Kirchen und Kapellen im Dachauer Land                             Kirchen in der Gem.Hilg.-Tandern

Bründlkapelle in GUMPERSDORF



Im Inneren der Kapelle befand sich früher ein "hochgeehrtes Kruzifixbild" (Anton v.Steichele) aus dem 15. Jh., das jetzt in der Pfarrkirche Hilgertshausen hängen soll (über dem Choraltar) 01)
.
1895 wird es von Bezold/Riel 02)
noch als Kapellenfigur beschrieben: " Auf dem Hochaltar Crucifixus vom Anfang des 16. Jh, das Haupt nach rechts gesenkt. Gute Arbeit. Höhe: 132 cm."

Das heutige Kruzifix in der Kapelle dürfte aus der Kunstepoche des Historismus (2.Hälfte des 19.Jh) stammen.
Die gut proportionierte Kreuzigungsgruppe wird durch ausdrucksvolle Figuren des Gekreuzigten und den unter dem Kreuz stehenden Maria und Johannes gebildet.
  Hinweis: Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich.


1974/75 wurde die Kapelle unter maßgeblicher Beteiligung des 2.Bürgermeisters Nikolaus Glas und vielen andern freiwilligen Helfern renoviert. 05)


Beschreibung

Am Rande von Gumpersdorf, jenseits der Ilm, liegt die sog. Bründlkapelle. Dieses kleine Gotteshaus soll eine frühere Wallfahrtsstätte gewesen sein; das schreibt der in Schwaben aufgewachsene Münchner Erzbischof Anton von Steichele (1816-1889) in seinem Monumentalwerk "Das Bistum Augsburg" von 1864 01) : Dort heißt es:
  "Nahe Gumpertsdorf jenseits der Ilm liegt die s.g. Brünnl-Kapelle, als Wallfahrtsstätte besucht, mit einem hochgeehrten Crucifixbilde aus dem 15. Jahrh. Früher über dem noch mit Mauerwerk einfaßten und gedeckten Brunnen im Moose gebaut, wurde sie 1754 vom Frhrn. Sigmund Maria Lösch einige Schritte von der Quelle neu hergestellt. In ihr darf die hl.Messe gelesen werden. (Ord-Lic. ad septenn. v. 11.Mai 1861), und wird am 6.Sonntage nach Ostern Gottesdienst gehalten. "

Die von Frhr. Sigmund Maria Lösch im Jahr 1754 errichtete Kapelle steht also einige Schritte neben der Quelle. Ihr Vorgängerbau befand sich genau über dem damals noch mit Mauerwerk eingefassten und gedeckten Brunnen.
Auf der dem Fluss zugewandten Seite der Kapelle sitzt ein sehr kleiner, voll mit Blech verkleideter Dachreiter.

           

Bründl

Die Quelle, das Bründl, liegt einige Meter nördlich der Kapelle in Richtung Ilm (s. Bild rechts).
Sie ist mit einem kleinen, nach vorne offenen Rundbau überdeckt. (s. Bild links).

Eine Treppe führt von der Kapelle hinunter zum Bründl.

 

Hans Schertl

Quellen:
01) Anton Steichele, Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben, Zweiter Band Augsburg 1864, S. 187

02) Bezold/Riel, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, 1895
03) Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
04) Wilhelm Liebhart in Hilgertshausen-Tandern, Bilder aus vergangenen Tagen, 2003
05) Josef Ostermair, Dorf trauert um Nikolaus Glas, Dachauer Nachrichten vom 8.8.2016 (Renovierung 1974)

4 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018