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Ehem. Kapelle zu Ehren des hl.Johannes Baptist in HARRESZELL

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Beschreibung

Harreszell könnte wie Arnzell eine fränkische Mönchsniederlassung aus der Zeit des hl.Alto sein (um 800). Der Name weist auf einen Eremiten der wohl Flachs erntete und trocknete. Flachs hieß im Mittelhochdeutschen "har", im Althochdeuten "haro". 01)
Schriftlich erwähnt wurde die Einöde erstmals im Jahr 1345
02) oder 1314 01) im Zusammenhang mit Otto von Harreszell, der einem Freibauerngeschlecht angehörte 02) , das bis 1421 auch einen Hof in Aychstock (Eichstock) und von 1346-1368 den Ketterhof (heute Kattalaich) besaß. 01)

Die Herren von Harreszell waren sog. Einschildritter, das waren innerhalb der sieben Ränge zählenden Heerschildordnung die zweitniedrigste Stufe. Sie besaßen zwar ein Wappen, aber kein Siegel. 03)

Ob schon damals eine Kapelle am Hof existierte (und schriftlich genannt wird), wie in Wikipedia behauptet 02) oder erst eine Urkunde aus dem Jahr 1410 auf die Kapelle zu Ehren des hl.Johannes Baptist hinweist, wie Fischhaber/Kröner 01) berichten, müsste noch geklärt werden. Der Text in der Urkunde von 1410 lautet: "Der gefrewt Sedlhof Herriszell ist ein gefrewte Hofmarch. Gericht, Herrlichhait, Grunt vnd Podin mitsampt der Capellen Sand Johannis, Zehent klain vnd groß, pfärrliche Recht vnd allen Sachen ist vnsers wirdigen Gotzhauß freyß Aigen, darein nyemant ze pieten hat dann wir."

Jedenfalls befand sich die Kapelle an der Stelle, an der heute der alte Stall steht.
Von ihr ist bekannt, dass sie als Grundriss ein regelmäßiges Achteck hatte, mit einer Länge/Breite von immerhin 10 Metern.
Im Turm hingen 2 Glocken. 1410 sollen sich der Sedelhof wie auch die Kapelle St.Johann darin in einem desolaten Zustand befunden haben. Das ergibt sich aus zwei Urkunden dieses Jahres, in denen der Freisinger Bistumsadministrator Ulrich von Wal zu Spenden und Almosen für die darniederliegende Kapelle S.Johannes Baptistae aufrief. Der Aufruf hatte Erfolg. Denn 1416 konnte Weihbischof Albert die Kapelle auf Bitten des Indersdorfer Propstes Erhard Prunner einweihen.

Harreszell gehörte im 15.Jh. zur Pfarrei Glonn und nicht -wie zu erwarten wäre- zur Pfarrei Langenpettenbach. Patronatsherr der Kapelle war das Stift Indersdorf. 03)

Seit 1443 gehörte der Hof in Harreszell dem Kloster Indersdorf. Der Konvent ließ die Kapelle 1718 neu errichten.
Nach der Klosteraufhebung 1783 fielen der Hof und die Kapelle an den bayerischen Staat. Der wusste mit der Kapelle nichts anzufangen und brach sie 1791 ab.

Hans Schertl

Quellen:
01) Jakob Fischhaber u. Josef Kröner, Langenpettenbach früher und heute, 1987
02) Wikipedia, Harreszell, 2009
03) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Ländliche Rechtsquellen aus dem Stift Indersdorf, Amperland


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