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Stalingradkapelle bei OBERROTH (Herz-Jesu-Kapelle)

Beschreibung

Die im Jahr 1949 errichtete Kapelle liegt nördlich von Oberroth in einer Waldlichtung (s.Karte...). Sie ist in der Gegend auch als Salzerkapelle, Kapelle im Ganterholz oder als Stalingradkapelle bekannt.

Die Kapelle wurde 1949 von Sepp Haas aus Oberroth nach seinen Worten "zur Erinnerung an den wahnsinnigen Krieg" erbaut. Sepp Haas errichtete die Kapelle ganz allein und ließ sich dabei weder von Freunden noch von Nachbarn helfen. Die Steine schaffte er aus dem zertrümmerten München herbei.
Der Erbauer wanderte 1960 nach Paraguay aus.

Zunächst kümmerte sich der inzwischen verstorbene Bruder Thomas Haas um die Kapelle. Seit 2002 wird sie von der "Soldaten- und Reservisten-Kameradschaft Schwabhausen 1920" betreut und instand gehalten.
2008 und 2010 wurde die Kapelle rundum erneuert. (Bild links zeigt noch den alten Zustand).


Die Renovierungsarbeiten sind auf der Internetseite der SRK Schwabhausen sehr ausführlich dokumentiert.
Mehr darüber erfahren Sie hier...


Die Kapelle ist nur 2,50 m lang, 1,50 m breit und etwa 3 m hoch.
An der Aussen-Rückseite ist sie mit einem Schriftband und dem Text "Mein Bild strahlt auch in die Ferne" verziert.

Seit 2008 ist die Kapelle wieder mit roten Biberschwanzplatten gedeckt; diese Ziegelart war auch bei der Erbauung 1949 verwendet worden. 1972 hatte man das Gotteshaus bei der Renovierung mit Frankfurter Pfannen eingedeckt, die nach 36 Jahren undicht wurden.

Darüber ist sie mit einem winzigen Dachreiter versehen, in dem seit Mai 2003 hinter einem Ziergitter wieder das Friedensglöckcklein hängt. Es wird mit einem Stab geläutet. Das Glöcklein war vor vielen Jahren auf Wunsch von Jägern abgenommen worden, weil spielende Kinder immer wieder geläutet und dabei das Wild beunruhigt hatten.

Das Deckengewölbe im Inneren ist als Grotte gestaltet. Dem Schriftband über dem Fenster auf der Vorderseite ist das Patronat zu entnehmen: "Heiligstes Herz Jesu bitt für uns".

Bis 2004 war der kleine Bau als Marienkapelle gestaltet, mit der Figur der Madonna von Fatima anstelle der Herz-Jesu-Statue, einem anderen Text im Schriftband "..Herz Mariä..), vielen Heiligenbildern und auch einem Bild des Erbauers an den Wänden.
Wenn Sie die frühere Ausstattung sehen möchten, klicken Sie hier...

 

Im Jahre 2004 wurde die Kapelle renoviert, zum Teil neu ausgestattet und am 8. Mai eingeweiht. Vor dem Fenster steht nun die Herz-Jesu-Figur eines Magdeburger Künstlers unter einem Kruzifix. Diese Figur hatte sich der Kapellenerbauer Sepp Haas gewünscht.

Die drei Bilder an der Vorderwand unter dem Fenster haben Bezug zum Krieg um Stalingrad in den Jahren 1942 und 1943 und erinnern an das Schicksal der Opfer des Zweiten Weltkriegs:

In der Mitte das Stalingrad-Kampfbild von Franz Eichhorst. Das Bild zeigt eine Kampfszene aus Stalingrad. Umrahmt wird es von zwei gerahmten Drucken:
Links das Bild der sog. Stalingradmadonna, die von Kurt Reuber (Arzt und evangel.Theologe) an Weihnachten 1942 auf die Rückseite einer russischen Landkarte gemalt worden ist. Es zeigt eine Mutter, die im weiten Mantel ihr Kind birgt. Umrahmt wird das Gemälde von dem Text: "Weihnachten 1942 im Kessel, Licht, Leben, Liebe". Das Original hängt in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.
Im Druck auf der rechten Seite sind die Entstehungsgeschichte der Stalingradmadonna und ein Porträt von Kurt Reuber zu sehen. Daneben steht die ganz in Weiß gehaltene Figur der Madonna aus Fatima, deren Platz früher am Fenster unter dem Kreuz war.

An der Rückwand der Kapelle über der Sitzbank hängt eine Kopie des bekannten Gemäldes "Weg nach Emmaus" vom Landschaftsmaler Robert Zünd (1827-1909) aus Luzern. Unter naturalistisch exakt gemalten Laubbäumen, schreiten Jesus (mit erhobenem Arm) und die beiden Jesus zugewandten Apostel mit dem Rücken zum Betrachter auf dem romantischen Waldweg langsam Emmaus entgegen.

Zum 50jährigen Jubiläum wurde 2003 neben der Eingangstür eine Bronzetafel angebracht, die Josef Haas, der Erbauer der Kapelle, aus Paraguay geschickt hatte. Auf ihr erinnert eine Inschrift an die Schrecken des Krieges:
"Zur Erinnerung an die grosse Sünde und das Morden zweier Weltkriege
Ich glaube und vertraue dem, der mich geliebt und sich für mich dahingegeben hat"

Hans Schertl

Quellen:
Putz/Niederle, Kirchen und Kapellen im Gemeindebereich Schwabhausen, 1988
Albert Winkler, Schwabhausen 2003
Dachauer Nachrichten vom 28./29.Mai 2003, vom 29.11.2005, 25.9.2008 (Dach), 21.6.2010 (Renov.2010)
5 Bilder: Marianne Kugler (1), Albert Winkler (4)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

2.7.2010