuchungen im Zuge der letzten Restauration 2006/07 hat man festgestellt, dass die Gemälde nicht einheitlich sind, weder beim Material noch im Stil. Dies spricht dafür, dass doch ein Teil der Bilder aus früherer Zeit stammt.


Die Denkmalpfleger von 1907 standen vor der Entscheidung, was mit der Hauptapsis, dem liturgischen Zentrum der Kirche geschehen soll. Man konnte die Gemäldereste in diesem größtenteils zerstörten Zustand belassen oder die Bilderreste über-tünchen und etwas ganz Neues an dieser Stelle schaffen oder die Wandgemälde (Al Secco-Malereien auf trockenem Putz 14)). zu ergänzen. Man entschloss sich zu angleichender Ergänzung der fehlenden Teile, wobei Professor Haggenmiller sich von den romanischen Bildern der Abteikirche Prüfening bei Regensburg anregen ließ, die er selbst restauriert hatte 12). Zudem kümmerte sich ein Verwandter von ihm, Hans-Georg Haggenmiller zeitgleich in der Regensburger Allerheiligenkapelle um die Wiederherstellung der Fresken.
Prof.Hans Haggenmiller wurde 1864 in Ettensberg, Gemeinde Wiggensberg im Oberallgäu geboren. Er studierte in den Jahren 1889-1891 an der Akademie der Bildenden Künste in München und war Schüler von Rudolf Seitz. Seit 1897 war er neben Jos.Alois Mayer und Dr.Georg Hager der dritte Konservator am Bayer.Nationalmuseum und leitete dort die Restaurierungsanstalt. Im Jahr 1900 wurde zum Professor ernannt. Ab 1908 leitete er das neu gegründete Landesamt für Denkmalpflege. Haggenmiller galt als Spezialist für Restaurierungsfragen 09),08)


Bei der Restaurierung der Petersberg-Basilika wurde aber der Unterschied zwischen der originalen und den ergänzten Partien nicht kenntlich gemacht, sondern alles einheitlich gestaltet
12), um eine bessere Wirkung beim Betrachter zu erzielen. Nur in der Apsiswölbung hat der Restaurator durch einen dunkleren Hintergrundstreifen zwischen den unteren Teilen der Apostelgestalten und den vier Evangelistensymbolen die Grenze markiert, von der ab er den majestätischen Christus in der Mandorla und die Apostel Petrus und Paulus neu gestaltet hat 12). Bei den Martyriumsbildern in der mittleren Zone ist nicht mehr zu erkennen, welche Teile original waren und welche -wegen der später hier eingesetzten und wieder zugemauerten Seitenfenster- ergänzt worden sind 12).

Finanziert wurde die Rück-Romanisierung 1907 durch den Verkauf der barocken Altäre und der Kanzel an die Pfarrei Rottenberg, Gemeinde Sailauf, deren Kirche damals neu gebaut worden war 13) .

Bewertung

Was ist nun von den Wandgemälden zu halten ? 
Es stecke mehr zwanzigstes als zwölftes Jahrhundert in den neuen Gemälden, sagen viele Kunsthistoriker. Heute wäre eine solche "Ergänzung" nicht mehr vorstellbar. In der Regel steht der Erhalt der meist nur teilweise vorhandenen Originalsubstanz im Vordergrund.
Als Laie aber kann man sich über die Schönheit dieser beeindruckenden und einprägsamen Darstellungen auf dem Petersberg ganz einfach freuen, wie dies wohl auch die Menschen getan haben, die vor 900 Jahren diese Kirche besucht haben. Vielleicht ist die Basilika durch die Ausmalung der Nebenapsiden noch schöner geworden, als sie es jemals war.

Zum Eindruck, Jahrhunderte alten Gemälden gegenüber zu stehen trägt sicher auch die Patina bei, die den früher zu neu und zu glatt wirkenden Malereien ein altertümliches Gepräge gibt. Sie wurde bei der Restaurierung von 1952 von Restaurator Pfohmann 12) aufgetragen. Bei einer Oberflächenreinigung im Jahr 1984 hat man Teile der Patina entfernt, mit dem Ergebnis, dass die Malerei Haggenmillers verstärkt hervortrat. Bei der Renovierung 2007 musste entschieden werden, wie mit der restlichen Patinierung verfahren werden sollt. Nach Abwägung aller Möglichkeiten wurde entschieden, dass der vorhandene Mischzustand von 1980 konserviert und nur die größeren Schäden beseitigt werden 04).

Mittelapsis oder Hauptapsis

Die Apsis des Mittelschiffs ist vertikal in drei Zonen gegliedert, die durch verschieden gestaltete Schmuckbänder getrennt sind:

1. o
ben in der Kalotte Christus als Weltenrichter,
2. im Mittelteil das Martyrium der Kirchenpatrone Petrus und Paulus
3. im unteren Bereich Maria auf dem Thron, begleitet von Engeln.

Das Bildprogramm der Mittelapsis soll zeigen, dass die kirchliche Macht Vorrang vor der weltlichen Macht genießt. Das himmlische Vorbild ist Ziel der Weltordnung. Dazu gehören in romanischer Zeit ein Bild der himmlischen Kirche, die endzeitliche Wiederkehr Christi, die Anwesenheit von irdischen Vertretern der weltlichen und geistlichen Macht (Heidrun Stein-Kecks) 13).


Oberer Teil - Christus als Weltenrichter

In der Wölbung der Mittelapsis ist in einer Mandorla Christus als Weltenrichter (Allherrscher, Pantokrator) dargestellt, der auf einem Regenbogen, dem Sinnbild für die Verbundenheit zwischen Gott und den Menschen, sitzt (siehe Bilder oben und rechts). Eine Mandorla ist die in der Regel mandelförmige Gloriole um eine göttliche Figur. Sie ist mathematisch die Schnittfläche zweier sich überlappender Kreise, theologisch die Schnittmenge des Himmelskreises und des Erdkreises. Die Füße von Christus ruhen auf Gestirnen und Planeten; er ist der Herrscher der Erde und des Weltalls 11) .
Nach der Tradition geht die Gestalt des Weltenrichters auf das Bild des Menschensohnes zurück, das im 7.Kapitel des Buches Daniel zu finden ist: "wo jemand wie eines Menschen Sohn mit den Wolken des Himmels kommt und vor dem "Uralten" gebracht wird, der Gericht hält (der "Uralte" ist eine symbolische Umschreibung Gottes, weil er schon immer da ist). Dieser gibt ihm Macht, Ehre und das Reich über alle Völker".

Rauchfass-EngelAnbetungsengelAdler (Symbol f.Johannes)Geflügelter Stier(Symbol Lukas)Geflügelter Löwe (Symbol Markus)Sitzende MadonnaEnthauptung von PaulusKreuzigung PetriSt.PaulusSt.PetrusGeflügelter Mensch (Symbol Matthäus)AnbetungsengelRauchfass-EngelHeilig-Geist-TaubeChristus der Weltenherrscher
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Links und rechts der Mandorla stehen die Kirchenpatrone Petrus und Paulus.

Unter dem Pantokratorbild die Symbole der vier Evangelisten die vier apokalyptischen Wesen: Mensch, Löwe, Stier und Adler. 
Ein Schriftband enthält einen nicht mehr vollständig lesbaren Text
(
DEI FAT.R.PETRUS.IN.CRUCE.S.O.LIGATUR...PAULUS OVIA... DE NOSC...)

Weitere biblischen Grundlagen
für die Darstellung des Weltenrichter und der apokalyptischen Wesen.

- Die bekannteste ist das 4.Kapitel der Geheimen Offenbarung (Apokalypse), in der es heißt:
  Und ich sah, ein Stuhl war gesetzt im Himmel, und auf dem Stuhl saß einer; (Psalm 47.9) (Jesaja 6.1) und der dasaß, war gleich anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Stuhl, gleich anzusehen wie ein Smaragd...Und vor dem Stuhl war ein gläsernes Meer gleich dem Kristall, und mitten am Stuhl und um den Stuhl vier Tiere, voll Augen vorn und hinten. Und das erste Tier war gleich einem Löwen, und das andere Tier war gleich einem Kalbe, das dritte hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und das vierte Tier war gleich einem fliegenden Adler. Und ein jegliches der vier Tiere hatte sechs Flügel, und sie waren außenherum und inwendig voll Augen und hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der HERR, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.

- Das Bild beschreibt auch Ezechiel (Hesekiel) in Kap. 1 seiner Prophezeiungen: (Hes, 1, 6-8 u. 26-28)
  Und über dem Himmel, so oben über ihnen war, war es gestaltet wie ein Saphir, gleichwie ein Stuhl; und auf dem Stuhl saß einer gleichwie ein Mensch gestaltet. (Hesekiel 1.22) Und ich sah, und es war lichthell, und inwendig war es gestaltet wie ein Feuer um und um. Von seinen Lenden überwärts und unterwärts sah ich's wie Feuer glänzen um und um. Gleichwie der Regenbogen sieht in den Wolken, wenn es geregnet hat, also glänzte es um und um. Dies war das Ansehen der Herrlichkeit des HERRN. Und da ich's gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden.
Und darin war es gestaltet wie vier Tiere, und dieselben waren anzusehen wie Menschen. Und ein jegliches hatte vier Angesichter und vier Flügel. Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren gleich wie Rinderfüße und glänzten wie helles glattes Erz. Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; denn sie hatten alle vier ihre Angesichter und ihre Flügel. Und je einer der Flügel rührte an den andern; und wenn sie gingen, mussten sie nicht herumlenken, sondern wo sie hin gingen, gingen sie stracks vor sich. Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen, und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren, und zur linken Seite gleich einem Ochsen bei allen vieren, und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. Und ihre Angesichter und Flügel waren obenher zerteilt, dass je zwei Flügel zusammenschlugen, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib.

Auch Jesaias stimmt in diese Beschreibung ein (Jes, 6,1-4)
  ...sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen Thron und war erhöht und der Saum seines Gewandes füllte den Tempel. Über ihm schwebten Seraphim, jeder hatte sechs Flügel. Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihre Gesichter, mit zweien ihre Füße und mit dem dritten Paar flogen sie. Sie riefen einander zu: 'Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Allmächtige! Die Erde ist von seiner Herrlichkeit erfüllt!« Dieses Rufen ließ die Fundamente der Vorhalle erzittern und der Tempel wurde mit Rauch erfüllt.



Mittelteil der Hauptapsis:
das Martyrium von Petrus und Paulus

Im mittleren Bildstreifen der Hauptapsis wird zu beiden Seiten des Alabasterfensters das Martyrium der Kirchenpatrone Petrus und Paulus dargestellt. :


links vom Alabasterfenster,
die Kreuzigung des hl. Petrus.

Petrus wurde im Zirkus des Nero auf eigenen Wunsch mit dem Kopf nach unten ans Kreuz geschlagen, da er "nicht würdig sei, den selben Tod wie Jesus Christus zu sterben".
Auf dem Bild ist sein Leib ist mit Stricken an den Kreuzesschaft gebunden, während die Henker Nägel durch die Hände schlagen.

Links vom Kaiser steht ein weiterer Henker mit ge-zücktem Schwert, wohl bereit, Petrus zu ent-haupten. Doch der neben ihm stehende Mann hält ihn mit einer Hand-bewegung zurück

rechts: die Enthauptung des hl. Paulus.
Der Heilige erwartet kniend den Schwertstreich des Henkers. In den Händen hält er ein Buch; es ist Symbol für seine Funktion als Verkünder des Evangeliums in Wort und Schrift.

Der rechts hinter ihm stehende Kaiser streckt den Arm aus, als Zeichen für Henker, mit seinem Werk zu beginnen. Hinter ihm steht eine Frau in vornehmem Gewand, die beschwichti-gend ihre Hand auf den Arm des Kaisers legt.
Diese Szene soll, so Kreisheimatpflegerin Unger-Richter, auf eine historische Begebenheit aus dem Leben des jungen Heinrich IV. hinweisen, der als Minderjähriger an die Macht gekommen ist. Einige Reichsfürsten unter der Führung des Erzbischofs Anno II. von Köln verschworen sich gegen den jungen Herrscher 13) .

Beim "Staatsstreich von Kaiserwerth" (1062) nahm Anno II. den 11jährigen Heinrich gefangen. Das vergaß ihm der Junge nicht. Als Heinrich mit 14 Jahren volljährig wurde, erhielt er feierlich ein Schwert überreicht (Schwertleite). Nach der Überlieferung wollte er das Schwert sofort gegen den bei der Zeremonie anwesenden Bischof Anno erheben. Doch Heinrichs Mutter Agnes konnte ihren Sohn gerade noch von seinem Vorhaben abhalten.

Links von Paulus stehen zwei Frauen in besonders prächtigen Gewändern. Die geöffneten Arme und der Blick hin zu Heinrich könnten nach Auffassung von Historikern auf die Ehefrau von Heinrich IV., Bertha von Turin, hinweisen, die Heinrich auf Anordnung seines Vaters heiraten musste und von der er sich drei Jahre später in einem ebenso Aufsehen erregenden wie aussichtslosen Verfahren wieder scheiden lassen wollte 13) .

    

Interessant sind die beiden Darstellungen des Kaisers, der die Hinrichtungen beobachtet und beaufsichtigt. Er ist nicht wie Kaiser Nero gekleidet, unter dem Petrus und Paulus hingerichtet worden sind. Die Gewänder und die Kronen gleichen vielmehr denen des damaligen Kaisers Heinrich IV, der mit dem Papst im Investiturstreit lag und deshalb exkommuniziert war. Die Mönche auf dem Petersberg standen auf der Seite des Papstes und stellten den Kaiser auf diese Weise in die Reihe mit den Christenverfolgern. 10)
Auffallend ist der Altersunterschied der beiden dargestellten Kaiser. Der Monarch auf der linken Seite mit grauen Haaren scheint älter als der rechte Kaiser mit rotem Bart und Haupthaar 13) . Entweder wird der Kaiser Heinrich IV. in unterschiedlichen Lebensaltern gezeigt, oder es handelt sich um einen Hinweis auf den Machtübergang auf dessen Sohn Heinrich V. Dieser stieß seinen Vater 1105 vom Thron, behielt aber dessen unnachgiebige Position als Gegner der Päpste im Investiturstreit zunächst bei.
Das Gemälde könnte somit ein frühes Propagandadokument sein, falls die heute zu sehende Darstellung des Kaisers dem Originalgemälde entspricht.

 

Unterer Teil der Hauptapsis:
Maria mit dem Jesuskind

Im unteren, 177 cm hohen Bildstreifen eine sitzende Maria mit Kind (Sedes sapientiae - Sitz der Weisheit). Sie ist sowohl als Gottesmutter als auch als die neue Eva mit dem Heils-Apfel (Symbolgestalt für die Kirche) dargestellt.
Umgeben ist Maria von einem "Hofstaat" aus himmlischen Engelscharen in Gestalt von acht großen Engeln mit LilienZeptern.

Maria zeigt den Gläubigen das Jesuskind. Auf dem Bild ist die Figur von Maria sehr streng gehalten, während das lebhafte Jesuskind den Betrachter anlächelt.
Dazu passt folgender Satz aus dem Gebet "Salve Regina", das in einem die ganze Apsis umfassenden Schriftband an unterster Stelle in Latein geschrieben steht: "...und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht Deines Leibes."
Text des Salve Reginas in Latein und Deutsch:

Salve, Regina,
mater misericordiae:
Vita, dulcedo,
et spes nostra, salve!
Ad te clamamus, exules, filli evae
Ad te suspiramus,
gementes et flentes
in hac lacrimarum valle.
Eia ergo, advocata nostra,
Illos tuos misericordes oculos
ad nos converte! Et Jesum,
benedictum fructum ventris tui,
Nobis post hoc exilium ostende!
O clemens: O pia:
O dulcis Virgo Maria!
Amen
Sei gegrüßt, o Königin,
Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, unsre Wonne
und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas
zu Dir seufzen wir
trauernd und weinend
in diesem Tal der Tränen.
Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
wende Deine barmherzigen Augen
uns zu und zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht Deines Leibes, nach dem (Leben in) diesem Elend.
O gütige, o milde,
o süße Jungfrau Maria.
Amen

An die Stirnwand um die Mittelapsis sind Engel unter roter Marmorierung sowie -oben in den Bogenzwickeln- Engel mit Weihrauchgefäßen gemalt. Sie weisen die Betrachter mit großen Gesten auf das Geschehen im Altarraum (Messopfer) hin.
An oberster Stelle ist ein Bild der Heilig-Geist-Taube zu sehen.



Wandgemälde
in den beiden Nebenapsiden


Ob in den Seitenschiff-Apsiden Gemäldereste gefunden wurden, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Bis vor wenigen Jahren war man der Ansicht, dass die Apsiden nicht bemalt waren, weil die Mönche in den wenigen Jahren zwischen Bau der Kirche und Wegzug nach Scheyern wohl nicht genügend Zeit für eine vollständige Ausmalung hatten 12). Man glaubte, dass Prof. Haggenmiller die Seitenapsiden im Auftrag des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege mit völlig neuen Bildern ausgestattet hat, die dem Hauptbild nachempfunden waren 12). Doch bei Untersuchungen im Zuge der letzten Restauration 2006/07 hat man festgestellt, dass die Gemälde nicht einheitlich sind, weder beim Material noch im Stil. Dies spricht dafür, dass doch ein Teil der Bilder aus früherer Zeit stammt 13)
.

Die Auswahl der Themen -links Szenen aus dem Leben des hl. Martin, rechts Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt- ist nach Pfarrer Jakob Mois wohl auf pastorale Gründe zurückzuführen: die Kirchenbesucher sollten daran erinnert werden, dass es sich um eine Benediktinergründung handelte und dass St. Martin von Anfang an neben dem Apostel Petrus der zweite Kirchenpatron war (dessen Reliquien die Gräfin Haziga gestiftet hatte)12).

Jakob Mois weist in seinem Aufsatz "Dichtung und Wahrheit über die romanischen Gemälde in der Petersberg-Basilika" auch darauf hin, dass in den Gemälden einige ikonografische Ungereimtheiten enthalten sind, die sie als neuzeitliche Entwürfe kenntlich machen 12)
:
So ist St. Martin in der Szene, in der er zum Bischof von Tours erwählt wird, als vornehmer Offizier mit dem Schwert über den Knien zu sehen, während ihm Mitra und Stab hingereicht werden. Doch Martin hatte damals (371) schon längst den weltlichen Stand verlassen und war seit 10 Jahren Mönch und Abt von Ligugé gewesen. Ein Maler des 12.Jh hätte dem Abt Martin nie ein Schwert hinzugefügt. Auch die Martinsgans im Medaillon der Nordapsis verrät den neuromanischen Ursprung, weil in der Kunst die Gans erst seit dem 15.Jh als Kennzeichen des hl.Martin auftrat.
In der südlichen Apsis wird der hl.Benedikt im priesterlichen Messgewand mit einer an das Pallium erinnernden Stola abgebildet, obwohl er nie Priester gewesen war. Auch die Darstellung des Todes, am Altar kniend und das Haupt auf die Mensa gelegt, widerspricht dem Bericht von Papst Gregor dem Großen, nach dem St.Benedikt stehend, von Mitbrüdern gestützt, seinen letzten Atemzug getan habe. 

Linke Apsis

Die linke Apsis ist dem hl. Martin geweiht und enthält Darstellungen aus dem Leben des Heiligen. 

In der Apsis, der Kalotte, wird über einem perspektivischen Ornamentenband der hl. Martin als Bischof gezeigt. 

Die Mandorla, der gemalte Rahmen der Gloriole um das Bild Martins erinnert an einen edelsteinbesetzten Kranz.

Seitlich in den Zwickeln knien Engel und halten das Rundbild. Als Abschluss ist das Schriftband mit dem Text: "MARTINE ORA PRO NOBIS DEUM+" aufgemalt.

Darunter ein Schriftband mit dem Text: "MARTINUS CHRISTUM VESTIVIT +MARTINUS, PASTOR TOURS, ELIGITUR" das den Inhalt der Bilder darunter vorstellt.

Auf der rechten Seite wird die Berufung des Heiligen zum Bischof gezeigt. Martin sitzt bereits auf dem Bischofsthron und segnet die Gläubigen, während zwei Mönche Mitra und Bischofsstab halten.
Auf den Knien des Heiligen liegt das den mittelalterlichen Vorschriften für den geistlichen Stand widersprechende Schwert.

Martin wurde 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours, trotz Vorbehalten seitens des Klerus und gegen seinen Willen.
Eine Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. Der volkstümliche Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, rührt wohl von dieser Geschichte her. Über der Apsis ist in einem kleinen Rundbild deshalb eine Gans zu sehen.
Da diese Legende aber erst im 15.Jh entstanden ist,
hätten die Mönche auf dem Petersberg dieses Bild so nicht gemalt.

Das Gemälde links von dem kleinen Fenster stellt die berühmteste Legende um St. Martin, die Mantelspende dar. Allerdings nicht zu Pferd, sondern zu Fuß, auf gleicher Ebene, auf Augenhöhe mit dem Bettler .
Rechts der Bettler mit Krücke und einem Raben auf der Schulter.


Martin begegnete am Stadttor von Amiens als Soldat hoch zu Ross einem frierenden Bettler, ihm schenkte er die mit  dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus  mit dem  Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte.

 

An der Stirnwand der linken Apsis ist der Text "SACERDOS DEI APERTI SUND TIBI COELI" zu lesen. Darüber ein Kreis mit einem Vogel (Gans) und stilisierten Bäumen und dem weiteren Text: "MARTINUS VENUS PASTOR EGREGIUS".
Die Gans ist heute zwar ein bekanntes Attribut von St.Martin; doch in der Romanik war es noch unbekannt (erst seit 15.Jh).

 

Rechte Apsis

Die rechte Apsis ist dem Ordensvater der ersten Mönche auf dem Petersberg, dem hl. Benedikt geweiht, dessen Bild in der Apsis auf einem Rundbild zu sehen ist (im priesterlichen Gewand !).
Auch hier halten zwei Engel die in diesem Falle kreisrunde Mandorla.

Der Bogen enthält die Inschriften: "INTERCEDE PRO NOBIS APUD DOMINUM" und (außen) "MULTI AD EUM CONVENERUNT DISCIPULI"

Im Rundbild oberhalb der Apsis ist zwischen stilisierten Bäumen ein Kelch mit einer Kerbe abgebildet. Er erinnert an die Legende, dass Benedikt noch vor der Ordensgründung vergiftet werden sollte. Das Gift aber entfloh durch einen Sprung im Kelch, sodass Benedikt keinen Schaden nahm.
Der Text an dieser Stelle lautet: "BENEDICTUS TOTUM SE DEDIT JESU CHRISTO"

St.Benedikt

Unter einem Zackenband sind zu beiden Seiten des Alabasterfensters Bilder zu sehen:
Im Gemälde links vom Fenster stürzt der Heilige auf dem Monte Cassino ein Götzenbild

Auf der Internetseite der Benediktiner wird die Begebenheit wie folgt beschrieben:
"Dann zog Benedikt mit einigen Gefährten auf einen hohen Berg namens Cassinus. Auf ihm stand ein uraltes Heiligtum, in dem das einfache Volk den Gott Apollo nach alter heidnischer Sitte verehrte. Als der Mann Gottes dahin kam, zerschlug er das Götzenbild, zerstörte den Altar und steckte die Haine in Brand.
Den Apollotempel aber verwandelte er in eine Kirche. Darauf wandte er sich an das umliegende Volk und bekehrte es durch unablässige Predigt zum Glauben.

 

Der Text im Schriftband rund um die Apsis lautet: "BENEDICTUS ARAM GENTIUM RUIT MORITUR AD ALTARE CHRISTI".

Das Wandbild rechts zeigt den Tod des Heiligen Benedikt.
Benedikt starb am Gründonnerstag des Jahres 547, am 21.März, während eines Gebets am Altar der Klosterkirche Montecassino auf seine Mönche gestützt.
Seine Mitbrüder sahen, wie seine Seele von Engeln auf teppichbelegter, lichterfüllter Straße gen Himmel getragen wurde.


Auf dem Gemälde ist links oben die Seele Benedikts als kleine menschliche Gestalt zu sehen, die auf dem Gnadenstrahl nach oben schwebt. Aus dem Himmel streckt sich ihr die Hand Gottes entgegen, die sie nach oben zieht.

Am Scheitel des Bogens ist ein Kelch mit Kerbe zu sehen, der an den Giftanschlag erinnert, mit dem Benedikt von Mitbrüdern ermordet werden sollte. Das Gift aber war durch eine Kerbe entwichen.

In der rechten Apsis hängen auch die Glockenseile, mit denen die Glocken in dem Türmchen darüber geläutet werden. 

Sehr gut kann man übrigens im untersten Streifen aller drei Altarräume das bei der letzten Renovierung freigelegte Bruchsteinmauerwerk in Augenschein nehmen. 

Hans Schertl

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Quellen:
01) Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
02) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
03) Hermann Bauer, Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973
04) Dachauer Nachrichten vom 26.6.2007
05) DuMont, Kunstreiseführer Oberbayern, 1980
06) Konrad Krieger, Der Petersberg im Kreis Dachau, 1954
07) Dewiel, Rasp: Kunstfahrten in Oberbayern Süddeutscher Verlag 1989
08) Ingolf Bauer, Volkskultur - Geschichte - Region, Festschrift für Wolfgang Brückner zum 60., S. 634, 1992
09) Günter Dippold, Anfänge und Frühzeit des Luitpold-Museums Kulmbach, 2003
10) Franz Zeheter, Kirchenführung 2004
11) Josef Mayer, Christus in der Mandorla, Petersberg-Rundbrief 2007
12) Jakob Mois, Dichtung und Wahrheit über die romanischen Gemälde in der Petersberg-Basilika, Amperland 75/1
13) Dr.Birgitta Unger-Richter, Kirchenführer Basilika auf dem Petersberg bei Dachau, 2014
14) Frau H.Frühauf, Haimhausen, 2007

Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

23.12.2014