zur Landkreiskarte              Kirchen in der Gem. Karlsfeld


Evangelische Korneliuskirche in KARLSFELD

Eingangstür
Adresse: 85757 Karlsfeld, Allacher Str.1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Nach dem 2. Weltkrieg waren viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in den Lagern Allach und Ludwigsfeld untergebracht. Die Seelsorge für die evangelischen Flüchtlinge wurden zunächst von Allach und später von einer Notkirche am Bahnübergang zwischen Gerberau und Allach erbracht.

Als Karlsfeld in den 1950er Jahren einen großen Bevölkerungszuwachs erfuhr, erhob die Landessynode 1963 das Gebiet von Karlsfeld mit dieser Notkirche zur selbstständigen Pfarrei.Sie hatte damals 2400 Gemeindemit-glieder (heute 3000). Bald schon wurde mit dem Bau eines neuen Gotteshauses, der Korneliuskirche, begonnen.

Die Kirche ist ein moderner Zweck-bau aus Klinker-steinen mit ein-fachen, klaren Linien. "Die Schön-heit muss von der versammelten Ge-meinde kommen", heißt es.


Kerzen am Altar 

Aber das ist natürlich untertrieben. Denn das Gotteshaus hat wegen seines hohen Raumes eine besonders gute Akustik; deshalb werden gerne Konzerte abgehalten. Zwischen Kirche und Gemeindezentrum ist ein schöner Innenhof mit intimer Atmosphäre entstanden.

Im Oktober 2000 fand in der Korneliuskirche die vielbeachtete Ausstellung  "Kreuzes Weg" statt, in der 28 Künstler ihre Werke zeigten und die von Kirchenkonzerten, Führungen, Kinder-Mitmachmusical und Podiumsdiskussionen begleitet war. Vier Ausstellungsstücke sind in Bereich der Kirche geblieben und schmücken den Kirchenraum, den Innenhof sowie den Vorplatz.

Inneneinrichtung

Die Wände im Kircheninneren sind mit Klinkersteinen erbaut. Sechs Fenster unter dem Betondach erhellen den Raum.

An der Stirnseite des Kirchenraums hängt unter den roten Glasbausteinen, die zusammen ein Kreuz bilden, das beeindruckende Kreuzigungsbild der Münchner Künstlerin Barbara Tax. Es war Bestandteil der Ausstellung "Kreuzes Weg".

An der linken Seite ein großes Gemälde mit dem biblischen Thema "die Frau am Brunnen" (Joh.4), das als Schmuck für die Konfirmationsfeier 2002 gedient hatte. 


Glasbausteine
In der linken Außenmauer des vorderen Kirchenraums sind weitere Glasbausteine in blauen Farbtönen zu sehen, die ebenfalls zusammen ein Kreuz bilden.
5 Details (Bilder, Fenster Taufstein) per Mouseklick.
 
An der linken Seite steht vor den Bänken der Taufstein. Es ist ein großer grauer Marmorblock, in den oben eine Mulde für die Aufnahme des Taufwassers eingearbeitet wurde.
  Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden.

2 Details per Mouseklick.

Die heutige Orgel wurde im Mai 1984 eingebaut.

Sie ersetzte das Vorgängerinstrument, das in den 1920er Jahren als Hausorgel für Professor Sagerer, dem Organisten der Lukaskirche in München, gebaut worden war. Nach dem 2.Weltkrieg stand sie in der Lutherkirche. 1969 wurde sie von der Korneliuskirche erworben. Es handelt sich um ein zweimanualiges Werk mit 15 Registern. ....mehr zur Orgel...


Unter der Orgel ist an der Rückseite ein weiteres Kunstwerk angebracht, das von der Ausstellung "Kreuzes Weg" stammt. Unter dem Strichcode sind die Worte "Allein durch den Glauben" zu lesen. 

mit Strichcode
Auf dem Kirchenvorplatz vor dem Kirchturm steht seit 2000 eine monumentale Holzskulptur "Kreuzes Weg"des Gröbenzeller Künstlers Hannes L.Götz. Die Skulptur -ein Torso aus Eschenholz- bildet eine begehbare Kuppel, deren Grundriss ein Kreuz bildet. 
Hannes Götz hat 1999 als Wettbewerbsgewinner die Gedenkstätte für die Opfer des Attentates auf die Israelische Sportmannschaft, während der Spiele der XX. Olympiade 1972 in München in Fürstenfeldbruck gestaltet.
...mehr zum Künstler auf seiner Internetseite...

Kreuzes Weg

Im Innenhof des Gemeindezentrums hängt der zerbrochene Spiegel in Kreuzesform, der ebenfalls aus der Ausstellung  "Kreuzes Weg" stammt. 

 

Von 2007 bis 2014 war Martin Zöbeley Pfarrer von St.Kornelius. Der studierte Musikwissenschaftler Zöbeley war im gesamten Münchner Raum auch als exzellenter Musiker und Chorleiter bekannt.


zerbrochener Spiegel

Pfarrhaus
Kurz nach dem Kirchenbau hat man in der Allacher Straße ein Pfarrhaus errichtet. Es war einen zweckmäßiger Bau, in dessen Erdgeschoss das Pfarrbüro, im ersten Stock die Wohnung für die Pfarrer untergebracht war. 2018 wurde/wird es abgerissen und durch einen größeren Neubau mit weiteren Wohnungen ersetzt. 07)  


Hans Schertl


Quellen:
01) www.karlsfeld.de/docs/kirchen
02) Dachauer SZ vom 12.10.2000, 31.10.2000, 5.11.2003
03) Gemeindebrief Mai 1984
04) Conny Kirmaier, Dachauer Nachrichten vom 15.1.2015 (Zöbeley)
05) http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Goetz (Götz), Zugriff 2015
06) Thomas Leichsenring, Dachauer Nachrichten vom 1.9.2015 (3000)
07) Elfriede Peil, Altes Pfarrhaus soll renoviert werden, Dachauer Nachrichten vom 4.12.2017

13 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür


Die Orgel in der Korneliuskirche
von Orgelbauer Josef Garhammer

Die Orgel wird gern als "Königin der Instrumente" bezeichnet und dies wohl zu Recht: Welches andere Musikinstrument könnte sich mit einer Pfeifenorgel in bezug auf Schönheit und Mannigfaltigkeit des Klanges oder auch nur hinsichtlich seiner Größe messen? Dabei gleicht keine Orgel der anderen. Jedes Instrument soll auf den Raum, in dem es steht, abgestimmt sein.
Um eine Orgel im Einzelnen besser verstehen zu können, vergleiche ich für Sie das Instrument mit dem Körper eines Menschen:

Kleid und Haut ist das Gehäuse. Es umschließt schützend die Innenteile, dient zur Klangabstrahlung und Resonanz. Die Orgel von Kornelius ist in einem Massivholzgehäuse aus sibirischer Kiefer gebaut.

Gesicht ist die Vorderfront. Sie wird in der Fachsprache "Prospekt" genannt. Dieser besteht aus 45 Zinnpfeifen mit einem Zinngehalt von 75 %. Durch diese sichtbaren Prospektpfeifen sieht der Kirchenbesucher 5 % der gesamten klingenden Zinn- und Holzpfeifen dieser Orgel.

Gehirn ist der Spieltisch, der Arbeitsplatz des Organisten. Von hier aus wird die Orgel zum Klingen gebracht. Zwei Tastenreihen, genannt Manuale für zwei Hände und ein Pedal für die Füße. Links und rechts neben dem Spieltisch die rein mechanischen Registerzüge, sie dienen zum An- und Abstellen der einzelnen Pfeifenreihen, genannt Register. So kann der Organist die Klangfarben frei wählen.

Lunge ist das Gebläse, bestehend aus einem Spezialfabrikat, das, die nötige Luftmenge über einen Vorbalg, Kanäle, zu den Druckausgleichsbälgen unter der Windlade leitet.

Körper Die Windlade, wird mit Luftmengen versorgt, besteht aus Tonventilen, Windkammern (Tonkanzellen), Holzschleifen und Pfeifenstöcken. Zieht der Organist ein Register, verschiebt sich die Holzschleife (Holzleiste mit Löchern), sodass drei Bohrungen genau übereinander stehen. Durch das Drücken der Taste, öffnet sich das Tonventil zur Tonkanzelle, der Wind kann ungehindert durch die Holzschleife und den Prospektstock zur Pfeife strömen und erklingen lassen.

Nervensystem ist die Verbindung von den Tasten zu den Ventilen, die sogenannte Traktur oder Spielmechanik. Hier in Kornelius ist die Spielmechanik rein mechanisch, d.h. die Tasten sind über Holzabstrakten (8 mm x 1,3 mm) und Wellenbretter direkt mit den Tonventilen verbunden. Das Tonventil reagiert auf den geringsten Tastendruck.

Gliedmaßen sind das Pfeifenwerk der Orgel, die Orgel der Korneliuskirche hat insgesamt 904 Pfeifen, aufgeteilt in 15 Register. Jedes Register besitzt eine eigene Klangfarbe. Sie sind untereinander mischbar; optisch zu vergleichen mit Malfarben, man mischt Blau und Gelb es wird grün. Das Pfeifenmaterial besteht überwiegend aus Zinn- Blei- Legierung, die restlichen Pfeifen aus Kiefernholz.

Herz und Seele. Der Organist ist in der Lage, die Orgel leben zu lassen. Durch sein Spiel mit dem Klangreichtum der Orgel kann er die Herzen aller Menschen erreichen. Der Kirchengemeinde wünsche ich mit ihrer neuen Orgel noch viele musische Stunden.

Ihr Orgelbauer Josef Garhammer


5.12.2017