zur Landkreiskarte                Kirchen i.d. Gem.Petershausen


Filialkirche St. Stephan in OBERHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
Adresse: 85238 Petershausen, Oberhausen 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

 
Geschichte

Die Ortschaft Oberhausen wird 1037 als "Rutpreht de Operanhusen" erstmals urkundlich erwähnt. Man nimmt aber an, dass Ort und auch Kirche noch wesentlich älter sind. In den Urkunden der Grafen von Ebersberg taucht Oberhausen erstmals um die Jahrtausendwende als bedeutender Ort auf.

Die Kirche St.Stefan in Oberhausen gehört heute zur Pfarrei Steinkirchen (Lkr. Pfaffenhofen). In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird sie als Filiale der Pfarrei Haunstetten ("Hausstetn cum Obernhausen") beschrieben. In der Barockzeit wurde noch der hl. Georg als Kirchenpatron verehrt.


In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus den Jahren 1870 bis 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Steinkirchen als Nebenkirche auch St.Stephanus in Oberhausen enthalten: Im Dorf wohnten damals 52 Seelen (in 8 Häusern). Die Wege zur 1 km entfernten Pfarrkirche seien meist gut, links und rechts der Ilm aber hügelig, schreibt Westermayer. Und weiter über die Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt.
Das Presbyterium mit schönem gothischen Gewölbe, das Langhaus styllos. Baupflicht hat die Kirchen-stiftung. Kupppelthurm mit 2 kleinen Glocken. 3 Altäre ohne Altarsteine. Gottesdienste am Feste des hl.Georgius und des hl.Leonhard, wenn sie nicht auf einen Sonntag fallen. Stiftungen: 1 Jahrtag, 2 Jahrmessen, Meßner ist ein Bauer. Kirchenvermögen: 2.200 Mark".


Baubeschreibung



6-geschossiger Turm

Der schindelgedeckte Zwiebelturm ist südlich am Chor angebaut. Er dürfte erst nach 1450 errichtet worden sein. Dabei wurde wahrscheinlich der frühere Turm auf der Ostseite über dem Altarraum abgebrochen und der Chor umgebaut.
Der Turm ist in den unteren drei Geschossen viereckig: Die Geschosse sind durch ein ziegelgedecktes und zwei schindelgedeckte Gurtgesimse getrennt.
Die oberen drei Geschossen sind achteckig. Sie sind durch runde und ovale Öffnungen sowie rundbogige Schallfenster und Blendfenster sowie durch aktanthusverzierte Ziffernblätter der Turmuhr geschmückt.

Im Turm hängen zwei kleine Glocken, die zu den ältesten des Landkreises Dachau zählen.
— Die größere davon trägt die Inschrift "paulus anno d. MCCCCXII" (1412). Sie ist auf den Ton h''
   (andere Quelle: b") gestimmt und
besitzt einen Durchmesser von 41 cm. Diese Glocke dürfte aus
    der Werkstatt des Münchner Gockengießers Paulus stammen.
— Die kleinere Glocke berichtet uns in gotischen Minuskeln IHS nacarenus rex ludeorum anno domini
    MCCCCLXIII" (1463). Sie klingt mit dem Grundton e'''und hat einen Durchmesser von 39,5 Zentimetern.
Vom Glockengeläute gibt es im Internet eine Tonaufnahme: klicken Sie hier...

Der Kirchenraum wird durch barocke Ovalfenster erhellt. Sie haben runde und ovale Formen, wie man sie kaum mehr im Landkreis findet.
Der Chor schließt gerade. An der Ostseite befinden sich kleine Lichtschlitze, von denen einer eine (umgekehrte) Schießschartenform besitzt.

runde und ovale Fenster

Die Sakristei wurde 1713 errichtet. Der Eingang zur Kirche befindet sich an der Langhaus-Nordwestseite.

Bekannt ist, dass der Kranzberger Maler Thaddäus Kärpf/Karph im Jahr 1720 Figuren von St.Georg und St.Stephan gefasst (=bemalt) hat, die heute als Assistenzheilige auf beiden Seiten des großen Marienbildes auf dem Barockaltar stehen.
Karpf war auch in der Kirche von Mittermarbach künstlerisch tätig.

Im Jahr 2015 wurde am Karfreitag erstmals ein Heiliges Grab aufgestellt. Wenn Sie ein Bild davon sehen möchten, klicken Sie hier...


Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland wirkende Maler, Amperland 1982 (Kärpf)

Dr. Günther Flohrschütz, Hochmittelalteres Herrenleben im alten Amperland, Amperland 1991/2
http://www.glockenklaenge.de/orte/bay/index.html, 2014-10-30 (Glockenläuten)

4 Bilder: Horst Lachmann (2), Hans Schertl (2)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11.10.2015