zur Landkreiskarte                                   Kirchen in der Gem.Hebertshausen


Ehem. Hofkapelle in Lotzbach




Lageplan von Lotzbach 1936


Beschreibung

Lotzbach liegt an der Kreuzung der beiden stark befahrenen Straßen von Röhrmoos nach Haimhausen und von Biberbach nach Ampermoching.
Dort stand westlich vom derzeit bestehenden Kreisel mindestens zwei Jahrhunderte lang (von vor 1751 bis nach dem 2.Weltkrieg) eine Kapelle des "Simonschmidhofs"
03) in Lotzbach HausNr.3.
Eigentümer dieses großen Hofes mit 180 Tagwerk Grund (1812) war bis ins 19.Jh. hinein der Hofmarksherr von Schönbrunn.

Das Baujahr des kleinen Gotteshauses selbst ist unbekannt. Aber sie muss jedenfalls schon 1751 bestanden haben, weil im Diözesanarchiv München ein Antrag vom 14.März 1751 aufbewahrt wird, in dem die Pfarrei Ampermoching um "Genehmigung der Einsetzung eines Kreuz-weges in der Kapelle Lotzbach" bittet.
01) Die Kapelle wird in dem Antrag als "altes, gar feines Gebäud" bezeichnet; sie dürfte somit schon einige Zeit früher errichtet worden sein. Vielleicht ist sie zu der Zeit entstanden, als ein Sohn der Familie, Georg Schmid, Priester geworden ist (er war 1705 Pfarrer von Feldmoching). 04)

Die Kapelle wird später beschrieben als
- nach Westen ausgerichteter Bau mit einem Türmchen, in dem
  ein kleines Glöcklein hing,
- mit einer halbkreisförmigen Apsis
- einem Altarsockel und einem großen Kruzifix im Inneren
- und ab 1751 wohl mit einem Kreuzweg.

In dem von Kaplan Stanislaus Todtveiller unterschriebenen Antrag auf kirchliche Genehmigung dieses Kreuzwegs von 1751 wird über die Kapelle noch Folgendes berichtet: 02)
  "... Die vorübergehenden Personen danken Gott. Die Kapelle wurde durch Spenden wieder renoviert. Viele Leute gehen jede Woche am Freitag zum Wochenmarkt nach Dachau und verrichten dabei ihre Andacht.
Viele Gläubigen stellen die Bitte, dass in dieser kleinen Kapelle zur Betrachtung die Aufrichtung an beiden Seiten kleine Täflein in Form eines Kreuzweges angebracht werden. Ein alter verwitweter Bauer, dessen Schwiegersohn Franz Huber heißt, bittet demütigst, die Täflein gratis herbeizuschaffen. Es ergeht das demütige Bitten, dass dieser Kreuzweg in der besagten Kapelle herbeigeschafft werden könne. Dadurch würde der Nutzen vermehrt. Diese Kapelle würde nachts verschlossen werden.
Untertänigst gehorsamster Kaplan Stanislaus Todtveiller"


Mehr Information haben sich über das Ende der Kapelle erhalten. Im Staatsarchiv befinden sich Dokumente aus den Jahren 1936/1937, die die Bemühungen des Bezirksamts Dachau belegen, die damalige Eigentümerin Anna Huber zu einer Renovierung oder einem Abriss der schon baufälligen Kapelle zu veranlassen; weil sie das Landschaftsbild verschandelt. Georg Werner aus Ampermoching hat die Dokumente ausgewertet und schreibt dazu:
 

"Gesichert ist, dass die Kapelle im Eigentum des "Simonschmidhofes" stand. Aus den Akten geht hervor: Eigentümerin war im Jahre 1936 die Bauerswitwe Anna Huber 2) ; ihr Mann Mathias Huber war am 03. September 1928 verstorben.
Das verwaltungsmäßige Einschreiten 1)
Am 05. Mai 1936 richtete das Bezirksamt Dachau ein Schreiben an den Herrn Bürgermeister in Ampermoching mit dem Betreff: "Sauberkeit und Schönheit in Stadt und Land". Bei einer am 28. April 1936 stattgefundenen Besichti-gungsfahrt wurde der Zustand der Kapelle beanstandet, da diese dem Verfall entgegen geht und seit unvordenk-licher Zeit nicht mehr renoviert wurde. Schäden weisen die Eindeckung des Daches, die Fenster, das Innere und das Mauerwerk auf. Es ergeht deshalb laut einer Verfügung des Staatsministeriums des Innern vom 23. Januar 1936 der Auftrag, die Kapelle wieder in Stand zu setzen oder abzureißen, "denn als halb verfallenes Bauwerk verschandelt sie die Gegend und das Landschaftsbild". Die Gemeinde Ampermoching wurde aufgefordert, binnen zwei Wochen über das weitere Vorgehen zu berichten. Mit Schreiben vom 19. Mai 1936 teilte Bürgermeister Reischl dem Bezirksamt Dachau mit, die Kapelle werde von der Besitzerin entfernt.
Am 25. Juni 1936 wurde eine weitere Besichtigungsfahrt durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass an der Kapelle nichts renoviert wurde. Es erging am 26. Juni 1936 eine bezirksamtliche Weisung, bis spätestens 1. August 1936 die Kapelle herzurichten bzw. abzubrechen, wovon die Besitzerin zu verständigen sei.
Die Verzögerungen bei der Durchführung 1)
Wie damals üblich, war die Gendarmeriestation Haimhausen für die Überprüfung zuständig, ob die angeordneten Maßnahmen auch vollzogen wurden. Mit Schreiben vom 23. August 1936 teilte diese dem Bezirksamt Dachau mit, Frau Anna Huber gebe auf Vorhalt an: der Hof umfasse 160 Tagwerk Grund, wegen der anstehenden Heu- und Erntearbeiten sei es ihr unmöglich gewesen, Arbeitskräfte von den landwirtschaftlichen Arbeiten abzuziehen. Sie werde aber bis 1. November 1936 die Kapelle niederlegen, sobald die vordringlichsten landwirtschaftlichen Arbeiten durchgeführt sind.
Aber nicht jede Abrissverfügung erhält das unvoreingenommene Plazet. Wie dem Schreiben des Bezirksamtes Dachau vom 5. September 1936 entnommen werden kann, erhob der Ausschuss für Naturschutz gegen den Abriss der Kapelle Einspruch; diese solle vielmehr erhalten bleiben. Der jetzige Zustand könne so nicht bleiben und Frau Huber solle mit einem Handwerker ins Benehmen treten. Falls die Kosten zu hoch würden, werde sich das Bezirksamt für die Gewährung eines Zuschusses einsetzen.
Die Entscheidung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalspflege 1)
Mit Schreiben vom 23. Januar 1937 bestätigte das Bayerische Landesamt für Denkmalspflege dem Bezirksamt Dachau den Eingang von Bildern der Kapelle. Eine Sichtung der Bilder habe ergeben, dass es sich um einen ganz einfachen Bau handele. Nach Meinung des Landesamts sollte es doch ein Anliegen der Ortsbewohner sein, die bauliche Instandsetzung zu übernehmen, wenn andernfalls ein vertraut gewordenes Bild aus Ort und Landschaft verschwände. Zuschüsse könnten nicht zugesagt werden, weil nur wenige Bewohner betroffen und zudem die für Zuschüsse zur Verfügung stehenden Mittel sehr knapp seien. Eine Besichtigung der Kapelle sei unter diesen Umständen nicht erforderlich.
Das Ende der Kapelle
Der Standort 3) der Kapelle befand sich westlich des derzeit bestehenden Kreisels in unmittelbarer Nähe des Lotzbaches. Nach glaubhaften Aussagen 4) wurde der Abriss nicht im Jahre 1937 vollzogen. Die Kapelle stand, obwohl sie baufällig war, auch nach dem II. Weltkrieg noch. Genau konnte das Abrissdatum nicht mehr angegeben werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es um das Jahr 1948 war, ist sehr hoch. Von der Inneneinrichtung war nichts mehr vorhanden. Die Kapelle mit einer halbkreisförmigen Apsis war nach Westen ausgerichtet, hatte einen Altarsockel und war mit einem Türmchen versehen, der ein kleines Glöcklein enthielt. Das Glöcklein wurde im Zusammenhang mit dem Abriss auf dem Speicher des Wohnhauses des Simonschmidhofes gelagert. Im Jahre 1955 wurde das Wohnhaus einer Renovierung unterzogen. Dabei verschwand das Glöcklein auf Nimmerwiedersehen. 5)

Anmerkungen:
1) STAM, LRA 129695, freundlicherweise von Josef Glas zur Verfügung gestellt.
2) Josef Glas, Sterbebilder aus der Pfarrei Ampermoching, 1911, S. 282
3) STAM, LRA 129696, freundlicherweise von Josef Glas zur Verfügung gestellt.
4) Freundliche Mitteilungen des Peter Orthofer und des Michael Kreitmeir, beide Lotzbach
5) Der Standort der Kapelle, STAM, LRA 130596


Quellen:

01) Bitte um Genehmigung der Einsetzung eines Kreuzweges in der Kapelle Lotzbach, Kontext Bestand: AA001/3 Lokalia - 1409-
      1951 Signatur AA001/3, PfarrA1364
02) wie 1). Transkription Georg Werner, Ampermoching 2022
03) Der Standort der Kapelle, STAM, LRA 129696
04) Josef Kiening, Genealogie und Haus-Chroniken im Gebiet nordwestlich von München, www.genealogie-kiening.de


Bild: Bayerisches Staatsarchiv München

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.12.2024


Der Standort der ehemaligen Hofkapelle 03)