zur Landkreiskarte                                          Kirchen in der Gem.Hilg.-Tandern


Dreifaltigkeitskapelle in NIEDERDORF


Beschreibung

Der Weiler Niederdorf und der Nachbarort Oberdorf hatten früher einen gemeinsamen Ortsnamen.

In einer Tauschurkunde des Tanderner Ortsherrn Arnold vom Jahr 1220 wurde die Ortschaft erstmals als "Ruterit" erwähnt. Die Altomünsterer nannten es um 1260 "Rueteried",die Indersdorfer schrieben 1330 in das Grundbuch "Rutingenried" und die Augsburger notierten 1391 in ihrem Besitz-verzeichnis, sie hätten zwei Besitztümer in "Rüttinried".

Niederdorf allein wurde 1495 in einem Dokument des Klosters Indersdorf genannt (Nyderdorff).

Die erste Kapelle in Niederdorf wurde von einem gewissen Herrn Erhart um das Jahr 1840 erbaut. Sie war dem Hl. Wendelin geweiht. 
1938 wurde diese Kapelle noch gründlich renoviert. 

20 Jahre später, am 16. Juli 1958, raste ein Orkan mit bis zu 200 km/h über die Gegend, begleitet von einem halbstündigen Hagel-Wolkenbruch. Kein Haus in Ober- und Niederdorf blieb heil. Sogar eine Tote war zu beklagen. Auch die Kapelle wurde so stark beschädigt, dass sie abgetragen werden musste.

Im Jahre 1965 wurde an gleicher Stelle von der Familie Kreitmeir die jetzige Kapelle  mit dreiseitigem Chorabschluss und spitzhelmigem Dachreiter erbaut und von H.H. Pfarrer Pürner der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht.

Im Turm hängen zwei Glöckchen.


Hinter dem schönen trapezförmigen Holzaltar ragt ein Kruzifix mit darunter stehender Mater dolorosa (schmerzhafter Muttergottes) empor.

Zu beiden Seiten des Altars sind an der Wand holzgeschnitzte Figuren der Heiligen
Mutter Anna mit dem Jesuskind (links) und
St.Leonhard (rechts) angebracht
Die beiden Heiligen sind die Namenspatronen des Kapellenerbauers und seiner Gattin.

Feuerwehfahne

 

In der Kapelle befindet sich die über 100 Jahre alte Fahne (Standarte) der Feuerwehr.

Jedes Jahr findet im Juli in der Kapelle zur Erinnerung an das schwere Unwetter ein Gottesdienst statt.

Der Sturm hatte übrigens auch die Kirche in Thalhausen schwer beschädigt. Das Steinkreuz des Turmes stürzte auf das Kirchendach herab. Auf dem Friedhof fielen mehrere Grabsteine um.

Am Eingang die Figur des hl. Wendelin, des früheren Patrons der Kapelle, mit Hirtenstab und umgebundener Hirtenflasche.
Hinweis: Wendelin (555-617) ein schottischer Königssohn, war Schafhirte bei einem Edelmann in der Nähe von Trier. Der kontrollierte ihn und war erzürnt, dass Wendelin sich so weit entfernt hatte und ihm das zum Verzehr bestimmte Tier nicht rechtzeitig werde bringen können. Doch als der Erboste in seinen Hof zurückkam, war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken, bat der Herr Wendelin um Vergebung, baute ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters Tholey dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählten, ohne dass Wendelin je Priester geworden wäre.

St.Wendelin

Hans Schertl

Quellen:
Festschrift Frwll.Feuerwehr Niederdorf
Fr. A.Kreitmeir, 2002
Wilhelm Liebhart in Hilgertshausen-Tandern, Bilder aus vergangenen Tagen, 2003
Dachauer Nachrichten vom 17.7.2008 (Sturm)
Wilhelm Liebhart in "St.Ulrich und Afra zu Augsburg, Historischer Atlas von Bayern, Schwaben Reihe II

5 Bilder: Hans Schertl

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6.11.2009