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Kapelle St. Franziskus in HADERSRIED

Navi-Adresse : 85235 Odelzhausen, Hadersried 10
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Die Ortschaft Hadersried wurde erstmals im Jahr 1330 als Haedrisried (Rodung des Hadurih) erwähnt. Im 15.Jh war Hadersried Mittelpunkt einer Grafschaft gleichen Namens und Sitz eines Gerichts.

Die dem hl. Franziskus geweihte Ortskapelle steht in der Ortsmitte an der Straße zwischen Unterumbach und Miegersbach neben einem Birnbaum.
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus (= Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen und Kapellen kurz beschrieben.

Zur "Capella s.Francisci in Hadersriedt" bemerkt er, sie sei im Jahr 1734 im Einvernehmen mit dem Bischof von der Bevölkerung errichtet und mit dem einzigen Altar dem hl.Franziskus Seraphicus gewidmet worden. Das Gotteshaus sei noch nicht geweiht. Dies war auch 1870 noch immer so, berichtet Beneficiat Anton Mayer.

Der kleine, durchwegs schindelgedeckte Bau ist durch gelb gestrichene Pilaster, Lisenen und Gesims gegliedert. Über dem Kapelleneingang weist eine Inschrift auf das Jahr 1759 hin. Es dürfte das Weihe-datum gewesen sein. Unter der Inschrift ist das Jesusmonogramm IHS ange-bracht. Die Zeichen IHS bedeuten "JHS(OUS)" = Jesus oder auch volkstümlich "Jesus, Heiland, Seligmacher".

Auf dem Dach des rechteckigen Gebäudes mit halbrundem Schluss sitzt ein gut proportionierter Dachreiter mit Zwiebelkuppel.

Neben der Eingangstüre ist in die Mauer ein faustgroßes Loch gebrochen, das einen Blick in den verschlossenen Kapellenraum zulässt.

Inneneinrichtung

Der Innenraum wird durch vier Rundbogenfenster erhellt.

Der Altar besitzt einen Säulenaufbau mit gesprengtem Segmentgiebel.  Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde.

Im Altarauszug ist in einem ovalen Bild der Patron der Kirche, der hl. Franziskus zu sehen sein. Thema des Bildes dürfte dem Empfang der Wundmale (Stigmata) kurz vor dem Tod des Heiligen sein.
  Hinweis: Franziskus ist in der braunen Kutte der Franziskaner abgebildet. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.
Franziskus (1181-1226) entsagte allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Alle waren ihm Schwester und Bruder, auch Sonne, Mond und Tod, wie es sein "Sonnengesang" ausdrückt. Franziskus war übrigens der erste stigmatisierte Heilige.

Mittelpunkt ist ein großes Altarbild, das zwei heilige Priester (der Linke mit einer Kasel, der Rechte mit einem Rochett bekleidet) auf Gewölk kniend darstellt. Darüber schwebt die Muttergottes in himmlischer Glorie, dargestellt als Königin des Himmels.

Auf dem Altartisch steht auf einem kleinen Sockel die Statue einer schwarzen Muttergottes, einer Kopie des Altöttinger Gnadenbildes. Die Muttergottes ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.

Altarbild Kapellenaltar (1738) mit gedrehten Säulen und Sprenggiebeln
 

Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.
Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

 

Kreuzwegbilder

An den Wänden hängen die im bäuerlichen Stil gemalten Holzbilder der 14 Kreuzwegstationen aus der 1.Hälfte des 19.Jh. mit schön geschwungenen Aufsätzen in barocken Formen.

Kreuzwegbilder sind in der Regel Originalgemälde; aber in der Komposition der Figuren (Haltung, Farbe, Zahl der Soldaten) folgten manche Maler besonders beliebten Kreuzwegdarstellungen der jeweiligen Zeit. So gleichen sich in dieser Weise die Kreuzwege hier in Hadersried, in Feldgeding (20.Jh) und in Etzenhausen (1776 von B.Specht).

Hinweis: Als Kreuzweg werden die aufeinander-folgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen.
Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidens-weg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Als die Araber Jerusalem eroberten, wurde dies schwie-riger. Seit dieser Zeit wurden Kreuzweg-andachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abge-halten. Die Stationen bildeten dafür die Leidens-stätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der
letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5.Station (beschädigt)
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...

Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Friedrich Hector Graf Hundt, Alterthümer des Glongebietes, 1855
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, 1992

18 Bilder: Hans Schertl (2018)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

6.9.2018